JA 

die neue Kirchenzeitung

11. Dezember 2022 

Lesungen: Jes 35,1-6a.10 und Jak 5,7-10. Evangelium: Mt 11,2-11.

Ein Preis nur für Frauen

Frau Ava, die erste Dichterin in deutscher Sprache, war eine bezaubernde und selbstbewusste Frau. Im Gedenken an die 1127 Gestorbene wurde vor 20 Jahren die „Frau Ava Literaturgesellschaft“ gegründet, die jedes zweite Jahr einer Schriftstellerin einen Preis vergibt für einen Prosatext, der sich auf neuartige und innovative Weise in Sprache und Form mit Themen im Spannungsfeld von Spiritualität, Religion und Politik auseinandersetzt und sich an erwachsene und/oder junge Leserinnen und Leser wendet. 
Aus Anlass des Jubiläums würdigte das Land NÖ drei führende Persönlichkeiten mit dem „Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Niederösterreich“. 


Landeshauptfrau Mag. Johanna Mikl-Leitner überreichte am 6. Dezember die Ehrenzeichen an Mag. Alice Klein (Obfrau seit der Gründung) und Dr. Hubert Hladej (Vorstandsmitglied seit der Gründung und Schriftführer; er hat den  Frau Ava-Turm in Klein-Wien der Nachwelt gesichert). 
Dr. Erika Schuster (2001-2018 Vorsitzende der Jury) konnte die Würdigung aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich in Empfang nehmen. 
Unter den bisherigen Preisträgerinnen waren 5 Schriftstellerinnen aus Deutschland und 4 aus Österreich. 
Die Preisträgerin 2009 war die junge aus der Ukraine stammende Marjana Gaponenko.                                               P. Udo

 

Ukraine: Öfen und Generatoren für den Kriegswinter 

Angesichts des Wintereinbruchs in der Ukraine und der Zerstörung großer Teile der Energieversorgung finanziert das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) Öfen und Generatoren für kirchliche Einrichtungen. Dort finden viele Einwohner und Flüchtlinge Zuflucht. Einfache Holzöfen werden auch in der lokalen Bevölkerung verteilt.
„Wir befürchten, dass der Wintereinbruch in Regionen, wo wegen der zerstörten Infrastruktur das Heizen nicht mehr möglich ist, zu noch mehr Vertriebenen führen wird. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder“, erklärte die Projektreferentin von „Kirche in Not“ für die Ukraine, Magda Kaczmarek, die gerade von einer Reise in die Ukraine zurückgekehrt ist.
Angriffe sollen es unmöglich machen, den Winter zu überleben
Die aktuellen russischen Drohnenangriffe zielten Kaczmarek zufolge „nicht auf strategische Ziele“ ab, sondern darauf, „das tägliche Leben der Ukrainer zu verschlimmern“ und es „unmöglich zu machen, den Winter an diesen Orten zu überleben.“ In einigen Regionen des Landes, vor allem in der okkupierten Ostukraine, würden die Temperaturen im Winter üblicherweise auf unter Minus 20 Grad Celsius fallen. Nach Angaben der ukrainischen Regierung sind die Hälfte der Kraftwerke und Energieanlagen des Landes zerstört.
Als Reaktion auf die dramatische Versorgungslage hat „Kirche in Not“ ein weiteres Hilfspaket für die Ukraine geschnürt: Dazu gehören Finanzhilfen für den Kauf von Heizöfen und Stromgeneratoren, darunter 40 Generatoren für das in größten Teilen von Russland besetzte ukrainisch griechisch-katholische Exarchat (Bistum) Donezk.
Auch Österreichs Caritas liefert 100 Stromgeneratoren
Zur Absicherung der Hilfe vor Ort hat die österreichische Caritas die Entsendung von 100 Stromgeneratoren in die Ukraine angekündigt.
Den Schreckensnachrichten stellt die Caritas die Bilanz ihrer bisherigen Hilfeleistungen entgegen. So wurden über das Netzwerk der Hilfsorganisation und ihrer Partner bislang über vier Millionen Menschen in der Ukraine mit Hilfsmaßnahmen erreicht. Aus Österreich sind 55 Caritas-Hilfstransporte mit 500 Tonnen Hilfsmitteln im Kriegsland angekommen.
Papst bittet weinend für Frieden in der Ukraine
Papst Franziskus hat am Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens im Zentrum Roms für Frieden in der Ukraine gebetet. Sichtlich berührt stockte das Kirchenoberhaupt bei der Bitte an die Muttergottes vor der Mariensäule nahe der Spanischen Treppe in Rom. Weinend sagte der 86-Jährige an Maria gerichtet: „Ich hätte dir heute gerne den Dank des ukrainischen Volkes für den Frieden überbringen wollen, um den wir den Herrn schon lange bitten, stattdessen muss ich dir wieder das Flehen bringen der Kinder, der alten Menschen, der Väter und Mütter, der jungen Menschen von diesem gequälten Land."
Ukraine verhängt Sanktionen gegen orthodoxe Bischöfe
Die Ukraine hat neun Bischöfe und einen Diakon der orthodoxen Kirche auf ihre Sanktionsliste gesetzt, weil sie sich im  Krieg auf die Seite Russlands gestellt haben sollen. Der nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat beschloss, für fünf Jahre ihr Vermögen einzufrieren, wie der Inlandsgeheimdienst SBU am Wochenende mitteilte. Zudem wurden ihnen bestimmte Handelsgeschäfte untersagt.
Bestraft wurde etwa der Vorsteher des berühmten Kiewer Höhlenklosters, Metropolit Pawlo (61), sowie der Metropolit der von Moskau annektierten Halbinsel Krim, Lazar (83).
Selenskyj droht mit Verbot von orthodoxer Kirche
Erst führte der ukrainische Inlandsgeheimheimdienst Razzien in Klöstern durch. Nun gerät die lange dem Moskauer Patriarchat unterstehende Ukrainisch-orthodoxe Kirche richtig in Bedrängnis. Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj entschied, dass die Regierung dem Parlament binnen zwei Monaten einen Gesetzentwurf über die „Unmöglichkeit der Tätigkeit religiöser Organisationen in der Ukraine" vorlegen muss, „die mit Einflusszentren in der Russischen Föderation verbunden sind". Angesichts von Russlands Angriffskrieg könnte die Ukraine also im Frühjahr Pfarren und Klöster dichtmachen oder vielleicht sogar eine ganze Kirche verbieten.
Experte: „Kyrill glaubt wohl selbst nicht alles, was er predigt" 
Der deutsche Ostkirchen-Experte Reinhard Flogaus ist überzeugt, dass der Moskauer Patriarch Kyrill nicht alles glaubt, was er in seiner Propaganda behauptet. Dennoch rüste der Patriarch verbal weiter auf, kritisierte Flogaus im Interview mit dem Schweizer Portal kath.ch: „Er verklärt den russischen Angriff auf die Ukraine zu einem eschatologischen Handeln in göttlichem Auftrag. Das ist eindeutig häretisch." Zu den Kriegszielen Entnazifizierung und Entmilitarisierung der Ukraine sei seit einiger Zeit auch das Ziel der „Entsatanisierung" getreten, so Flogaus, der an der Humboldt-Universität in Berlin Kirchengeschichte mit dem Schwerpunkt Ostkirchenkunde lehrt. 
Foto: Projektreferentin Magda Kaczmarek (2. v. links) mit Projektpartnern bei ihrem jüngsten Ukraine-Besuch. © KIRCHE IN NOT 
 

Kirche will bekannten Heinrichsturm im Zentrum Prags verkaufen 

Die Erzdiözese Prag bereitet sich zielstrebig auf das Jahr 2030 vor, ab dem die Kirchen und Religionsgemeinschaften in der Tschechischen Republik für ihren Betrieb selbst aufkommen müssen. Gemäß dem nach langwierigen Staat-Kirche-Verhandlungen 2013 in Kraft getretenen Gesetz zu Entschädigungszahlungen an die Kirchen für die Enteignungen während der kommunistischen Zeit (1958-1989) reduziert der Staat in den kommenden Jahren schrittweise die noch aus der Zeit des Josefinismus stammende Bezahlung des geistlichen Personals und der bischöflichen Ordinariate. Danach müssen die Kirchen für diese Ausgaben, aber auch für das kirchliche Schulwesen und soziale Projekte selbst sorgen. Ein Kirchenbeitrag oder eine Kirchensteuer ist nicht vorgesehen. 
Dies sei für die Kirche „eine große Aufgabe" und die Situation erfordere „neue Lösungen, die auch innerhalb der Kirche mitunter Unbehagen hervorrufen", so der Prager Erzbischof Jan Graubner. Man suche jedoch „Regelungen, die uns ermöglichen, den Menschen die Frohbotschaft weitere Jahrhunderte zu verkünden". 
Der seit rund einem halben Jahr neu als Erzbischof amtierende Graubner hatte erst im September Aufsehen erregt, als er die bisherigen Finanzverantwortlichen seiner Erzdiözese absetzte und die finanziellen Agenden - nach dem Vorbild anderer Diözesen - dem Generalvikar übertrug. 
Für Gesprächsstoff sorgt zudem der avisierte Verkauf des Heinrichsturms im Zentrum Prags. Der markante gotische Bau bildet mit der Heinrichskirche in der Prager Neustadt ein Ensemble, ist von dem Gotteshaus jedoch durch eine Straße getrennt ist und erbringt keinen geistlichen Nutzen. Das Interesse an dem Objekt sei groß und man gebe der Hauptstadt Prag bis zum Jahresende Zeit, ihrerseits ein Anbot zu erstellen. 
 

Jesuitenorden verhängt Maßnahmen gegen Priester-Künstler Rupnik 

Der Jesuitenorden hat gegen den international bekannten und seit vielen Jahren in Rom lebenden slowenischen Priester und Künstler Marko Ivan Rupnik (68) mehrere „Vorsichtsmaßnahmen" verhängt. Ihm wurde verboten, die Beichte zu hören, geistliche Übungen (Exerzitien) zu leiten und ohne Zustimmung seiner Oberen öffentlich aufzutreten. Dies geht aus einem Schreiben der „Provinzüberschreitenden Niederlassungen" des Ordens in Rom hervor, das auf den 2. Dezember datiert ist und der Nachrichtenagentur Kathpress vorliegt. Bei den Maßnahmen handelt es sich laut dem Schreiben um "administrative" Anordnungen, also nicht um kirchenrechtliche Strafen. 
Dem Schreiben zufolge hat die Römische Glaubenskongregation (inzwischen: Dikasterium für die Glaubenslehre) im Jahr 2021 aufgrund einer Anzeige eine Vor-Untersuchung gegen Rupnik angeordnet. Es seien mehrere Zeugen befragt worden. Nach Abschluss der Überprüfung habe die Behörde festgestellt, dass die Fälle verjährt waren. Es seien keine minderjährigen Personen involviert gewesen, heißt es weiter in dem Schreiben. Der Fall sei im Oktober dieses Jahres abgeschlossen worden. 
Noch am 3. Jänner 2022 hatte Papst Franziskus Pater Rupnik in Audienz empfangen. Als Mosaik-Künstler hat der Jesuit zahlreiche Kirchenräume in mehreren Ländern gestaltet, unter anderem in Lourdes, Fatima, Krakau und Washington. Zu seinen Werken zählen auch die 1999 im Auftrag von Johannes Paul II. vollendeten Mosaike in der Kapelle Redemptoris Mater im Papstpalast im Vatikan. Rupnik zeichnete in den vergangenen Jahren auch mehrfach für offizielle vatikanische Bildsujets und Logos verantwortlich, darunter für das jüngste Weltfamilientreffen in Rom oder das 2015/2016 begangene "Jahr der Barmherzigkeit". 
Das italienische Internetportal left.it hatte am Wochenende berichtet, dass mehrere Ordensfrauen aus Slowenien Rupnik geistlichen und sexuellen Missbrauch vorgeworfen hätten. Die Vorfälle hätten sich in den 1990er-Jahren ereignet. Die Vorwürfe wurden in den vergangenen Tagen von mehreren konservativen katholischen Medien-Netzwerken sowie einigen italienischen Tageszeitungen aufgegriffen. 
 

Niederländische Medien kratzen am Bild von Johannes Paul II. 

Im Nachhinein wirkt es so, als hätten sie geahnt, was noch kommt. Mitte November entschieden sich die katholischen Bischöfe in Polen für eine Vorwärtsverteidigung zum Schutz ihres Nationalheiligen: Es scheine eine „Art Mode" geworden zu sein, zu behaupten, der frühere Papst Johannes Paul II. (1978-2005) sei nicht richtig mit kirchlichen Missbrauchsfällen umgegangen oder habe solche Taten gar vertuscht. Es werde versucht, seine „Autorität anzufechten und sogar seine Heiligkeit in Frage zu stellen", kritisierten die Bischöfe in einer Art Brandbrief. 
Es sei eine „unbestreitbare Tatsache", dass der populäre Pole einen „entschlossenen Kampf gegen Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Minderjährigen durch einige Geistliche" geführt habe, hieß es in dem Schreiben weiter. Zuvor hatten kritische Stimmen dem einstigen Kirchenoberhaupt mehrfach einen nachlässigen Umgang mit der Problematik vorgeworfen. An seiner Beliebtheit änderte das wenig. Laut Umfragen genießt Johannes Paul II. weiter hohes Ansehen. 
Nun aber will der niederländische Journalist Ekke Overbeek „felsenfeste Beweise" gefunden haben, die das Glaubensvorbild vollends ins Zwielicht rücken könnten. In Vorabberichten für mehrere Medien erklärte der Autor am Wochenende, Karol Wojtyla habe als Erzbischof von Krakau dazu beigetragen, Missbrauchsfälle in den Reihen der Kirche zu vertuschen. In Dokumenten fänden sich Informationen zu konkreten Fällen, in denen Wojtyla wissentlich Missbrauchspriester in andere Diözesen versetzt habe. Selbst verurteilten Tätern sei erlaubt worden, in anderen Diözesen weiterzuarbeiten. 
„Das führte zu weiteren Opfern", sagte Overbeek dem Sender NOS. Er beruft sich auf alte Geheimdienstdokumente, die er bei jahrelangen Nachforschungen in polnischen Archiven entdeckt habe. Ein Buch darüber soll Anfang 2023 unter dem Titel „Maxima Culpa" erscheinen. 

Internationaler Friedenspreis für Hilfsorganisation „Concordia"

Die österreichische Hilfsorganisation „Concordia Sozialprojekte" ist mit dem diesjährigen Friedenspreis der weltweiten katholischen Friedensbewegung „Pax Christi International" ausgezeichnet worden.
„Concordia"-Vorstandsmitglied P. Markus Inama SJ und Veronica Mocan, die in der moldauisch-ukrainischen Grenzregion in Tudora ein Sozialzentrum der Hilfsorganisation leitet, nahmen die Auszeichnung am 6. Dezember bei einer Feier in Rom entgegen. An der Zeremonie mit den „Pax Christi"-Ko-Präsidenten, der afrikanischen Ordensfrau und Friedensforscherin Teresia Wamuyu Wachira und dem emeritierten französischen Bischof Marc Stenger, nahm auch der Präsident von Pax Christi Österreich, Wolfgang Palaver, teil.
„Concordia" verändere das Leben der Schwächsten der Gesellschaft und gebe gefährdeten und benachteiligten Kindern, Jugendlichen und Familien die Chance auf ein besseres Leben, würdigte Greet Vanaerschot, Generalsekretärin von „Pax Christi International", das seit 30 Jahren schwerpunktmäßig in Osteuropa aktive Hilfswerk mit Sitz in Wien. Für das Concordia-Team bedeute der Friedenspreis „eine große Wertschätzung für ihren täglichen Mut und ihr Engagement, die Lebensbedingungen von Kindern, Jugendlichen und Familien in Not zu verbessern", betonte Jesuitenpater Inama.
Außergewöhnliches Krisenjahr
Das laufende Jahr 2022 bezeichnete Inama als außergewöhnliches Krisenjahr aufgrund der Auswirkungen des Ukraine-Krieges in den Concordia-Projektländern, insbesondere in der Republik Moldau. Das Nachbarland der Ukraine hat knapp 100.000 Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen. Neben dem schon vor Kriegsausbruch bestehenden Programm für gefährdete moldauische Kinder, Jugendliche und Familien hat Concordia mit einem Netzwerk an Freiwilligen Tausenden Geflüchteten mit Erstversorgung, Unterkunft, Transfer, Lebensmittelpaketen und psychologischer Betreuung geholfen.
Der 1991 vom österreichischen Jesuiten Georg Sporschill gegründete Verein Concordia betreibt zahlreiche Hilfsprojekte in Rumänien, Bulgarien, im Kosovo und der Republik Moldau.
Mit P. Inama ist nach wie vor ein Jesuit Teil des Leitungsteams. Finanziert wird Concordia zum überwiegenden Teil aus Spenden. (Spendenkonto: IBAN: AT28 3200 0000 1318 7893, Infos: www.concordia.or.at).
 

Sozialethiker: Vertrauensverlust in Kirche führt auch zu Glaubensverlust

Der grassierende Vertrauensverlust, dem die etablierten Kirchen und Religionsgesellschaften ausgesetzt sind, wird auch mit einem Rückgang an gelebter Religiosität und Glauben einhergehen. Davon zeigte sich der Wiener Sozial- und Medienethiker, Prof. Alexander Filipovic, bei einer Diskussion am Dienstagabend im ORF-Fernsehen überzeugt. „Wenn es keine Strukturen und Orte der Plausibilisierung des Glaubens mehr gibt, wenn die Glaubenspraxis weiter abnimmt, dann schwindet irgendwann auch der Gottesglaube." Es sei nicht unwahrscheinlich, dass - bei bleibend geringen Vertrauenswerten und einem Rückgang an Glaubenspraxis - in 10 bis 15 Jahren „nur noch ein klitzekleiner Teil der Bevölkerung an Gott glauben wird".
Filipovic äußerte sich in der ORF-Sendung „Philosophisches Forum". Thema des Diskussionsformates war das schwindende Vertrauen in Politik, Wissenschaft und Medien und mögliche Auswege aus der damit einhergehenden Krise. Es diskutierten dabei neben Filipovic der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann, der Genetiker Markus Hengstschläger, die Wiener Philosophin Lisz Hirn, die Schweizer Psychoanalytikerin Jeannette Fischer und der in der Schweiz lehrende Philosoph Martin Hartmann.
Der Wiener Philosoph Liessmann griff den Vorschlag Filipovics auf, von Skepsis zu sprechen - diese jedoch gebe es gerade im österreichischen Mediendiskurs nicht, "denn Skepsis bedeutet ja auch, sich eines Urteils zunächst einmal zu enthalten und sich zu informieren". Der Vertrauensverlust in die Kirchen geht laut Liessmann einher mit einer enttäuschten Erwartungshaltung: „Wenn Erwartungen enttäuscht werden, stellt sich Misstrauen ein." Die Kirchen würden diesen Erwartungshaltungen auf vielerlei Ebenen nicht mehr gerecht, konstatierte der Philosoph.
Als „besorgniserregend" bezeichnete der Genetiker Markus Hengstschläger den Verlust an Vertrauen in die Wissenschaft. Genossen Wissenschaftler zu Beginn der Corona-Pandemie noch ein hohes Ansehen und Vertrauen, so sei dies inzwischen weitgehend vergangen. Dem müssten die Wissenschaften durch größere Transparenz, aber auch durch das Einräumen der eigenen Fehlbarkeit begegnen.
 

Missbrauch in Tiroler Heimen: Bischof Glettler erschüttert

Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler und die Tiroler Soziallandesrätin Eva Pawlata haben am Mittwoch in einer gemeinsamen Aussendung von Land und Diözese Innsbruck zum Bericht „Demut lernen. Kindheit in konfessionellen Kinderheimen in Tirol nach 1945" Stellung genommen.
In dem Bericht, der im Auftrag der unabhängigen „Dreierkommission Martinsbühel" erstellt wurde, wurden mehrere kirchliche Kinderheime untersucht, mit 75 Personen wurden Interviews gemacht. Es ist von struktureller, psychischer, physischer und sexueller Gewalt die Rede. „Die teils erschütternden Berichte zeigen pädagogisches Totalversagen - das gilt für kirchliche und staatliche Einrichtungen", so Bischof Glettler wörtlich.
Die Umstände, die dazu geführt hatten, würden teilweise im Forschungsbericht dargelegt. Wichtig sei es, „dem geschehenen Unrecht die nötige Aufmerksamkeit zu geben". Sein Mitgefühl gelte allen, "die in den Heimen traumatisiert wurden", so der Bischof. Er betonte zudem, dass die Kirche aufgrund zahlreicher erschütternder Berichte von betroffenen Personen in den vergangenen Jahren bereits reagiert habe. Im Jahr 2010 wurde eine unabhängige Opferschutzkommission eingerichtet. Zahlreiche Personen, von denen einige im Bericht ihre dramatischen Erfahrungen schildern, wurden von dieser Kommission angehört und hätten Unterstützungszahlungen erhalten. Ebenso wichtig sei die sofortige Einrichtung von Ombudsstellen in allen Diözesen gewesen sowie die Erarbeitung von Präventionskonzepten, „die ständig aktualisiert werden", so der Bischof.
Die „Dreierkommission Martinsbühel"…
… wurde 2019 vom Land Tirol, der Diözese Innsbruck sowie den Vertretern der Ordensgemeinschaften eingesetzt. Ihr Ziel ist es, dass unabhängige Experten die Vorkommnisse rund um das Kinderheim Martinsbühel aufarbeiten - vor allem bezogen auf die strukturellen Hintergründe. Im Zuge der Aufarbeitung wurde allerdings festgestellt, dass Bedarf für eine Untersuchung weiterer Einrichtungen besteht. Aus diesem Grund wurde das Forschungsprojekt auf weitere kirchliche Heime in Tirol nach 1945 ausgeweitet. Konkret wurden die Heime Martinsbühel, Scharnitz, das Josefinum/Volders, die Bubenburg/Fügen, St. Josef/Mils, Thurnfeld/Hall und das Elisabethinum/Axams untersucht.
Die wissenschaftliche Leitung bzw. Aufarbeitung lag beim Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck und dem Wissenschaftsbüro Innsbruck. Nach zweijähriger Forschungstätigkeit liegt nun der Abschlussbericht „Demut lernen. Kindheit in konfessionellen Kinderheimen in Tirol nach 1945" vor.
Angstbehaftete und gewaltgeprägte Atmosphäre
Die Schilderungen in den durchgeführten Interviews würden zeigen, dass die Ordensangehörigen von den schutzbefohlenen Kindern stets Gehorsam, Demut, Fleiß und Frömmigkeit verlangt hatten. Weder die fehlende erzieherische Ausbildung der damaligen Ordensfrauen, noch die Gruppengröße - in Martinsbühel musste etwa eine Schwester in den 1970er-Jahren bis zu 50 Mädchen betreuen - waren für die Kinder und deren Bedürfnisse förderlich. Die Schilderungen der Interviewpartnerinnen und Interviewpartner machten  deutlich, dass eine angstbehaftete und gewaltgeprägte Atmosphäre vorherrschte.
 

Dompfarrer Faber leitet Begräbnis von Christiane Hörbiger

Die am Mittwoch, 30. November, verstorbene Schauspiellegende Christiane Hörbiger wird am 17. Dezember am Wiener Zentralfriedhof zur letzten Ruhe gebettet. Der Wiener Dompfarrer Toni Faber wird die Trauerfeier für die überzeugte Christin in der Karl-Borromäus-Kirche leiten, kündigte die Bestattung Wien am Freitag an. Bevor die im Alter von 84 Jahren verstorbene Künstlerin in einem Ehrengrab beigesetzt wird, sind ihre sterblichen Überreste ab 9.30 Uhr in der Karl-Borromäus-Kirche aufgebahrt. Hier kann die Öffentlichkeit vom Publikumsliebling Abschied nehmen und sich in ein Kondolenzbuch eintragen. Online ist das bereits jetzt möglich unter www.trauerportal.at.
Auf Wunsch der Verstorbenen wird ersucht, von Blumen und Kranzspenden Abstand zu nehmen und den hierfür gedachten Betrag an das Eric Kandel Zentrum für Präzisionsmedizinische Forschung der Medizinischen Universität Wien zu spenden (Konto IBAN:  AT46 2011 1404 1007 0714 BIC: GIBAATWWXXX).
Hoffen auf Wiedersehen im Himmel
Christiane Hörbiger, Tochter des Schauspielerehepaars Attila Hörbiger (1896-1987) und Paula Wessely (1907-2000), machte kein Hehl aus ihrer christlichen Gesinnung.  In einem "Kurier"-Interview 2018 anlässlich ihres 80. Geburtstages berichtete sie, dass ihr der Glaube bei der Bewältigung des Todes ihres Lebensgefährten Gerhard Tötschinger 2016 eine große Stütze sei. In St. Gilgen am Wolfgangsee mache sie, „wenn ich an der Wohnung, in der ich mit dem Gerhard gewohnt hab, vorbei gehe ... ein Kreuzerl". Die Religion helfe ihr „enorm. Ohne sie ginge gar nichts", so die Schauspielerin. Sie hege die Hoffnung, „dass ich da oben eines Tages alle meine Lieben wiedersehe, das wäre schön".
Anlässlich der Dreharbeiten zum Fernsehfilm „Die letzte Reise", in dem es um das Thema Suizid geht, sagte Hörbiger der Zeitschrift "Frau im Spiegel" (2016): „Ich bin katholisch. Für mich ist Selbstmord eine Sünde, eine selbstanmaßende Nichtachtung des Lebens." Auch unerträgliche Schmerzen wären demnach für sie kein Grund für einen Suizid. "Die Medizin ist so fortgeschritten, dass man nicht ständig Schmerzen haben muss." Angst vor dem Tod habe sie „eigentlich nicht", so Hörbiger weiter. Sie habe eher Angst davor, „wissen zu müssen, wann ich sterben muss", und bete, dass Gott sie davor bewahre. Sie habe „rechtzeitig" ihr Testament gemacht. 

 

Libanon: Katholischen Schulen droht das finanzielle Aus 

Den 320 kirchlichen Schulen und weiteren Bildungseinrichtungen im Libanon droht ohne finanzielle Unterstützung aus dem Ausland das Aus. Darauf hat das internationale Hilfswerk „Kirche in Not" am Freitag aufmerksam gemacht. Durch den Verfall der Landeswährung könne der Schulbetrieb nicht mehr aus eigener Kraft aufrechterhalten werden, erklärte das Hilfswerk in Wien. Eltern würden das Schulgeld nach wie vor in libanesischen Pfund bezahlen; Strom, Heizung und weitere Betriebskosten müssten aber mittlerweile in US-Dollar beglichen werden. Auch die Lehrergehälter seien nahezu wertlos geworden. Besonders schwer sei die Lage in den Einrichtungen, die noch bis 2017 Unterstützung vom Staat erhalten haben, diese bleibe jedoch seitdem aus. 
„Ohne Hilfe können wir nicht weitermachen", so der Vorsitzende des Sekretariats für die katholischen Schulen im Libanon, Youssef Nasr. In den katholischen Schulen im Libanon würden 200.000 Kinder und Jugendliche unterrichtet; davon seien rund Dreiviertel Christen und ein Viertel Muslime, erklärte Nasr: „Wir wollen unter den Schülern ein Bewusstsein für die verschiedenen Religionen schaffen und sie zusammenbringen. Wir legen Wert auf Offenheit und treten für eine Gesellschaft ein, die sich gegenüber allen Religionen im Libanon offen zeigt." Viele muslimische Eltern legten Wert darauf, ihre Kinder in christlichen Schulen unterrichten zu lassen, da sie deren Profil und die Qualität der Ausbildung schätzten. 
Im Libanon sind mehr als ein Drittel der sechs Millionen Einwohner Christen und etwa 60 Prozent Muslime. Das Land beheimatet die prozentual größte christliche Gemeinschaft im Nahen Osten, auch wenn ihr Anteil kontinuierlich sinkt. Aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen und politischen Krisen wandern gerade gut ausgebildete Christen aus - ein Trend, den die katholischen Schulen im Libanon stoppen wollen, wie Youssef Nasr betonte. 
Das internationale Hilfswerk „Kirche in Not" hat ein Hilfsprogramm für 200 katholische Schulen im Libanon aufgelegt und unterstützt mittellose Eltern dabei, das Schulgeld aufzubringen. "Es wäre nahezu unmöglich, ohne diese Hilfe weiterzumachen", sagte Nasr. „Wir zählen weiterhin auf diese Hilfe bei unserer Mission, ohne die unsere Existenz aufs Spiel gesetzt wäre." 
Dank der Hilfe von "Kirche in Not" und weiteren Organisationen sei es auch bislang möglich, den Lehrern einen kleinen Geldbetrag in US-Dollar auszuzahlen, damit sie sich die notwendigsten Dinge kaufen können. 
Im Libanon beträgt die Inflationsrate rund 168 Prozent, wie der Economic Experts Survey (EES) von Anfang September zeigt. Das Land am Mittelmeer steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte. 80 Prozent der Bevölkerung leben in Armut, die Preise für Lebensmittel sind um 500 Prozent gestiegen. Zudem hat das libanesische Pfund 90 Prozent an Wert verloren. 
Foto: Religionsunterricht an einer katholischen Schule im Libanon. © Ismael Martinez Sanchez/Kirche in Not 
 

Kardinal Hollerich: Weltkirche will wichtigere Rolle der Frau 

Kardinal Jean-Claude Hollerich sieht die Stärkung der Rolle der Frau in der katholischen Kirche als eine weltweite Forderung an. Das sei ein wichtiges Ergebnis der Einreichungen aus fast allen Diözesen der Weltkirche im Zuge der von Papst Franziskus initiierten Weltsynode, sagte der Erzbischof von Luxemburg laut deutscher Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstagabend in Fulda. Hollerich, der auch Moderator („Generalrelator") der katholischen Weltsynode ist, betonte: "In allen Beiträgen kam vor, dass Frauen in der Kirche mehr gehört werden müssen und ihre Rolle in der Kirche wichtiger werden muss." 
Zugleich schränkte der Kardinal ein, das heiße nicht, „dass die ganze Welt denkt, dass Frauen geweiht werden sollen". Hollerich: „Ungefähr die Hälfte tritt für Frauen als Diakoninnen ein, und ein kleiner Anteil spricht vom Priestertum der Frau.“ 

Kurznachrichten

 

Papst Franziskus hat sich für eine bessere Familienpolitik ausgesprochen. Zugleich verurteilte der 85-Jährige vor Vertretern katholischer Familienverbände die Benachteiligung kinderreicher Familien insbesondere in Italien. 

 

Papst Franziskus hat angeordnet, dass alle Behörden und Stiftungen, die unmittelbar zum Heiligen Stuhl gehören, der Kontrolle des Päpstlichen Wirtschaftssekretariates unterstellt werden. 

 

Papst Franziskus ist auf Twitter gut unterwegs: Mehr als 53 Millionen Abonnenten verteilen sich auf die neun Sprachprofile des Papstes. 

 

EU. Die gemeinsame Position der EU-Staaten für ein europäisches Lieferkettengesetz ist nach dem Urteil katholischer Entwicklungsorganisationen ein Flickenteppich aus Halbheiten und Schlupflöchern. 

 

Russland. Ausländer dürfen in Russland künftig nicht mehr sogenannte Leihmütter für das Austragen ihres Babys engagieren. Laut dem Parlamentspräsidenten sind in den vergangenen Jahren etwa 45.000 von Leihmüttern geborene Babys von Russland ins Ausland gebracht worden. 

 

USA. Das Repräsentantenhaus hat mit überparteilicher Mehrheit einen Gesetzentwurf zum Schutz der gleichgeschlechtlichen Ehe verabschiedet. 258 Abgeordnete stimmten am Donnerstag für den „Respect for Marriage Act", 169 dagegen. 

 

Demokratischen Republik Kongo. Die Regierung korrigiert nach mutmaßlich von der Rebellengruppe M23 organisiertem Angriff in Nordkivu die offizielle Opferzahl auf mehr als 270. Menschen wurden unter anderem in einer Adventistenkirche und einem Krankenhaus ermordet. 

 

Äthiopien. Heftige Kritik hat die orthodoxe Kirche an jüngst aus ihrem Land berichteten Morden an tigrayanischen Gefangenen und an Zivilisten durch bewaffnete Gruppen und Sicherheitskräfte der Regierung geäußert. 

 

In Frankreich ist ein landesweiter kirchlicher Strafgerichtshof eingerichtet worden. Die Französische Bischofskonferenz verlegt mit dem Tribunal die kirchenrechtliche Zuständigkeit von den einzelnen Diözesangerichten sowie den 15 nationalen Kirchenprovinzen auf eine nationale Ebene. 

 

Südafrikas staatliche Bahnagentur PRASA macht Kunden wütend: In Zügen rund um Johannesburg sind künftig Gottesdienste verboten. Diese gehören für viele Passagiere aber inzwischen zur Morgenroutine, wie örtliche Medien berichten. 


 Malta. Rund 20.000 Menschen haben in der Hauptstadt Valletta gegen eine Lockerung der strikten Abtreibungsregeln in dem Inselstaat demonstriert. 


Südafrika. Nach einer missglückten Fluss-Taufe mit mindestens 14 Toten ist der verantwortliche Pastor verschwunden. 

 

Peru. Inmitten der Regierungskrise haben die katholischen Bischöfe des Landes dem mittlerweile abgesetzten und festgenommenen Präsidenten Pedro Castillo einen versuchten „Staatsstreich" vorgeworfen. 

 

Jordanien. Das Gelände um die als Taufstelle Jesu verehrte Stätte „Al-Maghtas" am jordanischen Ufer des Jordan soll weiter ausgebaut werden. Im Beisein des jordanischen Königs Abdullah II. ist am 7. Dezember ein entsprechender Masterplan vorgestellt worden. 

 

Österreich

 

Wien. Das Opus Dei hat die bisherigen Verwaltungseinheiten Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien sowie der Schweiz zur Region „Mitteleuropa“  zusammenführt. Insgesamt hat die Prälatur in der neuen Region rund 1.300 Mitglieder. Hauptsitz der neuen Verwaltungseinheit ist Wien, Nebensitze befinden sich in Köln und Zürich. 

 

Salzburg. Zu einer Haltung des Machtverzichts und des gegenseitigen Dienens in der Kirche hat der Salzburger Erzbischof Franz Lackner aufgerufen. 

 

Wien. Mit einem dreitägigen Veranstaltungs- und Gottesdienstreigen hat die griechisch-orthodoxe Metropolis von Austria der „Kleinasiatischen Katastrophe" vor 100 Jahren gedacht. Darunter versteht man den Ausgang des Griechisch-Türkischen Kriegs, der unmittelbar an den Ersten Weltkrieg anschloss und 1922 mit einer Niederlage Griechenlands und der Ermordung bzw. Vertreibung fast aller Griechen aus der Türkei endete. 

 

Kärntens älteste Ordensfrau ist Sr. Maria Nopp von den Klagenfurter Ursulinen. Sie feierte am 7. Dezember ihren 105. Geburtstag. Noch mit 87 Jahren gab sie Flöten-Unterricht. 

 

Tirol. Am 29. Dezember feiert der Wiltener Abt Raimund Schreier seinen 70. Geburtstag. Deshalb hat er in Rom sein Rücktrittsgesuch bei der Ordensleitung eingereicht und dieses wurde auch bereits angenommen. 

 

Niederösterreich. Nach Brandstiftungen in drei Kirchen in Amstetten vor fast zehn Jahren ist ein Ermittlungsverfahren gegen einen Verdächtigen mangels Tatnachweis eingestellt worden. 

Republik ehrt „Emmaus"-Gründer Rottenschlager

Karl Rottenschlager, der Gründer der Emmausgemeinschaft St. Pölten, ist mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung wurde ihm am 6. Dezember  im Rahmen eines Festaktes von der niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner im Sitzungssaal des NÖ Landtages verliehen. 
Rottenschlager gründete die Emmausgemeinschaft St. Pölten im Jahr 1982. Anstoß für die Gründung gab seine Erfahrung als Sozialarbeiter in der Justizanstalt Stein. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2014 war er deren Geschäftsführer und ist - bis heute - Teil der Gemeinschaft. Wichtigstes Prinzip der Emmaus-Arbeit ist es, die Würde jedes einzelnen Menschen zu achten und ihn in seinen Fähigkeiten zu fördern.
Neben der Emmausgemeinschaft St. Pölten gründete Rottenschlager einen Sozialmarkt mit Einkaufspässen für Personen mit geringem Einkommen in St. Pölten, heute in ganz Niederösterreich als „soogut-Märkte" bekannt.

Auch das noch...

Kirchenstreit zwischen Alexandrien und Moskau eskaliert weiter

Der Konflikt zwischen den orthodoxen Patriarchaten von Alexandrien und Moskau eskaliert weiter. Das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Alexandrien hat nun auch seinerseits mit Moskau gebrochen und die Kirchengemeinschaft ausgesetzt. 
Das Patriarchat von Alexandrien betrachtet ganz Afrika weiter als sein alleiniges kanonisches Territorium. Die Russisch-orthodoxe Kirche (ROK) kündigte Ende 2019 die eucharistische Gemeinschaft mit Patriarch Theodoros II. von Alexandria und ganz Afrika auf, nachdem dieser die neue eigenständige (autokephale) Orthodoxe Kirche der Ukraine anerkannte hatte. Zudem erklärte das Moskauer Patriarchat die alexandrinische Kirche für „schismatisch" und sprach ihr das Recht ab, Afrikaner für die Orthodoxie zu missionieren.
Die ROK gründete infolge dessen im Dezember 2021 ein eigenes Exarchat für Afrika, und breitet sich seither verstärkt auf dem Kontinent aus. 
 

Armenpriester in Argentinien kritisieren Urteil gegen Kirchner

In Argentinien übt die Gruppe der „Priester der Option für die Armen" Kritik an der Haftstrafe gegen Vizepräsidentin Cristina Kirchner. Keine Gesellschaft könne ohne ein Mindestmaß an Gerechtigkeit funktionieren; doch es sei offensichtlich, dass Gerechtigkeit nicht mehr mit Justiz gleichzusetzen sei, zitieren örtliche Medien die Armenpriester.
Eine Justiz, die "ein nicht existierendes Verbrechen verurteilt", sei „absolut absurd", sagte der Geistliche Eduardo de la Serna dem Sender „Telam Radio". Die "Priester der Option für die Armen" stehen dem derzeit regierenden Peronismus in Argentinien traditionell nahe.
Kirchner war vor einem Gericht wegen Korruption bei öffentlichen Bauaufträgen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Die frühere Staatspräsidentin wies die Vorwürfe zurück und sprach von politischer Verfolgung; das Justizsystem sei mafiös.

Parlament verurteilt „Holodomor" als „schreckliches Verbrechen"

Der Menschenrechtsausschuss des Parlaments hat sich am Donnerstag einstimmig gegen den Einsatz von Hunger und Mangel als Kriegswaffe ausgesprochen, wie die Parlamentskorrespondenz berichtete. In der von ÖVP, SPÖ, Grünen und NEOS gemeinsam vorgelegten Initiative wird der „Holodomor", ein von der Sowjetunion unter Stalin vor 90 Jahren systematisch gegen die Zivilbevölkerung der Ukraine provozierter Hungermord, als „schreckliches Verbrechen" verurteilt sowie darauf aufmerksam gemacht, dass Russland auch im aktuellen Angriffskrieg gegen die Ukraine Hunger als Kriegswaffe einsetzt. Auch die FPÖ stimmte zu.
 

Vatikan-Archivar kritisiert Buch zu Pius XII. und Juden

Der Vatikan-Archivar und flämische Historiker Johan Ickx hat das in diesem Jahr vom US-Soziologen David Kertzer erschienene Buch zu Papst Pius XII. (1939-58) kritisiert. Er finde es verwerflich, wenn die vom Vatikan zur Verfügung gestellten Dokumente genutzt würden, um dann falsch darüber zu berichten, sagte Ickx am Dienstag vor Journalisten. Kertzers Buch „The Pope at War: The Secret History of Pius XII, Mussolini and Hitler" wirft ein sehr kritisches Licht auf die Hilfsbereitschaft des Vatikans gegenüber den Juden zur Zeit von Weltkrieg und Nationalsozialismus. Es soll 2023 auf Deutsch erscheinen.
Es sei nicht wahr, so Ickx, dass der Vatikan nur getauften Juden geholfen habe. Es gebe auch Fälle von nicht-getauften Juden, die durch Einsatz des vatikanischen Staatssekretariat gerettet worden seien, bekräftigte der Vatikan-Historiker. Letztlich seien es ab 1938 viele getaufte Juden gewesen, da diese andernfalls völlig ohne Hilfe geblieben wären.
Ickx verteidigte zum wiederholten Male das Handeln von Papst Pius XII. Dieser habe nicht zu den Verbrechen geschwiegen, wenn es nicht aufgrund der diplomatischen Bestrebungen nötig gewesen sei. 

Änderungen an der Spitze der Caritas Erzdiözese Wien

An der Führungsspitze der Caritas der Erzdiözese Wien steht ein Wechsel bevor. Kardinal Christoph Schönborn hat Alexander Bodmann und Klaus Schwertner als neue Caritasdirektoren ab 1. Februar 2023 ernannt. 
Michael Landau, der diese Funktion seit 1995 innehatte, zieht sich von der Spitze der Caritas der Erzdiözese Wien zurück und wird sich auf seine Aufgaben als Präsident der Caritas Österreich und Caritas Europa fokussieren, für die er gerade erst für neue Amtsperioden bestätigt worden ist. Seine Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Caritas Erzdiözese Wien wird Landau vorerst weiter beibehalten.