JA 

die neue Kirchenzeitung

11. April 2021

Eine Konversion, keine Reversion

Prof. Hans Küng war streitbar und umstritten. Am Osterdienstag ist der große Theologe  gestorben.
Nach Darstellung des emeritierten deutschen Kurienkardinals Walter Kasper hat er sich vor seinem Tod mit der Kirche ausgesöhnt – leider die Kirche nie offiziell mit ihm.
Küng habe sich sehr gefreut, als ihm Papst Franziskus im Sommer 2020 Grüße und Segenswünsche übermitteln ließ.
Kasper würdigte Küng mit den Worten, er habe als Theologe mit einer für alle verständlichen Sprache „vielen geholfen, zum Glauben zu finden oder in der Kirche zu bleiben". Wie wahr!


Mir, kaum Pfarrer geworden, erklärte ein vielbelesener und künstlerisch hochbegabter alter Autobahn-Ingenieur, der seiner evangelischen Kirche Jahrzehnte vorher den Rücken gekehrt hatte, alle 875 Seiten des 1978 erschienenen Buches „Existiert Gott?“ gelesen zu haben und daher in die katholische Kirche eintreten zu wollen. Er tat es auch und malte ein wunderbares Maria Hilf-Bild.
In Rom wurde das Buch nicht so positiv gesehen. Ein Jahr später entzog man dem Autor Hans Küng die kirchliche Lehrerlaubnis – für immer! Reversion gab es nicht.
Später hat mich nie mehr jemand um Aufnahme in die Kirche gebeten, weil ihn das Buch eines katholischen Theologen dazu bewogen hätte.  P. Udo 

St. Pöltner Seelsorger bitten Nuntius um Hilfe: 

„Menschen in unserer Diözese stehen auf und buckeln nicht vor der Macht“ 

21 Pensionistinnen und Pensionisten im Pastoralen Dienst der Diözese St. Pölten haben sich sehr eingehend mit den Vorgängen rund um den Strukturprozess von Bischof Dr. Alois Schwarz- gemeinsam mit der Kärntner Unternehmungsberatungsfirma BOLD – beschäftigt. 
Letztendlich sind sie zu dem Entschluss gekommen, vor dem Palmsonntag einen Brief mit ihren Wahrnehmungen an den Nuntius in Österreich, Erzbischof Pedro López Quintana, zu senden. 
Der Brief erging später in Kopie auch an Papst Franziskus,  Diözesanbischof  Alois Schwarz, Erzbischof Franz Lackner, Kardinal Christoph Schönborn, Weihbischof  Anton Leichtfried, Generalvikar  Christoph Weiss sowie an das St. Pöltner Domkapitel und an alle Dechanten und Ordenshäuser des Bistums. 
Den Pfarren wurde das Schreiben nach Ostern übermittelt. 

 

Eure Exzellenz Erzbischof Quintana, 

wir gehen in einigen Tagen wieder in die Karwoche. In diesen Tagen erinnern wir uns an das Sterben und den Tod unseres Herrn Jesus Christus. Wir leiden mit Jesus und vielen Menschen in dieser Welt mit, aber wir dürfen uns dann auch über die Auferstehung Jesu Christi am Ostermorgen freuen und sein Licht, das uns erfüllt, weitertragen. 

OSTERN – hoffnungsvoll leben 

In diesem Licht sticht es umso mehr hervor, wenn ein Amtsträger der kath. Kirche offensichtlich Spaltung und Verwirrung sät: Über den umstrittenen Strukturprozess, den Bischof Schwarz mit der Kärntner Beratungsfirma BOLD (BOLD Enterprise Business-, Organizational- & Leadership Development Gesellschaft mbH - https://www.bold-enterprise.org/) durchführen ließ und auch über die Vorgangsweisen sind Sie wahrscheinlich bereits gut und vielfältig informiert worden. Wir weisen auch auf den Blog der Theologieprofessoren Paul Michael Zulehner und Hans Schelkshorn vom 23. März 2021 hin https://zulehner.wordpress.com/2021/03/23/synodalitat-verlangt-respektvollen-dialog/ „Tu alles mit Rat, dann brauchst du nach der Tat nichts zu bereuen.“ (Sir 32,19) - Synodalität verlangt respektvollen Dialog. Deutlicher kann man kaum reden oder schreiben. 
So wollen wir uns, sehr geehrter Herr Erzbischof, auf unsere Wahrnehmungen und Gespräche als Theologinnen und Theologen, Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten in der Diözese St. Pölten beschränken. Wir sind eine Gruppe von Pensionistinnen und Pensionisten mit langjährigen Erfahrungen in der Pastoral. Wir sehen uns als Gläubige, die nach wie vor in der Kirche Österreichs, in der Kirche der Diözese St. Pölten, in den Pfarrgemeinden oder in anderen pastoralen Bereichen tätig sind und sich für die Menschen engagieren. Wir sind berührt vom Schlusssatz einer Predigt zur Lesung des Hebräerbriefes vom 5. Fastensonntag oder früher auch 1. Passionssonntag (Hebr 5,7-9): „Wie können wir als Kirche (als Gemeinschaft im Glauben) den Menschen signalisieren, wir sind bereit euch zu hören?! Ja, wir wollen den Menschen Gehör schenken, dort, wo sie laut aufschreien – aber auch dort, wo sie verstummt sind (wo es ihnen die Sprache verschlagen hat)! Den Kreuzweg mitgehen – und mitbeten – kann dann auch heißen: Den Schrei der Menschen im Alltag ertragen, und ihnen Gehör schenken.“ 

Was wir wahrnehmen 

·         Bischof Dr. Alois Schwarz hat die Aufgabe und das Recht, sich die Situation seiner Diözese genau anzusehen und Änderungen in Gang zu bringen. Ein berechtigtes und an sich notwendiges Anliegen; aber doch nicht ohne Kommunikation mit den Betroffenen und über Personen hinweg! Selbst Dechanten und Pfarrer erfuhren von den Vorgängen in der Diözese über die Presse! (Kurierartikel 13.3.2021)
·         Eine Vorgangsweise mit Schweigegeboten und das Engagieren einer Kärntner Beratungsfirma ohne Absprache mit den Gremien der Diözese, einer Firma, die über keinerlei Erfahrungen in kirchlichen Strukturen verfügt, wo es – wie wir vernehmen - keinen unterzeichneten Vertrag gibt, aber schon zigtausende Euro bezahlt wurden, ist für uns nicht nachvollziehbar.
·         Es ist eine schon große Zumutung, wenn Bischof Schwarz zum Osterfest - „Ostern – das Fest der Erneuerung“ – im Diözesanblatt 2/2021 vom 15. März 2021, den Strukturprozess als ganz normale Vorgangsweise, in die alle eingebunden sind, darstellt. Ebenso provozierend ist der Vergleich, dass ja auch Jesus auf seinem Weg Widerstand erlebte. Dass Veränderungen wichtig sind, ist jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter bewusst. Seine Art der Darstellung ist zutiefst verletzend, weil sie nicht der Wahrheit entspricht.
·         Der Erfahrungsschatz von Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und Ehrenamtlichen wird nicht für wichtig erachtet, Wertschätzung wird vermisst, tiefe Enttäuschung, Ohnmacht und Resignation macht sich unter den Gläubigen in der Diözese breit. Bischof Schwarz wurde viel Vertrauen entgegengebracht, auch die Bereitschaft ihm in St. Pölten einen Neuanfang zu ermöglichen. Dieses Vertrauen wurde nicht nur aufs Spiel gesetzt, es ist zerbrochen.
·         In finanziellen Angelegenheiten gibt es keine Transparenz: Einerseits wird Sparen verordnet, gleichzeitig wird – so vernehmen wir – einer Beratungsfirma in Summe um die € 150.000,- bezahlt. Eine Offenlegung wäre klärend.
·         Wir vermissen jede Zielbeschreibung, wohin sich die Pastoral der Diözese entwickeln soll. Die Pastoralen Dienste (ehemaliges Pastoralamt) haben in einem jahrelangen Prozess eine neue Struktur gefunden und gut gearbeitet. Ihre Auflösung mit dem Argument, Doppelstrukturen zu beseitigen, ist fadenscheinig und pastoral fahrlässig.
·         Unter Hinweis auf die Situation der Corona Epidemie und der monatelangen Lockdowns sowie der Ausreden, sich nicht treffen zu können, wird bewusst eine Zeit der außerordentlichen persönlichen, familiären, gesellschaftlichen und kirchlichen Belastung genutzt, um im Alleingang diese Entwicklungen durchzusetzen. 

Wir fragen uns 

Unsere Betroffenheit über die bis vor kurzem uns völlig unbekannten „Reformbemühungen“ von Bischof Schwarz ist groß. Wir fragen: Wovor hat der Bischof Angst, sodass er kaum offene Gespräche mit den betroffenen kirchlich Angestellten oder erst nach bereits getroffenen Entscheidungen führt, Kritik nicht aushält und die Diözese nicht ausreichend informiert. Dass sogar Beschäftigte zum Schweigen verpflichtet werden, bestätigt das Bestreben eines Menschen nach Macht.
Was hier unter „Strukturreform“ bis jetzt gelaufen ist, entspricht nicht einer biblisch-christlich orientierten, partnerschaftlichen Vorgangsweise. Schon heute gibt es Empörung aufgrund der Medienberichte über Bischof Alois Schwarz und weitere Kirchenaustritte (sogar von aktiven Ehrenamtlichen) sind zu erwarten. Wir erkennen schon jetzt einen massiven Rückgang des kirchlichen Lebens. Kirche wird als Ganzes als unglaubwürdig empfunden. Wohin führt dies? Es bleibt nur zu hoffen, dass ein gütiger Gärtner darauf achtet, dass daraus guter Kompost wird und dieser als nährstoffreicher Boden neues Leben ermöglicht. 

Wir fragen den Bischof: 

*Warum hält er die seelsorgliche Arbeit der Pastoralen Dienste für reformbedürftig? Was hat er konkret als Mängel erkannt? Welche Strukturen möchte er ändern? Was sind seine Ziele? 
*Warum arbeitet er diesbezüglich nicht mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seiner Diözese zusammen und verzichtet damit auf deren Erfahrungswissen? 
*Was kostet BOLD wirklich? Wie sieht die Vereinbarung aus? 
*Warum wird der Prozess der Umstrukturierung geheim geführt? 
*Warum tritt der Bischof in der Öffentlichkeit ganz anders auf als er intern handelt? 

Wir stehen auf gegen solche Entwicklungen 

Wir nehmen viel Unsicherheit und Angst wahr. Das betrifft in erster Linie alle in diesen Bereichen Beschäftigten, die in großer Sorge um ihre Zukunft im kirchlichen Betrieb sind. Diese Unsicherheiten bewirken Spaltungen, die zusätzlich schwächen und die Angestellten angreifbarer machen. Daher sind wir solidarisch!
Einschüchterung, Schweigegebote, Redeverbote, gezielte Teilinformationen sowie keine Informationen sind Merkmale von Machtmissbrauch. Auch geistlichem Missbrauch treten wir entschieden entgegen.
Dieser Prozess fällt mitten in die Pandemie, viele Menschen sind verunsichert durch neue und prekäre Arbeitsbedingungen. Unser Auftrag als Kirche ist es, Menschen zu begleiten, zu stärken und Perspektiven zu schaffen. Ein Auftrag, der klar in der Bibel, in kirchlichen Dokumenten und nicht zuletzt durch Papst Franziskus formuliert wurde. Genau hier muss gefragt werden wie glaubwürdig die Kirche selbst ist? Wie geht sie mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – egal ob ehrenamtlich oder beschäftigt – um? Gilt die eigene Soziallehre auch für die Kirche? Papst Franziskus fordert uns zur conversión, zur Umkehr in der Pastoral auf (Evangelii Gaudium). Das muss aber schon in den eigenen Reihen beginnen!
Menschen in unserer Diözese stehen auf, stehen gerade und buckeln nicht vor Macht, vor jemandem, der sich selber größer und mächtiger nimmt und macht. Wir nehmen Solidarität, Vernetzung und Engagement wahr. Dies werden wir weiter betreiben und stärken, wo immer es jeder und jedem von uns möglich ist. 

Unsere Erwartung 

Wir erwarten von Bischof Schwarz, dass er eint, verbindet, zuhört und lernt, dass er Lösungen im Dialog findet. Bischof Alois spaltet, sät Angst und Misstrauen. Bischofsamt ist ein Dienstamt. Der Bischof ist Brückenbauer und Hirte. Wir erwarten, dass er das auch so wahrnimmt.
Wir fordern, dass die Zeiten für eigenmächtige und autoritäre Entscheidungen in kirchlichen Strukturen vorbei sind. Die Kirche kann im 21. Jahrhundert nur synodal geführt werden.
Wir wünschen uns keine weitere Eskalation, sondern aufrichtige Gespräche auf
Grundlage von biblischen, theologischen und pastoralen Erkenntnissen, dass wir Gläubige ernst genommen werden, so wie es unserer Freiheit als Christen entspricht als Mitglied im Volk Gottes.
Wir wehren uns gegen eine Wiederholung von einer Situation wie in der Diözese Gurk-Klagenfurt. 

Wir bitten Sie, Erzbischof Quintana, um Ihre Vermittlung. 

Eure Exzellenz Erzbischof Quintana, wir danken Ihnen für das Lesen unseres Briefes und somit die Aufnahme unserer Wahrnehmungen in der Diözese St. Pölten, die uns mit Herz und Seele, im Nachdenken und Nachfragen umtreiben, in der Hoffnung, dass es zu Besinnung, Vergebung und vor allem zur Aufnahme neuer Gespräche zum Erhalt der Pastoralen Dienste kommt.
Wir wünschen Ihnen aus tiefem Herzen die Freude des kommenden Osterfestes. Gottes Segen begleite Sie in Ihrem Dienst an den Menschen in Österreich sowie Ihr Bemühen um ein besseres gegenseitiges Verständnis innerhalb der Römisch Katholischen Kirche, aber auch der Konfessionen und Religionen in Österreich.
Für die Pensionistinnen und Pensionisten im pastoralen Dienst
Stefan Mayerhofer
 
Namensliste jener Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten, die diesen Brief unterschrieben haben: 
Christine Winklmayr, Amstetten, Leiterin Referat Krankenseelsorge und Seelsorgerin im Landeskrankenhaus Amstetten 
Karl Immervoll, Betriebsseelsorger, Lehrender Ausbildung Hingehen (Arbeiter*innenpastoral) 
Stefan Mayerhofer, Pfarrpastoralassistent in Tulln-St. Severin, Notfallseelsorger 
Erwin Binder, Krankenhausseelsorger im Psychosomatischen Zentrum Waldviertel/ Universitätsklinikum Eggenburg 
Karl Bischof, Pfarrpastoralassistent in Kirnberg an der Mank 
Elfie Haindl, Krankenhausseelsorgerin im Universitätsklinikum Tulln und im Pflege- und Betreuungszentrum Tulln 
Ulli Immervoll, Betriebsseelsorgerin im Waldviertel 
Friederike Kaltenbrunner, Pfarrpastoralassistentin in Krems-St.Veit 
Pauline Klauser, Pfarrpastoralassistentin in St. Pölten-Stattersdorf-Harland 
Herbert Koller, Pfarrpastoralassistent in Tulln-St. Stephan 
Michael Ledwinka, Pfarrpastoralassistent in Zwentendorf 
Rosina Leidenfrost, Pfarrpastoralassistentin in Maria Taferl, Wallfahrtsseelsorgerin 
Karl Mühlberger, Pastoralassistent im Pfarrverband Gars am Kamp 
Engelbert Pöcksteiner, Krankenhausseelsorger Landesklinikum Waidhofen/Thaya, Trauerbegleiter und Bildhauer 
Maria Putz, Pfarrpastoralassistentin in St. Pölten-St. Johannes Kapistran 
Alois Stelzer, Pfarrpastoralassistent in Gerolding und Referent für Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten 
Maria Stoik, Krankenhausseelsorgerin im Universitätsklinikum St. Pölten 
Eva Wagensommerer, Krankenhausseelsorgerin im Universitätsklinikum Tulln und im Pflege- und Betreuungszentrum Tulln, Hospiz und Palliativ Care 
Gabriele Wittmann, Pfarrpastoralassistentin und Religionslehrerin in Gars am Kamp 
Helga Zettlinger, Pfarrpastoralassistentin in Gaming 
Maria-Luise Zwölfer, Pfarrpastoralassistentin in Horn, Referentin für Exerzitien und Geistliche Begleiterin 

Hans Küng war ein Star unter den Reform-Theologen

Ein Asteroid trägt seinen Namen


Hans Küng, einer der renommiertesten Theologen weltweit und Begründer der Stiftung Weltethos, ist am Osterdienstagmittag im Alter von 93 in seinem Haus in Tübingen gestorben.
 
Der von 1960 bis 1996 in Tübingen lehrende Schweizer hat die katholische Kirche maßgeblich mitgeprägt. Seine Bücher wie „Unfehlbar? Eine Anfrage", „Christ sein" oder „Existiert Gott?" wurden Bestseller, brachten ihn aber auch in Konflikt mit dem kirchlichen Lehramt. In den vergangenen 30 Jahren engagierte sich Küng vor allem für den Dialog der Weltreligionen, insbesondere im „Projekt Weltethos".

16 Ehrendoktorwürden
Küng war unter anderem Gründungsmitglied der Internationalen Zeitschrift für Theologie „Concilium“ und Präsident der Herbert-Haag-Stiftung für „Freiheit in der Kirche“ (Luzern).
Küng erhielt zahlreiche Auszeichnungen und 16 Ehrendoktorwürden in Großbritannien, Irland, Italien, Kanada, Brasilien, Spanien und in den USA.
2017 wurde nach ihm ein Asteroid benannt.
Seit März 2015 erscheint im Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, eine auf 24 Bände angelegte Gesamtausgabe der Werke von Hans Küng. 

Hans Küng wurde am 19. März 1928 in Sursee als Sohn eines Schuhhändlers geboren. Nach der Matura in Luzern studierte er von 1948 bis 1951 Philosophie und von 1951 bis 1955 Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. 1954 wurde er zum Diözesanpriester für das Bistum Basel geweiht.

1960 wurde er mit 32 Jahren Professor für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen.
Er entwickelte ein Reformprogramm, das die Abschaffung des Zölibats, die Gleichberechtigung der Frau und eine weit reichende Ökumene zum Ziel hatte. Mit seinem Buch „Konzil und Wiedervereinigung“ von 1960 beeinflusste er die ökumenische Diskussion.
„Teenager-Theologe“ des Konzils
1962 bis 1965 war er als „Peritus“ einer der von Papst Johannes XXIII. berufenen Konzilstheologen des Zweiten Vatikanischen Konzils – und zwar für den damaligen Bischof von Rottenburg, Carl Joseph Leiprecht. Gemeinsam mit dem um ein Jahr älteren  Joseph Ratzinger wurde er als „Teenager-Theologe“ des Konzils bezeichnet.
Wichtige Themen des Konzils, für die sich Küng neben anderen erfolgreich einsetzte, waren die Aufwertung der Bibel, eine liturgische Volkssprache, der Laienkelch, das Eucharistieverständnis und eine charismatische Amtsstruktur. Keine Änderungen konnten dagegen bei Themen wie Empfängnisverhütung, Priesterzölibat, Ehescheidung, gemeinsamen Abendmahlsfeiern und der Reform des Papsttums erreicht werden, die teilweise nicht einmal zur Diskussion gestellt werden durften.
Küng und Ratzinger: Freundschaft und Bruch
Küng war von 1963 bis 1980 Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie und Direktor des Instituts für Ökumenische Forschung der Universität Tübingen. Zu seinen Habilitanden gehörte neben anderen 1964 der spätere Kardinal Walter Kasper.
Auf Anregung Küngs wechselte Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., im Jahr 1966 von der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster auf den Lehrstuhl für Katholische Dogmatik in Tübingen. Zwischen beiden kam es zum Bruch, als Ratzinger in der Auseinandersetzung mit der 68er-Bewegung konservativere Positionen vertrat und 1969 den Ruf an die Fakultät für Katholische Theologie Regensburg annahm, während Küng sich als Kritiker der Päpste profilierte.
Anfang der 1970er Jahre regte er ein ausführliches Memorandum der Arbeitsgemeinschaft ökumenischer Universitätsinstitute über die „Reform und Anerkennung kirchlicher Ämter“ an, das als Grundlage für eine Abendmahlsgemeinschaft dienen sollte und 1973 veröffentlicht wurde. Neben seiner Lehrtätigkeit in Tübingen nahm Küng zahlreiche Gastprofessuren wahr.
1979 Entzug der Lehrerlaubnis
Im Dezember 1979 entzog ihm Rom die kirchliche Lehrerlaubnis. Küng selbst sah darin vor allem eine Reaktion auf seine Kritik am Dogma der Unfehlbarkeit. Diese Zeit beschrieb er als die vier schlimmsten Monate seines Lebens:
„Ja, ein Blick zurück im Zorn könnte es sehr wohl werden, […] wenn ich zurückdenke an die psychische und physische Erschöpfung nach einem Kampf auf theologischer, kirchenrechtlicher, staatsrechtlicher, publizistischer und politischer Ebene, in Fakultät und Universität, Wissenschaftsministerium und Landesparlament; auf der anderen Seite Bischof, Bischofskonferenz, Nuntius und letztlich bestimmend Papst und Kurie. Wahrhaftig: vom 18. Dezember 1979 bis zum 10. April 1980 die vier schlimmsten Monate meines Lebens, die ich auch meinen erbittertsten Gegnern nicht wünschen kann.“
Ab 1980 wurde Küng ein fakultätsunabhängiger Professor für Ökumenische Theologie und Direktor des Instituts für ökumenische Forschung der Universität Tübingen.
„Kein Weltfriede ohne Religionsfriede“ 
Im Februar 1989 legte Küng das Basispapier für ein Symposium an der UNESCO zum Thema „Kein Weltfriede ohne Religionsfriede“ vor.
1990 erschien das Buch "Projekt Weltethos". Küng war Initiator und von 1995 bis 2013 Präsident der Stiftung Weltethos mit Sitz in Tübingen.
Küng gehörte einer zwanzigköpfigen Group of Eminent Persons an, die vom damaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan dazu berufen worden war, einen Bericht zum Dialog der Kulturen auszuarbeiten. Er wurde am 9. November 2001 vorgestellt. Aus diesem Anlass sprach Küng in New York vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen.
Am 24. September 2005…
… wurde Hans Küng von Papst Benedikt XVI. zu einer vierstündigen Privataudienz in Castel Gandolfo empfangen. Auf einen Disput über die strittigen Lehrfragen wurde dabei verzichtet, das Gespräch beschränkte sich auf die Frage des Weltethos und das Verhältnis von Naturwissenschaften und christlichem Glauben.
„Lieber Herr Küng" beginnt ein Brief von 2007, mit dem sich Benedikt XVI. für ein Buch bedankte. Küng sei, so der Papst zu dessen Autobiografie, den Weg seinem Gewissen gemäß gegangen, „davor habe ich Respekt". Auch er, Ratzinger, sei den Weg des Gewissens gegangen.
Der Fall Williamson
2009 übte Küng  heftige Kritik an der Entscheidung des Papstes, die Exkommunikation des britischen Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson aufzuheben: Auch wenn der Papst von der Holocaust-Leugnung selbst nichts gewusst habe und sicher auch nicht antisemitisch eingestellt sei, so wisse doch jeder, dass die vier betroffenen Bischöfe antisemitisch eingestellt seien. Der Papst sei im Vatikan eingeschlossen und vor Kritikern geschützt, der Vatikan sei insofern mit dem Kreml vergleichbar. Die katholische Kirche drohe zu einer Sekte zu werden. Die Aufhebung der Exkommunikation sei ein Regierungsfehler. Das grundlegende Problem liege in einer mangelnden Auseinandersetzung der Traditionalisten mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sowie in der Verweigerung einer neuen Beziehung zum Judentum.
Gern würde er nach dem Tod Wolfgang Amadeus Mozart und Thomas Morus treffen
Küngs letztes Thema war der Tod. Und er eckte auch damit an. Im 2014 veröffentlichten Buch „Glücklich sterben?" sprach er sich für Selbstbestimmung in der Frage der Sterbehilfe aus und erntete vor allem aus seiner Kirche Kritik. Doch für Küng stand fest: Jeder habe vor Gott und den Menschen die Verantwortung und das Recht, über sein Leben und Sterben zu bestimmen. Diese Selbstbestimmung sei „theologisch gut begründet und ethisch geboten".
2009, damals 81, zeigte sich Küng gespannt auf das Leben nach dem Tod. „Ich bin neugierig, was im Jenseits sein wird."
Gerne würde er Wolfgang Amadeus Mozart und Thomas Morus treffen. Ob es dazu komme, sei aber unerheblich. Er glaube nicht an naive Himmelsdarstellungen, "dass man auf einem goldenen Stühlchen sitzt und 'Halleluja' singt". Solche Fantasien würden dem Ernst des Sterbens nicht gerecht.
„Er wollte eine erneuerte Kirche"
Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Felix Gmür, verwies auf Küngs Verhältnis zur Kirche: Er sei nicht zuerst „Kirchenkritiker oder Papstkritiker, sondern Kirchenliebhaber, ja sogar Papstliebhaber" gewesen, schrieb der Bischof von Basel, Küngs Heimatdiözese, in einem Nachruf.
Küng habe die Kirche nicht überflüssig machen und nicht untergehen lassen wollen. „Er wollte eine erneuerte Kirche, eine Kirche für heutige Menschen, eine Kirche, die a jour ist", betonte Gmür. „Er kämpfte für eine Kirche, die sich mit den Lebenswelten, so wie sie sind, und mit der Welt, so wie ist, auseinandersetzt." 

Kirche in Not ruft zu Hilfe für Terroropfer in Mosambik auf

Nach dem Dschihadisten-Angriff auf die nordmosambikanische Küstenstadt Palma gibt es weiterhin kaum Informationen über die Lage in der Stadt an der Grenze zu Tansania. Er habe nach wie vor keine Gewissheit über das Schicksal seiner Gemeindemitglieder, berichtete ein örtlicher katholischer Priester dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not". Der Geistliche Antonio Chamboco befand sich zum Zeitpunkt der Attacke nicht in Palma. Zunächst sei es noch möglich gewesen, Kontakt zu den eingekesselten Menschen zu halten, dann seien die Telefon- und Internetverbindungen zusammengebrochen, schilderte er.
Vor einer Woche hatten islamistische Milizen die Stadt in der Provinz Cabo Delgado angegriffen, dutzende Menschen getötet und Häuser geplündert. Tausende Menschen befinden sich auf der Flucht oder sind verschollen. Am Sonntag gaben die mosambikanischen Streitkräfte die Rückeroberung Palmas bekannt. Die Stadt sei leer gewesen, teilte ein Militärsprecher mit. In der Region selbst wird nach verschiedenen Berichten weiterhin gekämpft.
Ein „Kirche in Not" zugesandtes Video, das nach dem Angriff aufgezeichnet worden sein soll, zeigt laut dem Hilfswerk enthauptete Menschen und verstümmelte Leichen. „Die Bilder sind schockierend. Wir können sie nicht teilen, weil sie durch ihre Brutalität die Menschenwürde verletzen", erklärte Ulrich Kny, Projektleiter für Mosambik in der internationalen „Kirche in Not"-Zentrale. „Es zerreißt mir das Herz. Wie viele Tote braucht es noch, bevor die Welt reagiert?", so Kny.
„Kirche in Not" habe Soforthilfen zur Verfügung gestellt, damit Vertriebene in kirchlichen Einrichtungen untergebracht und versorgt werden können. Außerdem unterstützt das Hilfswerk den Lebensunterhalt von Priestern und Ordensfrauen in der Region, die Ausbildung und Schulung von Seminaristen und weitere Projekte, die mit den dringendsten Bedürfnissen des kirchlichen Lebens in Mosambik zu tun haben. „Unser Hilfswerk versucht dort zu helfen, wo die Kirche vor Ort das Mögliche und oft das Unmögliche tut, um die humanitäre Krise zu lindern", teilte Kny mit.
Kirche in Not-Spendenkonto IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600, Verwendungszweck: Mosambik, Online-Spenden via www.kircheinnot.at)
Fotos:
1: Eine Gruppe von geflüchteten Frauen aus dem Norden Mosambiks. © Johan Viljoen 

2: Dschihadistische Kämpfer in der Provinz Cabo Delgado. © Kirche in Not
3: Verteilung von Lebensmitteln an Flüchtlinge in der Diözese Pemba. © Johan Viljoen
4. Ulrich Kny, Projektleiter für Mosambik. © Kirche in Not

Gemeinsames Osterdatum: Moskau reagiert ablehnend
Auseinandersetzung in katholischer Kirche

Mit Skepsis reagiert man in Moskau auf den jüngsten Vorstoß für ein gemeinsames Osterdatum aller christlichen Kirchen. Eine Kalenderreform und die Änderung der Berechnung des Osterdatums stehe nicht auf der Agenda der russisch-orthodoxen Kirche, erklärte der Außenamtschef des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), in einem aktuellen Kommunique. Derartige Vorschläge seien in den vergangenen Jahrzehnten bereits mehrfach und auch im Weltkirchenrat diskutiert wurden. Im Kern gehe es um die einfache Frage, wer vom eigenen Termin der Osterfeiern abgehe, so der Metropolit: „Wir haben zum Beispiel nicht die Absicht, unser Ostern zu ändern."
Unterschiedliche Termine seit der Kalenderreform 1582
Zuletzt hatte Erzbischof Job (Getcha), der Ständige Vertreter des orthodoxen Patriarchats von Konstantinopel beim weltweiten Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), mit dem Vorschlag aufhorchen lassen, das 2025 anstehende 1.700-Jahr-Jubiläum des Ersten Ökumenischen Konzils von Nicäa (325) zum Anlass zu nehmen, die Bemühungen um ein künftig gemeinsames christliches Osterdatum voranzutreiben. Der Vatikan hatte den Vorschlag positiv aufgenommen. Auch der koptische Papst-Patriarch Tawadros II. hatte sich vor einigen Jahren in einem Schreiben an Papst Franziskus für einen gemeinsamen Ostertermin stark gemacht.
Seit dem Konzil von Nizäa im Jahre 325 wird das älteste Fest der Christenheit am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Da die orthodoxe Kirche der Kalenderreform unter Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 nicht folgte und beim  Julianischen Kalender verblieb, feiern Ost und West in den meisten Jahren an unterschiedlichen Terminen. So fiel der Ostersonntag in den Westkirchen heuer auf den 4. April, während die Orthodoxie Ostern am 2. Mai feiert.
Benediktiner Schnabel: Ostern gemeinsam am Pessach-Sonntag feiern
Für ein Wegkommen vom „Sieger-Verlierer-Denken" bei der Suche nach einem gemeinsamen Osterdatum für die gesamte Christenheit plädiert der Benediktiner Pater Nikodemus Schnabel. Statt einer Übernahme des Osterdatums nach Gregorianischem Kalender durch die Ostkirchen oder umgekehrt des Osterfests nach Julianischem Kalender durch die Kirchen im Westen, schlägt der frühere Prior-Administrator der Jerusalemer Dormitio-Abtei ein Zugehen auf das Judentum und ein gemeinsames Osterfest am Pessach-Sonntag vor.
Auch Kardinal Reinhard Marx träumt von einem gemeinsamen Osterfest aller Christen und Juden. „Wie sehr hoffe ich, dass wir in einer globalen Welt irgendwann doch einen gemeinsamen Ostertag haben werden“, sagte der Erzbischof von München und Freising am Gründonnerstag im Münchner Liebfrauendom, berichtet „Vatican News“.
Theologin Riedl: Von jüdischer Seite als unsensibel empfunden
Die Theologin Andrea Riedl, derzeit am Lehrstuhl für Alte Kirchengeschichte und Patrologie der Uni Regensburg tätig, betonte in einer Stellungnahme gegenüber „Vatican News“, Schnabels Vorschlag müsse „von jüdischer Seite als unsensibel empfunden werden.“
Riedl: „Historisch betrachtet war die Feier von Ostern am Sonntag nach dem Paschafest genau das Gegenteil: Keine Verneigung vor und kein in-Ehren-Halten von jüdischen Wurzeln, sondern eine bewusste und dezidierte Abgrenzung der Christusanhänger/innen (die man ja erst allmählich als „Christen“, d.h. als eine vom Judentum getrennte religiöse Gemeinschaft wahrnahm). Man grenzte sich zunehmend und gewollt von dem ab, was das Gegenüber und den Kern seiner Identität ausmachte – und dies durchaus wechselseitig. Deutlich tritt eine solche liturgische Profilierung vonseiten des Christentums in einem Text auf, der um das Jahr 100 verfasst wurde und die erste uns erhaltene Gemeindeordnung darstellt: die sog. Lehre  (griech. Didache) der 12 Apostel. Darin wird erkennbar, dass Christusanhänger/innen an der Wende zum 2. Jahrhundert in der Liturgie, die ja in vielem in der Tradition des jüdischen Gottesdienstes stand, konkrete Signale setzten, durch die sie sich von den (anderen) Juden bewusst abgrenzten. Ein solches Signal war unter anderem das Ersetzen des jüdischen Paschafestes durch das christliche Osterfest, wie auch generell die Christianisierung des liturgischen Wochen- und Jahreszyklus.“
 

Türkei: Gefängnisstrafe für Abt eines syrisch-orthodoxen Klosters 

Die kleine christliche Minderheit in der Südosttürkei macht sich Sorgen um Aho Bilecen, Abt des Klosters Mor Yakub im Izlo-Gebirge. Dieser wurde von einem Gericht in Mardin zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und einem Monat verurteilt, wie türkische Medien am Mittwoch berichteten. Der Abt musste sich vor Gericht wegen des Vorwurfs der „Komplizenschaft mit terroristischen Organisationen" verantworten. Bilecen hat die Vorwürfe stets als haltlos zurückgewiesen. Er nahm auch nicht persönlich teil an der Verhandlung, sondern wurde von seinem Anwalt vertreten.
Aho Bilecen ist Abt und zugleich auch einziger Mönch des Mor Yakub-Klosters im Tur Abdin in der Südosttürkei. Er bemüht sich seit Jahren, das Kloster zu revitalisieren und wird dabei u.a. auch vom in Linz ansässigen Hilfswerk "Initiative Christlicher Orient" (ICO) unterstützt. 
Bilecen war am 10. Jänner 2020 von den türkischen Sicherheitskräften völlig überraschend im Kloster verhaftet worden. Die Festnahme war Teil einer größer angelegten Operation, bei der auch zwei christliche Bürgermeister des Tur Abdin sowie zahlreiche kurdische Einwohner verhaftet wurden. Der Abt wurde bzw. wird beschuldigt, PKK-Kämpfer in seinem Kloster unterstützt zu haben.

Kurznachrichten


Papst Franziskus hat weitere Reformen und eine bessere internationale Zusammenarbeit des vatikanischen Justizsystems  gefordert. 

 

Papst Franziskus hat den italienischen Dichter Dante Alighieri (1265-1321) in einem Apostolischen Schreiben als „Propheten der Hoffnung" gewürdigt. Anlass ist der 700. Todestag des berühmten Philosophen in diesem Jahr. Unter dem Titel „Candor lucis aeternae" (Glanz des ewigen Lichts) ruft er dazu auf, den bekanntesten Dichter der italienischen Literatur sowie des europäischen Mittelalters wiederzuentdecken. 

 

Vatikan. Die päpstliche Sternwarte hat ein neues Internetportal. Das Observatorium, dessen Ursprünge bis 1582 zurückreichen, präsentiert unter www.vaticanobservatory.org seine Geschichte und Forschungstätigkeit an den Standorten in Castel Gandolfo bei Rom und im US-Bundesstaat Arizona. 

 

Vatikan. Insassen der italienischen Haftanstalt Paliano bei Rom haben Papst Franziskus eine selbst angefertigte Osterkerze geschenkt. 

 

Libanon. Der designierte libanesische Premierminister Saad Hariri hat den Papst um ein Treffen gebeten. Dieses soll am 22. April im Vatikan stattfinden. 

 

Kuba. Havannas Erzbischof Dionisio Garcia hat die seit 20 Tagen im Hungerstreik befindlichen Dissidenten der nicht zugelassenen Oppositionspartei Patriotische Union Kubas (UNPACU) besucht. Sie fordern die Zulassung von politischen Parteien, Zugang zu den staatlichen Medien und Meinungsfreiheit. 

 

China. Nach Angaben von Menschenrechtlern verlangt die chinesische Regierung in einer neuen Verfügung von Geistlichen, ihre „Liebe zur Kommunistischen Partei (KP)" zu bekunden. Betroffen sind alle Religionen. 

 

Russland. Die katholische Kirche kritisiert neue Hürden für ausländische Geistliche im Land. Ein kürzlich von Staatspräsident Wladimir Putin unterzeichnetes Gesetz erlaubt eine dauerhafte Tätigkeit als Seelsorger nur noch Personen, die in Russland eine entsprechende Ausbildung absolviert und ein Zertifikat erworben haben. 

 

Kamerun. Kardinal Christian Wiyghan Tumi ist im Alter von 90 Jahren gestorben. 

Bis zuletzt  hatte er sich in dem Konflikt zwischen den englisch- und französischsprachigen Landesteilen Kameruns für eine friedliche Lösung engagiert. Im November 2020 war der Kardinal kurzzeitig entführt und wieder freigelassen worden. 

 

Kolumbien trauert  um den „Engel der Obdachlosen" Fray Gabriel Gutierrez Ramirez. Der 63-Jährige Franziskaner, bekannt für seinen Einsatz für Straßenbewohner in der Hauptstadt Bogota, erlag laut der Zeitung "El Tiempo" einer Covid-19-Infektion. 

 

In Kolumbien sind zehn Priester aus der Erzdiözese Villavicencio wegen des Verdachts der Zugehörigkeit zu einem Netzwerk suspendiert worden, das Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben soll. 

 

Polen. Für die Hälfte der Polen gehen die von der Regierung beschlossenen Corona-Beschränkungen für Gottesdienste nicht weit genug. 49,6 Prozent befürworteten in einer Umfrage für die Tageszeitung „Rzeczpospolita" (Karsamstag), dass höchstens fünf Personen eine Kirche in der Osterzeit besuchen dürfen. 26,5 Prozent lehnten dies ab. Die restlichen 23,9 Prozent hatten dazu keine Meinung. 

 

Mexiko/USA. Die Bischöfe der Grenzdiözesen haben die Regierungen beider Länder zu einer gemeinsamen Politik für die Migranten in der Region aufgerufen. Die Politik müsse zusammenarbeiten, um die Migranten zu schützen, zu unterstützen und zu integrieren. 

Österreich

Wien. Der Steuerrechtler Werner Doralt diagnostiziert keine generelle ungerechtfertigte steuerliche Bevorzugung der Kirchen und glaubt auch nicht, dass die ÖVP mit Beschneidungsplänen Ernst macht. 

 

Burgenland. Am Ostermontag haben mehrere hundert Passionsspiele-Mitwirkende aus der Gemeinde St. Margarethen im Römersteinbruch mit dem Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics ihre Angelobung gefeiert. Die Neu-Inszenierung „Emmaus - Geschichte eines L(i)ebenden" soll am 3. Juli 2021 Premiere feiern. 

 

Steiermark. Die diözesane Kurie von Graz-Seckau steht unter neuer Führung. Der bisherige Vizekanzler Matthias Rauch (35) folgte mit 1. April als Kanzler auf  Michael Pregartbauer, der in den Ruhestand trat. Neue Vizekanzlerin wurde Edith Maria Prieler, die als Bischöfliche Sekretärin seit 2015 die Leitung des Büros von Diözesanbischof Krautwaschl innehatte. 

 

Wien. Der aus Chile stammende Benediktinerpater Bernardo Opazo Avarena (48), Mitglied der Wiener Schottenabtei und Krankenhausseelsorger, hat zu Ostern einen neuen Song „Aleluya“ (Deutsch-Spanisch) veröffentlicht: https://www.youtube.com/watch?v=XkDYe6YtFsc 

 

Wien. Dr. Heribert Bastel, 1978 Mitbegründer und erster Oberer des Wiener Oratoriums des Hl. Philipp Neri, ist im 97. Lebensjahr verstorben. Er war Jahrzehnte hindurch auch für die „Legio Mariae“ tätig. 

Maria und andere Heilige als "Systemerhalter"

„Wer in diesem Land die Arbeit macht" veranschaulicht vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie eine Ausstellung im „Quo vadis?", dem Begegnungszentrum der Ordensgemeinschaften in der Wiener Innenstadt. Der Illustrator Daniel Lienhard stellt in seinen Bildmontagen die Gottesmutter Maria und andere Heilige als „Systemerhalter" dar, zeigt sie als Frauen und Männer in systemrelevanten Berufen -  unterbezahlt und ohne Wertschätzung, wie es in einer Ankündigung heißt. Oder in scheinbar banalen Tätigkeiten, wenn er etwa die „Thronende Madonna" des italienischen Bildhauers Benedetto da Maiano aus dem Spätmittelalter in ein heutiges Umfeld montiert: Maria sitzt neben einem modernen Kinderwagen in einem öffentlichen Verkehrsmittel, auf ihrem Schoß das Jesuskind.

Als Paketzusteller neben einem gelben Kastenwagen ist der "Heilige Petrus von Alcantara" zu sehen, geschaffen von Pedro de Mena y Medrano (Barcelona, 1663-1673). Ein Christophorus aus dem 18. Jahrhundert wird zum Spargelstecher aus Bulgarien, eine heilige Katharina aus dem Hochmittelalter sitzt an der Supermarktkassa. Insgesamt zwölf solche verblüffende und zugleich demaskierende Montagen hat der in Bregenz lebende "visuelle Gestalter" Daniel Lienhard, der immer wieder Illustrationen für die Bereiche Kultur, Bildung und Religion gestaltet, dem "Quo vadis?" zur Verfügung gestellt. Entstanden sind sie bereits vor der Pandemie, wie Zentrumsleiterin Lisa Huber gegenüber Kathpress mitteilte, neu sind jedoch die humorvoll-kritischen Bildtexte des Künstlers. 

Die Ausstellung mit den zwölf großformatigen Bildtafeln ist nach dem Ende des derzeitigen harten Lockdowns in Ostösterreich ab 19. April wochentags von 11 bis 16 Uhr im "Quo vadis?" (Stephansplatz 6, 1010 Wien) zu besichtigen. 

(Infos zur Ausstellung und zu allen Bildern: www.quovadis.or.at/)

Auch das noch...

„Ein Mann allein vor Gott"

Der deutsche Regisseur Wim Wenders (75) hat Papst Franziskus als „mutigen Mann" gelobt. Besonders die historische Geste des Kirchenoberhaupts am 27. März 2020 habe ihn tief beeindruckt, sagte der Künstler der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Damals betete Franziskus allein auf dem leeren Petersplatz um ein Ende der Corona-Pandemie. Die Bilder gingen um die ganze Welt. „Er stand dort symbolisch für uns alle" – „ein Mann allein vor Gott", so Wenders. Dies habe ihm - mehr als alles andere - gezeigt, was Glaube sei.
2018 hatte der Regisseur dem Nachfolger Petri den Dokumentarfilm „Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" gewidmet. Franziskus äußerte sich darin unter anderem zu Reformbestrebungen innerhalb der Kirche und aktuellen globalen Herausforderungen.
 

„Ökologische Schulden“ begleichen

Papst Franziskus hat beim Frühjahrstreffen von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder gefordert. Dies sei ein Gebot globaler Solidarität und erleichtere den betreffenden Staaten den Zugang zu Corona-Impfstoffen. 
Weiter schlug der Papst in seiner am Donnerstag veröffentlichten Botschaft eine Erhebung der „ökologischen Schulden" der Industriestaaten vor. Diese seien durch die Kostenübernahme für nachhaltige Entwicklung im globalen Süden zu begleichen.

„Christlich geht anders" will Grundeinkommen forcieren

Spätestens jetzt - inmitten von Covid-Pandemie und sozialer und Klimakrise - muss das Thema Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) „gesamtgesellschaftlich ernsthaft diskutiert werden". 
Wesentliche Impulse dazu erhofft sich die von Personen und Organisationen getragene Plattform „Christlich geht anders - solidarische Antworten auf die soziale Frage" einerseits von der entsprechenden europäischen Bürgerinitiative und einem Volksbegehren in Österreich. In einer Aussendung am Dienstag rief das Bündnis dazu auf, auf Europa-Ebene zu unterschreiben und auf Bundesebene die Einleitung eines Volksbegehrens zu unterstützen. 
Die Politik solle die Debatte über das BGE nicht länger scheuen und in der Krise „statt eines 'Zurück-zum-Davor' das Nachdenken über diese soziale Innovation befördern", hieß es. 
 

Liturgie ohne Covid-Maßnahmen

In der Ukraine hat ein Gottesdienst im Kiewer Höhlenkloster Petscherska Lawra, dem Metropolit Onufrij (Berezowskij), Oberhaupt der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, vorstand, für Aufregung gesorgt. Auf Bildern, die danach von der Kirche selbst verbreitet wurden, trugen weder Geistliche noch die dicht gedrängten Gläubigen - mit wenigen Ausnahmen - Masken. Sicherheitsabstände wurden ebenfalls nicht eingehalten.