JA 

die neue Kirchenzeitung

13. November 2022 

Unqualifizierte Priester 

Papst Franziskus hat jüngst im Gespräch mit Ausbildnern und Rektoren lateinamerikanischer Priesterseminare deutliche Kritik an unqualifizierten Priestern geübt. 
Auf Grund des vatikanischen Absolutismus – die Diözesen haben keinerlei Mitspracherecht bei Bischofsernennungen – werden so manche von ihnen jedoch in höchste Ämter befördert. 


Frankreichs Kirche kann derzeit davon ein bitteres Lied singen:  Elf amtierende oder emeritierte Bischöfe sind dort vor zivilen oder kirchlichen Gerichten wegen sexueller Gewalt „angeklagt“. 
In einem Fall wurde die Bischofskonferenz nach einem Bischofs-Rücktritt vom Vatikan sogar in die Irre geführt.
Von Änderungen in der Kirchenverfassung ist am Tiber selbstverständlich nicht die Rede. Das ist noch viel bitterer. P. Udo 

Papst feiert in Bahrain Messe mit 28.000 Gläubigen
Er ruft Arabiens Katholiken zur Glaubensverkündung auf

Am dritten Besuchstag seiner Reise nach Bahrain hat Papst Franziskus am Samstagmorgen (Ortszeit) in Riffa mit 28.000 Gläubigen eine Messe gefeiert. Mit ihm am Altar waren auch Österreichs Kardinal Christoph Schönborn, der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch und der deutsche Benediktiner Nikodemus Schnabel. In seiner Predigt rief Franziskus die Menschen zu bedingungsloser Nächstenliebe auf. Dabei gehe es nicht nur um Liebe zu nahestehenden Menschen, sondern zu allen, auch den Feinden.
Zum Abschluss seiner viertägigen Reise in Bahrain hat Papst Franziskus am Sonntagmorgen die Katholiken der Region zur Verbreitung ihres Glaubens aufgerufen. Zugleich ermutigte das Kirchenoberhaupt katholische Bischöfe, Priester, Ordensleute und kirchliche Mitarbeiter zum Dialog mit anderen Konfessionen und Religionen. Rund 500 Kirchenvertreter waren zu dem Treffen mit dem Papst in die „Sacred Heart Church" in der Hauptstadt Manama gekommen. Das 1940 eingeweihte Gotteshaus ist die erste katholische Kirche in der Golfregion.
In dem islamischen Königreich Bahrain forderte Franziskus die Christen auf, ihre gemeinschaftliche Freude am Glauben zu bewahren und zu vermehren. Christliche Freude sei ansteckend, betonte Franziskus. Das Evangelium veranlasse dazu, „aus sich herauszugehen und die Schönheit der Liebe Gottes weiterzuvermitteln".
Christen machen in Bahrain gut zehn Prozent der Bevölkerung aus. Die circa 80.000 Katholiken unter ihnen verteilen sich auf zwei Pfarrgemeinden, eine davon ist "Sacred Heart". Insgesamt gibt es in dem Königreich 20 Priester und acht Ordensleute. Kirchenadministrativ gehört Bahrain zusammen mit Kuwait, Katar und Saudi-Arabien zum 2011 begründeten Apostolischen Vikariat Nordarabien. In den vier Ländern arbeiten 60 Priester unter rund 2,7 Millionen Katholiken.
Papst zu Bahrain-Reise: "Dialog ist der Sauerstoff des Friedens"
Papst Franziskus hat seine Reise in das Königreich Bahrain in der vergangenen Woche gerechtfertigt. „Natürlich kann man sich fragen, warum wollte der Papst dieses kleine Land mit einer großen muslimischen Mehrheit besuchen", sagte das Kirchenoberhaupt am Mittwoch bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. Insbesondere, da es so viele andere katholisch geprägte Länder zu besuchen gebe.
Seine erste Reise nach Bahrain sei aber keine „isolierte Aktion" gewesen, sondern ein weiterer Schritt des von Papst Johannes Paul II. begonnenen Weges des Dialogs und der Brüderlichkeit zwischen Christen und Muslimen. „Dialog ist der Sauerstoff des Friedens", betonte Franziskus. Die großen Herausforderungen könnten nur gemeinsam gelöst werden.

Fotos: Twitter Antonio Spadaro. 

Papst Franziskus nach Bahrain-Reise: „Deutsche, sucht eure Quelle!“

Auf dem Rückflug von Bahrain hat Papst Franziskus am Sonntagnachmittag vor Journalisten über den Krieg in der Ukraine und die vielen Konflikte in der Welt gesprochen. Er ging auch auf seine Freundschaft mit dem Großimam von al-Azhar, auf die Gleichberechtigung von Frauen und auf Kindesmissbrauch ein. Zum Reformprozess der deutschen Katholiken äußerte er: „Deutschland hat bereits eine große evangelische Kirche, ich möchte keine weitere.“
Es war die letzte Frage der fliegenden Pressekonferenz, die Deutschland betraf. Ludwig Ring-Eifel vom „Centrum informationis Catholicum“ (KNA, Kathpress, kath.ch) sagte, er sei sehr bewegt, weil er nach acht Jahren Pause wieder bei einem Papstflug mit dabei sein dürfe. Während es in Bahrain eine kleine, arme Kirche mit vielen Einschränkungen gebe, die aber sehr lebendig und voller Hoffnung auftrete, sei die katholische Kirche in Deutschland zwar groß und reich an Geld, Theologie und Tradition, verliere aber jedes Jahr dreihunderttausend Gläubige und stecke in einer Krise. „Kann man von dieser kleinen Herde, die wir in Bahrain gesehen haben, etwas für das große Deutschland lernen?“, wollte Ring-Eifel wissen. Dazu der Papst:
„Deutschland hat eine alte religiöse Geschichte... Seine religiöse Geschichte ist groß und kompliziert, mit vielen Kämpfen verbunden. Ich sage den deutschen Katholiken: Deutschland hat eine große und schöne evangelische Kirche; ich will keine andere, die nicht so gut wäre wie diese; sondern ich will eine katholische Kirche sehen, in Geschwisterlichkeit mit der evangelischen Kirche. Manchmal verlieren wir den religiösen Sinn des Volkes, des heiligen, treuen Gottesvolkes, und wir verfallen in ethische Diskussionen - Diskussionen über Entwicklungen, Diskussionen, die theologische Konsequenzen haben, aber nicht den Kern der Theologie darstellen. Was denkt das heilige, treue Volk Gottes? Wie fühlt sich das heilige Volk Gottes? Gehen Sie dorthin und spüren Sie, wie sie sich anfühlt, diese einfache Religiosität, die Sie bei Großeltern finden.
Ich will damit nicht sagen, dass wir zurückgehen sollen, nein, sondern zur Quelle der Inspiration, zu den Wurzeln. Wir alle haben eine Geschichte von Glaubenswurzeln; auch die Völker haben sie: findet sie!“
Vatikanisches Arbeitsdokument zur Weltsynode nun auch auf Deutsch
Das 50 Seiten umfassende Arbeitsdokument für die sogenannte kontinentale Etappe der katholischen Weltsynode 2021-2024 liegt ab sofort in deutscher Übersetzung vor. Unter dem Titel „Mach den Raum deines Zeltes weit" (Jesaja 54,2) ist es  auf der Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz (www.dbk.de) verfügbar.

Frankreich: Untersuchungen gegen 11 Bischöfe
Missbrauch:  Kardinal bedrängte Minderjährige

„Frankreich: Bischöfe blicken in den Abgrund“ – so titelte Vatican News.
Das Thema Missbrauch erschüttert ein weiteres Mal die katholische Kirche in Frankreich. Nachdem mit Jean Pierre Ricard (78) jetzt sogar ein Kardinal sich selbst angezeigt hat, weil er vor Jahrzehnten ein junges Mädchen bedrängt habe, ist das Entsetzen groß, berichtet Vatican News.
„Ich bin am Boden zerstört“. Das sagt der Bischof von Arras, Olivier Leborgne, gegenüber Radio Vatikan. Leborgne ist auch Vize-Vorsitzender der französischen Bischofskonferenz, und die hat sich gerade bis Dienstag in Lourdes zu ihrer Herbst-Vollversammlung getroffen.
„Die Bischöfe sind wirklich betroffen. Betroffen zunächst angesichts der Opfer. Betroffen angesichts des Volkes Gottes – sie verstehen sehr gut, dass die Menschen erschüttert sind und viele das Vertrauen verloren haben. Tief berührt sind sie auch darüber, dass viele unserer Priester jetzt verunsichert sind.“
„Es gibt wirklich einen Skandal“
Elf amtierende oder emeritierte Bischöfe sind, wie am Dienstag bekannt wurde, vor zivilen oder kirchlichen Gerichten wegen sexueller Gewalt „angeklagt“. Und Kardinal Ricard, der frühere Erzbischof von Bordeaux, hat ein „verwerfliches“ Verhalten gegenüber einer 14-jährigen Minderjährigen vor 35 Jahren zugegeben. Dazu kommt der Fall Michel Santier: Der frühere Bischof von Créteil ist letztes Jahr vom Vatikan in den Ruhestand versetzt worden, doch erst unlängst stellte sich heraus, dass das wegen Missbrauchs geschehen war.
„Es gibt wirklich einen Skandal“, so Bischof Leborgne. „Doch die Bischöfe haben jetzt einige Entscheidungen getroffen, um voranzukommen und um viel klarer, viel effizienter im Umgang mit Missbrauch zu werden, wenn er von einem Bischof begangen wird.“ Der Episkopat hat eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, vor allem um die eklatanten Kommunikationsmängel zu beheben, die sich im Fall Santier gezeigt haben.
„Katholiken fühlen sich doppelt betrogen“
„Kommunikation ist ein Akt der Gerechtigkeit. Es geht darum, deutlich klarere Verfahren zu haben, um in diesen Fragen der Kommunikation, der Öffentlichkeit der Sanktionen deutlich besser aufgestellt zu sein. Dazu wird eine Delegation nach Rom reisen. Einige Bischöfe, aber auch qualifizierte Personen sollen dafür sorgen, dass sich die Beziehungen zwischen Rom und den Bischöfen in solchen Fällen flüssiger gestalten.“
Die Katholiken in Frankreich fühlten sich, wie Bischof Leborgne einräumt, „doppelt betrogen“, weil man ihnen im Fall Santier nicht die Wahrheit gesagt habe. Das solle in Rom „deutlich zur Sprache gebracht“ werden. Die Verfahren in solchen Fällen sollten überarbeitet werden.
Foto: Bischof  Olivier Leborgne, Vatican News.
 

Staatsanwaltschaft ermittelt nun doch gegen Kardinal Woelki

Zum zweiten Mal ermittelt in Deutschland eine Staatsanwaltschaft gegen den leitenden Bischof einer katholischen Diözese. Die Staatsanwaltschaft Köln hat Ermittlungen gegen Kardinal Rainer Maria Woelki aufgenommen, wie Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer am Mittwoch der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte. Dem Erzbischof wird vorgeworfen, er habe in einem presserechtlichen Verfahren gegen die „Bild"-Zeitung eine falsche Versicherung an Eides Statt abgegeben.
Bislang hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen in der Sache wegen eines zu geringen Anfangsverdachts abgelehnt. Nun enthüllte eine ehemals ranghohe Mitarbeiterin der Erzdiözese Köln im "Kölner Stadt-Anzeiger" neue Details. Die Berichterstattung habe den Anlass gegeben, die Ermittlungen nun doch aufzunehmen, so Bremer.
Konkret geht es um die Frage, wann genau Woelki durch die Erzdiözese Köln mit den Missbrauchsvorwürfen im Fall des 2019 verstorbenen früheren deutschen "Sternsinger"-Chefs Winfried Pilz befasst wurde. Der Kardinal selbst erklärte an Eides Statt, dies sei erst in der vierten Juni-Woche 2022 geschehen.
Dem widersprach die Assistentin des früheren Personalchefs in der Erzdiözese. Bereits 2015 habe sie eine Liste mit den Namen von 14 Priestern erstellt, denen Missbrauch angelastet wird, sagte sie dem „Kölner Stadt-Anzeiger". Darunter sei auch der Name Pilz gewesen. Ihr Vorgesetzter habe die Liste zu einem Termin mit Woelki mitgenommen.
Allerdings ist damit immer noch nicht klar, ob der Erzbischof damals wirklich Kenntnis von dem Fall bekam. „Mag sein, dass er sich das Blatt mit Pilz und den anderen 13 Namen nicht angeschaut hat. Aber befasst habe ich ihn damit. Ganz eindeutig", sagte die Frau. Nach der Sitzung mit Woelki habe sie von ihrem Chef wissen wollen, wie dieser auf die Liste reagiert habe. „Das hat den Kardinal überhaupt nicht interessiert", habe er geantwortet.
Unterdessen kämpft Kardinal Woelki weiter um seine Glaubwürdigkeit und wirbt bei den Verantwortlichen in der Erzdiözese um Mitarbeit. 53 von 75 Mitgliedern seines obersten Beratungsgremiums, des Diözesanpastoralrats, blieben Anfang September aus Protest einer Sitzung fern.
 

US-Diözese Rochester zahlt Opfern 55 Millionen Dollar

Die Diözese Rochester im US-Bundesstaat New York hat einem Vergleich zur Entschädigung von fast 500 Missbrauchsopfern zugestimmt. Demnach zahlt die Diözese 55 Millionen Dollar in einen Treuhandfonds ein, um Ansprüche der Betroffenen zu bedienen.  
Zum Vergleich: Das sind in etwa die jährlichen Kirchenbeitragseinnahmen der um 200.000 Katholiken größeren Diözese St. Pölten.

Bischöfe: Krisen sind nur durch Zusammenhalt zu bewältigen 

In Zeiten multipler Krisen zusammenzustehen - dazu haben die Bischöfe die österreichische Bevölkerung aufgerufen. Herausforderungen wie Klimaerwärmung, Pandemie, Energiekrise, Teuerung und Migrationskrise seien nur durch Zusammenhalt zu bewältigen. In einer Erklärung im Anschluss an ihre Herbstvollversammlung von 7. bis 10. November im Stift Michaelbeuern sprach sich die Bischofskonferenz auch dafür aus, aus der Geschichte zu lernen: „Österreich hat gerade in den letzten hundert Jahren leidvoll erfahren müssen, in welche Abgründe eine verhetzte und verfeindete Gesellschaft abstürzen und was durch Zusammenhalt und Mitmenschlichkeit gemeinsam erreicht werden kann."
Eine Mahnung…
… richteten die Bischöfe in ihrer Erklärung an die heimische Politik: Die Enthüllungen und Vorgänge in der letzten Zeit hätten zu einem demokratiegefährdenden Vertrauensverlust geführt. „Die weit verbreitete Skepsis verdunkelt das redliche und leider oft unbedankte Bemühen so vieler in der Politik und ihren Einsatz für die Menschen in unserem Land", bedauerten die Bischöfe. Sie erinnerten an einen „ethischen Grundsatz, der für alle gilt, die politische Verantwortung tragen: Jedes öffentliche Amt steht im Dienst des Gemeinwohls". 
Zum: Klimaschutz : Österreich ist in Bezug auf den Klimaschutz und beim Erhalt der Biodiversität „gefordert, mehr zu tun als bisher".
Ukraine, Asyl, Teuerung
Zusammenhalt in Österreich forderte die Bischofserklärung in Bezug auf den "völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine", auf die sich daraus ergebende Fluchtbewegung aus dem Kriegsgebiet.
Zur zuletzt in Österreich heiß diskutierten Unterbringungskrise mit Zeltstädten für Asylsuchende aus anderen Krisenregionen hielten die Bischöfe kritisch fest: "Diese wäre vermeidbar gewesen." Es müssten alle zuständigen Stellen zusammenarbeiten und dabei wie bisher auf kirchliche und andere Hilfseinrichtungen der Zivilgesellschaft zurückgreifen.
Die zuletzt stark gestiegenen Energiekosten und massive Teuerung lasse die Not auch in Österreich signifikant steigen, warnten die Bischöfe. Das einkommensärmste Drittel der Haushalte drohe in Armut abzurutschen. Die von der Regierung beschlossene Valorisierung der Sozial- und Familienleistungen sei zwar „ein echter Fortschritt", es werde aber weitere Maßnahmen brauchen, um besonders Betroffene zu entlasten.
1 Million Sofortmaßnahme
Die Kirche selbst sei um Linderung der Nöte bemüht, verwiesen die Bischöfe auf zahlreiche Initiativen von Caritas und anderen Einrichtungen. Dazu die Ankündigung: „Damit den jetzt von der Teuerung akut Gefährdeten rasch geholfen werden kann, stellt die Bischofskonferenz als Sofortmaßnahme über die Diözesen zusätzlich eine Million Euro für gezielte Hilfe der Caritas zur Verfügung." Ausgebaut werden solle auch die Hilfe durch sogenannte Sozialpatinnen und Sozialpaten - geschulte Freiwillige, die an der Schnittstelle von Pfarren und Einrichtungen der Caritas eingesetzt werden.
Österreich soll mehr für Klimaschutz tun
Zum Klimaschutz: Österreich ist in Bezug auf den Klimaschutz und beim Erhalt der Biodiversität „gefordert, mehr zu tun als bisher".
Gleichzeitig will die Katholische Kirche in Österreich ihre eigenen Bemühungen zum Klimaschutz intensivieren. So beschlossen die Bischöfe in Michaelbeuern, dass im Bereich der Diözesen die CO2-Emissionen bis 2030 um 60 Prozent reduziert werden sollen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen dafür zwei Prozent des Diözesanbudgets verwendet werden.
Dank an Pfarrgemeinderäte und Pastoralassistentinnen
Österreichs Bischöfe würdigten in einer eigenen Erklärung das Wirken der Pfarrgemeinderäte und dankten für deren ehrenamtlichen Dienst. Die 27.000 Frauen und Männer, die bei den Wahlen der mehr als 3.000 Pfarren des Landes im Frühjahr in diese Funktion entsandt wurden, seien "lebendige Kirche vor Ort".
Sie erinnerten auch daran, dass in den Pfarren sowie in anderen Seelsorgebereichen seit nunmehr 50 Jahren Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten tätig sind - insgesamt knapp 1.500 akademisch oder anders ausgebildete Laien. Die Seelsorge habe mit ihnen „viele wertvolle Impulse und Veränderungen bekommen", heißt es in der Erklärung. 
Foto:Bischofskonferenz/Kathpress.

Hilfswerk „Concordia" wird mit „Pax Christi"-Friedenspreis geehrt

Die Hilfsorganisation „Concordia Sozialprojekte" mit Sitz in Wien erhält den diesjährigen Friedenspreis der weltweiten katholischen Friedensbewegung „Pax Christi International". Concordia setze sich in mehreren mittel- und osteuropäischen Ländern direkt für gefährdete und benachteiligte Kinder und ihre Familien ein und arbeite dabei mit einem umfassenden Netz an Freiwilligen zusammen, teilte „Pax Christi" in Brüssel und Wien mit. Ausdrücklich würdigte die Friedensbewegung die jüngste Hilfe von "Concordia Sozialprojekte" in der Republik Moldau, wo seit Monaten Tausende ukrainischer Familien Zuflucht suchen.
„Durch Führungsstärke und die Mobilisierung von Freiwilligen verändert Concordia das Leben der Schwächsten in der Gesellschaft", sagte Pax-Christi-Generalsekretärin Greet Vanaerschot zur Preisvergabe. „Ihre Arbeit gibt Kindern und Jugendlichen die Chance auf ein besseres Leben, ein Leben, in dem sie ihre eigene Zukunft haben." Verliehen werden soll der Friedenspreis Anfang Dezember in Rom.
Der 1991 vom österreichischen Jesuiten Georg Sporschill gegründete Verein Concordia betreibt zahlreiche Hilfsprojekte in Rumänien, Bulgarien, im Kosovo und der Republik Moldau. Mit P. Inama ist nach wie vor ein Jesuit Teil des Leitungsteams. Finanziert wird Concordia zum überwiegenden Teil aus Spenden. (Spendenkonto: IBAN: AT28 3200 0000 1318 7893, Infos: www.concordia.or.at).
 

Tagung zeigt Forschungslücke um Priester-Politiker Ignaz Seipel

Kontroversen sowie erheblichen Forschungsbedarf rund um den früheren österreichischen Bundeskanzler Prälat Ignaz Seipel (1876-1932) hat ein internationales Symposium aufgezeigt, das an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz stattgefunden hat. 14 renommierte Vortragende aus dem In- und Ausland beleuchteten dabei die Figur des Priester-Politikers, der „im Spannungsfeld von Kirche, Partei und Politik" stand, wie auch der Titel der von den Grazer Kirchenhistorikern Prof. Michaela Sohn-Kronthaler und Markus Zimmermann konzipierten Tagung mit rund 70 Gästen lautete. 
Ignaz Seipel, Sohn eines Wiener Fiakers und 1899 zum Priester geweiht, startete zunächst eine akademische Laufbahn als Professor für Moraltheologie in Salzburg ab 1908, zeichnete der Wiener Kirchenhistoriker Rupert Klieber den Beginn seines Werdegangs nach. 
Bereits für den Übergang von der Monarchie zur Republik im November 1918 dürfte Seipel eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt haben, nahm Staatsarchiv-Direktor Helmut Wohnout in seinem Vortrag Bezug auf historische Belege, wonach er der Verfasser der Verzichtserklärung Kaiser Karls I. (1887-1922) war. 
Auch für die Konzeption des Österreichischen Bundesverfassungsgesetzes von 1920 habe der „Staatsdenker" Seipel - der schon in seinem Werk „Nation und Staat" von 1916 den Begriff der Nation als "Schicksalsgemeinschaft" charakterisiert hatte - eine Rolle gespielt, legte der Wiener Rechtshistoriker Thomas Olechowski dar. 
Hinsichtlich Seipels politischer Funktionen - von 1921 bis 1930 als Christlichsozialer Parteiobmann und zwei Mal (1922-1924 und 1926-1929) Bundeskanzler - beleuchtete der Hildesheimer Historiker Michael Gehler zunächst dessen diplomatisches Wirken. 
Innerhalb der ÖVP nach 1945 fehle es an Seipel-Memoria ähnlich wie auch sein intellektueller Gegenspieler Otto Bauer (1881-1938) von der SPÖ nicht kommemoriert wurde: Das verdeutlichte beim Symposium Dieter A. Binder, Historiker an den Universitäten Graz und Budapest. Der Forscher sprach von einer „entsorgten Geschichte", die zugunsten eines günstigen Koalitionsklimas im Nachkriegsösterreich geopfert worden sei. 

Brotvermehrungskirche am See Genezareth feiert Jubiläum 

Am See Genezareth im Heiligen Land soll Jesus laut biblischer Überlieferung einst sein Brotwunder getan haben. Heute liegt an der Stelle das Kloster von Tabhga, das derzeit ein Dreifach-Jubiläum feiert.
Hier erinnert die von deutschen Benediktinern betreute Kirche an die Stätte, wo Jesus nach der Bibel mit fünf Broten und zwei Fischen 5.000 Menschen speiste. Die Brotvermehrungskirche, das Kloster und das jenseits einer Plantage gelegene Pilgerhaus des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande begehen nun gemeinsam drei runde Gedenktage.
Da ist zunächst die Kirche, vor deren Altar das weltberühmte Mosaik aus dem 5. Jahrhundert einen Korb mit vier Broten und zwei Fischen zeigt. Es ist bereits das vierte Gotteshaus an dieser Stelle - und es wurde 1982, vor 40 Jahren, vom damaligen Kölner Kardinal Joseph Höffner eingeweiht.
Schon im 4. Jahrhundert berichteten Pilger von einer hier bestehenden Erinnerungsstätte an die Brotvermehrung. Die erste Kirche wurde vermutlich von einem Erdbeben zerstört und ab der Mitte des 5. Jahrhunderts bedeutend größer neu errichtet. Möglicherweise mit dem Perser-Einfall 614 wurde sie zerstört. Nach vielen Jahrhunderten Brache entstand 1935 eine Notkirche und 1982 der heutige Bau.
Vor 20 Jahren dann wurde auf dem Terrain das moderne Pilgerhaus eingeweiht. Papst Johannes Paul II. hatte bei seiner Heilig-Land-Reise im Jubiläumsjahr 2000 den Grundstein gesegnet.
Das dritte Jubiläum gilt dem Kloster der Benediktiner, das anstelle eines baufälligen Provisoriums vor zehn Jahren eingeweiht wurde. Allerdings machte die Anlage sehr bald traurige Schlagzeilen: In der Nacht auf den 18. Juni 2015 legten jüdische Extremisten einen Brand, der Klosterpforte, Atrium, Eingangsbereich samt Büros und Verkaufsladen schwer beschädigte. Auf einer Wand des Klosters fand sich der hebräische Schriftzug: „Falsche Götzenbilder müssen zerschlagen werden".
Glücklicherweise blieben die Kirche und das Kloster selbst verschont. Was vor allem dem beherzten Eingreifen von Pater Zacharias zu verdanken war, der von einem Mauersims aus die Kirchenfassade mit einem Gartenschlauch abspritzte - bis die Feuerwehr anrückte. Der Ordensmann und eine Volontärin wurden mit Rauchvergiftungen in einem Krankenhaus behandelt.
Zwar erlebten das Kloster und die Mönche…
…  in den folgenden Tagen eine ungeahnte Welle der Solidarität: Juden kamen, um sich für ihre Glaubensgenossen zu entschuldigen, schenkten kleine Ölpflanzen und Blumen. Spenden für den Wiederaufbau trafen ein, von jüdischen Organisationen und Rabbinern ebenso wie von katholischen Diözesen, insbesondere aus Deutschland. Aber sie reichten nicht aus, der Schaden ging in die Millionen - und der Antrag auf Schadensersatz gestaltete sich als Trauerspiel.
Niemand wollte zuständig sein, da ein Terroranschlag vorlag; die Brandschutzversicherung wollte nicht zahlen. Der Zufall wollte es, dass Israels Staatspräsident Reuven Rivlin in jenen Tagen den Besuch einer Papstaudienz in Rom plante. Kurz zuvor stattete er dem Kloster einen ausführlichen Besuch ab - und half, bürokratische Hürden zu überwinden. Einer der Täter wurde später zu vier Jahren Haft verurteilt.
Tabgha gehört zu den meistbesuchten Christen-Stätten in Israel. Papst Johannes Paul II. war hier, der frühere russische Präsident Michail Gorbatschow, mehrere deutsche Bundespräsidenten. Heute besuchen bis zu 5.000 Personen täglich die Stätte.

Kurznachrichten

 

Papst Franziskus hat Jordaniens König Abdullah II. und dessen Frau Königin Rania in Audienz empfangen. Bei dem privaten Austausch ging es unter anderem um die Lage im Nahen Osten sowie die Situation der Flüchtlinge in Jordanien.

 

Papst Franziskus hat eine weitere moderne Bronze-Skulptur auf dem historischen Petersplatz in Rom gesegnet. Die neue Skulptur mit dem Namen „Sheltering" (Obdach gebend) stellt einen Obdachlosen dar, den eine fliegende Taube mit einer Decke schützend zudeckt. 

 

Vatikan. LGBTQ-Aktivist und US-Jesuit James Martin hat am Freitag Papst Franziskus getroffen. In dem Gespräch sei es um „Freuden und Hoffnungen, Kummer und Sorgen" von LGBTQ-Katholiken gegangen, berichtete Martin nach dem Treffen auf Twitter. Die 45-minütige Audienz im Vatikan sei „herzlich, inspirierend und ermutigend" gewesen.

 

Deutschland. Papst Franziskus hat den Rücktritt des zu einer Freiheitsstrafe verurteilten Aachener Weihbischofs Johannes Bündgens (66) angenommen. Weil er 128.000 Euro von einer wahrscheinlich dementen Bekannten veruntreut hatte, erhielt er eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, die zur Bewährung auf zwei Jahre ausgesetzt wurde. Zudem wurde ihm eine Geldbuße von 5.000 Euro auferlegt.

 

Palästina. Bei Zusammenstößen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee in Nablus ist in der Nacht zu Mittwoch ein palästinensischer Jugendlicher getötet worden. 

 

Jordanien hat Israel nach dem Wahlsieg des rechten Lagers vor Veränderungen am Tempelberg, arabisch Haram al-Scharif, in der Jerusalemer Altstadt gewarnt. "Jeder Versuch, den Status quo auf dem Tempelberg zu ändern, wird den Beziehungen zwischen Jordanien und Israel definitiv schaden".

 

USA. Das Thema Abtreibung hat bei den Zwischenwahlen landesweit Frauen, Wechsel- und Jungwähler in Rekordzahl mobilisiert. Es kostete die Republikaner möglicherweise die Mehrheit im US-Senat, Dutzende Mandate im US-Repräsentantenhaus, mehrere Gouverneursämter, viele Sitze in den Parlamenten der Bundesstaaten und etliche Richterposten.

 

Pakistan. Der Täter hinter dem Anschlag auf Ex-Premierminister Imran Khan hat den Kampf gegen Blasphemie als Motiv angegeben. Khan ist der vierte hochrangige Politiker in Pakistan, auf den wegen angeblicher Blasphemie ein Attentat verübt wurde. 

 

Spanien. Papst Franziskus hat eine Untersuchung von Priesterseminaren in Spanien angeordnet. Die sogenannte Apostolische Visitation soll zwischen Jänner und Februar stattfinden. Visitatoren sind zwei Bischöfe aus Uruguay.

 

Mexikos Bischofskonferenz hat sich mit ungewöhnlich scharfer Kritik gegen die von Staatspräsident Andres Manuel Lopez Obrador gewünschte Wahlreform gewandt. Die geplante Verfassungsveränderung sei "rückschrittlich" und würde "die Stabilität und demokratische Regierungsfähigkeit des Landes gefährden".

Peru. Nach heftigen Streitereien zwischen Regierung und Katholischer Kirche in Peru ist Präsident Pedro Castillo am Donnerstag zu einem Treffen mit den Bischöfen des Landes zusammengekommen. Wie die Tageszeitung „La Republica" berichtete, habe Castillo anschließend die respektvolle Atmosphäre des Gesprächs herausgestellt.
 
Jugoslawien. Der Steyler Missionar Laszlo Nemet (66), bisher  Bischof von Zrenjanin, wird neuer Erzbischof von Belgrad. Der Dogmatiker lehrte an Universitäten in Polen, Österreich und Kroatien. 



Österreich


Niederösterreich. „Jetzt verhindern, dass aus der Teuerungswelle eine Armutswelle wird" - dazu hat der St. Pöltner Caritas-Direktor Hannes Ziselsberger aufgerufen. Er appellierte an alle, die es sich leisten können, mit ihrer Spende an die Caritas sicherzustellen, dass deren Hilfsangebote auch in herausfordernden Zeiten aufrecht bleiben können. Der durchschnittliche Wocheneinkauf eines Haushalts sei binnen eines Jahres  um mehr als 19 Prozent teurer geworden sei.
 
Wien. In der Debatte rund um das drohende Aus des Mutter-Kind-Passes fordert die „Aktion Leben" den Ausbau der medizinischen Leistungen anstatt eines Abbaus. Entsetzt hat sich  auch der Katholische Familienverband Österreich (KFÖ) über die aktuellen Entwicklungen gezeigt.
 
Steiermark. Die Katholisch-Theologische Fakultät in Graz verzeichnet einen erfolgreichen Semesterstart mit insgesamt gleich sechs neu besetzten Professuren und stabilen Studierendenzahlen. Insgesamt zählt die Fakultät aktuell 1.271 und rund 50 Lehrende bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
 
Wien. Das neue „Kolpinghaus Wien-Alsergrund" wurde feierlich eröffnet. Es bietet 150 Zimmer für Studierende, sechs Wohnungen für Senioren und 20 Wohnplätze für junge Frauen in Notsituationen. Ebenso werden Plätze für Personen im Rahmen der Wiener Wohnungslosenhilfe sowie für Vertriebene des Kriegs in der Ukraine zur Verfügung gestellt.
 
Burgenland. Für Bischof Ägidius Zsifkovics sind die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) noch lange nicht erschöpfend im Leben der Kirche umgesetzt. Zsifkovics sieht im Synodalen Prozess deshalb die große Chance, eine gewisse „Konzilsmüdigkeit" in der Kirche zu überwinden und notwendige Reformschritte anzugehen.
 
Wien. Seit 1. November, dem 150. Geburtstag von „Furche"-Gründer Friedrich Funder, sind sämtliche Artikel seit der 1945 noch so genannten "kulturpolitischen Wochenschrift" auf www.furche.at verfügbar – „digital ausgelesen und durch künstliche Intelligenz miteinander verknüpft".
 
Tirol. Die Kirche darf die Fragen Jugendlicher an sie „nicht wegschieben". Das betonte der Jesuitenpater und langjährige Leiter der Zukunftswerkstatt der Innsbrucker Jesuiten und des mk-Jugendzentrums, Helmut Schumacher, im Interview mit der Kirchenzeitung „Tiroler Sonntag".

Digitale Kultur braucht die christliche Botschaft

„Die Klöster hatten immer einen Kulturauftrag aus ihrer spirituellen Basis heraus. Und in unserer Zeit gilt es, auch in die digitale Kultur die christliche Botschaft hineinzutragen." - Das betont der Wilheringer Abt Reinhold Dessl in der aktuellen Ausgabe der „Ordensnachrichten ON". 
Von 23. bis 25. September 2022 war das Zisterzienserstift Wilhering Schauplatz der „Expedition für Digitalen Humanismus". Vertreter von Wissenschaft, Kultur, Politik und Theologie kamen zusammen, um über "Geist und Soziales, Spiritualität und Wissenschaft, Digitales und Analoges" zu diskutieren.
„Wie kann man die Welt des Digitalen wieder mehr mit der Welt des Menschlichen zusammenbringen?", brachte Abt Dessl die Grundfrage nun im Interview auf den Punkt: "Das Digitale bringt viele Vorteile, zum Beispiel in der Kommunikation. Doch es kommt darauf an, wie man das Digitale benutzt. Es kann auch zum Fluch werden." Das Christliche müsse sich in der Art der Benützung ausdrücken, im Umgang mit dem Digitalen, so Dessl.

Auch das noch...

Papst übt scharfe Kritik an unqualifizierten Priestern

Papst Franziskus hat deutliche Kritik an unqualifizierten Priestern geübt. Im Gespräch mit Ausbildnern und Rektoren lateinamerikanischer Priesterseminare verglich er Geistliche, die keine Absolution bei der Beichte erteilen, mit Verbrechern. Zudem verurteilte er Mittelmäßigkeit durch fehlende Nähe zu Gott als „schlimmer als die Todsünde": "Ein Priester, der nicht betet, landet in der Tonne." Vielleicht halte er durch bis ins hohe Alter, aber nur in Mittelmäßigkeit. Franziskus hatte sich bereits am Donnerstag mit den Seminar-Vertretern getroffen. Seine freie Rede veröffentlichte der Vatikan am Freitag.
Neben der Nähe zu Gott und den Menschen empfahl er Priestern auch die Nähe zum eigenen Bischof. "Es ist wahr, dass es manchmal Bischöfe gibt, Gott bewahre ...", so der Papst. Aber zugleich gebe es keine Kirche ohne Bischof. „Entweder Du gehst wie ein Mann zu Deinem Bischof oder Du bittest den Herrn, das Problem zu lösen." Keinesfalls solle der Bischof aufgesucht werden, um sich bei ihm einzuschleimen - etwa für einen besseren Posten. Es gehe darum, ihm nahe zu sein oder ihn zumindest zu respektieren.
 

Polen: Immer weniger Schüler im Religionsunterricht

In Warschau besuchen immer weniger Schülerinnen und Schüler den Religionsunterricht. Laut einer neuen Statistik wählten in diesem Schuljahr nur noch 29 Prozent der Oberstufenschüler in Gymnasien das Fach Religion. 
In der achtjährigen Grundschule gehen derzeit laut der Erhebung des städtischen Bildungsamtes knapp 67 Prozent der Kinder zum Religionsunterricht - gegenüber 72 Prozent im Vorjahr. 
Besonders im westpolnischen Breslau (Wroclaw) meldeten sich laut Medienberichten in diesem Schuljahr viele Schülerinnen und Schüler der Oberstufe vom Religionsunterricht ab, nämlich rund 80 Prozent. Statistiken für ganz Polen gibt es noch nicht. 

Kyrill I. und Putin ehren gefallenen Militärgeistlichen

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat am Mittwoch persönlich einen Trauergottesdienst für einen umstrittenen Militärgeistlichen in der Moskauer Hauptkathedrale gefeiert. Der mit einer russischen Fahne bedeckte Sarg mit dem Leichnam von Michail Wassiljew wurde dazu in der Christ-Erlöser-Kathedrale aufgebahrt. Wassiljew starb laut Kirchenangaben am Sonntag mit 51 Jahren in der „Zone der militärischen Spezialoperation in der Ukraine bei der Ausführung seiner Seelsorge-Aufgaben", also in Russlands Krieg gegen das Nachbarland.
Kyrill I. zeichnete Wassiljew bei dem Gottesdienst mit dem Kirchenorden „für Ruhm und Ehre" aus. 
Kreml-Chef Wladimir Putin verlieh dem Geistlichen wegen Tapferkeit bei der "Erfüllung der Bürgerpflicht" posthum den Titel „Held Russlands".
 Wassiljew hatte Ende Oktober in einem TV-Interview Frauen geraten, viele Kinder zu gebären, damit es nicht so schmerzhaft für sie sei, wenn ein Sohn zum Kriegsdienst eingezogen werde. Das sorgte für Empörung. 
 

Deutsche Evangelische Kirche beschließt Tempolimit für Bischöfe

Deutschlands evangelische Bischöfinnen und Bischöfe sollen künftig maximal mit Tempo 100 über die Autobahn fahren. Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beschloss am Mittwoch auf ihrer Tagung in Magdeburg, dass man es für geboten halte, bei Fahrten in kirchlichem Kontext ein Tempolimit von 100 Stundenkilometern auf Autobahnen und ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern auf Landstraßen einzuhalten, um treibhausbasierte Emissionen spürbar zu verringern. Zudem will sich die Kirche politisch für ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern einsetzen. 
 

Neues Handbuch der Schweizer Klosterbibliotheken

In der Schweiz gibt es rund 150 Klöster. Viele von ihnen haben stattliche Bibliotheken von historischer Bedeutung. Von 84 sind die Bestände nun in fünfjähriger Arbeit in einem neuen Handbuch inventarisiert.
Das Auswahlkriterium: Die Klöster wurden vor 1800 gegründet und bestehen heute noch, erklärte Projektleiter Albert Holenstein, Fachbereichsleiter für Schriftliches Kulturerbe der Stiftsbibliothek Sankt Gallen. Das Handbuch sei ein „sehr spezifisches Nachschlagewerk", aber vor allem für die Bibliothekswissenschaft enorm wichtig. Zunächst liefert es Eckdaten zur jeweiligen Bibliothek, weiter Benutzerinformationen, Angaben zum Bestand, zu Katalogen und zu weiteren Sammlungen.
Die größte Schweizer Klosterbibliothek - Einsiedeln - wird auf zehn Seiten beschrieben. Sie besitzt allein 2.575 Drucke aus dem 16. Jahrhundert, 1.280 Handschriften und 780 sogenannte Inkunabeln (frühe Buchdrucke); darunter das legendäre Blockbuch des heiligen Meinrad, auf dessen Einsiedelei das Kloster errichtet wurde. Auch gibt es im Kloster Einsiedeln eine Musikbibliothek.
Der gesamte historische Teil der Sankt Galler Sammlung (bis 1805) wurde von der Unesco 2017 als Weltdokumentenerbe ausgezeichnet. Von größter Bedeutung sei sie vor allem für die Erforschung des Frühmittelalters, so Holenstein.
Der Sankt Galler Stiftsbibliothekar Cornel Dora betonte bei der Präsentation, dass das neue Nachschlagewerk einen bedeutenden Beitrag leiste, um das Erbe der Schweizer Klöster zu bewahren. „Die Klöster befinden sich im Umbruch; es fehlt schlicht an Nachwuchs." Umso wichtiger sei eine Bestandsaufnahme.
Foto: Stiftsbibliothek St. Gallen.