JA 

die neue Kirchenzeitung

13. Februar 2022 

 

Emigration aus der Kirche 

„Die Organisation Kirche ist anscheinend heute nicht mehr gefragt. Tausende verlassen jedes Jahr diese Organisation… 
Sie haben nicht den Glauben an Christus, den Glauben an Jesus Christus verloren, aber viele scheinen den Glauben an die Notwendigkeit der Organisation Kirche verloren zu haben … 
Die Kirche lebt heute materiell zum großen Teil von denen, die von ihr nichts wissen wollen, ihr fremd gegenüberstehen… 

Neben diesem lautlosen Abfall von der Kirche vollzieht sich noch etwas anderes, vielleicht Gefährlicheres: der stille, lautlose Rückzug aus dem Engagement für die Kirche, der Rückzug in die innere Emigration aus den katholischen Kernschichten.“ 
Diese Zeilen entstammen nicht einem Kommentar zur aktuellen Kirchenentwicklung in Österreich. Sie sind 50 Jahre alt.
Sie wurden 1972 für die Zeitschrift „cursillo“ geschrieben. Von Dr. Richard Barta, dem damaligen Chef der „Kathpress“. Der „Prophet von gestern für heute und morgen“ (P. Josef Garcia-Cascales) bleibt hochaktuell. Leider. 
Wie es schon Jesus erfahren musste: Ein Prophet  wird in seiner Heimat nicht gern gehört. Religiöse Autoritäten stellen sich oft taub.  P. Udo 

Kopte wird Vorsitzender des ägyptischen Verfassungsgerichts 

Mit Richter Boulos Fahmy wird erstmals ein koptischer Christ Vorsitzender des obersten ägyptischen Verfassungsgerichts. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah Al-Sisi erließ am Dienstag ein entsprechendes Präsidialdekret, wie örtliche Medien am Mittwoch berichteten. Der 65-jährige Fahmy tritt sein Amt mit dem Rang eines Ministers mit Wirkung von Mittwoch an. Fahmy war zuvor unter anderem Präsident des Kairoer Berufungsgerichts sowie zweimal Vizepräsident des Obersten Gerichtshofs (2010 und 2014).
Al-Sisi hatte 2017 Gesetzesänderungen ratifiziert, die es dem Präsidenten ermöglichen, Richter an den obersten ägyptischen Gerichten zu ernennen. Die Einbeziehung koptischer Christen in dem mehrheitlich muslimischen Land wird laut Medienberichten seit langem von Aktivisten gefordert. Zuletzt wurden demnach mehrere Kopten in Regierungsämter berufen.
Die größte christliche Gemeinschaft in Ägypten sind die orthodoxen Kopten. Sie führen ihre Anfänge auf den Evangelisten Markus zurück. Angaben über Mitgliederzahlen der altorientalischen Kirche schwanken zwischen acht und zwölf Millionen unter den rund 100 Millionen Einwohnern Ägyptens. Die römisch-katholische Kirche zählt in Ägypten rund 20.000 Mitglieder.
Foto: Medienamt des ägyptischen Präsidenten.
 

US-Air Force muss 230 Millionen nach Kirchenmassaker zahlen 

Nach einem Massaker in einer Baptistenkirche in Texas im November 2017 hat jetzt ein Bundesrichter die US-Air Force zur Zahlung von 230 Millionen US-Dollar an Opfer und deren Angehörige verurteilt. In dem Urteil vom 7. Februar wies Richter Xavier Rodriguez der US-Luftwaffe eine Mitverantwortung für die Tat zu. Das Militär habe es versäumt, eine frühere Verurteilung während der Dienstzeit des Täters wegen Körperverletzung zu melden. Diese Unterlassung habe dazu geführt, dass Devin Patrick Kelley das Sturmgewehr kaufen konnte, mit dem er in Sutherland Springs ein Massaker anrichtete.
Bei der größten derartigen Bluttat in der Geschichte von Texas hatte Kelley im November 2017 das Feuer auf mehr als 450 Gottesdienstbesucher eröffnet und dabei 26 Menschen getötet und 22 verletzt. Der Täter hatte sich anschließend selbst getötet. 
 

Chinas Untergrundkirche auch ohne Olympia unter Druck

Die Sinologin Katharina Wenzel-Teuber sieht Chinas Katholiken trotz des Abkommens zwischen Vatikan und Peking unter starkem Druck. Insbesondere gebe es „Zwangsmaßnahmen" gegen Priester, Ordensschwestern und Gemeinden in der nicht von Peking anerkannten „Untergrundkirche", sagte die Chefredakteurin der Zeitschrift "China heute" der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur im Interview.
Zum Fall des häufig verschleppten Untergrundbischofs Cui Tai von Xuanhua in der Region Zhangjiakou, wo unter anderem der Olympische Biathlon-Wettbewerb stattfindet, sagte sie, der Bischof sei in den vergangenen Jahren von den Behörden zum chinesischen Neujahr oft für einige Tage freigelassen worden. Allerdings wisse sie nicht, ob dies auch in diesem Jahr der Fall sei. „Mit oder ohne Olympia - in der Region um Zhangjiakou ist der Druck auf die katholische Untergrundkirche seit langem sehr hoch."
Medien: China verschärft Kampagne gegen Religionen
Chinas kommunistische Regierung nimmt in einem neuen Lehrbuch über Atheismus für Hochschulen und die Kader der Kommunistischen Partei organisierte Religionen ins Visier. Das chinesischsprachige Buch „Die Prinzipien des wissenschaftlichen Atheismus" sei Teil einer Kampagne der Partei zur „vollständigen und getreuen" Ausführung der Entscheidungen der „Nationalen Konferenz für religiöse Angelegenheiten" im Dezember, berichtete der asiatische Pressedienst „Ucanews".
Autor Li Shen vertrete in dem Werk die These von Präsident Xi Jinping, die chinesische Kultur sei nie religiös gewesen. Bei der Konferenz habe Xi die Parteiführung zudem angewiesen, zur Gewährleistung der nationalen Sicherheit die Überwachung religiöser Aktivitäten im Internet und die Kontrolle der Religionen zu verschärfen. In dem Buch präsentiert der Autor laut Ucanews wissenschaftliche Erklärungen für „die Nichtexistenz Gottes" und „die schädliche Wirkung der Religion".

Kardinal: Pandemie führte zu mehr Menschenhandel und Sklaverei

Eine Allianz aus Kirchenvertretern und Strafverfolgungsbehörden will gegen moderne Sklaverei und Menschenhandel in Europa vorgehen. Die Pandemie habe die Situation für Millionen von Menschen verschärft, sagte der britische Kardinal Vincent Nichols bei einer mehrtägigen europaweiten Online-Konferenz. Ihnen drohe das Schicksal, Opfer von Menschenhandel zu werden, so der Erzbischof von Westminster. 

Die Tagung mit über 100 Teilnehmenden aus 21 Ländern stand unter dem Motto „Sklaverei heute abschaffen - wie kann es uns gelingen? Menschenhandel und Arbeitsausbeutung in Europa". Sie wurde ausgetragen von der Santa-Marta-Gruppe, ein von Papst Franziskus initiierter Zusammenschluss von Kirche und Strafverfolgungsbehörden sowie weiterer staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen. 

40 Millionen Betroffene

Auf die besondere Verantwortung der Europäischen Union bei dem Thema wies der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hin. Europa sei schließlich ein „häufig angesteuertes Ziel global agierender Menschenhändler", so der in der deutschen Bischofskonferenz für Migrations- und Flüchtlingsfragen zuständige Bischof. Mehr als 40 Millionen Menschen seien Schätzungen zufolge weltweit Opfer von moderner Sklaverei, so der Hamburger Erzbischof.

Synodaler Prozess: Jesuitenkolleg Innsbruck legt Forderungskatalog vor

Das Jesuitenkolleg Innsbruck erwartet sich durch den weltweiten Synodalen Prozess der Katholischen Kirche konkrete kirchliche Erneuerungen. Das geht aus einer Stellungnahme hervor, die das Kolleg am Wochenende veröffentlicht hat. In dem Papier, das von Rektor P. Christian Marte, von P. Bernhard Heindl (Rektor der Jesuitenkirche), P. Andreas Schermann (Collegium Canisianum) und vom Leiter der „Zukunftswerkstatt", P. Helmut Schumacher, unterzeichnet wurde, wird u.a. die Entwicklung neuer Ämter und Weiheformen, die Förderung von Frauen in höchsten Leitungsfunktionen sowie die Begrenzung der Amtszeit für Bischöfe gefordert.
Weitere Forderungen umfassen die Entwicklung von Qualitätsstandards in der Seelsorge, die etwa eine Befristung von priesterlichen Vollmachten für Beichte, Predigt, geistliche Begleitung und Exerzitien-Begleitung vorsieht. Im Bereich der Ausbildung brauche es darüber hinaus gezielte Schulungen für Personen in Leitungspositionen u.a. mit einem Fokus auf der Mitarbeiter-Führung. Schließlich sollte auch die digitale Kommunikation ausgebaut und der Kirchenbeitrag „neu gedacht" und in Richtung "anderer Formen der Kirchenzugehörigkeit" weiterentwickelt werden.
Viele Dinge in deutschsprachigen Diözesen und Orden könnten die lokalen Kirchen selbst erneuern, in eigener Verantwortung und im Rahmen des Kirchenrechts, zeigte sich Marte überzeugt. „Da gehört vor allem die Frage der Qualität in der Seelsorge dazu." Im Synodalen Prozess gehe es um Kulturentwicklung. "Das ist mehr als nur Organisationsveränderung". Kulturentwicklung brauche Zeit, gutes Zuhören und Aufmerksamkeit für die Wirklichkeit. Wer nur den Status quo bewahren wolle, werde "unbeweglich". Für eine solche Kulturentwicklung empfehlen die Stellungnahmen dem Synodalen Prozess vorrangig das geistliche Gespräch.
Der Vatikan hat zur Vorbereitung der für 2023 geplanten Bischofssynode zum Thema „Synodalität" einen weltweiten Synodalen Prozess gestartet: In mehreren Stufen, von den Diözesen über die Kontinente bis zur Bischofssynode selbst, sollen die Gläubigen und ihre Bischöfe beraten, was für die Kirche wichtig ist. Mit der Stellungnahme des Jesuitenkollegs Innsbruck wolle man einen Beitrag zu diesem Prozess leisten.
 

Deutsche Synodale beschließen Reformen mit bischöflichem Gütesiegel 

200 katholische Verbandsvertreter, Theologieprofessor*innen, Ordensleute und Bischöfe haben in Frankfurt drei Tage miteinander diskutiert und um Texte gerungen. Auf dem 2019 begonnenen „Synodalen Weg" haben sie mit ihrer dritten Vollversammlung nun etwas mehr als die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Dass dieser Weg ihr Bild von der Kirche und auch sie selbst verändert hat, erzählen manche Bischöfe in diesen Tagen ebenso verwundert wie erleichtert. Und ohne diese Veränderung der Bischöfe wären wohl auch manche Beschlüsse der dritten Synodalversammlung nicht zustande gekommen.
Die Anforderung einer bischöflichen Zweidrittelmehrheit…
… war ursprünglich auf römischen Druck in die Satzung des "Synodalen Wegs" eingebaut worden - vermutlich, um zu verhindern, dass dieser Weg Dinge beschließt, die einen Bruch mit der Lehre bedeuten und damit die Einheit mit der Weltkirche gefährden könnten. Schon 23 bischöfliche Neinstimmen würden genügen, um eine allzu kühne Forderung zu Fall zu bringen. Doch im Umkehrschluss bedeutet die Zustimmung von mehr als zwei Dritteln einer Bischofskonferenz, die nun im Rahmen des Synodalen Wegs von Fall zu Fall zustande kommt, eine Art Beglaubigungsstempel, über den andere lehramtliche Instanzen, auch die in Rom, nicht einfach hinwegsehen können.
Für Gleichberechtigung der Geschlechter in der katholischen Kirche
Vielleicht war das der Grund, warum am Freitag, dem zentralen Datum der dreitägigen Versammlung, aus Sicht mancher Beobachter ein Hauch von Kirchengeschichte durch die zugigen Frankfurter Messehallen zu wehen schien. Mehrere, vor allem weibliche Teilnehmer, sprachen von einem „historischen Moment", und auch einer der Bischöfe appellierte, man solle „den Sprung wagen". Was dann an diesem Tag als erstes verbindliches Synodal-Papier mit bischöflicher Zweidrittelmehrheit verabschiedet wurde, war ein Grundsatzpapier zur Gleichberechtigung der Geschlechter in der katholischen Kirche, das in der Umsetzung zwingend auf die Zulassung von Frauen sowie von nicht-binären Menschen zum Priester- und Bischofsamt hinausläuft.
Für eine Modernisierung der kirchlichen Sexualmoral
In Erster Lesung verlangten die mehr als 200 Teilnehmenden eine andere Haltung zu Empfängnisverhütung und Homosexualität. Papst Franziskus wird empfohlen, eine „lehramtliche Präzisierung und Neubewertung der Homosexualität" vorzunehmen.
Für die praktische Seelsorge sprach sich die Synodalversammlung unter anderem dafür aus, kirchliche Segensfeiern für liebende Paare jeglicher sexueller Identität und Orientierung einzuführen. Bei diesem Antrag gab es jedoch in Erster Lesung eine relevante Zahl von Neinstimmen. 34 Teilnehmer stimmten dagegen, unter ihnen möglicherweise 23 Bischöfe.
 

Benedikt XVI. äußert sich ausführlich zum Münchner Gutachten 

Seit Wochen wartet die Weltöffentlichkeit auf die Klärung zweier Fragen: Inwieweit war Benedikt XVI. im Jahr 1980 als Münchner Erzbischof am Einsatz eines Missbrauchstäters in der Seelsorge Bayerns beteiligt? Und hat er zu diesem Vorgang 42 Jahre später gelogen? Beide Fragen hat Benedikt XVI. nun beantwortet. Am Dienstag veröffentlichte der Vatikan die ausf