JA 

die neue Kirchenzeitung

13. Juni 2021

Nur 8 Neupriester für 3 Diözesen

In Österreich werden heuer laut bisherigem Kenntnisstand 21 Männer per Handauflegung und Gebet eines Bischofs zu Priestern geweiht, wobei sich diese Zahl bis Jahresende noch erhöhen kann, berichtete Kathpress.
Das Durchschnittsalter der angehenden Neupriester ist relativ hoch und beträgt 45 Jahre. In früheren Zeiten standen Priester dieses Alters schon kurz vor ihrem Silbernen Jubiläum.
13 Weihekandidaten sind Ordensmitglieder – darunter 5 Zisterzienser und 3 Benediktiner.

Nur 8 werden für Diözesen geweiht: 6 für Wien und je 1 für Salzburg und Eisenstadt.
In 6 Diözesen gibt es keinen Zuwachs.

Das erschreckt erstaunlicherweise kaum wen. 
Die Bischöfe werden bei ihrer Sommertagung gewiss wohl wieder keine Petition an Rom um Änderung der Zulassungsbedingungen verfassen. 

Und die Basis bleibt stumm, weil Reform-Appelle ohnehin sinnlos verhallen. 

„Auftreten statt austreten!“ klingt zwar super. Doch wer die Kirche im derzeitigen Modus „ Aussichts-los“ nicht will, tritt nicht laut auf, sondern schweigend aus…. 

„Die Großwetterlage in der Kirche ist katastrophal. Das wirkt sich auch auf den  Nachwuchs aus“, gab  P. Fritz Wenigwieser, der neue Provinzial der Franziskaner zu Protokoll (Salzburger Nachrichten, 12.6.2021). Natürlich. 

In manchen Diözesen „regnet“ es fast keine Priester mehr, in einer bereits das vierte Jahr in Folge. An die Sahelzone fühlt sich dennoch kein Gottoberster erinnert. Für sie ist ein Priester in der Kirche genauso wenig not-wendig wie der Regen dort. Irre!       P. Udo 

160 Millionen Kinder müssen arbeiten

Vertreter der von der Dreikönigsaktion, „Jugend Eine Welt", Fairtrade, Gewerkschaft und Kindernothilfe getragenen Initiative "Kinderarbeit stoppen!" haben am 11. Juni  Justizministerin Alma Zadic um Unterstützung im Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern gebeten. 
Im internationalen Jahr gegen Kinderarbeit fordern die Protagonisten ein entschiedenes Handeln der politisch Verantwortlichen und stützen sich dabei auch auf 2.300 Unterstützungsbotschaften, die an die Ministerin übergeben wurden. Neben konkreter Unterstützung ärmerer Länder und dem Verzicht auf Produkte, in denen Kinderarbeit steckt, fordert das Bündnis vor allem die gesetzlich verbindliche Verankerung von arbeits- und menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten entlang der globalen Lieferketten. 
In einer Aussendung nach dem Besuch wird die kaum erträgliche Lage vieler Heranwachsender eindrücklich geschildert, Kinderarbeit sei „trauriger Alltag": „Stundenlang gebückt schuften, dabei Staub und toxische Pestizide einatmen, schwere Kakaosäcke schleppen oder in engen, metertiefen Bergwerksschächten das Leben aufs Spiel setzen": Dies und anderes müssten laut jüngster Daten von UNICEF und ILO weltweit rund 160 Millionen Kinder ertragen, weitere neun Millionen könnten aufgrund der Corona-Pandemie bis 2022 dazukommen. 
Auch Don Bosco Mission Austria fordert ein entschlossenes Handeln von Regierungen, Unternehmen und Zivilgesellschaft erforderlich.
             Foto: Ein Jugendlicher arbeitet in einer Mine in der Nähe von Goma/DR Kongo; Don Bosco Mission Bonn/Melis Boasi

Papst lehnt Rücktrittsangebot von Kardinal Marx ab

Papst Franziskus hat den deutschen Kardinal Reinhard Marx aufgefordert, weiter im Amt zu bleiben. „Das ist meine Antwort, lieber Bruder. Mach weiter, so wie Du es vorschlägst, aber als Erzbischof von München und Freising", schreibt der Papst in einem Brief an Marx, den der Vatikan am 10. Juni veröffentlichte. Außerdem fordert Franziskus die Kirche mit Nachdruck auf, die Realität der Missbrauchskrise „anzunehmen". Am 4. Juni hatte Marx bekannt gegeben, er habe dem Papst seinen Rücktritt angeboten.
Die beiden renommierten Theologen Paul Zulehner und Tomas Halik, die auch die von 75.000 Personen unterstützte Unterschriftenaktion „ProPopeFrancis" initiierten, hatten daraufhin den Papst gebeten, den Rücktritt nicht anzunehmen. Marx soll den Reformprozess „Synodaler Weg" in Deutschland fortsetzen.
„Wir haben es mit einer Katastrophe zu tun“
In dem dreiseitigen Brief mit Datum vom 10. Juni dankt der Papst dem Münchner Erzbischof zunächst für seinen „christlichen Mut". Im Großen und Ganzen teilt Franziskus Marx' Einschätzung der kirchlichen Lage. „Ich stimme Dir zu, dass wir es mit einer Katastrophe zu tun haben: der traurigen Geschichte des sexuellen Missbrauchs und der Weise, wie die Kirche damit bis vor Kurzem umgegangen ist", schreibt der Papst.
„Angesichts dieses Verbrechens können wir nicht gleichgültig bleiben. Das anzunehmen bedeutet, sich der Krise auszusetzen", betont Franziskus. „Wir müssen für die Geschichte Verantwortung übernehmen, sowohl als einzelner als auch in Gemeinschaft", so der Papst weiter. Eine „Vogel-Strauß-Politik" helfe nicht weiter. Allerdings muss die Krise nach Aussage des Papstes „von unserem österlichen Glauben her angenommen werden. Soziologismen und Psychologismen helfen da nicht." Auswege aus der Krise könnten nur gemeinsam gefunden werden.
Den gesamten Brief können Sie am Ende dieser Website lesen.
Kritik und Zustimmung und scharfe Kritik nach Entscheidung des Papstes
Die Entscheidung des Papstes stößt auf Kritik, aber auch auf Zustimmung.
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, reagierte mit Erleichterung darauf, dass Marx im Amt bleibt.
Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg: „Ich bin - nicht zuletzt mit dem Blick auf den Synodalen Weg - froh, dass Kardinal Marx uns als starke Stimme erhalten bleibt."
Die Antwort des Papstes an Kardinal Marx ist nach Aussage des Luxemburger Erzbischofs, Kardinal Jean-Claude Hollerich, ein „fantastischer Brief".
Hingegen kritisierte der Sprecher der Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, die Papst-Entscheidung. Franziskus nehme damit dem Rücktrittsangebot des Münchner Erzbischofs die Wucht, sagte Katsch in Berlin.
Der Salzburger Theologe Prof. Gregor Maria Hoff zeigte sich entsetzt und „fassungslos“.
Für die konservative Tageszeitung „Welt“ enthalte  „dieser Freibrief des Papstes einen fatalen Satz“:
„Er lässt durchblicken, dass er das ganze Stochern in alten Akten, wie es gerade in Köln, München und anderen Bistümern geübt wird, sowieso nicht für kriegsentscheidend hält. ´Es sind nicht die Untersuchungen, die uns retten werden´, schreibt Franziskus. Was für ein Satz des Mannes, der sich die schonungslose Aufarbeitung des Missbrauchsskandals auf die Fahnen geschrieben hat. Er wird ihm noch lange nachhängen."
 

Neues Bioethikgesetz in Frankreich:
Menschenwürde nicht mehr im Mittelpunkt

Die katholische Kirche in Frankreich übt heftige Kritik am neuen Bioethikgesetz, das die Nationalversammlung am Mittwoch in Paris in dritter Lesung verabschiedet hat. Das Gesetz erlaubt künstliche Befruchtung künftig auch für lesbische Paare und alleinlebende Frauen. Das gehörte zu den Wahlversprechen von Staatspräsident Emmanuel Macron. Zudem wird die Embryonenforschung liberalisiert.
Schaffung von Mensch-Tier-Wesen wird erlaubt
Das formelle Verbot der Schaffung von Chimärenwesen entfällt. Künftig sollen in der Forschung die Herstellung von Mensch-Tier-Chimären sowie die umstrittenen Eingriffe an der embryonalen Keimbahn mittels Genschere CRISPR/Cas9 möglich sein. Das „bioethische Fundament", auf das „unser Land so stolz war", sei „definitiv ausgelöscht", kritisierte der Ständige Rat der Bischofskonferenz nach einem Bericht der Zeitung „La Croix". „Die Würde jedes Menschen - ob groß oder klein - steht nicht mehr im Mittelpunkt."
Das Mischen von menschlichen und tierischen Zellen bedeutet für die Bischöfe eine „Manipulation menschlicher Embryonen als einfaches Material". Man versuche, „technisch zu beherrschen, was ein eigener Mensch werden sollte".
Kinder würden nur noch als „Produkte" angesehen
Mit Blick auf die Zulassung der künstlichen Befruchtung für alle Frauen erklärten die Bischöfe, bisher sei künstliche Befruchtung als „Dienst" an Paaren definiert worden, die unter Unfruchtbarkeit litten. Mittlerweile gehe es aber nicht um Heilung; Medizin werde immer mehr zur Dienstleistung; sie mache sich dadurch „abhängig vom Markt der künstlichen Befruchtung", auf dem finanzielle Interessen den Ton angäben. Kinder würden nur noch als „Produkte" angesehen.
„Kinder ohne Väter“
Die Bischöfe dankten jenen Parlamentariern, die sich sowohl im Senat als auch in der Nationalversammlung gegen das Bioethikgesetz ausgesprochen haben. „Sie hatten den Mut, das Erforderliche zu tun und das Gewissen in Frage zu stellen." Die konservativen Republikaner (LR), Nachfolgepartei der UMP, sträubten sich lange Zeit gegen eine Schaffung von „Kindern ohne Väter"; sie werteten das Gesetz als „einen weiteren Schritt in Richtung Leihmutterschaft".
 

Papst lässt seine eigene Diözese Rom und die Kleruskongregation überprüfen

Papst Franziskus hat einem Medienbericht zufolge eine interne Visitation (Überprüfung) der Kleruskongregation angeordnet. Diese ist für die rund 410.000 katholischen Priester weltweit zuständig. Nach Angaben des Jesuiten-Magazins „America" soll der italienische Kirchenrechtler und Bischof Egidio Miragoli (65) die Vatikanbehörde „im Namen des Papstes" kontrollieren.
Zum neuen Leiter der vatikanischen Kleruskongregation hat der Papst  den südkoreanischen Bischof Lazarus You Heung-sik (69) ernannt. Der bisherige Präfekt, Kardinal Beniamino Stella (79), bleibt noch so lange im Amt, bis der Nachfolger seine neue Aufgabe antreten kann.
Vor wenigen Monaten hatte Papst Franziskus bereits vor dem Leitungswechsel der vatikanischen Gottesdienstkongregration eine Art interne Visitation angeordnet. Im Auftrag des Papstes führte der italienische Bischof Claudio Maniago Mitte März Mitarbeitergespräche.
Die verstärkten Kontrollbemühungen des Vatikan erreichen nun auch die Diözese Rom. Laut italienischen Medienberichten wird die Diözese derzeit vom vatikanischen Generalrevisor, Alessandro Cassinis Righini, kontrolliert. Der Italiener soll demnach den aktuellen und prognostizierten Haushalt überprüfen sowie die Verwaltung der Finanzen, des Vermögens und des Personals. Eine Bestätigung des Vatikan oder der Diözese, deren Bischof Papst Franziskus in Personalunion ist, lag zunächst nicht vor. Zur Diözese Rom gehören rund 330 Pfarren.
 

Köln: Prüfer des Papstes sprachen zuerst mit Missbrauchsbetroffenen

Die Gesprächspartner der von Papst Franziskus in die deutsche Erzdiözese Köln entsandten Apostolischen Visitatoren sollen über die Inhalte der Treffen nicht reden. „Die Gespräche sind vertraulich", erklärte die Sprecherin des Rotterdamer Bischofs Hans van den Hende, Daphne van Roosendaal, der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch. „Das heißt, die Teilnehmer der Treffen während der Visitation werden gebeten, über die Treffen nicht ausdrücklich zu sprechen." Missbrauchsbetroffene hätten die Gesandten jedoch nicht gebeten, zu schweigen.
Die beiden Kontrolleure des Papstes haben ihr erstes Gespräch in der deutschen Erzdiözese Köln mit Missbrauchsbetroffenen geführt. Der Stockholmer Kardinal Anders Arborelius und der Rotterdamer Bischof Hans van den Hende hätten die Betroffenen immer wieder ermutigt, sich offen zu äußern, sagte Gesprächsteilnehmer Patrick Bauer der „Augsburger Allgemeinen Zeitung". „Ich habe nicht an mich gehalten, einmal bin ich richtig wütend geworden. Ich glaube, ich habe gesagt: Es kotzt mich an!" Er habe den Visitatoren mitgeteilt, dass er sich wünsche, dass ein deutscher Bischof den Mut habe, von sich aus eigene Fehler einzugestehen.
Bauer war vergangenen November als Sprecher des Betroffenenbeirats der Erzdiözese Köln zurückgetreten, ebenso der zweite Sprecher Karl Haucke.
Bauer forderte nach eigenen Angaben in dem Gespräch eine staatlich eingesetzte Aufarbeitungskommission ähnlich wie in den Niederlanden.
 

USA anerkennen Vatikan-Regeln bei Finanzsicherheit
Europäische Anti-Geldwäsche-Kommission ist noch nicht zufrieden

Die Bundessteuerbehörde der USA hat die Standards des Vatikanstaats und des Heiligen Stuhls bei Finanzsicherheit und Kundenidentifizierung („Know-your-customer") als ebenso sicher wie die eigenen eingestuft. Das berichtet „Vatican News".
Die europäische Anti-Geldwäsche-Kommission sieht im Vatikan weiterhin Verbesserungsbedarf beim Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Die interne Risikobewertung berücksichtige nicht einen möglichen Missbrauch des Systems etwa durch Führungskräfte, teilte die Kommission Moneyval am 9. Juni in Straßburg mit. Insgesamt erzielte der Heilige Stuhl bei der Überprüfung aber ein gutes Ergebnis. Aufgrund der Fortschritte werde der Vatikan künftig nur noch einem regulären Berichtsverfahren unterzogen, hieß es. Eine ähnlich positive Entwicklung verzeichneten bislang Armenien, Israel und Russland.
Die Vatikanbank IOR
… hat im Corona-Jahr 2020 - trotz eines schwierigen Marktumfelds in Coronazeiten - einen nahezu konstanten Reingewinn von 36,4 Millionen Euro erzielt. Im Jahr zuvor waren es 38 Millionen Euro. Laut der Bilanzmitteilung sollen 75 Prozent des Geldes gemäß den Vorgaben des Papstes für Aufgaben des Vatikan verteilt werden.
Das IOR verwaltet Einlagen in Höhe von 5,0 Milliarden Euro (2019: 5,1 Milliarden), darunter Gelder von nicht-vatikanischen Kunden in Höhe von 3,3 Milliarden Euro.
 

Kirche verschärft Strafrecht bei Missbrauch und Finanzdelikten

Die katholische Kirche verschärft und präzisiert ihr Strafrecht. Mit der am 2. Juni veröffentlichten Reform von Buch VI („Strafbestimmungen in der Kirche") des Codex Iuris Canonici aus dem Jahr 1983 werden vor allem Missbrauch, Verletzung der Aufsichtspflicht und finanzielle Vergehen genauer bestimmt und stärker geahndet. Bisher habe ein falsches Verständnis von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit auch „ein Klima übermäßiger Laxheit genährt", sagte Erzbischof Filippo Iannone, Leiter des Rates für die Gesetzestexte, bei der Vorstellung des Textes im Vatikan.
So ist es nun Kirchenoberen in keinem Fall mehr freigestellt, ob sie erwiesene Vergehen bestrafen oder nicht. Auch wird sexueller Missbrauch nicht mehr als Verstoß gegen die Zölibatspflicht aufgeführt, sondern zählt wie Mord oder Abtreibung als Straftat „gegen Leben, Würde und Freiheit des Menschen". Mit dieser neuen Einordnung wolle man der Schwere der Vergehen besser gerecht werden, so Iannone.
Genannt werden weiter Besitz und Verbreitung von Pornografie von Minderjährigen sowie der Missbrauch von Amtsautorität bei sexuellen Vergehen gegen volljährige Untergebene. Auch wer Urteile oder Strafdekrete nicht ausführt oder Anzeigen nicht wie vorgesehen weitergibt, muss jetzt bestraft werden. Neu ist die explizite Aufnahme der Unschuldsvermutung bis zum bewiesenen Gegenteil (can. 1321 §1).
Vermögensdelikte schärfer geahndet
Schärfer geahndet werden vor allem Vermögensdelikte. Hier gebe es die größten Veränderungen im Vergleich zum Codex von 1983, so Iannone. Grobe Fahrlässigkeit bei der Verwaltung von Kirchengütern wird ebenso bestraft wie Veräußerung von Kirchenvermögen ohne vorgeschriebene Beratung oder Erlaubnis. Neben Strafen gibt es oft eine Pflicht zur Wiedergutmachung.
Neu: Bestrafung des Versuchs einer Weihe von Frauen
Als Delikt explizit aufgenommen wurde in den CIC aber auch der Versuch einer Weihe von Frauen (can. 1379 §3). Dazu erläuterte Bischof Arrieta, dies stelle die gegenwärtige Lehre dar. „Sollte man irgendwann zu einer anderen theologischen Einschätzung gelangen, wird auch das Recht geändert", so der Kirchenjurist. Insofern blockiere der Kanon nicht die vom Papst eingesetzte Kommission, die über das Diakonat von Frauen in der frühen Kirche forschen soll.
Die Arbeit an der Strafrechtsreform dauerte gut zwölf Jahre. Den formalen Anstoß dazu gab Papst Benedikt XVI. im Jahr 2009. 
 

Belarus: Orthodoxe Kirche setzt regimekritischen Erzbischof ab

Die Russisch-orthodoxe Kirche hat einen regimekritischen Erzbischof in Belarus seines Amtes enthoben. Das Moskauer Leitungsgremium, der Heilige Synod, habe den Erzbischof von Grodno und Wolkowysk, Artemij (Kischtschenko) (69), aus „gesundheitlichen Gründen" in den Ruhestand versetzt, teilte die Kirche am Mittwoch in Moskau und Minsk mit. Damit sei man einer entsprechenden Bitte des belarussischen Exarchats gefolgt. Die Orthodoxe Kirche in Belarus hat eine gewisse Eigenständigkeit, gehört aber zum Moskauer Patriarchat, wo auch alle wichtigen Entscheidungen getroffen werden.
Erzbischof Artemij hatte im Sommer 2020 die Wahlfälschung zugunsten des autoritären Machthabers Alexander Lukaschenko verurteilt. Die Kirche dürfe nicht gleichgültig sein, hatte er gesagt. Die Verantwortlichen müssten „für all die Fälschungen, für den Betrug niederknien", so Artemij damals. Zu seinem Nachfolger ernannte die Kirchenführung den Bischof von Slutsk und Soligorsk, Antonius (Walentinowitsch) (40). 

Politik und Religionen bekennen sich zu Ethik und Religionsunterricht

Der konfessionelle Religionsunterricht wie auch der nun für die Sekundarstufe II vorgesehene Ethikunterricht leisten „wesentliche, eigenständige Beiträge zur umfassenden Erreichung der Ziele der österreichischen Schule. Eine enge Kooperation der beiden Gegenstände sei daher ausdrücklich zu begrüßen und zu fördern. Das geht aus einer gemeinsamen Erklärung hervor, die Bildungsminister Heinz Faßmann und Spitzenvertreter jener Kirchen und Religionsgemeinschaften, die im Auftrag des Staates schulischen Religionsunterricht anbieten, am Montag in Wien unterzeichneten. Faßmann dankte den Religionsvertretern dafür, das Gemeinsame in den Mittelpunkt zu stellen und Trennendes beiseite zu lassen.
An der Pressekonferenz im Kuppelsaal der TU Wien nahmen neben dem Bildungsminister auch die jeweiligen Schulverantwortlichen der Kirchen  und Religionen teil: Bischof Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau) für die Katholische Kirche, Metropolit Arsenios (Kardamakis) für die Orthodoxen, weiters Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Rabbiner Schlomo Hofmeister, Gerhard Weißgrab, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft sowie Vertreter der Evangelischen Kirche, der Aleviten und der Freikirchen. Moderatorin war Andrea Pinz, Leiterin des Interdiözesanen Amts für Unterricht und Erziehung sowie des Schulamts der Erzdiözese Wien.
Hintergrund der Pressekonferenz und der nachfolgenden Erklärungsunterzeichnung: Ab Herbst 2021 gibt es für jene Schülerinnen und Schüler ab der 9. Schulstufe, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, einen verpflichtenden Ethikunterricht im Ausmaß von zwei Wochenstunden. Davon betroffen sind somit alle, die sich vom Religionsunterricht abmelden oder diesen wegen Konfessionslosigkeit nicht besuchen. 
Foto. Paul Wuthe / Kathpress

Bischof Schwarz legt Pastoralreferat zurück

Nachdem Pastoralamtsleiter mehrerer Diözesen den Rückzug des St. Pöltner Bischofs Alois Schwarz als Referatsbischof für die Seelsorge gefordert haben, legt dieser sein diesbezügliches Referat in der Bischofskonferenz, das er seit mehr als 20 Jahren innehatte, in der Bischofskonferenz zurück, berichtete der ORF am 9. Juni. Er habe das bereits Mitte Mai dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, mitgeteilt.
Der St. Pöltner Bischof begründete laut APA-Bericht seine Entscheidung mit einem Vertrauensverlust: „Ich sehe mich außerstande, die Pastoralkommission und die Konferenz der Pastoral- und Seelsorgeamtsleiter in Zukunft zu begleiten.“
Bei der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe hatte er bereits den Vorsitz in der Finanzkommission zur Verfügung gestellt. Er bleibt Referatsbischof für Wirtschaft und Landwirtschaft.
Schwarz ist promovierter Pastoraltheologe und war einst selbst Pastoralamtsleiter in Wien.

43-jähriger Familienvater wurde „Referent für die Priester“

„Flachere Hierarchien“ waren für Bischof Schwarz die Begründung für die Abschaffung des Amtes des Direktors des Pastoralamtes. Ungeachtet dieser Devise wurde jüngst im Wirtschaftsbereich eine neue Direktors-Ebene eingeführt.  Ähnliches geschieht nun in der Begleitung der Priester.
Zur „personellen Unterstützung“ des Generalvikars wurde nun eine „zusätzliche Ansprechperson für Priester“ eingerichtet. Mit 1. Juni wurde Mag. Dr. Johannes Kritzl als „Referent für Priester“ installiert, wie den Pfarrern am 10. Juni mitgeteilt wurde.
Zu seinen Aufgaben im Hinblick auf die Priester gehören u.a.:
·         Ansprechperson für Priester im Hinblick auf dienstrechtliche Fragen zu sein
·         Mitarbeit bei Personalplanung und Personalentwicklung
·         Vernetzung aller in der (Pfarr-)Pastoral Tätigen
·         Begleitung und Unterstützung von Priestern in der Lebensplanung
·         Begleitung von Priestern der Weltkirche, insbesondere in den ersten Dienstjahren
·         Konfliktmanagement
Der 1977 in St. Georgen an der Leys geborene Kritzl hat Theologie und Geschichte in Salzburg, Wien und Florenz studiert. Von 2017 bis 2020 war er Pastoralassistent im Pfarrverband St. Pölten Süd. Seit September 2020 ist er als Referent für Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten, pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Johannes Kritzl ist verheiratet und Vater von drei Kindern.
 

Iran verweigert italienischer Ordensfrau Visum-Verlängerung
Österreicherin (77) darf noch ein Jahr bleiben

Zwei betagte Ordensschwestern, die seit Jahrzehnten im Iran Leprakranke versorgen, haben Schwierigkeiten mit ihren Visa bekommen. Betroffen sind eine 77-jährige Österreicherin und eine 75-jährige Italienerin, berichtet „Vatican News“.
Beide Frauen gehören der Kongregation der Töchter der göttlichen Liebe (FdC) an. Schwester Giuseppina Berti, die 26 Jahre lang im Lepraheim von Tabriz gearbeitet hat und nun als Rentnerin in Isfahan im Haus ihrer Kongregation lebt, wird den Iran in den nächsten Tagen verlassen müssen. Ihr Visum wurde nicht erneuert und sie hat eine Ausreiseverfügung erhalten.
Ihr Weggang wird den Verbleib ihrer Mitschwester Fabiola Weiss im Iran schwierig machen, obwohl die Autoritäten ihr die Aufenthaltserlaubnis um ein Jahr verlängerten. Die 77 Jahre alte Österreicherin hat 38 Jahre im Dienst an den Armen und Kranken im Lepraheim verbracht.
Die beiden Ordensschwestern sehen sich gezwungen, das 1937 erbaute Haus der Kongregation zu verlassen. In Isfahan hatten sich die Töchter der göttlichen Liebe seit Jahren der Erziehung und Ausbildung junger Menschen verschrieben. Während des II. Weltkriegs versorgten sie mehrere hundert polnische Kinder, Flüchtlinge und Kriegswaisen, die im Frühjahr 1942 im Iran ankamen. In der Stadt betrieben die Ordensfrauen eine große Schule, die dann nach der Revolution von 1979 beschlagnahmt wurde. Zuletzt führten die beiden Schwestern keine Aktivitäten nach außen durch, um nicht des Proselytismus bezichtigt zu werden.
 

Österreichs Orden wollen sich engagiert in synodalen Weg einbringen

Die heimischen Orden begrüßen den zweijährigen synodalen Prozess, auf den Papst Franziskus die gesamte Weltkirche geschickt hat, und werden an diesem Prozess engagiert mitwirken und sich einbringen. Der synodale Weg sei eine Chance für die Kirche und die Welt, erklärte Erzabt Korbinian Birnbacher, Vorsitzender der Österreichischen Ordenskonferenz, in einer Aussendung.
Ziel des zweijährigen Prozesses sei es, neues Vertrauen herzustellen, Gespräche und den Dialog mit der breiten Bevölkerung zu suchen und somit der Kirche neue Hoffnung zu geben.
„Papst erkennt Herausforderungen und handelt“
Birnbacher: „Die aktuellen Herausforderungen für Kirche und Welt sind offensichtlich und es ist daher ein gutes Zeichen, dass Papst Franziskus diese Herausforderungen erkennt und handelt.
Gemeinschaft, Partizipation und Mission seien die drei Schlagworte für den synodalen Weg. Eine stärkere und gemeinsame Teilhabe an den Beratungs- und Entscheidungsprozessen in der Kirche würde den Menschen wieder Hoffnung und Vertrauen schenken, „um den Glauben zu leben und die Welt christlich zu gestalten". Die Ordensgemeinschaften Österreichs begrüßten diesen Weg und seien bereit, bestmöglich und aktiv mitzuwirken sowie Ideen einzubringen", betonte der Vorsitzende der Ordenskonferenz.
Orden als synodale Gemeinschaften
Ein Blick auf Ordensgemeinschaften zeige, dass diese seit je her synodale und demokratische Gemeinschaften seien, erinnerte Sr. Christine Rod, Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz, in der Aussendung. Alle drei bis sechs Jahre würden sich Orden bei der Wahl einer Oberin oder eines Oberen auf einem synodalen Weg befinden.
Rod: „Die Entscheidungsfragen werden gemeinsam in den Kapiteln gestellt, denn aufeinander hören und voneinander lernen stärkt das Vertrauen und die Gemeinschaft. Und das soll auch Ziel des weltweiten synodalen Weges von Papst Franziskus sein." Ein besonderes Anliegen ist Rod, „vor allem auch Frauen in diesen Prozess miteinzubeziehen und anzuhören".
Frauen stehen bereit
In die gleiche Kerbe wie Rod schlägt auch Angelika Ritter-Grepl, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfb). „Frauen haben eine lange schmerzvolle Geschichte zur gleichberechtigten Teilhabe. Diese Erfahrungen im Kampf um Gleichberechtigung bringen wir mit und stellen sie zur Verfügung, damit der synodale Prozess besser gelingt", so Ritter-Grepl in einem Gastkommentar in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag". Nachsatz: „Am Ende braucht es stimmberechtigte Frauen in der Synodenversammlung der Bischöfe. Wir stehen bereit."

Van der Bellen: Papst Franziskus wird in die Geschichte eingehen

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist am 7. Juni mit Papst Franziskus zusammengetroffen. Bei dem Gespräch sei es unter anderem um Klimaschutz und die Pandemie gegangen, sagte Van der Bellen im Anschluss. Als Gastgeschenke überreichte der Bundespräsident dem Papst ein Gemälde einer niederösterreichischen Künstlerin sowie eine symbolische Herde von 20 Ziegen der Caritas-Aktion „Schenken mit Sinn" zugunsten bedürftiger Familien in Burundi. 
Hinsichtlich der Gesprächsinhalte teilte Van der Bellen mit, es werde im Vorfeld des nächsten Klimagipfels (COP26) in Glasgow im Oktober ein Treffen religiöser Führer mit Wissenschaftlern im Vatikan geben. 
Mit Bezug auf die Pandemie sprachen Franziskus und Van der Bellen laut dessen Aussage über Möglichkeiten der Verteilung von Impfstoffen an ärmere Länder. Mit seinen beiden Enzykliken „Laudato si" und „Fratelli tutti" werde Franziskus in die Geschichte eingehen, zeigte sich der Bundespräsident beeindruckt vom Treffen mit dem Kirchenoberhaupt.
Die Irak-Reise des Papstes nannte Van der Bellen "sensationell". Wichtig sei sie wie andere ähnliche Initiativen insbesondere für den interreligiösen Dialog. Der sei ungemein wichtig für den Weltfrieden, dem Vatikan mit seinen weltweiten Kontakten komme in der Hinsicht eine wichtige internationale Rolle zu, so der Präsident. Sorge bereite dem Vatikan auch die Lage im Libanon, der de facto ohne Regierung sei, so der Bundespräsident. 
Foto: Vatican Media

Kurznachrichten

Palästina. Mit zwei zusätzlichen Nothilfeprojekten will Caritas Jerusalem auf die Folgen der jüngsten Eskalation im Gazastreifen reagieren. Sie konzentrieren sich auf dringend benötigte psychologische und psychosoziale Hilfe sowie auf die medizinische Versorgung von Patienten, die anderenfalls in der gegenwärtigen Lage aus dem Raster fallen.

 

In Russland gibt es nach kirchlichen Angaben noch 7.000  orthodoxe Kirchen und andere religiöse Objekte, die aus Ruinen rekonstruiert werden müssten.

 

Haiti. Im Karibikstaat ist der 58-jährige Weihbischof Ducange Sylvain an den Folgen einer Covid-19-Infektion verstorben. 

 

Ägypten. Der koptisch-orthodoxe Papst Tawadros II. hat vorgeschlagen, den Gedenktag des Einzugs der Heiligen Familie nach Ägypten (1. Juni) zu einem nationalen Feiertag zu machen. Das Fest sei „ein Grund für Freude, Gnade und Segen für uns alle", sagte er laut der Zeitung „Al-Ahram".

 

USA. Nirgends auf der Welt sind mehr Diakone im Gemeindeeinsatz als in den katholischen Diözesen der USA. Ihre Zahl wird auf 19.000 geschätzt. Weltweit gibt es 48.000 Diakone.

 

Libanon. Auf der Kirche liegt nach Worten des maronitischen Kardinals Bechara Rai die Hoffnung der Menschen im Libanon, nachdem sie das Vertrauen in Politik und Behörden verloren haben.  Rai warf der politischen Führung des Landes vor, aus den Libanesen ein bettelndes, benachteiligtes Volk gemacht zu haben. 

 

USA. Die 79-jährige Mary Margaret Kreuper gestand vor Gericht, als frühere Schulleiterin der „St. James Catholic School" über ein Jahrzehnt rund 835.000 US-Dollar für ihre Spielsucht veruntreut zu haben. Ihr drohen bis zu 40 Jahre Haft.

 

Polens Bildungs- und Wissenschaftsminister Przemyslaw Czarnek will unterbinden, dass Christen an Universitäten durch Feindseligkeiten eingeschüchtert werden. Dazu kündigte er Änderungen des Hochschulgesetzes an.

Ghanas Bischöfe wollen sich an einer landesweiten Baumpflanzaktion beteiligen und in der bevorstehenden Regenzeit eine Million Bäume setzen. 

 

Italien. Nach jahrelangem Streit nimmt der populäre italienische Klostergründer Enzo Bianchi (78), einer der bekanntesten geistlichen Autoren des Landes, seinen Abschied von der 1965 von ihm gegründeten ökumenischen Gemeinschaft Bose. Sein Kloster in den Hügeln östlich von Ivrea in der Region Piemont gilt als Beispiel für einen Neuaufbruch des klösterlichen Lebens in der katholischen Kirche. 

 

Österreich 

Österreich. Seit 10. Juni ist es nicht mehr notwendig, bei öffentlichen Gottesdiensten im Freien eine FFP2-Maske zu tragen. Der Mindestabstand zwischen den Gläubigen wurde bei allen öffentlichen Gottesdiensten von zwei Metern auf einen Meter verringert.

 

Steiermark. Die Sommervollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz unter dem Vorsitz von Erzbischof Franz Lackner findet vom 14. bis 16. Juni als Präsenzsitzung in Mariazell statt. 

 

Burgenland. Die Diözese Eisenstadt möchte bis 2030 klimaneutral sein. Dazu ist man eine Kooperation mit Energie Burgenland eingegangen.

 

Niederösterreich. Nach der Diözese Eisenstadt zeigt auch die Diözese St. Pölten Solidarität mit den Erdbebenopfern in Kroatien. 100.000 Euro werden für die Finanzierung eines Fertigteilhauses zur Verfügung gestellt. 

 

Kärnten. Der Turm der Klagenfurter Stadthauptpfarre St. Egid ist aktuell mit einem von Hand bestickten Baustellen-Schutznetz umhüllt, auf dem auf Deutsch und Slowenisch zu lesen ist: „Solange manche Herren glauben Gott zu sein, bin ich Feminist:in". 

 

Wien. Der Österreich-Teil des katholischen Gebets- und Gesangbuches „Gotteslob" ist jetzt im Format DIN A4 für Sehbehinderte im Super-Großdruck erschienen. 

Hildegard Burjan vereint die Parteien

Bereits zum zehnten Mal haben Politiker verschiedener Fraktionen einen Gedenkgottesdienst für Hildegard Burjan (1883-1933) gefeiert. „Das gemeinsame Feiern über Parteigrenzen hinweg ist gerade in Zeiten harter politischer Auseinandersetzungen im Alltag ein gutes Zeichen, für das ich sehr dankbar bin", erklärte der EU-Abgeordnete und Initiator Lukas Mandl (EVP)  gegenüber Kathpress.
Unter den Mitfeiernden waren die Wiener Stadträtin Judith Pühringer (Grüne), der Wiener Landtagsabgeordnete und Gemeinderat Peko Baxant (SPÖ), der Nationalratsabgeordnete Philipp Schrangl (FPÖ) sowie Bundesrat Karl Arlamovsky (NEOS). 
Als Frauen 1919 erstmals das aktive und passive Wahlrecht ausüben konnten, zog Burjan als erste christlich-soziale Abgeordnete in das Parlament ein. Als verheirate Frau und Mutter gründete sie die geistliche Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, mit dem Auftrag, die soziale Not der Zeit zu erkennen und zu lindern. Burjan setzte sich entschieden für die Gleichberechtigung der Frau, für die Bekämpfung der Kinderarbeit und für die Überwindung sozialer Missstände ein. 

 Der Katholik aus der „Lutherstadt“

Der seit 10 Jahren in Sachsen-Anhalt als Ministerpräsident regierende Reiner Haseloff (67) hat am 6. Juni ein triumphales Ergebnis eingefahren. Seine CDU stieg auf 37,1 Prozent, die AFD fiel auf 20,8 Prozent. In Meinungsumfragen war zuvor ein Kopf an Kopf-Rennen prognostiziert worden.
Haseloff ist der erste katholische Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt, der auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt geboren ist. Er wurde im November 2016 ins Zentralkomitee der deutschen Katholiken gewählt.
Er ist Offizier des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem und Mitglied der römischen Bruderschaft „Santa Maria dell` Anima.“
Die Familie des Vaters Haseloffs ist seit dem 15. Jahrhundert (1423) in der „Lutherstadt“ Wittenberg nachgewiesen, seine Mutter ist eine Heimatvertriebene aus Schlesien.


Wiederaufbau einer wertvollen Holzkirche 

Mit einem Gottesdienst ist am 6. Juni die wiedererrichtete Holzkirche im mährisch-schlesischen Trinec-Guty (Trzynietz) geweiht worden.
Es handelt sich um eine Replik der ursprünglichen Kirche aus dem 16. Jahrhundert, die im August 2017 durch Brandstiftung zerstört wurde.
Die Kosten für die Replik lagen laut Radio Prag bei umgerechnet 1,27 Millionen Euro. Den größten Teil zahlte die Versicherung; der Rest kam durch eine Spendensammlung zusammen. Laut Fachleuten lässt sich jedoch der kunsthistorische Verlust nicht beziffern.
Bei dem Brand der kunsthistorisch unersetzlichen Fronleichnams-kirche aus dem Jahr 1563 wurde auch die komplette historische Inneneinrichtung mit Bildern aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zerstört. 
Die Brandstifter, drei Männer, darunter zwei Jugendliche, wurden 2018 zu dreieinhalb, acht und neun Jahren Haft verurteilt.



Auch das noch...

Alt-Propst Maximilian Fürnsinn von Herzogenburg neuer Administrator des Stiftes Klosterneuburg

Das Stift Klosterneuburg bekommt mit Maximilian Fürnsinn (81) einen neuen Administrator. 
Die vatikanische Kongregation für die Institute geweihten Lebens und die Gesellschaften apostolischen Lebens hat demnach auf Antrag des Päpstlichen Delegaten Bischof Josef Clemens mit Dekret vom 4. Juni 2021 den emeritierten Propst des Augustiner-Chorherren Stiftes Herzogenburg für dieses Amt ernannt. 
Fürnsinn wird seine Tätigkeit mit 1. Juli aufnehmen und arbeitet direkt mit dem Päpstlichen Delegaten Bischof Josef Clemens zusammen.
Fürnsinn leitete bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2019 40 Jahre lang das Stift Herzogenburg. 
Von 1998 bis 2013 war Fürnsinn zudem Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs. Er ist u.a. auch Ehrengroßprior des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.
Der deutsche Kurienbischof Josef Clemens war im November 2020 als Delegat zum interimistischen Leiter von Stift Klosterneuburg ernannt worden, nachdem Propst Bernhard Backovsky im Mai 2020 aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Die Beauftragung Clemens', eines früheren engen Mitarbeiters von Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., erfolgte nach einer Apostolischen Visitation des Stifts im Sommer 2020, bei der es unter anderem um Missbrauchsvorwürfe ging. 
Im entsprechenden Dekret der zuständigen Kongregation wurde die Einsetzung des Delegaten mit der Feststellung begründet, dass Backovsky die Situation rund um den von Mitgliedern und ehemaligen Mitgliedern des Stiftes begangenen Missbrauch nicht angemessen gehandhabt habe. 
Auf Vorschlag von Bischof Clemens war dann eigentlich der Heiligenkreuzer Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck im April zum Administrator in Klosterneuburg bestellt worden. Dieser trat aber aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück, bevor er es noch angetreten hatte. 

Interreligiöser Dialog-Pionier P. Andreas Bsteh †

Der Orden der Steyler Missionare und darüber hinaus die Kirche in Österreich trauert um P. Andreas Bsteh. Der Ordensmann ist Mittwochabend im Kloster St. Gabriel bei Mödling im 88. Lebensjahr verstorben. 
Bsteh war ein Wegbereiter des interreligiösen Dialogs, Autor zahlreicher einschlägiger Bücher und Organisator von Konferenzen und Tagungen, die dem Dialog zwischen den Weltreligionen, vor allem zwischen dem Christentum und dem Islam, gewidmet waren. Der Ordensmann war auch  Gründer und Direktor des Religionstheologischen Instituts St. Gabriel. 
Auf Initiative des früheren Außenministers Alois Mock (1934-2017) veranstaltete der Theologe in Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen und Fachleuten der Universität Wien große christlich-muslimische Dialogkonferenzen, die sich mit Themen wie Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde befassten. Alle Konferenzen sind in Buchform dokumentiert und liegen in europäischen und orientalischen Sprachen vor. 
Ein besonderes Anliegen war Bsteh die von ihm initiierte „Vienna International Christian-Islamic Summer University", bei der Studierende aus aller Welt zusammentrafen, um sich über Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihrer Religionen auseinanderzusetzen. Auch der Dialog mit dem Buddhismus und Hinduismus war ein Schwerpunkt der Arbeit des Ordensmannes.

Weniger Wochenarbeitszeit für Mitarbeitende

Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Erzdiözese Salzburg wird im Sommer Realität, wovon andere Arbeitsfelder bisher nur träumen können: Die nach mehr als zwei Verhandlungsjahren ab 1. Juli in Kraft tretende neue Dienst- und Bezugsordnung (DBO) sieht eine Reduktion der Wochenarbeitszeit um fünf Prozent vor. Außerdem soll es eine vermehrte Förderung der Familien, eine Stärkung der Seelsorge sowie der Weiterbildung geben, teilte die Erzdiözese Salzburg in einer Aussendung mit. Generalvikar Roland Rasser, Finanzkammerdirektor Cornelius Inama und die Betriebsräte von Ordinariat, Katholischer Aktion und Kirchenbeitrag äußerten darin Zufriedenheit mit den getroffenen Vereinbarungen.

Papst-Brief an Kardinal Marx

Vatican News dokumentiert in einer offiziellen Übersetzung auf Deutsch den Antwortbrief von Papst Franziskus an Kardinal Reinhard Marx. 

Lieber Bruder,

vor allem: Danke für Deinen Mut. Es ist ein christlicher Mut, der sich nicht vor dem Kreuz fürchtet, und der keine Angst davor hat, sich angesichts der schrecklichen Wirklichkeit der Sünde zu erniedrigen. So hat es der Herr getan (Phil 2, 5-8). Es ist eine Gnade, die der Herr Dir geschenkt hat, und ich sehe, dass Du sie annehmen und bewahren willst, damit sie Frucht bringt. Danke.
Du sagst mir, dass Du einen Augenblick der Krise durchmachst, und nicht nur Du, sondern auch die Kirche in Deutschland.
Die gesamte Kirche ist in der Krise wegen des Missbrauchs; ja mehr noch, die Kirche kann jetzt keinen Schritt nach vorn tun, ohne diese Krise anzunehmen. Die Vogel-Strauß-Politik hilft nicht weiter, und die Krise muss von unserem österlichen Glauben her angenommen werden. Soziologismen und Psychologismen helfen da nicht.
Die Krise anzunehmen, als einzelner und als Gemeinschaft, das ist der einzige fruchtbringende Weg; denn aus einer Krise kommt man nur in Gemeinschaft heraus, und außerdem müssen wir uns klar machen, dass man aus der Krise als ein besserer oder als ein schlechterer Mensch hervorkommt, aber niemals unverändert.[1]
Du sagst mir, dass Du seit letztem Jahr am Nachdenken bist: Du hast Dich auf den Weg gemacht, den Willen Gottes zu suchen, und bist entschieden, ihn anzunehmen, was immer er sei.
Ich stimme Dir zu, dass wir es mit einer Katastrophe zu tun haben: der traurigen Geschichte des sexuellen Missbrauchs und der Weise, wie die Kirche damit bis vor Kurzem umgegangen ist. Sich der Heuchelei in der Art, den Glauben zu leben, bewusst zu werden, ist eine Gnade und ein erster Schritt, den wir gehen müssen. Wir müssen für die Geschichte Verantwortung übernehmen, sowohl als einzelner als auch in Gemeinschaft. Angesichts dieses Verbrechens können wir nicht gleichgültig bleiben. Das anzunehmen bedeutet, sich der Krise auszusetzen.
Nicht alle wollen diese Tatsache annehmen, aber es ist der einzige Weg. Denn „Vorsätze“ zur Änderung des Lebens zu machen, ohne „das Fleisch auf den Grill zu legen“, führt zu nichts. Die persönliche, soziale und geschichtliche Realität ist konkret. Es genügt nicht, sie nur mithilfe von Ideen anzunehmen. Denn über Ideen wird diskutiert (zu Recht). Aber die Wirklichkeit muss immer angenommen werden und braucht Unterscheidung. Es stimmt, dass die geschichtlichen Vorkommnisse mit der Hermeneutik jener Zeit bewertet werden müssen, in der sie geschehen sind. Das befreit uns aber nicht von der Aufgabe, Verantwortung zu übernehmen und diese Vorkommnisse anzunehmen als die Geschichte der „Sünde, die uns bedrängt“. Deswegen glaube ich, jeder Bischof der Kirche muss sie annehmen und sich fragen: Was muss ich angesichts dieser Katastrophe tun?
Das „mea culpa“ angesichts so vieler Fehler in der Vergangenheit haben wir schon mehr als einmal ausgesprochen, in vielen Situationen, auch wenn wir persönlich an dieser historischen Phase nicht beteiligt waren. Und genau dieses Verhalten wird von uns auch heute verlangt. Man verlangt von uns eine Reform, die – in diesem Fall – nicht in Worten besteht, sondern in Verhaltensweisen, die den Mut haben, sich dieser Krise auszusetzen, die Realität anzunehmen, wohin auch immer das führen wird. Und jede Reform beginnt bei sich selbst. Die Reform in der Kirche haben Männer und Frauen bewirkt, die keine Angst hatten, sich der Krise auszusetzen und sich selbst vom Herrn reformieren zu lassen. Das ist der einzige Weg; andernfalls wären wir nur „Ideologen der Reformen“, ohne das eigene Fleisch aufs Spiel zu setzen.
Der Herr hat sich niemals auf eine „Reformation“ (ich bitte um Erlaubnis für diese Formulierung) eingelassen: weder auf das Projekt der Pharisäer, noch auf das der Sadduzäer, der Zeloten oder der Essener. Sondern er hat sie mit seinem Leben bewirkt, mit seiner Geschichte, mit seinem Fleisch, am Kreuz. Und das ist der Weg, den auch Du, lieber Bruder, annimmst, indem Du Deinen Amtsverzicht anbietest.
Du sagst in Deinem Brief zu Recht, dass es uns nichts hilft, die Vergangenheit zu begraben. Das Schweigen, die Unterlassungen, das übertriebene Gewicht, das dem Ansehen der Institutionen eingeräumt wurde – all das führt nur zum persönlichen und geschichtlichen Fiasko; es führt uns dazu, dass wir mit der Last leben, - wie die Redewendung sagt – „Skelette im Schrank zu haben“.
Es ist wichtig, die Realität des Missbrauchs und der Weise, wie die Kirche damit umgegangen ist, zu „ventilieren“ und zuzulassen, dass der Geist uns in die Wüste der Trostlosigkeit führt, zum Kreuz und zur Auferstehung. Es ist der Weg des Geistes, dem wir folgen müssen, und der Ausgangspunkt ist das demütige Bekenntnis: Wir haben Fehler gemacht, wir haben gesündigt. Es sind nicht die Untersuchungen, die uns retten werden, und auch nicht die Macht der Institutionen. Uns wird nicht das Prestige unserer Kirche retten, die dazu neigt, ihre Sünden zu verheimlichen.
Uns wird nicht die Macht des Geldes retten und auch nicht die Meinung der Medien (oft sind wir von ihnen allzu abhängig). Was uns retten wird, ist: die Tür zu öffnen für den Einen, der allein uns retten kann, und unsere Nacktheit zu bekennen: „ich habe gesündigt“, „wir haben gesündigt“ – und zu weinen, und zu stammeln, so gut wir können: „Geh weg von mir, denn ich bin ein Sünder“, ein Vermächtnis, das der erste Papst den Päpsten und Bischöfen der Kirche hinterlassen hat. Dann werden wir jene heilsame Scham empfinden, die die Türen öffnen wird zu jenem Mitleid und jener Zärtlichkeit des Herrn, die uns immer nah sind. Als Kirche müssen wir um die Gnade der Scham bitten, damit der Herr uns davor bewahrt, die schamlose Dirne aus Ezechiel 16 zu sein.
Es gefällt mir, wie Du den Brief beendest: „Ich bin weiterhin gerne Priester und Bischof dieser Kirche und werde mich weiter pastoral engagieren, wo immer Sie es für sinnvoll und gut erachten. Die nächsten Jahre meines Dienstes würde ich gerne verstärkt der Seelsorge widmen und mich einsetzen für eine geistliche Erneuerung der Kirche, wie Sie es ja auch unermüdlich anmahnen“.
Und genau das ist meine Antwort, lieber Bruder. Mach weiter, so wie Du es vorschlägst, aber als Erzbischof von München und Freising. Und wenn Du versucht bist, zu denken dass dieser Bischof von Rom (Dein Bruder, der Dich liebt), indem er Deine Sendung bestätigt und Deinen Rücktritt nicht annimmt, Dich nicht versteht, dann denk an das, was Petrus im Angesicht des Herrn hörte, als er ihm auf seine Weise seinen Verzicht anbot: „Geh weg von mir, denn ich bin ein Sünder“ – und die Antwort hörte „Weide meine Schafe“.
Mit brüderlicher Zuneigung
FRANZISKUS

 
[1] Es besteht die Gefahr, die Krise nicht anzunehmen und sich in Konflikte zu flüchten, eine Verhaltensweise, die damit endet, zu ersticken und jede mögliche Veränderung zu verhindern. Denn in der Krise steckt ein Keim der Hoffnung, im Konflikt hingegen ein Keim der Hoffnungslosigkeit. Die Krise involviert uns – der Konflikt hingegen hält uns gefangen und führt zu der aseptischen Haltung des Pilatus: „Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache“ (Mt 27, 24) – eine Haltung, die uns schon so viel Schaden zugefügt hat und immer noch zufügt.