JA 

die neue Kirchenzeitung

14. August 2022 

„Jedermann“ für jedermann ?

Scharfe Kritik am „Jedermann", Hugo von Hofmannsthals Paradestück der Salzburger Festspiele, wie auch an dessen „hochgradig kommerzialisierter" Ausrichtung hat der evangelische Altbischof Michael Bünker geübt. Der Text sei „hochgradig moralisierend und das in einer Weise, wie es für einen Evangelischen manchmal schwer auszuhalten ist", sagte Bünker in der Wochenendausgabe des „Standard" (16./17. Juli). Konkret nannte er die Angst vor dem Tod, vor dem Jüngsten Gericht, „all die Dinge, von denen man glaubt, sie seien längst überwunden". 

Der aktuelle „Jedermann"-Darsteller Lars Eidinger hat hingegen einige Tage später bei einem Künstlergespräch die bleibende Aktualität des „Jedermann" betont: Die Fragen, die in dem Stück aufgeworfen werden, seien nicht erledigt. Auch solle man es sich nicht zu leicht machen mit der Frage nach dem Gottesglauben. Er persönlich sei zwar aus der Kirche ausgetreten, aber der „Jedermann" konfrontiere den Menschen existenziell mit der Gottesfrage. 
Bei aller Kritik: Es muss was dran sein am Jedermann. Immerhin wird er in Salzburg seit 102 Jahren aufgeführt.    
Und, lieber Herr Bischof: Die Angst vor dem Tod ist keineswegs überwunden.       P. Udo 

Papua-Neuguinea: Ordensfrau im Kampf gegen Hexenwahn
In sieben Jahren 195 Frauen gerettet

Zum Internationalen Tag gegen Hexenwahn am 10. August informierte die aus der Schweiz stammende Ordensfrau Lorena Jenal über ihre Arbeit gegen dieses Phänomen in Papua-Neuguinea. Die „uralte Suche nach Sündenböcken" treffe immer wieder „Menschen, die aus der Reihe tanzen", so Jenal in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress. In Papua-Neuguinea seien dies vor allem starke Frauen. In den vergangenen sieben Jahren hätten sie und ihre Mitarbeiter 195 Frauen aus den Fängen eines Mobs retten können. Fünf seien getötet worden. Darüber hatte die Ordensfrau aus der Gemeinschaft der Baldegger Schwestern, die seit mehr als 40 Jahren in Papua-Neuguinea arbeitet, im Vatikan auch Papst Franziskus kurz informiert.
Ausgelöst werde der Vorwurf der Hexerei oft durch plötzliche und unerklärliche Todesfälle oder Krankheiten. Aber auch Wetterphänomene dienten als Vorwand. Viele Menschen in Papua-Neuguinea seien in den vergangenen Jahrzehnten von der Steinzeit ins digitale Zeitalter geschleudert worden. Zusammen mit Waffen und Alkohol sowie fehlender Bildung entwickle sich so eine gefährliche Mischung. Durch Vermittlung und Deeskalation könne es aber gelingen, Opfer zu befreien.
Auch wenn Hexenverfolgung, die Folter und das Verbrennen der Beschuldigten, mit zehn Jahren Gefängnis bestraft würden, bleibe die Polizei oft tatenlos, klagte die Ordensfrau. Allerdings entwickle sich auch dank des Engagements der Überlebenden und deren Familien teilweise ein besseres Verständnis des Problems. Zudem müssten solche Vorkommnisse später in langen Gesprächen gründlich nachbereitet werden.
Der Aktionstag gegen Hexenwahn ist eine Initiative des katholischen Missionswerks „missio Aachen", der sich inzwischen Organisationen in mehreren Ländern angeschlossen haben. Nach Beobachtungen von missio ist das Problem von Hass und Aberglaube, dem meist Frauen, aber auch Männer und Kinder zum Opfer fallen, in rund 40 Ländern verbreitet, mit steigender Tendenz. Die Organisation unterstützt entsprechende örtliche Projekte in mehreren Ländern.

Tschechien: Ruf nach mehr Mitverantwortung aller Getauften

Rund 15.000 Gläubige haben sich in Tschechien an der ersten, ortskirchlichen Phase der Weltsynode der katholischen Kirche beteiligt. Die aus den Beratungen in den Diözesen des Landes erstellte Zusammenfassung (Synthese) behandelt unter anderem die Frage der Teilhabe und Mitverantwortung aller Getauften in der Ortskirche, die Rolle von Frauen in der Kirche. Klerikalismus wird kritisiert, während die grundsätzliche Bedeutung lebendiger Pfarren für ein gutes Glaubensleben in offener Gemeinschaft betont wird. Über die Ergebnisse war Anfang Juli bei einer Synodenversammlung und anschließend von der Bischofskonferenz in Velehrad beraten worden. Dieser Tage wurde der Text der nationalen Synthese, die nun nach Rom geht, auf dem offiziellen Kirchenportal „cirkev.cz" veröffentlicht.
Den Angaben zufolge haben sich mehr als 2.500 Gruppen in Pfarren, Diözesen, Ordensgemeinschaften und Einrichtungen wie kirchlich getragenen Schulen an dem synodalen Prozess beteiligt.
Zusammenarbeit statt Klerikalismus
Ein wichtiges Thema der Synthese ist die Frage der Teilnahme und Mitverantwortung aller Getauften in der Ortskirche, also in Diözese und Pfarre. Statt Klerikalismus brauche es Zusammenarbeit und Teilhabe, damit sich „die Vielgestaltigkeit der Gaben des Heiligen Geistes des ganzen Gottesvolkes entfalten kann". Gerade dieser Schritt wird als effektive Reaktion auf die Passivität eines bedeutenden Teils der Kirchenmitglieder aufgefasst.
Laien in Entscheidungen bislang wenig eingebunden
Die Bedeutung der Laien, insbesondere der Frauen, in der Mitverantwortung innerhalb der Kirche wurde der Synthese zufolge hervorgehoben. Deren Position in „beratenden und entscheidenden Funktionen" sei „bisher nur in geringem Ausmaß" real erfüllt. „Im Anschluss an die sich ändernde Rolle der Frau in der Gesellschaft und an die immer wieder anstehende Aufdeckung ihrer spezifischen Charismen" müsse „die authentische Gestalt des Dienstes der Frau in der Kirche entdeckt werden", heißt es in dem Text. Auch Forderungen nach der Diskussion über die Möglichkeit einer Diakonats- und Priesterweihe von Frauen seien lautgeworden.
Veraltete und unverständliche Liturgie
Harte Urteile gab es unter den an den synodalen Beratungen beteiligten Katholiken auch über eine „veraltete und für die Menschen außerhalb der Kirche, aber manchmal auch für die Gläubigen unverständliche Liturgie". Gebete, Symbole und Gesten müssten besser erklärt werden, die Homilien sollten positiver gestimmt seien und aktuelle, auch spontane Fürbitten vorgebracht werden, hielt die Synthese aus den Forderungen fest. Wünsche umfassten auch mehr Zeugnisse von Laien in Gottesdiensten und die Beteiligung, insbesondere von Frauen an der Vorbereitung der liturgischen Feiern.
Einbindung von „Randgruppen“
Sämtliche diözesane Synthesen, aus denen die nationale Zusammenfassung erstellt wurde, hätten sich auch mit der Einbindung am Rand stehender Gruppen befasst. Am häufigsten wurden demnach sexuelle Minderheiten genannt, aber auch - in dieser Reihenfolge – „wiederverheiratete Geschiedene, Familien mit kleinen Kindern, Kinder und Jugendliche, Senioren, Kranke, Singles, neu Zugezogene, Obdachlose, ohne kirchliche Bindung zusammenlebende junge Leute".
Aktivitäten zugunsten Benachteiligter kommen gut an
Nach Ansicht der tschechischen Synodenteilnehmer habe die Kirche den Menschen aus dem Glauben heraus für ihr Leben etwas anzubieten. Mangelnde Transparenz, etwa in wirtschaftlichen Fragen oder anderen Entscheidungen, geringe Medienkompetenz bis hin zu einer „Abgehobenheit von der realen Welt" vermittelten aber zu oft ein falsches Bild.
Für Außenstehende verständlich sei die Kirche in allen Aktivitäten zugunsten Benachteiligter, im Schulwesen und in der Sozialarbeit. Quer durch die Diözesen werde die von Papst Franziskus benannte Vision von der Kirche als einem „Feldlazarett" positiv wahrgenommen.
Synodaler Prozess: Österreich-Synthese wird im September veröffentlicht
„Die Österreich-Synthese zum Synodalen Prozess ist in Fertigstellung, wird fristgerecht bis zum 15. August an das vatikanische Synodensekretariat elektronisch übermittelt und Mitte September veröffentlicht". Das erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, im Interview mit Kathpress im Blick auf die weiteren Schritte zum weltweiten Synodalen Prozess. 
Man werde die zusammengefassten Ergebnisse aus den synodalen Vorgängen in den österreichischen Diözesen und der vorsynodalen Versammlung der Bischofskonferenz in Mariazell nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Italienisch und Englisch in Rom einreichen, führte der Salzburger Erzbischof weiter aus.
Foto: Tschechische Rad-Pilger auf dem Weg nach Mariazell.
 

Kardinalstaatssekretär: Papst hat keine prorussische Haltung 

Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat sich irritiert über diejenigen gezeigt, die Papst Franziskus' Haltung als prorussisch bezeichnen. „Ist der Papst prorussisch, weil er zum Frieden aufruft? Weil er uns einlädt, darüber nachzudenken, was zu diesen beunruhigenden Entwicklungen geführt hat?", fragte Parolin laut „Vatican News" in einem Interview der Zeitschrift „Limes". Papst Franziskus habe „die russische Aggression gegen die Ukraine vom ersten Moment an in unmissverständlichen Worten verurteilt, er hat nie Angreifer und Angegriffene gleichgesetzt", so Parolin weiter. 

Zudem sei es noch immer ein Wunsch des Papstes, die Ukraine zu besuchen. Wichtig sei dabei aber, dass „durch seine Reise konkreter Nutzen erzielt werden kann". Gleiches gelte für eine Reise nach Moskau, "wenn die Bedingungen wirklich friedensfördernd sind". 

Kardinal: Papst-Kyrill-Treffen nur unter Voraussetzungen sinnvoll 

Der vatikanische „Ökumeneminister" Kardinal Kurt Koch hält eine mögliche Begegnung zwischen Papst Franziskus und dem russisch-orthodoxen Moskauer Patriarchen Kyrill I. nur unter Voraussetzungen für sinnvoll. „Ich denke, sie wäre dann sinnvoll, wenn es zu einer gemeinsamen klaren Stellungnahme kommen könnte, dass dieser sinnlose und grausame Krieg endlich beendet würde", sagte Koch im Interview der Nachrichtenagentur Kathpress mit Blick auf die Kämpfe in der Ukraine. Sowohl Franziskus als auch Kyrill wollen Mitte September an einem Religionstreffen in Kasachstan teilnehmen. Über ein dortiges Treffen der beiden wird rege spekuliert. 

Delegation des Weltkirchenrates besuchte Ukraine 

Eine Delegation des weltweiten Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) ist in der Ukraine mit Vertretern von Staat und Kirchen sowie Religionsgemeinschaften zusammengetroffen. ÖRK-Generalsekretär Ioan Sauca habe bei dem Besuch von 1. bis 5. August die Menschen in der Ukraine der Solidarität der weltweiten Kirchengemeinschaft versichert, teilte der Weltkirchenrat in Genf (Montag) im Nachgang der Reise mit. Im Zentrum der Gespräche stand demnach auch sicherzustellen, dass Delegierte der ukrainischen Kirchen an der am 31. August beginnenden ÖRK-Vollversammlung im deutschen Karlsruhe teilnehmen können. 

Dem weltweiten Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) gehören rund 350 Mitgliedskirchen an, die zusammen etwa 580 Millionen Christen aus protestantischen, orthodoxen, anglikanischen und anderen Traditionen in mehr als 120 Ländern repräsentieren. Mit der römisch-katholischen Kirche, die nicht Mitglied ist, besteht eine enge Zusammenarbeit. Zur 11. ÖRK-Vollversammlung werden vom 31. August bis 8. September rund 1.000 Delegierte in Karlsruhe erwartet. 

„Jugend Eine Welt": Indigene Völker besser schützen

Zu einem besseren Schutz indigener Völker hat die Entwicklungshilfe-Organisation „Jugend Eine Welt" aufgerufen. „Rechte und Lebensraum indigener Völker und Gemeinschaften werden in vielen Ländern immer stärker vor allem wegen wirtschaftlicher Interessen missachtet und beschnitten", betonte deren Geschäftsführer Reinhard Heiserer anlässlich des internationalen Tages der indigenen Völker (9. August) in einer Aussendung. Der von den UN 1994 eingeführte Gedenktag soll auf die fehlende Anerkennung der Rechte indigener Völker sowie die vielerorts nach wie vor herrschenden Missstände wie Unterdrückung, Ausbeutung und Diskriminierung aufmerksam machen.
„Es geht dabei besonders um die Respektierung und den Schutz der Lebensräume dieser Völker und die Mitsprache bei Entscheidungen über Erhalt oder Ausbeutung dort vorhandener natürlicher Ressourcen", so Heiserer. Nach Schätzungen der UN gehören weltweit etwa 370 Millionen Menschen einem der rund 5.000 indigenen Völker an, die in ungefähr 90 Staaten leben.
Engagement in Ecuador
Seit einem Vierteljahrhundert engagiert sich „Jugend Eine Welt" etwa bereits in Ecuador, wo zuletzt teils gewaltsam gegen die prekäre soziale Lage weiter Teile der Bevölkerung protestiert wurde. Aktuell verfolge man dort ein Projekt, um die indigene Gruppe der „Siekopai" in der Provinz Sucumbios zu schützen, erläuterte Heiserer. Viele lebten unter der Armutsgrenze und seien von den negativen Folgen der Erdölförderung, dem Bergbau und der Abholzung betroffen. Geplant seien u.a. Aufforstungen und ein Einstieg in den CO2-Emissionszertifikatshandel.
Foto: Jugend Eine Welt.
 

Gewalteskalation am Gazastreifen: Alt-Patriarch kritisiert Israel

Der emeritierte Lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah (89), hat Israel zu Frieden mit den Palästinensern aufgerufen. „Es ist Zeit für Israel, einen Krieg zu beenden, den es vor mehr als 70 Jahren begonnen hat", schrieb er laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) am Montagabend in einem Facebook-Beitrag zur jüngsten Gewalteskalation am Gazastreifen. Der Krieg in Gaza bedeute, dass es weitere Kriege geben werde.
Israel stehe dem palästinensischen Volk gegenüber, das auf seinem eigenen Land lebe und von Israel und der Welt verlange, ihm seine Freiheit zurückzugeben. Die Stimme der Palästinenser und der Ruf nach Gerechtigkeit und Freiheit dürften nicht länger ignoriert werden, so Sabbah. Israel und die Welt müssen nach Worten des palästinensischen Geistlichen begreifen, dass „der Friede Israels, der Friede Abrahams, der Friede Gottes" mit den Palästinensern beginne und sich von dort aus auf die Region erstrecke. „Andernfalls werden sie die Region im Griff des Todes halten und selbst zu Todesverursachern werden", so Sabbah.
 

Protestkundgebung gegen Liturgiereform im südindischen Kerala

Mehr als 40.000 katholische Laien, Priester und Ordensleute aus rund 360 Pfarreien der Erzdiözese Ernakulam-Angamaly forderten bei einer Protestkundgebung in einem Stadion in Kochi, dass die komplette Messe vom Priester mit dem Gesicht zur Gemeinde gefeiert wird. Die Kundgebung habe nur eine Woche nach der Absetzung von Erzbischof Antony Kariyil als Metropolitvikar stattgefunden, berichtet der asiatische Pressedienst Ucanews .
Redner bei der Kundgebung „Viswasa Samrakshana Maha Sangamam", was soviel bedeutet wie „Versammlung zum Schutz des Glaubens", erinnerten an das historische Versprechen ihrer Vorfahren aus dem 17. Jahrhundert, das als „Eid des schrägen Kreuzes" bekannt geworden war, berichtete Ucanews. Damals weigerten sich viele der als „Thomas-Christen" bekannten Katholiken, sich den Jesuiten und der lateinisch-katholischen Hierarchie zu unterwerfen. Das hatte die Spaltung der Kirche in Kerala in sieben separate Kirchen zur Folge, von denen die Syro-Malabar-Kirche eine ist.
In dem bereits Jahrzehnte andauernden Streit ging es um die Frage, ob der Priester die gesamte Messe mit dem Gesicht zur Gemeinde oder mit dem Gesicht zum Altar zelebriert. Laut dem von der Synode 2021 beschlossenen und von Papst Franziskus gebilligten Kompromiss sind die Priester angehalten, bis zum Hochgebet die Messe mit dem Gesicht zur Gemeinde zu feiern, sich dann umzudrehen, um sich dann zum Ende des Gottesdienstes wieder der Gemeinde zuzuwenden. Weil Erzbischof Kariyil den Kompromiss ablehnte und an der Liturgie mit dem Gesicht zur Gemeinde festhielt, war Erzbischof Andrews Thazhath vom Vatikan zum Apostolischen Administrator der Erzdiözese Ernakulam-Angamaly ernannt worden.
Mit mehr als einer halben Million Gläubigen leben rund zwanzig Prozent der weltweit 5,5 Millionen Mitglieder der syro-malabarischen Kirche in der Erzdiözese Ernakulam-Angamaly.

Wien: Interdisziplinäres Forschungsprojekt rund um Reichskrone

Ein „in jeder Hinsicht bahnbrechendes Forschungsprojekt" des Kunsthistorischen Museums Wien (KHM) ist aktuell einem hochrangigen Symbol europäischer Geschichte gewidmet; der in der Schatzkammer der Wiener Hofburg aufbewahrten Reichskrone. Die vor einem Jahrtausend - zwischen 950 und 1150 - gefertigte Insigne, mit der über Jahr­hunderte hinweg die Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurden, ist voller biblischer Symbolik. Trotz der langen Forschungsgeschichte gibt es laut KHM-Generaldirektorin Sabine Haag noch immer zahlreiche offene Fragen rund um die Reichskrone, denen nun im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojekts bis 2024 auf den Grund gegangen wird. Dafür bittet das KHM um Spenden.
Franz Kirchweger, Kurator für mittelalterliche Kunst der Kunst- und Schatzkammer und Leiter der Forschungsgruppe zur Reichskrone, gab in einer KHM-Aussendung Auskunft über die „überaus arbeitsintensive erste Phase" des Projektes. Derzeit werde jeder einzelne Bestandteil der aus Gold, Edelsteinen, Perlen und Email gefertigten Krone mithilfe eines 3D-Mikroskops neuester Generation erfasst und dokumentiert. Dies ermögliche völlig neue Blicke auf die Krone und ihre Einzelteile. Damit verbunden sei eine naturwissenschaftliche Untersuchung und Analyse des kompletten Edelstein- und Perlenbesatzes.
Das Forschungsprojekt, das auch die rund tausendjährige Geschichte des Objektes beleuchten soll, wird noch bis 2024 laufen und kostet viel Geld, wie Sabine Haag hinwies. Trotz der Unterstützung der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung und der Rudolf-August Oetker-Stiftung fehlten noch 60.000 Euro, um das Projekt in vollem Umfang umsetzen zu können. Die KHM-Chefin bat dafür in ihrer Aussendung um Spenden.
Symbol des Gottesgnadentums
Für viele Jahrhunderte galt die Reichskrone als Reliquie Kaiser Karls des Großen (747?-814). Die Forschung weiß inzwischen, dass sie später entstanden sein muss; die erste schriftliche Erwähnung stammt von Walther von der Vogelweide. Die Krone gilt als künstlerische Ausprägung eines theologisch begründeten Herrschaftsanspruches („Gottesgnadentum") der Herrscher des bis 1806 währenden Heiligen Römischen Reiches. Die meisten römisch-deutschen Monarchen seit Konrad II. (um 990-1039) wurden mit ihr gekrönt, dabei wurde sie zusammen mit dem Zepter und dem Reichsapfel übergeben.
Vieles an der zum Typus der mittelalterlichen Bügelkronen zählenden Reichskrone ist außergewöhnlich: Sie ist nicht rund, sondern besteht aus acht oben abgerundeten Platten; ein Bügel verbindet das Plattenoktogon mit dem Frontkreuz. Die achteckige Form ist Ausdruck des biblischen Noahbundes, die „8" war im Hochmittelalter auch die Zahl der Verbindung von Himmel und Erde, des Messias und im Weiteren die Kaiserzahl. Ordnung und Programm des gesamten - unvollständig erhaltenen - Steinschmuckes nahmen Bezug auf Vorstellungen vom Himmlischen Jerusalem. Die Zwölfzahl der großen Steine auf Stirn- und Nackenplatte steht symbolisch für die Zwölfzahl der Apostel sowie der Stämme Israels und der Söhne Jakobs. 
(Spenden sind erbeten auf das Konto des KHM-Museumsverbandes, IBAN: AT70 6000 0005 1014 1679, Verwendungszweck: „Spende Crown")
FOTO: KHM.

Kurznachrichten

Papst Franziskus hat eine Gruppe von Transsexuellen während der Generalaudienz im Vatikan empfangen. Organisiert worden sei das Treffen am Mittwoch von einem Priester und einer Ordensfrau, die die Menschen nahe Rom betreuen.

 

Deutschland. Die evangelisch-reformierten Kirchen wollen den Dialog mit der katholischen Kirche verstärken. Dazu plant die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen die Eröffnung eines Büros in Rom.

 

Kroatien. Bei einem Busunglück sind am 6. August  12 polnische Pilger  gestorben und 31 weitere verletzt worden. Sie waren auf dem Weg zum Abschlussgottesdienst des Medjugorje-Jugendfestivals in Bosnien und Herzegowina gewesen.

 

In der Demokratischen Republik Kongo ist ein katholischer Priester ermordet worden. Der Geistliche Godefroid Pembele Mandon erlag  in einem Spital in der Hauptstadt Kinshasa Schussverletzungen, die er am Wochenende bei einem Überfall Bewaffneter auf eine Pfarre in der Stadt Kikwit im Südwesten des Landes erlitten hatte. 


Nigeria. Mehr als zwei Monate nach dem Anschlag auf eine katholische Kirche in Owo im Südwesten des Landes sind mehrere Verdächtige verhaftet worden. 

Deutschland. Der scheidende Rektor der Universität Tübingen, Bernd Engler (68), übernimmt Mitte Oktober die Präsidentschaft der Stiftung Weltethos. Bei der vom Theologen Hans Küng (1928-2021) gegründeten Stiftung folgt Engler dem Juristen Eberhard Stilz. Engler lehrte seit 1992 in Tübingen Amerikanische Literatur und Kultur. 

 

Deutschland. Christian Stückl (60), Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele, ist mit dem Isaiah Award for Exemplary Interreligious Leadership des American Jewish Committee (AJC) geehrt worden. 

Stückl inszenierte 2022 zum vierten Mal seit 1990 die weltberühmten Passionsspiele. Er habe sich unnachgiebig dafür eingesetzt, antijüdische Bilder und Darstellungen aus der Inszenierung zu entfernen, hieß es. 


Österreich

  

Steiermark. Der Rechenschaftsbericht 2021 der Diözese Graz-Seckau weist für das Jahr 2021 ein leicht negatives Ergebnis aus. Aufwendungen in der Höhe von insgesamt 114 Mio. Euro stehen 109 Mio. Euro an Erträgen gegenüber.

 

Wien. Die „Aktion Leben" hat vor einer drohenden „Normalität" von Leihmutterschaft gewarnt. Diese bezahlte "Dienstleistung" meist armer Frauen für Kinderlose sei noch vor einigen Jahren als mit den Grundwerten Europas unvereinbares Extrem erschienen. 

SHW-Publikumspreis  an Freiburger Theologin

Der „Publikumspreis" der „Salzburger Hochschulwochen" ging heuer an die Freiburger Theologin Anne-Kathrin Fischbach. Der mit 1.000 Euro dotierte Förderpreis für Nachwuchswissenschaftler ist nach dem „Theologischen Preis" die zweite Auszeichnung, die im Rahmen der Hochschulwochen vergeben wird. 
Anne-Kathrin Fischbach, geboren 1992 in Gütersloh, ist Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Dogmatik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. 
Fischbach formulierte in ihrem Vortrag ein „Lob aufs Rumraten" und ein Plädoyer für ein Verständnis des Glaubens als „Basecamp" der Freiheit des Denkens. In einem Rekurs auf den Philosophen Charles Sanders Peirce zeigte Fischbach auf, dass Weiterentwicklung und Innovation nicht aus bloßen Deduktionen (Ableitungen) hervorgehen, sondern aus einem Verfahren des "Rumratens", der "Abduktion". Während klassische deduktive Verfahren in den Bahnen klassischer Logik verblieben, sei es die Abduktion, die helfe, Denkverbote zu durchbrechen und so neues Wissen überhaupt erst möglich zu machen. Notwendig sei dies, so Fischbach, weil "uns die Phantasie abhanden gekommen zu sein scheint", die indes für die Lösung der großen Probleme der Gegenwart dringend benötigt werde. 
Foto: Salzburger Hochschulwochen.

Auch das noch...

Papst telefoniert mit neapolitanischem „Rave-Priester"

Papst Franziskus hat mit dem als „Rave-Priester" bekannten Michele Madonna in Neapel telefoniert. Franziskus habe ihn gefragt, wie er zu so vielen jungen Menschen sprechen könne, erzählte der Seelsorger gegenüber der italienischen Zeitung „La Repubblica". Madonna veranstaltet regelmäßig Partys in Problemvierteln von Neapel; Hunderte Jugendliche nehmen daran teil.
Diese christlichen Feiern seien hauptsächlich Thema des Gesprächs mit Franziskus gewesen, so Madonna weiter. Der 48-Jährige hatte bis zu seiner Berufung zum Priester selbst viele Jahre als DJ gearbeitet. Heute organisiert er die Feiern für Jugendliche - mit christlicher Diskomusik und Momenten des Gebets. 
„Bitte halten Sie mich auf dem Laufenden", schloss der Papst das Telefonat laut Madonna. Das Gespräch habe bereits am vergangenen Donnerstag stattgefunden, er habe sich zunächst aber niemandem anvertrauen können, so der "Party-Priester" gegenüber der Zeitung.
 

Emmausgemeinschaft: Zunehmend Jüngere von Obdachlosigkeit betroffen

Zunehmend Minderjährige, Jugendliche sowie junge Erwachsene sind von Obdachlosigkeit betroffen. Darauf machte die Jugendnotschlafstelle „COMePASS" der Emmausgemeinschaft St. Pölten zum Tag der Jugend (12. August) in einer Aussendung aufmerksam. Sie ist die einzige niederschwellige Jugendnotschlafstelle in Niederösterreich. Obdachlosigkeit könne jeden Menschen treffen. „COMePASS"-Leiter Bernhard Klemt erklärte, auffallend sei jedoch „die steigende Zahl der minderjährigen Mädchen, die andocken".
Ziel sei es, junge Menschen wieder in die Gesellschaft zu integrieren: „Neben dem Übernachten wollen die Betreuerinnen und Betreuer die Jugendlichen auch unterstützen, eine langfristige Lösung für ihre Situation zu finden", sagte Klemt. Das geschehe durch die Weitervermittlung zu Beratungsstellen und anderen Einrichtungen der Jugendwohlfahrt.
Emmaus-Geschäftsführer Karl Langer erinnerte daran, dass „COMePASS" eingerichtet wurde, "um für insgesamt 12 obdachlose Burschen und Mädchen eine Zufluchtstätte in akuten Krisensituationen zu schaffen". Einzugsgebiet sind die Bezirke St. Pölten Stadt und Land, Lilienfeld, Melk, Scheibbs, Tulln und die Stadt Krems, aber grundsätzlich können sich Jugendliche aus ganz Niederösterreich an die Einrichtung wenden, betonte er.

Afrika: Bischof fordert Kampagnen zu Risiken von Migration

Im Zuge der jüngsten Konferenz der katholischen Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar (SECAM) wurde auch dazu aufgerufen, junge Menschen in Kampagnen über die Risiken der Migration in andere Länder und nach Europa aufzuklären. 
„So, wie wir es mit HIV/Aids und Covid-19 getan haben, muss Afrika ähnliche Kampagnen in Schulen und in allen kirchlichen Strukturen durchführen, um junge Menschen für Migration zu sensibilisieren", sagte der südafrikanische Bischof Joseph Mary Kizito laut „Vatican News" in einem Interview für das Portal „ACI Afrika". Kizito ist in der Südafrikanischen Bischofskonferenz (SACBC) für das Referat "Flüchtlinge und Migranten" verantwortlich.
Ziel müsse sein, mit den Menschen zu sprechen, „bevor sie überhaupt daran denken, wegzugehen", sagte der Diözesanbischof von Aliwal. Die Menschen hätten ein Recht auf Migration. Wer aber erwäge, sein Heimatland zu verlassen, solle die tatsächlichen Gegebenheiten kennen, einschließlich der Gefahren, so Kizito. Entsprechende Kampagnen müssten auch Erfahrungsberichte von Rückkehrern beinhalten.
Der südafrikanische Bischof sprach sich auch für die Einrichtung von Büros für Migrationsfragen in jeder Pfarrgemeinde aus. 
 

Ältester Kardinal der Weltkirche gestorben

Der slowakische Kardinal Jozef Tomko, früherer Präfekt der römischen Missionskongregation, ist in Rom im 99. Lebensjahr gestorben.
Tomko leitete zwischen 1985 und 2001 die vatikanische Kongregation für die Evangelisierung der Völker. Papst Benedikt XVI. (2005-2013) ernannte ihn 2012 zum Vorsitzenden der Kardinalskommission zur Klärung der sogenannten Vatileaks-Affäre.
Geboren am 11. März 1924 in Udavske bei Humenne in der damaligen Tschechoslowakei, trat Tomko während des Krieges ins Priesterseminar in Bratislava (Pressburg) ein. Im Herbst 1945 übersiedelte Tomko nach Rom, das danach sein Lebensmittelpunkt blieb. 
Seine slowakische Heimat konnte Tomko während der kommunistischen Diktatur nur im Jahr des Prager Frühlings 1968 und zu einer Bischofsweihe kurz vor der sogenannten Samtenen Revolution 1989 besuchen. Seit der Wende und insbesondere nach seiner Emeritierung war er häufiger zu Gast in der Slowakei. 

Junge Mönche boten "Schaufenster monastischen Lebens"

Neben den klassischen Vortrags- und Diskussionsformaten hat sich bei den „Salzburger Hochschulwochen" seit vier Jahren ein neues Format etabliert, das sich immer größerer Beliebtheit unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erfreut: „Benedictine Banter": Zwei junge Ordensleute - P. Jakob Auer von der Erzabtei St. Peter und Br. Wolfgang Sigler von der Abtei Münsterschwarzach - luden während der Hochschulwoche (1. bis 7. August) drei Mal zu Gesprächen und exklusiven Führungen für Studierende durch bzw. in die Erzabtei St. Peter. Orientiert am jeweiligen Thema der Hochschulwoche - heuer „Wie geht es weiter? Zur Zukunft der Wissensgesellschaft" - boten sie dabei "Schaufenster monastischen Lebens" und stießen auf reges Interesse, wie sie abschließend positiv bilanzierten. 
Ursprünglich gedacht als „lockeres Mittagspausenformat", habe sich das Angebot inzwischen zu einem der Highlights der Hochschulwochen entwickelt, bestätigte auch Hochschulwochen-Obmann Prof. Martin Dürnberger: „Die Hochschulwochen sind eng mit den Benediktinern verbunden. Wir wollten diese Verbindung mit 'Benedictine Banter' sichtbar machen und freuen uns nun um so mehr zu sehen, auf welch großes Interesse das Ordensleben insgesamt unter unseren Besuchern stößt."
In drei thematisch an den Hochschulwochen orientierten Blöcken („Altes Wissen im Heute", „Erfahrungswissen im beständigen Wandel", "Wissen um das Unausweichliche - Memento Mori") führten die beiden Mönche die Teilnehmer durch die Erzabtei und durch die Gespräche. Intensiv diskutiert wurde dabei laut P. Jakob und Br. Wolfgang u.a. die Frage, wie viel Vertrauen Wissen benötigt, ob Wissensvermittlung ein hierarchisches Verhältnis fordert - und was man diesbezüglich von der monastischen Tradition lernen könne. Dass gerade Klöster und Orden historisch betrachtet Horte der Wissenschaft und des Wissens waren und sind, habe schließlich sowohl mit einer besonderen Spiritualität zu tun, als auch mit der sorgsamen Pflege von Vertrauen bei der Wissensvermittlung untereinander.
Foto: Salzburger Hochschulwochen.