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die neue Kirchenzeitung

 18. Februar 2024 

Lesungen:  Gen 9,8-15; 1 Petr 3,18-22; Evangelium: Mk 1,12-15

Gestorben für andere

Die Christen glauben, dass Jesus Christus für sie gestorben ist, auch die orthodoxen in Russland.
Letztere wissen jetzt, dass einer der Ihren für sie, für ein demokratisches Russland gestorben ist: der 47-jährige Alexej Nawalny.
Im August 2020 wurde ein Giftanschlag auf ihn verübt. Nach Berlin ausgeflogen, kam er wieder zu Kräften.
Obwohl er wusste, was ihm unter Putin drohte, kehrte er im Jänner 2021 in seine Heimat zurück. 

Am Flughafen wurde er verhaftet, verurteilt und in eine Strafkolonie geschickt. Die notwendige medizinische Versorgung wurde ihm verweigert.
Am 16. Februar 2024 ist er tot.
An diesem Tag gedenkt die orthodoxe Kirche zweier Märtyrer-Priester unter Stalin: Peter Lagov († 1931) und Elias Tschetweruchin († 1934). Und des biblischen Propheten Elias.
„Alexej Nawalnyj ist im Gefängnis ermordet worden, darin sind sich die maßgeblichen Kommentatoren einig. Er selbst wusste, dass man dem Guten nicht dienen kann, ohne sich zu opfern.“ Schrieb die „Frankfurter Allgemeine“.                     P. Udo 

Ukraine: Ordensfrauen im Einsatz für die Militärseelsorge

Der Krieg in der Ukraine stellt die Kirchen und damit auch die Ordensgemeinschaften vor viele neue Herausforderungen. Für die Schwestern der Kongregation der Frommen Jüngerinnen des Göttlichen Meisters, die 2024 ihr hundertjähriges Bestehen feiern, ist die Unterstützung von Militärseelsorgern zu einer solchen Herausforderung geworden, wie Radio Vatikan berichtete. Das Charisma der Ordensschwestern, die u.a. in der Westukraine in der Kleinstadt Chmelnyzkyi tätig sind, umfasst das Gebet für Priester und das Nähen liturgischer Gewänder. Letztere werden von den Schwestern nun in militärischen Tarnfarben hergestellt.
Sr. Paulina Kurek: „Die Schwestern versuchen (...) die Zeichen der Zeit zu deuten. Und ein solches Zeichen der Zeit ist die Hilfe für Seelsorger, die im Krieg dienen."  Die Schwestern wurden gebeten, „eine Stola aus Tarnstoff zu nähen, also aus einem typischen Militärmaterial. Wir wurden gebeten, Kreuze darauf zu sticken. Die Stola sollte für einen Militärseelsorger sein."
Die Schwestern bekamen schließlich immer mehr Aufträge dieser Art, „denn Priester dürfen solche einfachen Stolen nicht mit an die Front nehmen. Militärseelsorger müssen alles in den Militärfarben haben." 
Foto: Schwestern bereiten Stolen aus Tarnstoff vor  (Mariusz Krawiec SSP)
 

Russland: Orthodoxe Kirche will Zahl der Militärgeistlichen erhöhen 

Die russische Orthodoxe Kirche (ROK) plant laut Patriarch Kyrill, die Zahl der Militärgeistlichen massiv zu erhöhen. Bedingung dafür sei aber ein neues Gesetz, das den Status von Militärkaplänen in Russland definiert. Aktuell befänden sich über 100 Geistliche in der Ukraine in Gebieten mit Kampfhandlungen, es gebe immer wieder Verletzte und Verluste. Die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) wolle weiter mit den russischen Streitkräften zusammenarbeiten, dazu müsse aber der „rechtliche Status der Militärgeistlichen definiert werden" und ihnen „Sozialleistungen, die alle Teilnehmer der Militärischen Spezialoperation haben", gewährt werden. Bisher „haben das alle, nur die Geistlichen nicht", bemängelte Patriarch Kyrill bei einem Treffen mit Parlamentariern.
Seit dem Beginn von Russlands Krieg gegen die Ukraine waren über 700 Geistliche im Einsatz, wie Metropolit Kyrill (Pokrovskij) von Stavropol, Leiter der Synodalabteilung für die Zusammenarbeit mit den Streitkräften und den Sicherheitsorganen des Moskauer Patriarchats, erklärte. Derzeit arbeiteten 281 Geistliche der ROK in der Funktion von Assistenten von Kommandanten mit gläubigen Militärdienstleistenden.
Sobald ihr neuer rechtlicher Status festgelegt sei, wolle die ROK ihre Zahl vervierfachen, erklärte Metropolit Kyrill bei der Konferenz „Heiliger Krieg: Verklärung Russlands".
Gefallene Soldaten „zweifellos bei Gott"
Bischof Kyrill (Zynkovskij), Rektor der Moskauer Geistlichen Akademie, sprach in einem Interview über die pastorale Begleitung von Soldaten und ihren Familien und erklärte dabei, dass die im Ukraine-Krieg gefallenen russischen Soldaten „zweifellos bei Gott sind". Indem sie ihre „Seele für das Vaterland niederlegen, um den Triumph des Bösen, das auf dem Planeten marschiert, zu stoppen", sei ihnen - im Gegensatz zu anderen Menschen - ein Platz bei Gott sicher. Deshalb könne man sich sogar für sie freuen, da sie so einen lichten Tod, „im Kampf für das Gute, für das Licht", gefunden hätten. Damit könnten Mütter von Gefallenen getröstet werden, sagte Bischof Kyrill.
Noch drastischer äußerte sich der Vorsteher einer Kirche in Ust-Kut in der Region Irkutsk. Die „Funktion der Frauen ist zu gebären, die Funktion der Männer - Soldat zu sein", sagte er. Russland stehe im "Kampf gegen den Antichristen" an vorderster Front.
 

Unesco: Mehr als 340 beschädigte Kulturstätten in der Ukraine

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben die Vereinten Nationen dort die Beschädigung von 341 Kulturstätten festgestellt. Zu den am stärksten beschädigten Gebäuden gehöre die Verklärungskathedrale in der zum Weltkulturerbe gehörenden Altstadt von Odessa, wie der Deutschlandfunk auf Basis von Informationen der UN-Kulturorganisation Unesco berichtete.
 

Belarus geht gegen kirchliche Kriegsgegner vor

In Belarus wurden zwei Kriegs-kritische Telegram-Kanäle verboten, wie der „Nachrichtendienst Östliche Kirchen" (NÖK) in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. Der Kanal der Gruppe „Christen gegen den Krieg" wurde von einem Gericht als extremistisch eingestuft. Die Gruppe stellt auf ihrer Website und in den sozialen Medien Materialien zu den Kirchen und Russlands Krieg gegen die Ukraine bereit. Dabei veröffentlicht sie Positionen von Kirchenvertretern für und gegen den Krieg, sammelt Informationen über Personen, die wegen ihrer Antikriegshaltung verfolgt werden und führt Listen mit Kriegsopfern. 
„Christen gegen den Krieg" ist ein gemeinsames Projekt der Gruppe „Christliche Vision für Belarus" und ukrainischer Christen und Kirchen sowie russischer Antikriegsaktivisten. 

Mosambik: Angriffe auf Gemeinden und Kirchen

Nach Informationen von Missionaren vor Ort gegenüber dem Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) wird die Provinz Cabo Delgado im Norden Mosambiks weiterhin von bewaffneten Aufständischen erschüttert, die zeitgleiche Angriffe verüben.
Die Aufstände im Norden Mosambiks begannen 2017, haben jedoch seit Anfang 2024 wieder zugenommen. Allein in den letzten Tagen gab es mehrere weitere Überfälle auf Städte und Dörfer, Menschen wurden getötet oder entführt.
Überfälle haben seit Anfang 2024 wieder zugenommen
Am 9. Februar griffen die Terroristen, die sich zum Islamischen Staat bekennen, drei Gemeinden in der Gegend von Mazeze an, 100 Kilometer südlich von Pemba, der Hauptstadt von Cabo Delgado. „Kirchen wurden niedergebrannt, ebenso wie die Häuser der Bevölkerung“, sagt ein örtlicher Missionar, der aus Sicherheitsgründen nicht namentlich genannt werden möchte. Die Anschläge sowie Gerüchte über weitere terroristische Aktivitäten in den Nachbarregionen hätten zur Vertreibung von Hunderten von Menschen geführt, die weite Strecken durch den Busch zurückgelegt hätten, um in Pemba oder in der nächstgelegenen Stadt Chiúre Zuflucht zu finden, welche allmählich unter den Auswirkungen der Überbevölkerung litten, erklärt er.
Eine Missionarin, die ebenfalls nicht namentlich genannt werden möchte, bestätigt, die Terroristen hätten Häuser und Kirchen in mehreren Dörfern zerstört und sich nun „über die südlichen und zentralen Bezirke“ von Cabo Delgado verteilt, obwohl „das endgültige Ziel der Bewegungen oder Angriffe noch nicht klar“ sei.
Viele Missionare sind vertrieben worden
„Auch viele Missionare sind vertrieben worden“, erzählt ein lokaler Priester gegenüber ‚Kirche in Not‘, „der Priester einer der Gemeinden ist nach Pemba, Sitz der Diözese, gezogen, ebenso wie die Ordensschwestern, die in der Nähe wohnten. Andere Missionare folgen diesem Beispiel, um sich selbst, aber auch die Bevölkerung zu schützen“, bestätigt er. Selbst zu gehen ist oft das Beste, um die Menschen zu schützen, denn wenn die Priester oder Schwestern in den Dörfern blieben, fühlen sich die Menschen oft sicher und bleiben bei ihnen.
Seit 2017 gab es verschiedene Phasen von Angriffen, mit Attacken auf militärische oder staatliche Strukturen sowie auf Dörfer und zivile Gemeinden. Jeder in Cabo Delgado - Christen als auch Muslime – wird zum Ziel des Terrors. In den letzten Jahren gab es jedoch Fälle von Angriffen auf spezifisch christliche Ziele und Gemeinden, darunter Fälle, in denen die Dschihadisten Christen von Muslimen trennten und erstere hinrichteten.
Aufstände haben bereits über 5 000 Todesopfer gefordert
Die Aufstände in Mosambik haben bereits mehr als fünftausend Todesopfer gefordert und zur Vertreibung von über einer Million Menschen geführt, obwohl die aktuellen Zahlen wahrscheinlich deutlich höher liegen.
Die katholische Kirche engagiert sich intensiv für die Vertriebenen im Norden Mosambiks und für eine friedliche Lösung des Konflikts, wobei sie sowohl die Terroristen als auch die harte Reaktion der Regierung kritisiert hat.
Foto: Flüchtlinge auf einem Truck in Cabo Delgado © Kirche in Not
 

Hilfswerke: Humanitäre Lage im Ostkongo auf der Kippe

Internationale Hilfsorganisationen haben vor einer Eskalation der Kämpfe im Ostkongo gewarnt. Diese hätten zuletzt mehr als 100.000 Menschen, die Hälfte davon Kinder, innerhalb weniger Tage zur Flucht gezwungen, teilte World Vision am Mittwoch mit. Die humanitäre Lage verschlechtere sich zusehends. Der römische Nachrichtendienst Fides berichtete am Donnerstag, dass die Ortskirchen angehalten worden seien, in der Region Nord-Kivu keine öffentlichen Gottesdienste und Gebetstreffen mehr abzuhalten.

Ein Jahr nach Erdbeben: Salesianer Don Boscos helfen in Syrien

Die Salesianer Don Boscos machen auf die prekäre Lage der Menschen in den Erdbebengebieten in Syrien aufmerksam. Auch ein Jahr nachdem ein schweres Erdbeben die Region im Norden des Landes rund um die Stadt Aleppo getroffen hatte, fehle es an vielem, so die Ordensgemeinschaft, die bereits kurz nach der Katastrophe den Betroffenen half, in einer Aussendung.

„Viele Kinder und Jugendliche sind traumatisiert, sie haben Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafprobleme", berichtete P. Pier Jabloyan aus Aleppo über die fortlaufenden Herausforderungen. „In unseren Don Bosco Zentren bieten wir psychologische Hilfe an." Diese Unterstützung werde nun mit der Hilfe von auf Traumabewältigung geschulten Psychologen ausgebaut.

Bereits unmittelbar nach dem verheerenden Erdbeben boten die Salesianer Don Boscos in Aleppo den Erdbebenopfern Schutz und Hilfe. Sie versorgten die Menschen mit Essen, medizinischer und psychologischer Betreuung, warmer Kleidung und einem Platz zum Schlafen. „Viele Menschen standen buchstäblich vor dem Nichts. Die Salesianer sind vor Ort und helfen", erklärt Bruder Günter Mayer, Geschäftsführer von Don Bosco Mission Austria.

Bereits seit 1948 sind die Salesianer Don Boscos in Syrien tätig. Auch während des Bürgerkriegs haben sie das Land nicht verlassen. Die Don Bosco Häuser befinden sich in Aleppo, Damaskus und Kafroun. Im Fokus steht die Hilfe für Kinder und Jugendliche. 

 

Libanon: Patriarch Rai ruft zu Versöhnung und Solidarität auf

Zu Versöhnung und Solidarität hat der maronitische Patriarch Kardinal Bechara Boutros Rai aufgerufen, wie der „Pro Oriente"-Informationsdienst berichtete. In seiner aktuellen Fastenbotschaft prangerte der Patriarch an, dass die libanesische Gesellschaft im Allgemeinen und die libanesische Politik im Besonderen unter Spaltungen, Konflikten, Hass und Bosheit litten. Den Preis dafür zahle das libanesische Volk auf allen Ebenen: auf politischer, sozialer, wirtschaftlicher und auch rechtsstaatlicher Ebene.

Der Libanon wird seit Jahren von einer dramatischen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krise gebeutelt. Seit Beginn des Gaza-Kriegs am 7. Oktober kommt es an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon zudem immer wieder zu Konfrontationen zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah-Miliz.

 

Gaza-Krieg: Vatikan kritisiert Israels Vorgehen als unverhältnismäßig

Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat das aktuelle Vorgehen der israelischen Streitkräfte im Gazastreifen als unverhältnismäßig verurteilt und als „Blutbad" bezeichnet. Nach einem Treffen mit Spitzenvertretern der italienischen Regierung sagte Parolin am Dienstagabend in Rom laut Vatican News: „Es gibt eine allgemeine Einschätzung, dass es so nicht weitergehen kann und dass andere Wege gefunden werden müssen."

Der Chefdiplomat des Papstes betonte, dass der Heilige Stuhl von Anfang an rückhaltlos verurteilt habe, was am 7. Oktober geschehen sei. Dazu gehöre auch die Verurteilung jeglicher Form des Antisemitismus. Zugleich fordere er, dass das Recht Israels auf Selbstverteidigung, das für den Einsatz im Gazastreifen geltend gemacht worden sei, verhältnismäßig sein müsse.

„Mit 30.000 Toten ist es das sicher nicht", so Parolin. Weiter sagte er: „Ich glaube, wir alle sind entsetzt über das, was gerade geschieht, über dieses Blutbad, aber wir müssen den Mut haben, nicht aufzugeben und die Hoffnung nicht zu verlieren."

Israels Botschaft am Heiligen Stuhl hat noch am selben Tag die  Aussagen des päpstlichen Chefdiplomaten, Kardinal Pietro Parolin, zum Gaza-Krieg zurückgewiesen. „Die Beurteilung der Legitimität eines Krieges ohne Berücksichtigung ALLER relevanten Umstände und Daten führt unweigerlich zu falschen Schlussfolgerungen", teilte die Botschaft in einer Erklärung in italienischer Sprache mit. 

Bad Ischler Pfarrer: Kulturhauptstadt-Jahr für Evangelisierung nutzen

Der Stadtpfarrer von Bad Ischl, Christian Oehler, sieht Verkündigungspotential in den Begegnungen der kürzlich eröffneten Kulturhauptstadt. Dass die katholische Kirche im Programm der Europäischen Kulturhauptstadtregion präsent ist, war dem Pfarrer seit dem Beginn der Planungen ein Anliegen. „Für mich ist eigentlich selbstverständlich, dass die Kirche, die jahrhundertelang der Kulturträger war, auch eine Brücke schlagen muss zur zeitgenössischen Kultur, weil gerade zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler aus einer großen Wahrhaftigkeit heraus arbeiten", so der Pfarrer im Gespräch mit „Vatican News" am Dienstag.

Beispielhaft verwies er auf ein „Leuchtturmprojekt" der Europäischen Kulturhauptstadt, die Audioskulptur des Mühlviertler Künstlers Christoph Viscorsum, die von dessen Badezimmer ausgehend über einen Kirchenraum hinauf ins Tote Gebirge führt und verschiedenste Menschen befragt - etwa einen Almbauern, Kirchbesucherinnen, aber auch eine Bergsteigerin oder den Benediktinerbruder und Buchautor Bruder David Steindl-Rast. Wer dieser Tonspur folge, auf den Berg hinauf oder unten im Tal, komme „in eine ganz eigene Beziehung wieder zur Schöpfung, zur Natur", so Oehler.

Alles in allem bescheinigt Pfarrer Oehler dem Projekt Europäische Kulturhauptstadt ein gewisses Evangelisierungpotenzial, „das sich aus den menschlichen Begegnungen ergibt". So habe ihm die Intendantin Elisabeth Schweeger, die sich von der Kirche entfernt habe, anvertraut, dass religiöse Fragen sie nun wieder beschäftigten und sie deshalb Formate schaffen möchte, wo das zur Sprache kommt. „Da sage ich, da ist Evangelisierung in diesem Sinn als Dialog gelungen", so Oehler.

Auch Spannungen blieben nicht aus. So erntete Pfarrer Oehler Kritik, weil er die Eröffnungsfeier zur Europäischen Kulturhauptstadt live auf eine Leinwand in seiner Kirche übertragen ließ und bei einer dabei gezeigten Kunst-Performance nackte Menschen zu sehen waren. Oehler erinnerte in diesem Zusammenhang an die Propheten der christlichen Tradition. „Das waren immer auch Menschen, die provoziert haben, das heißt, die etwas hervorgerufen haben, eben provoziert haben, das im Untergrund gebrodelt hat und das sie sichtbar gemacht haben", so der Geistliche.

Foto: Christian Oehler und Ines Schiller, Stadtpfarrer und Bürgermeisterin von Bad Ischl, auf der Piazza Navona in Rom , Vatican Media

 

Körtner: Selbstbild der evangelischen Kirche zeigt deutlich Risse

Für den Theologen Ulrich Körtner zeigt das Selbstbild der evangelischen Kirche nach Veröffentlichung der Missbrauchsstudie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Ende Jänner „deutlich Risse". Das lange gepflegte Narrativ, „die bessere, progressivere Kirche zu sein", könne nicht mehr uneingeschränkt aufrechterhalten werden, urteilte der an der Universität Wien lehrende Professor für Reformierte Theologie in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung „Furche" (aktuelle Aufgabe).

Wer bis dahin geglaubt habe, sexualisierte Gewalt sei in erster Linie ein Problem der katholischen Kirche, während man in der evangelischen Kirche nur von bedauerlichen Einzelfällen sprechen müsse, „erlebt nun ein böses Erwachen", so Körtner. „Auch in der evangelischen Kirche und ihrer Diakonie ist sexueller Missbrauch ein notorisches Übel, dessen Aufarbeitung bisher nur zögerlich, halbherzig und mangelhaft erfolgt ist." 

Ökumenischer Kreuzweg der verfolgten Christen

Wie seit vielen Jahren hat die Katholische Männerbewegung Wien auch dieses Jahr wieder in Zusammenarbeit mit „Christen in Not“ den „Kreuzweg für unsere verfolgten Schwestern und Brüder“ herausgegeben.
Christen in Not ist als ökumenische Hilfsorganisation der Ökumene verpflichtet. Daher ist der Kreuzweg auch mit einem Schlusslied ergänzt, das in den evangelischen, römisch-katholischen und altkatholischen Liederbüchern enthalten ist. Die Texte der Stationen sind soweit möglich mit den biblischen Zitaten unterlegt und die Sprache modern gehalten.
Bei jeder einzelnen Station der traditionellen 14 Stationen wird jeweils der konkreten Situation verfolgter Christen gedacht. Damit wird der Leidensweg Jesu als Leidensweg verfolgter Christen HEUTE sichtbar. So zeigt etwa die Station „Jesus stirbt am Kreuz“ eine verzweifelte Frau in einer zerstörten Kirche in Berg-Karabach mit gefalteten Händen. Christen durchleben heute ihren eigenen Kreuzweg in der Nachfolge Jesu.
Die sehr kurz gefassten Texte (je Station eine Seite, Großdruck) laden zum Beten des Kreuzwegs in der Fastenzeit ein. Mit der Verbindung zur heutigen Christenverfolgung werden auch Jugendliche und eher Fernstehende aktuell und emotional angesprochen.
Der ökumenische Kreuzweg der verfolgten Christen ist kostenfrei erhältlich. Die gedruckten Begleithefte sind in jeder benötigten Anzahl bei der KMB-Wien sowie bei Christen in Not bestellbar, ebenso DinA3 Ankündigungsplakate (info@christeninnot,com, Tel.: 01/712 15 07).  Als PDF-Version stehen Begleithefte und Plakat zum freien Download bereit: www.kreuzweg.org, www.kmbwien.at.
Bild: Station 12 Berg-Karabch_©CiN

Kurznachrichten 

 


Papst Franziskus hat die katholische Kirche mit einer steten Baustelle verglichen. Dies bedeute, sie sei ständig in Bewegung, offen für die Neuheit des Geistes und überwinde die Versuchung, sich selbst und ihre eigenen Interessen zu bewahren, so Franziskus in einer Ansprache an Priesteramtskandidaten am Freitag im Vatikan. 

 

Papst Franziskus hat den italienischen Polizistinnen und Polizisten gedankt, die auf dem Petersplatz und in dessen Umgebung für Sicherheit sorgen. 

 

Vatikan. Die Sorge darüber, „dass die Familie in internationalen Gremien zunehmend heruntergespielt oder sogar verunglimpft wird", hat der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei der UNO, Erzbischof Gabriele Caccia, geäußert. Die Familie sei für die persönliche wie auch gesellschaftliche Entwicklung nicht nebensächlich, peripher oder gar schädlich, sondern „von zentraler Bedeutung", sagte der Diplomat des Heiligen Stuhls laut einem Bericht von „Vatican News" bei einer Sitzung der UNO-Kommission für soziale Entwicklung in New York. 

 

Indien. Radikale Hindus haben den christlichen Schulen im indischen Bundesstaat Assam ein Ultimatum zur Entfernung aller christlichen Symbole gestellt. Das schließe das Tragen von Soutanen und Kutten der an den Schulen arbeitenden Priester und Ordensleute ein. 

 

Philippinen. Bei dem Einsturz einer Kirchenempore ist eine Frau ums Leben gekommen, Dutzende Menschen wurden verletzt. Das Unglück geschah laut Medienberichten während der Aschermittwochsmesse am Morgen in der Apostel-Peter-Kirche in der Stadt San Jose del Monte, als die Gläubigen in einer Schlange standen, um das Aschenkreuz zu empfangen. 

 

Panama. Nachdem er kürzlich zwei Tage lang verschwunden war, ist Kardinal Jose Luis Lacunza (79)  jetzt von seinem Amt als Bischof von David in Panama zurückgetreten. 

 

Frankreich. Der Weihbischof von Straßburg, Gilles Reithinger (51), ist zurückgetreten. Er sah sich mit Vertuschungsvorwürfen konfrontiert. Vor neun Monaten ist der Straßburger Erzbischof Luc Ravel nach monatelangen Auseinandersetzungen um seine Amtsführung zurückgetreten. 

 

Spanien. Seit Wochen herrscht in Teilen Mallorcas Wassermangel, weil es nicht ausreichend regnet. Da kam der Brauch der Anrufung von Scholastika am 11. Februar genau recht: In der Wallfahrtskirche Santuari de la Consolacio in Santanyi im Südosten der Insel wurde die Heilige um die „Gabe des Regens" gebeten. Schließlich soll die dort verehrte Statue der Schwester des heiligen Benedikt von Nursia die „Schlüssel zu den Quellen des Himmels" besitzen. 

 

Österreich

Wien. Das Bundeskanzleramt hat erstmals einen Bericht zum Menschenrecht auf Religionsfreiheit veröffentlicht. 

 

Wien. Die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) unterstützt die für 25. Februar in ganz Österreich geplanten Kundgebungen und Lichteraktionen gegen Extremismus und Demokratiefeindlichkeit. 

 

Wien. Die Caritas hat auf die Pläne der ÖVP, das Arbeitslosengeld auf unter 50 Prozent zu kürzen, mit scharfer Kritik reagiert. 

 

Vorarlberg. Der „Blessing Song Contest" in der Diözese Feldkirch findet eine Fortsetzung: Initiatorin und Musikerin Nina Fleisch von der Jungen Kirche Vorarlberg sucht in Kooperation mit der Initiative „Denk Dich Neu" auch heuer nach musikalischen Nachwuchstalenten im Land. Bis zum 18. März sind junge Musikerinnen und Musiker eingeladen, einen selbst komponierten Song rund um das Thema "Hoffnung" einzureichen. 

 

Kärnten. Der Altabt von Stift St. Paul im Lavanttal, Prälat Bruno Rader, ist am 12. Februar im 85. Lebensjahr verstorben. Er stand dem Benediktinerkloster 14 Jahre lang - von 1979 bis 1993 - als Abt vor. 

 

Wien. Der Journalist und Publizist Peter Musyl ist am 12. Februar am Friedhof Stammersdorf in Wien beigesetzt worden. Dem Begräbnisgottesdienst zuvor in der Kirche St. Nikolaus in Stammersdorf standen Pfarrer Helmut Schüller, P. Udo Fischer und Pfarrer Rudolf Schermann vor. 

 

Burgenland. Der Baustart für Österreichs erstes griechisch-orthodoxes Kloster in St. Andrä/Zicksee verzögert sich seit Jahren. Bis heute leben die Mönche in einem Provisorium. Und das wird bis auf Weiteres auch so bleiben, wie der „Kurier" berichtete. 

Kunst zur Fastenzeit zum Thema Beten

Kunstprojekte zum Jahresschwerpunkt „Beten - in der Schule der Hoffnung" sind seit  Aschermittwoch in den Innsbrucker Hauptkirchen zu sehen. Die Diözese Innsbruck und Bischof Hermann Glettler, der als studierter Kunsthistoriker in der Bischofskonferenz Referent für Kunstbelange ist, greifen damit den Impuls von Papst Franziskus auf, der das Jahr 2024 zum „Jahr des Gebetes" erklärte. 
Im Innsbrucker Jakobsdom präsentierte Glettler einen überdimensionalen Kopf aus Bronze; das Werk „geköpft" des Südtiroler Künstlers Lois Anvidalfarei entstand in Auseinandersetzung mit dem Schicksal des von den Nazis hingerichteten Pallottinerpaters Franz Reinisch. Der „Märtyrer des Gewissens" wurde aufgrund seiner Weigerung, den Fahneneid auf Hitler abzulegen, am 22. August 1942 in Brandenburg an der Havel enthauptet; seine Seligsprechung steht unmittelbar bevor. 
Foto: Diözese Innsbruck/Hölbling

Auch das noch...

Hochrangiger Militär für Infrastruktur im Vatikan zuständig 

Der frühere Generalstabschef des italienischen Heeres, Salvatore Farina, kümmert sich künftig um die Infrastruktur im Vatikan. Papst Franziskus hat den 66-Jährigen zum Leiter des entsprechenden Direktorats im Staat der Vatikanstadt ernannt, wie das vatikanische Presseamt mitteilte. In dieser Funktion unterstehen Farina unter anderem Abteilungen für Gebäude-, Anlagen- und Gartenbau. 
Der Vier-Sterne-General war von März 2016 bis Februar 2018 Oberbefehlshaber des europäischen Nato-Kommandos Brunssum in den Niederlanden. Nachdem er anschließend drei Jahre lang als Generalstabschef des italienischen Heeres tätig war, trat er 2021 in den Ruhestand. 
Der Vatikan ist der kleinste Staat der Welt. Auf knapp 0,5 Quadratkilometern befinden sich zahlreiche Dienst- und Wohngebäude, die Vatikanischen Gärten umfassen etwa die Hälfte der Fläche. 
 

Publizist Lendvai an junge Menschen: „Nie Schlafwandler sein" 

Paul Lendvai (94), Publizist und Holocaust-Überlebender, appelliert an junge Menschen, sich für das Gute einzusetzen. „Man darf nie Schlafwandler sein und die heutigen Freiheiten romantisch als gegeben betrachten", sagte Lendvai im Interview der Zeitung „Die Welt". Vielmehr müsse man sich stets bewusst sein, „dass alles von einem Moment zum anderen verschwinden kann". 
Daher gelte es, zu schätzen, was man habe, betonte der Autor. Und: „Niemals aufgeben, das muss das Motto sein." Er zeigte sich besorgt angesichts von Antisemitismus, der sich intensiviert habe, auch wenn er nie wirklich weg gewesen sei. „Wir haben es insgesamt mit Judenhass aus drei Richtungen zu tun: von klassisch rechtsextremer Seite, von muslimisch-migrantischer Seite und schließlich auch von linker Seite, weil man Israels Erfolgsgeschichte mit Kolonialismus gleichsetzt." 
Momentan zeige sich, „wie kurz das historische Gedächtnis reicht", mahnte Lendvai. Für ihn sei Deutschland lange beispielhaft dafür gewesen, „wie man die Vergangenheit aufarbeitet und aus der Geschichte gelernt hat". Nun stellten indes die sozialen Medien die Demokratie vor die Herausforderung, Freiheitsrechte zu schützen und zugleich zu verhindern, „dass die junge Generation von TikTok oder Twitter, jetzt X, vergiftet wird". Entgegenwirken lasse sich dem nur, „indem man unbeirrt aufklärt. Indem man sich nicht verstricken lässt, weder durch politischen Druck noch durch Bestechung." 

Mexikanische Bischöfe wollen mit Vertretern der organisierten Kriminalität verhandeln 

Mexikanische Bischöfe wollen laut Medienberichten mit Vertretern der organisierten Kriminalität über einen Waffenstillstand verhandeln. Vier Bischöfe aus der Region im Süden des Landes hätten den Anführern der in der Unruheprovinz Guerrero aktiven kriminellen Banden einen Waffenstillstand vorgeschlagen, um die Gewalt zu beenden, berichtete die Zeitung „El Universal" am Mittwoch (Ortszeit). 
Einer der beteiligten Bischöfe, Bischof Jose de Jesus Gonzalez Hernandez aus der Diözese Chilpancingo-Chilapa, sagte demnach der Zeitung, die Bandenführer hätten sich geweigert, dem Vorschlag zuzustimmen, weil sie nicht bereit seien, einen Teil der von ihnen kontrollierten Gebiete abzutreten. „Sie sind gierig nach Geld, gierig nach Macht, und damit können wir nichts erreichen", sagte der Bischof. Trotz der Absage wollen die Kirchenvertreter aber mit den Bandenchefs im Dialog bleiben. 
Bis Ende des vergangenen Jahres gab es in Mexiko nach Schätzungen 135.000 Gewaltopfer, täglich werden im Schnitt 90 Menschen getötet. Damit ist die Präsidentschaft des linksgerichteten Staatschefs Andres Manuel Lopez Obrador die bislang blutigste und gewalttätigste in der jüngeren Geschichte des Landes. 
 

Viel Herzliches und wenig Konkretes bei Mileis Besuch in Rom 

So viel Herzlichkeit gab es selten bei politischen Gesprächen auf höchster Ebene im Vatikan. Schon am Sonntag kam es im Petersdom zu einer unerwartet herzlichen Umarmung. Der wirtschaftsliberal denkende Staatspräsidenten fiel dem sozial eingestellten Papst aus seinem Heimatland förmlich um den Hals. Der 34 Jahre ältere Papst persönlich hatte zuvor mit einer witzigen Bemerkung über die oft belächelte Frisur seines Gastes das Eis gebrochen, wie Umstehende später berichteten. 
„Hast du dir die Haare geschnitten?", so die Eröffnungsfrage bei der spontanen Begegnung im Petersdom. Der Präsident bedankte sich artig für die Aufmerksamkeit und entgegnete: "Darf ich Sie umarmen?" Der Papst ließ es zu und erwiderte die stürmische Begrüßung mit einem herzlichen Lächeln. 
Auch die offizielle Begegnung der beiden aus Buenos Aires stammenden Staatsoberhäupter am Montag verlief sehr herzlich, wenn man den vom Vatikan verbreiteten Fotos glauben darf. 
Die Dauer der Begegnung wurde mit rekordverdächtigen 70 Minuten angegeben. Über Konkretes wurde jedoch nichts bekannt. 

Papst würdigt albanischen Kardinal Simoni als Märtyrer

Papst Franziskus hat den albanischen Kardinal Ernest Simoni (95) für sein Festhalten am katholischen Glauben unter schwersten Bedingungen gewürdigt. Simoni sei ein lebender Märtyrer, sagte der Papst am Mittwoch bei der Generalaudienz im Vatikan; der Kardinal saß als Gast nur wenige Meter von ihm entfernt. „Lieber Bruder, ich danke dir für dein Zeugnis. Danke", betonte Franziskus an Simoni gewandt und erinnerte an die vielen Menschen, die weltweit wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Nach der Generalaudienz tauschten sich die beiden mehrere Minuten lang aus.
Während der kommunistischen Diktatur in Albanien (1946 - 1990) hatte Simoni als Priester der Erzdiözese Shkodra 18 Jahre in Haft verbracht. Nach seiner Freilassung 1981 wirkte er im Geheimen weiter als Geistlicher. Nach dem Ende des kommunistischen Regimes schlichtete er vielfach bei Familienfehden, die in Albanien häufig blutig enden. Im November 2016 ernannte Franziskus den damals 88-Jährigen zum Kardinal. Er gehört zu den wenigen Geistlichen ohne Bischofsweihe im Kardinalskollegium.
Foto: Vatican Media