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die neue Kirchenzeitung

 19 . Mai 2024 

Lesungen:  Apg 2,1-11; 1 Kor 12,3b-7.12-13 ;  Evangelium: Joh 20.19-23.

Zeit-Verschwendung

Die Zeit-Beilage „Christ & Welt“ vom 8. Mai hat mich schockiert.

Nur etwa 2 Prozent der Evangelischen in Deutschland kommen angeblich derzeit noch zu einem  Sonntagsgottesdienst.  Davon ausgehend stellt sich für Hanna Jacobs, evangelische Pfarrerin in Hildesheim, „die Frage, ob man damit – um der wenigen und Älteren willen – kleinlaut weitermachen sollte, bis keiner mehr kommt, oder ob es nicht würdevoller wäre, einen beherzten Schlussstrich zu ziehen und damit Zeit und Energie freizusetzen, die Kirchen so dringend brauchen. Ich bin entschieden für Letzteres“.

Dass die beiden Großkirchen stoisch am Gottesdienst als ihrem Aushängeschild schlechthin festhalten, ist für Jacobs Realitätsverweigerung.

Die Erneuerung der Kirche werde nicht über den Sonntagsgottesdienst geschehen: „Deswegen muss er aufgegeben werden – nicht um damit gleich auch die Kirche dichtzumachen, sondern um aus der Bedeutungslosigkeit wieder herauszufinden.“

Und: „Der sonntägliche Gottesdienst bindet Personal und Geld, das man auch anderswo investieren könnte.“

„Was kann es stattdessen noch geben? Die biblische Weinprobe in der Kirche und der Jazz-Gottesdienst ergänzen sich beispielweise. Der feministisch-theologische Lesekreis wird andere Menschen erbauen als der Worship-Abend.“

Die Christen haben das Jesus-Wort beim letzten Abendmahl  „Tut das zu meinem Gedächtnis“  Jahrhunderte hindurch ernst genommen und die Eucharistie als Zentrum ihres Lebens verstanden.

Eine Kirche, für die Sonntagsgottesdienste  Zeit- und Energie-Verschwendung sind, braucht niemand mehr. P. Udo

Jerusalemer Kardinal Pizzaballa in Gaza

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, ist am Donnerstag zu einem Pastoralbesuch in Gaza-Stadt eingetroffen. Der Besuch sei zugleich der erste Schritt einer humanitären Mission des Patriarchates in Zusammenarbeit mit dem Malteserorden, dem Hilfswerk Malteser International und weiteren Partnern, teilte das Patriarchat in Jerusalem am Donnerstag mit.

Ziel der Mission ist demnach, Nahrung und medizinische Hilfsgüter für die Bevölkerung in Gaza bereitzustellen. Gleichzeitig wolle der Besuch „eine Botschaft der Hoffnung, Solidarität und Unterstützung" überbringen. Den Angaben zufolge feierte Pizzaballa mit der katholischen Gemeinde in Gaza-Stadt einen Gottesdienst und besuchte auch die griechisch-orthodoxe Gemeinde.

Begleitet wurde der Patriarch unter anderen vom katholischen Pfarrer der Gemeinde in Gaza, Gabriel Romanelli. Der argentinische Ordensmann hatte sich bei Kriegsbeginn am 7. Oktober außerhalb des Gazastreifens aufgehalten und seither wiederholt vergeblich versucht, seine Gemeinde zu erreichen. Er werde seine Arbeit als Pfarrer vor Ort nun wieder aufnehmen, so das Patriarchat auf Nachfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Jerusalem.

 

Armenien: Katholikos kritisiert „barbarische Akte" Aserbaidschans

Der armenische Katholikos Karekin II. fordert Friedensverhandlungen zwischen Armenien und Aserbaidschan, die diesen Namen auch verdienen, sowie den Schutz der armenischen christlichen Kulturgüter in Berg-Karabach (Artsach). Das Oberhaupt der Armenisch-apostolischen Kirche äußerte diese Forderungen dieser Tage gegenüber dem Innsbrucker Bischof Hermann Glettler, den er am Sitz der Kirche in Edschmiadzin bei Jerewan empfangen hat. Der österreichischen Delegation gehörten auch Journalisten an. 

Im Interview mit „Kathpress" und weiteren Medien übte der Katholikos Kritik an den "barbarischen Akten" Aserbaidschans, das die Geschichte und Existenz des armenischen Volkes und Christentums in Berg-Karabach komplett auslöschen wolle. Immer öfter würden Kirchen zerstört oder Friedhöfe dem Erdboden gleichgemacht.

Aktuell ist in Berg-Karabach das Schicksal von mehr als 4.000 ungeschützten Kulturdenkmälern ungewiss, darunter etwa 300 Kirchen und Klöster, aber etwa auch viele Friedhöfe.

Am 19. September 2023 hatte Aserbaidschan Berg-Karabach mit überlegenen militärischen Mitteln angegriffen. Schon nach einem Tag war der Krieg entschieden. Dem Angriff vorausgegangen war eine rund neun Monate dauernde Totalblockade Berg-Karabachs durch Aserbaidschan. Mehr als 100.000 Armenier mussten noch im September 2023 über Nacht ihre Heimat verlassen. Mit Ende 2023 hat Artsach auch offiziell aufgehört zu existieren. Schon nach dem Karabach-Krieg von 2020 waren zudem bis zu 30.000 Karabach-Armenier dauerhaft nach Armenien geflüchtet, sodass das kleine Land insgesamt mehr als 130.000 Vertriebe aufgenommen und versorgt hat bzw. immer noch versorgt und zu integrieren versucht.

Papst trifft Delegation des Progressiven Judentums

 Papst Franziskus hat am Mittwoch eine Delegation des internationalen jüdischen Dachverbands World Union for Progressive Judaism (WUPJ) empfangen. Zu der weltweiten Vereinigung gehören vor allem Vertreter des liberalen und des Reformjudentums. In ihr sind etwa 1,8 Millionen Mitglieder aus mehr als 50 Ländern organisiert.
Offizielle Besuche jüdischer Delegationen im Vatikan sind derzeit selten. Vertreter des Judentums und israelische Diplomaten haben in den vergangenen Monaten wiederholt beklagt, dass der Vatikan im Gazakrieg keine eindeutige Haltung einnehme und die Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 zu zögerlich verurteilt habe.
Präsident der WUPJ ist der 1962 in Buenos Aires geborene argentinische Rabbiner Sergio Bergman. Der studierte Biochemiker war von 2015 bis 2018 Umweltminister Argentiniens. Bergmann kennt den argentinischen Papst aus gemeinsamen Zeiten in Buenos Aires. Zu ihm und zum jüdisch-orthodoxen Rabbiner Abraham Skorka pflegte der damalige Erzbischof Jorge Mario Bergoglio gute Beziehungen.
Auf X kursierten am Donnerstag Fotos des WUPJ von einer herzlichen Umarmung Bergmans mit dem Papst im Vatikan in Gegenwart von Kurienkardinal Kurt Koch. Bei der Begegnung sei es auch um Bemühungen um die Freilassung der israelischen Geiseln der Hamas gegangen, so der dazu verbreitete Text.
Diplomatischer Eklat
Zuletzt hatten Äußerungen der jemenitischen Nobelpreisträgerin Tawakkol Karman im Vatikan für einen diplomatischen Eklat gesorgt. Sie hatte Israel vorgeworfen, „einen Genozid und eine ethnische Säuberung gegen das palästinensische Volk in Gaza" zu betreiben. Dabei verglich sie Israels Vorgehen ausdrücklich mit den russischen Angriffen in der Ukraine.
Israels Botschaft beim Heiligen Stuhl verbreitete daraufhin eine Presseerklärung; man sei entsetzt, dass "der Ort von einer flagranten antisemitischen Rede beschmutzt wurde", und "verbittert, dass eine solche Rede gehalten wurde, ohne dass irgendjemand die moralische Pflicht verspürte einzuschreiten, um diese Schande zu stoppen".
Foto: Vatican Media.
 

Zwei unrühmliche Jubiläen der katholischen Kirche

Die österreichischen Kirchenreformbewegungen „Wir sind Kirche“ „Pfarrer-Initiative“, „Priester ohne Amt“ und  „Laieninitiative“ haben in einer Aussendung an „zwei unrühmliche Jubiläen der katholischen Kirche“ erinnert.
Sie schreiben: Am 22. Mai 1994 versuchte Papst Johannes Paul II. mit dem Apostolischen Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ (dt.: „Die priesterliche Weihe“) die Diskussion um die Weihe von Frauen zu katholischen Priesterinnen kraft eines päpstlichen Machtwortes zu beenden. Seit der darin geäußerten Behauptung, „dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden“ und der hochproblematischen Ergänzung, „dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“ befindet sich das katholische Lehramt in der Geiselhaft eines Papstes, der zu seiner Zeit meinte, den Weg der Kirche für alle Zukunft im Voraus bestimmen zu können.
Die vergangenen drei Jahrzehnte legen freilich ein beeindruckendes Zeugnis von der Erfolglosigkeit dieser päpstlichen Machtdemonstration ab: Die Forderungen nach der Gleichberechtigung der Frauen in der katholischen Kirche wurden im Lauf der Jahre auf dem ganzen Erdkreis immer lauter und werden mittlerweile sogar im Vatikan intensiv diskutiert.
Dass sich viele Menschen aus dem Kirchenvolk von kirchlichen Denkverboten in ihrem Glaubensleben nicht mehr behindern lassen, zeigt das zweite denkwürdige Jubiläum dieser Tage: Zum 10. Mal jährt sich nun die Exkommunikation von Martha und Gert Heizer, die ohne Beisein eines geweihten Priesters in einem privaten Freundeskreis Eucharistie („heilige Messe“) gefeiert hatten und auf Anfrage des ORF damit in die Öffentlichkeit gegangen waren. Als Resultat eines daraufhin eingeleiteten langwierigen kirchenrechtlichen Verfahrens überbrachte ihnen am 21. Mai 2014 der damalige Bischof von Innsbruck, Manfred Scheuer, die Nachricht ihrer Exkommunikation, wodurch Martha und Gert Heizer kirchenrechtlich betrachtet zwar weiterhin als Mitglieder der katholischen Kirche gelten und ihren Kirchenbeitrag zahlen, aber von der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen sein sollen (was immer das bedeuten mag).

Synode: Österreich-Bericht priorisiert Frauen, Mission, Partizipation

Die Stellung der Frau in der Kirche, die missionarische Ausrichtung der Kirche und mehr innerkirchliche Partizipation - diese drei Themenbereiche sind für die Kirche in Österreich prioritär im Blick auf die nächste Welt-Synodenversammlung im Oktober in Rom. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Österreich-Bericht hervor, der am selben Tag an das vatikanische Synodensekretariat fristgerecht übermittelt wurde. Erstellt wurde der Bericht vom von der Bischofskonferenz eingesetzten nationalen Synodenteam unter dem Vorsitz von Erzbischof Franz Lackner, der als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz auch an der Weltsynode teilnimmt.
Grundlage für den Österreich-Bericht sind die Rückmeldungen der Diözesen auf den Synthese-Bericht der Weltsynode (SB) im vergangenen Herbst. Weitere Rückmeldungen kamen von den fachlich zuständigen Bischöfen innerhalb der Bischofskonferenz, die gemeinsam mit den jeweiligen Fachleuten und kirchlichen Organisationen den Synthese-Bericht inhaltlich vertieften.
Das jetzt vorliegende Papier benennt auf acht Seiten insgesamt 14 Themenfelder. Die Reihung und Priorisierung ergibt sich aus der „Häufigkeit" der Rückmeldungen und der „Repräsentativität" der bearbeitenden Gruppe für die vertretenen Personengruppen, "wobei in der Gewichtung den diözesanen Beiträgen Vorrang gegeben wurde", wie es dazu einleitend heißt.
Starkes Votum für Frauendiakonat
Höchste Priorität hat im Österreich-Bericht der Themenbereich „Frauen im Leben und in der Sendung der Kirche", wo es heißt: "Herausragende Bedeutung für ein glaubwürdiges Kirche-Sein in der Mission kommt in den Rückmeldungen der 'Frauenfrage' zu." Zwar gebe es in der österreichischen Kirche gute Erfahrungen mit Frauen in kirchlichen Leitungspositionen, was aber nur als Teilantwort erscheine. Beklagt werde weiterhin ein „enormer Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche und im Zusammenhang damit auch eine massive Gefährdung ihrer Sendung, solange diese Frage nicht (umfassend) zufriedenstellend gelöst ist".
Wie eine Lösung aussehen könnte, macht der Österreich-Bericht wie folgt deutlich: „Während das Frauenpriestertum vereinzelt angesprochen wird, gibt es ein starkes Votum, getragen von Mehrheiten in den Diözesen (inklusive Diözesanleitungen, Linzer Diakone), für die Zulassung von Frauen zum Diakonat." Die dafür angeführten Argumente beziehen sich sowohl auf die Bibel als auch auf Lehraussagen beim Zweiten Vatikanischen Konzil.
Mission und Partizipation
Die zweithöchste Wichtigkeit wird im Österreich-Bericht dem Thema "Kirche ist Mission" beigemessen. Grund dafür dürfte nicht zuletzt folgende lapidare Feststellung sein: "Generell zeigt sich, dass die Kirche in Österreich Mission neu lernt und lernen muss." Schlüsselbegriffe für eine missionarische Haltung seien Dialog, Praxis und Inkulturation.
Priester, Zölibat, Krankensalbung
„Die Anforderungen an Priester heute verlangen nach neuen Formen der Ausübung des priesterlichen Dienstes. Empfohlen wird, die Weihezulassungen zu weiten sowie regionale Lösungen mit Probephasen anzudenken", ist im Österreich-Bericht als Generalperspektive zu lesen. Ob das auch eine Freistellung von der Zölibatsverpflichtung für Weltpriester beinhaltet, wird nicht gesagt.
Deutlich wird der Österreich-Bericht bei der Krankensalbung, die bisher nur Priester spenden können, wo es wörtlich heißt: „Das Sakrament der Krankensalbung sollte allen Krankenseelsorger/innen offenstehen", wird festgehalten.
Ökumene, Caritas, digitale Welt, Theologie
Konkrete Anregungen aus Österreich kommen zur Ökumene, wo hierzulande die vielfältige Zusammenarbeit und herzliche Verbundenheit zwischen den christlichen Konfessionen hervorgehoben wird. So wünsche man sich von der Synode ein gemeinsames Osterdatum orientiert am Julianischen Kalender sowie die Anerkennung und allgemeine liturgische Verwendung des Großen Glaubensbekenntnisses, jedoch ohne „filioque". Weiters wird vorgeschlagen, für konfessionsverbindende Ehepaare eucharistische Gastfreundschaft zu ermöglichen.
Eigens thematisiert werden vielfältigen Formen materieller, aber auch geistiger und spiritueller Armut nicht zuletzt in Österreich. Das Wirken der Caritas und der Kampf gegen Armut gehe aber über das karitative Handeln hinaus „und umfasst auch den Einsatz für (internationale) soziale und ökologische Gerechtigkeit". Die Verantwortung für Armutsbekämpfung dürfe nicht bloß an die Caritas delegiert werden, denn: „Das Bewusstsein für die Mitverantwortung für eine globale sozio-ökologische Transformation wie auch eine Sicht auf Arme als Protagonisten auf dem Weg der Kirche muss bei vielen Gläubigen erst noch geweckt werden."
Der Österreich-Bericht merkt an, dass ein eigenes Kapitel über junge Menschen im Synoden-Bericht fehlt. Positiv sei aber die Thematisierung der Digitalisierung im Zusammenhang mit jungen Menschen, die sich wesentlich im digitalen Raum aufhalten. Kirche benötige daher in der digitalen Welt mehr Präsenz.
Rolle von Frauen auch Thema im Tschechien-Bericht zur Welt-Synode
Die katholische Kirche in Tschechien hat ihren Länderbericht mit den Rückmeldungen zum Synthese-Bericht der ersten Versammlung der Weltsynode in Rom vom Oktober 2023 veröffentlicht. Neben dem zusammenfassenden Bericht des nationalen Synodenteams zu den Reaktionen aus den Diözesen enthält das 8-Seiten-Schreiben auch eine eigene Stellungnahme der Bischofskonferenz-Mitglieder. Das Dokument, das wie alle anderen Länderberichte an das Synodensekretariat in Rom geschickt wurde, zeichnet ein ungeschminktes Bild des aktuellen Zustands der Kirche in der Tschechischen Republik und widerlegt die pauschale Abqualifizierung der Kirchen jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs als vorkonziliar und rückständig. Deutlich werden aber auch die oft unterschiedlichen Sichtweisen von Basis und Bischöfen.
Sichtbar werden die Divergenzen etwa beim Thema „Frauen im Leben der Kirche". In vielen Bereichen werde der „spezifische Dienst der Frauen im Leben der Pfarren gewürdigt", es zeigten sich aber „fortdauernde Stereotypen in der Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen, aus denen die eingeschränkte Einbeziehung der Frauen in Diensten resultiert, die ihnen laut kanonischem Recht zustehen", wird festgehalten. Dies betreffe vor allem den Dienst von Ministrantinnen und Akolythen; manche Pfarren beklagten die „weiterhin bestehende Unmöglichkeit des Dienstes von Lektorinnen". 
Ein Hindernis für die aktivere Einbeziehung der Frauen könne freilich deren „gekrümmtes Selbstbildnis bezüglich ihrer Rolle und ein geringes Selbstvertrauen" darstellen, heißt es wörtlich weiter. In manchen Diözesen hätten sich „stark auch Stimmen gemeldet, die nach der Ermöglichung des Diakonats, etwa nach Krankenhauskapläninnen rufen", und „einige Gruppen" forderten auch eine Priesterweihe für Frauen.
Foto: Sebastian Bachmann: Polarlicht am 10. Mai - das Himmels-W. 

Bayerns Ministerpräsident gegen völlige Trennung von Staat und Kirche

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat eine positive Bilanz seiner Privataudienz bei Papst Franziskus gezogen. Nach der etwa halbstündigen Begegnung am Samstagmorgen im Vatikan zeigte sich Söder vor Journalisten tief bewegt über die Begegnung, die er als außerordentlich herzlich schilderte. Inhaltlich sei es unter anderem auch um das Thema Staatsleistungen für die Kirchen in Deutschland gegangen. Er habe deutlich gemacht, dass Bayern grundlegend gegen eine völlige Trennung von Staat und Kirche sei. Das Thema einer Ablösung der Staatsleistungen in Deutschland sei „vom Tisch", das sei auch unter den Bundesländern „so intoniert."
Söder war am Samstagmorgen zum zweiten Mal nach 2018 in Privataudienz empfangen worden. Zudem besuchte er das Grab des Ende 2022 verstorbenen bayerischen Papstes Benedikt XVI. unter dem Petersdom. Am Tag zuvor war er mit der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni zu politischen Gesprächen zusammengetroffen.
Die Staatsleistungen für die meisten katholischen Diözesen und die evangelischen Landeskirchen sind eine Art Entschädigung dafür, dass bei der sogenannten Säkularisation 1803 im Zuge der Neuordnung Deutschlands viel Kirchenbesitz verstaatlicht wurde. Für die beiden großen Kirchen machen sie derzeit jährlich mehr als 600 Millionen Euro aus; davon gehen rund 60 Prozent an die evangelischen Landeskirchen. 
 Foto: Vatican Media

Angestellte der Vatikanmuseen drohen mit Klage

Premiere im Vatikan: Erstmals droht eine Gruppe von Vatikanangestellten mit einer arbeitsrechtlichen Sammelklage. Wie die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" am Sonntag berichtete, haben 49 Angestellte der Vatikanische Museen eine Anwältin eingeschaltet, um ihre Rechte gegenüber der Regierung des Vatikanstaats durchzusetzen.
In den Vatikanmuseen arbeiten rund 700 Menschen, viele von ihnen als Museumswächter. Fast alle sind italienische Staatsbürger. Mit täglichen Besucherzahlen zwischen 20.000 und 30.000 Menschen und einem regulären Eintrittspreis von 20 Euro nehmen die Museen jährlich rund 100 Millionen Euro ein und sind damit die wichtigste Einnahmequelle des Vatikanstaats.
In der Sache beklagen die Angestellten unter anderem mangelnde Sicherheitsvorkehrungen in den Museen und einen aus ihrer Sicht unzureichenden Gesundheitsschutz für die dort arbeitenden Menschen. Ferner geht es um die Bezahlung von Überstunden. Sie werden seit einem Dekret des Papstes von 2015 schlechter bezahlt als die normale Arbeitszeit. Ein weiterer Streitpunkt ist die vom Vatikanstaat geforderte Anrechnung der zwangsweise nicht geleisteten Arbeitsstunden während der Corona-Pandemie. 

Kurznachrichten 



Vatikan/Slowakei. Nach dem Attentat auf Ministerpräsident Robert Fico hat Papst Franziskus seine Verbundenheit und Solidarität mit der Slowakei zum Ausdruck gebracht. Er verurteilte das „feige Gewaltverbrechen" und bete für eine rasche Genesung Ficos, schrieb das Kirchenoberhaupt in einem Brief an Staatspräsidentin Zuzana Caputova. 

 

Belarus. Im autoritär regierten Land ist der Vorsitzende der nationalen katholischen Ordenskonferenz, Pater Andrzej Juchniewicz, zu 15 Tagen Haft verurteilt worden. 

 

China. Das China-Zentrum der Steyler Missionare ist besorgt. Auf die christlichen Gemeinden in China und besonders auf die mit Rom verbundene „Untergrundkirche" übe der Staat zunehmend Kontrolle und Druck aus. „Ein immer härteres Durchgreifen zeigen die Behörden vor allem, was die Registrierung von Bischöfen, Priestern und Schwestern anbelangt", so der Direktor, Pater Martin Welling. Früher seien die Zentren des katholischen Untergrunds als unantastbar angesehen worden, sagte er. Nach Corona seien sie aber so stark unter Druck gesetzt worden, dass manche alte Diözese vor der Auflösung stehe. 

 

Deutschland. Ein 39-Jähriger Oberbayer hatte im Sommer 2022 auf dem Altar einer Kirche Geschlechtsverkehr mit seiner Frau. Wegen Störung der Religionsausübung hat das Landgericht Traunstein nun eine Haftstrafe von sechs Monaten gegen ihn verhängt. Wegen anderer Taten, hauptsächlich Betrügereien mit einem Schaden in sechsstelliger Höhe, verurteilte das Gericht den Mann zu einer Gesamtstrafe von fünf Jahren und fünf Monaten Gefängnis. 


 

Ungarn. An die 5.000 Gläubige haben am Wochenende einen "Lebendigen Rosenkranz" um die ungarische Hauptstadt Budapest gebildet und für Frieden gebetet. 

Österreich

Österreich. Von rund 30.000 Studienteilnehmenden geben lediglich 5 Prozent an, den Religionsgemeinschaften „sehr zu vertrauen", 25 Prozent vertrauen ziemlich, 37 wenig und 33 Prozent gar nicht: So lautet ein Ergebnis der Ö3 Jugendstudie 2024, in deren Rahmen junge Menschen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren eingeladen wurden, Fragen zu ihren Lebensbereichen zu beantworten.

 

Wien. Hohe Zufriedenheit unter den Mitarbeitenden der Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, des Hospizes und des Kurhauses der Barmherzigen Brüder in Österreich hat eine groß angelegte anonyme Umfrage bestätigt. Wie die Ordensgemeinschaft in einer Aussendung vom Dienstag bekannt gab, bewerten 90 Prozent der 8.086 befragten Angestellten im Gesundheitsbereich ihr Arbeitsklima als positiv. 

 

Wien. Der diesjährige „Ute Bock Preis für Zivilcourage" geht an Imam Ramazan Demir und Rabbiner Schlomo Hofmeister sowie an den Verein "Nachbarinnen". Demir und Hofmeister werden für ihren außerordentlichen Einsatz an Schulen gegen Antisemitismus und Rassismus ausgezeichnet, das Sozialassistentinnen-Projekt „Nachbarinnen" für die Unterstützung von Migrantinnen.

 

Steiermark. Ein Marmorblock in der Pfarrkirche von Frauenburg gilt als der älteste deutschsprachige Grabstein. Das Grabmal werde dem 1275 verstorbenen Minnesänger Ulrich von Liechtenstein zugeordnet, heißt es in der Kirchenzeitung der Diözese Graz-Seckau „Sonntagsblatt". 

„Wir leben in einem Missionsland"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz betrachtet Deutschland als Missionsland. Bischof Georg Bätzing sagte dem Magazin „Leben jetzt" (Mai): "Wir leben in einem Missionsland, wenn wir feststellen, dass weniger als die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger Deutschlands noch zu den christlichen Konfessionen gehören."
 Mit diesen Menschen sollten Christen in Kontakt treten und über ihren Glauben reden, aber ohne aufdringlich zu sein. „Diese Zeiten einer Mission mit negativem Zungenschlag sind vorbei", betonte Bätzing. „Aber Rede und Antwort zu stehen von der Hoffnung, die uns erfüllt, (...) gehört zum Christentum dazu."

Auch das noch...

Aus für Meta-Spendentool trifft Hilfsorganisationen hart

Scharfe Kritik für das „überhastete Aus" für Spendenaktionen beim Internetkonzern Meta hat die Caritas geäußert. Ab 1. Juli erlauben Plattformen des Konzerns - wie Facebook und Instagram - keine Spendenaktionen mehr. Die Folgen seien „dramatisch" für europäische Hilfsorganisationen und auch für jene, die von der auf diese Weise erzielten Unterstützung bisher profitiert hätten, mahnte der Wiener Caritas-Direktor Klaus Schwertner in einer Aussendung vom Mittwoch. Vom kleinsten Verein bis zu den großen Hilfsorganisationen seien alle, die sich für Menschen und Tiere in Not oder auch für Klimaschutz und Umweltanliegen einsetzen, betroffen.
Bereits im Winter hatte Meta die Reichweiten von politischem Inhalt auf seinen Plattformen stark eingeschränkt. Ebenso sollen dort künftig auch Spendenaktionen nicht mehr möglich sein, zumindest im Europäischen Wirtschaftsraum. Ein empfindlicher Einschnitt ist dies nicht nur für die Caritas, die in den letzten Jahren rund 5 Millionen Euro an Spenden auf Social Media erzielt hat – „für obdachlose Menschen, für die Corona Nothilfe, für geflüchtete Menschen, Familien und alte Menschen hier bei uns und in Krisengebieten, etwa in der Ukraine", wie Schwertner verdeutlichte. 
Auch privaten Nutzern ist es künftig untersagt, Spendenaktionen zugunsten europäischer Hilfsorganisationen anzulegen - um etwa zum Geburtstag Spenden statt Geschenke zu erbitten.
 

Mazal: Politik soll Menschen zum Kinderbekommen ermutigen

An die Verantwortlichkeit der Politik für den Rahmen, innerhalb dessen über die Kinder und Familien gesprochen werde, hat der Direktor des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF), Prof. Wolfgang Mazal, erinnert. "Es geht um das Mindset: Können wir endlich positiv über dieses Thema reden, oder kommunizieren wir nur über die Probleme?", gab der Jurist, der auch Präsident des Katholischen Laienrates (KLRÖ) ist, am Sonntagabend in einer Diskussion bei der ORF-Sendung „Im Zentrum" zu bedenken. Österreich sei sehr gut unterwegs, praktische Probleme auf diesem Gebiet zu lösen, bei den finanziellen Leistungen nehme das Land weltweit eine Spitzenposition ein. Vor allem gehe es aber um die Kommunikation, damit Menschen "wieder Mut fassen", so der Experte.
Ausgangspunkt der Sendung waren Zahlen der Statistik Austria, wonach im Vorjahr in Österreich 11.448 Menschen weniger geboren als gestorben sind. Der Kinderwunsch ist in den vergangenen 15 Jahren drastisch gesunken und auch die Geburtenrate, die derzeit bei 1,36 Kindern pro Frau liegt. Um langfristig finanzierbar zu sein, benötigen das Pensionssystem und Gesundheitssystem „neue Menschen, die das tragen", erläuterte Mazal, „wenn wir das selbst nicht hinkriegen, brauchen wir eben Migration aus dem Ausland". 
 


Parlament: Gebetsfrühstück im Zeichen von Frieden und Wertschätzung

Im Zeichen der Bitte um Frieden und um eine konstruktive politische Debattenkultur angesichts der anstehenden Wahlen hat in Wien das inzwischen 7. Internationale Parlamentarische Gebetsfrühstück stattgefunden. Abgeordnete aller politischen Parteien sowie Vertreterinnen und Vertreter von insgesamt zehn Kirchen, Konfessionen und Religionen waren unter den rund 250 Teilnehmenden aus 16 Ländern. Das Treffen stand unter dem biblischen Motto "Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe". Eröffnet wurde das Gebetsfrühstück von den beiden Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka (ÖVP) und Norbert Hofer (FPÖ) sowie vom Abgeordneten Günter Kovacs (SPÖ) vom Bundesrat. Für den inhaltlichen Impuls konnten die Organisatoren Physik-Nobelpreisträger Anton Zeilinger gewinnen.
In seiner Begrüßung unterstrich Nationalratspräsident Sobotka den Auftrag der Kirchen und Religionen, das Zusammenleben der Menschen friedlich zu gestalten. Sobotka verwies zudem auf die Christen als weltweit größte verfolgte Glaubensgemeinschaft und ging auf andere verfolgte Gemeinschaften ein, etwa die muslimischen Uiguren in China. Ebenso zeigte er sich vom „Tsunami des Antisemitismus" erschüttert, dem Jüdinnen und Juden derzeit ausgesetzt seien.
 

Streit um Immobilien: Spanische Ordensfrauen brechen mit Kirche

Ein bizarrer Streit in der Erzdiözese Burgos erschüttert die katholische Kirche in Spanien. Weil sie sich bei einem Immobilien-Geschäft hintergangen fühlen, hat eine Gruppe Klarissen-Schwestern ihren Austritt aus der kirchlichen Gemeinschaft erklärt. In einem am Montag veröffentlichen Schreiben kündigten sie an, sich der Autorität eines ebenfalls abtrünnigen Geistlichen namens Pablo de Rojas zu unterstellen.
Dieser bezeichnet sich selbst als Bischof und gehört einer kleinen Gruppe am ultrakonservativen Rand der Kirche an: Die „Sedisvakantisten" halten alle Päpste nach Pius XII. (1939-1958) für modernistische Häretiker und sehen daher den Stuhl Petri seit 1958 als unbesetzt (vakant) an. Wegen seiner irregulären Aktivitäten wurde Pablo de Rojas 2019 exkommuniziert.
Dass nun auch die Klarissen-Schwestern mit Niederlassungen in Belorado (Provinz Burgos) und im baskischen Orduna den Bruch mit Rom vollziehen, sorgt in Spanien landesweit für Schlagzeilen. Hintergrund des radikalen Schritts ist ein jahrelanger Immobilienstreit, der 2020 begann.
Damals einigten sich die Ordensfrauen mit der Diözese Vitoria auf den Kauf des seinerzeit leerstehenden Klosters Orduna. Als Preis wurden 1,2 Millionen Euro vereinbart. Den Schwestern wird vorgeworfen, die fälligen Raten nicht überwiesen zu haben. Deswegen droht eine Aufhebung des Kaufvertrags - und damit der Verlust des Klosters. 

St. Pöltner Dommuseum: Schau „Schädelkult & Stiftstumult" 

Seit Donnerstag kann die neue Jahresausstellung „Schädelkult & Stiftstumult - 1.000 Jahre Hippolytkloster" im Museum am Dom in St. Pölten besucht werden. 
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Hippolytkloster, das bereits um das Jahr 800 am Areal des heutigen St. Pöltner Domplatzes gegründet und mit den Reliquien des römischen Märtyrers Hippolyt ausgestattet wurde. Das Kloster entwickelte sich rasch zu einem geistigen und wirtschaftlichen Zentrum, sodass ringsum eine Stadt entstand. Das älteste Kloster im Gebiet des heutigen Niederösterreichs wurde von Benediktinern gegründet und im 11./12. Jahrhundert in ein Kanonikerstift der Augustiner Chorherren umgewandelt.
Die engen Bezüge zwischen Stadt und Stift sind auch heute noch im Namen St. Pöltens erkennbar, der auf den Heiligen Hippolyt zurückgeht. Die neue Ausstellung  will die rund 1.000-jährige Geschichte dieses ältesten Klosters auf niederösterreichischem Boden beleuchten, das 1784 von Kaiser Joseph II. aufgelöst und schließlich zum heutigen Bischofssitz wurde.