JA 

die neue Kirchenzeitung

2. Jänner 2022 

 

Bergführer durch das Leben 

Im Gedenken an einen, der „in unnachahmlicher Weise aus dem Buch der Natur, der Kultur und des Lebens erzählt" habe, hat der Salzburger Erzbischof Franz Lackner am Mittwochnachmittag ein Requiem für die am 19. Dezember verstorbene TV-Legende Sepp Forcher geleitet.
Der konzelebrierende Erzabt von St. Peter, Korbinian Birnbacher, würdigte den langjährigen Moderator der ORF-Sendung „Klingendes Österreich" als "demütigen Vermittler von Schönheiten unseres Landes". 


Trotz vieler erlebter Widrigkeiten sei der Verstorbene „ein glaubender, ja vertrauender Mensch" sowie ein „sicherer Bergführer durch das Leben" gewesen. 
In der Franziskanerkirche in der Salzburger Altstadt schließe sich der Kreis des Lebens von Sepp Forcher, wies Birnbacher in seiner Predigt hin: Hier habe der als Zehnjähriger mit seinen Eltern durch den Faschismus aus seiner Heimat vertriebene Südtiroler Trost bei der in Südtirol geschaffenen Madonna gefunden. 
Die Salzburger Nachrichten titelten: „Die Forchers: Weise, stark und schön“. 
Dem ist nichts hinzuzufügen.  P. Udo 

85.000 Sternsinger sind wieder unterwegs

Österreichweit sind derzeit über 85.000 Sternsinger aus 3.000 Pfarren als Sternsinger unterwegs. Im vergangenen Jahr haben die Sternsinger österreichweit über 13 Millionen Euro für den guten Zweck „ersungen".
Inhaltlicher Schwerpunkt der Sternsingeraktion 2022 ist die Unterstützung indigener Völker im brasilianischen Regenwald, die mit ihrer Lebensweise den Regenwald gegen Ausbeutung und Zerstörung verteidigen. Dabei geht es um rechtliche Absicherung ihrer Territorien, medizinische Betreuung und Bildung. Den Regenwald als „grüne Lunge der Erde" zu erhalten sei zugleich Schutz des Weltklimas, heißt es seitens der DKA.
Am Montag empfing Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka Sternsinger  aus Waidhofen an der Ybbs, seiner Heimatgemeinde.
Am Donnerstag empfingen Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seine Gattin Doris Schmidauer eine Sternsingergruppe aus der Pfarre Neudorf im Burgenland in der Wiener Hofburg.
Beide Präsidenten würdigten den Einsatz der Kinder.
Foto: Parlamentsdirektion/Thomas Topf.
 

Flüchtlinge: Nehammer weist Appell von Papst und Bischöfen zurück

Die österreichische Bischofskonferenz hat sich einem Appell von Papst Franziskus zur Aufnahme von Geflüchteten angeschlossen. Die Bundesregierung soll 100 Familien aus EU-Lagern aufnehmen.
Bundeskanzler Karl Nehammer lehnt diese zusätzliche Aufnahme von Flüchtlingen weiterhin ab. „Wir haben hunderte Familien schon dieses Jahr aufgenommen", sagte Nehammer im APA-Interview.
Heuer seien mehr als 1.500 unbegleitete Jugendliche nach Österreich gekommen, die man „umsorgen" und "besonders betreuen" müsse, argumentierte Bundeskanzler Nehammer. Die Caritas könne in der Betriebsküche ihres Wiener Hotels gerade einmal 15 Flüchtlinge im Jahr ausbilden, sagte er in Richtung der katholischen Kirche.
Für den ÖVP-Politiker leiste Österreich bereits jetzt „unglaublich viel" zum Schutz von Menschen. „Da braucht sich keine Österreicherin, kein Österreicher, kein Mensch, der in Österreich lebt, davor zu verstecken oder zu schämen. Denn wir sind die, die wirklich leisten. Wir reden nicht darüber, wir tun." Statt „immer den Scheinwerfer nach Österreich zu richten", sollten jene 24 EU-Staaten stärker in die Pflicht genommen werden, „die weniger leisten", so der Bundeskanzler.
 

Faber: Impfung im Stephansdom für viele auch ein spirituelles Erlebnis

Der Wiener Dompfarrer Toni Faber hat im ORF-Religionsmagazin „Orientierung" einmal mehr bekräftigt, dass der Stephansdom durch die dortige Impfstraße nicht entweiht wird. 
Gottesdienst, Gebet und Impfung würden ganz im Gegenteil harmonieren. Mehr als ein Drittel jener, die sich in der Barbarakapelle impfen ließen, seien zuvor zur Impfung nicht bereit gewesen. Das Ambiente des Stephansdoms sei dann aber als Hilfe wahrgenommen worden, so Faber. Für nicht wenige seien es auch spirituelle Erlebnisse gewesen. Dies würden hunderte Briefe und E-Mails bezeugen.
Faber: „Wir profanieren nicht die Kathedrale, es findet jeder Gottesdienst statt, es finden sogar mehr Gebetszeiten statt als ohne Impfstraße", weil zahlreiche Menschen zum Gebet gefunden hätten. Die Fläche des Doms betrage rund 4.000 Quadratmeter, 60 davon seien nun für die Impfstraße bzw. die Impfstation reserviert, erläuterte Faber die Relationen vor Ort.

Weihnachten 2021 brachte Christen Freude, aber auch Leid

In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE)…
… ist eine weitere katholische Kirche eröffnet worden. Der Leiter für das Apostolische Vikariat Südarabien, Bischof Paul Hinder, weihte das Gotteshaus in der Industriestadt Ruwais westlich der Hauptstadt Abu Dhabi kurz vor Weihnachten ein, wie das Vikariat am Wochenende auf seiner Website mitteilte. In der Johannes dem Täufer gewidmeten Kirche finden künftig bis zu 800 Menschen Platz. Damit verfügt die Katholische Kirche in den VAE nun über neun Gotteshäuser, davon fünf im flächengrößten Emirat Abu Dhabi.
Der Bau der Kirche begann kurz nach der Gemeindegründung Ende 2018. Laut Angaben von Bischof Hinder gegenüber dem vatikanischen Pressedienst „Fides" besteht die Gemeinde aus etwa 2.500 Mitgliedern, vor allem katholischen Arbeitskräften aus den Philippinen und Südindien. Zum Vikariat Südarabien gehören auch die VAE. Das Kirchengrundstück wurde der Gemeinde, wie im Land üblich, vom Herrscherhaus Al-Nahyan kostenlos zur Verfügung gestellt.
Ägypten: Auch Muslime dürfen Weihnachten feiern
Die ägyptische Fatwa-Behörde Dar al-Iftaa Misriyyah hat das Feiern von Weihnachten als für den Islam akzeptabel erklärt. Weihnachten zu feiern, erkenne die wundersame Geburt des Propheten Jesus Christus, Sohn der Maria, an, der im Koran verewigt wurde, so Großmufti Schawki Ibrahim Abdel-Karim Allam laut Bericht örtlicher Medien.
Im Koran sei Jesus unter dem Namen „Isa Ben Maryam“ bekannt, also als „Sohn von Maria“, und gelte als Prophet, nicht als Sohn Gottes. Doch genau wie in der Bibel werde Maria die bevorstehende Schwangerschaft von einem Engel verkündet, ebenfalls als Jungfrauengeburt.
Dar al-Iftaa stellte klar, dass es daher im Islam akzeptabel sei, Weihnachten zu feiern, da es soziale, religiöse und nationale Zwecke beinhalte, die von der Scharia und den islamischen Bräuchen anerkannt würden. Die Behörde fügte in einer offiziellen, vom Großmufti Shawqi Allam herausgegebenen Fatwa auf seiner Website hinzu, dass das Feiern von Weihnachten „die wundersame Geburt des Propheten Jesus Christus, Sohn der Maria, Friede sei mit ihm, anerkennt, der im Koran verewigt wurde“.
In einer weiteren Fatwa erklärte das Institut, dass das Feiern von Weihnachten zulässig sei, da Muslime auch an Propheten glauben.
Iran: Christliche Gefangene erhalten 10-tägigen Urlaub
Das Oberhaupt der iranischen Justiz hat am Sonntag christlichen Gefangenen 10 Tage Freigang gewährt, damit sie die Feiertage mit ihren Familien verbringen können - ein seltener Schritt in Richtung der Minderheitengemeinschaft, berichtete „Vatican News“.
Gholam Hossein Mohseni Ejei wies die Behörden im ganzen Land an, die Erlaubnis zu erteilen, wie die Justiz-Website „Mizan Online“ berichtet. „Die Entscheidung wurde anlässlich des Neujahrsfestes 2022 und des Jahrestages der Geburt Jesu Christi getroffen“, heißt es auf der Website.
„Mizan Online“ gab nicht an, wie viele christliche Gefangene von dem Hafturlaub profitieren werden oder wann die 10-tägige Frist beginnt. Es hieß jedoch, dass Häftlinge, die wegen Untergrabung der Sicherheit, organisiertem Verbrechen, Entführungen, bewaffneten Raubüberfällen verurteilt wurden, und zum Tode Verurteilte ausgenommen würden. Lokalen Medien zufolge machen die Christen nur ein Prozent der iranischen Gesamtbevölkerung von 83 Millionen aus, von denen die Mehrheit schiitische Muslime sind.
Die meisten Christen im Iran sind Armenier, die Weihnachten am 6. Januar, dem Dreikönigstag, feiern.
China schränkt Weihnachten als „westliche Tradition" ein
Laut einem Medienbericht hat die Kommunistische Partei Chinas Beschränkungen für zivile und kirchliche Weihnachtsfeiern angeordnet. Weihnachten sei ein „verbotenes westliches Fest", heiße es in einem bisher unveröffentlichten Dokument, das dem Magazin für Menschenrechte und Religionsfreiheit „Bitter Winter" vorliege, wie der asiatische Pressedienst Ucanews berichtete.
Die Richtlinie nenne zwar auch einen Anstieg der Corona-Fälle als Begründung für die Einschränkungen, fordere aber ausdrücklich die Umsetzung der Politik der Sinisierung, die das Feiern westlicher Kultur und Festivals strikt verbiete, so das Magazin. Laut der Anordnung sollen jedoch einige „kosmetische" Weihnachtsfeiern von staatlich sanktionierten Kirchen fotografiert und übertragen werden, um zu zeigen, dass es keine Beschränkungen gebe.
Die Behörden wollten das Papier "Verbreitung der traditionellen chinesischen Kultur und Verbot westlicher Festlichkeiten" vom 20. Dezember angeblich geheim halten, um Kritik im Westen zu vermeiden, so „Bitter Winter".
Myanmar: 35 Katholiken am Heiligen Abend ermordet
Am 29. Dezember hat die Beerdigung der 35 Katholiken, die am 24. Dezember in dem Dorf Mo So in der Nähe der Stadt Hpruso im burmesischen Bundesstaat Kayah im Osten Myanmars getötet wurden, stattgefunden. Das berichtete der vatikanische Informationsdienst Fides unter Berufung auf Quellen in der Diözese Loikaw, in deren Gebiet das Massaker stattfand. Laut diesen habe das Militär den Angehörigen der Opfer schließlich die Erlaubnis erteilt, das Gebiet zu betreten und die verkohlten Leichen zur Bestattung zu bringen.
Die Beerdigung fand  laut Fides in einem einfachen, von Katecheten geleiteten Ritus statt, ohne Eucharistie und ohne Anwesenheit eines Priesters, da die Armee dem örtlichen Pfarrer die Erlaubnis zur Reise in das entlegene Dorf verweigerte. Unter den Opfern befanden sich auch zwei Kleinkinder sowie zwei  Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisation „Save the Children".
Indien: Spendenverbot für Mutter Teresas Hilfsorganisation
Am 28. Dezember wurde bekannt, dass nach einer Entscheidung der indischen Regierung die Missionaries of Charity kein Geld mehr von ausländischen Gebern erhalten dürfen. Begründet wurde dies damit, dass die von Mutter Teresa gegründete Hilfsorganisation die „Eignungskriterien" für den Erhalt ausländischer Gelder nicht mehr erfülle. Der Frauenorden betreibt in ganz Indien Unterkünfte für Obdachlose und arme Menschen. Der Tageszeitung „The Hindu" zufolge erhielt der Orden im Haushaltsjahr 2020/21 750 Millionen US-Dollar (662 Millionen Euro) aus dem Ausland.
Extremistische Hindu-Gruppen haben dem päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not" zufolge in Indien Christen und christliche Einrichtungen angegriffen. Die Attacken hätten sich an den Weihnachtstagen ereignet.
Foto: Die neue Kirche in Abu Dhabi; Apostolisches Vikariat Südarabien. 
 

Deutschland: In 1.000 Kirchen wird kein Gottesdienst mehr gefeiert

In Deutschland werden immer mehr Kirchen nicht mehr als Gotteshaus genutzt. In fast 1.000 katholischen und evangelischen Kirchen wird kein Gottesdienst mehr gefeiert, berichtete die Hamburger „Zeit“. 587 katholische und 382 evangelische Kirchen wurden bereits aufgegeben. Die Zeitung nennt Beispiele: „Aus der Markuskirche in Saarbrücken wurde ein Tanzsaal. Die Lutherkirche in Heidenau verwandelte sich in Wohnungen, die Osterkirche in Hamburg in eine Kunstakademie. Die Lazaruskirche in Lübeck beheimatet heute eine Orgelwerkstätte.“
Die Bindung der Menschen in Deutschland an das Christentum nimmt ab. Das geht aus einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hervor.
Nur noch 53 Prozent sind Christen
Wie die Zeitung berichtet, bezeichnen sich derzeit 28 Prozent der Bevölkerung als Mitglied der evangelischen Kirche, 25 Prozent als Katholiken. Noch 1995 hätten 37 Prozent eine Mitgliedschaft in der evangelischen, 36 Prozent in der katholischen Kirche angegeben.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sieht eine wachsende Kluft zwischen Kirche und Gesellschaft. „Die Zahlen zur Kirchenzugehörigkeit und Bindung sind Alarmsignale. Gerade in Fragen von Sexualität, Partnerschaft, Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist die Kluft besonders groß", sagte der Limburger Bischof der Frankfurter Allgemeinen Zeitung" im Interview.
Dass in Deutschland mit Olaf Scholz (SPD) nun ein konfessionsloser Bundeskanzler im Amt ist, nannte Bätzing einen „Spiegel der gesellschaftlichen Realität". Trotzdem werde man sicher mit ihm eine Vertrauensebene finden. Dies sei auch deshalb wichtig, weil für die Kirche wichtige Richtungsentscheidungen etwa in Fragen des Lebensschutzes anstünden. 
 

Kardinal Pell erhebt erneut Vorwürfe gegen Widersacher Becciu

Der australische Kardinal George Pell sorgt mit neuen Vorwürfe gegen seinen einstigen Widersacher Giovanni Angelo Becciu für Schlagzeilen. Im Interview des US-Portals „National Catholic Register" warf er dem früheren Kurienkardinal indirekt vor, für dubiose Überweisungen des Vatikan nach Australien 2017 verantwortlich gewesen zu sein. „Ich habe eine Frage an Kardinal Becciu: Wird er uns sagen, wofür das Geld bestimmt war?", so Pell.
Konkret soll es um 2,3 Millionen Australische Dollar (rund 1,5 Millionen Euro) gehen. Pell will durch Aufzeichnungen aus dem aktuellen Vatikan-Finanzprozess von den angeblichen Geldtransfers erfahren haben. Sie fielen demnach genau in die Zeit, als er sich selbst wegen Missbrauchsvorwürfen vor der australischen Justiz verantworten musste. Nach zeitweiser Inhaftierung wurde der ehemalige Finanzchef des Vatikans schließlich im April 2020 freigesprochen.
Nach Aussagen des Hauptzeugen aus dem vatikanischen Finanzprozess, Alberto Perlasca, sei das Geld an die Australische Bischofskonferenz geflossen. „Das ist garantiert falsch", versicherte Pell. Er habe dort nachgefragt: Dort sei nichts angekommen. In dem laufenden Verfahren vor dem Strafgericht des Vatikan geht es unter anderem um verlustreiche Investitionen des Staatssekretariates. Zu den Angeklagten zählt auch Becciu, von 2011 bis 2018 Substitut des Staatssekretariats und damit eine Art Stabschef der kirchlichen Leitungszentrale.
Becciu (73) verbindet eine jahrelange Rivalität mit Pell (80), der sich einst als Präfekt des 2014 errichteten Wirtschaftssekretariates um eine stärkere Finanzkontrolle bemühte. Medien spekulierten bereits mehrfach darüber, verdeckte Zahlungen aus Rom könnten dazu gedient haben, den Missbrauchsprozess gegen Pell überhaupt erst zu ermöglichen.
Er würde sich freuen, wenn die geflossenen Gelder nichts mit ihm zu tun und harmlosen Zwecken gedient hätten, betonte der Australier. „Dann wäre ich beruhigt, und wir könnten mit unserem Leben weitermachen." Bislang allerdings fehlten die entsprechenden Informationen 

Kustos warnt vor „Aussterben" der Christen im Heiligen Land

Die Lage der Christen im Heiligen Land ist nach Worten des Obersten Hüters der dortigen katholischen Heiligen Stätten, Franziskanerkustos Francesco Patton, prekär. Radikale lokale Gruppen führten „einen Zermürbungskrieg gegen eine Gemeinschaft, die nicht kämpfen will", beklagte er am Wochenende in einem Beitrag für die britische Zeitung „The Telegraph".
Patton rief die Welt dazu auf, den Christen im Heiligen Land zu Hilfe zu kommen. „Trotz 2.000 Jahre treuen Dienstes" sei deren Zukunft in Gefahr. So sei etwa die Zahl der Christen in Jerusalem von einem Bevölkerungsanteil von 20 Prozent auf zwei Prozent zurückgegangen.
Als eine Gefährdung für die christliche Präsenz nannte der italienische Franziskaner die Aktivitäten einer radikalen jüdischen Minderheit, die das Leben vieler Christen „mit extremistischen Ideologien unerträglich" machten, mutmaßlich mit dem Ziel, „die Altstadt Jerusalems von ihrer christlichen Präsenz zu befreien". Konkret beklagte er häufige und anhaltende Übergriffe auf christliche heilige Stätten sowie auf Priester, Mönche und Gläubige. Die Täter repräsentierten „weder die Regierung noch das israelische Volk", seien jedoch eine große Belastung, insbesondere wenn ihre Verbrechen nicht geahndet würden.
Alt-Patriarch: Keine Gerechtigkeit in Bethlehem
Im israelisch-palästinensischen Konflikt fehlt es nach Worten des emeritierten Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Michel Sabbah (88), an Mut, bereits getroffene schwierige Entscheidungen umzusetzen. „Weihnachten erinnert uns jedes Jahr daran, dass es keinen Frieden auf der Erde gibt, vor allem nicht in Jerusalem und Bethlehem, und dass wir ihn wieder herstellen müssen", sagte Sabbah laut der US-amerikanischen jesuitischen Wochenzeitung „America"  bei einem Treffen mit Gläubigen in New York.
In Bethlehem und den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten mangele es überall an Gerechtigkeit, so Sabbah weiter. Der Palästinenser rief die Katholiken dazu auf, zu Weihnachten das reale Bethlehem zu sehen, statt das Bethlehem der Lieder und Traditionen. Die Weihnachtsromantik sei „verständlich, (...) aber nicht realistisch".
Auch Jerusalem ist nach den Worten Sabbahs weit entfernt von seinem „natürlichen Status, dem Status der Heiligkeit, wie Gott ihn will". Statt Friede und Solidarität sei die Stadt aufgrund der Handlungen mächtiger politischer Kräfte von Konflikten und Zwietracht zerrissen, heilige Orte seien Orte des Krieges geworden. Die Beziehung zwischen dem dominanten Israel und den unterworfenen Palästinensern sei eine „Beziehung des Todes", so der Alt-Patriarch laut Bericht.
Als erster Palästinenser leitete Sabbah das Lateinische Patriarchat von Jerusalem von 1987 bis 2008.
 

Papst würdigt Katholische Universität Sacro Cuore
Sie ist die größte Privatuniversität Europas

Papst Franziskus hat die Katholische Universität vom Heiligen Herzen in Italien als „große kulturelle Einrichtung" gewürdigt. "Bildung ist eines der wirksamsten Mittel, um die Welt und die Geschichte zu humanisieren", sagte er in einer vom Vatikan veröffentlichten aktuellen Videobotschaft zum 100-jährigen Bestehen der Hochschule. Die Katholische Universität habe in den vergangenen Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag geleistet.
Franziskus ermutigte Studierende und Professoren, offen zu sein für neues Wissen und Entdeckungen. „Es geht nicht darum, die Asche der Vergangenheit zu bewahren, sondern die Zukunft zu sichern", so der Papst. Nicht zuletzt Werte wie Solidarität seien von fundamentaler Bedeutung für eine ganzheitliche Ausbildung.
Erneut kritisierte Franziskus eine „Kultur der Gleichgültigkeit", die das „Ich" über das „Wir" stelle. Gegen diese „hässliche" Haltung müsse mit erzieherischen Mitteln vorgegangen werden. Auch die Universität dürfe sich angesichts drängender globaler Probleme nicht „taub stellen". Als Beispiele nannte er soziale Ungerechtigkeit und Zwangsmigration. Es seien „neue Denkmodelle" nötig, um Lösungen zu finden. Keinesfalls dürfe man sich vom „Virus des Individualismus" anstecken lassen. Hochschulen seien der richtige Ort, um "Antikörper" dagegen zu entwickeln.
Größte Privatuniversität Europas
Die 1921 gegründete "Universita Cattolica del Sacro Cuore" (Katholische Universität vom Heiligen Herzen) ist als katholische Universität mit Hauptsitz in Mailand und fünf weiteren Standorten in Italien die größte Privatuniversität Europas. Neben dem Hauptsitz gibt es Abteilungen in Brescia, Piacenza, Cremona, Rom und Campobasso. Die Universität hat mehr als 42.000 Studenten und 14 Fakultäten.
Die Medizinische Fakultät befindet sich am Standort Rom. Das akademische Lehrkrankenhaus ist die Poliklinik Gemelli. Diese gilt bis heute als eine der besten Kliniken Roms. Ihren Namen verdankt sie dem Mediziner und Psychologen Pater Agostino Gemelli (1878-1959). Nach dem plötzlichen Tod von Papst Johannes Paul I. (1978) wurde im zehnten Stock der Klinik ein eigenes Appartement für die medizinische Behandlung der Päpste reserviert.

Kurznachrichten

Papst Franziskus hat den demografischen Wandel vor allem in Italien als ein „ernstes Problem" und eine „Tragödie" bezeichnet. Die Geburtenrate in Italien ist auf einem historischen Tiefststand angelangt. 

 

Bartholomaios I. (81), das Oberhaupt der orthodoxen Christen, ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der Patriarch sei „vollständig" gegen Covid-19 geimpft und habe milde Symptome, teilte sein Büro mit.

 

Weltweit sind im Jahr 2021 22 katholische Missionare getötet worden. Wie der vatikanische Informationsdienst Fides berichtete, waren dies zwei Ordensfrauen, ein Ordensbruder, 13 Priester und sechs Laienmissionare. Die Hälfte der Opfer stammte aus Afrika.

 

UN-Generalsekretär Antonio Guterres ist vom Franziskanerorden mit der "Lampe des Friedens" ausgezeichnet worden. Der 72-Jährige nahm per Videoschaltung aus New York an der Zeremonie im italienischen Wallfahrtsort Assisi teil. Wegen eines Corona-Risikokontakts verzichtete er sicherheitshalber auf eine Reise nach Italien.

 

Vatikan. Der aus Ghana stammende Kurienkardinal Peter Turkson (73) verlässt das Dikasterium für menschliche Entwicklung, an seiner Stelle wird Kardinal Michael Czerny das Amt interimistisch übernehmen, berichtet „Vatican News“. 

 

Der Vatikan verschärft in Anbetracht der europaweit steigenden Fallzahlen seine Corona-Regeln. Künftig müssen Beschäftigte, externe Dienstleister und alle Besucherinnen und Besucher entweder geimpft oder von Covid-19 genesen sein. 

 

Südafrika. Desmond Tutu, der frühere anglikanische Erzbischof von Kapstadt und Kämpfer gegen das Apartheid-Regime, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Papst Franziskus würdigte das Engagement des Friedensnobelpreisträgers. Franziskus hatte Tutu in seiner jüngsten Enzyklika „Fratelli tutti" (2020) neben anderen bedeutenden Nichtkatholiken als Quelle der Inspiration erwähnt.


Spanien. Der Vatikan hat nach Angaben der Zeitung „El Pais" eine groß angelegte Untersuchung zum Missbrauch in der katholischen Kirche Spaniens eingeleitet. Grundlage seien Rechercheergebnisse der Zeitung zu 251 neuen Fällen.

 

Deutschland. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, hat die Entscheidung des Karlsruher Bundesverfassungsgerichts zur Triage als Schutz von Menschen mit Behinderung vor Diskriminierung begrüßt. 

 

Tschechien. Der Prager Weihbischof Vaclav Maly sieht die Menschenrechte in seinem Land stark vernachlässigt. „Das ist nicht gut", so der Weggefährte des tschechischen Bürgerrechtlers und Präsidenten Vaclav Havel (1936-2011).

Rumänien. Die orthodoxe Kirche verstärkt ihre Bemühungen im Kampf gegen den Menschenhandel. Laut dem Pro oriente-Informationsdienst soll in den Pfarren im Land verstärkt über das Thema informiert und u.a. mit Informationsmaterial Präventionsarbeit geleistet werden. 

 

Russlands Oberster Gerichtshof hat die zwangsweise Auflösung des Dachverbands der Menschenrechtsorganisation Memorial angeordnet. 

 

Haiti. Die zwölf zuletzt freigekommenen christlichen Missionare aus den USA und Kanada sind nicht von ihren Entführern freigelassen worden; vielmehr soll ihnen aus eigener Kraft die Flucht geglückt sein. Das gaben  Vertreter von „Christian Aid Ministries" bekannt.


Österreich

Österreichs Militärbischof Werner Freistetter hat die Weihnachtsfeiertage bei den im Kosovo stationierten österreichischen Soldaten verbracht.

 

Niederösterreich. Im Stift Heiligenkreuz gab es vor Weihnachten zahlreiche Coronafälle. Wie das Stift mitteilte, seien elf Mitbrüder positiv getestet worden. 

Mit Humor und Gottvertrauen

Er war ein Meister des Wortes und der Sprache – und einer der erfolgreichsten spirituellen Autoren unserer Zeit. Farbig wie seine Aquarelle waren seine Ansprachen und Predigten, bildhaft und griffig seine Erinnerungen und Betrachtungen. Mit seinen Büchern erreichte Reinhold Stecher die Herzen der Menschen in Nah und Fern, von Gläubigen ebenso wie von kritischen Zeitgenossen.
Dieser Jubiläumsband versammelt die beliebtesten Beiträge aus seinen Büchern und kann auch noch mit drei bisher unveröffentlichten Texten aufwarten. Thematisch spannt er den Bogen von dramatischen Erinnerungen an Krieg und Diktatur über biblische Betrachtungen und Erfahrungen in den Bergen bis zu den heiter-besinnlichen Texten, die in Begegnungen und Alltagserfahrungen stets das Licht eines liebenden Gottes erahnen lassen.
Ein Erinnerung-Buch für Stecher-Fans und für alle, die es noch werden wollen.
Herz ist Trumpf und andere heiter-besinnliche Texte.
Das Lesebuch zum 100. Geburtstag, herausgegeben von Paul Ladurner, 238 Seiten, Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2021; € 20,–

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Auch das noch...

Moskau schlägt für Ostukraine Südtiroler Modell vor

Zur Lösung des Konflikts in der Ostukraine hat Russlands Botschafter beim Vatikan eine Lösung nach dem Modell Südtirols vorgeschlagen. Um die Rechte der Russen in den Regionen Donbass und Lugansk zu wahren und schützen, könne die Regierung in Kiew diesen einen ähnlichen Statuts gewähren wie es Rom für die deutschsprachigen Südtiroler getan habe, so Alexander Awdejew im Interview mit der Zeitung „Il Messaggero".
Zugleich würdigte der Botschafter Moskaus das Friedensengagement des Papstes. "Wir verstehen sehr gut seine Appelle und Gebete für den Frieden im Nahen Osten sowie für die Ukraine oder für die Fortsetzung des Weges der Abrüstung, insbesondere der nuklearen Abrüstung."

Papst besucht Kinder-Ambulanz: Geburtstagstorte als Geschenk

Zwei Tage nach seinem 85. Geburtstag hat Papst Franziskus am 19. Dezember Kinder aus der vatikanischen Ambulanz „Santa Marta" empfangen. Sie sangen in der Audienzhalle Lieder und führten ein kurzes Theaterstück auf. Zudem überreichten sie dem Papst als nachträgliches Geschenk eine Geburtstagstorte.
Rund 350 Menschen, darunter auch die Familien der Kinder, waren bei der Begegnung mit dem Papst versammelt. In einer kurzen Ansprache vor dem Anschneiden der Torte betonte er, wie wichtig es sei, Menschen in Not zu helfen. Dies gelte auch dann, wenn "er oder sie kein guter Mensch ist oder schlecht über mich spricht". Selbst in solchen Situationen dürfe man "nicht wegschauen".
In der 1922 von Papst Pius XI. gegründeten medizinischen Einrichtung „Dispensario Santa Marta" behandeln ehrenamtlich arbeitende Ärzte unentgeltlich Kinder aus bedürftigen Familien. 

Altprior Pausch: Kirche sollte kundenorientierter sein

Kritik daran, „dass die Kirche mit ihrem Marketing nicht sehr kundenorientiert ist", hat der Altprior und Gründer des Europaklosters Gut Aich am Wolfgangsee, P. Johannes Pausch, geäußert. „Wenn ich etwas verkaufen will, muss ich einem potenziellen Kunden vermitteln, was ich zu bieten habe", sagte der Benediktiner im Interview des „Kurier". Auch die Kirche müsse auf die Bedürfnisse der Menschen schauen und ihnen Hilfe vermitteln können. 
Er selbst sei mit dem Kloster Gut Aich und seinen Ansätzen von Kirchenvertretern sehr kritisiert worden, erzählte Pausch. Noch nicht anfangs, als er nur Klosterliköre anbot; „das haben noch alle akzeptiert. Alkohol hat es schon immer im Kloster gegeben." Doch als er sich zunehmend auf Kräuterheilkunde verlegte, sei der Vorwurf gekommen, dass er jetzt Esoteriker sei „und das Kloster zu einem esoterischen Club verkommt". Dem hielt der seit September als Prior in Pension gegangene 72-Jährige entgegen, „dass jede Heilpflanze ein Wort Gottes ist". Die Menschen könnten mit der Kräuterheilkunde etwas anfangen, weil diese praktisch anwendbar sei. „Darum geht es letztlich."

Erzdiözese Krakau erlässt neue Vorschriften zum Kinderschutz

Der Krakauer Erzbischof Marek Jedraszewski will mit einem umfangreichen Regelwerk Kinder, Jugendliche und hilfsbedürftige Personen besser schützen. Demnach sei es künftig etwa „untersagt, Minderjährige in die Wohnung von Geistlichen einzuladen und dort zu empfangen", es sei denn, deren Eltern oder Erziehungsberechtigte sind dabei oder das Treffen hat einen sonstigen familiären Charakter. Die 23 Regeln mit teils vielen Unterpunkten treten am 1. Jänner in Kraft. 

Jahrhundertealte Manuskripte aus Katharinenkloster online einsehbar

Rund 1.600 christliche Handschriften aus dem Katharinenkloster im Sinai sind ab sofort frei im Internet zugänglich. Die von der israelischen Nationalbibliothek digitalisierte Sammlung umfasst Manuskripte ab dem 12. Jahrhundert in einer beeindruckenden Vielfalt von zahlreichen Sprachen, darunter Griechisch, Arabisch, Syrisch, Georgisch und Armenisch, wie die Bibliothek jetzt mitteilte.
Die digitalisierten Manuskripte sind nach Einschätzung von Projektleiter Stefan Litt, Kurator der geisteswissenschaftlichen Sammlung der Nationalbibliothek Israels, „wirklich von unschätzbarem Wert, insbesondere für Wissenschaftler des orthodoxen griechischen Christentums".
Die Zusammenarbeit zwischen dem Kloster und israelischen Experten geht zurück auf die späten 1960er Jahre, als der Vorläufer der Nationalbibliothek, die Jüdische National- und Universitätsbibliothek, mit Erlaubnis des griechisch-orthodoxen Erzbischofs eine Bestandsaufnahme der Handschriftensammlung des Klosters durchführte und etwa 1.600 Handschriften mikroverfilmte, die bei einer früheren Expedition der U.S. Library of Congress nicht berücksichtigt worden waren.
Die Bibliothek des als Unesco-Welterbe eingetragenen Katharinenklosters gilt in Bezug auf ihre rund 4.500 Manuskripte als zweitwichtigste Bibliothek weltweit nach der vatikanischen. Laut Mitteilung ist es zudem die älteste funktionierende Bibliothek der Welt und seit der Gründung des Klosters durch den byzantinischen Kaiser Justinian I. im sechsten Jahrhundert in Betrieb.
Foto: Israelische Nationalbibliothek, Georgisches Buch aus der Zeit um 900