JA 

die neue Kirchenzeitung

20. November 2022 

Ein Laie darf jetzt Sekretär der Laien sein 

„Mit Gleison De Paula Souza gehört künftig ein verheirateter Religionslehrer der Spitze des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben an“, berichtete Kathpress am 17. November. Sensation !?
Der 38-jährige aus Brasilien stammende verheiratete Religionslehrer und Vater von zwei Kindern ist der erste (!)  Laie als Sekretär (!) in der Abteilung für Laien und Familien… 

Bisher war der Posten Geistlichen vorbehalten, denen bekanntlich Ehe und Familie verboten sind. 

Sollten sie dennoch Kinder haben, werden sie ja möglichst schnell eliminiert. 
An der Spitze der Laien und Familien bleibt aber weiterhin ein Kardinal: der im 76. Lebensjahr stehende Kevin Joseph Farrell. 
Dieser bringt  eine jahrzehntelange Erfahrung ein, wie hervorragend man ohne Familie leben kann. 
Lachhaft? Für normal Denkende – außerhalb Roms. 
Weitere Kommentare wohl überflüssig.    P. Udo 

Wehrschütz: Sind bei Kriegsberichterstattung „in Gottes Hand"

„Wir wissen, dass wir in Gottes Hand sind, wenn wir in diese Kriegsgebiete fahren. Das hat immer sehr pathetisch geklungen, aber es ist so." Mit diesen Worten hat der ORF-Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz am Mittwoch, 2. November, im Interview mit ORF III seine innere Haltung nach einem kürzlich überstandenen Beschuss im Kriegsgebiet umschrieben. Ereignet hatte sich der Beschuss in Nikopol (Region Dnipropetrowsk) in der Nähe von Saporischja in der Nacht auf Samstag gegen 1 Uhr. Das Hotel, in dem Wehrschütz mit seinem Team nächtigte, war von russischen Granaten getroffen worden. Wie durch ein Wunder blieben alle unverletzt, es entstand nur ein Sachschaden.
Der letztlich glücklich überstandene Beschuss…
… sei wieder ein Beweis dafür gewesen, „dass man sehr vorsichtig sein soll bei dem, was man sich wünscht, denn es könnte in Erfüllung gehen", führte Wehrschütz schmunzelnd weiter aus. Er habe nämlich im Vorfeld des Ereignisses zu seiner Crew gesagt, man wolle in Nikopol deswegen übernachten, um im Falle eines Beschusses der Stadt nahe zu sein und ihn filmen zu können. „Dass er so nahe war, haben wir nicht gedacht und nicht erwartet und nicht erhofft gehabt", so Wehrschütz sichtlich gelöst.
Durch den anhaltenden Beschuss auf zivile Ziele, insbesondere die Energieversorgung, habe er mit seinem Team Vorkehrungen getroffen, um auch unter Einschränkungen weiter aus Kiew berichten zu können. Wehrschütz dazu: „Ich stelle mich auf einen Kriegswinter ein - mit Ausnahme auf das Christkind, weil das möchten wir mit unserer Enkeltochter in Salzburg feiern." Es müsste sich schon etwas „ganz Katastrophales" ereignen, das nicht zu tun.
Christian Wehrschütz…
berichtet sei Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar nahezu täglich aus den verschiedenen Kriegsschauplätzen. Immer wieder besucht er dabei auch kirchliche Hilfsorganisationen und Einrichtungen, um ein umfassendes Bild von den Auswirkungen des Krieges auf die Menschen zu vermitteln. So hat Wehrschütz hat u.a. auch den Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz bei dessen Solidaritätsbesuch in der Ukraine  journalistisch begleitet. Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner und der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl hatten Mitte Juli in Lemberg kirchliche Vertreter und etliche Hilfseinrichtungen mit österreichischer Unterstützung besucht. 
Als ORF-Korrespondent in Belgrad berichtet der ausgewiesene Balkan-Experte seit 1999 über Südost-Europa. Seit 2015 leitet Wehrschütz das damals vom ORF neu eingerichtete Korrespondentenbüro in Kiew. Für seine journalistischen Leistungen im Zusammenhang mit der Kriegsberichterstattung aus der Ukraine wurde ihm heuer die „Romy" als Sonderpreis der Jury verliehen.

Kardinal Schönborn mit Großerzbischof Schewtschuk zusammengetroffen

Kardinal Christoph Schönborn ist mit dem ukrainischen Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk zusammengetroffen. Der Wiener Erzbischof empfing das Oberhaupt der Ukrainischen Griechisch-katholischen Kirche am Mittwochmorgen im Erzbischöflichen Palais, wo die beiden in der Andreaskapelle gemeinsam Gottesdienst feierten. Im Anschluss tauschten sich die beiden über die aktuelle Situation in der Ukraine und die vielen ukrainischen Flüchtlinge in Österreich aus. Schönborn sicherte dem Großerzbischof die Solidarität Österreichs bzw. der Katholischen Kirche zu. Der Großerzbischof befand sich auf der Durchreise von Rom zurück in die Ukraine.
Schönborn ruft zur Hilfe für Waisenkinder in der Ukraine auf
Kardinal Christoph Schönborn hat alle Menschen guten Willens dazu aufgerufen, Waisenkindern in der Ukraine zu Weihnachten eine kleine Freude zu bereiten. Auch in Österreich müssten viele zu Weihnachten sparsamer feiern, so Schönborn am Dienstag in einer Aussendung der Erzdiözese Wien, doch angesichts der unvorstellbaren Not und des Leids in der Ukraine bitte er um besondere Solidarität.
(Spendenkonto der Erzdiözese Wien, Verein „Bewegung Mitmensch - Maria Loley" - Ukrainehilfe: IBAN: AT 26 1100 0086 1580 0300, Kennwort: Ukraine)
Caritas-Ukraine-Experte befürchtet "Welle von Kälteflüchtlingen"
Der frühere ukrainische Caritas-Präsident Andrij Waskowycz befürchtet eine „Welle von Kälteflüchtlingen" aus seinem Heimatland. Zwar unterstützten die Caritas und weitere Hilfsorganisationen der Ukraine die Menschen, die von russischen Angriffen auf die Energie- und Wasserversorgung betroffen seien, sagte Waskowycz am Montagabend in Berlin. Im Falle eines strengen Winters seien jedoch Maßnahmen erforderlich, die „weit über die Kräfte der Caritas und der ukrainischen Gesellschaft hinausgehen". Deshalb sei weitere westliche Hilfe dringend notwendig.
Moskauer Patriarch kritisiert westliche Sanktionen gegen ihn
Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. protestiert gegen ein angebliches Einreiseverbot der EU gegen ihn. Eine derartige Entscheidung habe es noch nie gegeben, „nicht einmal während des Kalten Krieges", sagte er nach Angaben seiner Kirche. Tatsächlich darf Kyrill I. weiter in fast alle EU-Länder reisen. Nur einzelne Mitgliedstaaten wie Litauen setzten den Patriarchen wegen seiner Unterstützung für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine auf ihre Sanktionsliste.
Das russische Kirchenoberhaupt rief den Westen auf, ihn ins dortige Fernsehen einzuladen und mit ihm zu diskutieren. Doch „sie haben Angst davor, weil das Recht auf unserer Seite ist, nicht auf ihrer", so Kyrill I. 

Kinderärztin in Odessa und Don-Bosco-Schwester in Kiew:
„Dreimal Luftalarm an einem Tag ist für uns ein eher ruhiger Tag

Bald schon ein Dreivierteljahr dauert Russlands Angriff auf die Ukraine, und ein Ende der täglichen Kämpfe, Bombeneinschläge und Stromausfälle ist auch zu Beginn des Winters nicht in Sicht. Wie junge Helfer vor Ort mit dem schwierigen Kriegsalltag zurechtkommen, zeigen Berichte der Kinderärztin Dr. Anna Bantovska und der Ordensfrau Sr. Nataliya Vakulishyna. Beide verließen ihr Land zu Kriegsbeginn, kehrten dann aber zurück, um auf unterschiedliche Weise die leidende Bevölkerung zu unterstützen: Eine auf der Frühgeborenen-Intensivstation im Kinderspital von Odessa, die andere als Lehrerin in Kiew. Mitte November kamen beide auf Einladung von „Jugend Eine Welt" nach Wien und gaben der Nachrichtenagentur Kathpress Einblicke in ihre Erfahrungen.
Gleich zu Kriegsbeginn im Februar bekam Anna Bantovska wie alle Mediziner der Ukraine die Verständigung, ab nun als Militärarzt eingesetzt werden zu können. Ihr Chef wurde in ein Militärspital abkommandiert, sie selbst als Neonatologin durfte in ihrer bisherigen Tätigkeit verbleiben. Bantovska flüchtete zunächst vor den Bomben nach Deutschland, kam aber schon bald wieder nach Odessa zurück, da sie hier dringend gebraucht wurde. „Wir in der Kinderklinik hätten nie geglaubt, einmal so viele Schusswunden versorgen zu müssen", so die 26-jährige Ärztin. Kollegen aus anderen Ländern, allen voran aus dem selbst lange kriegserprobten Israel, schulten das Spitalspersonal ein, online oder sogar direkt vor Ort, und das kostenlos.
Arzt zu sein zählt in der Ukraine derzeit nicht nur zu den herausforderndsten, sondern auch zu den gefährlichsten Berufen, waren doch Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in den vergangenen acht Monaten immer wieder Ziele russischer Angriffe.
Lernen im Bunker
Schauplatzwechsel in die Hauptstadt Kiew, wo Schwester Nataliya Vakulishyna an der Privatschule Johannes Paul II. Englisch, Italienisch und christliche Ethik unterrichtet. Die kleine Bildungseinrichtung startete erst vor einem Jahr und hat bisher erst zwölf Schülerinnen und Schüler. Schon nach wenigen Monaten endete der Unterricht mit dem Krieg abrupt. Ebenso wie die Kinder und Jugendlichen mit ihren Eltern die Ukraine verließen, ging auch Sr. Nataliya nach Polen, um bei einer Niederlassung ihres Ordens die Flüchtlingsversorgung zu koordinieren. Mittlerweile sind alle wieder in Kiew. „Dass die Schule wieder im Präsenzunterricht weitergeht, war für viele Familien der wichtigste Grund zur Rückkehr, neben dem Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes", sagt die Ordensfrau. Viele andere Schulen im Land würden weiter nur online unterrichten.
Freilich: Sicher ist die Ukraine nicht, und auch die Hauptstadt verzeichnet weiterhin täglich Raketenbeschuss. „Dreimal Luftalarm an einem Tag ist für uns ein eher ruhiger Tag", meint Sr. Nataliya. In der Schule markiert jedes Sirenengeheul den Gang in den Keller, wo weiter unterrichtet wird - in einem dafür adaptierten Raum, in dem jede Ecke einer Klasse zugeteilt ist. Die Kinder seien äußerst diszipliniert bei der Sache und bemühten sich sichtlich darum, andere nicht durch Lärm zu stören, erzählt die 42-Jährige. Endet der Alarm, wollten ihre Schützlinge oft noch länger im Keller bleiben. Der Grund: die große Spielzeugauto- und Modelleisenbahntrasse, die dort als Pausenbeschäftigung aufgebaut wurde.
Foto: Kinderärztin Dr. Anna Bantovska und der Ordensfrau Sr. Nataliya Vakulishyna (Jugend eine Welt). 

Deutsche Bischöfe von Papst Franziskus empfangen

Deutsche Bischöfe und Kurienchefs beraten über mehrere Stunden

Papst Franziskus hat die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am Donnerstag im Vatikan in Audienz empfangen. Die deutschen Bischöfe absolvieren in der laufenden Woche ihren turnusgemäßen Ad-limina-Besuch in Rom, der für alle Bischöfe der Weltkirche alle fünf bis sieben Jahre vorgesehen ist.

Nach DBK-Angaben ging es in der zweistündigen Begegnung in Form einer offenen Gesprächsrunde mit dem Papst unter anderem um das Engagement von Laien in der Kirche, das Selbstverständnis des priesterlichen und bischöflichen Amtes sowie Überlegungen zur Seelsorge und die Herausforderung, wie Evangelisierung im Kontext einer säkularen Welt gelingen kann.

Am Freitag haben die Bischöfe und die Leiter der wichtigsten Vatikanbehörden mehrere Stunden lang über aktuelle kirchenpolitische, kirchenrechtliche und theologische Themen gesprochen. An dem ungewöhnlich langen Treffen im großen Hörsaal der Augustiner-Hochschule unmittelbar neben dem Petersplatz nahmen für den Vatikan unter anderen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sowie der Leiter der Dikasterien für die Glaubenslehre, Kardinal Luis Ladaria, und für die Bischöfe, Kardinal Marc Ouellet, teil.

Kardinal Marx beschwört Tradition für Neuanfang in der Kirche

Aus Sicht des deutschen Kardinals Reinhard Marx darf es bei Reformbestrebungen in der Kirche nicht zu einem Bruch mit der Vergangenheit kommen. „Im Gegenteil: Wir müssen den Mut haben, im Licht der Tradition etwas Neues zu beginnen und den Schatz von früher mitzunehmen. Vor allem aber müssen wir nach vorne schauen", sagte der Erzbischof von München und Freising am Donnerstagabend in einer Predigt in der Kirche Sankt Paul vor den Mauern. In der römischen Patriarchalbasilika wird das Grab des Apostels Paulus verehrt.

Kirchenhistoriker Wolf: Deutsche Bischöfe wehleidig und mutlos

Kurz vor dem Ad-Limina-Besuch der deutschen katholischen Bischöfe in Rom kritisiert der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf Papst Franziskus. Den reformorientierten Bischöfen attestiert er Wehleidigkeit und Mutlosigkeit. Der Papst nehme Synodalität nicht ernst, sagte Wolf im Interview der Zeitschrift „Publik-Forum". "Was bei Franziskus synodal heißt, ist meiner Meinung nach nichts anderes als jesuitische Aktivierung. Alle sollen sich einbringen, aber am Schluss entscheidet der Ordensgeneral. Nur mit dem Unterschied, dass Franziskus nichts entscheidet."

Als Beispiel nannte Wolf die Amazonas-Synode. Dort wurde von einer Dreiviertelmehrheit der Synodalen beschlossen, verheiratete Männer zu Priestern zu weihen. Das habe der Papst in seinem Schlussdokument schlicht ignoriert. Man müsse schon fragen, wie ernst Franziskus Synodalität nehme, wenn eine so klare Mehrheitsmeinung unter den Bischöfen nicht umgesetzt wird.

Unter den deutschen Bischöfen nehme er Wehleidigkeit und mangelnden Einsatz für Reformen wahr, so Wolf weiter. „Wenn Kardinal Marx in der Liebfrauenkirche sagt, dass er für das Diakonat der Frau ist - warum beantragt er dann beim Papst keinen Indult [Sondergenehmigung; d. Red.]? Gemeinsam mit zehn weiteren Bischöfen, die auch dafür sind? Ob dazu viel Mut gehört, weiß ich nicht."

Foto: Papst Franziskus mit dem Münchner Kardinal Reinhard Marx  (Vatican Media).

Neuer Bericht zu Hassverbrechen gegen Christen in Europa

Mehr als 500 Fälle von Hassverbrechen gegen Christen und christliche Einrichtungen in 19 europäischen Staaten hat die in Wien ansässige Beobachtungsstelle OIDAC für das Jahr 2021 dokumentiert. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten Jahresbericht des "Observatory on Intolerance and Discrimination Against Christians" hervor. Demnach wurden im Zeitraum von Jänner bis Dezember des Vorjahres in Europa vier Christen ermordet; der Bericht verzeichnet zudem 14 körperliche Angriffe. „Aufgrund der allgemeinen Dunkelziffer von Hassverbrechen können wir davon ausgehen, dass die tatsächliche Zahl der Fälle viel höher ist", wird in dem Report festgehalten. 

Neben Hasskriminalität wie Vandalismus, Diebstählen oder Brandstiftung hat die Beobachtungsstelle nach eigenen Angaben außerdem eine "alarmierende Anzahl" an negativen Stereotypen, vermeintlichen Rechtfertigungen für Gewalt oder direkte Beleidigungen gegen Christen oder christliche Konfessionen durch Personen des öffentlichen Lebens, darunter auch Politiker oder Journalisten, registriert. 

Alt-Landeshauptmann Pühringer ortet „Verdrängung von Gott" in EU

Vor einer Verdrängung des Christentums und auch ganz allgemein von Religion im öffentlichen Leben hat Oberösterreichs Alt-Landeshauptmann Josef Pühringer gewarnt. Die Religionsgemeinschaften seien wichtige zivilgesellschaftliche Akteure, die auf Ebene der EU wie auch der Nationalstaaten noch mehr als bisher anerkannt und gefördert werden sollten, schrieb Pühringer in einem Kommentar für das „Volksblatt". Da Religion eine „Hoffnungsquelle" und ein wichtiger „Kitt" der Gesellschaft sei, grabe man sich durch ihre Verdrängung bloß „das eigene Wasser ab", griff der ÖVP-Politiker eine Formulierung des Linzer Bischofs Manfred Scheuer auf. 

An zwei Beobachtungen machte Pühringer seine Sorge fest. Einerseits daran, dass die Europäische Union bei ihrer letzten Vertragsänderung nicht bereit gewesen war, in der Präambel die christlichen Wurzeln als „Zeichen der europäischen Identität" aufzunehmen. 

Für die Kirche sei dies eine "bittere Stunde" gewesen, so der nunmehrige Vorsitzende der Linzer "Pro Oriente"-Sektion. Manche in Europa meinten zu Unrecht, "dass die Frage nach der Gegenwart des Gottesbezugs in Europa abzulegen ist, weil sie historisch verbraucht ist".

Doch auch Österreich liefere ein Negativ-Beispiel, erklärte Pühringer: Konkret die Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs vom 30. Juni, wonach es keine sachliche Rechtfertigung für eine Ungleichbehandlung von Religion und Kunst während der Pandemie gegeben habe. 

Irak: In Mossul läuten wieder Kirchenglocken 

In der nordirakischen Metropole Mossul läuten wieder Kirchenglocken. Am vergangenen Sonntag, 13. November, wurden erstmals wieder die Glocken der chaldäischen Pauluskirche in Betrieb genommen, wie das in Linz ansässige Hilfswerk „Initiative Christlicher Orient" (ICO)  berichtete. Es war das erste Glockenläuten, seit die Terrormiliz IS im Juni 2014 die Stadt eroberte. Christen aus verschiedenen Teilen der irakischen Ninive-Ebene waren am Sonntag zur Kirche gekommen, um bei dem denkwürdigen Ereignis dabei zu sein. 
„Wir hoffen, dass alle ursprünglichen Bewohner in ihre Häuser zurückkehren und Sicherheit und Stabilität erfahren und im Schoß ihrer Stadt gedeihen", sagte der chaldäische Erzbischof von Mossul, Michael Najeeb Moussa, im Rahmen der feierlichen Zeremonie, bei der die Glocken wieder in Betrieb genommen wurden. 
Um die Wiederanbringung der Glocken auf dem Kirchendach hätten sich Christen und Muslime gleichermaßen bemüht, hieß es aus Kirchenkreisen. Die Initiative spiegle die Entschlossenheit der Menschen vor Ort für ein friedliches Zusammenleben zwischen den Religionen wider. 
Foto: www.facebook.com/initiativechristlicherorient 

Militärbischof übernimmt Vorsitz der US-Bischofskonferenz
"Franziskus-Flügel" völlig  chancenlos
 

Timothy P. Broglio (70), seit 2008 Militärbischof der USA, ist neuer Vorsitzender der katholischen US-Bischofskonferenz. Der aus Cleveland im Bundesstaat Ohio stammende Erzbischof setzte sich am Dienstag (Ortszeit) in Baltimore bei der Herbsttagung der Bischöfe gegen neun Mitbewerber durch. Er wurde im dritten Wahlgang mit 138 der 237 abgegebenen Stimmen für eine dreijährige Amtszeit gewählt. Zu seinem Stellvertreter wählten die Bischöfe in einem zusätzlichen Wahlgang Erzbischof William E. Lori (71) aus Baltimore, der zuvor hinter Broglio die zweitmeisten Stimmen erhalten hatte. Broglio und Lori werden zum konservativen Flügel der Bischofskonferenz gezählt. 
Unter den zehn Kandidaten galt nur einer, Seattles Erzbischof Paul Etienne, als Angehöriger des „Franziskus-Flügels". 
Broglios zehnjährige Erfahrung an der römischen Kurie wird von Kritikern auch als Problem gedeutet. Sie halten ihm eine zu große Nähe zum ehemaligen Chefdiplomaten des Vatikans vor, dem im Mai verstorbenen früheren Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano (1927-2022). Broglio war von 1990 bis 2001 einer von dessen engsten Mitarbeitern im vatikanischen Staatssekretariat. Insbesondere in der Missbrauchskrise tauchten immer wieder Vorwürfen gegen Sodano auf, er habe als Kardinalstaatssekretär wiederholt versucht, eher die Kirche als Institution zu schützen, anstatt Opfern von Missbrauch zu helfen und die Wahrheit ans Licht zu bringen. 

Kurznachrichten

 

Papst Franziskus hat zu Hoffnung und Engagement für Bedürftige aufgerufen. Zugleich verurteilte er Verschwörungstheoretiker und Populisten scharf. In der Messe am Sonntag im Petersdom rief er die Menschen auf, sich nicht in die Irre führen zu lassen von „Untergangspropheten" und „Sirenen des Populismus". 

 

Papst Franziskus will sich nicht in die italienische Politik einmischen. „Es gibt eine legitime, vom Volk gewählte Regierung, sie steht am Anfang ihres Weges, und ich wünsche denjenigen, die sie leiten, und ihren Mitarbeitern das Beste".

 

Vatikan. Das vatikanische Christbaum-Problem scheint gelöst. Nachdem das Fällen der vorgesehenen Weißtanne in der Gemeinde Rosello verhindert worden war, haben zuständige Förster in den Abruzzen einen anderen Baum für den Petersplatz zugesagt. 

 

USA. Ein von der Regierung geplantes Gesetz zum landesweiten Schutz der sogenannten „Homo-Ehe" steht offenbar vor der Verabschiedung. Der aktuelle Gesetzentwurf enthält einen Zusatz, wonach keine Kirche zivilrechtlich belangt werden kann, die sich weigert, Homosexuelle zu trauen. 

 

Ägypten hat weitere 125 Kirchenbauten und angegliederte Dienstgebäude legalisiert. Damit sind seit Beginn der Legalisierungskampagne 2017 bisher 2.526 christliche Gotteshäuser ohne offizielle Lizenz nachträglich genehmigt worden.

 

Brasilien. Der Seligsprechungsprozess für Dom Helder Camara (1909-1999), einen bedeutenden Vertreter der Befreiungstheologie in Brasilien, schreitet voran. Nun beginnt die „römische Phase" des Verfahrens.

 

Burkina Faso. Nach Informationen des päpstlichen Hilfswerks Kirche in Not werden Christen in Burkina Faso immer häufiger zum Ziel von Dschihadisten. Im ganzen Land gibt es mittlerweile mehr als 1,7 Millionen Binnenvertriebene.

 

Italiens Bischofskonferenz hat erstmals Zahlen zu Missbrauch in ihren Diözesen genannt. In den vergangenen 20 Jahren seien 613 Meldungen zu mutmaßlichen Missbrauchsfällen an die vatikanische Glaubensbehörde übermittelt worden.

 

Italien. In Südtirol hat die Diözese Bozen-Brixen ein neues Mindestalter von 16 Jahren für das Sakrament der Firmung eingeführt. Am Wochenende firmte Diözesanbischof Ivo Muser die ersten acht Jugendlichen, die den „neuen Firmweg" absolviert haben. 

 

El Salvador. Einer der Verantwortlichen des Mordes an sechs Jesuiten vor 33 Jahren ist unter Auflagen freigelassen worden. Oberst Guillermo Benavides (77) hat erst ein Drittel der verhängten Strafe verbüßt. 

 

In Frankreich hat ein weiterer Bischof sexuelle Vergehen eingeräumt: der emeritierte Straßburger Erzbischof Jean-Pierre Grallet (81), Mitglied des Franziskanerordens.




Brasilien. Der Weihbischof in der Erzdiözese Belo Horizonte, Vicente de Paula Ferreira, ist am 12. November nach einer Messfeier von einem bewaffneten Mann bedroht worden. Bei dem Angreifer soll es sich um einen Anhänger des abgewählten Staatspräsidenten Jair Bolsonaro gehandelt haben.


Österreich


Österreich. Der Tiroler Priester Johannes Lackner (27)  wird neuer Olympia- und Paralympics-Seelsorger. Er folgt auf den Heiligenkreuzer Ordensmann P. Johannes Paul Chavanne, der diese Funktion 10 Jahre innehatte und im Mai zum Prior seines Stiftes gewählt worden ist.

 

Wien. Der Katholische Familienverband Österreich (KFÖ) begrüßt den am Mittwoch vorgestellten neuen Entwurf zum Mutter-Kind-Pass, der künftig ein digitaler Eltern-Kind-Pass werden soll: "Wir sind erleichtert, dass nun Bewegung in die Sache kommt und die Leistungen weiterhin aus der öffentlichen Hand bezahlt werden".

 

Niederösterreich. Die Konsolidierung der Chorherrengemeinschaft im Stift Klosterneuburg schreitet voran und könnte bald zu einem positiven Abschluss kommen. Das hat der Administrator des Stifts, Prälat Maximilian Fürnsinn, im Rahmen einer Pressekonferenz zum Leopoldifest betont. 

 

Wien. Scharfe Kritik am Vorstoß von ÖVP-Klubchef August Wöginger zu einer Überarbeitung der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) hat Caritas-Präsident Michael Landau geäußert. 

 

Vorarlberg. Am Wochenende wurde im Sacre Coeur Riedenburg in Bregenz ein neues pastorales und soziales Zentrum für Menschen aus der Ukraine eingeweiht. Die neue Einrichtung umfasst u.a. ein Wohnheim und ein Gemeinschaftszentrum, auch die Kirche des Sacre Coeur steht der ukrainischen Gemeinde für ihre Gottesdienste zur Verfügung. 

 

Wien. Ökumenischer Schulterschluss zur Rettung der vom Aus bedrohten "Wiener Zeitung": Mit einer Petition hat sich ein interreligiös zusammengesetztes Personenkomitee –unter ihnen Kardinal Schönborn - an die Bundesregierung gewendet und den Erhalt der „Wiener Zeitung" gefordert. Sie ist die älteste Tageszeitung der Welt.

 

Oberösterreich. Bevor die Marienschwestern vom Karmel Ende November in ihr neues Mutterhaus in Bad Mühllacken übersiedeln, laden sie von 24. bis 26. November zum Kloster-Flohmarkt in Linz ein. Der Erlös kommt der Uganda-Mission des Ordens zugute. 

 

Kärnten. Unter dem Titel "Unser tägliches Brot" steht das neue Jahrbuch 2023 der Diözese Gurk. 

300 Seiten, 15 Euro. 

„Ö3-Wundertüte"

„Die Ö3-Wundertüte macht's möglich - ganz Österreich sammelt alte Handys, ganz Österreich hilft!" Mit diesen Worten hat der ORF die schon zur Tradition gewordene Hilfsaktion angekündigt, mit der alte Handys umweltgerecht verwertet und zur Hilfe für Bedürftige werden - ein laut Aussendung am Montag "Wunder mit doppelter Wirkung - für die Umwelt und Familien in Notlagen". Kaputte Geräte werden recycelt und noch funktionierende wieder benutzt. Mit dem Erlös dieser Verwertung helfen die Soforthilfefonds von Caritas und „Licht ins Dunkel" Notleidenden. „Alte Handys können so zum Beispiel eine kalte Wohnung heizen, für einen vollen Kühlschrank sorgen oder für warme, sichere Nächte in Mutter-Kind-Häusern sorgen", hieß es zum Start der Aktion.
Die gemeinsame Aktion von Ö3, Post, Caritas und „Licht ins Dunkel" habe seit 2005 bereits rund sieben Millionen alte Handys erbracht und diese „in rund zehn Millionen Euro verwandelt". 
Foto: https://oe3.orf.at/wundertüte.

Auch das noch...

Kolumbien: Erzbischof an Friedensdialog mit Guerilla beteiligt

Einer der prominentesten Kirchenvertreter in Kolumbien, Erzbischof Dario de Jesus Monsalve (74) aus Cali, wird an den Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der linksgerichteten Guerilla-Organisation ELN teilnehmen. Der Erzbischof gilt als der führende Kopf innerhalb der Kirche in dem südamerikanischen Land. Er hat laut einem Bericht der Tageszeitung "El Pais" die besten Kontakte zur ELN-Guerilla, da er in den vergangenen Jahren immer wieder bei humanitären Aktionen wie der Freilassung von Geiseln als Vermittler fungierte. Während der Sozialproteste in den vergangenen Jahren stellte sich Jesus Monsalve hinter die Anliegen der Demonstranten und kritisierte die bisweilen brutale Polizeigewalt gegen Zivilisten.
Die ELN wurde 1964 von Studenten, katholischen Radikalen und linken Intellektuellen aus Protest gegen die Armut der Kleinbauern gegründet. Eine ihrer Ikonen war der katholische Priester Camilo Torres. Das Verhältnis von Marxismus und Christentum kommentierte Torres einst mit dem Satz: "Warum sollen wir streiten, ob die Seele sterblich oder unsterblich ist, wenn wir beide wissen, dass Hunger tödlich ist?" Torres starb 1966 bei Kämpfen mit Regierungstruppen. Es war nach kolumbianischen Quellen sein erster Kampfeinsatz überhaupt. 
Laut Wahrheitskommission zur Aufarbeitung des bewaffneten Konflikts war die ELN im Zeitraum von 1986 bis 2016 für rund 18.600 Tote verantwortlich.
 

Viele britische Kirchen wegen Geldmangel in Existenz bedroht

Viele britische Kirchen sind wegen fehlender finanzieller Nachhaltigkeit in ihrer Existenz bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Universität Cambridge, die sich mit den Gegebenheiten in der anglikanischen Diözese Ely befasst. Demnach erwies sich von den Hunderten Kirchen der Diözese, die meisten davon in ländlichen Gebieten, gerade einmal jede fünfte als rentabel. Ein Drittel der Gotteshäuser verursacht jährlich mehr Ausgaben als Einnahmen.

Nigeria: Bischöfe warnen vor "Wunderheilern"

In Nigeria haben mehrere katholische Bischöfe vor den Aktivitäten sogenannter „Wunderheiler" gewarnt. "Hütet euch vor falschen Propheten", sagte Bischof David Ajang laut Meldung des vatikanischen Missionspressediensts "Fides" in seiner jüngsten Sonntagspredigt und warnte die Gläubigen vor angeblichen "Heilern". "Wenn ihr ein Problem habt, denkt kritisch nach, bevor ihr nach einfachen Lösungen sucht. Wenn wir krank sind, gehen wir ins Krankenhaus", betonte der Diözesanbischof von Lafia. Zu viele Menschen hätten hingegen falsche Entscheidungen getroffen und ihr Leben verloren.
„Es ist sehr bedauerlich, dass sich in der katholischen Kirche in Nigeria sogenannte private oder persönliche 'Geistliche der Heilung' und 'Geistliche der Anbetung' ausbreiten", sagte auch Bischof Felix Femi Ajakaye in einer Predigt am Rande des nigerianischen Pastoralkongresses. „Diese 'Geistlichen' führen unorthodoxe Praktiken in die Liturgie der katholischen Kirche ein", warnte der Bischof von Ekiti. 
 

Linzer Theologin setzt neuen Akzent an römischer Hochschule

Zur Erforschung christlicher Spiritualität im zeitgenössischen Horizont ist an der päpstlichen Benediktiner-Hochschule Sant'Anselmo in Rom eine neue Stiftungsprofessur eingerichtet worden. Besetzt wurde sie jüngst mit der Linzer Theologin Isabella Bruckner (30). Diese will künftig im Rahmen ihrer Tätigkeit das vielfältige christliche spirituelle Erbe für die Gegenwart fruchtbar machen und ein neues Zielpublikum erreichen, wie sie im „Radio Vatikan"-Interview erläuterte.
Bruckner hatte sich im vergangenen Frühjahr im Auswahlverfahren gegen vier weitere Kandidaten in der engeren Auswahl durchsetzen können. Die 1991 in Amstetten geborene Theologin war die einzige Österreicherin im Finale und überhaupt die jüngste Kandidatin. Vor Antritt ihrer Professur bei Sant'Anselmo lehrte Bruckner Fundamentaltheologie in Wien und Linz. 

Oberösterreichs neuer „Jägerpfarrer"

Einen eigenen Pfarrer für Jäger gibt es in der Diözese Linz: Der Priester Franz Salcher (66) ist als von Bischof Manfred Scheuer für diese Funktion Beauftragter für 20.000 Jägerinnen und Jäger in Oberösterreich die erste Ansprechperson in seelsorglichen Angelegenheiten. „Themen wie Schöpfung, Achtung vor der Natur und der verantwortungsvolle Umgang mit dem Kulturraum, der auch die Entnahme von Tieren beinhaltet, bewegen mich sehr", erklärte Salcher in einem Beitrag der Linzer Kirchenzeitung. 
Das Erlegen gehöre zu den selbstverständlichen Aufgaben des Jägers, damit Pflanzenwelt und Wald sowie Tierwelt im Gleichgewicht bleiben, gab der frischernannte Jägerpfarrer zu Protokoll. „Der Mensch hat seit Jahrhunderten die Natur mitgeprägt. Er hat die Aufgabe einzugreifen." Richtig verstandene Jagd entspreche auch den Vorgaben von Papst Franziskus, die Schöpfung als „gemeinsames Haus" zu sehen, unter dessen Dach Mensch und Natur gemeinsam lebten.
Als Sohn eines Landwirts und Jägers ist Salcher schon sein Leben lang mit der Jagd verbunden. Die Jagdprüfung legte er während seiner Zeit im Priesterseminar ab, zum aktiven Jäger wurde er jedoch erst als Pfarrer in Gaflenz (Bezirk Steyr-Land). Als er später die Linzer Pfarren Guter Hirte und St. Franziskus übernahm, musste diese Leidenschaft längere Zeit pausieren. Vor fünf Jahren dann pachtete der Priester in seinem Heimatort Kleinreifling ein eigenes Jagdrevier. Jagen bringe ihn „von den Alltagsthemen weg", denn jeder Pirschgang sei „ein Erlebnis" und bringe ihm Gott nahe, so der Priester, der als Pfarrer mit September emeritiert wurde.
Dabei gab es in Oberösterreich bereits zuvor einen Landesjägerpfarrer: Salchers Vorgänger war Hermann Scheinecker, der 2020 verstarb.