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die neue Kirchenzeitung

21. August 2022 

Hochzeit auf Sylt

Der deutsche Finanzminister Christian Lindner (43) hat am 9. Juli die Journalistin Franca Lehfeldt (32) in einer evangelischen Kirche auf der Insel Sylt geheiratet. Die Pastorin verteidigte den „Traugottesdienst“, obwohl beide aus der Kirche ausgetreten sind: er aus der katholischen, sie aus der evangelischen.
Der evangelische Ethikprofessor Mathias Wirth kritisierte die Hochzeit. Er sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, dies sei eine „wenig sozial- und moralsensitive Luxus-Trauung eines Ministers, der zeitgleich die Hartz-IV-Sätze für Langzeitarbeitslose kürzen will“.
Andere kritisierten, das Paar habe die Kirche nur als Kulisse benutzt 

und eine Dienstleistung in Anspruch genommen, die Kirchenmitglieder finanzieren.
Lindner verteidigte: Der kirchliche Segen sei ihm „wichtig" gewesen, er sei ja nicht „aus jeder Form der Spiritualität“ ausgetreten. Bleibt die Frage, warum ihm plötzlich die Kirche wichtig ist. Spiritualität hätte er ja auch bei einem Imam oder Hindu-Priester suchen können.
Mindestens genauso hinterfragenswert war jedoch auch die Anreise des Hochzeitsgastes Friedrich Merz. Der CDU-Chef kam mit seinem Privatjet. Von Inflation, Teuerung, dem derzeitigen Fall von Millionen unter die Armutsgrenze und dem Klimawandel hat der Christdemokrat offenkundig nichts mitbekommen.           P. Udo

Anglikaner-Chef Welby: Bischofstreffen übertraf meine Hoffnungen

Erzbischof Justin Welby von Canterbury hat die große Zahl und Vielfalt der Teilnehmer, die Atmosphäre von Liebe trotz Meinungsunterschieden sowie die intensiven Bibelarbeiten als größte Erfolge der anglikanischen Lambeth-Konferenz bezeichnet. „Wir hatten eine wirklich bemerkenswerte Zeit; alle meine Hoffnungen wurden übertroffen", sagte der Ehrenprimas der Anglikaner vor Journalisten in Canterbury. Er zeigte sich erleichtert, dass die Sitzung zum Haupt-Reizthema Umgang mit Homosexuellen in einer breiten Akzeptanz geendet sei, trotz profunder Differenzen in der Sache.
Als größten Mangel des zwölftägigen Welt-Bischofstreffens wertete er, dass er nicht in der Lage gewesen sei, Nigeria, Uganda und Ruanda ausreichend zu einer Teilnahme zu ermutigen. Die anglikanischen Oberhäupter aus den drei Ländern hatten vor der Konferenz ihr Fernbleiben aufgrund von Differenzen zur Segnung gleichgeschlechtlicher Ehen sowie der Bischofsweihe für Homosexuelle durch die anglikanische Gemeinschaft angekündigt.
„Sie waren in meinem Herzen. Nicht eine einzige Veranstaltung, in der ich sie nicht vermisst und ihre Abwesenheit bedauert hätte", so der Erzbischof von Canterbury. "Sie wären so eine starke und wundervolle Bereicherung gewesen. Es tut mir so leid", betonte Welby. Nigeria, Uganda und Ruanda repräsentieren etwa 20 Millionen anglikanische Christen.
Die 15. Lambeth-Konferenz ging mit einem Gottesdienst in der Kathedrale von Canterbury zu Ende. Seit 26. Juli waren zu dem etwa alle zehn Jahre tagenden Treffen rund 660 Bischöfinnen und Bischöfe aus 165 Ländern sowie etwa 480 Ehepartner versammelt. Unter dem Motto "Gottes Kirche für Gottes Welt" diskutierten sie Themen wie Mission und Evangelisierung, Missbrauch, anglikanische Identität, Klimawandel, Krieg und Konflikte, Ökumene und interreligiöser Dialog sowie Menschenwürde. Die Anglikanische Gemeinschaft besteht aus 42 Provinzen mit insgesamt zwischen 77 und 85 Millionen Gläubigen und ist damit die drittgrößte christliche Konfession weltweit.
Foto: Website der Erzbischofs von Canterbury.
 

Indische Regierung weist Klage gegen Christenverfolgung zurück

Die indische Regierung hat vor dem Obersten Gericht die Abweisung einer von dem katholischen Erzbischof Peter Machado von Bangalore, dem „National Solidarity Forum" und der „Evangelical Fellowship of India" eingereichten Petition zur Beendigung von Christenverfolgung beantragt. Die Petition sei „falsch" und habe das Ziel „im ganzen Land Unruhe zu stiften“.
Colin Gonsalves, Anwalt der Petitions-Verfasser, führte laut Ucanews vor Gericht aus, allein im Jahr 2021 seien mehr als 500 Angriffe auf Christen registriert wurden. Generalstaatsanwalt Tushar Mehta habe allerdings entgegnet, keiner der von den Antragstellern oder "den angeblichen Organisationen" gemeldeten Fälle sei „verifiziert" worden.
Seit der Machtübernahme des hindunationalistischen Premierministers Narendra Modi und seiner Indischen Volkspartei (BJP) im Jahr 2014 verbreiten Hinduextremisten zunehmend Hass und Gewalt gegen Christen und Muslime. Die BJP und ihre Verbündeten streben eine Art hinduistischen Gottesstaat an, in dem Minderheitsreligionen bestenfalls geduldet sind. Christen machen 2,3 Prozent der 1,3 Milliarden Inder aus, von denen 80 Prozent Hindus sind.
Katholiken in Indien protestieren gegen Hafenbauprojekt
Katholische Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien protestieren im südindischen Kerala gegen ein großes Hafenprojekt des Milliardärs Gautam Adani. Der im Bau befindliche Tiefseehafen gefährde die Lebensgrundlage von Tausenden Fischern, betonten die Katholiken bei einer Demonstration vor dem Parlament von Kerala, wie der asiatische Pressedienst „Ucanews" berichtete.
An die kommunistische Regierung von Kerala wurde appelliert, den Bau des Hafens zu stoppen und den vertriebenen Anwohnern die versprochenen Entschädigungen zu zahlen. 
 

Moskaus Erzbischof: Kasachstan-Besuch des Papstes sehr wichtig

Der katholische Erzbischof von Moskau, Paolo Pezzi, hält die Papstreise nach Kasachstan für katholische Gläubige in Russland für sehr wichtig. "Erstens, weil wir nicht wissen, ob und wann der Papst zu uns kommen kann, und weil Kasachstan unter den Ländern, die der Papst besucht, dasjenige ist, das uns am nächsten liegt", sagte Pezzi im Interview mit Vatican News. Russen könnten mit einer gewissen Freiheit nach Kasachstan reisen und daher wollten viele Mitte September in das Nachbarland pilgern.
Franziskus plant die kasachische Hauptstadt Nur-Sultan von 13. bis 15. September für einen Kongress der Weltreligionen zu besuchen. Zu dem Kongress, der alle drei Jahre stattfindet, hatte vor geraumer Zeit auch der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. sein Kommen angekündigt. Ob der Moskauer Patriarch wirklich anreist und es dann zu einem Treffen von Franziskus und Kyrill kommt, ist noch offen.
Papst Franziskus hatte seit Beginn des Ukraine-Krieges mehrfach den Wunsch geäußert, nach Russland zu reisen und den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu treffen. Konkrete Planungen hierzu scheint es nicht zu geben. Anders sieht es bei einer Ukraine-Reise aus. Hier liegt eine Einladung der Ukraine vor und der Papst hat bekräftigt, dass er zeitnah nach Kiew reisen will. Ob eine solche Reise noch vor dem Besuch in Kasachstan stattfindet, ist jedoch unklar.
 

Heiligsprechung in Serbien löst ökumenischen Konflikt aus

Die Synode der Serbischen Orthodoxen Kirche hat sieben Kinder heiliggesprochen und damit einen ökumenischen Konflikt ausgelöst. Die „Märtyrerkinder von Jastrebarsko und Sisak" sollen während der Zeit des „Unabhängigen Staates Kroatien" (NDH) im Zweiten Weltkrieg Opfer von Quälereien geworden sein, weil sie orthodox waren, und in einem Kinderheim der katholischen Kirche misshandelt  und zu Tode gekommen sein.  Die katholischen Bischöfe des Landes äußerten sich empört über das Vorgehen und sprachen in einem Protestschreiben von „Unwahrheiten und Manipulation", wie der Ökumene-Fachdienst der Katholischen Nachrichtenagentur in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.
Als Reaktion auf die Kanonisierung haben sieben kroatische katholische Bischöfe, darunter der Erzbischof von Zagreb, Kardinal Josip Bozanic, ein Protestschreiben an den Serbischen Patriarchen Porfirije gerichtet. Die Bischöfe verurteilen die serbische Version des historischen Ereignisses auf das Schärfste und listen in ihrem Schreiben viele Ungenauigkeiten in der für die Heiligsprechung verwendeten Dokumentation auf, während sie andere Quellen zur Korrektur ihrer Interpretation anbieten. "Wir sind fassungslos und traurig, weil wir den Eindruck haben, dass die Heilige Synode der Bischöfe der Serbischen Orthodoxen Kirche in dieser Angelegenheit offensichtlich Rhetorik und kommunistische Propaganda voller Unwahrheiten und Manipulationen akzeptiert hat", kritisierten die Bischöfe. Sie warnten vor den sehr negativen Auswirkungen, die die Fortsetzung solcher Heiligsprechungen auf die Beziehungen zwischen kroatischen Katholiken und serbischen Orthodoxen haben könnte.
Die „Kinderlager" werden von Serben und Kroaten völlig unterschiedlich gesehen: Nach kroatischer Sicht habe man den leidenden serbischen Kindern geholfen, und die Nonnen, die die „Auffangzentren" für Kinder betreuten, die von ihren Eltern getrennt wurden, welche meistens getötet wurden, zeigten wahre Güte und Barmherzigkeit.
Nach serbischer Sicht hätten die Lager letztlich nur der Zwangskatholisierung oder Vernichtung der dort untergebrachten Insassen gedient. 

Synodaler Prozess: Schweizer Katholiken wünschen sich Reformen

Wer knallharte Forderungen erwartet, dürfte beim Lesen des Schweizer Schlussberichts für die katholische Weltbischofssynode 2023 enttäuscht sein. Der Ton ist sachlich, die Wünsche sind wohldosiert. Bereits im Vorfeld hatte der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz, Felix Gmür, darum gebeten, auf das Wort „Forderungen" zu verzichten - denn darauf reagiere Rom allergisch.
Keine Forderungen, dafür aber viele Wünsche und Anregungen gehen nun von Rhein und Rhone nach Rom. In manchen Bereichen ist die Schweiz schon seit Jahrzehnten weltweit Pionierin - wenn es etwa darum geht, dass auch Laiinnen und Laien Gemeinden leiten, Kinder taufen und Paare trauen dürfen.
An diese Erfahrungen möchten die Schweizer Katholikinnen und Katholiken anknüpfen und vorwärtsgehen. Der Schweizer Schlussbericht wünscht sich eine synodale Kirche, die „die königliche, priesterliche und prophetische Würde und Berufung" der Getauften anerkennt. Soll heißen: Auf die Taufe kommt es an. Und: Auch Frauen, Geschiedene und queere Menschen sollen geweiht werden können.
Der Schlussbericht hebt zwei Punkte hervor. Zum einen dürften Menschen nicht mehr ausgeschlossen werden - etwa Frauen, Geschiedene und queere Menschen. Zum anderen kritisiert das Papier den „teilweise noch vorhandenen Klerikalismus". Dabei könne Synodalität nur gelingen, „wenn der Klerikalismus überwunden wird und sich zunehmend ein Verständnis des Priesteramtes als ein Element entwickelt, das das Leben einer stärker synodal ausgerichteten Kirche fördert".
Der Bericht ist das Ergebnis monatelanger Arbeit. So vielfältig die Schweiz ist, so verschieden haben die Diözesen den synodalen Prozess gestaltet.
Geringes Interesse an synodalem Prozess
Zum Schweizer Understatement gehört es auch, klar zu machen, wie gering das Interesse am synodalen Prozess insgesamt war: Die Teilnahme an den synodalen Gesprächen sei durch Menschen geprägt gewesen, "die kirchennah und zum Beispiel in Pfarreien engagiert sind", hält der Schlussbericht fest. "Die Haltungen und Einstellungen der vielen kirchendistanzierten Kirchenzugehörigen wurden kaum erfasst."
Foto: Website der Schweizer Bischofskonferenz.
 

Malteser aus aller Welt appellieren an Papst wegen Ordensreform

Präsidenten nationaler Assoziationen des Malteserordens sorgen sich um die Zukunft des Ordens. In einem offenen Brief an Papst Franziskus bitten ihn die Vertreter, die laufenden Reformpläne zu stoppen und stattdessen unter breiter Beteiligung der Mitglieder neue Vorschläge ausarbeiten zu lassen. Andernfalls könnten der Orden und seine Werke „schweren Schaden erleiden", heißt es in dem Schreiben, aus dem „L'Espresso" zitiert. Es gehe um die Arbeit von rund 80.000 Freiwilligen und 42 Mitarbeitern.
Besonders kritisieren die Autoren den Vorschlag vom zuständigen Delegierten für den Orden, Kardinal Silvano Tomasi, die Verantwortung von rund 13.000 Laien auf wenige Ordensritter zu übertragen. Den Rittern fehle die Erfahrung und die Qualifikation, eine so große Organisationen zu führen. Tomasi hatte im vergangenen Jahr vom Papst weitreichende Befugnisse mit Blick auf die Wahl einer neuen Leitung des Ordens erhalten, auch ist er zuständig für die Reform.

Katholische Aktion: „Höchste Zeit, das Wahlrecht zu verändern" 

Die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) hat sich dafür ausgesprochen, das Wahlrecht auf in Österreich gemeldete und arbeitende Menschen auszudehnen und auch bisher nicht Wahlberechtigten „Demokratie zuzutrauen". In einer Aussendung betonte das KAÖ-Präsidenten-Team Ferdinand Kaineder, Katharina Renner und Brigitte Knell: „Es kann nicht sein, dass 1,4 Millionen Menschen in Österreich leben und arbeiten, aber ohne Wahlrecht nicht mitbestimmen können." Es sei deshalb "höchste Zeit, das Wahlrecht zu verändern und Menschen einzubeziehen statt auszugrenzen". Aus Sicht der katholischen Laienbewegung wäre dies dem gesellschaftlichen Frieden dienlich, auch gehe es „um Solidarität und um unser Menschenbild mit gleicher Würde aller". 

Die Katholische Aktion erlebe in ihren Mitgliedsorganisationen (Katholische Frauen- und Männerbewegung, Katholische Jungschar und Jugend, Katholische Hochschüler, Akademiker und Arbeitnehmer) in den Pfarren und Knotenpunkten der Kirche, dass sich Menschen aus anderen Ländern integrieren, sich einbringen, hier arbeiten, Steuern bezahlen und oft auch darüber hinaus ehrenamtlich zum Gemeinwohl betragen würden. Diese Personen sollten auch in vollem Umfang in demokratische Entscheidungen einbezogen werden, forderte das KAÖ-Führungstrio.
Foto: Homepage der KAÖ.

 

Erzdiözese Wien zu Kickl-Appell: Kirchenbeitrag berücksichtigt Not 

Schon seit Jahren ist es gelebte Praxis in der Katholischen Kirche, bei der Berechnung des Kirchenbeitrages die individuelle Situation der Beitragspflichtigen zu berücksichtigen. „Daran wird sich selbstverständlich auch in der aktuellen Krise und in Zukunft nichts ändern." Das geht aus einer knappen Reaktion der Erzdiözese Wien auf einen am Sonntag von FPÖ-Chef Herbert Kickl an Kardinal Christoph Schönborn gerichteten Appell hervor, angesichts der Teuerungswelle für unbestimmte Zeit ein „Aussetzen der Kirchenbeiträge" zu verfügen. Beim Suchen nach individuellen Lösungen für Notlagen sei den Kirchenbeitragsverantwortlichen „selbstverständlich bewusst, dass der Kirchenbeitrag für viele Menschen eine Belastung darstellt", wies die Pressestelle der Erzdiözese Wien dazu am Sonntag hin. 

Vorarlberg: Religionslehrer wird Poetry-Slam-Landesmeister

Bei der diesjährigen Poetry-Slam-Landesmeisterschaft in Vorarlberg hat sich der 32-jährige Religionslehrer Simon Ludescher den ersten Platz gesichert. Der an der HLW im Institut St. Josef in Feldkirch tätige Pädagoge trat in den vergangenen fünf Jahren mehrmals bei diesem modernen Dichterwettstreit an, bei dem Poet/innen unter bestimmten Regeln ihre selbst geschriebenen Texte vortragen. Bei der diesjährigen Landesmeisterschaft im Theater am Saumarkt in Feldkirch konnte Ludescher den ersten Platz erringen, wie das „Vorarlberger KirchenBlatt" in seiner aktuellen Ausgabe (11./18. August) berichtete.
Der Theologe im Schuldienst punktete mit Selbstironie: Für seinen Text „20 Anzeichen dafür, dass der Typ, den du auf Tinder kennengelernt hast, ein Religionslehrer ist", bekam Ludescher beim Publikum die beste Bewertung. „Ich habe typische Klischees, die man von einem Religionslehrer kennt, miteingebaut. Das darf man natürlich alles nicht zu ernst nehmen", erklärte der Pädagoge mit einem Augenzwinkern zu seinem Beitrag. 
Das Besondere an den Slam-Wettbewerben ist, dass die Zuhörenden im Saal die Auftritte mitbewerten und zum Schluss den Sieger oder die Siegerin wählen. Bei einem Auslandssemester in England wurde der Religionslehrer, der auch Anglistik studierte, auf die Literatur-Spielart Poetry Slam aufmerksam. „Ich war von dem Format so begeistert, dass ich, als ich zu Hause war, einfach einmal gegoogelt habe, ob es das hier in Österreich auch gibt", erzählte Ludescher der Kirchenzeitung. „Das Tolle an Poetry Slam ist, dass man sich einfach ausprobieren kann. Es kann wirklich jeder mitmachen, der Lust dazu hat und sich das Ganze einmal anschauen möchte."

Kurznachrichten

Vatikan. Der kanadische Kurienkardinal Marc Ouellet (78), Leiter der vatikanischen Bischofsbehörde, ist offenbar von einer Missbrauchs-Sammelklage gegen die Erzdiözese Quebec betroffen. Laut übereinstimmenden Medienberichten steht sein Name auf einer Liste mit 88 beschuldigten Geistlichen.

 

Malaysia. Ein Gericht hat den Antrag zweier Christen zur Wiederaufnahme einer Klage gegen einen islamistischen Politiker wegen Verleumdung und Volksverhetzung abgelehnt. Christen sind seit Jahrzehnten Ziel von Hassreden muslimischer Politiker. 

 

USA. Nachfahren ehemaliger Sklaven in den USA werfen dem Jesuitenorden Untätigkeit bei der Umsetzung ihres Entschädigungsversprechens vor. Vor anderthalb Jahren hatten die Jesuiten in den USA angekündigt, 100 Millionen US-Dollar für ein Entschädigungsprogramm zur Verfügung zu stellen. 

 

Palästina. Bei Zusammenstößen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee am sogenannten Josefsgrab in Nablus ist Donnerstagfrüh ein 18-jähriger Palästinenser erschossen worden. 

 

In Kasachstan hat Ex-Präsident Nursultan Nasarbajew am Freitag die größte Moschee Zentralasiens eröffnet. In dem Sakralbau mit einer fast 90 Meter hohen Kuppel in der Hauptstadt Nur-Sultan können laut staatlichen kasachischen Medien gleichzeitig 35.000 Menschen beten, darunter 5.000 Frauen in einem eigenen Saal. 

 

Syrien. Patriarch Aphrem II. hat am vergangenen Wochenende in der syrisch-orthodoxen Kathedrale von Homs ("Sankt-Marien-Kirche des Heiligen Gürtels") einen neuen Schrein eingeweiht, in dem ein Stück des Gürtels der Gottesmutter Maria aufbewahrt wird, der  vor den Islamisten gerettet werden konnte.



Deutschland. Der Vertreter von Laien in der deutschen Erzdiözese Köln, Tim Kurzbach, fordert eine zweite Auszeit für Kardinal Rainer Maria Woelki. Kurzbach warf Woelki vor, die Unwahrheit über seine erste, fünfmonatige Auszeit sowie sein Rücktrittsangebot gesagt zu haben. 

 

Indien. Unter Katholiken mehren sich Forderungen nach einem Vaterschaftstest für Bischof Kannikadass Antony William. Priester und Laien in Williams Diözese Mysore im südlichen Bundesstaat Karnataka werfen ihm seit einigen Jahren vor, sexuelle Beziehungen zu Frauen zu unterhalten und zwei Kinder gezeugt zu haben. 

 

Äthiopien. Kardinal Berhaneyesus Souraphiel hat den Bau der umstrittenen Grand-Ethiopian-Renaissance-Talsperre (GERD) begrüßt. Seit Jahren sorgt der Staudamm für Streit zwischen den Nachbarstaaten Äthiopien, Sudan und Ägypten. 

Österreich

Wien. Die Wiener Ordensspitäler haben 2021 446.000 Patienten betreut, davon 89.900 stationär, 27.700 tagesklinisch und 328.400 ambulant. Es wurden insgesamt 53.400 Operationen durchgeführt, davon 18.700 tagesklinisch und 1.300 ambulant. 

 

Salzburg. Eine Delegation aus der Erzdiözese Salzburg mit Weihbischof Hansjörg Hofer an der Spitze hat die Partnerdiözese San Ignacio de Velasco in Bolivien besucht. Die Partnerschaft zwischen den beiden Diözesen besteht seit 54 Jahren. 

 

Oberösterreich. „Kunst und Kirche. Stachel und Trost" lautet der Titel einer neuen Publikation der Diözese Linz, die künstlerische Gestaltungen in Kirchen und an kirchlichen Orten der vergangenen fünf Jahre - geschaffen von rund 80 Künstlern - dokumentiert.

Stift Melk: Restaurierungs-projekt und neues Buch

Ungeziefer, Feuchtigkeit und Sonneneinstrahlung haben Teile der Melker Stiftsbibliothek stark in Mitleidenschaft gezogen. Um historische Räume und Bestände zu erhalten, läuft bis 2032 ein umfassendes Restaurierungsprojekt in dem Wachauer Benediktinerstift mit einem Volumen von zwölf Millionen Euro. Die 1735 eingerichtete Bibliothek des Stiftes Melk umfasst mehr als 100.000 Bände, davon 1.800 Handschriften und 750 Inkunabeln aus der Frühzeit des Buchdrucks vor 1500. Die älteste Handschrift stammt vom Anfang des 9. Jahrhunderts und beschäftigt sich mit Naturkunde. Pro Jahr werden nun unter Leitung von Papierrestauratorin Bettina Dräxler etwa 10.000 Bände gereinigt, mit der Inventarliste abgeglichen und auf Schäden untersucht. 

Dieser Tage ist der Thesaurus Mellicensis Band VI erschienen: 600 Jahre Melker Reform 1418-2018, hg. von Meta Niederkorn-Bruck und Gottfried Glaßner OSB, 187 S., € 24,90.

Für Seligsprechung von NS-Opfer P. Franz Reinisch

Der Österreichische Cartellverband (ÖCV) erinnert anlässlich des 80. Todestages an sein Mitglied Pater Franz Reinisch. Der Geistliche verweigerte den Fahneneid auf Adolf Hitler, wofür er am 21. August 1942 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet wurde. Der ÖCV setzt sich für dessen Seligsprechung ein.
Reinisch war eines von 26 Mitgliedern von ÖCV-Verbindungen, die dem NS-Terror zum Opfer fielen.
Das aus Vorarlberg stammende Mitglied des Pallottinerordens hatte offen Opposition gegen das NS-Regime bezogen: „Ich kann als Christ und Österreicher einem Mann wie Hitler niemals den Eid der Treue leisten. Es muss Menschen geben, die gegen den Missbrauch der Autorität protestieren; und ich fühle mich berufen zu diesem Protest."
Reinisch wurde 1903 in Feldkirch geboren. In Innsbruck studierte er Theologie und Philosophie und trat 1922 der ÖCV-Verbindung Leopoldina Innsbruck bei. Mit 22 Jahren besuchte Reinisch anschließend das Priesterseminar in Brixen und wurde 1928 im Innsbrucker Dom zum Priester geweiht. Im selben Jahr trat er in den Orden der Pallottiner ein.

Auch das noch...

Kirchenbrände in Ägypten

In Ägypten ist es erneut zu einem Kirchenbrand gekommen. Das Feuer in der 2019 geweihten Anba-Bischoi-Kirche im oberägyptischen Neu-Minya zerstörte laut örtlichen Medienberichten (Mittwoch) das Erdgeschoss des Gotteshauses. Ein Übergreifen des Feuers auf den oberen Teil konnte demnach verhindert werden. Personen kamen nicht zu Schaden.
Auslöser für das Feuer war den Angaben zufolge ein Kurzschluss. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen, hieß es. Am Sonntag waren bei einem Großbrand in einer Kirche im Norden Gisehs 41 Menschen getötet und 14 weitere verletzt worden. Laut einer Untersuchung war ebenfalls ein Kurzschluss die Ursache.
Unterdessen rief Koptenpapst Tawadros II. dazu auf, dem Problem einer zu hohen Besucherdichte in kleinen Kirchen mehr Beachtung zu schenken. Es müsse erwogen werden, Gottesdienste aus engen und überfüllten Kirchen an größere und sicherere Orte zu verlegen, sagte er nach Angaben des koptischen Portals „Watani". Zudem müsste der Bau neuer Gotteshäuser in Ägypten erwogen werden. Dies sei durch ein vor einigen Jahren erlassenes Gesetz erleichtert worden.
 

Bedeutende kirchliche Bibliothek im Libanon wieder eröffnet

Nach umfassenden Renovierungsarbeiten hat der maronitische Patriarch Kardinal Bechara Rai die „Wadi-Qadischa-Bibliothek" am Sommersitz des Patriarchats in Dimane im Libanon wieder eröffnet. Die 2012 gegründete Bibliothek umfasst laut Berichten örtlicher Medien unter anderem Tausende von historischen Dokumenten aus der Zeit, in der das als bedeutendste Kloster des Wadi Qadischa geltende Qannoubine-Kloster Sitz des maronitischen Patriarchen war (1440 bis 1823).
Die Bibliothek sei "eines der wichtigsten Programme des umfassenden kulturellen Erfassungsprojekts für das Erbe des Heiligen Tals", erklärte George Arab, Mediensprecher der die Renovierungsarbeiten durchführenden "Qannoubine Liga für Botschaft und Erbe". Die Liga sei bestrebt, in Zusammenarbeit mit dem Päpstlichen Maronitischen Kolleg in Rom alle wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Maroniten in verschiedenen Epochen und Sprachen zu sammeln.
Das 35 Kilometer lange Wadi Qadischa und seine unzähligen kleinen Klöster mit ihren freskengeschmückten Kirchen waren einst Zufluchtsort für bedrängte Christen vor Römern, Mamluken oder Osmanen. Über ein Jahrtausend lang siedelten hier, in der Wiege des maronitischen Mönchtums, Mönche und Eremiten. Seit 1998 gehört es zum Unesco-Weltkulturerbe.

Serbische Jugend vertraut Patriarch Porfirije am meisten

Der serbisch-orthodoxe Patriarch Porfirije ist unter serbischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen jene öffentliche Persönlichkeit, der sie am meisten vertrauen. Das geht aus einer Umfrage der "outh Umbrella Organization of Serbia" hervor, wie der Pro Oriente-Informationsdienst unter Verweis auf das Infoportal „orthochristian" berichtet.
Bei den Institutionen vertrauen die Befragten am meisten der Armee, gefolgt von der Kirche. Zwar vertraut die Jugend Institutionen grundsätzlich nicht besonders, die Kirche hat in den vergangenen fünf Jahren hier aber an Boden gutmachen können. Die Politik kommt in der Umfrage hingegen sehr schlecht weg.
Porfirije (Peric) wurde im Februar 2021 zum Patriarchen der Serbisch-orthodoxen Kirche gewählt. Zuvor war er Metropolit von Zagreb und Ljubljana. Der 61-jährige Patriarch gilt als Mann des Dialogs und als ökumenisch aufgeschlossen.
 

Ordensfrau: Ausmaß der Bandengewalt in Haiti unerträglich 

Die Kämpfe zwischen bewaffneten Banden in Haiti greifen immer weiter um sich. Die Ordensfrau Marcella Catozza berichtet laut italienischer katholischer Nachrichtenagentur SIR und dem Portal „Vatican News" von „14- bis 15-jährigen Jungen mit Maschinengewehren um den Hals, die jeden erschießen". Die Gewalt habe ein unerträgliches Ausmaß erreicht, das es „noch nie zuvor gegeben hat", so die Missions-Franziskanerin, die ein Kinderheim in einem Slum der Hauptstadt Port-au-Prince leitet.
Die Regierung sei offenbar nicht in der Lage, die Kontrolle über das Staatsgebiet zu behalten; immer würden auch Polizisten Opfer der Gewalt. Catozza befürchtet, dass es sich um „einen von Politikern gesponserten Bandenkrieg handelt, der auf Stimmen bei den nächsten Wahlen abzielt". Je mehr Territorium man einnehme, desto mehr Stimmen bekomme man bei den Wahlen – „aber dann riskieren die in der Mitte ihr Leben". Auch Drogen spielten eine Rolle, so die Ordensfrau. 
Nach UN-Angaben wurden allein in der zweiten Juliwoche mehr als 470 Menschen getötet, verletzt oder vermisst. Etwa 3.000 Menschen seien aus ihren Häusern geflohen, darunter Hunderte von unbegleiteten Kindern, und mindestens 140 Häuser seien zerstört oder verbrannt worden.
„Und das sind nur die bekannten Morde", kommentiert Catozza die Angaben. „In unserer Nähe haben sie Jungen mit Macheten getötet und dann verbrannt, ich weiß nicht, ob das in der offiziellen Statistik auftaucht... Niemand tut etwas dagegen."

500 Mitwirkende bei Passionsspielen in Kirchschlag 

Die diesjährigen Passionsspiele in Kirchschlag in der Buckligen Welt (Erzdiözese Wien) starteten am Sonntag, 14. August. Seit 90 Jahren wird in Kirchschlag alle fünf Jahre die Geschichte vom „Leiden, Sterben und der Auferstehung Jesu" gezeigt, mit rund 500 Mitwirkenden aller Generationen, wobei der soziale Aspekt im Vordergrund steht. Früher gab es Milch und Gebäck für die Darstellenden, heute gehen die Einnahmen an soziale Projekte. Das berichtete der ORF-Niederösterreich.
Wie in anderen Spielstätten wurden auch diese Spiele von 2020 coronabedingt auf 2022 verschoben. Die Vorbereitungen laufen seit letztem Oktober. Geplant sind 23 Vorstellungen und vier Aufführungen an Schulen. Bis Ende Oktober wird immer an den Wochenenden gespielt.
Im Vergleich zum ursprünglichen Aufführungstermin haben sich zahlreiche Laiendarsteller auch äußerlich verändert. „Seit Oktober haben sich viele ihren Bart nicht mehr rasiert. Manche haben schon 2020 angefangen, die haben jetzt einen ganz langen", so Pfarrer Thomas Marosch. Er hat nicht nur die Leitung der Passionsspiele inne, sondern ist auch selbst auf der Bühne zu sehen: „Ich spiele den Malchus. Mir wird 27 mal das Ohr abgehackt, aber dankenswerterweise von Jesus auch wieder angeheilt."