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die neue Kirchenzeitung

23. Oktober 2022 

Fanal Montecassino

Papst Franziskus will den weltweiten synodalen Prozess um ein Jahr verlängern. Das ist gut so.
Doch was sich gerade in der Abtei Montecassino abspielt, ist kein gutes Omen.
Überall auf der Welt wählen die Benediktiner ihren Abt auf demokratische Weise. Nur gerade jene von Montecassino dürfen das nicht.
Das Mutterkloster des Benediktinerordens, gegründet vom Hl. Benedikt von Nursia im Jahr 529, könnte demokratisches  Vorbild sein – auch für den Vatikan. 



Doch dieser mischt sich ein und akzeptiert die Wahl eines neuen Abtes nicht – u. a. weil er ein Deutscher und kein Italiener ist.
In Österreich kann ein Deutscher selbstverständlich Abt werden, in Italien nicht.
Wenn Rom schon den paar Mönchen auf dem Berg Cassino das ihnen zustehende Recht der Entscheidung verwehrt, schaut es wohl schlecht aus mit den Aussichten von Millionen Laien auf Mitbestimmung.
Roms Vorgangsweise in Montecassino ist ein Fanal für die Weltkirche.                                                                P. Udo 

Papst will weltweiten synodalen Prozess um ein Jahr verlängern

Papst Franziskus will den weltweiten synodalen Prozess der katholischen Kirche um ein Jahr verlängern. Beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz kündigte das Kirchenoberhaupt überraschend an, die Weltbischofssynode solle im Oktober 2023 und außerdem im Oktober 2024 über die Ergebnisse des weltweiten Konsultations- und Beratungsprozesses beraten.
Ursprünglich sollte der 2021 begonnene weltweite synodale Prozess im Oktober 2023 mit einer vierwöchigen Weltbischofssynode in Rom enden. Thema der Beratungen ist die Synodalität der Kirche. Dabei geht es um neue Wege der Teilhabe und der Mitbestimmung an kirchlichen Beratungs- und Entscheidungsprozessen.
Mit der Ausweitung des synodalen Prozesses reagiert der Papst auf konservative wie auf fortschrittliche Kritiker. So schien etwa die liberale Mehrheit des Synodalen Wegs in Deutschland bislang mit der Weltsynode zu fremdeln. Sie galt als reine Bischofsveranstaltung, die Mitwirkungsmöglichkeiten der Basis beschränkten sich bislang auf das Beantworten von Fragebögen. Und in konservativen Kreisen war zu hören, der Papst setze mit der Synode viel aufs Spiel, denn die Versammlung im kommenden Oktober sei in ihrer Dynamik unberechenbar, Manipulationen seien zu befürchten.
Theologin Polak begrüßt Verlängerung der katholischen Weltsynode
Die Wiener Pastoraltheologin Regina Polak begrüßt die von Papst Franziskus angekündigte Verlängerung der Weltsynode der katholischen Kirche. Bei dem synodalen Prozess gehe es nicht nur um Reformthemen, sondern in erster Linie um eine Haltungsänderung in der Kirche - und die brauche Zeit, erklärte die Theologin im Interview mit Radio Vatikan und „Vatican News".
Kardinal warnt vor „feindlicher Übernahme" der Kirche
Kardinal Gerhard Ludwig Müller (74), ehemaliger Präfekt der Glaubenskongregation, hat mit Blick auf katholische Reformdebatten vor einer „feindlichen Übernahme" der Kirche gewarnt. 
Im Interview des privaten katholischen Mediennetzwerks CNA/EWTN (Freitag) übte er erneut Kritik an der Leitung des von Papst Franziskus ausgerufenen weltweiten synodalen Prozesses in der katholischen Kirche.
Foto. Vatican News.

Weitere Missbrauchsvorwürfe gegen Ex-Bischof von Creteil 

In Frankreich gibt es fünf neue Berichte über Missbrauchsfälle des emeritierten und vom Vatikan sanktionierten Bischofs Michel Santier. Weitere Personen hätten sich wegen „undenkbarer Taten" gemeldet, die Santier begangen habe, als sie junge Erwachsene waren, wie der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, laut französischen Medienberichten vom Freitag mitteilte. Die Staatsanwaltschaft sei informiert.
Die Vorwürfe beziehen sich auf die 1990er Jahre, als Santier als Priester der Diözese Coutances in der Region Manche in der Normandie die sogenannte „Schule des Glaubens" für junge Erwachsene leitete. Diese wurde 1989 von zwölf westfranzösischen Bischöfen gegründet und nahm in den ersten zwei Jahrzehnten ihres Bestehens etwa 300 junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren auf.
Als Schulleiter hatte Santier seine geistliche Autorität missbraucht und das Beichtsakrament für „Voyeurismus" instrumentalisiert. So hatte er zwei junge Männer dazu gebracht, sich vor ihm auszuziehen, wie die Diözese Coutances und Avranches vor einer Woche mitteilte. Nach diesen Enthüllungen hätten sich nun weitere Opfer gemeldet, hieß es.
Mehrere französische Bischöfe äußerten sich in einer anonymen Befragung von „La Croix" empört und entsetzt über die Vorwürfe im Zusammenhang mit Santier. Einer sagte, er fühle sich belogen und betrogen. Solche Fälle schadeten nicht nur massiv der Glaubwürdigkeit der Kirche, sondern auch der Botschaft des Evangeliums.
 

Lateinamerika: Umfrage zu Missbrauch in Orden veröffentlicht

Die lateinamerikanische Ordenskonferenz CLAR hat Ergebnisse einer von ihr beauftragten Umfrage zu Missbrauch in der Kirche veröffentlicht. Von den Ordensfrauen aus Lateinamerika und der Karibik, die sich an der Befragung beteiligt haben, gaben mehr als 50 Prozent der Ordensfrauen an, im Ordensleben Erfahrungen mit Machtmissbrauch gemacht zur haben, berichtet das vatikanische Nachrichtenportal “Vatican News". Die Ergebnisse sollen nun in Buchform veröffentlicht werden.
Die anonyme Umfrage wurde demnach von mehr als 1.400 Ordensfrauen aus 23 Ländern Lateinamerikas und der Karibik beantwortet. Dabei kam heraus, dass im Kontext ihrer Gemeinde, Gemeinschaft oder in einem kirchlichen Umfeld, das mit Orten oder Einrichtungen der Kirche verbunden ist, an erster Stelle Machtmissbrauch durch die Oberen herrscht: knapp 52 Prozent der Befragten berichteten davon. An zweiter Stelle folgen Machtmissbrauch durch Priester (34 Prozent), gefolgt von Ausbildnern (23 Prozent) und schließlich Bischöfen mit 10 Prozent. 
 

Vorerst kein neuer Abt für Kloster Montecassino

Die traditionsreiche Benediktinerabtei Montecassino in Süditalien muss vorerst weiter auf einen neuen Abt warten. Wie die Nachrichtenagentur Kathpress am 20. Oktober  aus Kirchenkreisen erfuhr, hat der Vatikan die bereits im Sommer erfolgte Abstimmung der dortigen Mönche zugunsten des deutschen Benediktinerpaters Mauritius Wilde (56) - derzeit Rektor der Benediktinerabtei Sant'Anselmo in Rom - nicht bestätigt.
Eine solche Bestätigung wäre erforderlich, weil Montecassino eine sogenannte Territorialabtei ist. Ihre Äbte sind Mitglieder der italienischen Bischofskonferenz und eine Abtwahl dort bedürfte der Bestätigung durch den Papst.
Diese ist nun offenbar aus mehreren Gründen nicht zustande gekommen. Zum einen, so heißt es, seien sich die vatikanische Bischofsbehörde und die für die Orden zunächst nicht darüber einig geworden, wer von beiden für eine Bestätigung zuständig sei. Zudem soll es konkordatstechnische Bedenken geben. Denn laut Artikel 16 der Lateranverträge zwischen Italien und dem Heiligen Stuhl darf „kein Teil des italienischen Territoriums von einem Bischof abhängen, dessen Sitz sich in einem anderen Staat befindet." Dies wird in der Praxis so ausgelegt, dass nur ein italienischer Staatsbürger eine Diözese in Italien leiten darf.
Ein weiterer Grund sind offenbar finanzielle Bedenken. So wird der Artikel 16 auch dahingehend interpretiert, dass kein ausländischer Bischof (oder Abt) über jenes Geld verfügen dürfe, das über die „0,8-Prozent-Kultursteuer" unmittelbar aus dem italienischen Staatshaushalt stammt.
Angesichts dieser Umstände war es nach Einschätzung von Beobachtern von vornherein unwahrscheinlich, dass ein Nicht-Italiener Abt von Montecassino werden könnte. Ein ähnlicher Versuch war laut italienischen Medienberichten bereits 2014 gescheitert. Damals wurde am Ende der italienische Benediktiner Donato Ogliari vom Papst als Abt ernannt.

Protest gegen Lukaschenko-Regime nach Kirchen-Schließung

Die katholische Kirche in Belarus wehrt sich gegen die von dem autoritären Regime des Landes verfügte unbefristete Schließung eines bedeutenden Gotteshauses in der Hauptstadt Minsk. In einem Schreiben an Staatsoberhaupt Alexander Lukaschenko kritisiert der zuständige Priester der Pfarre St. Simon und St. Helena, Wladislaw Sawalnjuk, die angeordnete Entfernung von religiösen Gegenständen aus der sogenannten Roten Kirche am Unabhängigkeitsplatz. Dies sei eine „ungerechtfertigte und unangemessene Reaktion" auf einen kleinen Brand. Der 73-jährige Geistliche fastet und trinkt nach eigenen Angaben nur noch Wasser, um von den Behörden die Rückgabe der Kirche zu erreichen.
Der von 1905 bis 1910 errichtete neuromanische Sakralbau „Rote Kirche“ gehört zu den Wahrzeichen Minsks. Er steht am Unabhängigkeitsplatz neben dem Hauptgebäude der Regierung.
Polizei vertreibt Priester und Gläubige
Laut der Organisation „Christian Vision for Belarus" und unabhängigen Medien des Landes schritten Polizisten am Dienstag ein, als der Priester und Gläubige vor der Roten Kirche beteten. Die Beamten hätten sie vertrieben. Der Papstbotschafter in Belarus, Erzbischof Ante Jozic, und der Vorsitzende der nationalen Bischofskonferenz, Bischof Aleh Butkewitsch, drängen derweil hinter den Kulissen auf eine schnelle Wiedereröffnung der Kirche. Sie sprachen vergangene Woche mit Regierungsvertretern.
Behörden sperren nach Kirche offenbar auch Pfarrhaus
Nach der Zwangsschließung  so einer bedeutenden katholischen Kirche in Minsk verhindern die belarussischen Behörden jetzt offenbar auch Gottesdienste im benachbarten Pfarrhaus. Laut der Organisation „Christian Vision for Belarus" stellten sie Wasser und Strom für das Gebäude ab und forderten die Pfarrei auf, es ebenfalls zu räumen.
Foto: „Christian Vision for Belarus".
 

Bangladesch: Entsetzen über Mord an katholischem Politiker

Im indischen Bundesstaat Westbengalen ist der katholische, aus Bangladesch stammende Politiker Subroto Sangmar durch Angriffe politischer Gegner getötet worden, wie das römische Nachrichtenportal asianews.it berichtete. Der 47-Jährige sei demnach bereits im September mutmaßlich von militanten Anhängern der Bangladesh Nationalist Party mit Eisenstangen angegriffen worden. Nach einer zweiten Attacke am Weg ins Krankenhaus erlag er schließlich am vergangenen Samstag seinen schweren Verletzungen.
Sangmar engagierte sich in der Awami-Liga, einer nach eigenen Angaben „sozialdemokratischen und säkularen" Partei in Bangladesch. Laut Angaben seiner Partei sei Sangmar in Konflikt mit dem Generalsekretär der örtlichen Bangladesh Nationalist Party, Abdul Awal, gestanden. Gegen diesen und dessen Anhänger möchte nun Sangmars Schwester rechtlich vorgehen, informierte das Nachrichtenportal ucanews.
Von kirchlicher Seite äußerte sich Apurba Mrong von der Kommission „Iustitia et Pax" der Diözese Maimansingh entsetzt über den Mord. Die Sorge sei groß, dass die Gewalttat andere Christen davon abhalten werde, sich selbst politisch zu betätigen. Mrong forderte die Regierung Bangladeschs auf, dieser Problematik mehr Aufmerksamkeit zu widmen.
Sangmar war ein Angehöriger des indigenen Volks der Garo, dessen Mitglieder sich größtenteils zum Christentum bekennen. Christen machen im etwa 165 Millionen Einwohner zählenden und vorwiegend muslimischen Bangladesch etwa ein Prozent der Bevölkerung aus.
 

Attacken bei Bolsonaro-Besuch im Wallfahrtsort Aparecida

Die Teilnahme von Präsident Jair Bolsonaro an den Feierlichkeiten im katholischen Nationalheiligtum Aparecida hat in Brasilien für Wirbel gesorgt. Wie Medien am Mittwochabend  berichteten, feindeten Bolsonaro-Anhänger Pilger und Journalisten des kircheneigenen Senders TV Aparecida an und buhten Erzbischof Orlando Brandes aus. Bei der Stichwahl am 30. Oktober kämpfen der rechtsgerichtete Bolsonaro und sein Herausforderer Luiz Inacio Lula da Silva um die Präsidentschaft.
Am 12. Oktober wurde in Brasilien wie jedes Jahr der nationalen Schutzpatronin „Schwarze Madonna von Aparecida" gedacht. Zehntausende Pilger versammelten sich deshalb am Mittwoch um die dortige Basilika. Bolsonaro fuhr gegen Mittag unter dem Sirenengeheul seines Konvois vor der Kirche vor, wo er von Anhängern empfangen wurde. Danach nahm er an einer Messe teil, blieb den Berichten zufolge aber der Kommunion fern und lehnte die ihm angebotene geweihte Hostie ab. Zudem betete er nicht mit der Gemeinde.
Bolsonaro ist Katholik, hatte sich aber 2016 von einem evangelikalen Prediger im Jordan erneut taufen lassen. Seitdem besucht er regelmäßig evangelikale Gottesdienste. Zudem gehören die Gründer der größten Pfingstkirchen Brasiliens zu seinen engsten politischen Verbündeten.
Bolsonaro-Anhänger beschimpfen Kardinal als „Kommunist"
Die Situation war neu für den brasilianischen Kardinal Odilo Scherer: Am Wochenende sah sich der katholische Erzbischof von Sao Paulo gezwungen zu erklären, warum er rote Kleidung trägt. Wegen des Kardinalspurpurs war er als „Kommunist" beschimpft worden; er sei wohl ein Freund von Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva und wolle wie er Abtreibung legalisieren und eine „linke Diktatur" errichten. 
In Aparecida kam es zur Störung einer Messe, weil der Priester daran erinnerte, dass Millionen Brasilianer Hunger litten. Für das Bolsonaro-Lager nichts weiter als linke Fake News. 

Wien: Politiker und Kirchenvertreter beten um Frieden in der Ukraine

Im Zeichen des Gebets für den Frieden in der Ukraine stand am 12. Oktober ein ökumenischer Gottesdienst in der Wiener Hofburgkapelle, zu dem die christlichen Kirchen die Mitglieder des National- und Bundesrates eingeladen hatten. Der Vorsitzende der orthodoxen Bischofskonferenz, Metropolit Arsenios (Kardamakis), stand der Feier vor, die anlässlich der Herbstsession des Parlaments angesetzt war und bereits Tradition hat. Kardamakis verurteilte am Rande des Gottesdienstes gegenüber Kathpress die russische Eskalation. Dieser Wahnsinn, bei dem nun sogar der Einsatz von Atomwaffen nicht mehr auszuschließen sei, müsse ein Ende haben, betonte er. Mit dem Metropoliten leiteten die Liturgie der katholische Weihbischof Stephan Turnovszky sowie die evangelische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler, die predigte.
Foto: Kathpress/Paul Wuthe

Großerzbischof Schewtschuk: Russische Kirche ähnelt zunehmend dem IS

Kiews griechisch-katholischer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk vergleicht die russisch-orthodoxe Kirche mit der Terrormiliz „Islamischer Staat". Bei Kirchenoberhaupt Patriarch Kyrill I. und auch bei Priestern könne man sehen, „wie der christliche Glaube zu einem ideologischen Werkzeug für die Propaganda des russischen Nazismus wird", sagte Schewtschuk nach Angaben seiner Kirche. „Die Rechtfertigung und der Aufruf zum Krieg durch die russisch-orthodoxe Kirche ähneln zunehmend der Doktrin des Islamischen Staates IS." 
Die Dschihadistenmiliz IS kontrollierte jahrelang riesige Gebiete in Syrien und Irak und verübte auch Terroranschläge in Europa. Ihr Ziel war es, ein Kalifat (Gottesstaat) im Nahen Osten zu errichten.
Kürzlich hätten sogar Geistliche in liturgischen Gewändern mit Granatwerfern auf dem Schlachtfeld geschossen, so Schwetschuk weiter. Damit spielt der Großerzbischof der mit Rom verbundenen Kirche auf ein Video an, in dem ein 2016 suspendierter Priester eine Granate abfeuert und davor Richtung Kamera sagt: „Die Moskauer Theologische Akademie kämpft gegen die Nato." Die christliche Rechtfertigung der „mörderischen Ideologie" und die „vollständige Synthese zwischen dem Kreml und der russisch-orthodoxen Kirche" ist laut Schewtschuk "ein echter Schock für uns".

Expertin: Krieg für Moskauer Patriarchat ein „metaphysischer Kampf"

Die von Patriarch Kyrill I. geführte Russisch-Orthodoxe Kirche sieht im Krieg in der Ukraine einen „metaphysischen Kampf" und „stilisiert den Donbas zur Stätte einer Endschlacht zwischen der russischen Welt und dem Westen". Das erklärt die Innsbrucker Religionssoziologin Kristina Stoeckl in einem Interview in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung „Falter".

Generalsekretär des Weltkirchenrates besuchte Moskau

Der amtierende Generalsekretär des weltweiten Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Ioan Sauca, hat Moskau besucht und ist mit Patriarch Kyrill I. sowie weiteren Vertretern der Russisch-orthodoxen Kirche zusammengetroffen. Wie der ÖRK in Genf  weiter mitteilte, konzentrierte sich Sauca auf die Nachbereitung der 11. ÖRK-Vollversammlung in Karlsruhe Anfang September und besonders auf die öffentliche Erklärung der Vollversammlung zum Russland-Ukraine-Krieg. Darin hatte die Vollversammlung die "russische Invasion" verurteilt, aber direkte Kritik an ihrer größten Mitgliedskirche wegen ihrer Unterstützung des Krieges vermieden. 

Ordensfrau: In Haiti haben bewaffnete Gangs die Macht übernommen

Auf die verheerende Lage angesichts der anhaltenden sozialen und politischen Dauerkrise im Karibikstaat Haiti macht die aus Italien stammende Ordensfrau Marcella Catozza aufmerksam. 

Haitis Hauptstadt Port-au-Prince befände sich in den Händen bewaffneter Gangs, sagte die Missionsfranziskanerin dem internationalen Hilfswerk „Kirche in Not". 

„Die Menschen hungern. Die Schulen sind geschlossen. Die Krankenhäuser machen zu, weil sie keinen Strom mehr haben. Es ist unmöglich, unter diesen Bedingungen zu leben", erklärte die Ordensfrau: „Es herrscht ein unbeschreibliches Chaos." Auch die Kirche und ihre Mitarbeiter seien zum Ziel gewalttätiger Angriffe geworden.

Catozza leitet ein Waisenhaus mit 150 Kindern in einem Armenviertel von Port-au-Prince. Wegen der katastrophalen Sicherheitslage und der in den vergangenen Monaten zunehmenden Anzahl von Banden-Angriffen auf kirchliche Einrichtungen und Mitarbeiter kann sie nach einem Heimataufenthalt in Italien derzeit aber nicht zurück in den Karibikstaat.

Erst vergangenen Monat sei die Kapelle ihres Klosters in Brand gesetzt worden, berichtete die Ordensfrau. Kriminelle Gangs hätten das Stadtviertel, in dem sich das Waisenhaus befindet, abgeriegelt. Ihr Orden habe sie deshalb gebeten, vorerst nicht nach Haiti zurückzukehren, so Catozza. „Es soll nicht noch eine Ordensfrau zur Märtyrerin werden. Es ist sehr hart für mich, nicht bei meinen Leuten zu sein."

Ende Juni war die ebenfalls aus Italien stammende Ordensfrau Luisa Dell'Orto an den schweren Verletzungen gestorben, die ihr bei einem Überfall in Port-au-Prince zugefügt wurden. Dell'Orto hatte zwei Jahrzehnte lang in Haiti vornehmlich mit Straßenkindern gelebt und gearbeitet. „Erst hieß es, es sei ein Raubüberfall gewesen. Aber ich bin überzeugt, dass jemand dafür gezahlt hat, sie zu töten. Es konnte immer noch kein Täter gefasst werden", sagte Marcella Catozza dem Hilfswerk „Kirche in Not".

Kathedrale in Brand gesetzt

Zwei Wochen nach dem Angriff auf Luisa Dell'Orto hätten Bandenangehörige die Kathedrale der Hauptstadt in Brand gesetzt, berichtete Catozza weiter. "Als die Feuerwehrleute kamen, haben sie versucht, sie zu töten. Anschließend wollten sie mit einem Lastwagen die Mauern der Kirche einreißen." Und auch in anderen Landesteilen sei es zu Übergriffen auf kirchliche Einrichtungen gekommen: "In Port-de-Paix, Les Cayes und in weiteren Städten sind bislang unbekannte Täter in die Einrichtungen der Caritas eingedrungen. Sie nahmen alle Hilfsgüter mit, die dort eingelagert waren."

Haiti gilt als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Es wurde in den vergangenen Jahren von Naturkatastrophen wie Erdbeben und Wirbelstürmen sowie politischen Unruhen und Kriminalität destabilisiert. Im vergangenen Jahr wurde Präsident Jovenel Moise ermordet, die Hintergründe der Tat sind bis heute nicht aufgeklärt. Seitdem führt Ariel Henry als Premierminister die Regierung, ein Termin für Neuwahlen steht noch nicht fest.

Foto: Schwester Marcella im Gespräch mit Betroffenen einer Überschwemmung. © Fondazione Via Lattea 

 

Mexiko: Mehr als eine Million Teilnehmer bei Lebensmärschen

Insgesamt mehr als eine Million Menschen haben sich am Wochenende in ganz Mexiko an Demonstrationsmärschen „für die Frauen, für den Schutz des menschlichen Lebens und für den Frieden in Mexiko" beteiligt. Zu der zweiten derartigen landesweiten Aktion hatte das zivile Bündnis „Mujer y vida" („Frau und Leben") aufgerufen, das von der katholischen Kirche und über tausend weiteren Organisationen getragen wird, berichtete das Portal ACI Prensa. Die gemeinsame Forderung lautete, auf die Bedürfnisse schwangerer Frauen einzugehen und das Leben aller Menschen in allen Phasen zu respektieren. 

Zum zentralen Protestmarsch in der Hauptstadt Mexiko-Stadt kamen laut den Berichten mehr als 200.000 Menschen. Die beim Monument „Engel der Unabhängigkeit" verlesenen Forderungen reichten von der Schaffung von Schutzgesetzen für Frauen in prekären Situationen über den "Schutz jedes Menschen vor und nach der Geburt ohne jegliche Diskriminierung aufgrund des Entwicklungsstandes, des Gesundheitszustandes oder aus anderen Gründen", bis hin zur Förderung von Familien und Maßnahmen, um "Vertrauen im Land wiederherzustellen und so zum sozialen Frieden beizutragen". 

Kärntner Pfarre führt „digitalen Klingelbeutel" ein

Die Kärntner Pfarre Krumpendorf hat einen „digitalen Klingelbeutel" eingeführt. Ab sofort kann man in der Pfarre am Wörthersee auch während des Gottesdienstes bei der Kollekte digital spenden.
V.l.n.r: Kanzler Jakob Ibounig, Ferdinand Hecke von bluecode, Pfarrer Hans-Peter Premur, Michael Madritsch von der Informatik-Abteilung und PGR-Obfrau Bettina Koren (Foto).
 

Staatsanwaltschaft ermittelt nach Messerattacke aus „Glaubensgründen"

Die Kärntner Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit nach einem Messerattentat, bei dem Glaubensgründe den Ausschlag gegeben haben könnten. Bereits im Juni war in Klagenfurt ein aus dem Irak stammender, damals 52-jähriger Mann vor seinem Wohngebäude von einem Angreifer mit mehreren Messerstichen in den Schulterbereich verletzt worden. Der Tatverdächtige, ein 19-jähriger Iraker, konnte durch Videoaufnahmen einer Überwachungskamera ausgeforscht und Anfang Oktober in Wien festgenommen werden. Dass sich das Opfer auf Sozialen Medien als Katholik bezeichnete, könnte für die Tat eine zentrale Rolle gespielt haben, erklärte Staatsanwaltsschafts-Sprecher Markus Kitz am Freitag auf Kathpress-Anfrage. 

Kurznachrichten

 

 

Papst Franziskus hat am 16. Oktober die beiden katholischen Märtyrer Giuseppe Bernardi und Mario Ghibaudo gewürdigt. Die beiden italienischen Geistlichen wurden am Sonntag in Boves (Cuneo) seliggesprochen. Sie waren am 19. September 1943 gemeinsam mit anderen Bürgern von deutschen SS-Truppen ermordet worden. 

 

Papst Franziskus hat „Comunione e Liberazione“, eine der größten geistlichen Bewegungen der katholischen Kirche, ermahnt, ihre inneren Konflikte zu überwinden und die Einheit mit dem Papst zu wahren. Sie zählt weltweit rund 100.000 Mitglieder und ist auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz präsent. 

 

Papst Franziskus hat 14 neue Mitglieder der „Päpstlichen Akademie für das Leben" ernannt. Das gab das vatikanische Presseamt am Samstag bekannt. Unter den neuen Mitgliedern ist auch der muslimische Rechtsgelehrte Saad Al-Din Mosaad Helaly von der Al-Azhar-Universität in Kairo. 

 

Vatikan. Die Vatikanischen Museen haben drei antike Mumien an Peru zurückgegeben, die Papst Pius XI. (1922-1939) nach der Gründung ihrer ethnologischen Abteilung geschenkt bekommen hat. 

 

EU. Die Europäische Union und der Europarat haben zur Abschaffung der Todesstrafe weltweit aufgerufen. Sie stelle eine unmenschliche und erniedrigende Behandlung sowie einen Verstoß gegen die Menschenwürde dar und bewirke keine Abschreckung vor Straftaten. 

 

USA. Der Oberste Gerichtshof der USA hat es abgelehnt, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob Föten Menschen sind, die verfassungsmäßige Rechte haben. Die Entscheidung des Supreme Court erging am Dienstag 18. Oktober kommentarlos. 

 

USA. Kurz vor den US-Zwischenwahlen im November versucht Präsident Joe Biden mit dem Thema Abtreibung bei Wählern zu punkten. Er stellte - im Fall eines Wahlerfolgs - einen neuen Gesetzentwurf in Aussicht. Dieser solle die Legalität von Schwangerschaftsabbrüchen in den gesamten Vereinigten Staaten garantieren. 

 

In Eritrea haben die Behörden laut einem BBC-Bericht einen katholischen Bischof und zwei Priester festgenommen. Zu den Gründen und dem Verbleib wurden keine Angaben gemacht. 

 

Deutschland. Laientheologinnen und Laientheologen dürfen künftig auch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart die Taufe spenden. 

 

Luxemburg. Eine Bekleidungsregel eines Unternehmens, die das sichtbare Tragen religiöser, weltanschaulicher oder spiritueller Zeichen verbietet, stellt keine unmittelbare Diskriminierung dar, wenn sie für alle Arbeitnehmer gleichermaßen gilt. Das entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH). Hintergrund war der Rechtsstreit einer Muslimin in Belgien, die wegen ihres Kopftuchs einen Praktikumsplatz verweigert bekam. 

 

Philippinen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Pablo Virgilio David, hat die Öffentlichkeit erneut aufgerufen, Gewalt nicht hinzunehmen. In der vergangenen Woche sind ein 30-Jähriger, sein 9-jähriger Sohn und ein weiterer Mann in einem Laden in einer der Missionsstationen von Unbekannten erschossen worden; die Mutter des 30-Jährigen überlebte den Anschlag mit Verletzungen. 

 

Japan. Ministerpräsident Fumio Kishida hat wegen der Ermordung seines Vorvorgängers Shinzo Abe eine Untersuchung der Moon-Bewegung („Vereinigungskirche") angeordnet. 



Syrien. Die Heilige Synode der griechisch-orthodoxen Kirche von Antiochien hat eine Aufhebung der Wirtschaftsblockade gegen Syrien gefordert. Es handele sich „um eine Belagerung, die sich in erster Linie gegen das syrische Volk richtet und auch die Nachbarländer durch Migration und Vertreibung in Mitleidenschaft zieht". 

 

Bosnien-Hercegovina. Die Rundfunk- und Fernsehanstalt BHRT und die katholische Bischofskonferenz des Landes haben ein Protokoll zur Kooperation der beiden Institutionen unterzeichnet. 

 

Israel. Olivier Hellouvry, für seinen Einsatz für friedliche Koexistenz im Heiligen Land bekannter Benediktiner aus der Abtei Abu Gosch, erhält den „Ladislaus-Laszt-Preis für ökumenische und soziale Belange" der Ben-Gurion-Universität in Beerscheva. 

 


Österreich

 

 Österreich.  Auf der jüngsten Sitzung des Synods der Russisch-orthodoxen Kirche in Moskau wurde der für Österreich zuständige Bischof Aleksij (Zanochkin) nun definitiv zum Bischof von Wien und Österreich bestellt. Bislang war der 47-Jährige  offiziell nur als Administrator eingesetzt. 

 

Wien. Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien wurden 2021 rund 14.500 Personen ohne Krankenversicherung behandelt. 

 

Niederösterreich. Die akademische Bildungslandschaft in Niederösterreich ist um eine Traditionshochschule ärmer: Nach 231 Jahren hat die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Pölten (PTH) ihre Tore geschlossen. 

 

Wien. Zum mutigen und beherzten Einsatz für den Lebensschutz hat Bischof Klaus Küng aufgerufen. Der emeritierte St. Pöltner Bischof feierte am 15. Oktober mit den Teilnehmenden des „Marsches für's Leben" in der Wiener Karlskirche einen Gottesdienst. 

 

Wien. Scharfe Kritik an der Unterbringung von Asylwerbern in Zelten hat die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) geübt. Statt Zelte müssten dringend Quartiere geschaffen und den Quartiergebern unter die Arme gegriffen werden. 

 

Niederösterreich.  Ein Rekordergebnis verzeichnet die Caritas der Diözese St. Pölten bei ihrer Schulsport-Benefizaktion „Laufwunder": Insgesamt 33.000 Euro für die Ukraine-Hilfe konnten in den vergangenen Wochen durch die Initiative gesammelt werden. 

 

Oberösterreich. In  Linz wurde der diesjährige Oscar-Romero-Preis der entwicklungspolitischen Aktion „Sei so Frei" der Katholischen Männerbewegung Österreich (KMB) vergeben. Ausgezeichnet wurde Mayra Orellana aus Guatemala für ihr gesellschaftspolitisches und soziales Engagement für benachteiligte Familien. 

 

Salzburg. Mit einem Dankgottesdienst hat die Erzdiözese Salzburg den 80. Geburtstag des emeritierten Salzburger Weihbischofs Andreas Laun gefeiert. 

 

Vorarlberg. Der emeritierte Abt des Zisterzienserklosters Wettingen-Mehrerau, Kassian Lauterer (88), ist am 19. Oktober nach kurzer Krankheit verstorben. 

 

Salzburg. Franz Nikolasch, der langjährige Leiter des Instituts für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie an der Universität Salzburg ist am 3. Oktober im 90. Lebensjahr gestorben. 

Neuer Vorsitzender des Ökumenischen Rates

Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) bekommt einen neuen Vorsitzenden. Die Delegierten der ÖRKÖ-Vollversammlung wählten am Donnerstag den armenisch-apostolischen Bischof Tiran Petrosyan (41) zum neuen Vorsitzenden. Er wird sein Amt mit 1. Jänner 2023 antreten. Petrosyan folgt auf Domdekan Prof. Rudolf Prokschi, der dieses Amt die vergangenen drei Jahre innehatte und noch bis Ende des Jahres amtiert. Der ÖRKÖ-Vorstand wird alle drei Jahre neu gewählt.
Als Stellvertreter Petrosyans im neuen gewählten ÖRKÖ-Vorstand werden künftig die evangelische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler und der Linzer katholische Bischof Manfred Scheuer fungieren. Weitere Mitglieder des Vorstands sind der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld, die methodistische Pastorin Esther Handschin, der anglikanische Kanonikus Patrick Curran und der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic).
Tiran Petrosyan ist als Bischof für die Armenisch-apostolische Kirche in Mitteleuropa (Österreich, Ungarn, Tschechische Republik, Slowakei) und Skandinavien zuständig. In Österreich zählt die Armenisch-apostolische Kirche rund 8.000 Mitglieder.
Dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) gehören 17 Kirchen an.

Auch das noch...

Landesrat wird Ritter des Drachenordens

Der niederösterreichischer Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) wurde am 15. Oktober in Maria Roggendorf per Ritterschlag in den Drachenorden (Ordo Equestris Draconis) aufgenommen. Großmeister des Ordens ist der Inhaber eines burgenländischen Malerbetriebes.
 

Liturgiestreit im südindischen Kerala eskaliert

Rund eine halbe Million Katholiken und 450 Priester in Indien haben mit dem Abbruch ihrer Verbindungen zur Spitze der Erzdiözese Ernakulam-Angamaly gedroht. Hintergrund ist ein seit Jahren andauernder Liturgiestreit in der syro-malabarischen Kirche im Bundesstaat Kerala. Erzbischof Andrew Thazhath sei als Apostolischer Administrator „ungeeignet", zitierten Medien aus der entsprechenden Erklärung eines Priester-Komitees. Beobachter werteten die Entwicklung als „einen sehr ernsten Schritt", der unerwartete Auswirkungen haben könnte.
In dem jahrzehntelangen Streit geht es um die Frage, ob der Priester die Messe mit dem Gesicht zur Gemeinde oder zum Altar zelebriert. Laut einem vom Vatikan gebilligten Kompromiss sind die syro-malabarischen Priester gehalten, bis zum Hochgebet die Messe mit dem Gesicht zur Gemeinde zu feiern, sich dann umzudrehen, um sich dann zum Ende des Gottesdienstes wieder der Gemeinde zuzuwenden. 
Im August 2021 wies die zuständige Synode alle 35 Diözesen im südindischen Kerala an, den Beschluss umzusetzen. Weil der Vikar von Ernakulam-Angamaly, Erzbischof Antony Kariyil, den Kompromiss jedoch ablehnte, zog der Vatikan personelle Konsequenzen. Kariyil musste zurücktreten. Seit Juli leitet Erzbischof Thazhath als Apostolischer Administrator die Geschicke in Ernakulam.

Weniger Studierende an theologischen Fakultäten

Besorgt blicken die katholisch-theologischen Fakultäten in Österreich auf die Entwicklung ihrer Studierendenzahlen. In den vergangenen zehn Jahren sei es zu einem starken und besorgniserregenden Rückgang der Zahlen an allen Fakultäten gekommen. Teils würden nur mehr halb so viele Studierende ein theologisches Studium beginnen, wie noch vor zehn Jahren. „Wir sind in einer dramatischen Situation. das muss man einfach sehen. Und da ist wichtig zu überlegen, was jetzt zu tun ist", sagte der Salzburger Theologe und vormalige Dekan der Salzburger Fakultät, Prof. Alois Halbmayr, in einer aktuellen Folge des Theologie-Podcasts "Diesseits von Eden" (https://diesseits.theopodcast.at). 
 

„Verschwinden von Religion" in der Gesellschaft

Der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani sieht ein zunehmendes Verschwinden von Religion in der Gesellschaft. Dies bringe „gewaltige Verluste und Gefahren" mit sich, sagte der deutsch-iranische Autor in einem Interview für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Publik-Forum". Kulturelles Wissen gehe damit verloren. „Unsere Kulturen sind zutiefst geprägt und durchdrungen von religiösen Motiven und Haltungen", betonte er. „Zum Selbstbewusstsein gehört es, einen Zugang zu diesen Ursprüngen zu haben."
Auch die religiösen Institutionen seien in einer Krise. 
Die deutsche Kultur sieht Kermani in Bezug auf einen Verlust kulturellen Wissens besonders gefährdet, "weil sie noch sehr viel stärker von metaphysischen Fragen und biblischen Motiven geprägt ist als beispielsweise die Literatur im angelsächsischen oder französischen Raum". Wenn der Zugang zu Religion verloren gehe, gehe auch „der Zugang zu Hölderlin, Goethe, Schubert, Beethoven, Gryphius und zur Bibel" verloren, sagte Kermani, der 2015 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt wurde. 

Salamanca: Ausstellung über Mysterien des Turiner Grabtuchs

Am 16. Oktober öffnet in der Kathedrale im spanischen Salamanca die Ausstellung „The Mystery Man". Wie die Diözese mitteilte, dreht sich die Schau um „die Geschichte und die Mysterien, die das Heilige Grabtuch von Turin" umgeben. Herzstück der 600 Quadratmeter großen Ausstellung ist eine „hyperrealistische" Nachbildung des auf dem Grabtuch zu erkennenden Christuskörpers aus Latex und Silikon.

Die Figur ist den Angaben zufolge 1,78 Meter groß und wiegt 75 Kilogramm. Sie zeige den Körper von Jesus Christus nach seiner Kreuzigung und sei mit 250 künstlichen Wunden übersäht, die von den 150 Peitschenhieben stammten, die Jesus vor seiner Kreuzigung zugefügt worden seien. Kopf- und Körperhaar der Figur seien echtes Menschenhaar.

Durch die Figur könnten „die physischen Zeichen des Leidens des Herrn und der Liebe Gottes betrachten werden, die in Jesus Christus Fleisch werden", erklärte der Bischof von Salamanca, Jose Luis Retana Gozalo.

Um das Turiner Grabtuch, die „Sacra Sindone", streiten sich Forscher seit Jahrhunderten. Das 4,36 Meter lange und 1,10 Meter breite Leinentuch zeigt ein Ganzkörper-Bildnis der Vorder- und Rückseite eines Menschen. Der Körper zeigt Spuren einer Geißelung und Kreuzigung. Für viele Gläubige ist es das Leinentuch, in das Jesus von Nazareth nach seiner Kreuzigung gewickelt und in dem er bestattet wurde. Zahlreiche Christusdarstellungen schöpfen von den Aufnahmen und Negativen des Tuches.