JA 

die neue Kirchenzeitung

 30. Juni 2024 

Lesungen:  Weish 1,13-15; 2,23-24; 2 Kor 8,7.9.13-15;  Evangelium: Mk 5,21-43

Nicht können, nicht wollen 

Österreichs katholische Frauen dürfen nicht Priester werden, Österreichs katholische Männer wollen es nicht mehr. 
Von den 20 heuer in Österreich geweihten, stammen 14 aus dem Ausland, nur 6 aus dem Land selbst. 
Damit steht Österreich mit seinen 4,7 Millionen Katholiken weit schlechter da als Tschechien mit 1 Million Katholiken.  Im Nachbarland werden immerhin 11 Einheimische geweiht. 

In Frankreich – hier lebten zur Zeit der Revolution (1789) ein Viertel der Katholiken Europas -   mit seinen rund 35 Millionen Katholiken gibt es heuer 105 Neupriester. 
Vier österreichische Diözesen haben keine Weihen gemeldet. 
Alarmstimmung in der österreichischen Kirchenführung? Überhaupt nicht. 
Bei Konferenzen beschäftigt man sich lieber mit außerkirchlichen Themen und erteilt Führungskräften in Politik und Gesellschaft Ratschläge, die kaum wer braucht.  
Reformen? Wozu? Es passt ja eh alles… P. Udo 

Österreich: Voraussichtlich 20 Priesterweihen im Jahr 2024

Nach einem vergleichsweise starken Weihejahrgang 2023 werden in Österreich heuer nach bisherigem Kenntnisstand 20 Männer zu katholischen Priestern geweiht. Das zeigt eine Umfrage der Nachrichtenagentur Kathpress in den Diözesen und Ordensgemeinschaften des Landes. Zum Kirchenfest Peter und Paul (29. Juni) oder in den Tagen davor gibt es in Wien, Salzburg, St. Pölten und Klagenfurt Priesterweihen, weitere stehen im Herbst in Innsbruck an. Drei Weihezeremonien fanden bereits in den vergangenen Wochen und Monaten statt.
Im Wiener Stephansdom wird Kardinal Christoph Schönborn am 22. Juni fünf Neupriester weihen. Es sind dies die drei gebürtigen Deutschen Florian Dammberger (32), Enrico Grube (45) und Daniel Schmitt (31) aus dem Wiener Priesterseminar, sowie aus den Reihen der Salesianer Don Boscos Chinedu Cosmas Okafor (40) aus Nigeria und der in der Slowakei geborene Michal Klucka (38).
Die größte Priesterweihe des Jahres steht am 29. Juni im Salzburger Dom bevor, wo Erzbischof Franz Lackner vier angehenden Diözesanpriestern - dem Salzburger Nikolaus Pirchmoser (34), dem Oberösterreicher Stefan Scheichl (30), dem Bayern Michael Marschall (44) und Jerry Angeles (53) aus den Philippinen - sowie den beiden aus Indien stammenden Ordensmännern James Talluri (32) und Thomas Clinton Kumar Nayak (30) von der „Gemeinschaft der Apostel der Heiligen Familie" die Hände auflegen wird.
Am selben Tag finden auch in St. Pölten die Weihen von Luca Fian (28), Kingsley Efidi (31) und Chidera Ikeh-Male (30) durch Bischof Alois Schwarz statt. Bischof Josef Marketz wird ebenfalls am 29. Juni im Klagenfurter Dom Michael Rossian (31) zum Priester weihen.
Ein weiterer bereits feststehender Priesterweihe-Termin dieses Jahres ist der 21. September im Innsbrucker Dom. Bei dem von Bischof Hermann Glettler geleiteten Festgottesdienst werden der gebürtige Inder Stephen Dsouza (33) sowie der gebürtige Niederhesse (D) Johannes Karl Seidel (59) geweiht.
Weitere Priesterweihen
Drei Neupriester gab es bereits in den vergangenen Wochen und Monaten. So wurde am 7. April der Niederösterreicher Johannes Paul Suchy (31) im Benediktiner-Priorat St. Josef in Maria Roggendorf von Weihbischof Stephan Turnovszky geweiht. Am 25. Mai empfing der Wiener Clemens Gudenus (37) aus dem Opus Dei bei einer Festmesse in der römischen Basilika St. Eugenio das Weihesakrament vom japanischen Weihbischof Paul Toshihiro Sakai, sowie am 1. Juni der in Deutschland geborene Siluan Gall (51), in einem vom Kiewer Bischof Stepan Sus geleiteten griechisch-katholischen Weihegottesdienst im Wiener Stephansdom.
Aller Voraussicht nach dürfte sich die endgültige Zahl der Neupriester in der katholischen Kirche in Österreich im Jahr 2024 noch erhöhen.
12 Neupriester in Tschechien, 37 Neupriester in der Slowakei
In der Tschechischen Republik werden heuer zwölf katholische Priester und fünf Diakone geweiht. Mit Ausnahme eines einzigen Priesters, der aus der Slowakei stammt und dort auch seine Primizmesse feiern wird, sind alle Kandidaten Inländer.
In der katholischen Kirche in der Slowakei werden heuer 32 Diözesanpriester geweiht, davon drei für die griechisch-katholische Kirche. Hinzu kommen noch fünf Ordenspriester.
105 Neupriester in Frankreich
Die katholische Kirche in Frankreich verzeichnet ein Zwischenhoch bei den Priesterweihen: 105 Neupriester in diesem Jahr sind ein deutliches Plus gegenüber 88 im Vorjahr, allerdings weniger als die 122 von 2022, wie die Zeitung „La Croix“ berichtet.

Hilfswerk: Wieder eine junge Christin in Ägypten entführt

Laut der heimischen NGO „Christen in Not“ (CiN) wurde in Ägypten aktuell wieder eine junge christliche Frau entführt. „Heute wurde die 17-jährige Justina Nabil Samir in Al Khusus am Stadtrand von Kairo auf dem Weg zu einer Prüfung entführt“, so CiN-Generalsekretär Elmar Kuhn in einer Aussendung vom Mittwoch. 
In den letzten Wochen hätten CiN fast wöchentlich neue Nachrichten von jungen christlichen Mädchen erreicht, die – meist auf dem Weg zur Schule oder Universität – auf der Straße entführt wurden, berichtete Kuhn. „Nach den Informationen aus unseren Projekten verschärft sich die Situation im Gefolge des Gaza-Krieges massiv. Es wird davon gesprochen, dass nun eine systematische Jagd auf christliche Mädchen zu beginnen scheint. Das Ziel ist, die Christen zu verängstigen, zu verjagen oder zur Konversion zum Islam zu treiben.“ Kuhn sprach von „Zwangsislamisierung und Zwangsverheiratung“ der Mädchen und jungen Frauen.
Heftig kritisierte der CiN-Generalsekretär die ägyptischen Behörden, die nicht entschlossen genug handeln würden. Kuhn verwies auf den Fall der 20-jährigen Arene Sheata, die am 22. Jänner entführt wurde. Die Familie der Entführer sei bekannt, sogar die Wege ihrer Entführung Richtung Grenze zum Sudan seien ausgeforscht, doch die Polizei hätte nicht handeln wollen oder können. Arene bleibe verschwunden.
Foto:  Justina Nabil Samir_©CiN
 

„Kirche in Not“ unterstützt mehr als 5.500 Projekte in 138 Ländern

Das internationale Päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hat 2023 Spenden in Höhe von 143,7 Millionen Euro gesammelt. Im Jahr davor waren es rund 146 Millionen Euro, wie die Organisation am Donnerstag in Wien mitteilte. Die Mittel stammen von rund 360.000 privaten Spenderinnen und Spendern aus aller Welt. Aus Österreich flossen 3,1 Millionen Euro an Spendengeldern (2022: 3,8 Mio. Euro). International konnten mithilfe der Spendeneinnahmen 5.573 Projekte in 138 Ländern unterstützt werden, wie aus dem Jahresbericht von „Kirche in Not“ hervorgeht.
 

Gemischte Reaktionen nach Modis Indien-Einladung an den Papst

Indiens Premierminister Narendra Modi hat Papst Franziskus erneut nach Indien eingeladen. Dies löste im Land gemischte Reaktionen aus, wie „Vatican News“ und der Pressedienst „Fides“  berichteten. Modi traf den Papst  bei einer bilateralen Begegnung am Rande des G7-Gipfels in Apulien, Süditalien. „Ich bewundere den Einsatz von Franziskus für die Menschen und unseren Planeten. Ich habe ihn auch eingeladen, Indien zu besuchen“, erklärte der Premierminister danach. 
Modi, der gerade seine dritte Amtszeit antritt, hatte Franziskus bereits 2021 im Vatikan nach Indien eingeladen. Eine Papstreise war geplant, wurde aber vom Vatikan bisher nicht bestätigt.
Die erneute Begegnung zwischen Modi und dem Papst sorgte in Indien für großes und geteiltes Echo. Indische Medien betonten, wie der Papst in seiner Rede die Staats- und Regierungschefs der G7 aufforderte, bei Entwicklung und Nutzung Künstlicher Intelligenz die Menschenwürde zu wahren.
Während indische Katholiken nach der Einladung weiter auf einen Papstbesuch hoffen, missfiel es einigen Vertretern von Modis hindunationalistischer Partei BJP, dass der Premier dem Papst die Hand schüttelte und ihn sogar umarmte, berichtete „Fides“. 

Eine gute Predigt darf laut Franziskus nicht länger als acht Minuten dauern

Geistliche sollten ihre Predigten im Gottesdienst verständlich, ansprechend und kurz halten. Diese Mahnung an die Priester hat der Papst am Mittwoch während der Generalaudienz auf dem Petersplatz gerichtet. Unter den Zehntausenden teilnehmenden Gläubigen waren auch mehrere hundert Priester und Bischöfe.
Eine gute Predigt, so der Papst abweichend von seinem Manuskript, müsse drei Ebenen ansprechen: das Denken, das Herz und das Handeln der Menschen. Und sie dürfe nicht länger als acht Minuten dauern. Das sagte er mit Blick auf jene Priester, „die oft so viel reden, ohne dass man versteht, wovon sie sprechen".
Foto: Vatican Media.
 

Rechtsruck bei Frankreichs Katholiken, deutsche Katholiken stärkten CDU

Ein Rechtsruck auch bei Frankreichs Katholiken: Bei der Europawahl am Sonntag haben laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop 42 Prozent der praktizierenden Katholiken für rechte Parteien gestimmt. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch vor fünf Jahren (18 Prozent). Gleichzeitig erlebte die 2019 noch erfolgreiche bürgerliche Liste des Präsidenten mit 12 Prozent einen brutalen Absturz, wie die Zeitung "La Croix" berichtet.
Fast ein Drittel der praktizierenden Katholiken (32 Prozent) stimmte demnach für die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen; 2019 waren es in dieser Wählergruppe noch 14 Prozent gewesen. Weitere 10 Prozent erhielt die rechtsextreme Liste Reconquete von Marion Marechal.
Der Meinungs- und Strategiedirektor von Ifop, Jerome Fourquet, erinnerte daran, dass der bürgerliche Kandidat Francois Fillon bei der Präsidentenwahl vor nur sieben Jahren im ersten Wahlgang noch fast jeden zweiten praktizierenden Katholiken (46 Prozent) für sich gewinnen konnte.
Deutsche Katholiken wählten anders: Mehr CDU und weniger AfD
Mehr CDU und weniger AfD: Katholiken und Katholikinnen in Deutschland haben bei der Europawahl deutlich anders gewählt als die Gesamtbevölkerung. Das zeigen Daten der Forschungsgruppe Wahlen. So erreichte die CDU/CSU bei Katholiken 43 Prozent, kam insgesamt aber nur auf 30 Prozent. 31 Prozent der Protestanten entschieden sich für die Unionsparteien.
Die AfD wählten 12 Prozent der Katholiken und 14 Prozent der Protestanten - insgesamt erhielten die Rechtspopulisten 15,9 Prozent der Stimmen, wie die Forschungsgruppe in Mannheim auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mitteilte.

Irakischer Patriarch Sako wieder staatlich anerkannt

Der Irak erkennt Kardinal Louis Raphael Sako wieder als Patriarchen der chaldäischen Kirche an. Ministerpräsident Mohammed Schia al-Sudani setzte das Oberhaupt der katholischen Ostkirche per Dekret auch staatlicherseits wieder als Autorität ein, wie das Patriarchat in Bagdad mitteilte. Das Dokument sei dem Kirchenoberhaupt am Dienstag offiziell übergeben worden. Es erkennt laut Medienberichten Sakos Führungsrolle in seiner Kirche an und stellt auch seine Autorität in Finanzfragen der Kirche wieder her.
Vor elf Monaten hatte Präsident Abdul Latif Rashid ein von Amtsvorgänger Jalal Talabani erlassenes Sonderdekret von 2013 aufgehoben, das Sako offiziell als Oberhaupt der chaldäischen Kirche bezeichnete und ihm weitreichende Befugnisse zur Verwaltung kirchlicher Stiftungsangelegenheiten einräumte. Sako hatte daraufhin seinen Amtssitz in Bagdad verlassen und sich ins kurdische Erbil zurückgezogen. Auf Einladung von Ministerpräsident al-Sudani kehrte er im April nach acht Monaten Exil nach Bagdad zurück.
Das Oberhaupt der größten christlichen Kirche des Irak mit rund einer halben Million Mitgliedern wird am 4. Juli 75 Jahre alt. Sako, der seit 2013 Patriarch und seit 2018 Kardinal ist, ist Verfechter eines freien, demokratischen Irak mit gleichen Rechten für alle Bürgerinnen und Bürger.
 

Syrischer Caritas-Generalsekretär: „Die Sanktionen müssen weg!"

„Warum bestraft die internationale Gemeinschaft das syrische Volk?"- Mit drastischen Worten hat der Generalsekretär der Caritas Syrien, Riad Sargi, auf die desaströse wirtschaftliche, soziale und humanitäre Lage in Syrien aufmerksam gemacht. Sargi hat dieser Tage Österreich besucht und mit Caritas-Auslandshilfechef Andreas Knapp und weiteren Verantwortlichen der Caritas Österreich gemeinsame Hilfsprojekte besprochen. Im Interview der Nachrichtenagentur Kathpress am Rande des Besuchs forderte Sargi ein Ende der Wirtschaftssanktionen gegen Syrien, die die Bevölkerung ins Elend gestoßen hätten.
Die Sicherheitslage sei in den meisten Regionen gut, so der Caritasdirektor. Dafür töte jetzt die Armut die Menschen, so Sargi. 90 Prozent der Bevölkerung in Syrien lebten unter der Armutsgrenze, bis zu 60 Prozent bräuchten Nahrungsmittelhilfe, um zu überleben. Zwischen zwei und drei Millionen Kinder können nicht zur Schule gehen, „eine verlorene Generation", warnte der Caritas-Generalsekretär. 
Das durchschnittliche Gehalt im öffentlichen Sektor liege bei 20 bis 30 Dollar im Monat, im privaten Sektor sei es etwas höher, falls man überhaupt Arbeit finde. Mit solchen Löhnen könne man freilich keine Familie ernähren, erklärte Sargi. Viele Menschen könnten sich nicht einmal mehr Brot leisten. Auch der Zugang zu sauberem Trinkwasser werde immer mühsamer. Die Caritas sei deshalb auch sehr stark im Bereich der Nahrungsmittelhilfe tätig.
Völlig im Argen liege zudem die medizinische Versorgung, die sich kaum noch jemand leisten könne. Öffentlichen Strom gebe es nur stundenweise, Treibstoff oder Heizöl nur zu astronomischen Preisen.
Angesichts dieses Befundes sei es kein Wunder, „dass 95 Prozent aller Schulabgänger ins Ausland wollen", berichtete Sargi. 
6,5 Millionen Menschen sind aus Syrien geflohen, fast noch einmal so viele im Land Vertriebene. 

Vatikan macht Vorschläge für ein Papstamt für alle Kirchen

Der Vatikan hat Vorschläge für ein neues Verständnis und eine andere Ausübung des Papstamtes gemacht, wonach der Papst künftig von anderen christlichen Kirchen als Ehrenoberhaupt akzeptiert werden könnte. Die Vorschläge stellten der für die Ökumene zuständige Kurienkardinal Kurt Koch und der Generalsekretär der Weltbischofssynode, Kardinal Mario Grech, am Donnerstag in Rom in Form eines Studiendokumentes vor.
Die unter dem Titel „Der Bischof von Rom" gesammelten Orientierungen sind das Ergebnis von jahrzehntelangen theologischen Dialogen, die verschiedene christliche Kirchen mit der katholischen Kirche jeweils separat geführt haben. Das Papier „Der Bischof von Rom", das von Papst Franziskus genehmigt wurde, schlägt für die katholische Kirche mehrere weitreichende Änderungen vor. Ein neues Verständnis und eine andere Ausübung des Papstprimats solle „zur Wiederherstellung der Einheit der Christen beitragen".
Die erste Änderung betrifft eine neue Lesart der Lehren des Ersten Vatikanischen Konzils. Dieses hatte 1870 die dogmatische Unfehlbarkeit des Kirchenoberhaupts verkündet. Zudem hatte es den Papst zum obersten Gesetzgeber und Richter der gesamten christlichen Kirche erklärt. Die damaligen Beschlüsse sollen nun, so das Papier, in die neuere Theologie integriert werden, die die Kirche nicht mehr als Monarchie, sondern als Gemeinschaft versteht. Zudem sollten sie an den „heutigen kulturellen und ökumenischen Kontext angepasst werden".
Als nächstes fordert das Papier eine klare Trennung zwischen den unterschiedlichen Verantwortungsbereichen des Bischofs von Rom. Dazu müsse er sein örtliches Bischofsamt in Rom sichtbarer ausüben. Sodann müsse geklärt werden, inwiefern er als „Patriarch des Westens" in bestimmten Fragen mit den Kirchen des Ostens auf einer Stufe stehen könne, während er in anderen den „Primat der Einheit in der Gemeinschaft der westlichen wie der östlichen Kirchen" innehaben würde.
Der dritte Vorschlag betrifft die Verfassung der katholischen Kirche. Diese müsse im Inneren weiter in Richtung einer „Synodalität", also einer gemeinsamen Beratung und Beschlussfassung, gehen. Dazu gehöre ein Nachdenken über die Autorität der nationalen und regionalen Bischofskonferenzen und die Frage, welche Stellung diese künftig im Geflecht der katholischen Weltsynode und der Römischen Kurie einnehmen.
Schließlich regt der Text die Schaffung einer neuen globalen Beratungsebene mit regelmäßigen Treffen der Kirchenführer unterschiedlicher Konfessionen an. Damit solle die bereits bestehende Gemeinschaft unter ihnen vertieft und nach außen sichtbarer gemacht werden.
Vorschläge zur ökumenischen Rolle des Papstes
Das Papier enthält auch Vorschläge zur künftigen ökumenischen Rolle des Papstes. So solle er künftig konfessionsübergreifende Konzilien einberufen und ihnen vorsitzen können. Ferner könnte er im Falle von Disziplinar- oder Lehrkonflikten die Rolle eines Mediators übernehmen. 
Mit Blick auf die von Rom getrennten Kirchen im Westen spricht das Papier von einem „Primat der Verkündigung und des Zeugnisses", der für sie auch dann annehmbar sei, wenn die volle Kircheneinheit noch nicht erreicht sei.
Umsetzung offen
Offen ist, wie die vatikanischen Vorschläge kirchenrechtlich umgesetzt werden. Der Papst könnte einige davon, die seine eigene Machtfülle oder die synodale Verfassung der Kirche betreffen, durch Kirchengesetze in Kraft setzen. Erste Schritte hat er mit Blick auf seine Rolle als römischer Bischof und auf die synodale Verfassung der Kirche bereits gemacht.
Andere bedürften vermutlich der Zustimmung eines Dritten Vatikanischen Konzils. Die Anerkennung des Papstes als "Ehrenoberhaupt" wäre wohl nur über eine neuartige „Ökumenische Synode" zu erreichen. An ihr würden dann, ähnlich wie im ersten Jahrtausend, auch Delegierte anderer Kirchen mit Stimmrecht teilnehmen.
Überwiegend positive Reaktionen auf  Vatikan-Papier zum Papstamt
Die offiziellen Vertreter der Anglikanischen und der Armenischen Apostolischen Kirche haben die jüngsten Vorschläge aus dem Vatikan für eine neue Art der Ausübung des Papstamts begrüßt.
Für die Kirche von England begrüßte der anglikanische Erzbischof Ian Ernest das Dokument als einen großen Erfolg. Der persönliche Repräsentant des Erzbischofs von Canterbury in Rom sagte, das Papier eröffne neue Perspektiven für die Beziehungen unter den Kirchen mit Blick auf den Papstprimat.
Ein Sprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erklärte, es sei „grundsätzlich zu begrüßen, dass sich der Vatikan mit dem Gedanken auseinandersetzt, das Amt des Bischofs von Rom in stärker ökumenisch verbindender Weise zu denken. Voraussetzung aus evangelischer Sicht wäre aber ein grundsätzlicher Wandel im Verständnis des römischen Bischofsamtes, der in dem Studiendokument intendiert ist."
Bätzing und Lackner loben Vatikanpapier
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hat das neue Vatikanpapier zum Papstamt als wichtiges Dokument und als möglichen Impuls für weitere Reformen gewürdigt.
„Was ich daran erstaunlich finde: Am Ende ist auch von einer Selbstbegrenzung des Papstamtes die Rede", sagte Bischof Georg Bätzing in Mainz in einem Interview von katholisch.de und der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
In Österreich begrüßte der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, das vatikanische Dokument.
Kirchenhistoriker: Keine Revolution
Eher skeptisch äußerte sich der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf. "Die Revolution ist ausgeblieben", sagte er. Positiv an dem Text sei, dass ein römisches Dokument erstmals die abweichenden Haltungen der übrigen christlichen Kirchen zur Vorrangstellung des Papstes mit großer Wertschätzung veröffentliche. Allerdings enthalte das Papier keine rechtlichen Vorschläge, wie das Papstamt konkret anders ausgeübt werden könnte.

Deutschschweizer Frauenklöster verlassen Ordens-Dachverband 

Die katholischen Frauenklöster der Deutschschweiz lösen sich vom gesamtschweizerischen Dachverband der Konferenz der Vereinigungen der katholischen Orden und Gemeinschaften des gottgeweihten Lebens (Kovos). Hintergrund ist die Frage der Beteiligung an den Kosten für die laufende mehrjährige Hauptstudie zu Missbrauch in der Schweizer Kirche, bestätigt das Online-Portal „kath.ch" entsprechende Recherchen der Zeitung „Tages-Anzeiger". An der Aufbringung der Mittel für die Studie beteiligen sich die Schweizer Bischofskonferenz, die Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) und der gemeinsame Ordens-Dachverband von Männer- und Frauengemeinschaften. Ordensfrauen seien jedoch vielmehr Opfer als Täterinnen gewesen, kritisieren die Ordensoberinnen. 
Bereits zu Jahresbeginn sind demnach die in der Gesellschaft aktiven Frauenklöster der Deutschschweiz und Liechtensteins aus dem Dachverband Kovos ausgetreten. Das bestätigte Sr. Annemarie Müller, Präsidentin der Vereinigung der Ordensoberinnen der deutschsprachigen Schweiz und Liechtenstein (Vonos), gegenüber „kath.ch". Auch die in einer eigenen Oberinnen-Vereinigung (Vokos) verbundenen kontemplativen Frauenklöster werden laut "Tages-Anzeiger" aus dem gesamtschweizerischen Ordens-Dachverband Kovos austreten. Der Schritt soll Ende Juni erfolgen. 
Die Ordensoberinnen-Vereinigung lehne eine Mitfinanzierung der Studie ab, „weil sie nicht bereit ist, für etwas zu bezahlen, bei welchem die Ordensfrauen vielmehr Opfer als Täterinnen waren", begründete die Vonos ihren Schritt im Kündigungsschreiben an den Dachverband. 

Kurznachrichten 


Papst Franziskus hat sich in einer Rede an Botschafter aus fünf afrikanischen Ländern besorgt über die weltweit sinkende Geburtenrate geäußert. 

 

Der Europarat hat die Türkei aufgefordert, Alternativen zum verpflichtenden Religionsunterricht sunnitischer Ausrichtung anzubieten. Noch immer würden Eltern, die nicht dem sunnitischen Islam folgten, gehindert, ihre Kinder vom Religionsunterricht freizustellen.

 

Ukrainer. Die Ukrainische Orthodoxe Kirche (UOK) darf keine Militärgeistlichen mehr stellen. Die Behörden werfen der UOK trotz ihrer Loslösung vom Moskauer Patriarchat vor, noch immer von diesem kontrolliert zu werden. 

 

Saudi-Arabien. Angesichts der Berichte über Hunderte Hitzetote bei der diesjährigen Wallfahrt nach Mekka wächst die Kritik an Saudi-Arabien. Bei Temperaturen von bis zu 51 Grad Celsius sollen mehr als 1.000 Menschen gestorben sein. 

 

In den USA hat nach einer Welle von Missbrauchsklagen eine weitere Diözese Insolvenz angemeldet: die kalifornische Diözese San Diego.

 

Indien. Im Liturgiestreit in der Syro-Malabarischen Kirche stellen sich 5 Bischöfe öffentlich gegen die Drohung von Großerzbischof Raphael Thattil, wonach sich jene Priester die Exkommunikation zuziehen, die sich der Vereinheitlichung der Feier der Heiligen Qurbana, also des Gottesdienstes im Ritus dieser katholischen Ostkirche, ab 4. Juli weiterhin widersetzen. 

 

USA. In allen Klassenzimmern öffentlicher Schulen in Louisiana müssen künftig die biblischen Zehn Gebote aushängen. Der republikanische Gouverneur des Bundesstaates, Jeff Landry, setzte die in den USA bislang einmalige Verpflichtung per Unterschrift in Kraft.

 

China. Der Brüsseler Kardinal Jozef De Kesel reist derzeit auf Einladung der katholischen Ortskirche durch China. Im September 2023 waren vier chinesische Bischöfe zu Besuch in Belgien. 

 

Neuseeland. Kardinal John Dew (76) darf nach einer Vatikan-Untersuchung zu Vorwürfen sexuellen Missbrauchs wieder als Seelsorger arbeiten. 

Österreich

Österreich. 475.000 Teilnehmende bei knapp 26.000 Veranstaltungen: Das ist die Bilanz des Forums Katholischer Erwachsenenbildung (KEB) für das Jahr 2023. 

 

Österreich. An der „Langen Nacht der Kirche“ haben 300.000 Personen teilgenommen.

 

In Österreich liegt Die Zahl der rumänisch-orthodoxen Gläubigen Schätzungen zufolge bei bis zu 100.000. 

 

Wien/Niederösterreich. Der Rektor der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien/Krems, Hubert Philipp Weber, wird auf eigenen Wunsch mit Ende des Studienjahres (30. September 2024) sein Amt niederlegen und die Hochschule verlassen. 

 

Wien.  Die evangelische Kirche hat erstmals eine Tauffeier an der Alten Donau durchgeführt. Getauft wurden acht Erwachsene und 15 Kinder.

 

Wien. Das im Haus der Barmherzigkeit in Wien-Ottakring ansässige Kinderpflegedomizil „Fridolina" hat den renommierten österreichischen Preis für Integrierte Versorgung, kurz „INTEGRI", erhalten. 

Als erste Einrichtung ihrer Art in Wien bietet es chronisch kranken Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 18 Jahren rund um die Uhr bedarfsorientierte Pflege mit medizinischer Versorgung sowie therapeutische und pädagogische Betreuung. 

 

Oberösterreich.  Aufgrund wachsender Ausgaben und sinkender Kirchenbeitrags-Einnahmen hat die Diözese Linz ein Maßnahmenpaket von etwa 17 Millionen Euro Einsparvolumen vorgestellt. Ziel ist, bis 2028 wieder ein ausgeglichenes Budget von Einnahmen und Ausgaben zu erreichen.

 

Niederösterreich. Propst Anton Höslinger hat im Stift Klosterneuburg Angehörige einer österreichisch-israelischen  Hamas-Geisel empfangen: Tal Shoham (39) ist seit dem 7. Oktober in Geiselhaft in Gaza. 

 

Wien. Ablehnend hat sich die „Aktion Leben" über den Vorstoß von Minister Johannes Rauch geäußert, Abtreibungen aus dem Strafgesetz zu streichen und damit die seit mehr als 50 Jahren geltende Fristenregelung in Österreich zu verändern. 


Europarat würdigt Adolf Kolping als bedeutenden Sozialreformer

Der Europarat hat dem internationalen Kolpingwerk offiziell für sein umfassendes Engagement um die Europaidee und den Prozess der europäischen Einigung gedankt. Der vor 175 gegründete katholische Sozialverband hat als nichtstaatliche Organisation seit mittlerweile 50 Jahren Beobachterstatus beim Europarat. Ein zum Jubiläum von Europarat-Vize-Generalsekretär Björn Berge übergebenes Dekret würdigt Gründer Adolph Kolping (1813-1865) als „bedeutenden Sozialreformer". Auch an die 1991 erfolgte Seligsprechung Kolpings wird erinnert.

Auch das noch...

Vatikan klagt Erzbischof Vigano des Schismas an

Der Vatikan beschuldigt den ehemaligen Papstbotschafter in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano, des Schismas - also der Kirchenspaltung. Die Behörde für die Glaubenslehre eröffnet einen außergerichtlichen Strafprozess, wie aus einer Vorladung für diesen Donnerstagnachmittag hervorgeht, die Vigano selbst  auf der Plattform X veröffentlichte.
Konkret wirft ihm die Glaubensbehörde vor, die Legitimität von Papst Franziskus zu leugnen. Damit breche die Gemeinschaft mit dem Kirchenoberhaupt. Zudem lehne Vigano die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab und habe verschiedentlich öffentlich die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche geleugnet.
 

Umfrage: Junge Steirer sind offener für den Glauben als ältere

Der Glaube ist den unter-30-jährigen Steirerinnen und Steirern wichtiger als den über-30- bis 50-Jährigen; und Spiritualität bzw. der Glaube haben für mehr als 40 Prozent der Befragten eine große bzw. sehr große Bedeutung. Das sind zwei markante Ergebnisse des „Zukunftsradars" der Diözese Graz-Seckau. Diese repräsentative Umfrage unter 700 getauften Steirerinnen und Steirern zwischen 16 und 75 Jahren sollte  Aufschluss darüber geben, wie es mit der Kirche weitergehen soll und ob sie auf dem richtigen Kurs unterwegs ist, so Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl bei der Vorstellung der Daten im Grazer Minoritensaal. Die Ergebnisse wertete die Diözese in ihrer Aussendung dazu am Mittwoch als „Überraschung und Bestätigung gleichermaßen".

Renaturierungsgesetz: Orden melden Vorbehalte

Keine Freude haben Vertreter der katholischen Ordensgemeinschaften in Österreich mit dem EU-Renaturierungsgesetz. Die am Montag im Ministerrat in Luxemburg auch mit der Stimme Österreichs beschlossene Verordnung, der zufolge die durch menschliche Eingriffe veränderte Kulturlandschaft in Europa bis 2050 in einen möglichst ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden soll, sei zwar in ihrer Intention begrüßenswert, in der Umsetzung jedoch nicht durchdacht und teils „illusorisch", erklärte Pater Maurus Kocher, Vertreter der Ordensgemeinschaften im Vorstand der Land- und Forstbetriebe Österreich, am Dienstag in der Ö1-Radiosendung „Religion aktuell". 
 

Argentinien: Kirche entschuldigt sich für Anti-Milei-Gottesdienst

Wie sehr darf die Kirche politisch Partei ergreifen? Darüber ist in Argentinien ein Streit entbrannt, nachdem einige Geistliche im Beisein eines Bischofs Lieder gegen den amtierenden Präsidenten Javier Milei gesungen hatten - während einer Messe. Videos davon machten im Netz die Runde und sorgten für Aufregung. Inzwischen hat sich der verantwortliche Weihbischof Gustavo Carrara aus der Hauptstadt Buenos Aires „demütigst" entschuldigt.
Nun zog der Erzbischof von Buenos Aires, also von jener Erzdiözese, die der heutige Papst bis zu seiner Wahl 2013 als Kardinal Jorge Bergoglio leitete, eine rote Linie. Jorge Garcia Cuerva wandte sich gegen eine Instrumentalisierung von Gottesdiensten für politische Zwecke. 

Mödling: Denkmal in Landesklinikum erinnert an Selige Sr. Restituta

An seine berühmteste ehemalige Mitarbeiterin erinnert das Landesklinikum Mödling seit Mittwoch mit einem Denkmal in der Eingangshalle: An die Ordensfrau Sr. Restituta Helene Kafka (1894-1943), die dort jahrzehntelang tätig war, ehe sie von den Nationalsozialisten verhaftet und später wegen Hochverrats hingerichtet wurde. Österreichs erste Märtyrerin, die 1998 von Johannes Paul II. seliggesprochen wurde, hätte am 1. Mai ihren 130. Geburtstag gefeiert. An ihrer Wirkstätte fand aus diesem Anlass ein ökumenischer Gottesdienst in der Spitalskapelle statt, in dessen Rahmen das von den Künstlern Clemens Fürtler und Michaela Seiser geschaffene Kunstobjekt gesegnet und eine Wanderausstellung über ihre Geschichte eröffnet wurde. 
Sr. Restituta, mit bürgerlichem Namen Helene Kafka, wurde am 1. Mai 1894 in Brünn-Husovice geboren. Sie wuchs in Wien-Brigittenau auf, trat 1914 bei den Hartmannschwestern in Wien-Margareten ein und bekam den Ordensnamen Schwester Maria Restituta. Lange wirkte sie als Erste Operationsschwester in Mödling, bis sie 1942 aus dem OP-Saal heraus vom NS-Regime verhaftet und schließlich 1943 mit dem Fallbeil hingerichtet wurde - wegen „landesverräterischer Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat", wie es im Urteil hieß, während ihr Orden die „Treue zu ihrem Gewissen als christliche Krankenschwester, ihren unbeugsamen Glaubensmut und ihr Bekenntnis zu einem freien Österreich" als Gründe angibt.