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die neue Kirchenzeitung

 24. Dezember 2023 

Lesungen:  2 Sam, 7,1-5.8b-12.14a.16; Röm 16,25-27. Evangelium: Lk 1,26-38.

Vatikan erlaubt Segnung homosexueller Paare
Weltweite Proteste, kaum Zustimmungen

Katholische Priester dürfen ab sofort homosexuelle Paare segnen. Die vatikanische Glaubensbehörde veröffentlichte am Montag ein entsprechendes Dokument mit ausdrücklicher Genehmigung von Papst Franziskus. Der Schritt riecht nach Revolution. Immerhin hatte der Vatikan noch 2021 eine Segnung von homosexuellen Beziehungen klar ausgeschlossen. Trotzdem: Die Erklärung „Fiducia supplicans" (deutsch: Das flehende Vertrauen) bedeutet keineswegs eine 180-Grad-Wende.
Sehr genau unterscheidet der Leiter der Glaubensbehörde, Kardinal Victor Fernandez, in dem Dokument zwischen dem Sakrament der Ehe und einer Segnung von Menschen, die sich lieben. Sex ist laut Kirchenlehre nur in der Ehe zwischen Mann und Frau erlaubt; ausschließlich heterosexuelle Paare dürfen kirchlich heiraten. An dieser Haltung ändert auch „Fiducia supplicans" nichts, wie Fernandez betont. Priester, die ein homosexuelles Paar segnen, müssten daher unbedingt vermeiden, dass der Akt wie eine Eheschließung - also wie ein Sakrament - aussieht.
Der Segen darf deshalb nicht in Zusammenhang mit einer standesamtlichen Feier oder der Eintragung einer Lebenspartnerschaft erteilt werden. Das Paar darf nicht in Hochzeitskleidung erscheinen, auch typische Gesten sind tabu, etwa das Austauschen von Ringen.
Vorsitzender der Bischofskonferenz freut sich
In Österreich und Deutschland stieß diese Weiterentwicklung auf ein positives Echo. „Die heutige Bekanntgabe des Glaubensdikasteriums habe ich mit Freude aufgenommen", sagte der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, in einer ersten Reaktion. Segnen sei ein Grundbedürfnis, „das grundsätzlich niemandem verwehrt werden darf - wie Brot", so der Erzbischof wörtlich.
Pastoraltheologe: Segnungsfeier prophetischer Schritt für Weltkirche
Als einen „prophetischen Schritt für die Weltkirche" hat der Salzburger Pastoraltheologe Salvatore Loiero die vatikanische Erlaubnis für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und solcher Paare, die ihre Partnerschaft anders leben als in einer sakramentalen Ehe bezeichnet. Bischöfe sowie Seelsorgerinnen und Seelsorger könnten sich nun „auf ein Dokument von universaler Bedeutung und Reichweite" berufen. In Bezug auf gleichgeschlechtliche Paare sei dies speziell in Ländern wichtig, in denen Homosexualität als Straftat betrachtet wird, wies Loiero, seit September Professor für Pastoraltheologie an der Paris-Lodron-Universität Salzburg, am Dienstag im Kathpress-Gespräch hin.
 „Segen ja, Feier nein"
Mit seiner Erlaubnis für eine Segnung homosexueller und wiederverheirateter Paare hat der Vatikan nach Einschätzung des Erfurter Theologen Benedikt Kranemann einen „ganz raffinierten Kniff" gefunden. „Einerseits ermöglicht man eine Öffnung und macht ein Zugeständnis, andererseits nimmt man keine Veränderungen an der Lehre vor, die weiter etwa Sexualität zwischen homosexuellen Paaren als Sünde einstuft", sagte der Liturgiewissenschaftler der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Große Bandbreite an Reaktionen in Weltkirche
Bisher noch keine offiziellen Reaktionen gab es von der Bischofskonferenz Brasiliens, dem mit 139 Millionen Gläubigen größten katholischen Land. Aus der von Kardinal Odilon Pedro Scherer geleiteten Diözese Sao Paulo hieß es in einer Stellungnahme, Papst Franziskus sei nicht Urheber der Erklärung, sondern habe sie nur genehmigt.
Die Bischöfe Mexikos, wo 105 Millionen Katholiken leben, strichen in ihrer Erklärung ihre „Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater" hervor und riefen dazu auf, hinsichtlich der Segnungen keine Verwirrung zu stiften und die pastoralen Absichten des Papstes nicht zu verfälschen.
USA und Ostasien
Kardinal Blase Cupich von Chicago begrüßte die Vatikan-Erklärung „Fiducia supplicans“. Kurz gehalten fiel die offizielle Reaktion der US-Bischofskonferenz aus. „Die Lehre der Kirche zur Ehe hat sich nicht verändert", heißt es in der nur zwei Sätze umfassenden Erklärung von Sprecherin Chieko Noguchi - um dann den Unterschied zwischen einem förmlichen sakramentalen Segen und einem einfachen pastoralen Segen zu betonen.
Die philippinische Bischofskonferenz, zuständig für die Seelsorge für das mit 95 Millionen Gläubigen wichtigste katholische Land Asiens, verwies in ihrer Stellungnahme auf fünf wichtige Absätze des Vatikan-Dokuments und betonte, dieses sei in Inhalt und Absicht klar und bedürfe keiner weiteren Erklärung.
Sorge und Widerstand in Afrika und Zentralasien
Während die Bischöfe im Kongo, dem größten katholischen Land Afrikas, ebenfalls keinen Kommentar gaben, äußerten jene in Kenia die Sorge, „bestimmte Aspekte" des Dokuments würden „Besorgnis und sogar Verwirrung" bei „Christen und im Allgemeinen dem Volk Gottes" hervorrufen.
Gleichgeschlechtliche Ehen fänden in Kenia „keine Akzeptanz" und würden vom Vatikan-Schreiben jedenfalls nicht gebilligt oder durch die Hintertür eingeführt. Ziel der Kirche bleibe, alle Menschen auf den „Weg der Bekehrung und Erlösung zu bringen".
Malawi, Sambia und Kasachstan: Bischöfe verbieten Segnungen
Der vehementeste Widerstand an der neuen Regelung kam bisher von den Bischöfen von Malawi, Sambia und Kasachstan, die als Reaktion Segnungen homosexueller Paare in ihren Zuständigkeitsbereichen verboten haben. Diese „widersprechen direkt und ernsthaft der göttlichen Offenbarung und der ununterbrochenen, 2.000 Jahre alten Lehre und Praxis der katholischen Kirche", erklärten dazu etwa die Bischöfe der kasachischen Hauptstadt Astana in einem Hirtenbrief.
In Ghana hob der Bischofskonferenz-Vorsitzende Matthew Kwasi Gymfi bei einer Online-Diskussion hervor, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare sei in dem westafrikanischen Land „nicht zulässig"- auch, da es dafür keine zugelassenen Riten und Gebete gäbe.
Ukraine-Bischöfe kritisch, Schweigen in Südeuropa
Die römisch-katholischen Bischöfe der Ukraine warnten vor „mehrdeutigen Formulierungen", die schon jetzt zu vielen Missverständnissen geführt hätten. Sie vermissten in „Fiducia supplicans" eine „ausdrückliche Missbilligung der Sünde" sowie den „Aufruf der Sünder zur Bekehrung".
Keine offizielle Positionierung gab es bislang von der Bischofskonferenz Italiens, wo 51 Millionen Katholiken leben. Auch in Spanien gab der Sprecher der Bischofskonferenz, Cesar Garcia Magan, bekannt, es werde von der Ortskirche keine gemeinsame Stellungnahme zu "Fiducia supplicans" geben, zumal man Vatikan-Dokumente nicht bewerte. Jedem Bischof sei es frei überlassen, sich dazu zu äußern oder nicht.
Der frühere vatikanische Glaubenspräfekt, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, kritisierte das Papier seines Amtsnachfolgers, Kardinal Victor Fernandez, scharf. In einer zeitgleich von mehreren konservativen Internetportalen verbreiteten Stellungnahme bemängelte er nicht nur den Inhalt, sondern auch das Zustandekommen der Grundsatzerklärung „Fiducia supplicans". Diese sei nicht von der Vollversammlung des Glaubensdikasteriums diskutiert und beschlossen worden. Jeder Bischof sei dazu verpflichtet, diese „sakrilegischen Taten zu verhindern".
Die Polnische Bischofskonferenz erklärte, das neue Dokument verändere in keiner Weise die bisherige Lehre der katholischen Kirche zu Ehe und Familie. Es gehe vielmehr um das richtige Verständnis des Wortes „Segen". Da die Ausübung sexueller Handlungen außerhalb der Ehe gegen den Willen und die Weisheit Gottes verstoße, könnten Menschen, die so eine Beziehung führen, keinen Segen empfangen. Dies gelte insbesondere für Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Homosexuellen könne nur dann der Segen erteilt werden, wenn sie in völliger Enthaltsamkeit lebten.
Afrikas Bischöfe suchen eine gemeinsame Linie. Der kongolesische Kardinal Fridolin Ambongo Besungu als Vorsitzender des gesamtafrikanischen Bischofsrats SECAM rief alle Bischofskonferenzen des Kontinents auf, ihre Haltung dazu zu formulieren und ihm bis Mitte Jänner zu schicken.
Am Donnerstag hatten lokale Medien berichtet, dass sich die katholische Bischofskonferenz in Afrikas bevölkerungsreichstem Land Nigeria klar gegen die vom Vatikan erlaubte Segnung gleichgeschlechtlicher Paare stelle. Homosexuelle Handlungen sind in Nigeria und in vielen anderen afrikanischen Ländern gesetzlich verboten und werden zum Teil sehr hart bestraft.
Schon am Mittwoch hatten bereits die deutlich kleineren Bischofskonferenzen von Malawi und Sambia ähnlich lautende Erklärungen veröffentlicht. Inzwischen hat sich auch die Bischofskonferenz von Kamerun gegen die Segnungen ausgesprochen.
Sollten sich die afrikanischen Bischöfe in dieser Frage klar gegen Papst und Vatikan positionieren, könnte daraus ein großes Problem werden für Franziskus. Denn anders als etwa in Europa und Amerika wächst die katholische Kirche in Afrika. Dort geht auch die Zahl der Gottesdienstbesucher und der Priesteramtskandidaten deutlich nach oben.
Foto: Kardinal Victor Fernandez, Chef des Glaubensdikasteriums. Vatican Media.

Papst Franziskus schwört Vatikan-Spitzen auf seinen Kurs ein 

Gegen Stillstand und Erstarrung im Vatikan hat sich Papst Franziskus in seiner Weihnachtsansprache an die römische Kurie ausgesprochen. In einer langen Grundsatzrede an die führenden Mitarbeiter der Zentrale der katholischen Weltkirche sagte er am Donnerstag im Vatikan: „Auch im Dienst hier in der Kurie ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben; nicht aufzuhören, die Wahrheit zu suchen und zu vertiefen; die Versuchung zu überwinden, stehen zu bleiben und innerhalb unserer umhegten Bereiche und Ängste 'herumzuirren'. Ängste, Starrheit und schablonenhafte Wiederholung erzeugen eine Unbeweglichkeit, die den scheinbaren Vorteil hat, keine Probleme zu schaffen (...), sie führen dazu, dass wir uns in unseren Labyrinthen im Kreis drehen."
Zu der traditionellen Weihnachtsansprache in der Benediktionsaula im Vatikan waren am Donnerstagvormittag zahlreiche Kurienkardinäle, Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien gekommen, die an der Spitze der Vatikan-Behörden arbeiten.
Eindringlich mahnte der Papst in seiner Ansprache die vatikanischen Führungskräfte, sich nicht in ideologischem Streit zu verlieren, sondern sich für ihren Auftrag zu begeistern. Wörtlich sagte er: „60 Jahre nach dem Konzil wird immer noch über die Unterscheidung zwischen 'Progressiven' und 'Konservativen' debattiert, während der zentrale Unterschied doch zwischen 'Verliebten' und 'Gewöhnten' besteht. Dies ist der Unterschied. Nur wer liebt, geht weiter."
Foto: Vatican Media.
 

Nach dem Machtwort des Papstes in indischer Ostkirche

Die Genehmigung der Segnung homosexueller Paare war nicht der einzige überraschende Schritt des Papstes in diesem Advent. Zuvor hatte Franziskus - höchst ungewöhnlich - per Video direkt die Priester der syro-malabarischen Erzdiözese Ernakulam-Angamaly im indischen Bundesstaat Kerala angewiesen, im Sinne der „Einheit" der Kirche den Streit um die Liturgieform beizulegen. Ab dem 25. Dezember, so der Papst, gelte in der mit Rom verbundenen Ostkirche verbindlich die Liturgieform, die die Synode der Syro-malabarischen Kirche schon 1999 festgelegt hatte: Der Priester zelebriert die Messe zunächst mit dem Gesicht zur Gemeinde; erst während der Eucharistiefeier wendet er sich zum Altar.
Die meisten der 464 Priester und 500.000 Gläubigen in Ernakulam-Angamaly akzeptieren diesen Kompromiss nicht. Sie bestehen darauf, dass der Priester weiterhin den gesamten Gottesdienst mit dem Gesicht zur Gemeinde feiert, wie es seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) Usus ist.
Die Rebellenpriester sind erstaunt und verärgert über die Videobotschaft des Papstes. Niemand aus dem Dikasterium der Orientalischen Kirchen, so die Priester, habe mit ihnen über ihren Standpunkt gesprochen. 
Im Bundesstaat Kerala leben nach offiziellen Angaben 2,35 Millionen Anhänger der Syro-malabarischen Kirche. Weltweit sind es 4,25 Millionen.

Papst verurteilt israelischen Angriff auf Pfarre in Gaza

Nach tödlichen Schüssen auf Mitglieder der katholischen Gemeinde in Gaza wächst die Kritik an Israel. Papst Franziskus verurteilte bei seinem Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz in Rom den Angriff auf die beiden Frauen. Den Beschuss der Pfarrgebäude in Gaza und die Beschädigung der dortigen Niederlassung von Mutter-Teresa-Schwestern bezeichnete er als "sehr schwerwiegende und schmerzhafte Nachrichten".
Franziskus betonte, auf dem Gelände der Pfarre befänden sich „keine Terroristen, sondern Familien, Kinder, Kranke, Behinderte und Ordensfrauen". Mit dem Seelsorgepersonal der einzigen katholischen Pfarre in Gaza hatte der Papst in den vergangenen Wochen häufig telefoniert.
Am Samstag hatte ein israelischer Scharfschütze die beiden Frauen auf dem Gelände der katholischen Pfarre der „Heiligen Familie" in Gaza getötet, sieben weitere Personen seien verletzt worden. 
Patriarch Kardinal Pierbattista Pizzaballa verurteilte den Angriff in einer Zeit, in der die Kirche sich auf das Weihnachtsfest vorbereite, und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Seit Kriegsbeginn hatte die Mehrheit der christlichen Familien Gazas im Pfarrbereich Zuflucht gesucht.
Bereits am Samstagvormittag hatte nach Angaben des Lateinischen Patriarchats eine Rakete der israelischen Armee den Konvent der Mutter-Teresa-Schwestern getroffen, der innerhalb des Pfarrbereichs in Gaza liegt. In dem Konvent werden 54 behinderte Personen betreut. Getroffen worden seien der einzige Stromgenerator und der Öltank. Das Haus sei bei der Explosion schwer beschädigt worden. Die Behinderten wurden verlegt, ohne Zugang zu Atemgeräten, die manche benötigten. Schon in der Nacht zuvor hatte es in der Zone schwere Bombardements gegeben, bei der drei Personen innerhalb des Pfarrcompounds leicht verletzt wurden, so die Nachricht.
Bei den beiden Toten handelt es sich nach Angaben des Patriarchats um Nahida Khalil Boulos Antoun und ihre Tochter Samar Kamal Antoun, die auf dem Weg zu den Mutter-Teresa-Schwestern gewesen seien. Sie seien erschossen worden, als die Tochter ihre alte Mutter in Sicherheit bringen wollte.
Der Pfarrer von Gaza, Gabriel Romanelli, sagte gegenüber Radio Vatikan: „Die Mutter, die getötet wurde, Nahida, und ihre Tochter Samar waren sehr gute Menschen. Nahida war die Mutter einer großen Familie mit vielen Kindern, fast alle verheiratet... Unter den unverheirateten Kindern war auch Samar, die Frau, die getötet wurde. Samar war die Köchin im Schwesternheim von Mutter Teresa. Sowohl Mutter als auch Tochter nahmen an allen Aktivitäten teil.“
Foto:  Nahida Khalil Boulos Antoun und ihre Tochter Samar Kamal Antoun, 

Hohe Haftstrafen im vatikanischen Finanzstrafprozess

Der italienische Kardinal Angelo Becciu (75) ist am Samstag vom vatikanischen Strafgericht in erster Instanz zu einer Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt worden. Wie das Gericht nach der Urteilsbegründung schriftlich mitteilte, befanden die Richter Becciu in allen drei Sachbereichen der Anklage, nicht jedoch in jedem einzelnen Unterpunkt für schuldig.
In dem am meisten Aufsehen erregenden Kapitel, dem von Becciu verantworteten verlustreichen Investment in eine Luxus-Immobilie in London, erkannte das Gericht, dass Becciu sich der Veruntreuung schuldig gemacht habe. Er habe 2013 und 2014 rund 200 Millionen US-Dollar in ein einziges Investment gesteckt. Bei der Summe habe es sich damals um etwa ein Drittel des gesamten Vermögens des vatikanischen Staatssekretariats gehandelt. Dennoch habe Becciu nicht überprüft, ob die Voraussetzungen für ein solches Investment überhaupt gegeben gewesen seien.
An den weiteren betrügerischen Machenschaften im Zusammenhang mit dieser Investition sei Becciu nicht schuldig. Die daran beteiligten Vermittler, Makler und Finanzberater (Enrico Crasso, Raffaele Mincione, Gianluigi Torzi und Nicola Squillace) erhielten jeweils mehrjährige Haftstrafen zwischen fünfeinhalb und siebeneinhalb Jahren, unter anderem wegen Geldwäsche und Betrug.
Ebenfalls für schuldig befanden die vatikanischen Strafrichter Kardinal Becciu wegen der Zuwendung von insgesamt 570.000 Euro an seine Bekannte Cecilia Marogna. Sie hätten gemeinsam einen schweren Betrug organisiert, um ihr dieses Geld unter dem Vorwand eines guten Zwecks zuzuschanzen. So hätten sie wahrheitswidrig behauptet, dass es einer Geiselbefreiung diene. Marogna wurde wegen ihrer Mitwirkung daran zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Foto: Vatican Media.

Glaube an Jesus und ehrenamtlicher Einsatz korrelieren deutlich

Nur 16 Prozent der Bevölkerung in Österreich stimmen der Aussage „Ich glaube, dass es einen Gott gibt, der sich in Jesus Christus zu erkennen gibt" zu; und gar nur 3 Prozent bejahen, dass die katholische Kirche „für die Menschen in unserer Zeit die richtigen Antworten" gibt. Das geht aus einer Umfrage hervor, die „Der Standard" beim Market-Institut in Auftrag gab und am Montag publizierte. Allerdings: Jene 34 Prozent der Menschen, die eine ehrenamtliche Tätigkeit ausüben, „bekennen sich überdurchschnittlich häufig zu Christus und nennen auch besonders kirchliches Engagement als Teil ihres Glaubensverständnisses", heißt es in der Zeitung. Und: 58 Prozent der Christus-Bekenner engagieren sich ehrenamtlich.

Männer gläubiger als Frauen

45 Prozent der 800 repräsentativ ausgewählten und Ende November befragten Wahlberechtigten in Österreich glauben an die Existenz eines "höheren Wesens oder einer geistigen Macht". Der explizit auf Jesus Christus Bezug nehmende Gottesglaube wird laut der Umfrage von 16 Prozent der erwachsenen Österreicherinnen und Österreicher geteilt - mit einem deutlichen Unterschied bei den Geschlechtern: 21 Prozent der Männer und 12 Prozent der Frauen glauben an die Erkennbarkeit Gottes in Jesus Christus. 
Foto. Vatican Media.

Kirchliche Organisationen erschüttert über Leihmutterschafts-Entscheid 

Heftige Kritik üben die Föderation der katholischen Familienverbände in Europa (FAFCE) und die „Aktion Leben" an einem EU-Parlaments-Beschluss, welcher der verbotenen Praxis der Leihmutterschaft Vorschub leisten dürfte. Die Verordnung zur Erleichterung der Anerkennung der Elternschaft und zur Einführung eines Europäischen Elternschaftszertifikats höhle das Leihmutterschafts-Verbot aus und begünstige Kinderhandel und Ausbeutung von Frauen. Zwar sei das Ansinnen, „dass kein Kind illegal sein kann" verständlich, die Anerkennung der Elternschaft dürfe jedoch nicht die nationalen Verbote von Leihmutterschaft untergraben, warnte „Aktion Leben"-Generalsekretärin Martina Kronthaler.
Am Donnerstag hatte das Europäische Parlament mit 366 Ja-Stimmen bei 145 Nein-Stimmen und 23 Enthaltungen seine Stellungnahme zu einem Europäischen Zertifikat für Elternschaft angenommen. Alle österreichischen Abgeordneten von SPÖ, ÖVP und Grüne stimmten dafür, die FPÖ-Abgeordneten dagegen. Die endgültige Entscheidung fällt der EU-Rat, der von den zuständigen Ministerinnen und Ministern der Mitgliedsstaaten beschickt wird, diesem Vorschlag aber nicht folgen muss. 
 

Vatikan: Ledige junge Mütter zu Sakramenten zulassen 

Katholische Priester und Gemeindeleiter sollten unverheiratete junge Mütter nicht vom Empfang der Kommunion ausschließen. Das hat die Glaubensbehörde im Vatikan mit Nachdruck gefordert. In einem am Donnerstag veröffentlichten Antwortschreiben des Behördenchefs Kardinal Victor Fernandez an einen Bischof in der Dominikanischen Republik heißt es dazu, man müsse in der Seelsorge klar machen, dass die Mutterschaft einer unverheirateten jungen Frau kein Hindernis für den Zugang zur Eucharistie sei. Nach einer Beichte könne sie wie alle Gläubigen die Kommunion empfangen. Die Gemeinden sollten sie dafür respektieren, dass sie sich für das Leben ihres Kindes entschieden habe.
Antwort auf Anfragen aus mehreren Ländern 
Das Schreiben von Fernandez richtet sich an Bischof Ramon Alfredo de la Cruz in der Dominikanischen Republik, wo es viele minderjährige Prostituierte mit Kindern gibt. Der Bischof hatte am 24. Oktober per Mail im Vatikan angefragt, was zu tun sei, wenn junge Single-Mütter sich nicht trauten, zur Kommunion zu gehen, weil sie die Strenge der Geistlichen und der führenden Leute in der Gemeinde fürchteten. 
Ähnliche Anfragen habe auch der Papst persönlich aus unterschiedlichen Ländern erhalten, schreibt Fernandez. Es sei ein Fakt, dass immer wieder Priester, aber auch Gemeindemitglieder, unverheiratete junge Mütter am Empfang der Sakramente hinderten. 
„Es ist Ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es ein solches Verhalten in ihrer Ortskirche nicht gibt", so die abschließenden Worte vom Präfekten des Glaubensdikasteriums in seinem Schreiben an den Bischof auf der Karibikinsel. 
 

Prag und Wien nahmen Abschied von Karel Schwarzenberg 

Zahlreiche hochrangige tschechische sowie ausländische Vertreter aus Politik und Diplomatie haben am 9. Dezember Abschied vom früheren tschechischen Außenminister und Ehrenvorsitzenden der rechtsliberalen Partei TOP 09, Karel Schwarzenberg, genommen. Die offizielle Trauerfeier mit staatlichen Ehren, die vom tschechischen Fernsehen (CT) direkt übertragen wurde, fand im Sankt-Veits-Dom auf der Prager Burg statt. 
Die Predigt bei der vom Prager Erzbischof und tschechischen Primas Jan Graubner geleiteten Totenmesse hielt der bekannte Theologe und Soziologe Tomas Halik. Er bezeichnete Schwarzenberg laut Apa als „Züchter der demokratischen Verwalter des öffentlichen Lebens" in Tschechien. Schwarzenberg sei ein Gentleman und Inspirator gewesen. Er sollte deswegen fortan als „Erzieher der tschechischen Gesellschaft zum Edelsinn" in Erinnerung bleiben, so Halik. 
Mit einer kurzen Erinnerungsrede trat auch der tschechische Staatspräsident Petr Pavel auf. Er würdigte Schwarzenberg als „große Persönlichkeit der modernen Geschichte". Schwarzenberg habe seine Heimat geliebt. Er habe den Weg des Dienstes für die Tschechische Republik gewählt. Er sei politisch aufrichtig gewesen und fähig gewesen zu vereinen und Dialog zu führen. 
Bei einem Gottesdienst im Wiener Stephansdom haben Kardinal Christoph Schönborn und Bundespräsident Alexander Van der Bellen sowie zahlreiche weitere Vertreter aus Politik, Diplomatie und Gesellschaft am 16. Dezember an den im November verstorbenen früheren tschechischen Außenminister Karel Schwarzenberg (1937-2023) erinnert. „Wir nehmen Abschied von einem großen Menschen, großen Christen und großen Mann der Öffentlichkeit", sagte Schönborn bei dem Requiem im Beisein der Familie und zahlreicher Wegbegleiter Schwarzenbergs. Bundespräsident Van der Bellen würdigte den Verstorbenen unter anderem als „großes Vorbild", „außergewöhnlichen Politiker" und Staatsmann im besten Sinn, der „früher als viele andere ein überzeugter Demokrat und glühender Europäer war". 

Kurznachrichten 

   

Papst Franziskus hat am 17. Dezember seinen 87. Geburtstag begangen. Staatspräsident Sergio Mattarella (82) übermittelte dem Kirchenoberhaupt Glückwünsche im Namen des italienischen Volkes. Er dankte dem Papst für seine stetigen Forderungen nach Frieden in der Welt und nach einer Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen Mensch und Natur. 

 

Papst Franziskus hat ein Opfer des italienischen Faschismus als Märtyrer anerkannt. Wie das vatikanische Presseamt mitteilte, erkannte er an, dass der junge italienische Priester Giuseppe Rossi (1912-1945) gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wegen seines Glaubens getötet wurde. Die Faschisten hatten ihm vorgeworfen, eine Aktion von Partisanen mit Glockengeläut unterstützt zu haben. 

 

Vietnams Präsident Vo Van Thuong hat Papst Franziskus zu einem Besuch in das kommunistische Land eingeladen. 

 

Jordanien will nach Worten von König Abdullah seine historische Rolle beim Schutz islamischer und christlicher heiliger Stätten in Jerusalem fortsetzen. Bei einem Treffen mit Religionsführern aus Jerusalem und aus Jordanien am Mittwochabend in Amman forderte er, dass Christen und Muslime bei der Verteidigung dieser Stätten vereint zusammenstehen müssten. 

 

Slowenien. Das 46. Europäische Jugendtreffen von Taize findet vom 28. Dezember bis 1. Jänner in Ljubljana statt. Rund 5.000 Jugendliche verschiedener Konfessionen aus 40 Ländern werden erwartet, um zu beten, zu singen und gemeinsam den Jahreswechsel zu feiern. 

 

Deutschland. Der umstrittene Kreuzerlass von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist nicht rechtswidrig. Das deutsche Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschied am Dienstag, dass der Freistaat Bayern die im Eingangsbereich seiner Dienstgebäude angebrachten Kreuze nicht entfernen muss. 

 

In Polen ist nach einem historischen Tiefstand im Corona-Jahr 2021 die Zahl der Gottesdienstbesucher 2022 leicht gestiegen: von 28,3 auf 29,5 Prozent. 

   



Slowakei. Jozef Halko (59), der Weihbischof der Erzdiözese Bratislava, sorgt alljährlich vor Weihnachten mit seinem Angebot, am Hauptbahnhof der slowakischen Hauptstadt Beichte zu hören, auch für mediales Interesse. So gibt er vor der Beichtmöglichkeit in einem sozialen Netz bekannt, wo und wann er zu einem Gespräch zur Verfügung stehen wird. 

 

Deutschland. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat sich erneut von der AfD distanziert. „Katholisch zu sein und gleichzeitig AfD-Anhänger, das geht für mich nicht zusammen", sagte der Limburger Bischof in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung". 

 

Deutschland. Zwischen Religiosität und dem Wunsch, Kinder zu bekommen, besteht laut einer wissenschaftlichen Studie ein enger Zusammenhang. Religiöse Menschen hätten bereits im Jugendalter „höhere Fertilitätsabsichten" als weniger religiöse Menschen, sagte Jasmin Passet-Wittig vom deutschen Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). 


 

Österreich

  

Österreich. Die 17.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas erhalten im kommenden Jahr um 9,2 Prozent mehr Gehalt. 

 

Burgenland. Reformfreudig hat sich der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics in einem Weihnachtsinterview der „Burgenländischen Volkszeitung" gezeigt. Er plädiert für mehr Frauenmitsprache und beim „Reizthema" Zölibat für eine Entideologisierung und für die Freigabe der priesterlichen Lebensform. 

 

Steiermark. Die Gemeinschaft des Benediktinerinnen-Klosters St. Gabriel verlässt den Standort in St. Johann bei Herberstein mit Ende des Jahres. Das Priorat Kloster St. Gabriel bleibt jedoch bestehen - mit drei an verschiedenen Orten lebenden Benediktinerinnen. 

Weitere Veränderungen in der Diözese St.Pölten

Der Jänner 2024 bringt in der Diözese St.Pölten weitere Veränderungen mit sich: Das Ressort Pfarren wird mit dem Ressort Lebenswelten zur Abteilung Pfarren & Lebenswelten vereint. Gleichzeitig wechselt Andrea Leuthner in die Abteilung Kommunikation und Peter Haslwanter als PGR-Referent in die Erzdiözese Salzburg. 
In den nächsten Monaten soll ein neues Service für Pfarrverbände und Pfarren entwickelt werden: In den Regionen werden künftig sogenannte Pastoralcoaches ihre Arbeit aufnehmen und Pfarrverbände und Pfarren in ihren pastoralen Bemühungen begleiten und unterstützen. Diese Tätigkeit erfolgt in Ergänzung zu den Regionalbegleiterinnen und -begleitern, die sich v.a. um personelle und strukturelle Veränderungen kümmern.


Auch das noch...

Gemälde von Renaissance-Maler in Museumslager in Venedig entdeckt 

Italien. In Venedig ist im Lager des Museums Correr ein Kunstwerk des italienischen Renaissance-Malers Andrea Mantegna (1431-1506) entdeckt worden. Das Gemälde zeigt eine „Sacra Conversazione", wie die italienische Tageszeitung „La Repubblica" am Mittwoch berichtete. Die Muttergottes Maria sitzt mit dem Jesuskind in Gesellschaft mit sechs weiblichen Heiligen in einer italienischen Landschaft, darunter sind die heilige Magdalena und die heilige Elisabeth. Neben dem Jesuskind steht Johannes der Täufer als Knabe. 
 

Deutschland: 75-jähriger Weihbischof bei Angriff schwer verletzt 

Der frühere Hildesheimer Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger (75) ist in seinem Haus in der Nähe von Hannover angegriffen und schwer verletzt worden. Er werde auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt, sei aber ansprechbar, erklärte ein Diözesansprecher am Sonntag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es gehe ihm "den Umständen entsprechend" gut. 
Zuerst hatte die „Hannoversche Allgemeine Zeitung" von dem Überfall berichtet und auch von einem Telefonat mit Schwerdtfeger. Dieser habe am Samstagabend einem Mann die Tür geöffnet, der zunächst als Bittsteller geklingelt habe. Dann aber habe dieser ihn beschimpft und ihn heftig ins Gesicht geschlagen. Dabei sei Schwerdtfeger gestürzt und habe sich zwei Rippen gebrochen. Außerdem sei eine Wunde im Gesicht genäht worden. Die Zeitung zitiert ihn mit den Worten „Ich habe noch Glück im Unglück gehabt." 

Landau-Brüder „Falter"-Menschen des Jahres 

Die Wiener Wochenzeitung „Falter" hat die Brüder Michael (63) und Daniel Landau (59) zu „Menschen des Jahres" gekürt. Der scheidende Caritas-Präsident und katholische Priester Michael sowie sein jüngerer Bruder und Bildungsaktivist Daniel seien im vergangenen Jahr „zu den Gesichtern der österreichischen Zivilgesellschaft" avanciert, „die diese Republik veränderten" würdigte die Wochenzeitung in ihrer aktuellen Ausgabe das Engagement des Brüderpaars.
„Wo im Staat Fugen offen bleiben und die Politik zu beschäftigt scheint, kommt immer irgendwo ein Landau daher und kittet drüber", ist in der Zeitung über die Wiener Brüder zu lesen, diese seien so etwas wie die nationalen Botschafter des Miteinanders. „Armut und Nächstenliebe, Bildung und Flucht", seien die Themen, mit denen man die Landaus verbinde. So sei Michael Landau seit zehn Jahren der Öffentlichkeit als Gesicht der katholischen Hilfsorganisation bekannt. Daniel Landau wurde als Koordinator für ukrainische Schüler, Veranstalter von Lichtermeeren und für sein Engagement gegen Antisemitismus an Schulen prominent.
Aufgewachsen mit „angewandtem Glauben" 
Aufgewachsen waren die zwei Brüder in einem zwar jüdisch-katholischen, aber nicht sonderlich religiösen, Haushalt, gaben die beiden an. Die Eltern lebten den Kindern „eine Art angewandten Glauben" vor: Die Mutter betete zwar nachts mit den Söhnen, aber hatte sie nicht taufen lassen. Der Vater wurde zwar manchmal im Tempel gesehen, aber feierte daheim Weihnachten. 
In Berührung mit dem katholischen Glauben kam Michael Landau durch Freunde, die er in die Kirche begleitete und den Religionsunterricht. Michael habe dabei all seine Argumente "wieder und wieder" hinterfragt, erinnerte sich sein damaliger Lehrer Gustav Pirich. Politisiert hatte sich Landau schließlich auch im Dachverband katholischer Schülerverbindungen (MKV). 

„Kirche in Not“ finanziert 45 000 Weihnachtsgeschenke für Kinder in Syrien und im Libanon

Das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) hat über eine halbe Million Euro zur Verfügung gestellt, um 45 000 Kindern in Syrien und im Libanon eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Über drei Viertel der Geschenke gehen an Kinder aus bedürftigen Familien in Syrien; dort unterstützt „Kirche in Not“ die Weihnachtsaktion bereits seit 2015. Im Libanon werden dieses Jahr zum dritten Mal Geschenke verteilt.
Zwei Monatslöhne für ein neues Kleidungsstück
„Kirche in Not“ arbeitet dabei eng mit lokalen Schwesterngemeinschaften zusammen, zum Beispiel mit der Kongregation der Schwestern Jesu und Mariens, die sowohl in Syrien als auch im Libanon tätig sind. Schwester Annie Demerjian berichtet: „Wenn Eltern ihren Kindern eine neue Hose, ein Hemd oder Schuhe kaufen wollen, müssen sie in Syrien aktuell bis zu zwei Monatslöhne dafür ausgeben. Für viele Familien ist deshalb ein neues Kleidungsstück ein Traum.“
Foto: Schwester Annie Demerjian mit einer beschenkten Familie im syrischen Aleppo. © Kirche in Not.