JA 

die neue Kirchenzeitung

 26. November 2023 

Lesungen:  Jes 63,16b-17.-19b; 63,.3-7; 1 Kor 1,3-9. Evangelium: Mk 13,24-37.

 

„Die Welt zerbröckelt“ 

Der englische König Charles III. und Papst Franziskus reisen zum UN-Weltklimagipfel nach Dubai. Der für sein Umweltengagement bekannte Charles soll schon am 1. Dezember die Eröffnungsrede bei der Konferenz halten, Franziskus spricht am nächsten Tag. Der Klimawandel muss gestoppt werden. 

Der Papst: „Wir reagieren nicht genügend, während die Welt zerbröckelt". 

Wir können stolz sein auf das Engagement unseres Oberhaupts in dieser für die Erde existentiellen Krise. 




Doch auch seine Kirche „zerbröckelt.“ 

Zeitgleich mit dem Aufbruch des Papstes hat Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin  den deutschen Bischöfen in einer offiziellen Note mitgeteilt, dass der Vatikan nicht daran denke, über die Lehre der Kirche zur Homosexualität zu verhandeln oder über das Schreiben „Ordinatio sacerdotalis", mit dem Papst Johannes Paul II. 1994 den Ausschluss von Frauen von der Priesterweihe bekräftigt hatte. 

Wir wissen: Ändert sich nichts, so ändert sich alles. Das gilt für die Welt, aber auch für die Kirche.     P. Udo 

Vatikan will Debatten zu Frauenweihe und Homosexualität stoppen

Der Vatikan stellt ein Warnschild auf und will Reformbestrebungen der Katholiken in Deutschland stoppen. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat den deutschen Bischöfen in einer offiziellen Note mitgeteilt, dass die den Männern vorbehaltene Priesterweihe und die Lehre der Kirche zur Homosexualität nicht verhandelbar seien, berichtete die katholische Wochenzeitung „Die Tagespost" am Freitag. Der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, bestätigte, dass den Bischöfen das Schreiben bei ihrem Ständigen Rat zu Wochenbeginn vorgelegt wurde.
In dem an Bischofskonferenz-Generalsekretärin Beate Gilles adressierten Schreiben vom 25. Oktober, aus dem die Zeitung zitierte, zieht Parolin rote Linien für künftige Dialogrunden mit den deutschen Bischöfen. Unter anderem unterstreicht er, dass der Vatikan nicht daran denke, über die Lehre der Kirche zur Homosexualität zu verhandeln oder über das Schreiben „Ordinatio sacerdotalis", mit dem Papst Johannes Paul II. 1994 den Ausschluss von Frauen von der Priesterweihe bekräftigt hatte.
ZdK reagiert gelassen
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) reagierte am Freitag gelassen auf die Note aus Rom. ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp sagte bei der Vollversammlung in Berlin, im Vatikan gebe es derzeit eine große Dynamik - innerhalb der Kurie und auch zwischen Kurie und Papst. Sie erinnerte daran, dass Parolin auch im Vorfeld der Weltsynode eine Teilnahme von und ein Stimmrecht für Frauen für undenkbar und illegitim erklärt habe, weil es dem Kirchenrecht widerspreche. „Und was hat unser Papst gemacht? Plötzlich war es legal und möglich in die Tat umgesetzt", so Stetter-Karp.
Papst-Brief mit Kritik
Papst Franziskus hatte sich kürzlich in einem persönlichen Brief an vier deutsche Katholikinnen, darunter die an der Universität Wien lehrende Marianne Schlosser und Katharina Westerhorstmann, Professorin der Franciscan University of Steubenville am österreichischen Standort Gaming, erneut kritisch zu Reformen der Kirche in Deutschland geäußert. Er teile die „Sorge über die inzwischen zahlreichen konkreten Schritte, mit denen sich große Teile dieser Ortskirche immer weiter vom gemeinsamen Weg der Weltkirche zu entfernen drohen", schrieb Franziskus an die vier Frauen, die im Frühjahr ihre Mitarbeit als Delegierte beim Reformprozess „Synodaler Weg" vorzeitig beendet hatten.
 

Deutschlands oberste Protestantin Annette Kurschus tritt zurück

Rücktritt an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): Nach nur zwei Jahren hat Annette Kurschus (60) ihr Amt als Ratsvorsitzende der EKD niedergelegt.  Auch als Präses an der Spitze der Evangelischen Kirche von Westfalen ist sie mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Das teilte Kurschus am Montag vor Journalisten in Bielefeld mit.
Nach Recherchen der „Siegener Zeitung" soll Kurschus als Gemeindepfarrerin in Siegen schon Ende der 1990er Jahre über Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen einen Kirchenmitarbeiter informiert gewesen sein, diese aber nicht gemeldet haben. Kurschus wies diese Darstellung am Montag erneut zurück, sie habe damals etwas vertuscht: „Ich habe allein Homosexualität und die eheliche Untreue des Beschuldigten wahrgenommen." Inzwischen habe sich aber die öffentliche Debatte um den Vorgang derart zugespitzt, dass sie keine Alternative zum Rücktritt sehe.

Papst traf Palästinenser und Israelis: Beide leiden sehr

Papst Franziskus hat diesen Mittwoch Delegationen aus Palästina und Israel im Vatikan empfangen, berichtete Vatican News. Das katholische Kirchenoberhaupt hatte vor seiner Generalaudienz Israelis getroffen, deren Angehörige als Geiseln in Gaza sind, und eine Delegation von Palästinensern aus dem Gaza-Streifen, die unter dem Gaza-Krieg leiden. Bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz berichtete der Papst kurz davon und erklärte, beide Seiten litten sehr und er mahnte erneut Frieden an.
Der Papst empfing kurz vor 7.30 Uhr im Gästehaus Santa Marta zwölf Familienangehörige israelischer Geiseln und kurz vor 8.00 Uhr mit zehn Familienangehörigen von Palästinensern aus Gaza, und zwar Christen und Muslimen, zusammen. Der Gemeindepfarrer von Gaza, Pater Gabriel Romanelli, und ein griechisch-orthodoxer Priester waren ebenfalls anwesend. Die Palästinenser wurden in der Audienzhalle empfangen. Der Papst drückte beiden Delegationen sein Mitgefühl und seine Anteilnahme an ihrer Trauer aus:
„Sie leiden sehr, ich habe zugehört, wie beide leiden: Kriege sind dafür verantwortlich, aber hier sind wir über Kriege hinausgegangen, dies ist kein Krieg, dies ist Terrorismus. Bitte, lasst uns für Frieden wirken, betet für Frieden, betet intensiv für Frieden. Möge der Herr dort eingreifen, möge der Herr uns helfen, die Probleme zu lösen und nicht mit den Leidenschaften weiterzumachen, die am Ende alle töten. Lasst uns für das palästinensische Volk beten, lasst uns für das israelische Volk beten, dass Friede kommt", so der eindringliche Appell des katholischen Kirchenoberhaupts. Papst Franziskus hatte zuvor zudem bereits Gebete gefordert „für alle Menschen, die aufgrund der vielen Kriege auf der Welt leiden, besonders für das geliebte Volk in der Ukraine, in Israel und Palästina."
Papst Franziskus hatte zuvor bereits mehrfach appelliert, die Geiseln freizulassen und beide Kriegsparteien aufgerufen, sich auf einen Waffenstillstand zu einigen und Schritte für Dialog und Frieden zu unternehmen.
Der Vatikan selbst bemühte sich um ein ausgeglichenes Verhältnis
Vor seiner wöchentlichen Generalaudienz traf der Papst sowohl die Angehörigen von Palästinensern in Gaza als auch Verwandte von israelischen Geiseln der Terrororganisation Hamas. Beide Zusammenkünfte im Vatikan dauerten etwa 20 Minuten; anwesend waren jeweils zehn bis zwölf Personen. Anschließend hatten beide Botschaften beim Heiligen Stuhl - denn der Vatikan erkennt Palästina als Staat an - Pressekonferenzen in Rom organisiert. Die Parteien nutzten das große Medieninteresse für ihre jeweiligen Anliegen.
Die zwölf Angehörigen von Hamas-Geiseln zeigten die roten Vermissten-Plakate ihrer Verwandten. Vor Journalisten sprachen sie über ihre Kinder, Eltern, Brüder, Schwestern, Nichten und Neffen, die von der Hamas am 7. November getötet oder nach Gaza verschleppt wurden. Seitdem fehle von den Entführten jedes Lebenszeichen. Die Treffen mit Papst und Journalisten sollten Aufmerksamkeit auf diesen Umstand lenken. „Das ist unser einziges Anliegen im Moment: die Rückkehr unserer Lieben so schnell wie möglich", sagte Israels Vatikan-Botschafter Raphael Schutz.
Den Papst selbst hätten sie bei ihrem Treffen um Einsatz für ihre Angehörigen gebeten. Mit seinem Einfluss könne er vieles möglich machen. Zudem seien sie dankbar für die Dinge, die er sicher schon getan habe und weiter tun werde.
Die Verwandten von Palästinensern in Gaza zeigten sich ebenfalls zufrieden mit dem Gespräch. Es sei sogar spektakulär gewesen, was Franziskus über die Lage in Gaza wisse - etwa von dem Mangel an Wasser, Nahrungsmitteln und Medizin. Bei ihrer Pressekonferenz sprachen auch sie über getötete Angehörige und Freunde, gestorben durch israelische Bomben oder aufgrund fehlender medizinischer Versorgung. Auf eine Leinwand projizierte Fotos zeigten Schwerverletzte oder Tote, darunter viele Säuglinge und Kinder.
Den Papst baten sie nach eigener Aussage, sich für einen langfristigen und gerechten Frieden einzusetzen; ein Waffenstillstand sei nicht genug. Weiter hätten sie das katholische Kirchenoberhaupt eingeladen, in den Gazastreifen zu reisen.
Rabbinerversammlung kritisiert Papstaussagen zu Nahost-Krieg
Der Rat der italienischen Rabbinerversammlung hat Aussagen des Papstes zum Krieg im Nahen Osten kritisiert. Durch die Äußerungen würden „unschuldige Menschen, die ihrer Familien entrissen wurden, mit Menschen, die oft wegen sehr schwerer Terrorakte inhaftiert sind, auf die gleiche Stufe gestellt", teilte der Rabbiner-Rat am Donnerstag mit.
Fotos: Vatican Media.

„Kirche in Not" unterstützt Christen im Heiligen Land

Angesichts des Krieges im Heiligen Land verstärkt das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not" in Zusammenarbeit mit dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem die Nothilfe für Christen vor Ort. Ein erstes Hilfspaket für den Gazastreifen, das Westjordanland, Ostjerusalem sowie christliche Migranten und Flüchtlinge in Israel wurde bereits geschnürt, wie es in einer Aussendung des Hilfswerks am Freitag hieß.
Vor Kriegsausbruch lebten rund 1.000 Christen im Gazastreifen. Die meisten von ihnen haben in der katholischen Pfarrei "Heilige Familie" und in der griechisch-orthodoxen Kirche St. Porphyrius Zuflucht gefunden. Unter ihnen würden sich zahlreiche Kinder, ältere Personen oder Menschen mit Behinderungen befinden, weshalb für die meisten Menschen eine Flucht unmöglich sei, wie es hieß. Nach lokalen Berichten seien hunderte Familien auf den beiden Kirchengeländen zusammengepfercht, es fehle an Lebensmitteln und Medikamenten. Vor allem der Wassermangel werde immer bedrückender. „Kirche in Not" unterstützt eine Initiative des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, um die isolierten Menschen in den beiden Gemeinden im Gazastreifen mit grundlegenden Gütern zu versorgen.
Westjordanland, Ostjerusalem, Israel
Die Folgen der jüngsten Eskalation hätten aber auch die rund 47 000 Christen im Westjordanland und in Ostjerusalem schwer getroffen, so „Kirche in Not" weiter. Da viele von ihnen im Tourismussektor arbeiten, hätten sie ihre Einnahmequelle verloren. Wegen der Grenzschließungen könnten viele Menschen nicht mehr zu ihren Arbeitsplätzen auf israelischem Staatsgebiet gelangen.
Auf israelischem Staatsgebiet halten sich lokalen Angaben zufolge um die 100 000 christliche Migranten und Asylsuchende auf. Das Lateinische Patriarchat hat für sie im Jahr 2021 ein eigenes Vikariat für Migranten und Asylsuchende eingerichtet. Hunderte von christlichen Migranten aus der Umgebung des Gazastreifens mussten vor den jüngsten Kämpfen fliehen und seien jetzt in provisorischen Unterkünften in Klöstern, christlichen Gästehäusern und anderen kirchlichen Einrichtungen untergebracht. Andere würden sich in verschiedenen Teilen Israels, wie zum Beispiel in Tel Aviv, aufhalten. Viele von ihnen hätten keinerlei Unterstützung und seien schutzlos.
„Kirche in Not" unterstützt das Vikariat für Migranten und Asylsuchende dabei, Unterkünfte bereitzustellen, die Menschen medizinisch zu versorgen und arbeitslose Personen mit den Dingen des täglichen Bedarfs zu versorgen sowie sie seelsorgerisch zu betreuen.
Foto: Christliche Arbeitsmigranten bei einer Prozession in Jaffa/Israel (Archivbild) © Kirche in Not/Ilona Budzbon
Ortskirche: Zwei Prozent der Christen im Gazastreifen getötet
Die Zerstörung und die menschlichen Verluste durch den seit mehr als sechs Wochen andauernden Krieg im Gazastreifen nach dem Großangriff der Terrororganisation Hamas auf Israel sind nach Worten des Generaldirektors des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem unvorstellbar.
Die Christen von Gaza haben demnach durch den Krieg und die damit verbundene fehlende medizinische Versorgung seit 7. Oktober 21 Menschen verloren; das seien mehr als 2 Prozent der rund 1.000 Menschen umfassenden christlichen Bevölkerung. Ferner gebe es Berichte, wonach die Häuser von über 50 Familien vollständig zerstört seien. Hinzu kämen Schäden an verschiedenen christlichen Einrichtungen wie der Schule der Rosenkranzschwestern, dem anglikanischen Krankenhaus von Ahli und dem orthodoxen Kulturzentrum.
Caritas: Erneut Mitarbeiter bei Bombardement im Gazastreifen getötet
Kurz vor der vereinbarten Feuerpause ist erneut ein örtlicher Mitarbeiter der Caritas Jerusalem durch ein Bombardement im Gazastreifen getötet worden. Es handele sich um einen Apotheker, der seit 2019 für die Caritas in einem Gesundheitszentrum gearbeitet habe, teilten Caritas Jerusalem sowie das Auslandshilfswerk der deutschen Caritas am Mittwoch mit.
„Mit ihm starben bei dem Bombardement seine beiden Söhne, seine Mutter, seine Schwester und sein Bruder", hieß es. „Nur seine dreijährige Tochter überlebte den Angriff, bei dem auch zahlreiche andere Zivilisten getötet worden sind." Noch immer seien weitere Familienmitglieder und Bewohner des getroffenen Hauses unter Trümmern eingeschlossen.

Nora Tödtling-Musenbichler neue Caritas-Präsidentin

Die Caritas Österreich hat erstmals in ihrer Geschichte eine Frau als Präsidentin. Nora Tödtling-Musenbichler (40) wurde am Dienstag von der Caritas-Vollversammlung im Vorarlberger Bildungshaus St. Arbogast zur Nachfolgerin von Michael Landau (63) gewählt, der das Amt nach zehn Jahren an der Spitze der zweitgrößten Hilfsorganisation des Landes übergibt. Tödtling-Musenbichler leitet die Caritas der Diözese Graz-Seckau. Ihr zur Seite steht künftig Alexander Bodmann als Vizepräsident - eine Funktion, die Tödtling-Musenbichler bisher innehatte.
Tödtling-Musenbichler äußerte sich erfreut über ihre Wahl: „Wir setzen uns als Caritas für alle Menschen ein, die keine Stimme haben oder nicht gehört werden, für Menschen am Rand der Gesellschaft in Österreich, ebenso für jene, die von Kriegen und Katastrophen weltweit betroffen sind. Wir brauchen ein tragfähiges und stabiles Netz der Mitmenschlichkeit", so Tödtling-Musenbichler.
Lern-Cafes und Vinzi-Vergangenheit
Die neue Caritas-Präsidentin wurde am 5. Jänner 1983 in Judenburg (Stmk) geboren und wuchs in Knittelfeld auf. Dort rief sie schon als Gymnasiastin am BG Knittelfeld ein Lernprojekt für benachteiligte Schülerinnen und Schüler ins Leben, für das sie Landeshauptfrau Waltraud Klasnic im Jahr 1999 mit der Humanitas-Medaille ehrte. Musenbichlers Projekt des ersten „Lerncafes" entwickelte sich seither zum Erfolgsprojekt und wuchs seither auf 68 Caritas-Lerncafes österreichweit an. Sie selbst absolvierte nach einem Semester Theologie den Lehrgang für Pastoralpsychologie und studierte zuletzt berufsbegleitend Social Management an der Donau Universität Krems. Die künftige Präsidentin ist verheiratet mit Maximilian Tödtling und lebt in Graz.
Beruflich war Tödtling-Musenbichler von 2004 stellvertretende Leiterin im VinziDorf der Vinzenzgemeinschaft Eggenberg, wobei es sich um eine Einrichtung für obdachlose Männer mit schwerer Suchterkrankung handelt. Ab 2010 war sie Koordinatorin und Leiterin der VinziWerke Österreich, bis sie im November 2021 als Vizedirektorin ins Direktorium der Caritas Steiermark wechselte und mit 1. Juli 2022 von Bischof Wilhelm Krautwaschl zur Direktorin des diözesanen Hilfswerks bestellt wurde - als Nachfolgerin von Herbert Beiglböck, der die diözesane Caritas seit 2016 geleitet hatte. Bis 2022 blieb sie Vorstandsmitglied des Hauptrates der Vinzenzgemeinchaften Österreichs.
Bereits einmal Laie an Caritas-Spitze
Erster Präsident der Caritas Österreich war mit Jakob Weinbacher (1947 bis 1952) ein amtierender Wiener Weihbischof. Ihm folgte Prälat Hermann Pfeiffer (1952 bis 1964), der wiederum von Prälat Leopold Ungar (1964 bis 1991) abgelöst wurde. Nach vier Jahren unter der Führung von Helmut Schüller (1991 bis 1995) folgte Franz Küberl als erster Nicht-Kleriker in diesem Amt, der 18 Jahre als Präsident amtierte. 2013 übernahm der damalige Wiener Caritas-Direktor Michael Landau.
Die Caritas ist das wichtigste Hilfswerk…
… der katholischen Kirche in Österreich, mit 17.000 hauptamtlichen und knapp 46.000 ehrenamtlichen Mitarbeiter an mehr als 1.600 Standorten. Sie engagiert sich im Kampf gegen Armut, in der Obdachlosenhilfe, im Bildungsbereich oder in der Hospizarbeit. Sie unterhält außerdem u.a. 71 Sozialberatungsstellen in allen Bundesländern. Neben ihrer Arbeit im Inland ist die Caritas auch im Ausland im Einsatz - sowohl in der Akut- und Katastrophenhilfe als auch in der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit. Aktuell besonders gefordert ist die Hilfsorganisation beispielsweise in der Ukraine, aber auch in der Republik Moldau, im Nahen Osten oder in Ländern der Subsahararegion. 
Foto Caritas Österreich: Caritas-Bischof Benno Elbs und die neue Caritas Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler. 

Ukrainische Bischöfe: Moskau versucht „Holodomor" zu wiederholen

Die ukrainischen griechisch-katholischen Bischöfe haben den „Holodomor" vor 90 Jahren in eine Linie mit dem aktuellen Angriff Russlands auf die Ukraine gestellt. Der „Holodomor" sei eine der größten menschlichen Katastrophen in der gesamten Geschichte der menschlichen Zivilisation, so die ukrainischen Bischöfe in einer offiziellen Erklärung anlässlich des „Holodomor"-Gedenktags (25. November), die von Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk unterzeichnet ist. Die Bischöfe gedenken darin der unzähligen Opfer und rufen zugleich zur nationalen Einheit der Ukraine, aber auch zur internationalen Solidarität mit ihrem Land auf.
Unter „Holodomor" („Hungermord") versteht man die Katastrophe der Jahre 1932/33 in der Ukraine, die von den Sowjets absichtlich herbeigeführt wurde, um die wohlhabenden ukrainischen Großbauern ("Kulaken") zu schwächen und zum Eintritt in die Kolchosen und Sowchosen zu zwingen. Nach Schätzungen forderten die Repressionen der Sowjets in der Ukraine bis zu acht Millionen Opfer. 
Der Wiener Erzbischof Kardinal Theodor Innitzer war damals allerdings einer der ganz wenigen Vertreter des Westens, der sich für die Hungeropfer einsetzte. Am 16. Oktober 1933 verurteilte Innitzer zusammen mit den Repräsentanten der Ökumene und vor allem mit der Israelitischen Kultusgemeinde lautstark und vor der ganzen Welt den Hungermord in der Sowjetukraine und anderen Teilen der UdSSR und leitete eine beschränkte internationale Hilfsaktion ein.
Foto:  Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk 

Papst Franziskus schaut Ukraine-Film
Papst Franziskus hat am Dienstagabend an einer Filmvorführung im Vatikan teilgenommen. Fotos anderer Teilnehmender auf X (vormals Twitter) zeigen den 86-Jährigen in der letzten Reihe der vatikanischen Synodenaula sitzend, abseits hinter einer Säule. Gezeigt wurde nach Kathpress-Informationen die Dokumentation "Freedom on Fire: Ukraine's Fight for Freedom" (Brennende Freiheit: Der Kampf der Ukraine für Freiheit").
Der Film des in Russland geborenen israelischen Regisseurs Jewgeni Afinejewski dokumentiert das Leben von Menschen in der Ukraine in den ersten Monaten des Krieges. Anlass der Vorführung ist der zehnte Jahrestag der ukrainischen Maidan-Revolution. Bereits im Februar hatte Franziskus den Film im Vatikan geschaut und anschließend mit den anwesenden Ukrainern für Frieden in dem Land gebetet. Anlass war der erste Jahrestag des russischen Angriffs.
Kiewer Erzbischof erinnert an Priester in russischer Gefangenschaft
Kiews griechisch-katholischer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk hat an das Schicksal von zwei ukrainischen Geistlichen erinnert, die vor einem Jahr von der russischen Nationalgarde gefangen genommen worden waren. „Seit einem Jahr versuchen wir alles Mögliche, um ihre Freilassung zu erreichen, aber bis heute wissen wir nicht einmal, wo sie sind", sagte das Oberhaupt der mit Rom verbundenen Kirche in seiner wöchentlichen Videobotschaft am Sonntagabend.
Die russischen Besatzungstruppen hatten die griechisch-katholischen Ordensmänner Iwan Lewyzkyj und Bohdan Heleta Mitte November 2022 in der Hafenstadt Berdjansk in der ostukrainischen Region Saporischschja verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht. 

Papst-Lösung für Krise in französischer Diözese Frejus-Toulon 

Erneut ein personeller Durchgriff des Papstes, nach den USA jetzt in Frankreich: Bischof Dominique Rey (71) leitet die Diözese Frejus-Toulon künftig nicht mehr allein. Papst Franziskus stellte ihm mit dem bisherigen Bischof von Chalons, Francois Touvet (58), einen sogenannten Koadjutor („Helfer" im Bischofsamt) zur Seite.
In der südfranzösischen Diözese hatte es bereits zwei vom Papst beauftragte Überprüfungen („Visitationen") gegeben.
Nach der ersten Prüfung im Frühjahr 2022 durch den Erzbischof von Marseille, Kardinal Jean-Marc Aveline, wurden in einem ungewöhnlichen Schritt auf Wunsch des Vatikans alle  geplanten Priesterweihen in Frejus-Toulon ausgesetzt. Auch 2023 fielen die Priesterweihen aus, ebenso wie das Ablegen von Ordensgelübden.
Priesterschmiede im Zwielicht
Die Diözese im Departement Var ist seit gut zwei Jahrzehnten eine regelrechte Priesterschmiede mit sehr hohen Weihezahlen; sie gilt daher auch als eine "lebendige Quelle der Neuevangelisierung"; eigentlich ein Hauptanliegen der Päpste seit Johannes Paul II. (1978-2005). Dafür nahm Bischof Rey seit seinem Amtsantritt 2000 auch zahlreiche Kandidaten aus dem Ausland auf. In seiner Diözese siedelte er nicht weniger als 20 sogenannte Neue Geistliche Gemeinschaften mit einem sehr breiten spirituellen Spektrum an. 
Medienrecherchen zufolge wurden wiederholt dort geweihte Priester als Missbrauchstäter straffällig. Andere setzten sich nach der Weihe aus der Diözese ab und tauchten kirchenrechtlich unter; in zwei Fällen etwa unter die geistliche Obhut eines 1991 untergegangenen Klosters in der Ukraine. 
Mehrere der in Frejus-Toulon ansässigen Neuen Geistlichen Gemeinschaften rückten ins kirchenrechtliche Zwielicht, meist in Zusammenhang mit sektiererischen Praktiken, geistlichem oder sexuellem Machtmissbrauch durch Gründergestalten oder andere ihrer Geistlichen. Das gilt sowohl auf dem eher charismatischen wie auf dem traditionalistischen Flügel. 
 

Papst telefoniert mit Argentiniens Wahlsieger Milei 

Papst Franziskus hat laut einem Bericht der Zeitung „La Nacion" dem künftigen argentinischen Präsidenten Javier Milei am Dienstag telefonisch zum Wahlsieg gratuliert. Der libertäre Ökonom habe das Kirchenoberhaupt in dem achtminütigen Gespräch zu einem Besuch in seinem Heimatland eingeladen. Das Gesprächsklima wurde als angenehm beschrieben.
In den vergangenen Monaten hatte Milei den Papst scharf kritisiert und ihm vorgeworfen, sich nicht klar genug von den Linksautokratien in Lateinamerika zu distanzieren. Die argentinische Kirche positionierte sich im Wahlkampf eindeutig gegen Milei: Die Armenpriester des Landes stehen traditionell aufseiten der noch im Amt befindlichen Peronisten. Franziskus selbst warnte in einem TV-Interview wenige Tage vor der Stichwahl - ohne Milei beim Namen zu nennen - vor „messianischen Clowns", die ihn an den Rattenfänger von Hameln erinnerten.
Argentinische Armenpriester: Kein Essen mehr für Milei-Wähler 
Wahlfrust bei Argentiniens Armenpriestern: Bedürftige Anhänger des künftigen Präsidenten Javier Milei sollen nach dem Willen des bekannten Geistlichen Francisco „Paco" Olveira keine Hilfe mehr bekommen. Wähler des libertären Ökonomen sollten "ab morgen" nicht mehr in die Nähe des Speisesaals der von ihm geleiteten "Fundacion Isla Maciel" kommen, schrieb Padre Paco laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch auf der Onlineplattform X. Dies gelte ebenso für die übrigen Angebote der in den Armenvierteln von Buenos Aires tätigen Organisation. "Bitten Sie uns auch um nichts", fügte der Priester hinzu. 
Olveira ist prominentes Mitglied einer einflussreichen Gruppe von Armenpriestern in Argentinien. Die "Curas en la Opcion por los Pobres" hatten im abgelaufenen Wahlkampf den linksgerichteten Wirtschaftsminister Sergio Massa unterstützt. In der Stichwahl ums Präsidentenamt am Sonntag setzte sich Milei jedoch mit deutlichem Vorsprung durch. Das zweitgrößte Land Südamerikas leidet unter einer Jahresinflation von 143 Prozent und einer Armutsrate von rund 40 Prozent. 

Kurznachrichten 

   

Papst Franziskus reist vom 1. bis 3. Dezember als erster Papst zum UN-Weltklimagipfel nach Dubai. 

 

China. Zu größerer Einheit der chinesischen Katholiken mit der Zentralregierung hat der katholische Erzbischof von Peking, Joseph Li Shan, aufgerufen. Es brauche eine Evangelisierung und Spiritualität in Einklang mit der von der Kommunistischen Partei Chinas geförderten „Sinisierung der Religionen". 

Li Shan ist Präsident der staatlich genehmigten Chinesischen katholischen Patriotischen Vereinigung. 

 

Belarus. Die Behörden im autoritär regierten Land beschuldigen einen römisch-katholischen Priester des Landesverrats. Dem Pfarrer Henryk Akalatowitsch, der vor kurzem einen Herzinfarkt erlitten und wegen einer Krebserkrankung am Magen operiert worden ist,  drohen 7 bis 15 Jahre Haft. Der aus einer polnischen Familie stammende Geistliche wurde 1984 in der Sowjetunion heimlich zum Priester geweiht. 

 

Frankreich. Der bisherige Leiter der ökumenischen Gemeinschaft von Taize, Frere Alois (Löser, 69), wechselt nach Kuba. Ihm sei lange klar gewesen, dass er nach der Stabübergabe als Prior nach 18 Jahren „eine längere Zeit außerhalb von Taize verbringen möchte, um den Platz hier wirklich freizumachen". 

 

In Deutschland wird am 2. Dezember die erste Tierbestattungskirche eröffnet: die ehemalige Pauluskirche der evangelisch-methodistischen Gemeinde in Albstadt-Pfeffingen auf der Schwäbischen Alb. 

   

 


Kongo. Eine Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge ist aus Sicht des Erzbischofs von Brazzaville, Bienvenu Manamika Bafouakouahou, für viele Menschen in Zentralafrika die einzige Lösung für einen persönlichen Aufstieg: „Um auf der sozialen Leiter nach oben steigen zu können, muss man den Freimaurern beitreten!“ Zuvor hatte der Vatikan das allgemeine Verbot für Katholiken bekräftigt, einer Freimaurerloge anzugehören. 


Österreich

 

Tirol. Der deutsche Schlagerstar Heino (84) wird seine geplante Auftrittsreihe in europäischen und auch österreichischen Kirchen nach dem Tod seiner Gattin Hannelore nicht absagen, sondern in ihrem Gedenken durchführen. 

 

Wien. Der 43. „Msgr. Otto Mauer Preis" für bildende Kunst ist am Donnerstagabend in Wien an die Wiener Künstlerin und Autorin Belinda Kazeem-Kaminski (42) verliehen worden. Sie setzt sich als Künstlerin und Theoretikerin auf inhaltlich wie formal überzeugende Weise kritisch engagiert mit Fragen der kolonialen Vergangenheit und deren rassistischen Aspekten auseinander. 

Die mit 11.000€ dotierte Auszeichnung, mit der der Otto-Mauer-Fonds alljährlich den Dialog zwischen Kirche und zeitgenössischer Kunst lebendig hält, gilt dem bisherigen Schaffen von Künstlerinnen und Künstlern unter 45 Jahren. 

Neues Leid in Burkina Faso

Terroristen haben die christliche Bevölkerung von Débé in Burkina Faso gezwungen, ihr Dorf zu verlassen. Zuvor haben sie zwei Pfadfinder in der Dorfkirche erschossen, die sich ihren Befehlen widersetzt hatten. Dies berichtet Bischof Prosper B. Ky bei einem Besuch am internationalen Sitz des päpstlichen Hilfswerks KIRCHE IN NOT (ACN).

Mitte Oktober haben Terroristen den Christen von Débé, einer Ortschaft im Nordwesten Burkina Fasos, ein Ultimatum von 72 Stunden gegeben, um ihr Dorf zu verlassen. „So etwas hat es noch nie gegeben“, erklärt Bischof Ky aus der Diözese Dédougou, „bisher wurde immer das ganze Dorf vertrieben, nie nur die Anhänger einer bestimmten Religion.“

Seit fast einem Jahrzehnt leidet Burkina Faso unter einem dschihadistisch geprägten Terrorismus. Die Terroranschläge begannen im Norden des Landes und sind heute in einigen Regionen häufiger als in anderen, aber keine Provinz des Landes ist davon verschont geblieben. 

Foto: Binnenflüchtlinge in Débé © KIRCHE IN NOT

Auch das noch...

Interimsleiter von Schweizer Abtei Saint-Maurice zurückgetreten

Nach den jüngsten Missbrauchsenthüllungen tritt der Interims-Leiter der Schweizer Abtei Saint-Maurice nach nur zwei Monaten zurück. Das Kapitel von Saint-Maurice bat den Vatikan um Entsendung eines Verwalters (Apostolischer Administrator), der das Kloster im Übergang leiten soll, wie am Donnerstagnachmittag bei einer Pressekonferenz der Abtei mitgeteilt wurde. Die Augustiner-Chorherren-Abtei in der Westschweiz untersteht nicht dem Bischof von Sitten, sondern direkt dem Vatikan.
Prior Roland Jaquenoud war als Interimsleiter der Abtei erst im September auf Abt Jean Cesar Scarcella gefolgt, der sein Amt wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung ruhen lassen musste. Gegen Scarcella läuft eine gerichtliche Voruntersuchung. Interimsleiter Jaquenoud soll Anfang der 2000er-Jahre einen ihm untergebenen Novizen zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben, hieß es nun.
Die Abtei hatte Jaquenoud laut "kath.ch" 2004 in die Mission nach Kasachstan entsandt. Trotz seiner Vorgeschichte sei er 2015 nach Saint-Maurice zurückgekehrt und Prior geworden. Im September 2023 übernahm er übergangsweise die Leitung der Abtei. 
Das Westschweizer Fernsehens RTS hatte vergangenen Sonntag von Recherchen berichtet, wonach es Missbrauchsvorwürfe gegen insgesamt neun Augustiner-Chorherren von Saint-Maurice gebe, von denen ein Teil bereits verstorben sei.
 

Österreichs Bischöfe beschlossen vor 90 Jahren das Ende der „Priesterpolitiker"

Vor 90 Jahren, am 30. November 1933, fasste die Österreichische Bischofskonferenz „nach reiflicher Überlegung" den Beschluss, dass katholische Geistliche "unter den gegenwärtigen besonders heiklen politischen Verhältnissen" ihr politisches Mandat nicht mehr ausüben durften. An dieses markante Datum bzw. den wegweisenden Beschluss hat die steirische Kirchenhistorikerin Michaela Sohn-Kronthaler erinnert. Laut Entscheidung der Bischofskonferenz musste sich binnen zwei Wochen der Klerus aus der aktiven Parteipolitik zurückzuziehen, so die Historikerin in einem Beitrag im steirischen „Sonntagsblatt".
Das Engagement von Klerikern als parteipolitische Mandatsträger und die damit verbundene Übernahme von politischen Funktionen und Ämtern sei eine Sonderform des priesterlichen Wirkens in der Gesellschaft, die vor allem seit Mitte des 19. und in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts verbreitet war, so Sohn-Kronthaler: „Priesterpolitiker kamen sowohl aus dem Weltklerus als auch aus den Orden, traten besonders ab der konstitutionellen Ära nach 1848 hervor und setzten sich auch für soziale und kulturpolitische Anliegen sowie christliche Wertvorstellungen ein."
Die vor 90 Jahren getroffene Entscheidung zur Entpolitisierung des Klerus hat der österreichische Episkopat unter dem Vorsitz von Kardinal Theodor Innitzer (1875-1955), der einst selbst Bundesminister für soziale Fürsorge (1929/30) war, im Jahre 1945 bekräftigt.
„Mariazeller Manifest"
Im Mai 1952 wurde schließlich mit dem „Mariazeller Manifest" ein zentrales Leitdokument der Katholischen Kirche Österreichs im 20. Jahrhundert veröffentlicht. 
Der Text erläuterte den Begriff der „freien Kirche" in Form von vier Absagen: „Keine Rückkehr zum Staatskirchentum vergangener Jahrhunderte, das die Religion zu einer Art ideologischen Überbau der staatsbürgerlichen Gesinnung degradierte"; „Keine Rückkehr zu einem Bündnis von Thron und Altar, die das Gewissen der Gläubigen einschläferte"; "Keine Rückkehr zum Protektorat einer Partei über die Kirche"; „Keine Rückkehr zu jenen gewaltsamen Versuchen, auf rein organisatorischer und staatsrechtlicher Basis christliche Grundsätze verwirklichen zu wollen." Betont wurde zugleich die Dialogbereitschaft der Kirche mit dem Staat, allen Gruppen und Konfessionen.

Wien: Abschied von früherem Justiz-Sektionschef Pilnacek

Mit einem Requiem am Samstag, 18. November, in der Wiener Augustinerkirche wurde der in der Nacht auf den 20. Oktober tot aufgefundene frühere Justiz-Sektionschef Christian Pilnacek verabschiedet. Den Gottesdienst, an dem zahlreiche Weggefährten und Vertreter von Staat und Gesellschaft teilnahmen, feierte der Grazer Hochschulseelsorger Alois Kölbl. Kölbl gilt als Vertrauter der Familie Pilnacek. Er hob bei dem Gottesdienst, über den die „Presse" (20. November) berichtete, den persönlichen Glauben Pilnaceks hervor sowie dessen rechtspolitisches Credo, dass das Strafrecht niemals „lebenszerstörerisch" wirken dürfe. Jeder Mensch müsse fair behandelt werden und ihm eine Chance gegeben werden, so Kölbl. 
Pilnacek war wegen Vorwürfen der Parteilichkeit zugunsten der ÖVP und einer Dienstpflichtverletzung suspendiert worden und kämpfte bis zuletzt um seine Rehabilitierung. Die Witwe, Caroline List, ging in ihren Begrüßungsworten u.a. auf die noch ungeklärten Umstände des Todes ihres Mannes ein und sagte: „Christian hat sich nicht das Leben genommen, ihm wurde das Leben genommen."
An dem Requiem nahmen laut „Presse"-Bericht u.a. vier ehemalige Ressortchefs - darunter Nikolaus Michalek, Dieter Böhmdorfer, Maria Berger und Wolfgang Brandstetter - teil, sowie Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP). 
Die frühere Wiener Schulamtsleiterin Christine Mann hatte in einer ersten Reaktion nach der Todesnachricht gegenüber Kathpress betont, dass Pilnacek der Kirche als praktizierender Katholik stets verbunden gewesen sei. 
 

Vor 175 Jahren starb der „Stille Nacht"-Dichter Joseph Mohr

Es war der Barbara-Tag (4. Dezember) 1848: Um 8.30 Uhr starb in Wagrain im Salzburger Land der „Hochwürdige Herr Joseph Mohr, Vikar von hier", wie es im Sterbebuch heißt. Eine Lungenlähmung war dem 56-Jährigen zum Verhängnis geworden. Schon einen Tag später fand auf dem Friedhof der Kirche Sankt Rupert die Beerdigung statt. Der Geistliche hinterließ neben geflickten Kleidern so wenig, dass kaum die Kosten des Begräbnisses gedeckt werden konnten. Schon zu Lebzeiten hatte er seine Einkünfte verschenkt und etwa in die neue Schule im Ort investiert. Sein größtes Vermächtnis aber ist der Text für das weltbekannte Weihnachtslied „Stille Nacht".
Dem Dienst am Herrn und den Menschen hatte Mohr sein geistliches Leben gewidmet. Nicht in einer „stillen Nacht", sondern mittags um 12 Uhr kam er am 11. Dezember 1792 in Salzburg zur Welt. Als Mutter wird eine "Anna Schoiberin, led. Standes" genannt, als Vater ein "Franz Moor; Musquetier, led. Standes". Dieser war bereits ein gutes halbes Jahr vor der Niederkunft desertiert. Für die Frau war der Junge das dritte uneheliche Kind, nur ein Mädchen hatte überlebt.
All dies dürfte Mohr geprägt haben. Als lediges Kind brauchte er jedoch eine Dispens, um geweiht werden zu können. Am 20. August 1815 war es soweit. Mit 23 Jahren wurde er zum Diakon und einen Tag später zum Priester geweiht. Seine erste Dienststelle trat Mohr in der bayerischen Ramsau an. Quellen zufolge soll er ein humorvoller, volksverbundener Mensch gewesen sein, der gut predigen konnte, ein Herz für die Armen hatte und seine Schäflein auch im Wirtshaus aufsuchte.
Gern griff Mohr zur Gitarre und gab Gstanzl, lustige Spottgesänge, zum Besten. 1817 lernte er in Oberndorf, wo er als Hilfspriester hinbeordert wurde, den Lehrer und Organisten Franz Xaver Gruber (1787-1863) kennen. Daraus wurde eine Freundschaft fürs Leben. Für die Christmette 1818 hatte Mohr den Text für ein Lied zum Singen nach dem Hochamt vor der Krippe geschrieben, für das Gruber die Melodie komponierte. So erklang „Stille Nacht" zum ersten Mal. Gruber sang Bass, Mohr Tenor. Zur Begleitung erklang eine Gitarre. „Das Lied hat gefallen", hieß es. 

Video mit tanzenden Ordensfrauen mehr als 5 Millionen Mal angeklickt

Das Social Media-Projekt POV:JESUS der Katholischen Kirche in der Steiermark entwickelt sich mehr und mehr zu einem Erfolgsprojekt mit zigtausend Followern auf TikTok und Instagram. Insbesondere die Videos von lebensfrohen Ordensfrauen kommen gut bei den Zuseherinnen und Zusehern an - ein zuletzt u.a. von Heidi Klum geteiltes Video von drei tanzenden Schwestern der Grazer Ursulinen und der Kreuzschwestern wurde inzwischen über 5 Millionen Mal angeklickt, hieß es in einer Presseaussendung von „Denk Dich Neu" am Montag. POV:JESUS gehört zum „Projekt-Portfolio" der kirchlichen Dialoginitiative für junge Erwachsene. 

Rund 75 Prozent der User seien weiblich und vom Altersschnitt her genau in der Zielgruppe von "Denk Dich Neu", gab Schmidt weiter Einblicke in die jüngste Auswertung der Userzahlen. Rund 60 Prozent der User würden im Altersbereich zwischen 18 und 34 Jahren liegen. Allein auf Instagram sei die Reichweite der Beiträge zuletzt auf über 3,5 Millionen gestiegen. Die Zahl der Follower auf Instagram liegt bei knapp 10.000 - dem TikTok-Kanal folgen über 5.500 Follower - Tendenz weiter steigend.