JA 

die neue Kirchenzeitung

26. September 2021 

Die nächste Aktualisierung erfolgt aus technischen Gründen erst am 10. Oktober 2021.

 

Die Trompete von Jericho

Vier österreichische Reformgruppen – „Pfarrerinitiative“, „Laieninitiative“, „Wir sind Kirche“ und „Priester ohne Amt“ - haben einen neuen Preis initiiert: „Die Trompete von Jericho.“
Erste Preisträgerin ist Doris Reisinger.
Die Trompete symbolisiert die Macht der Schofaren von Jericho in der biblischen Erzählung. Heute – so  Martha Heizer – gehe es „um die Mauer, hinter der sich die Stagnationsbruderschaft im Vatikan abschirmt. 

 

  


Die Preisträger/innen sind Rufer/innen im Dickicht der kirchlichen Überregulierungen. Durch die öffentliche Auszeichnung wird ihre Stimme zum weit hörbaren Schrei, der die Mauern nach den jahrelangen vergeblichen Bemühungen/Warnungen symbolisch zum Einsturz bringen soll.“
Der Preis erinnert übrigens an den Maria Theresien Orden, der für Ungehorsam im militärischen Bereich (!) verliehen werden konnte, wenn durch diesen Ungehorsam großer Schaden abgewendet wurde.              P. Udo 

Eine tägliche Mahlzeit in der Schule verändert die Welt

„Mary's Meals" knackt 2-Millionen-Kinder-Mark

Das Erreichen eines „Meilensteins" vermeldet die auch in Österreich aktive Hilfsorganisation „Mary's Meals": Die Initiative, die sich der Bereitstellung von Schulmahlzeiten in den ärmsten Ländern der Erde widmet, versorgt derzeit genau zwei Millionen Kinder an jedem einzelnen Schultag, hieß es in einer Mitteilung des Österreich-Büros der Hilfsorganisation. Der Gründer und Geschäftsführer Magnus MacFarlane-Barrow sprach darin von einem „wundervollen Augenblick in der Geschichte von Mary's Meals".

Mary's Meals ging aus einer Hilfsbrücke zwischen Schottland und Ex-Jugoslawien der 1990er-Jahre hervor und startete im Jahr 2002 mit einem Ernährungsprogramm in Malawi, wo damals eine Hungerkatastrophe war. Wurden anfangs 200 Kinder einer Schule mit täglichen Schulmahlzeiten versorgt, sind mittlerweile 30 Prozent der Volksschulkinder Malawis - des viertärmsten Landes der Erde - von der Initiative erfasst. Das Programm weitete sich seitdem ständig aus und wird mittlerweile in 19 der ärmsten Länder umgesetzt.

Für 18,30 Euro ein Jahr lang Mahlzeiten

Grundprinzip von Mary's Meals ist, dass ehrenamtliche Helfer - vor allem Mütter der Kinder - in eigens dafür errichteten Schulküchen eine nahrhafte Porridge-Mahlzeit zubereiten. Die Zutaten dafür werden im Land bei lokalen Erzeugern gekauft mit Spenden aus Europa und Nordamerika. Laut der Initiative betragen die Kosten dieses Systems pro Mahlzeit im Schnitt nur 9 Cent, was im Jahr pro Kind 18,30 Euro ausmacht. Die Wirkungen des täglichen Essens am Ausbildungsort sind deutlich positiv: Der Schulbesuch und -erfolg der Kinder verbessert sich ebenso wie deren Gesundheit und deren Zukunftsperspektiven, bestätigte sich in einer kürzlich präsentierten Fünf-Jahres-Studie.

Katholischer Kinderschutzgipfel in Warschau

Am 19. September startete in Polens Hauptstadt Warschau auf Initiative des Vatikans eine dreitägige katholische Kinderschutzkonferenz. Sie stand unter dem Motto „Unsere gemeinsame Sendung: Die Kinder Gottes schützen“ und versammelte Vertreter von Bischofskonferenzen und Fachleute aus dem Bereich des Kinder- und Jugendschutzes aus rund 20 Ländern Mittel-und Osteuropas. „Vatican News“ berichtete ausführlich.
Der Vorsitzende der Kinderschutzkommission, der US-Kardinal Sean Patrick O’Malley, dankte in einer Ankündigung der Konferenz allen, die im Kampf gegen Missbrauch die Stimme erheben. Ausdrücklich sprach er Opfern von sexuellem Missbrauch durch Geistliche, die sich immer wieder melden und ihre Erfahrungen mitteilen, seine Anerkennung aus.
Ein vernichtendes Zeugnis für den Umgang vieler katholischer Bischöfe mit Missbrauchsfällen in der Vergangenheit kam von der Erfurter Kirchenrechtlerin Myriam Wijlens. Sie warb dafür, die Verantwortung des Bischofs in Zukunft genauer zu fassen: „Die Kirchenleitung hat es ernsthaft versäumt, auf die ans Licht gekommenen Anschuldigungen zu reagieren. Sie haben sich auf das Ansehen der Kirche konzentriert und nicht auf den Schutz von Minderjährigen“
Zwei Betroffene berichten
Bei der Kinderschutzkonferenz  kamen zwei Betroffene von sexueller Gewalt in der Kirche zu Wort, eine Frau und ein Mann – ein Franziskanerpater. Beide sprachen über die Folgen des an ihnen verübten Missbrauchs und ihren jahrzehntelangen Leidensweg bis heute.
Das weibliche Opfer, das anonym bleiben wollte und als „aus einem mittel-osteuropäischen Land“ kommend vorgestellt wurde, erzählte von wiederholtem Missbrauch durch einen „jungen, freundlichen und charismatischen“ Priester, der neu in der Pfarrei war. Sie war sechs bis sieben Jahre alt, als es anfing. Die Erinnerung habe sie nie mehr losgelassen, sie sei zunächst zu dem Schluss gekommen, es sei alles ihre Schuld. „Ich fühlte mich für den größten Teil meines Lebens als Opfer und ließ es zu, dass andere mich zum Opfer machten und mich verletzten.“
Die Frau schilderte Depressionen, Scheidung, das Gefühl von Schutzlosigkeit und grundsätzlichem Misstrauen, Schwierigkeiten im Umgang mit männlichen Autoritätspersonen. Religion bedeutet ihr nichts mehr. Der Aufarbeitungsprozess in der Kirche sei lang, und es belaste sie, dass sie nach wie vor nicht wisse, ob ihr überhaupt geglaubt werde.
Der Franziskaner, der als Jugendlicher sexuellem Missbrauch in der Kirche ausgesetzt war, trat mit vollem Namen auf: Pater Tarsycjusz Krasucki OFM schilderte die Übergriffe durch den inzwischen verstorbenen Priester Andrzej Dymer, der in Polen bereits länger als Täter bekannt war. Dymer missbrauchte in einem von ihm selbst gegründeten Jugendheim Anfang der 1990er Jahre mehrere Jungen, darunter den damals 17jährigen Krasucki, den Dymer des Hauses verwies, als er mit anderen über die Übergriffe des Priesters sprach.
Zum ersten Mal seien seine Aussagen 2004 den kirchlichen Autoritäten zugegangen. „Die Reaktion war Stille. Ich erhielt niemals irgendeine Information über den Verlauf der Klage“, sagte Krasucki. Der heutige Erzbischof von Stettin sei voll im Bilde gewesen, habe aber nicht reagiert und den Täter sogar befördert. Im Alter von 45 Jahren, so das Opfer, habe er realisiert, dass sein Leben von seinem Teenager-Trauma überschattet war. Zur Aufarbeitung habe er über Jahrzehnte immer wieder ausgesagt und an kirchlichen Meetings und Erhebungen teilgenommen, „und jeder Anlass war ein neuer Akt der Demütigung für mich“. Geschehen sei nichts.
Da die Kirche 26 Jahre lang „nicht dazu in der Lage war, für Gerechtigkeit zu sorgen“, sei er 2020 an die Medien herangetreten. Erst dann seien die Dinge ins Rollen gekommen. Dymer habe kurz vor seinem Krebstod 2021 ein kirchliches Urteil erhalten, dessen Inhalt ihm, Krasucki, aber niemals mitgeteilt worden sei. Von der Kirche sei niemals irgendeine Form von Anerkennung für sein Leid gekommen, und keiner der drei Erzbischöfe von Stettin seit den 90er Jahren habe jemals mit ihm sprechen wollen.
Die Kirche braucht eine „eine tiefe Reform“
Am Montagvormittag meldete sich bei der hochkarätig besetzten Tagung via Streaming zunächst Tomáš Halík zu Wort. Der Professor an der Karlsuniversität in Prag und Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie wurde während des kommunistischen Regimes heimlich zum Priester geweiht; lange war er auch Generalsekretär der tschechischen Bischofskonferenz. „In einem Geist der Demut und mit schmerzendem Herzen“ forderte Halík die Anwesenden auf, „eine der schmerzhaftesten Wunden der Kirche zu berühren“, nämlich die des sexuellen Missbrauchs, aber auch des Macht- und Gewissensmissbrauchs an Minderjährigen oder verletzlichen Erwachsenen.
Halík sieht die Kirche heute in einer ähnlichen Lage wie vor 500 Jahren…
… unmittelbar vor der Kirchenspaltung. Das, was damals der Ablassverkauf gewesen sei, sei heute der Missbrauch. Beide hätten zu Beginn wie missliche Randerscheinungen ausgesehen, zeigten aber „damals wie heute die tieferliegenden Probleme, die Krankheiten des Systems: die Beziehung zwischen Kirche und Macht, Klerus und Laien, und viele andere." 
Die Kirche brauche „eine tiefe Reform", stellte der tschechische Priester klar. Vor allem zeigten die Missbrauchsfälle „die Krise des Klerus insgesamt“. Diese Krise könne „nur durch ein neues Verständnis der Rolle der Kirche in der heutigen Gesellschaft überwunden werden“, als „Schule der christlichen Weisheit“, „Feldlazarett“ und „Ort der Begegnung, des Austauschs und der Versöhnung“. 
Foto: Kardinal Sean Patrick O’Malley, Vatican News

Religionsphilosoph Halik: Polen erlebt derzeit die schnellste und radikalste Säkularisierung aller europäischen Länder

Auf die zunehmende Säkularisierung in Ostmitteleuropa hat der tschechische Soziologe und Religionsphilosoph Tomas Halik im Zuge des Besuchs von Papst Franziskus in der Slowakei hingewiesen. „Später als Tschechien verlieren die Slowakei und Polen erst jetzt den kulturellen und sozialen Nährboden traditioneller Religiosität. Die Ortskirchen scheinen sich auf diese Veränderungen nicht vorbereitet zu haben und sind verblüfft oder weigern sich, sie anzuerkennen", schrieb Halik in einem ausführlichen Gastkommentar in der in Bratislava erscheinenden Tageszeitung „Dennik N".
Polen erlebe derzeit die schnellste und radikalste Säkularisierung aller europäischen Länder und wiederhole in gewissem Maße, was zuvor lange als „katholisch" angesehene Länder wie Spanien, Portugal, Irland und andere betroffen habe, so der Soziologe und katholische Priester. 
„Dieser Prozess beginnt immer mit dem Austritt der Intelligenz und der Jugend aus der Kirche und breitet sich dann auf die gesamte Gesellschaft aus. Derzeit halten nur 18 Prozent der Polen unter 30 Jahren Religion für wichtig für ihr Leben."
Der gegenwärtige Niedergang des traditionellen Katholizismus speziell in Polen hat für Halik mehrere Ursachen - von den erwähnten kulturellen Veränderungen bis hin zu politischen Problemen. Die Koalition des konservativen Teils der polnischen Hierarchie und des Klerus mit der national-populistischen Regierung der PiS habe der Kirche in Polen in kurzer Zeit viel mehr geschadet, als die Kommunisten in Jahrzehnten mit all ihren Machtmitteln anrichten konnten.
 

Papst ordnet Auszeit für Kölner Erzbischof Kardinal Woelki an

Papst Franziskus schickt den Kölner Kardinal Erzbischof Rainer Maria Woelki in eine mehrmonatige Auszeit. Diese beginnt Mitte Oktober und dauert bis zur Fastenzeit im kommenden Jahr, wie der Vatikan am 24. September in einer von der Apostolischen Nuntiatur in Berlin veröffentlichten Mitteilung erklärte. 
Begründet wird der Schritt mit einer Vertrauenskrise in der Erzdiözese Köln, die bei der Missbrauchsaufarbeitung auch durch „große Fehler" Woelkis vor allem in der Kommunikation entstanden sei. Bis zu seiner Rückkehr soll Weihbischof Rolf Steinhäuser als Apostolischer Administrator sede plena die größte deutsche Erzdiözese verwalten und für „Versöhnung und Erneuerung" sorgen.
Zugleich wies der Heilige Stuhl Darstellungen zurück, Kardinal Woelki habe durch das Zurückhalten einer ersten Missbrauchsstudie vertuschen wollen. „Die Entschlossenheit des Erzbischofs, die Verbrechen des Missbrauchs in der Kirche aufzuarbeiten, sich den Betroffenen zuzuwenden und Prävention zu fördern, zeigt sich nicht zuletzt in der Umsetzung der Empfehlungen der zweiten Studie."
Weiter teilte der Vatikan mit, dass die Kölner Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp (54) und Ansgar Puff (65) ihre Ämter wieder aufnehmen dürfen. Sie hätten zwar in ihren früheren Funktionen vereinzelt Fehler begangen, nicht aber die Absicht gehabt, Missbrauch zu vertuschen oder Betroffene zu ignorieren. Puff werde sofort seinen Dienst wieder aufnehmen, so der Vatikan. Schwaderlapp werde wunschgemäß ein Jahr lang als Seelsorger in der kenianischen Erzdiözese Mombasa arbeiten, bevor er wieder in Köln tätig werde.
 

Initiative beklagt „Behördenwillkür" bei christlichen Konvertiten

Die christliche Hilfsorganisation Open Doors beklagt einen „nicht nachvollziehbaren" Umgang deutscher Behörden mit muslimischen Flüchtlingen, die Christen geworden sind. Es gebe keine einheitlichen Prüfstandards und auch nur unzureichende Kriterien für die Prüfung, ob den Konvertiten im Herkunftsland Verfolgung drohe. Außerdem zeigten die Behörden immer wieder großes Misstrauen gegenüber Angaben der Flüchtlinge und der christlichen Gemeinden in Deutschland.
Für eine am Montag in Kelkheim veröffentlichte Studie wurden Angaben zu 5.207 christlichen Konvertiten ausgewertet. Sie kommen überwiegend aus dem Iran (3.081), Syrien (855), Afghanistan (754), dem Irak (206), Pakistan, Eritrea und Nigeria. Befragt wurden in diesem Sommer 133 evangelische landes- und freikirchliche Gemeinden aus allen Bundesländern sowie zwei örtliche Evangelische Allianzen. Ausgewertet wurden Erfahrungen aus der Zeit zwischen 2017 und Mai 2021. 
Die 113 Kirchengemeinden berichteten laut Open Doors, dass von den von ihnen betreuten 5.207 Konvertiten trotz vorgelegter Glaubensbescheinigung 2.045 Ablehnungen durch das deutsche Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erfahren hätten sowie 1.400 Ablehnungen durch Verwaltungsgerichte. 99 Konvertierte seien abgeschoben worden. 
Im Vergleich der Bundesländer ergebe sich ein "signifikant uneinheitliches Bild" von sehr niedrigen bis zu sehr hohen Ablehnungsquoten. Daraus schließt die Hilfsorganisation auf sehr  subjektive Prüfverfahren. 
 

Schönborn leitet als Papst-Legat tschechische Ludmila-Jubiläumsfeier

Kardinal Christoph Schönborn hat am 18. September als päpstlicher Sondergesandter die nationalen Feierlichkeiten zum 1.100. Jahrestag des Martyriums der Heiligen Ludmila im tschechischen Tetin geleitet. 
In seiner Predigt unterstrich der Wiener Erzbischof die bleibende Bedeutung Ludmilas, die als erste böhmische Heilige einen herausragenden Platz in der Geschichte der Christianisierung des Landes hat.  Als Großmutter des Heiligen Wenzel/Vaclav, der im frühen 10. Jahrhundert in Prag regierte, sei Ludmila zudem „ein Vorbild einer klugen Großmutter", so Schönborn unter Bezugnahme auf Worte von Papst Franziskus. Ludmila werde als „Patronin der Großmütter" verehrt und gebe ein „schönes Zeugnis für die Weitergabe des Glaubens an die nächsten Generationen", so Schönborn.
Bei der Festmesse im Rahmen der Nationalen Ludmila-Wallfahrt, die vom Tschechischen Fernsehen live übertragen wurde, erinnerte der Wiener Erzbischof an die Christianisierung Böhmens: „Die hl. Ludmila und ihr Gemahl, Fürst Borivoj, stehen am Anfang der Christianisierung unserer Heimat", so der Papst-Legat, der selbst im Jänner 1945 in Böhmen geboren wurde, aber im Zuge der Vertreibung mit wenigen Monaten mit der Familie das Land verlassen musste und in Österreich aufwuchs. 
Tetin, 40 Kilometer südwestlich von Prag, ist einer der ältesten tschechischen Wallfahrtsorte. Bekannt ist er vor allem als Wohn- und Zufluchtsort der Premyslidin Ludmila, die hier am 15. September 921 eines gewaltsamen Todes starb. Ludmila ist Großmutter des böhmischen Nationalheiligen Wenzel oder Wenzeslaus von Böhmen (um 908 - 929 oder 935).
 

Ungarn/Slowakei: Nachträge zum Papstbesuch

Der 2012 abgesetzte Erzbischof von Trnava, Robert Bezak (61), hat den Abschlussgottesdienst des Slowakei-Besuchs von Papst Franziskus im Wallfahrtsort Sastin auf einem Ehrenplatz in den Reihen der Bischöfe mitgefeiert. Bezak sei zusammen mit der offiziellen kirchlichen Delegation um den Papst in dem Marienheiligtum angekommen, berichteten slowakische Medien. Bereits zuvor hatte Franziskus Bezak in Begleitung von dessen Mutter und weiteren Angehörigen in der Nuntiatur in Bratislava getroffen.
Die Absetzung Bezaks im Juli 2012 durch Papst Benedikt XVI. war in der Slowakei umstritten.
Bis heute ist nicht ganz geklärt, ob im Hintergrund finanzielle Unregelmäßigkeiten durch Bezak selbst standen oder solche, die seinem Vorgänger Jan Sokol anzulasten waren. Damals tauchten auch Gerüchte um seinen Lebenswandel auf, die den Geistlichen diskreditieren sollten. Andere vermuteten, Gegner Bezaks im Vatikan wollten ihn kaltstellen, weil die finanziellen Unregelmäßigkeiten auch den Vatikan beträfen.
Seit 2017 ist Bezak als Lehrer an einem Gymnasium im Bratislaver Plattenbauviertel Petrzalka tätig. Der Redemptorist unterrichtet dort das Fach "Religion und Ethik".
Bei Papstbesuch mit Corona infiziert
Der griechisch-katholische Erzbischof von Presov, Metropolit Jan Babjak (67), hat sich beim Slowakei-Besuch von Papst Franziskus mit Covid-19 infiziert.
Zwei vollständig geimpfte österreichische Bischöfe wurden nach der Teilnahme an der Papstmesse in Budapest positiv auf Covid-19 getestet; der  Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics und der St. Pöltner Weihbischof Anton Leichtfried.
Mariazeller Magenbitter für Papst Franziskus
Der burgenländische Bischof Ägidius Zsifkovics hat Papst Franziskus bei einer kurzen Begegnung im Martinsdom von Bratislava ein Fläschchen Mariazeller Magenbitter überreicht – „als Segensgeste von der Gottesmutter und als ganz praktisch gemeintes Heilmittel nach seiner kürzlich überstandenen Operation", wie die Eisenstädter Kirchenzeitung „martinus" berichtet.
 

Bätzing ruft deutsche Bischöfe zu radikaler Wende auf 

Zu einer radikalen Wende in ihrem Wirken und ihrem Amtsverständnis hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, die katholischen Bischöfe in Deutschland aufgefordert. Zugleich übte der Limburger Bischof scharfe Kritik am bisherigen Auftreten der Bischöfe. Für die jetzt anstehenden, strittigen Reformdebatten brauche es „den Geist und den Mut zur Umkehr", sagte Bätzing am 21. September in seiner Predigt zum Auftakt der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda und fuhr fort: „Kehrt um! Denkt neu! Das ist in der Tat mehr und anders als bloß etwas Anpassung und Fortschreibung." 

Ohne eine echte Umkehr würden die Bischöfe der Wucht des Missbrauchs-Skandals und der Dramatik der Entkirchlichung nicht gerecht, betonte der Vorsitzende, der zugleich Ko-Präsident des „Synodalen Wegs" der Katholischen Kirche in Deutschland ist. Für Menschen in einer freiheitlichen Gesellschaft sei das bisherige Auftreten der Bischöfe ein Anlass, das Erlösungsangebot der Kirche „als anmaßend und übergriffig und angesichts des Missbrauchs obsolet zurückzuweisen". Bätzing fügte hinzu, die Bischöfe selbst hätten erheblich dazu beigetragen, dass die von ihnen verkündete Botschaft des Evangeliums nicht mehr verstanden werde. 

Deutsche Bischöfe mahnen Verbesserungen beim „Synodalen Weg" an 

Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben sich bei ihrer Vollversammlung in Fulda kritisch mit einigen bisherigen Ergebnissen des "Synodalen Wegs" auseinandergesetzt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Limburgs Bischof Georg Bätzing, betonte am Donnerstag in der Abschluss-Pressekonferenz der Bischofsversammlung mit Blick auf theologische Kontroversen in dem Reformprozess: „Wer nach neuen Wegen für die konkrete Praxis der Kirche sucht, muss sich darüber vergewissern, aus welchen Quellen er die Orientierung auf diesen neuen Pfaden schöpft." 

Es gehe darum, die Kernanliegen der Kirche von ihrem Ursprung her in eine neue Zeit zu tragen. Das dürfe weder auf eine „zeitgeistige Selbstverlorenheit noch auf ein ängstlich-traditionalistisches Sich-in-sich-selbst-Verschließen hinauslaufen", mahnte Bätzing. Vielmehr gelte es, „die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums zu deuten". 


Neuer Erzbischof in Belarus

Papst Franziskus hat den Generalsekretär der Belarussischen Bischofskonferenz, Iosif Staneuski (52), zum neuen Metropolitan-Erzbischof von Minsk-Mohilev ernannt. Der bisherige Weihbischof in der Diözese Grodno wird damit Nachfolger des zu Jahresbeginn zurückgetretenen Erzbischofs Tadeusz Kondrusiewicz (75).
Kondrusiewicz, der in den Protesten gegen Präsident Alexander Lukaschenko die Demokratiebewegung unterstützte, musste 2020 mehrere Monate im Exil in Polen verbringen, nachdem ihm Lukaschenko nach einem kurzen Polen-Besuch die Wiedereinreise in sein Geburtsland untersagt hatte. Kurz nachdem der Erzbischof wieder nach Belarus einreisen durfte, nahm Papst Franziskus genau am 75. Geburtstag Kondrusiewicz' am 3. Jänner dessen altersbedingten Rücktritt an.
Foto: Wikipedia, Paval Hadzinski Catholic Belarus Photo.

 

Italiens Justizministerin in Päpstlicher Akademie

Italiens Justizministerin Marta Cartabia ist von Papst Franziskus als Mitglied der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften berufen worden. Dies teilte der Vatikan mit. Die 58-jährige Spezialistin für Verfassungsrecht ist seit Februar parteiloses Mitglied im Kabinett von Ministerpräsident Mario Draghi.
Von 2011 bis 2020 war die gebürtige Mailänderin Richterin am Verfassungsgerichtshof und zuletzt als dessen Präsidentin tätig. Die Katholikin steht der Bewegung „Comunione e Liberazione" nahe. In mehreren Veröffentlichungen befasste sie sich auch mit dem Thema Religionsfreiheit. Darin vertritt sie eine positive Laizität des Staates, der als solcher neutral ist, aber kooperativ mit Religionen zusammenarbeitet.
Foto: Wikipedia, Max Allegritti 


 

Kardinal Sarah für Latein

Der emeritierte afrikanische Kurienkardinal Robert Sarah hat sich nachdrücklich für das Lateinische als Liturgiesprache der Kirche ausgesprochen. „Wenn wir uns unter Afrikanern oder mit Menschen anderer Kontinente treffen, verbindet uns Latein und lässt uns gemeinsam feiern", erklärte der ehemalige Leiter der vatikanischen Gottesdienst-Kongregation im Interview des Schweizer Portals cath.ch. Sarah hatte die Abtei von Saint Maurice im Wallis besucht, um dort eine liturgische Feier zu leiten.
Es sei „falsch, Latein unterdrückt zu haben", so Sarah. „Alle Muslime beten auf Arabisch, auch wenn es nicht ihre Sprache ist. Wir teilen, was Christus vereint hat. Wenn es kein Latein mehr gibt, warum spricht man dann von der lateinischen Kirche?"
Foto: Wikipedia, François-Régis Salefran. 


Dem KZ-Gelöbnis Leopold Figls treu geblieben:

75. Wallfahrt des NÖ Bauernbundes nach Mariazell - 2.000 Pilger

 

Unter dem Motto „Ich bin mit Dir" stand die 75. Wallfahrt des Niederösterreichischen Bauernbundes nach Mariazell. Höhepunkt war am Sonntagvormittag die Festmesse mit dem St. Pöltner Bischof Alois Schwarz. Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz nahm an der Wallfahrt der 2.000 Pilger teil.

Bischof Schwarz rief in seiner Predigt zu Solidarität und einem neuen Miteinander im Land auf. Das Zugehörigkeitsgefühl müsse gestärkt werden, so der Bischof.

Kanzler Kurz nahm in seiner Ansprache am Ende des Gottesdienstes auf die Anfangszeit der Bauernbund-Wallfahrt und die große Unsicherheit nach dem Zweiten Weltkrieg Bezug und zeigte auf, dass es die heimischen Bäuerinnen und Bauern sind, die die Versorgungssicherheit im Land garantieren, wie der NÖ Bauernbund in einer Aussendung mitteilte.

Die Geschichte der NÖ Bauernbundwallfahrt geht zurück auf ein Gelöbnis von Leopold Figl und Josef Reither. Mitten im Zweiten Weltkrieg und in KZ-Gefangenschaft gelobten die beiden, dass sie Niederösterreichs Bauern nach Mariazell zur „Magna Mater Austriae" führen werden, wenn Österreich von der Terrorherrschaft des NS-Regimes befreit und wieder Freiheit und Selbstständigkeit erlangen wird. Erstmals einlösen konnten Leopold Figl, damals Bundeskanzler, und Landeshauptmann Josef Reither ihr Gelöbnis im Jahr 1947. 

Ein ganz besonderes Erinnerungsstück begleitete die Jubiläumswallfahrt:  Der ehemalige Dienstwagen von Leopold Figl. 

Foto: NÖ Bauernbund. 

 

Reformgruppen stiften Preis „Die Trompete von Jericho“

Das Image der Katholischen Kirche wird in der Öffentlichkeit durch Personen geprägt, die von ihnen abhängige Personen spirituell und sexuell missbrauchten. Die Täter reichen dabei bis hinauf in die höchsten Ränge der Würdenträger. Dabei handelt es sich nicht nur um Einzelfälle persönlicher Verfehlungen, sondern vielmehr um Folgen der systemimmanenten, letztlich allein von einer Stagnationsbruderschaft im Vatikan dominierten Personalauslese.

Um dies aufzuzeigen und ein Gegengewicht zu schaffen, sollen Mitglieder der Kath. Kirche, an denen man sich heute orientieren kann, vor den Vorhang geholt werden. Zu diesem Zweck wird von den demokratisch legitimierten katholischen Reformorganisationen Österreichs  ein Würdigungspreis für besondere Verdienste um die Reform der Katholischen Kirche geschaffen. Dieser Preis trägt den Namen „Die Trompete von Jericho“.

Die Auszeichnung geht an Personen, die verantwortungsbewusst gegen nicht mehr zeitgemäße kirchliche Regeln aufstehen, um Veränderungen derselben zu erwirken. Vor allem Menschen, die dafür von der Kirchenleitung mit Strafen belegt wurden, z.B. durch Jobverlust oder Beschränkung ihrer Karriere, sind preiswürdig. Auch Personen, die spirituell oder sexuell missbraucht wurden und den Mut aufbringen, sich öffentlich von innerkirchlichen Sekten loszulösen, können gewürdigt werden.

Erste Preisträgerin ist Doris Reisinger (vormals Wagner) sein. Sie ist spirituell oder sexuell missbraucht worden und hat den Mut aufgebracht, sich öffentlich von innerkirchlichen Sekten loszulösen. Ihre Bücher „Nicht mehr ich“ und „Spiritueller Missbrauch“ haben das Bewusstsein vieler auf diese verheerenden Zustände gelenkt. Sie führte das berührende TV-Gespräch mit Kardinal Schönborn, der ihr volle Glaubwürdigkeit zugestand.
Die Preisverleihung erfolgt am Samstag, 2. Oktober 2021, im Vivaldi Saal des ÖJAB Hauses Johannesgasse 8, 1010 Wien.

Kurznachrichten

  

Papst Franziskus hat Theologen aufgefordert, „polemische Methoden und Agenden beiseite zu lassen" und sich stattdessen „mit den zerbrechlichsten und konkretesten Bedingungen der Menschen zu befassen". 

 

Benedikt XVI. sei „stabil in der Schwäche", sagte Erzbischof Georg Gänswein, der Privatsekretär des emeritierten Papstes, gegenüber kath.ch: „Er ist physisch mit 94 Jahren sehr unstabil, aber er hat einen klaren Kopf. Und: Er hat den Humor nicht verloren."

 

Jerusalem. 115 Jahre nach der Grundsteinlegung wird die Benediktinerabtei „Dormitio“ auf dem Zionsberg nun generalsaniert. 

 

Vatikan. Wer ab dem 1. Oktober den Vatikan besucht, muss wegen der Covid-19-Pandemie einen sogenannten „Grünen Pass" (Green Pass) vorlegen. 

 

Frankreich. Trotz Covid kamen im Sommer 7.000 Besucher nach Taize.

 

Bolivien. Papst Franziskus hat die Erzdiözese Sucre zur „Primas-Erzdiözese" von 

Bolivien erhoben. Der Primas rangiert in zeremonieller Hinsicht über einem Metropolitanerzbischof, aber unter den Patriarchen und Kardinälen. 

 

USA. Die katholische Bischofskonferenz hat die Regierung für ihren Umgang mit Schutzsuchenden aus Haiti entlang der Grenze zu Mexiko kritisiert. 

 

Venezuela. Kardinal Jorge Urosa Savino, emeritierter Erzbischof von Caracas und einer der bekanntesten Kirchenvertreter Südamerikas, ist am 23. September nach einer schweren Covid-19-Erkrankung und einem fast einmonatigen Spitalsaufenthalt 79-jährig verstorben. 

 

   


 

Georgien. Am 19. September ist der orthodoxe Metropolit Sergios (Tschekurischwili) im Alter von 62 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Sein um ein Jahr älterer Amtskollege Metropolit Gerasimos (Sharashenidze) ist ebenfalls im Spital. 


Nigeria. Unbekannte sind am Sonntag, 19. September, im Bundesstaat Kogi in eine Kirche eingedrungen und haben einen 45-jährigen Mann getötet. Zwei weitere Personen wurden verschleppt.

 

Deutschland. Eine starke Zunahme von Online-Glücksspielsucht verzeichnet die Caritas in der Erzdiözese Berlin. In den vergangenen Jahren sei eine Verdoppelung von süchtigem Verhalten beim Online-Glücksspiel zu beobachten. 


Österreich  

Oberösterreich. Rund ein Dutzend Vermummte der rechtsradikalen Identitären-Bewegung haben am Donnerstagnachmittag, 23. September,  im Foyer des Linzer Diözesanhauses lautstark und mit Flugzetteln gegen ein geplantes Mahnmal am Linzer Stadtfriedhof für ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmeer protestiert. 

 

Wien. Von 7. bis 10. Oktober feiert die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Wien den Höhepunkt des Jubiläumsjahres zu ihrem 200-jährigen Bestehen. 

 

Kärnten. Die Diözese Gurk-Klagenfurt distanziert sich in scharfen Worten von Inhalten im aktuellen Pfarrbrief der Gemeinde Moosburg, die wegen Verschwörungs-Passagen Empörung und Kritik ausgelöst haben. 

 

Wien. Der Katholische Familienverband sucht dringend „Leihomas", die Familien unterstützen. 

Hubert von Goisern: Jesu Biografie hatte keine „dunklen Flecken"

Jesus ist für den österreichischen Allroundkünstler Hubert von Goisern der einzige Religionsgründer, „an dem ich nichts auszusetzen habe". Er schätzt die „Geradlinigkeit", mit der Jesus gelebt habe. In dessen Biografie gebe es - anders als etwa bei Mohammed oder Moses - keine „dunklen Flecken", sagte der religiös interessierte Musiker, der als Hubert Achleitner auch als Romancier („Flüchtig", 2020) Erfolg hat, im Interview der Nachrichtenagentur Kathpress. Über den Propheten Mohammed wisse Achleitner, dass er lange „mit dem Schwert gelebt" und auch Leute niedergemetzelt habe. Auch Moses sei „kein Lercherl" gewesen - wobei Kritik an dieser Zentralgestalt des Judentums freilich „sehr vermintes Terrain" sei.
Probleme habe er mit der „künstlichen Überzeichnung" der Person Jesu, die bereits mit den Evangelien eingesetzt habe, so Hubert von Goisern weiter. Er tue sich mit dem Christus schwer, „mit dem Jesus bin ich d'accord". Es sei für ihn noch viel wertvoller, den Menschen Jesus als Vorbild zu haben - statt „dieser überhöhten Christus-Figur, die im Grunde genommen unerreichbar ist für einen Menschen".
Von Dharamsala bis zum Nonnberg
Sein großes Interesse an spirituellen Traditionen und deren inspirierender Kraft hat den Musiker, wie er erzählte, an Orte wie das buddhistische Kloster Dharamsala in Indien geführt, den Koran lesen und die Mönchsrepublik am Berg Athos durchwandern lassen, auch in heimischen Klöstern wie Stift St. Florian oder der Benediktinerinnenabtei Nonnberg habe er als Gast mitgelebt. „Ich fühle mich als Christ, auch wenn ich aus der katholischen Kirche ausgetreten bin", zitierte Hubert von Goisern sich selbst auf seiner Website aus einem Interview. Religion sei „fast sowas wie die Hautfarbe: Die hast du vererbt bekommen und trägst sie dein ganzes Leben lang." Seinen Kirchenaustritt begründete er mit der Unfehlbarkeit des Papstes, der jungfräulichen Geburt Marias, den „patriarchalischen Strukturen" - Dinge, an denen „kein erwachsener Mensch mehr festhalten" könne.
Auf dem Berg Athos…
… habe er orthodox-christliche Spiritualität erlebt, "in einem unglaublich dichten Umfeld, wo nichts ablenkt". Fasziniert und inspiriert sei er auch von Dharamsala am Fuß des Himalaya gewesen, dessen Kloster vom Dalai Lama eingeweiht wurde. Bei der Teilnahme am Stundengebet im Chorherrenstift St. Florian falle ihm auf den Kopf, „dass ich verstehe, was die beten". Bei Psalmen, in denen Feinden auf brutal-blutrünstige Weise Vernichtung zugesagt wird, habe er den Gastgebern seine Vorbehalte mitgeteilt: Das sei wie ein Mantra und mache etwas mit dem oder der Betenden – „auch wenn gesagt wird, das ist ja nur ein Bild und kommt aus uralter Zeit". Einen „Prozess der Erneuerung und Reinigung" bei den geistlichen Gesängen und Ritualen der Kirche halte er für erforderlich, erklärte Hubert von Goisern.


Josef Hader sieht Parallelen zwischen Kirche und Kommunisten

Die katholische Kirche ist heute für viele irrelevant - und das ist zum Teil selbst verschuldet. Darauf hat Österreichs Kabarett-Star Josef Hader im Interview für die neue Ausgabe der Linzer „KirchenZeitung" (Mittwoch) hingewiesen. "Wenn man heute im städtischen Milieu sagt, man ist noch Mitglied der Kirche, dann schauen sie einen so an, als würde man sagen, man ist noch Mitglied der kommunistischen Partei", meinte der ehemalige Melker Stiftsgymnasiast. Der Kirche würde es leichter fallen, mutig die Stimme zu erheben, „wenn sie in allen Bereichen gleich glaubwürdig wäre wie in der sozialen Frage und der Frage der Flüchtlinge", so Haders Einschätzung. Ein Defizit gebe es diesbezüglich beim Thema Frauen in der Kirche: „Wenn sie da genauso glaubwürdig wäre, da würde man ihr mehr abnehmen."
Persönlich glaubt Hader, wie er sagte, dass die Kirche die Chance auf den Aufbruch, wie er nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch in seiner Schulzeit im Benediktinerstift Melk zu spüren gewesen sei, verpasst hat. Für ihn persönlich bestehe eine bleibende Bindung: "Dort, wo der jugendliche Idealismus hineingeflossen ist, da wird man immer eine Beziehung dazu haben, das wird einen nie loslassen." Das gelte für die Anhänger der kommunistischen Partei genauso wie für die der Kirche.
In seinem neuen Programm „Hader on Ice"…
ist nach 17-jähriger Kabarettbühnenpause Kirche ebenso ein Thema wie Konsumverzicht: "Ich bin reich und katholisch. A super Kombination", wird Hader in der Kirchenzeitung zitiert. „In der katholischen Kirche verzichten wir so gern, verzichten ist so geil! Probiern Sie's, treten Sie wieder ein!" Hader spielt einen nicht gerade sympathischen Mann, der zurückgezogen, im Wohlstand, vereinsamt und in Angst vor der Welt um sich selber kreist. „Eine Ziege für Afrika? Also bitte, die sollen mehr Gemüse essen!", lässt er seine Bühnenfigur sagen.
„Hader on Ice" hält dem Publikum einen Spiegel vor. "Die Grundfrage ist immer, ob man eine moralische Haltung auf der Bühne einnimmt oder ob man versucht, die Furchtbarkeit der Zeit in sich selbst zu konzentrieren, sodass den Leuten graust", erläuterte der Kabarettist seinen Zugang. „Für mich ist die zweite Methode besser." Kürzlich habe er vor seinen alten Lehrern in Melk gespielt, berichtete Hader „ich glaub, sie haben es ganz gut ausgehalten." (Info: www.hader.at)

Auch das noch...

545.000 Kinder in Italiens katholischen Kindergärten und Schulen

Rund 545.000 Kinder und Jugendliche besuchen in Italien einen katholischen Kindergarten oder eine katholische Schule. Die Zahl geht aus dem neuen Bericht des Studienzentrums für katholische Schulen hervor und entspricht einem Plus von 2.675 Kindern (0,5 Prozent) gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Einrichtungen beträgt demnach 7.859. Ebenfalls einen Zuwachs gab es mit rund 31.100 ausländischen Kindern und Jugendlichen in katholischen Einrichtungen.
In Österreich besuchten im vergangenen Schuljahr 2020/21 rund 75.900 Schülerinnen und Schüler in Österreich eine katholische Schule. Auch hierzulande ist ein ständiger Zuwachs zu verzeichnen, der zuletzt sogar 1,65 Prozent gegenüber dem Vorjahr betrug. Rund 70 Prozent der katholischen Privatschulen sind Ordensschulen, die von rund 52.000 Schülerinnen und Schülern besucht werden.
 

Indonesischer Erzbischof: Impfverweigerer sind Sünder

Indonesien. Erzbischof Petrus Canisius Mandagi hält die Verweigerung einer Covid-Impfung für eine Sünde. „Wenn Sie nicht geimpft werden möchten, sind Sie eigentlich ein Sünder, weil Sie für andere Menschen zu einer Quelle von Krankheit werden", zitierte der asiatische Pressedienst „Ucanews" aus einer Predigt des katholischen Erzbischofs von Merauke in Papua.
In Indonesien gibt es viele Impfverweigerer. 

Papst ernennt nach Schutzmasken-Skandal neuen Bischof in Mexiko

Nach einer Kontroverse um das Tragen von Corona-Schutzmasken hat Papst Franziskus einen neuen Bischof für die mexikanische Diözese Ciudad Victoria ernannt. Wie der Vatikan mitteilte, bestimmte der Papst Oscar Efrain Tamez Villareal (48) zum Diözesanleiter. Vorgänger Antonio Gonzalez Sanchez (74) war vor einigen Monaten vorzeitig zurückgetreten.
Zuvor hatte der Geistliche mit umstrittenen Äußerungen zur Corona-Maskenpflicht landesweit für Aufsehen und Empörung gesorgt. Bei einem Sonntagsgottesdienst im Februar wertete der damals noch amtierende Bischof das Maskentragen als Zeichen fehlenden Gottvertrauens. In seiner Predigt forderte er die Gemeindemitglieder auf, stattdessen „aufrichtig und auf Knien" für ein Ende der Pandemie zu beten.
 

Kirchliche „Bildungsakademie Weinviertel" übersiedelt

Die Zentrale der „Bildungsakademie Weinviertel" übersiedelt  nach vielen Jahrzehnten am traditionsreichen Standort Großrußbach derzeit  in den generalsanierten barocken Pfarrhof Gaweinstal im Bezirk Mistelbach. Ab 1. Oktober startet das neue Programm, die Seminarräume können auch angemietet werden.
Für das zur Sanierung anstehende Schloss Großrußbach laufen nach Angaben der Erzdiözese Wien derzeit Gespräche mit potenziellen Übernehmern. 

ÖVP-Parlamentsklub erstmals auf Wallfahrt nach Mariazell 

Der ÖVP-Parlamentsklub hat sich am 20. September erstmals auf Wallfahrt nach Mariazell begeben. Knapp 70 Personen - darunter Abgeordnete aus National- und Bundesrat sowie aus dem Europaparlament - nahmen an dem Fußmarsch von Annaberg-Wienerbruck nach Mariazell teil. Klubobmann August Wöginger erklärte im Kathpress-Gespräch zu den Beweggründen für diese Premiere: Die Corona-Pandemie-Bewältigung habe auch das Parlament und die Abgeordneten sehr gefordert, dafür gelte es Dank zu bezeugen. Zweitens sei die Wallfahrt auch Ausdruck der „Bitte an den Herrgott" um einen guten Start in die Herbstsession: "Wir haben immer noch viele Herausforderungen zu bewältigen", hielt Wöginger fest. 
In Wienerbruck eröffnete der Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Peter Schipka, der auch regelmäßig zu Gottesdiensten mit allen Parlamentariern in die Wiener Hofburgkapelle einlädt, die Wallfahrt mit einem Gebet und einem Segen. 
Die Pilger feierten abschließend eine Messe in der Mariazeller Basilika, die Schipka leitete. In seiner Predigt verzichtete der Generalsekretär - wie er sagte - bewusst auf politische Aussagen, Forderungen oder Anspielungen, sondern wolle den an diesem Tag beschrittenen „geistlichen Weg auch in diesem Gottesdienst weitergehen". 
An dem Gottesdienst in der Basilika nahm auch Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka teil. Foto: Kathpress/Michaela Greil