JA 

die neue Kirchenzeitung

27. Februar 2022 

Die Ukraine… 

ist mit einer Fläche von 603.700 Quadratkilometern der größte Staat, dessen Grenzen vollständig in Europa liegen. 
Das Land wurde am 24. Februar 2022 von Russland völkerrechtswidrig militärisch überfallen. Seit dem 25. Februar wird die Hauptstadt Kiew angegriffen. 
Die „Kiewer Rus“, auch „Altrussland“, „Kiewer Russland“ bzw. „Kiewer Reich“ genannt, war ein mittelalterliches altostslawisches Großreich, das als Vorläuferstaat der heutigen Staaten Russland, Ukraine und Belarus angesehen wird. 
Das Gebiet der heutigen Ukraine wechselte zwischen Herrschaftsansprüchen. Teile der West-Ukraine waren von 1772 bis 1918 österreichisch. 

 

In der Zeit des Kommunismus wurde die ukrainisch-katholische Kirche besonders hart verfolgt und unter Stalin mit der orthodoxen Moskauer Kirche zwangsvereinigt. Priester und Ordensangehörige wurden verfolgt und ermordet. Ebenso Hunderttausende von Gläubigen. Alle Bischöfe wurden inhaftiert. 
Am 1. Dezember 1989 trafen sich Michail Gorbatschow und Papst Johannes Paul II. in Rom und schlossen ein Abkommen, das diese Kirche wieder offiziell zuließ. 
Zuvor konnten die Gläubigen nur vor verschlossenen Kirchen beten – unser Bild oben! 
Was können österreichische Christen  in dieser schlimmen Zeit tun? 
Beten! Und die Caritas unterstützen, die in der Ukraine den Ärmsten der Armen hilft.                                 P. Udo 

Für die „ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats" ist Russlands Krieg „eine Wiederholung der Sünde Kains“

Papst Franziskus hat sich mit einem russischen Tweet zum Krieg in der Ukraine zu Wort gemeldet. „Jeder Krieg hinterlässt die Welt schlechter, als er sie vorgefunden hat", schrieb das Oberhaupt der katholischen Kirche am Freitag-Abend (25. Februar) im Onlinedienst Twitter. „Krieg ist ein Versagen der Politik und der Menschheit, eine beschämende Kapitulation, eine Niederlage gegenüber den Mächten des Bösen." Das Zitat aus einer Enzyklika des Papstes von 2020 wurde in den üblichen Sprachen Italienisch, Portugiesisch, Polnisch, Französisch, Englisch, Spanisch, Deutsch und Arabisch auf Twitter verbreitet - und ausnahmsweise auch auf Russisch und Ukrainisch.
Am frühen Morgen des 24. Februar 2022 kündigte der russische Präsident Wladimir Putin den Beginn der russischen Invasion der Ukraine in einer Fernsehansprache als „militärische Sonderoperation“ an. Die Invasion trägt alle Kennzeichen eines völkerrechtlich verbotenen, verbrecherischen Angriffskrieges mit dem russischen Putin-Regime als verantwortlichem Aggressor.
Noch am Vortag hatten die Oberhäupter aller ukrainischen Religionsgemeinschaften einen dringenden Friedensappell an den russischen Präsidenten gerichtet.  Dem Gremium gehören 16 Glaubensgemeinschaften an, christliche, jüdische und islamische.
Die russlandfreundliche „Ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats" (UOK-MP) hat noch am selben Tag von Kreml-Chef Wladimir Putin einen sofortigen Stopp des „Bruderkrieges" gefordert. „Das ukrainische und das russische Volk sind aus dem Taufbecken des Dnjepr hervorgegangen, und der Krieg zwischen diesen Völkern ist eine Wiederholung der Sünde Kains, der seinen eigenen Bruder aus Neid erschlug", erklärte das Kirchenoberhaupt, Metropolit Onufrij (Berezowskij), in Kiew.
Für einen solchen Krieg gebe es keine Entschuldigung, weder vor Gott noch vor den Menschen, fügte er hinzu. In dieser tragischen Zeit wolle er „seine besondere Liebe und Unterstützung für unsere Soldaten" ausdrücken. Diese beschützten die Ukraine und ihr Volk. Gott möge die ukrainischen Soldaten segnen.
Angesichts des russischen Angriffs öffnet die UOK-MP die Keller ihrer Gotteshäuser in Kiew für Schutz suchende Bürger.
Das Oberhaupt der autokephalen (eigenständigen) Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU), Metropolit Epiphanij (Dumenko), sprach am Donnerstag in Kiew von einem „zynischen Angriff Russlands und Belarus' auf die Ukraine". Er rief die internationale Gemeinschaft und die religiösen Führer der Welt auf, die Ukraine zu unterstützen und Russland und Belarus zu zwingen, die Aggression sofort zu beenden.
Auch das Oberhaupt der Griechisch-katholischen Kirche der Ukraine reagierte auf den Angriff mit scharfen Worten. Russland habe unter Verletzung der grundlegenden Normen des Völkerrechts als „Aggressor" ukrainischen Boden betreten und „Tod und Zerstörung mit sich gebracht", erklärte der Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk. „In diesem historischen Moment ruft die Stimme unseres Gewissens uns alle auf, gemeinsam für einen freien, geeinten und unabhängigen ukrainischen Staat einzutreten", so Schewtschuk.
Die Griechisch-katholische Kirche der Ukraine ist die größte katholische Ostkirche. Zu ihr bekennen sich nach Angaben des Vatikans weltweit rund 4,5 Millionen Christen. In der mehrheitlich orthodoxen Ukraine ist etwa jeder zehnte Einwohner griechisch-katholisch. In der Ukraine zählt die Kirche rund 3.400 Pfarren sowie 2.700 Priester. Wesentlich kleiner ist mit rund einer Million Mitgliedern die Römisch-katholische Kirche in der Ukraine.
Der griechisch-katholische Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk dankte unterdessen in einer Videobotschaft allen, „die heute unsere Freiheit und Unabhängigkeit verteidigen" und den ukrainischen Staat unterstützen. In dieser tragischen Zeit hänge das Schicksal des Landes von der Fähigkeit ab, verantwortungsbewusst zu handeln. Die Kirche bete ständig für die Ukraine. "Die Welt ist mit der Ukraine, und die Ukraine ist mit Gott. Und gemeinsam werden wir überleben", so Schewtschuk.
Papst Franziskus hat am Freitagmittag, 25. Februar, überraschend die Russische Botschaft beim Heiligen Stuhl besucht. Wie das vatikanische Presseamt bestätigte, habe der Papst bei dem knapp halbstündigen Gespräch mit Botschafter Alexander Awdejew „seine Sorge über den Krieg zum Ausdruck gebracht".
Twitter-Videos zufällig anwesender Journalisten zeigten einen Fiat 500 mit dem Papst, wie er das Botschaftsgebäude verlässt, das wenige hundert Meter vom Petersplatz entfernt liegt. Unklar ist bisher, ob das Kirchenoberhaupt auch die ukrainische Botschaft im Vatikan besucht.
Der Botschafter Moskaus beim Vatikan äußerte sich nach dem Gespräch mit Papst Franziskus gegenüber russischen Medien zu dem Besuch. Demnach habe sich der Papst „sehr besorgt über die Situation der gesamten Bevölkerung" gezeigt und dazu aufgerufen, die Menschen zu verschonen, zitierte die Agentur RIA Novosti Botschafter Awdejew.
Für Aschermittwoch (2. März) hat Papst Franziskus zu einem Fast- und Gebetstag für die Ukraine aufgerufen.
Der russisch-orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill I. äußert sich bekümmert über den Krieg Russlands in der Ukraine. Er nehme das durch dieses Ereignis verursachte Leid „mit tiefem Schmerz wahr", sagte er am Donnerstag in einer Ansprache, die auf der Website des Patriarchats dokumentiert ist. Weiter heißt es: „Als Patriarch von ganz Russland und Primas der Kirche, dessen Herde sich in Russland, der Ukraine und anderen Ländern befindet, empfinde ich tiefes Mitgefühl mit allen, die von dem Unglück betroffen sind."
Die russisch-orthodoxe Kirchenführung hatte bislang weitgehend zur Eskalation der Lage im Russland-Ukraine-Konflikt geschwiegen. Für Irritation sorgte am Mittwoch eine Äußerung Kyrills I., als er dem „lieben Wladimir Wladimirowitsch" zum „Tag der Verteidiger des Vaterlandes" am 23. Februar ausführlich gratulierte. Die Ukraine erwähnte er dabei nicht, doch er lobte herzlich jene, „die einen verantwortungsvollen Militärdienst leisten, über die Grenzen ihres Heimatlandes wachen und sich um die Stärkung seiner Verteidigungsfähigkeit und nationalen Sicherheit kümmern".
Russlands katholische Bischöfe fordern einen Stopp des Krieges mit der Ukraine. „Wir rufen alle Politiker, von denen diese Entscheidung abhängt, dazu auf, diesen Konflikt zu beenden", schreiben sie in einer am Donnerstagabend in Moskau veröffentlichten gemeinsamen Erklärung. Allerdings erwähnen sie weder Kreml-Chef Wladimir Putin noch, dass Russland die Ukraine militärisch angegriffen hat.
Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hat als Reaktion auf den Kriegsausbruch in der Ukraine  ein Nothilfe-Paket in Höhe von einer Million Euro auf den Weg gebracht. Wie „Kirche in Not“ mitteilte, gehen die Hilfsgelder an die über 6000 Priester und Ordensfrauen in der ganzen Ukraine, die sowohl dem römisch-katholischen wie dem griechisch-katholischen Ritus angehören. Ein Schwerpunkt liegt auf den Regionen in der Ostukraine wie Charkiw, Odessa, Donezk, Saporischschja und der Krim.
Die Spitzen der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Österreich haben für den 25. Februar um 15 Uhr zu einer überkonfessionellen Gedenkminute für den Frieden aufgerufen. Auch der ORF unterbrach dafür sein Programm. An der Initiative beteiligen sich neben den christlichen Kirchen sowie der Israelitischen Religionsgesellschaft und der Islamischen Glaubensgemeinschaft auch alle anderen gesetzlich anerkannten Religionsgesellschaften.


„Aktion Leben": Krieg zeigt Abgründe der Leihmutterschaft

Der Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine hat auch massive Folgen für ukrainische Leihmütter, ihre Babys und die beauftragenden Eltern. Auf diesen wenig beachteten Aspekt der gewaltsamen Machtübernahme hat Martina Kronthaler, Generalsekretärin der „Aktion Leben", am 24. Februar  aufmerksam gemacht. In der Ukraine sei Leihmutterschaft bis dato ein florierender Wirtschaftszweig gewesen. „Nun werden die Babys und die abholenden Auftragseltern in Bunker gebracht. Von der Sicherheit der Leihmütter ist kaum die Rede", wies Kronthaler hin. Die gefährliche Lage in der Ukraine zeige einmal mehr auf, wie rücksichtslos das Geschäft mit Leihmutterschaft sei. 

Was mit den Leihmüttern am Beginn ihrer Schwangerschaft nach der Geburt passiert, bleibe unklar. Kronthaler nannte die abrupte Trennung eines Neugeborenen von seiner vertrautesten Person, die es neun Monate getragen hat, eine „immer stressvolle und schockierende Erfahrung". Ebenso sei es für die Mutter psychisch herausfordernd. 

„Der Wunsch kinderloser Paare nach einem Kind ist zu respektieren", räumte die Generalsekretärin ein und gab zugleich zu bedenken: „Wünsche haben ihre Grenzen dort, wo die Rechte und die Gesundheit anderer Menschen beeinträchtigt werden." Leihmutterschaft sei letztlich eine Methode, die die Bedürfnisse schwangerer Frauen und ihrer Babys ignoriert. 

Theologe: Kirche braucht mehr Demokratie, weniger Hierarchie

Will sie nicht zu einer „klerikalen Sekte" zusammenschrumpfen, muss die katholische Kirche mehr Demokratie wagen, statt ihre hierarchische Struktur weiterhin zu verteidigen: Das hat der Wiener Theologe Prof. Wolfgang Treitler in einem aktuellen Beitrag für das theologische Debatten-Portal „feinschwarz.net" betont. 

Am Gelingen dieser Demokratisierung, die bis hin zur Einsetzung von Bischöfen und Priestern vor Ort reichen müsste, hänge nicht weniger als die „Zukunftsfähigkeit der Katholischen Kirche". Nur so lasse sich schließlich die von vielen nicht mehr verstandene kirchliche Binnensprache überwinden und das Schlagwort der Synodalität mit Leben füllen. Eine allein „auf sich bezogene hierarchische Form ist am Ende, die sie stützende Theologie tot", zeigte sich Treitler überzeugt.

Entsprechend müsse das, was Papst Franziskus mit dem aktuellen synodalen Prozess zaghaft ins Werk gesetzt hat, deutlich forciert werden. Noch seien Synoden schließlich nicht ausgewogen besetzt und würden sich nicht kirchenrechtlich verbindlich niederschlagen. Außerdem sei man „von echten, substanziellen Diskursen, die wirken und Entscheidungen vorbereiten, (...) weit entfernt". 

Die strenge Hierarchie könne sich in ihrer heutigen Form auch nicht auf das Neue Testament berufen, führte der Theologe weiter aus. Vielmehr verdanke sie sich einer „Militarisierung der römischen Gemeinde im Zeichen radikaler Gehorsamsunterwerfung", von der der erste Clemensbrief berichte. Dies sei hierarchisch gepflegt und schließlich im 19. Jahrhundert mit dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869/70) und der Verkündung des Jurisdiktionsprimats und der Unfehlbarkeit des Papstes zu einem Höhepunkt gekommen. 

Vatikan-Konferenz zu Priestern: Getaufte fordern, keine Frauen weihen 

Mit einem Appell von Kurienkardinal Antonio Tagle zu mehr missionarischem Einsatz aller Christen ist am Samstagabend, 19. Februar,  ein internationales Symposium zum Priestertum zu Ende gegangen. Anlass der dreitägigen Veranstaltung war die Krise des katholischen Priesterbilds, maßgeblich verschärft durch den Missbrauch durch Priester, wie Kurienkardinal Marc Ouellet als Organisator eingangs erklärte. 

Die öffentlich debattierten Fragen des Zölibats sowie einer Priesterweihe für Frauen kamen ebenfalls zur Sprache. Dabei sprach sich die italienische Dogmatikprofessorin Michelina Tenace am Freitagabend gegen eine Priesterweihe für Frauen aus. Dies sei „keine angemessene Weise, ihre Würde anzuerkennen". Dienste in der Kirche seien „kein Recht, sondern eine Pflicht", wies sie „ideologische, ergo feministische Denkansätze" zurück. 

Kardinal Kurt Koch wies darauf hin, gerade beim kirchlichen Amt seien die christlichen Kirchen noch am weitesten voneinander entfernt. Die Frage nach einer Weihe von Frauen sei die wohl schwierigste. Während katholische und orthodoxe Kirchen sich einig seien beim Ausschluss von Frauen vom Weiheamt, werfen ihnen evangelische Kirchen in dem Punkt ein Defizit im Kirchenverständnis vor, so der Präsident des Päpstlichen Ökumenerates. 

Auf die Frage einer Teilnehmerin, wie er dazu stehe, wenn Frauen sich durch Gottes Geist zum Priestertum berufen fühlten, verwies Koch auf den Unterschied zwischen Berufung und Beauftragung. Gottes Geist berufe und beauftrage „alle in der Kirche, ihre besonderen Charismen zu leben". Die katholische Kirche sei aber überzeugt, „dass das geweihte Priesteramt an das männliche Geschlecht gebunden ist". 
 

Mertes: Kirchliche Missbrauchsaufarbeitung im Ansatz falsch, doch Lob für unabhängige Kommission in Österreich 

Der Jesuit Klaus Mertes sieht weiter grundlegende Fehler bei der Missbrauchsaufarbeitung in der katholischen Kirche. „Die Kirche inszeniert sich als Aufklärerin, aber aus institutionsnarzisstischem Interesse", sagte der Ordensmann der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung". 

Auch bei Papst Franziskus erkenne er die „drängende Sehnsucht, eine Solidarität mit den Opfern zu konstruieren". Dabei gebe es darauf überhaupt kein Anrecht. „Das ist eine Verkennung der kirchlichen Rolle. Die Opfer wollen das nicht", so Mertes. Der Schmerz der Aufklärung dürfe nicht mit dem Schmerz der Opfer verwechselt werden. 

Der Jesuitenpater kritisierte zudem die jüngste Erklärung des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zum Umgang mit Missbrauchsfällen in dessen früherem Erzbistum München-Freising. Darin äußerte das ehemalige Kirchenoberhaupt unter anderem „tiefe Scham", „großen Schmerz" und eine „aufrichtige Bitte um Entschuldigung gegenüber allen Opfern sexuellen Missbrauchs". 

Das sei „viel zu wenig", so Mertes. Er sehe weiterhin „systemische Zusammenhänge des Nichtverstehens". Die Kirche müsse sich dazu bekennen, „auf die Täterseite zu gehören", forderte der 67-Jährige. Es gebe Verstrickungen, in denen man auch ohne persönliche Schuld mitwirke an Gewalt und Vertuschung. 

Die entscheidende Frage bleibt aus Sicht des Jesuiten unbeantwortet: „Wie kann Missbrauch so lange stattfinden, ohne dass es jemandem auffällt oder jemand darüber spricht?" Die „große Zukunftsaufgabe" bestehe darin, die „Grammatik der Gewalt" zu durchschauen und Missstände öffentlich anzusprechen. 

Eine überzeugende Aufklärungsarbeit traut Mertes der Kirche selbst nicht zu. Bisherige Anstrengungen hätten sich als unzureichend erwiesen. Um eine „unabhängige Person von hohem öffentlichen Ansehen" mit der Gründung einer Kommission zu beauftragen, wie dies etwa in Österreich gemacht wurde, sei „vermutlich zu spät." 

Mertes trug als damaliger Leiter des Canisius-Kollegs in Berlin wesentlich dazu bei, dass der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche 2010 öffentlich wurde. Für sein Engagement wurde er 2021 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 

 

Datenbank zu Missbrauch in Italiens Kirche veröffentlicht 

In Italien ist ein Onlinearchiv zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche des Landes seit Freitag freigeschaltet. Die italienische Wochenzeitung „Left" dokumentiert darin in Zusammenarbeit mit dem Betroffenenverband „Rete l'abuso" bislang 61 Fälle mit 182 Menschen, die von Missbrauch betroffen sind. Die Fälle stammen aus den Jahren zwischen 1993 und 2021. 

Viele Täter wurden von staatlichen Gerichten verurteilt oder es laufen Ermittlungen gegen sie. Einige sind gestorben, nur wenige sind unbekannt. Die Delikte betreffen Kindesmissbrauch, Besitz von Kinderpornografie, Kinderprostitution und Anstiftung dazu, schwere sexuelle Nötigung sowie Gewalt gegen Kinder und Frauen. Soweit bekannt sind auch die kirchenrechtlichen Konsequenzen aufgeführt. Die Daten sollen, so die Macher, laufend aktualisiert und erweitert werden. Laut dem verantwortlichen „Left"-Redakteur, Federico Tulli, gibt es mindestens 300 weitere Fälle mit Hunderten Opfern, die in den vergangenen 20 Jahren dokumentiert wurden. 

Ziel des Archivs sei es, „den gravierenden Mangel bei der Erfassung dieses kriminellen Phänomens zu beheben, die weder von der Kirche noch vom Staat vorgenommen wurde", sagte Tulli. 

 

Politologe Filzmaier empfiehlt der Kirche „Nichtwählerbefragung" 

Die österreichweiten Pfarrgemeinderatswahlen der Katholischen Kirche am 20. März sollten durch eine „Nichtwählerbefragung" ergänzt werden. Das regte der medienbekannte Politologe und Wahlanalytiker Peter Filzmaier im Magazin „inpuncto" an, das den heimischen Kirchenzeitungen im Vorfeld der PGR-Wahlen beigelegt ist. Kirchenverantwortliche sollten den Mut haben, die Gründe für die geringe Wahlbeteiligung und etwaige Kritikpunkte zu erheben und „über die Ergebnisse, auch wenn sie unangenehm sind, einen öffentlichen Diskussionsprozess zu starten". 

Die vor gut 50 Jahren eingeführten Pfarrgemeinderäte bewertet der Experte als „einen vergleichsweise kleinen und abgegrenzten Bereich der politischen Beteiligung, der für sich genommen noch keine demokratische Kirche begründet". Klein sei nicht die Zahl der 30.000 gewählten PGR-Mitglieder, wohl aber "die Bereiche, in denen sie Entscheidungskompetenz haben", bemängelte Filzmaier. 

Auf die Frage, ob mehr Mitbestimmung und Partizipation die Kirche aus ihrer Krise herausführen könnte, antwortete Filzmaier: „Ich glaube, es würde etwas bewirken." Freilich könne man gesamtgesellschaftliche Entwicklungen wie die wachsende Zurückhaltung der Menschen gegenüber Institutionen nicht umdrehen. Für die Kirchen - die katholische wie die evangelische - ginge es laut dem Politologen „vielmehr um eine Schadensbegrenzung". Er verwies auf „durchaus seriöse Studien", wonach diese sonst in absehbarer Zeit ein weiteres Drittel an Mitgliedern verlieren. 

Ältestes katholisches Archiv im Heiligen Land wird digitalisiert

Zehntausende historische Fotos, Dokumente der alten franziskanischen Apotheke und Erlässe der Mameluken, der islamischen Herrscher im Heiligen Land vom 13. bis 16. Jahrhundert, sowie zahlreiche weitere Dokumente lagern in den Archiven der Franziskanerkustodie in Jerusalem. Teile des historischen Archivs sollen nun digitalisiert und online zugänglich gemacht werden, wie der Orden mitteilte.

Digitalisiert werden sollen demnach die Fermane (Erlässe, Anm.) der Mameluken aus den Jahren 1247 bis 1516, die Apothekenarchive vom frühen 17. Jahrhundert bis 1913, gedruckte Bände über Medizin und Pharmazie aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sowie die in der franziskanischen Druckerei zwischen 1845 und 1950 in verschiedenen Sprachen erschienenen Bücher. 

Ebenfalls digitalisiert wird die fotografische Sammlung aus rund 40.000 Bildern und 4.000 Glasplatten.

Das historische Archiv umfasst laut Angaben der Kustodie Dokumente aus mehr als sieben Jahrhunderten. Es sei damit das älteste katholische Archiv im Heiligen Land und dokumentiere „nicht nur die Wechselfälle der nahe gelegenen religiösen Institution, sondern auch die der katholischen Präsenz in sehr vielen Regionen des Nahen Ostens". Insbesondere die Sammlung der Fermane gäben Aufschluss über die wechselhafte Geschichte der Franziskaner und des Katholizismus im Heiligen Land. 

Die Digitalisierung erfolgt in Zusammenarbeit mit der französischen Nationalbibliothek und soll bis August 2023 abgeschlossen sein. 

Der italienische Franziskaner Francesco Patton (59) ist seit 2016 der Kustos der Franziskanerkustodie in Jerusalem.

Nationalparkpläne am Jerusalemer Ölberg stoßen auf Kirchenkritik

Pläne, weite Teile des Ölbergs in Jerusalem als Nationalpark zu deklarieren, stoßen auf Kritik der christlichen Kirchen vor Ort. Man könne sich „des Eindrucks nicht erwehren, dass verschiedene Einrichtungen versuchen, alle nichtjüdischen Charakteristika der heiligen Stadt zu minimieren, um nicht zu sagen zu eliminieren, indem sie versuchen, den Status quo auf diesem heiligen Berg zu verändern", heißt es in einem aktuellen Schreiben an die israelische Umweltministerin Tamar Zandberg, aus dem Medien zitieren. Unterzeichner sind Franziskanerkustos Francesco Patton, der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. und der armenische Patriarch Nurhan Manougian.

Foto: Franziskanerkustodie in Jerusalem.

Kurznachrichten

 Papst Franziskus muss auf die Teilnahme am Mittelmeer-Friedenstreffen in Florenz verzichten und kann auch nicht die Feier am Aschermittwoch leiten. Grund ist eine akute Gelenkentzündung im Knie.

 

In Armenien werden die Sorgen immer größer, dass Aserbaidschan ernsthaft daran denkt, das christliche Erbe von Berg-Karabach nachhaltig zu zerstören. Viele bedeutende christliche Stätten wie die Kathedrale von Sushi oder das Kloster Dadivank stehen nicht mehr unter armenischer Kontrolle.

 

Philippinen. Zum 36. Jahrestag des Volksaufstands gegen Diktator Ferdinand Marcos (1917-1989) auf den Philippinen haben die katholischen Bischöfe des Landes eine „Pandemie der Lügen" kritisiert. 

Ihr aktueller Hirtenbrief nimmt Bezug auf den aktuellen Präsidentschaftswahlkampf, in dem der Diktatoren-Sohn Ferdinand Marcos Jr. (64) in der Favoritenrolle ist.

 

In Paraguay hat der künftige Erzbischof von Asuncion, Adalberto Martinez Flores, zu Beginn seiner Amtszeit einen gerechteren Zugang zu Landbesitz für Kleinbauern gefordert. Dass es in Paraguay keine organisierte Registrierung für Landbesitz gebe, sei nicht nur ein ideologisches, sondern auch ein ganz praktisches Problem.

 

Irak. Die Leitung der chaldäisch-katholischen Kirche erhält einen neue Namen: Anstatt „Patriarchat von Babylon" heißt es nun „Patriarchat von Bagdad der Chaldäer". Die 1553 gegründete Kirche steht in voller Kirchengemeinschaft mit dem Papst in Rom. Ihr gehören gut 500.000 Mitglieder an, von denen rund die Hälfte im Irak lebt.

 

Irak. Vorsichtig optimistisch über die Zukunft der nordirakischen Ninive-Ebene und der Metropole Mosul hat sich der chaldäisch-katholische Erzbischof von Mosul, Michael Najeeb Moussa, geäußert. Das Leben in Mosul habe sich im vergangenen Jahr stabilisiert und normalisiert.

 

Südafrika. Cyril Axelrod (79), ein taubblinder Priester, hat sein drittes Buch veröffentlicht. Wie die Südafrikanische Bischofskonferenz mitteilte, kam der katholische Geistliche aus Johannesburg gehörlos zur Welt, ehe er im Jahr 2000 aufgrund von Krankheit auch vollständig erblindete. Dies habe ihn aber nicht davon abgehalten, vor Taubblinden in der ganzen Welt zu predigen.

 

Kosovo. Die serbisch-orthodoxe Diözese Raska und Prizren berichtet von einer Zunahme von Übergriffen gegen Kirchen und Kircheneinrichtungen. Wie einer Mitteilung auf der Website der Diözese zu entnehmen ist, soll es seit Jahresbeginn bereits zu sechs „Angriffen" gekommen sein. 

 

Sri Lanka. Katholische Priester, Ordensleute und Menschenrechtler beantragen in einer Petition an den Obersten Gerichtshof die Abschaffung des Antiterrorgesetzes (PTA). Viele Sri Lanker seien seit über 40 Jahren durch das Gesetz „terrorisiert" worden. 


Deutschland. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki hat seinen ersten öffentlichen Auftritt nach fast fünf Monaten Auszeit abgesagt. Der Kardinal wird zum Gottesdienst am Aschermittwoch im Kölner Dom nicht erscheinen.

 

Deutschland. Das Landgericht Köln hat gegen einen früheren katholischen Pfarrer eine zwölfjährige Haftstrafe wegen Missbrauchs verhängt. Der 70-jährige Priester hat demnach zwischen 1993 und Jänner 2018 Sexualstraftaten zu Lasten von neun Mädchen begangen. 

 

Bosnien-Hercegovina. In Medjugorje hat mit dem italienischen Erzbischof Aldo Cavalli (75) der neue Beauftragte des Papstes seinen Dienst aufgenommen. Sein Vorgänger, Kurienerzbischof Henryk Hoser, war vergangenen Sommer 78-jährig infolge einer längeren schweren Erkrankung sowie einer Covid-19-Infektion verstorben. 



Österreich

  

Wien. Die Caritas hat die am 24. Februar beschlossene Finanzierung der Hospiz- und Palliativversorgung als „echten Meilenstein" begrüßt. Mit dem gemeinsamen Beschluss fast aller Parteien sei die Gesetzesgrundlage für regelfinanzierten, nun hoffentlich schnellen und flächendeckenden Ausbau von Hospiz- und Palliativangeboten in Österreich geschaffen.

 

Kärnten. In der Diözese Gurk-Klagenfurt soll im ersten Quartal 2023 ein Kirchenentwicklungsprozess starten. Das hat das Bischöfliche Konsistorium bei seiner jüngsten Sitzung beschlossen. 

 

Niederösterreich. Die Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig hat die St. Pöltner Emmausgemeinschaft als Partner und als „wichtigen Teil der Soziallandschaft in Niederösterreich" gewürdigt. Hier würden an sieben Standorten täglich rund 320 Klientinnen und Klienten von hochprofessionellen Teams betreut.

 

Vorarlberg. Die Junge Kirche Vorarlbergs hat einen neuen Musikwettbewerb für junge Musiker zwischen 10 und 30 Jahren gestartet: Bis 9. April können selbstkomponierte Songs zum Thema Blessing/Segen für den „Blessing Song Contest" eingereicht werden.

 

Wien. Die Erzdiözese Wien hat einem deutschen Priester (60), gegen den in seiner Heimat ein kirchenrechtliches Verfahren wegen Missbrauchsvorwürfen läuft und der in Wien Gottesdienste zelebriert hat, ein Betätigungsverbot für ihr Gebiet erteilt. 

Olympiakaplan schrieb Buch über Gregorianischen Choral

An kaum einem anderen Ort der Welt wird der Gregorianische Choral so gepflegt wie im Stift Heiligenkreuz - und das neue Buch des dort beheimateten Zisterziensers und Olympiakaplans Pater Johannes Paul Chavanne (39) führt diese Tradition fort: Sein jüngst bei Styria erschienener Band „Wie der Himmel klingt" lädt ein zum „Eintauchen in die Musik der Stille", wie es im Untertitel über den Gregorianischen Choral heißt.
In seinem Buch zeigt Chavanne, was es mit dem Zauber der Gregorianik auf sich hat, „was die Quelle seiner einzigartigen meditativen Kraft ist und wie diese in unser Leben passt".
Auch der Humor kommt beim musik- und sportaffinen Zisterzienser nicht zu kurz, und als akustische "Bonus Tracks" laden QR-Codes im Buch ein, das spirituelle Erlebnis des erstmals im 9. Jahrhundert so genannten Gregorianischen Chorals unmittelbar zu erfahren.
Als „singende Mönche" von Heiligenkreuz wurde die Choralschola der dortigen Zisterzienser mit ihrer Form des gesungenen Gebetes weltbekannt. Die Plattenfirma "Universal Music" nahm sie unter Vertrag, das Album "Chant - Music for Paradise" brachte den Choral in die Pop Charts und es wurde ein internationaler Mega-Erfolg. 
Das Buch von Johannes Paul Chavanne „Wie der Himmel klingt. Eintauchen in die Musik der Stille mit dem Gregorianischen Choral" umfasst 192 Seiten und kostet 25 Euro. 

Auch das noch...

Theologe Drewermann: „Schätze, die die Kirche birgt, sind enorm"

 „Die Schätze, die die Kirche birgt, sind enorm, aber sie muss sehen, wo sie hinderlich ist." Das hat der deutsche Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewermann im Interview mit der „KirchenZeitung" der Diözese Linz gesagt. 
Drewermanns Verhältnis zur katholischen Kirche gilt als schwierig. Nachdem ihm vor über 30 Jahren seine Lehrbefugnis als Theologieprofessor entzogen und er vom Priesteramt suspendiert worden war, wurde es innerhalb der Amtskirche still um ihn. 2005 trat er gar aus der katholischen Kirche aus. Doch im Februar hielt der 82-Jährige u.a. zwei Vorträge im kirchlichen Rahmen in Oberösterreich.
Laut Kirchenzeitung hat das „Erdbeben", das gerade die katholische Kirche Deutschlands aufgrund des Missbrauchsskandals erschüttere, zur „Wiederentdeckung" des Paderborner Theologen geführt. Drewermann selbst habe allerdings „weder den aktuellen Auslöser, noch die bestürzende Dynamik", die die Missbrauchskrise in Deutschland angenommen habe, so erwartet, wie er im Interview betonte. Beobachtet habe er aber „schon seit Langem eine starke Protestreaktion" gegen die Kirche in Deutschland.
Er hoffe indes, dass der „Synodale Weg" in Deutschland der Kirche wirklich hilft. Er sei aber auch skeptisch: „In jeder Institution, deren Strukturen sich auflösen, kommt es zu Machtgerangel, wie wir es jetzt in der katholischen Kirche gerade sehen und zu einer Phase der Fluktuation." Drewermann gehe aber davon aus, "dass eine neue Selbststabilisierung der Kirche eintritt, und zwar von unten, nicht mehr von oben verordnet". 
 

Kirche in Polen „tief besorgt" wegen deutschem „Synodalen Weg"

Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, kritisiert die jüngsten Reformbestrebungen in der Katholischen Kirche in Deutschland deutlich. 
In einem am Dienstag veröffentlichten Brief an den deutschen Bischofskonferenz-Vorsitzenden Bischof Georg Bätzing drückte Gadecki seine „tiefe Besorgnis" in Bezug auf den deutschen „Synodalen Weg" aus. Man dürfe nicht „dem Druck der Welt oder den Modellen der vorherrschenden Kultur nachgeben"; dies könne „zu moralischer und geistiger Korruption führen".
„Vermeiden wir die Wiederholung abgedroschener Slogans und Standardforderungen wie die Abschaffung des Zölibats, das Priestertum der Frauen, die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene oder die Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften", forderte Gadecki. Wenn man die Ergebnisse des „Synodalen Wegs" betrachte, könne man den Eindruck gewinnen, „dass die Grundlage der Reflexion nicht immer das Evangelium ist".

Papst-Erlass zur „Alten Messe" gilt nicht für Petrusbruderschaft

Die katholische Petrusbruderschaft ist nach eigener Aussage von der jüngsten Einschränkung des Papstes der Feier der sogenannten „Alten Messe" nicht betroffen. Dies habe Franziskus ihnen selbst gesagt, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Erklärung der Gemeinschaft. Der Erlass „Traditionis custodes" vom Juli 2021 betreffe nicht die Bruderschaft. Dort sei der Gebrauch der alten liturgischen Bücher Ursprung ihrer Existenz und in deren Konstitutionen vorgesehen.
Den Angaben zufolge hatte Franziskus am 4. Februar zwei Mitglieder der Gemeinschaft, den Oberen der Gemeinschaft in Frankreich, Benoit Paul-Joseph, sowie den Rektor des Seminars der Petrusbruderschaft im deutschen Wigratzbad, Vincent Ribeton, empfangen.
Bei dem knapp einstündigen Treffen habe sich der Papst „beeindruckt gezeigt" von dem Ansatz der Gründer, von ihrem Wunsch, dem Papst treu zu bleiben, und von ihrem Vertrauen in die Kirche. Laut Franziskus solle dies „bewahrt, geschützt und gefördert" werden, so die Mitteilung.
Die katholische Priesterbruderschaft St. Petrus (FSSP) wurde 1988 auf Initiative von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) gegründet. Sie war eine Reaktion auf das damals durch den traditionalistischen Erzbischof Marcel Lefebvre herbeigeführte Schisma mit der katholischen Kirche und sollte Gläubigen, die vor allem mit der Messe im außerordentlichen Ritus verbunden sind, eine Heimat bieten und sie in die katholische Kirche integrieren. Die Petrusbruderschaft steht im Unterschied zur lefebvreanischen Piusbruderschaft in voller Einheit mit der katholischen Kirche.
 

Streit um Bischofsamt Grund für Mordanschlag im Südsudan

Zehn Monate nach dem Mordversuch an dem designierten katholischen Bischof von Rumbek im Südsudan sind jetzt neue Details bekannt geworden. Auslöser für das Attentat auf den italienischen Priester Christian Carlassare dürfte ein langer Streit um das Bischofsamt von Rumbek gewesen sein. Einer der Tatverdächtigen habe selbst seit Jahren Ambitionen auf das kirchliche Amt gehabt. Derzeit findet der Prozess in der Hauptstadt Juba statt. 
Am 26. April 2021 waren Täter in die Schlafsäle der Geistlichen vor Ort eingebrochen und hatten mindestens dreimal auf Carlassare geschossen. Der 44-Jährige überlebte mit schweren Verletzungen an beiden Beinen. Kurz zuvor hatte Papst Franziskus den aus dem norditalienischen Schio stammenden Comboni-Missionar zum neuen Bischof von Rumbek ernannt. Das Amt war aufgrund eines internen Disputs seit 2011 vakant gewesen.
Berichten zufolge handelt es sich bei einem der mutmaßlichen Auftraggeber des Anschlags um einen Priester, der 2011 in der Diözese „Jugendliche mobilisiert" habe, mit dem Ziel, neuer Bischof zu werden. Das sagte ein Zeuge dieser Tage im Mordprozess in Juba aus. 

Kardinalsmutter Eleonore Schönborn im 102. Lebensjahr verstorben

Eleonore Schönborn, die Mutter von Kardinal Christoph Schönborn, ist am Freitagvormittag im 102. Lebensjahr verstorben. Sie sei im Vorarlberger Montafon „im Kreis der Familie friedlich entschlafen, gestärkt durch die heiligen Sakramente", teilte der Wiener Erzbischof gegenüber Kathpress mit.
Er selbst hatte die letzten Stunden seiner Mutter an deren Seite verbracht, die am 14. April 102 Jahre alt geworden wäre. Noch am Donnerstag habe sie die Messe spürbar geistig mitfeiern können.
Bewegte Lebensgeschichte
Am 100. Geburtstag Eleonore Schönborns hatte eine große Familienfeier - mit den Kindern Philipp (78, Fotograf), Christoph (77), Barbara (75) und Michael (68, Schauspieler), den Enkeln und 15 Urenkeln - wegen der Covid-Pandemie verschoben werden müssen. Zuletzt war ihre Gesundheit bereits stark beeinträchtigt: Die Bewegungsfähigkeit war stark eingeschränkt, sie war nahezu vollständig erblindet.
Bis ins hohe Alter war die Verstorbene hochaktiv gewesen: Die leidenschaftlich kartenspielende Jasserin saß auch nach ihrem 90er noch selbst hinter dem Steuer, sie erlernte entschlossen den Umgang mit E-Mail und Internet. Selbst vom Rollstuhl aus referierte Schönborn noch beim von ihr einst mitbegründeten Krankenpflegeverein Außermontafon über das Thema „Einsamkeit im Alter".
Einen „hellwachen Geist"…
… attestieren der Kardinalsmutter alle, die sie kennen. Und große Gelassenheit, die sie bei einem ausführlichen „Krone"-Interview vor zwei Jahren unter Beweis stellte: Der Erblindung verdanke sie, dass ihre Gebete „ehrlicher" geworden seien, dass sie nun endlich "in Ruhe über vieles nachdenken" und ihr Leben ordnen könne. Der Ausspruch „Wer an Gott glaubt, ist nie allein" des sieben Jahre und zwei Tage jüngeren Benedikt XIV. sei ihr oft eine große Stütze gewesen, teilte Schönborn mit; sie habe dieses Zitat oft gebraucht - wohl auch, um nachträglich die dunklen Zeiten der eigenen Vergangenheit zu verstehen.
Gutsherrin in Mähren mit jähem Ende
Ihre eigene Kindheit in Mähren beschrieb Eleonore Schönborn als „wundervoll". Eleonore Freiin von Doblhof, so ihr Geburtsname, wurde 1920 als jüngstes Kind einer u.a. in der Zuckerproduktion tätigen Adelsfamilie geboren und besuchte ein Internat für höhere Töchter. Ihr Vater starb früh nach Multipler Sklerose.
Sie selbst lernte rund um den 22. Geburtstag auf einer Cocktailparty den Maler Hugo-Damian Schönborn kennen, der schon beim dritten Treffen um ihre Hand anhielt. Sein Faible für moderne Kunst, Philosophie und Literatur faszinierte sie und ließ sie alle Vorbehalte der Verwandten überhören. Am 10. Mai 1942, mitten im Weltkrieg, wurde geheiratet.
Das Glück war jedoch nur von kurzer Dauer. Hugo-Damian, der wie viele Adelige eine NS-Offizierskarriere ausschlug und einfacher Gefreiter blieb, wurde an die Front nach Stalingrad einberufen, überlebte Stalingrad, desertierte später an der Westfront nach der Landung der Alliierten und lief zur britischen Armee über. Der Krieg trug ihm die Tuberkulose ein, an der er lebenslang laborierte. Eleonore, damals auf die Burg Skalka bei Leitmeritz übersiedelt, brachte inmitten der Wirren dieser Zeit im Jänner 1945 Christoph Schönborn zur Welt - neun Monate nach einem Fronturlaub ihres Gatten.
Kurz nach Kriegsende jener Moment, der für die damals 25-jährige Guts- und Schlossherrin alles veränderte: Der Dorfgendarm stand damals an der Türschwelle und teilte mit, die Familie müsse binnen einer Stunde das Land verlassen; die Benes-Dekrete in der neu entstandenen Tschechoslowakei sorgten für die Vertreibung aller Angehörigen der seit Jahrhunderten hier ansässigen deutschen und ungarischen Minderheit. Eleonore, mit zwei Kindern im Schlepptau, durfte nur das mitnehmen, was sie tragen konnte. Heimat, Heim, die beschützende Großfamilie und auch ihr Lebensplan - alles war mit einem Schlag zerstört.
Flucht, Scheidung, Neubeginn
Es folgte eine Odyssee - zunächst zu Verwandten nach Breiteneich bei Horn in Niederösterreich, dann zur älteren Schwester Eleonores in Graz, wo sie auch ihren Mann wieder traf, schließlich ab 1950 nach Schruns im Vorarlberger Montafon, wo sie Arbeit fand. Auch wenn während dieser Wanderzeit zwei weitere Kinder geboren wurden, sei es die „dunkelste Etappe" ihres Lebens gewesen, sagte Eleonore später und bezog sich dabei auf ihre Enttäuschung über die glücklose Ehe.
Das Paar ließ sich 1958 einvernehmlich scheiden. Bei ihren Kindern hinterließ die Trennung tiefe Spuren - Erfahrungen, die ihrem zweiten Sohn viel Einfühlungsvermögen verleihen sollten, als es bei der Familiensynode in Rom sechs Jahrzehnte später um Scheidungsfamilien ging.
Jetzt erst recht auf sich gestellt, verdiente Eleonore Schönborn den familiären Lebensunterhalt bei einer Textilfirma in Bludenz, wo sie 30 Jahre lang blieb und wegen ihrer Sprachkenntnisse rasch Chefsekretärin und später Vorarlbergs erste Prokuristin und Pressesprecherin wurde.
Sie baute das Haus ihrer Familie, brachte sich in Schruns im Pfarrgemeinderat und im Krankenpflegeverein ein.
Als erste weibliche Schrunser Gemeindevertreterin (1975–1985)…
… initiierte sie die Errichtung von Museen im Montafon, z. B. das Montafoner Heimatmuseum in Schruns. 1986 gründete sie zusammen mit einer Ordensschwester den Krankenpflegeverein Außermontafon.
Sie war hellhörig, als das Asylthema Österreich später erneut betraf: Plattformen, die sich gegen die Abschiebung von in Österreich integrierten Flüchtlingsfamilien einsetzten, fanden in ihr eine vehemente Unterstützerin. „Niemand geht freiwillig von zuhause weg", und: „auch ich war einmal Flüchtling", begründete sie dies glaubhaft aufgrund ihrer eigenen Vergangenheit.
Mutter des Kardinals
In internationale Schlagzeilen schaffte es die Kardinalsmutter kurz vor ihrem 93er: Ihr Sohn auf dem Stuhl des Wiener Erzbischofs wurde damals nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. als heißer Tipp für dessen Nachfolge gehandelt. Die ganze Familie hätte Angst davor, sollte dies wirklich eintreten, sagte sie, auch erachte sie Kardinal Christoph Schönborn als „viel zu gütig" für den Job und das Papstamt als zu große Belastung für ihn. Außerdem würde sie ihn dann wohl kaum mehr zu Gesicht bekommen, wie bis dahin zumindest noch bei ihren jährlichen Wien-Aufenthalten. Ihr Fazit war klar: „Das ist nichts für meinen Buben."
Christoph sei „immer ein sehr guter Sohn gewesen" und ihr stets sehr nahe gestanden, sagte die Mutter über den dann doch in Wien Verbliebenen. Der Erzbischof verwies in Predigten und Zeitungskolumnen oft auf sie. Eleonore Schönborn erinnere ihn beispielsweise stets daran zu lächeln – „dass die Mundwinkel oben bleiben, auch wenn einem gar nicht danach zumute ist". 
Foto: Erzdiözese Wien.