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die neue Kirchenzeitung

27. August 2022 

Nicht nur Laien sind verwirrt

Am 23. August hat der Vatikan vor einem falschen Verständnis von Laienämtern in der katholischen Kirche gewarnt. Die Berufung zu einem solchen Dienst dürfe nicht mit dem Amtspriestertum verwechselt werden, heißt es in einer aktuellen Papstbotschaft an einen Liturgiekongress im italienischen Salerno. So müsse man sich davor hüten, den Begriff der „Stellvertretung" willkürlich auszulegen, zu „klerikalisieren". Dies könne zu einer parallelen Dienststruktur innerhalb der Kirche führen. Stattdessen gehe es darum, bei Laien ein klareres Bewusstsein für ihre Berufung zu fördern, die sich in einer Vielzahl von Aufgaben und Diensten zeige.
Am 24. August hat Papst Franziskus eine Debatte über Ämter und Dienste in der katholischen Kirche angestoßen. Er wolle in den kommenden Monaten mit den Bischofskonferenzen in einen Dialog



treten, in dem es um regulär bestehende und außerordentliche Dienste in der Kirche, aber auch um „de facto" existierende Ämter geht, schreibt Franziskus in einem an diesem Tag  veröffentlichten – vorher nicht angekündigten - Brief an Geistliche und Laien. 
Papst Franziskus betont in seinem Brief die Komplexität des Themas. 
Er empfahl einen ausführlichen Debatten- und Unterscheidungsprozess, auch vor dem Hintergrund der aktuellen Weltsynode. Es dürfe keine Fixierung auf sofortige Ergebnisse geben, betonte er. Und keine Entscheidungen, die „ideologisch" begründet wären.
Ab 25. August: Debatten ohne Aussicht auf Entscheidungen? Man ist verwirrt.                                    P. Udo 

Moskau: Katholischer Abgeordneter wegen Verbreitung von Papst-Zitat vor Gericht

Gegen den katholischen Abgeordneten des Moskauer Gemeindeparlaments Konstantin Jankauskas (40) ist ein Verfahren wegen Diskreditierung der Armee eröffnet worden. Grund für die Anklage ist ein Post in den sozialen Medien vom 14. März, in dem Jankauskas ein Gebet für Frieden und ein Ende des Kriegs in der Ukraine von Papst Franziskus zitiert, wie der  „Nachrichtendienst Östliche Kirchen" (NÖK) in seiner aktuellen Ausgabe am Freitag berichtete. Er habe die Worte „für jeden Gläubigen, ja auch einfach für jeden Menschen so einfach und klar" gefunden, dass er die Rede als Ganzes zitiert habe, erklärte Jankauskas. Wie ein Gebet für Frieden und Leben „irgendjemanden diskreditieren kann", sei ihm nicht klar. Das sei "absurd" und ein "Versuch, weiß schwarz zu nennen".
In seinem Posting zitierte Jankauskas die Worte von Papst Franziskus vom 13. März, als dieser angesichts der heftigen Kämpfe um Mariupol dazu aufrief, die „inakzeptable bewaffnete Aggression" zu beenden, bevor sie „Städte in Friedhöfe verwandelt". Die Gerichtsverhandlung war für den 26. August im Bezirksgericht von Zjuzino, einem Moskauer Verwaltungsbezirk, angesetzt. Bis Ende Juli hat die russische Polizei über 3.300 Untersuchungen wegen der „Diskreditierung" der Armee eingeleitet. Dies ist in Russland seit dem 4. März strafbar.
Einer der Betroffenen ist auch der prominente Geistliche und Blogger Andrej Kurajev, bekannt für seine kritischen Äußerungen über die Kirchenleitung der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK). Ein Moskauer Bezirksgericht befand ihn der „Diskreditierung der russischen Streitkräfte" für schuldig und verurteilte ihn zu einer Buße von 30.000 Rubel. 
Foto: Facebook  Konstantin Jankauskas. 

Kyrill bleibt Religionskongress fern: Kein Treffen mit Papst

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. wird nicht am Weltreligionen-Kongress Mitte September in Kasachstan teilnehmen. Das hat der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Antonij (Sevrjuk), nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti (Mittwochabend) erklärt. Damit kommt es bei der interreligiösen Konferenz auch nicht zu einer Begegnung von Papst Franziskus mit dem russisch-orthodoxen Kirchenoberhaupt, über die seit Wochen spekuliert wurde. Der Papst reist von 13. bis 15. September nach Kasachstan, um am VII. Kongress der Führer von Welt- und traditionellen Religionen in Nur-Sultan teilzunehmen.

Nach Franziskus-Aussagen: Ukraine bestellt Papstbotschafter ein

Die jüngsten Äußerungen von Papst Franziskus zum Krieg in der Ukraine sorgen für Unmut in Kiew. Wie der US-Sender CNN berichtet, ließ die ukrainische Regierung nun den Papstbotschafter, Erzbischof Visvaldas Kulbokas, einbestellen. Für Ärger sorgten demnach vor allem die Einlassungen von Franziskus zum Mord an der Kreml-nahen Kriegsbefürworterin Darja Dugina. 
Der Papst hatte bei der Generalaudienz am Mittwoch im Vatikan zum Gebet aufgerufen „für das ukrainische Volk, das seit sechs Monaten den Schrecken des Krieges erleidet" und an die  vielen Gefangenen, Toten, Geflüchteten und Verletzten erinnert. Die Unschuldigen bezahlten für den auf beiden Seiten vorhandenen „Wahnsinn des Krieges", sagte Franziskus weiter und sprach auch von einer „armen jungen Frau, die in Moskau im Auto von einer Bombe in die Luft gejagt wurde".
Bereits unmittelbar nach der Ansprache reagierte Andrij Jurasch, ukrainischer Botschafter beim Heiligen Stuhl, empört: Die Kriegsbefürworterin Dugina sei kein unschuldiges Opfer, sagte der Diplomat am Mittwoch der Nachrichtenagentur Kathpress in Rom. Zudem habe der Papst die Kriegsparteien Ukraine und Russland mit seinen Ausführungen auf eine Stufe gestellt. Das sei „nicht angemessen". Nicht die Ukraine habe Russland angegriffen, sondern Tausende russische Soldaten hätten unschuldige ukrainische Zivilisten ermordet.

Bischof Rolando Alvarez von Polizei verhaftet
„Kirche in Not" ruft zur Solidarität mit Kirche in Nicaragua auf

Zur Solidarität mit der Kirche in Nicaragua ruft das katholische Hilfswerk "Kirche in Not" auf. Angesichts der Verhaftung von Bischof Rolando Alvarez und weiterer Repressalien gegen kirchliche Einrichtungen sei man "schwer besorgt" über die Lage in Nicaragua, heißt es in einer Aussendung des Hilfswerks am Freitag. "Die Situation ist kritisch, die Polarisierung groß und die Konfrontation stark. Nicaragua wird von einer Krise erschüttert, die vor mehr als vier Jahren ausgebrochen ist", sagte "Kirche in Not"-Projektdirektorin Regina Lynch. Sie appellierte, die Christen Nicaraguas zu unterstützen und für sie zu beten.
Die Festnahme von Bischof Alvarez am 19. August…
… sei eine „weitere Eskalation" des Konflikts gewesen. Er war bereits seit Anfang August in seinem Bischofshaus in Matagalpa unter Hausarrest gehalten worden. Nach Informationen von „Kirche in Not" befinde sich der Bischof aktuell bei Angehörigen in der Nähe der Hauptstadt Managua unter Polizeiarrest. Mit ihm wurden drei Priester, ein Diakon, zwei Priesteramtskandidaten und ein Kameramann verhaftet. Sie sitzen laut dem internationalen Hilfswerk aktuell im Gefängnis „El Chipote" in Managua, in dem vorrangig politische Gefangene untergebracht sind.
Bischof Alvarez ist eine der bekanntesten Stimmen, die die soziale und politische Krise in Nicaragua anprangern und war Mitte Mai aus Protest gegen die politischen Repressionen gegen die Kirche zeitweilig in Hungerstreik getreten. Das Vorgehen gegen den Bischof sei ein weiterer Schritt in einer Spirale der Konfrontation, stellte Lynch fest: „Wir erleben derzeit einen Prozess, der die Kirche in Nicaragua zum Schweigen bringen will."
Ein von der Bischofskonferenz des Landes betriebener Fernsehsender…
… und acht kirchliche Radiostationen wurden geschlossen, die "Beobachtungsstelle für Transparenz und Korruptionsbekämpfung" registrierte seit 2018 rund 200 Übergriffe auf kirchliches Eigentum und Personal. Augenzeugen berichten laut "Kirche in Not" zudem von Brandstiftungen in Kirchen, Störungen von Gottesdiensten und Einschüchterungen von Gläubigen durch Polizeikontrollen im Umfeld der Kirchen. Es würden auch Inhaber von Bus- und Taxiunternehmen bedroht, die Menschen zur Messe bringen.
„Kirche in Not" habe bereits in dem Bericht "Religionsfreiheit weltweit 2021" auf die schwierige Situation für die Kirche in Nicaragua aufmerksam gemacht. Zur Unterstützung der Arbeit der Kirche in Nicaragua bittet die Organisation um Spenden (IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600, Verwendungszweck: Nicaragua; oder online: www.kircheinnot.at)
Nicaraguas Machthaber schweigt zu Dialog-Angebot des Papstes
Nicaraguas Machthaber Daniel Ortega hat auch drei Tage nach dem Aufruf von Papst Franziskus zu einem Dialog über die heikle Menschenrechtslage in dem Land nicht reagiert. Wie das Portal "Confidencial Digital" (Mittwoch Ortszeit) berichtete, deutet dies nach Einschätzung lokaler Beobachter darauf hin, dass Ortega schlicht kein Interesse an einer Verständigung habe. Er selbst ist seit Mitte August nicht mehr öffentlich aufgetreten, auch seine Frau und Vizepräsidentin Rosario Murillo äußerte sich trotz täglicher Radioansprachen nicht zum päpstlichen Angebot.
Foto: Bischof Álvarez in einer zerstörten karitativen Einrichtung seiner Diözese Matagalpa. © KIRCHE IN NOT
 

In China führen zwei vom Papst bestätigte Bischöfe die Kirche

Der „10. Nationalkongress des Katholizismus in China" hat sich auf seiner Fünf-Jahres-Konferenz auf die "sozialistischen Prinzipien der Kommunistischen Partei Chinas" verpflichtet. Die Delegierten hätten den Arbeitsbericht des „9. Ständigen Ausschusses über die Bemühungen und Aktivitäten der Kirche zur Förderung von Patriotismus, Sozialismus und Sinisierung in der katholischen Kirche" auf Grundlage der Vorgaben von Präsident Xi Jinping einstimmig angenommen, berichtete der asiatische Pressedienst „Ucanews.
An dem dreitägigen Kongress in der Großstadt Wuhan nahmen demnach etwa 345 katholische Bischöfe, Geistliche und Ordensleute sowohl der „Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung" (CCPA) als auch der „Bischofskonferenz der Katholischen Kirche in China" (BCCCC) teil. Die Delegierten wählten den Angaben zufolge Erzbischof Joseph Li Shan von Peking zum neuen Vorsitzenden der CCPA und Bischof Joseph Shen Bin von Haimen zum neuen Vorsitzenden der BCCCC. Beide sind vom Papst offiziell anerkannte Bischöfe.
Die neuen Führungspersönlichkeiten hätten sich in einer Erklärung verpflichtet, Priester, Ordensleute und Laien im ganzen Land für die pastorale Evangelisierung und die weitere Förderung der Sinisierung für „Wahrheit, Pragmatismus und Inspiration" zu engagieren.
Chinas Präsident Xi Jinping hatte im Dezember auf der "Nationalen Religionskonferenz" die "strikte Umsetzung marxistischer Politik", eine verschärfte Überwachung der Aktivitäten der Religionen im Internet sowie die Kontrolle der Religionen zur Sicherung der nationalen Sicherheit angekündigt. 

„Brutaler Arbeitsmarkt": Kirche hilft 100.000 katholischen Arbeitsmigranten in Israel

An die 100.000 römisch-katholische Arbeitsmigranten und Asylsuchende leben in Israel. Seit knapp einem Jahr ist Pater Nikodemus Schnabel als Patriarchalvikar des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem für diese Bevölkerungsgruppe zuständig. Gegenüber Radio Vatikan berichtete der Ordensmann am Wochenende über den teils „brutalen Arbeitsmarkt" und die menschenrechtlich bedenklichen Umstände, in denen sich viele dieser Menschen befinden. Ein Schwerpunkt der Arbeit des Geistlichen liegt u.a. darin, schwangere Migrantinnen bzw. Mütter und ihre Kinder zu unterstützen. Vom Glauben der Menschen zeigte sich der Benediktiner beeindruckt: „Der Glaube der Migranten beschämt mich, den Priester", so P. Schnabel wörtlich.
Die Zahl der 100.000 (römischen) Katholiken sei geschätzt, so Schnabel. Amtliche Zahlen gebe es nicht, „denn viele der Arbeitsmigrantinnen und -migranten - aber eigentlich vor allem Migrantinnen, 90 Prozent sind Frauen - sind eben auch mit abgelaufenen Visa da oder völlig illegal, oder sie sind als Touristen gekommen und sind dann ,gejumpt´, wie man das fachsprachlich sagt: also abgesprungen von der Pilgergruppe und dann in den illegalen Arbeitsmarkt gegangen."
Aus Asien, Afrika, Europa und Lateinamerika
Die Gemeinde sei bunt: „Wir reden hier von Filipinos, Sri Lankern, Indern, Chinesen, Ukrainern, Polen, Rumänen, Englisch- und Französischsprachigen aus Afrika und Lateinamerika. Wir haben Konkani-sprachige Inder, Gujarati-sprachige und Malayalam-sprachige Inder, singhalesische Srilanker, die Filipinos, die entweder auf Englisch oder auf Tagalog feiern", erzählte der Benediktiner: „Die Afrikaner haben sich zusammengetan, ob englisch- oder französischsprachig, die Lateinamerikaner feiern auf Spanisch und die Chinesen auf Mandarin."
Pater Nikodemus unterschied im Radio Vatikan-Interview zwischen einer kleinen, schrumpfenden, und einer großen und wachsenden Gruppe seiner Gemeinde. In der kleinen Gruppe seien Eritreer und Äthiopier. „Das sind wirklich die, die vor Terror und Krieg geflohen sind." Diese Asylsuchenden hofften darauf, „dass sie eigentlich weiterziehen dürfen. Momentan ist das Paradies Kanada. Diese Gruppe schrumpft."
Im Wachsen sei hingegen die Gruppe der Arbeitsmigrantinnen und -migranten im Heiligen Land: Menschen, die ein gesichertes Leben suchten, die sich wünschten, dass ihre Kinder zur Schule gehen und etwas lernen können. Das seien Schicksale, die dem deutschen Ordensmann sehr nahe gehen, wie er sagte: „Wir haben sehr oft den Fall: Eine Mutter lässt ihre Kinder und ihren Mann daheim, oft ist auch der Mann in einem anderen Land, und die Großeltern ziehen die Kinder groß. Und die sehen dann durchaus mal fünf Jahre ihre Kinder nicht, sondern nur über Skype und Zoom." Diese Migranten seien in drei Feldern beschäftigt, so P. Schnabel: die Frauen in Haushalten oder in der Landwirtschaft, die Männer auf dem Bau.
Viele dieser Menschen würden ihre „Karriere" in Israel legal beginnen. „Es gibt Verträge zwischen Israel und Sri Lanka, Israel und Indien, Israel und den Philippinen", erläuterte der Patriarchalvikar. Aber: „Die Arbeitsbedingungen sind prekär. Das heißt, wenn es mit dem Arbeitgeber nicht klappt, und ich möchte nur das Stichwort häusliche Gewalt andeuten, sexuelle Ausbeutung und viele andere Abgründe, die man auch gar nicht in Europa so genau wissen will, dann gehen diese Menschen in die Illegalität und arbeiten halt weiter, wohnen dann oft mit 20 oder 25 Leuten in einem Wohnraum, einem Apartment und putzen dann häufig." Das sei das klassische Arbeitsfeld der Illegalen.
„Wer heiratet, wird automatisch illegal"
Noch prekärer würden die Verhältnisse dieser Menschen durch den Umstand, dass sie nicht heiraten können. Einen Ehemann oder eine Frau oder Kinder zu haben, sei ihnen de facto verwehrt, so Schnabel, denn: „Wer heiratet, wird automatisch illegal. Und meine Frauen dürfen keine Kinder gebären. Geburt bedeutet auch Illegalität. Das heißt also, Schwangerschaftskonflikte sind mein tägliches Brot in der Seelsorge. Selbstmordgedanken dieser alleinerziehenden Frauen ist mein tägliches Brot in der Seelsorge", so der Ordensmann. Und er fügte hinzu: „Man kann erahnen, diese Frauen werden oft auch nicht unbedingt freiwillig schwanger in einer Liebesbeziehung."
Wenn aber Christen kompromisslos „Ja" zum Leben sagen, dann habe das praktische Folgen für die Nächstenliebe, zeigte sich Schnabel überzeugt. Die werdenden Mütter bräuchten jeden möglichen Schutz und Beistand. Deshalb hat Schnabel zusammen mit Ordensfrauen mehrere Dutzend Kinderkrippen für diese Migrantinnen im Heiligen Land gegründet. Einige der Mütter seien dort sogar angestellt, „herausgenommen aus dem brutalen Arbeitsmarkt", wie der Benediktiner sagte, und so könnten sie sich um ihre eigenen und um die Kinder anderer Frauen in ähnlicher Lage kümmern.
Auch ein Kinderheim betreibt der Migrantenseelsorger. Es heißt „Schutzengel-Haus".       P. Schnabel: „Den Vater gibt es nicht und die Mutter ist dermaßen überfordert vom eigenen Leben, vom Überlebenskampf, dass wir die Kinder aufnehmen und die auch bei uns übernachten, sie versorgen, also 24 Stunden für sie da sind. Das sind Kinder, die auch psychologische und soziale Betreuung brauchen."
Intensives Glaubensleben
Beeindruckt zeigte sich P. Schnabel vom Glauben der Migranten: „Mit welcher Intensität sie ihren Glauben leben: Wirklich, das berührt mich zutiefst. Wenn ich da am Altar stehe und sehe: Das sind die modernen Sklaven unserer Zeit, die wirklich marginalisiert und diskriminiert werden: Mit welcher Freude und welcher Intensität sie Gottesdienst mitfeiern.  Und dann stehe ich da am Altar und kämpfe eigentlich immer noch bei jedem Gottesdienst mit den Tränen, und denke, ich stehe hier als Priester, als Mönch, als promovierter Theologe, ich bin so privilegiert - aber diese Menschen sind näher an Gott als ich es bin."
Schnabel berichtete etwa von Dutzenden digitaler Gebetsgruppen nachts um elf oder um Mitternacht. - Digital, nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus schierer Sehnsucht. „Das wird auch alles gestreamt. Es ist ganz normal, dass ein Gottesdienst sofort auf YouTube live geht oder Facebook oder Instagram. Die Digitalität ist für sie ein Segen, aber aus einer Sehnsucht heraus, dass diese Menschen darunter leiden, dass sie nicht täglich zur Eucharistiefeier gehen können, und, noch schlimmer, nicht einmal am Sonntag", berichtete der Pater. Es gebe eine „unfassbare Sehnsucht", den Glauben zu leben. Schnabel: „Die Inder zum Beispiel haben auch ganz viele Bibelprogramme, damit sie die Bibel besser kennenlernen können. Und wenn ich predige, bin ich immer wieder überrascht, wenn ich da die Bibel zitiere, die rufen mir die Bibelstelle rein!"
Sondergruppe gläubige Chinesen
Eine ganz besondere Gemeinschaft von Migranten im Heiligen Land seien die chinesischen Bauarbeiter. Eine sozusagen „geheime" Gruppe, so Schnabel: „Diese Gemeinschaft hat nicht Angst vor Israel, dass sie abgeschoben werden, sie sind alle legal da, als Bauarbeiter, aber sie praktizieren ihren Glauben im Untergrund. Es ist meine einzige Gruppe, die wirklich nur aus Männern besteht. Bei allen anderen gibt es einen Frauenüberhang von 90 Prozent, die Chinesen sind da eine Sonderform."
Diese würden sich heimlich treffen und die Bibel studieren, Gottesdienste feiern und sich gegenseitig missionieren. „Es ist tatsächlich eine der Gruppen, wo ich regelmäßig Erwachsenentaufen habe", so Schnabel: „Da werde ich sehr, sehr demütig und denke: Die besseren Missionare sind die Bauarbeiter untereinander, und ich als Theologe kann von denen lernen."
Foto: Vaticannews.

Wien: Caritas stellt Schulstartaktion gegen Teuerungen vor

Dem Schulstart am 5. September in Wien blicken viele Eltern neben der Freude und Aufregung auch mit Sorge angesichts der Teuerung entgegen. Ein Schulstartpaket kostet bis zu 300 Euro, was für viele eine „enorme finanzielle Belastung" sei, wie Klaus Schwertner, gf. Direktor der Caritas der Erzdiözese Wien, am Dienstag im Caritas-Laden (Carla) Mittersteig zum Auftakt der Caritas-Schulstartaktion feststellte.
In diesen Kosten einberechnet seien noch keine Wander- oder Projekttage. 2.000 Schülerinnen und Schüler werden laut Schwertner derzeit österreichweit in 62 Lerncafés kostenlos mit Nachhilfe unterstützt. Das sei dank Spenden und dem Einsatz von 960 Freiwilligen möglich, unter ihnen die beim Medientermin anwesende Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi.
Einmal mehr mahnte er, nicht auf die von Armut Betroffenen zu vergessen. Schwertner forderte von der Bundesregierung, die Sozialhilfe rasch und grundlegend zu reformieren. Deren Höhe sei zu gering und liege deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle. Deshalb braucht es aus Sicht der Caritas eine deutliche Erhöhung auf ein armutsfestes Niveau, bundesweit einheitliche Kinderrichtsätze und eine Übernahme der tatsächlichen Wohnkosten.
Rund 368.000 Kinder und Jugendliche sind laut aktueller EU-SILC-Erhebung in Österreich armutsgefährdet. In Wien ist beinahe jedes vierte Kind von Armut betroffen. In den Sozialberatungsstellen der Caritas seien die Folgen spürbar. Aktuell sei ein deutlicher Anstieg der Hilfeansuchen wahrzunehmen. „Die Krise macht jene noch ärmer, die es vorher schon waren, darunter beunruhigend viele Kinder und Jugendliche", erzählte Schwertner.
Ungleichheiten haben „besorgniserregenden Einfluss"
Unterstützung gab es von Barbara Coudenhove-Kalergi, die als Freiwillige der Caritas Nachhilfe an einer „Brennpunktschule" leistet: Wenn die Ungleichheiten im Bildungssystem zunehmen, habe das auch einen „besorgniserregenden Einfluss" auf die Chancen im weiteren Leben der betroffenen Kinder. „Wir sollten uns mit Kinderarmut nicht abfinden und müssen jedes Kind auf die Bildungsreise mitnehmen!", betonte die Publizistin. Sie sehe jeden Tag, dass es für die Eltern erleichternd ist, wenn sie Schulmaterial und Nachhilfe nicht bezahlen müssen. Wichtig sei es aber auch für das Selbstwertgefühl und den Optimismus der Kinder, wenn sie zu Schulbeginn etwas Neues herzeigen können, berichtete sie gegenüber Kathpress.

Schwertner: „Es braucht einen Rettungsschirm gegen die Armut"

Angesichts der aktuellen Teuerung fordert die Caritas einmal mehr strukturelle Änderungen bei der bundesweiten Hilfe. „In der Corona-Krise sind sehr große Beträge in die Hand genommen worden, um die Wirtschaft rasch zu stützen, jetzt geht es darum, einen Rettungsschirm gegen Armut zu spannen", appellierte Klaus Schwertner, geschäftsführender Caritasdirektor der Erzdiözese Wien in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag" an die Politik. 
Die Inflation mache mittlerweile auch der Hilfsorganisation selbst zu schaffen. Erstmals könne die Wiener Caritas nicht mehr alle Hilfe suchenden Menschen mit Essen versorgen. "15 Tonnen Lebensmittel pro Woche geben wir normalerweise aus, jetzt liegen wir bei 27. Zudem gehen die Lebensmittelspenden zurück, die Nachfrage steigt", erläuterte Schwertner die Problematik. Auslöser sei der Krieg in der Ukraine, der die Preise spürbar steigen lässt, besonders bei den Energiekosten und Lebensmittelpreisen. Stark betroffen sind alleinerziehende Frauen und Menschen mit einer Mindestpension. „Sie schämen sich und warten oft zu lange, bis sie um Hilfe ansuchen", so Schwertner.
Foto: Kathpress/Michaela Greil.
 

Deutsche Diözese versetzte verurteilte Priester in Spitalsseelsorge

Unter der Leitung des Trierer Bischofs Stephan Ackermann sind bis vor wenigen Jahren mehrere wegen Sexualstraftaten verurteilte Priester in der Krankenhausseelsorge eingesetzt worden. Eine Sprecherin der Diözese Trier bestätigte am Mittwoch auf Anfrage der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) entsprechende Recherchen der „Zeit"-Beilage „Christ und Welt".
Demnach hat es sich in einigen Fällen um Kliniken mit Kinderstation gehandelt, wobei die Verantwortlichen nicht immer über die Vergangenheit der Geistlichen informiert worden seien. Durch Recherchen belegt sind laut der Zeitung vier Fälle, in denen Priester in Krankenhäusern arbeiten durften, obwohl sie wegen sexuellen Missbrauchs oder des Besitzes von Kinderpornografie verurteilt worden waren.
In Trier wird am 29. August der Zwischenbericht einer Unabhängigen Aufarbeitungskommission zu sexualisierter Gewalt und Missbrauch und zum kirchlichen Umgang damit vorgestellt. Ob die recherchierten Fälle darin aufgeführt sind, habe die Kommission auf Nachfrage nicht mitteilen wollen, so die Zeitung. Ackermann ist noch bis September Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz. Seit 2009 ist er Bischof von Trier.
In zwei der vier Fälle handelt es sich dem Zeitungsbericht zufolge um Priester aus dem Saarland, bei denen Ermittler 2007 in einer Razzia jeweils mehr als 100 kinderpornografische Bilddateien sichergestellt hätten. "Wenige Monate nach ihrer Verurteilung wegen des Besitzes von Kinderpornografie 2008 und 2009 setzte das Bistum sie in Kliniken ein", hieß es weiter: "Der eine verlor die Position 2012, nachdem das Krankenhaus von seiner Verurteilung erfuhr. Der zweite wurde nach zehn Jahren als Klinikseelsorger 2021 in den Ruhestand geschickt."
Ein weiterer Priester, der Mitte der 1990er Jahre zu einer Bewährungsstrafe wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden war, sei ebenfalls 15 Jahre lang in Kliniken eingesetzt worden. Ein vierter im Jahr 1994 wegen Missbrauchs von Kindern verurteilter Priester arbeitete demnach als Hausgeistlicher in Krankenhäusern. 2012 habe er sich selbst angezeigt.
Woelki wegen Umgangs mit Missbrauchshinweisen weiter in der Kritik
Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki steht weiter in der Kritik wegen seines Umgangs mit Missbrauchshinweisen. Konkret geht es um eine Liste aus dem Jahr 2015 mit den Namen von Priestern, denen sexuelle Gewalt vorgeworfen wurde. Diese Aufstellung sei geschreddert worden, nachdem der Kardinal sie durchgesehen habe, teilte die Erzdiözese Köln am Mittwoch der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit. Dieser Schritt sei aus Datenschutzgründen erfolgt.
„Kardinal Woelki hat keine Erinnerung daran, welche Namen überhaupt auf der vor mehr als sieben Jahren eingesehenen Liste standen", hieß es weiter: „Er weiß auch nicht, ob die Liste hinsichtlich der Priester, denen Missbrauch vorgeworfen wurde, vollständig war." 

Kurznachrichten

Papst Franziskus spricht am 4. September in einer feierlichen Messe auf dem Petersplatz den als „33-Tage-Papst" in die Kirchengeschichte eingegangenen Johannes Paul I. (Albino Luciani) selig. 

 

Papst Franziskus hat dazu aufgefordert, in der Kirche mit alten Mustern zu brechen. Die Kirche sei keine Stätte von Ruhe und Innehalten, erklärte er am Donnerstag vor Mitgliedern von Säkularinstituten im Vatikan. Um Menschen zu erreichen, müssten "Gewohnheiten aus den Angeln gehoben werden", die niemanden mehr ansprechen. 

 

Vatikan. Die erste Phase der von Papst Franziskus ausgerufenen Weltsynode der Katholischen Kirche ist weitgehend abgeschlossen. Insgesamt hat das zuständige Synodensekretariat bisher von mehr als 100 der 114 nationalen Bischofskonferenzen Rückmeldungen zu der Synodenumfrage erhalten.

 

Vatikan. Der kanadische Kurienkardinal Marc Ouellet bestreitet sexuelle Übergriffe gegenüber einer Frau. Die gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen seien „falsch". Der 78-Jährige kündigte an, sich an einer möglichen zivilrechtlichen Untersuchung „aktiv" beteiligen zu wollen, „damit die Wahrheit ermittelt und meine Unschuld anerkannt wird".

 

Ungarns Präsidentin Katalin Novak ist von Papst Franziskus empfangen worden. Es war die erste Privataudienz für die 44-Jährige, die im Mai ihr Amt als Staatsoberhaupt angetreten hatte. 

 

Philippinen. Katholische Ordensfrauen weisen Vorwürfe des Justizministeriums wegen „Terrorfinanzierung" entschieden zurück. Die erhobene Anklage sei eine „Dämonisierung" ihrer Arbeit. Die Beschuldigungen seien Teil der Repression der Regierung, um Kritiker mundtot zu machen.

 

Kuba. Die katholische Kirche sieht die Beziehungen zur Regierung von Präsident Miguel Diaz-Canel in einer Sackgasse. „Wir stecken derzeit fest", sagte der Erzbischof von Havanna, Kardinal Juan de la Caridad Garcia.

 

In Pakistan werden immer mehr junge Frauen und Mädchen aus religiösen Minderheiten entführt und zur Heirat sowie Konversion zum Islam gezwungen. Davor warnt die Organisation „Kirche in Not" unter Berufung auf Angaben des unabhängigen pakistanischen "Zentrums für soziale Gerechtigkeit". 

 

Sudan. Die Organisation „Christian Solidarity Worldwide" (CSW) ist besorgt über die Lage der Christen im Sudan. Der Militärputsch im vergangenen Jahr habe religiöse Reformen zunichte gemacht und eine Islamisierung der Behörden vorangetrieben.

 

Nigeria. Vier im Südosten Nigerias entführte katholische Ordensfrauen der „Sisters of Jesus the Saviour" (SJS) sind nach einigen Tagen wieder freigelassen worden.

Somalia. Nach Ansicht des Apostolischen Administrators von Mogadischu, Giorgio Bertin (75), könnten Somalias verfolgte Christen vom jüngsten Regierungswechsel profitieren: „Es herrscht eine gewisse Offenheit seitens der neuen Behörden".

 

Kosovo. Auf die nach wie vor große Armut im Kosovo hat der frühere langjährige Geschäftsführer der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz, Heinz Hödl, aufmerksam gemacht. 46 Prozent der Einwohner würden unterhalb der Armutsgrenze leben, die bei einem Einkommen von 1,37 Euro pro Tag liegt. 

 

Peru. Inmitten der anhaltenden Regierungskrise in Peru haben sich die katholischen Bischöfe des Landes mit einem Brandbrief zu Wort gemeldet. Sie beklagen ein „alarmierendes Ausmaß an politischem, sozialem, wirtschaftlichem und moralischem Verfall". Es drohten eine Spaltung der Gesellschaft und „unkontrollierbare Gewalt".


Österreich



In Österreich hat die Zahl der Geistlichen in der Griechisch-orthodoxen Kirche mit einer Priesterweihe am 15. August einen neuen Höchststand erreicht: 17 Priester und 2 Diakone. Die Zahl der Gläubigen in Österreich wird auf bis zu 35.000 geschätzt. 

 

Österreich. Die christlichen Kirchen machen ab 1. September wieder auf die Dringlichkeit der Bewahrung der Schöpfung aufmerksam. Bis zum 4. Oktober, dem Fest des Heiligen Franziskus und offiziellen Ende der fünfwöchigen „Schöpfungszeit", finden österreichweit themenbezogene Veranstaltungen und Gottesdienste statt. 

 

Wien. Kardinal Christoph Schönborn hat am Mittwoch die jüngsten Gewaltakte gegen eine Fahne der jüdischen Glaubensgemeinschaft in der Seestadt und auf verschiedene Moscheen in Wien verurteilt. 

 

Niederösterreich. Im Stift Herzogenburg starteten am Freitag wieder die Niederösterreichischen Kindersommerspiele (NÖKISS), bei denen das 50-Jahr-Jubiläum gefeiert wird. Von 26. bis 28. August und von 2. bis 4. September ist das Chorherrenstift wieder ganz in den Händen der Kinder. 

 

Steiermark. Die Krankenhäuser der Elisabethinen und der Barmherzigen Brüder in Graz machen einen weiteren Schritt hin zu ihrer Spitalskooperation „Ordenskrankenhaus Graz-Mitte". Bis 2025 soll ein konservativer Schwerpunkt bei den Elisabethinen am Standort I (Elisabethinergasse 14) entstehen, wofür dort mit September eine auf drei Jahre angesetzte bauliche Adaptierung beginnt. 

 

Tirol. Mit einer vom Salzburger Weihbischof Hansjörg Hofer zelebrierten Festmesse ist am 21. August der traditionelle „Tirol-Tag" beim Forum Alpbach eröffnet worden. Die internationale Konferenz zu den Themen Klima, Sicherheit, Finanzen und Demokratie dauert bis 2. September.

Neuer Chefredakteur für christliche Zeitschrift „Publik-Forum"

Matthias Drobinski (58) wird Chefredakteur der christlichen Zeitschrift „Publik-Forum". Er tritt am 1. September die Nachfolge von Alexander Schwabe an, der vier Jahre lang die Zeitschrift mit mehr als 35.000 Abonnentinnen und Abonnenten verantwortlich geleitet hat. Schwabe bleibe dem Blatt als Autor erhalten.
Drobinski war seit Mai 2021 Chefreporter von "Publik-Forum". Davor war er 24 Jahre lang bei der „Süddeutschen Zeitung" in München vor allem für die Themen Religion und Kirchen zuständig. 1993 bis 1995 war er nach der Ausbildung an der Hamburger Journalistenschule schon einmal Redakteur bei „Publik-Forum" gewesen.
„Publik-Forum" wurde 1972 durch eine Leserinitiative gegründet, nachdem die Deutsche Bischofskonferenz die von ihr finanzierte Wochenzeitung „Publik" einstellte, die für die Öffnung der katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) stand. Heute versteht sich die Zeitschrift, die alle 14 Tage erscheint, als ökumenisch.

Auch das noch...

Angeklagter Kardinal Becciu erhält offenbar Kardinalsrechte zurück

Der angeklagte und vom Papst als Kurienkardinal abgesetzte Giovanni Angelo Becciu (74) erhält nach eigener Aussage seine mit der Kardinalswürde verbundenen Rechte zurück. Franziskus habe ihm telefonisch mitgeteilt, dass er seine Aufgaben als Kardinal wieder übernehmen könne, erklärte Becciu laut der Zeitung „La Nuova" während einer Messe im sardischen Golfo Aranci am Sonntag. Weiter habe ihn der Papst um seine Teilnahme an der kommenden großen Kardinalsversammlung im Vatikan gebeten.
Der Vatikan bestätigte das Gespräch zwischen Papst und Becciu bislang nicht. Der Kardinal selbst sagte der Nachrichtenagentur ANSA , er sei „sehr bewegt von dieser Geste des Papstes" und bekräftigte seine tiefe Verbundenheit mit Franziskus.
2020 hatte Papst Franziskus den italienischen Kurienkardinal vom Amt als Präfekt der Heiligsprechungskongregation entbunden. Weiter nahm er den Verzicht Beccius auf alle Rechte und Privilegien seiner Kardinalswürde an. Becciu hätte somit auch nicht mehr an einer Papstwahl teilnehmen können.
Anlass für die ungewöhnliche Maßnahme des Papstes waren Beccius mutmaßliche Verwicklungen in einen vatikanischen Finanzskandal.
 

Patriarch Bartholomaios I.: „Ein Verbrechen gegen die Natur ist eines gegen uns selbst"

„Der Kampf für die Bewahrung der Schöpfung ist eine zentrale Dimension des christlichen Glaubens. Der Respekt vor der Umwelt ist die tätige Verherrlichung des Namens Gottes, während die Zerstörung der Schöpfung eine Beleidigung des Schöpfers darstellt." Das schreibt der orthodoxe Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I. Seit seinem Amtsantritt 1991 setzt sich der Patriarch (82) mit ungeheurer Beharrlichkeit und Vehemenz für ökologische Belange ein. Dieses Engagement hat ihm schon Mitte der 1990er-Jahre die Bezeichnung „Grüner Patriarch" eingebracht.
Mit seinen vielen Appellen, Initiativen, Erklärungen und seinem gelebten Beispiel hat er weit über die orthodoxen Kirchen hinaus viele Christen zum verstärkten ökologischen Engagement bewegen können. Auch Papst Franziskus hebt immer wieder die Vorbildfunktion des Patriarchen hervor, etwa in seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato si" aus dem Jahr 2015.
Die Zerstörung der Umwelt und die existenzielle Bedrohung des Lebens durch den Klimawandel sind für den Patriarchen Folgen einer spirituellen Krise. Bartholomaios spricht vom "Allmachtskomplex" des modernen "Menschengottes". Der Patriarch hat auch schon sehr früh betont, dass die Sorge für den Schutz der Bewahrung der Schöpfung und der Einsatz für soziale Gerechtigkeit untrennbar miteinander verbunden sind.

Kardinal Bo sieht Kirche in Asien „an Gabelung der Geschichte"

Die katholische Kirche in Asien steht an einer Gabelung der Geschichte angesichts von Armut, Klimawandel, politischen Konflikten, Unstimmigkeiten und wirtschaftlichem Zusammenbruch. Das sagte Kardinal Charles Bo, Vorsitzender der Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen (FABC), nach Angaben von „Vatican News" und des asiatischen katholischen Pressediensts „Ucanews" zum Auftakt der diesjährigen Feiern zum 50-Jahr-Jubiläum der Föderation.
Kardinal Bo sagte laut „Vatican News", dass das Christentum in den asiatischen Nationen eine wichtige Rolle spiele und die Länder in den Bereichen Bildung, Gesundheit und menschliche Entwicklung wirtschaftlich und politisch selbstbewusster würden. „Die Kirche ist in Asien und Afrika sehr lebendig, und es gibt immer mehr Berufungen". Das sei „eine große Chance und Herausforderung". Dieses Jahrhundert könnte das „asiatische christliche Jahrhundert" werden.
Zugleich stehe die Kirche vor der Frage, wie sie „Prophetin des Friedens in einer zunehmend ängstlichen Welt" werden könne. Bo verwies auf Papst Franziskus, der immer dazu ermutigt, jede Herausforderung als Chance zu sehen. „Die Kirche hat unter dem jetzigen Papst proaktiv Veränderungen eingeleitet", sagte er. Drei Schreiben von Franziskus hätten der Kirche in Asien und der Welt einen Fahrplan für die richtigen Beziehungen gegeben: „Evangelii gaudium leitete uns in unserer Beziehung zu Gott, Laudato si zeichnete einen Kurs in unserer Beziehung zu Gottes Schöpfung und Fratelli tutti erleuchtet uns in der Beziehung zueinander".
 

Indischer Bischof wird Eremit

Der indische Weihbischof Jacob Muricken (59) erfüllt sich einen lang gehegten Wunsch und wird Eremit. Wie der asiatische katholische Pressedienst „Ucanews" berichtete, stellt der Geistliche aus der Diözese Palai sein Amt zur Verfügung, um das restliche Leben in Isolation und Gebet zu verbringen. Er habe diese Entscheidung mit Zustimmung der Synode der syro-malabarischen Kirche getroffen, hieß es. Den Bischofstitel werde er behalten.
In einem Interview gab Muricken zu Protokoll, er folge einer göttlichen Eingebung. Der Geistliche aus der mit Rom unierten Ostkirche hatte bereits 2016 landesweit für Schlagzeilen gesorgt, als er einem kranken Hindu eine Niere spendete. Seine Residenz hat Muricken den Angaben zufolge bereits verlassen, um sich in eine Einsiedelei in der Diözese Kanjirapally zurückzuziehen. Die Einsamkeit „werde dazu beitragen, die katholische Kirche und die Menschen auf der ganzen Welt zu verändern", wurde der Bischof zitiert. 

Vor fünf Jahren wieder zur Kirche zurückgekehrt
Wiener Rapper präsentiert Video auf Stephansdom-Dachboden

Der 35-jährige Rapper Philipp Michalitsch alias „Freeman" präsentierte am Mittwochabend (24. August) sein neues Musikvideo auf dem Dachboden des Wiener Stephansdoms. Die Auswahl dieses besonderen Orts ist dabei nicht zufällig getroffen worden: Michalitsch fand vor fünf Jahren zum Glauben zurück. „Dass jemand wie ich von dort, wo ich war, in die Kirche findet, ist ein absolutes Wunder", sagte er gegenüber der Tageszeitung „Presse" (24. August).
Michalitsch hat Unternehmensführung studiert, ist ausgebildeter Qigong-Trainer und seit gut 20 Jahren Rapper. Seinen Stil nennt er selbst „Free Urban Pop". In den Stephansdom habe er während der Corona-Pandemie im Sommer 2020 gefunden, als er mit Freunden am Donaukanal regelmäßig Musik machte. Unter den Vorbeikommenden war auch der Domorganist des Stephansdoms, Konstantin Reymaier. Dieser habe gescherzt, der Rapper solle einen Track mit Orgelmusik aufnehmen.
Aus dem Witz wurde eine Kooperation: Zu Pfingsten 2021 erschien ein Cross-over-Video rund um Billi Thanners Kunstprojekt „Himmelsleiter" - mit Reymaier an der Orgel, Michalitsch als Rapper und Mischa Sosnovski und Iryna Tsymbal vom Wiener Staatsopernballett. Dieses Projekt habe ihn verändert, so Michalitsch in der „Presse".
Nach Besuch von Messe besser gefühlt
Aufgewachsen in einem katholisch geprägten Elternhaus in Wien und Niederösterreich, sei er als Kind jeden Sonntag in die Kirche gegangen. Das habe schon mit Zwang zu tun gehabt, erinnerte sich Michalitsch. Als Jugendlicher habe er jedenfalls zum „frühestmöglichen Zeitpunkt" der Kirche den Rücken gekehrt und sich seiner Rap-Karriere gewidmet. „Erfolgreich bei Frauen sein, toll im Leben stehen, mit Geld und Autos, fetten Beats und coolen Flows", das sei lange sein Antrieb gewesen.
Vor fünf Jahren habe er wieder Messen besucht, danach habe es sich jedes Mal besser angefühlt, schilderte Michalitsch. Wer die Zehn Gebote versteht, könne danach freier leben, so die Überzeugung des Rappers. „Es ist als würde man einen Lifehack bekommen" - also eine Strategie, die es einem erleichtert, sein Leben zu meistern -, betonte der Musiker, dessen Körper zahlreiche Tattoos mit christlichen Motiven schmücken.
Auch in seiner Musik und den Texten hat sein Glaube einen großen Stellenwert. In „Jesus lebt" reflektiert Michalitsch seinen eigenen Lebensweg, andere Titel heißen etwa „Erzengel Michael", oder "Jahwe". Sein neues Video „Alles und mehr" erzähle von schwierigen Zeiten und sei ein Liebeslied. Seine Vorpremiere feiert es nun auf dem Dachboden des Doms, veröffentlicht wird es am 16. September auf der EP „Freeman".

Foto: Erzdiözese Wien.