JA 

die neue Kirchenzeitung

 10. Dezember 2023 

Lesungen:  Jes 40,1-5.9-11; 2 Petr 3,8-14. Evangelium: Mk 1,1-8.

Seit einigen Tagen ist JA schwer lesbar. 

Wir haben uns bereits an den Betreiber JIMDO gewendet, der jedoch erst ab Montag wieder erreichbar ist.

Uralt & präpotent

Was will Papst Franziskus wirklich?
Er geht gegen seine konservativen Kritiker in den USA vor, setzt einen Bischof ab und maßregelt einen Kardinal.
Auf der anderen Seite sind die Unterstützer des „Reformpapstes“ zunehmend frustriert, weil er sein Wort nicht hält – siehe Amazonas-Synode.  Es ist bedrückend, wenn Bischof Erwin Kräutler auch vom Synodalen Prozess der Weltkirche nichts erwartet: „Außer Spesen nichts gewesen!“
Dieser Tage schrieb der an der Uni Graz lehrende Professor in der  „Furche", dass die Bedeutung von Religion insgesamt weiter schwinde.



Wen wundert es?
Die katholischen Gläubigen erleben in ihrer Gemeinschaft eine Autokratie, die keine Mitbestimmung (Bischofsernennungen, Zölibat) kennt und Frauen missachtet.
Orthodoxe Christen und Muslime erleben, wie ihre religiösen Führer in Moskau und Teheran Hass, Krieg und Terror unterstützen.
Hier wie dort sind es uralte präpotente Männer, denen die eigenen „Heiligen Schriften“ wenig bis nichts bedeuten.
Hier wie dort müssten diese von Frauen neu ausgelegt und an führender Stelle umgesetzt werden.  P. Udo

Bischof Kräutler frustriert von Reformpapst Franziskus

Der österreichisch-brasilianische „Amazonas-Bischof" Erwin Kräutler zeigt sich enttäuscht von den Reformankündigungen von Papst Franziskus. „Er provoziert eine wahnsinnige Hoffnung", sagte Kräutler im Interview von „kath.ch", Partnerportal von Kathpress und der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Bei der Amazonien-Synode 2019 hätten viele Bischöfe gefordert, bewährte Männer und Frauen aus entlegenen kirchlichen Gemeinden zu Priestern oder Priesterinnen zu weihen. „Und Papst Franziskus hat es nicht angenommen", so Kräutler – „obwohl er uns Bischöfen zuvor gesagt hat: Macht mir mutige Vorschläge." Das mache ihn frustriert und enttäuscht.
„Bei der Synode haben 80 Prozent der Bischöfe für Viri probati und das Frauendiakonat gestimmt", führte der Bischof aus. Es sei unvorstellbar, dass Franziskus das in seinem Abschlussdokument der Amazonien-Synode mit keinem Wort erwähnt hat. Der 84-jährige Kräutler gehört zu den bekanntesten Bischöfen Lateinamerikas. Von 1981 bis 2015 leitete er die riesige Amazonas-Diözese Xingu; eine Region, in der viele Katholiken in unzugänglichen Regionen wegen Priestermangels nur einmal im Jahr die Messe feiern können.
Synodaler Prozess der Weltkirche: „Außer Spesen nichts gewesen“
Pessimistisch äußert sich der Bischof im Interview über den synodalen Prozess der Weltkirche. „Da wird nichts dabei rauskommen", so Kräutler; „ Außer Spesen nichts gewesen“. Die drängenden Reformthemen würden dort gar nicht besprochen.
Aus seiner Realität als „Wander-Bischof" in entlegenen Gegenden berichtete Kräutler, seine Ankunft sei immer ein Fest gewesen. „Ich wurde vom ganzen Dorf geküsst. Und immer wurde mir die Frage gestellt: Wo ist deine Frau?" Als junger Bischof habe er noch gesagt, dass er nicht verheiratet sei. „Der Dorfoberste schaute mich komisch an. Er konnte es einfach nicht verstehen. Denn das Konzept Zölibat passt nicht in ihre Lebensrealität", so der gebürtige Vorarlberger. Später habe er dann gesagt, „dass meine Frau weit, weit weg ist". Diese Einsamkeit hätten die Dorfbewohner zwar bedauert – „aber immerhin gab es keine komischen Reaktionen mehr".
„Wir brauchen Frauen - auch in Ämtern"
Dennoch zeigte sich Kräutler auch zuversichtlich für die Zukunft und prophezeite: „Verheiratete Priester kommen zuerst, dann das Frauendiakonat. Priesterinnen werden die nächste Stufe sein." Wenn Papst Franziskus sage, dass Frauen nicht zu Priesterinnen geweiht werden dürfen, um sie vor Klerikalismus zu schützen, dann sei das „ein Witz", so Kräutler: „Die nicht geweihten Männer im Amazonasgebiet sind viel klerikaler als die Frauen, die Gemeinden leiten." Er kenne „keine Frau, die Klerikalismus lebt - keine".
„Uralte Männer entwerfen eine Theologie der Frau“
„Wir brauchen Frauen - auch in Ämtern", betonte Kräutler, und: „Es kann nicht sein, dass uralte Männer eine Theologie der Frau entwerfen." Ein nächster Papst könne es vielleicht schaffen, einen „Frühling für die Kirche" zurückzubringen, wie er ihn als junger Mann beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) erlebt habe, so der 84-Jährige. Jedenfalls könnten ein Nachfolger und die Kirche nicht hinter die Ansätze zurück, die Papst Franziskus eingeleitet habe.
Wieder in Brasilien
Kräutler äußerte sich vor seiner Rückkehr nach Brasilien im österreichischen Koblach. In seiner Heimat in Vorarlberg hatte er die vergangenen zwei Jahre verbracht. Kräutler wirkte unter anderem als Mitautor an der Umwelt- und Sozial-Enzyklika "Laudato si" (2015) von Papst Franziskus mit. Als Bischof setzt er sich für die Rechte von Ureinwohnern, Kleinbauern und Landlosen sowie für den Schutz des Regenwaldes ein. Öffentlich prangert er politische und soziale Missstände an. 2010 erhielt er dafür den Alternativen Nobelpreis. Sein Engagement brachte Kräutler wiederholt ins Visier von Wirtschaftsbossen und Landräubern.
 

Bischöfe aus Deutschland und Polen: Aussprache über „Irritationen"

Nach einem Brief des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, an seinen polnischen Kollegen Erzbischof Stanislaw Gadecki haben sich die beiden Kirchenmänner „über die entstandenen Irritationen ehrlich ausgesprochen". Das teilte Bätzing am Dienstag der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn mit.
„Wir waren uns einig, dass es für die Kirche in beiden Ländern keine leichten Zeiten sind - und dass wir als Nachbarn gerade in diesen Zeiten zusammenstehen wollen, auch wenn wir kulturelle Unterschiede in der legitimen Vielfalt des Katholischen wahrnehmen und darin unseren Weg in eine gute Zukunft suchen, in der wir den Menschen wie zu allen Zeiten die Frohe Botschaft bezeugen wollen", betonte Bätzing.
„Entstehende Fragen und mögliche Missverständnisse in der gegenseitigen Wahrnehmung sollen künftig in bewährter Weise in der Deutsch-Polnischen Kontaktgruppe angesprochen und miteinander geteilt werden." Diese sei ein guter Ort des Gesprächs. Bätzing hatte sich mit Gadecki am Montagabend zu Beginn der Vollversammlung des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) auf Malta unterhalten - bevor beide miteinander Gottesdienst feierten.
Wirbel um Brief an Papst
Die Warschauer Tageszeitung "Rzeczpospolita" hatte am Montag einen Brief von Bätzing an Gadecki veröffentlicht. Ungewohnt deutlich beschwert er sich darin über Gadeckis Protestschreiben an Papst Franziskus gegen zentrale Reformideen des Synodalen Wegs der katholischen Kirche in Deutschland.
Bätzing wirft Gadecki in seinem am 21. November verfassten Schreiben „unbrüderliches Verhalten" vor: Der Vorsitzende der polnischen Bischöfe habe im Oktober in den gemeinsamen Gesprächen während der Weltsynode im Vatikan mit keinem Wort erwähnt, dass er Anfang Oktober Franziskus einen Brief zum deutschen Synodalen Weg geschrieben hatte. Statt für Dialog habe sich Gadecki dafür entschieden, gegenüber dem Papst falsche Behauptungen über den deutschen Reformprozess zu machen.

Papst maßregelt US-Kardinal Burke

Papst Franziskus hat offenbar beschlossen, einen weiteren konservativen Kritiker seines Reformkurses zu maßregeln. Wie die Nachrichtenagentur Kathpress in Rom am Dienstagabend aus zuverlässiger Quelle im Vatikanumfeld erfuhr, hat der Papst angeordnet, dem US-amerikanischen Kardinal Raymond Leo Burke (75) seine vatikanische Dienstwohnung und sein Kardinalsgehalt zu streichen.
Es handle sich um eine disziplinarische Maßnahme, weil Burke durch Worte und Taten die Einheit der Kirche beschädigt und sein Gehorsamsversprechen als Kardinal gegenüber dem Papst gebrochen habe, hieß es zur Begründung. Burke hält sich dem Vernehmen nach schon seit einiger Zeit überwiegend in seiner Heimat in Wisconsin auf und nutzt seine Kardinals-Dienstwohnung in Rom nur selten.
Der aus Wisconsin stammende Kirchenrechtler Burke war von Benedikt XVI. im Jahr 2008 zum Vorsitzenden des höchsten Kirchengerichts im Vatikan ernannt und bald darauf zum Kardinal befördert worden. 2014 berief Papst Franziskus ihn von diesem Amt ab, nachdem Burke den Papst wegen der angekündigten Öffnung in moraltheologischen Fragen kritisiert hatte.
Bedeutendster Gegner von Papst Franziskus
Die im Papstschreiben „Amoris laetitia" (2016) enthaltene Öffnung des Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene stellte Burke gemeinsam mit drei anderen Kardinälen öffentlich in Frage. Dies geschah in einer sogenannten Dubia-Anfrage.
Danach folgten weitere öffentliche Auseinandersetzungen. Als Franziskus im Juli 2021 die bisherige päpstliche Toleranz für den Ritus der „Alten Messe" per Gesetz zurücknahm, veröffentlichte Burke eine scharfe Kritik. Darin wies er auf - aus seiner Sicht - kirchenrechtliche, historische und theologische Schwächen des Papstschreibens hin.
Jüngster Eklat rund um Weltsynode
Der jüngste Eklat ereignete sich vor wenigen Monaten. Im Juli verfasste Burke gemeinsam mit vier weiteren Kardinälen Zweifel an päpstlichen Entscheidungen und an der Beteiligung von Laien an der Versammlung der Weltsynode des Jahres 2023. Als die vom Papst genehmigte Antwort des vatikanischen Glaubensdikasteriums nach dem Geschmack Burkes und seiner Mitstreiter zu schwammig ausfiel, schickten sie einen verschärften Fragenkatalog hinterher, den sie veröffentlichten, ohne die Antworten des Papstes publik zu machen.
Der neue Chefdogmatiker des Papstes, Kardinal Victor Fernandez, tadelte dieses Vorgehen öffentlich. Er sagte, die fünf konservativen Kardinäle hätten den Papst „wie einen Laufburschen" behandelt.
 

Zeitung: Papst nannte Israels Gazakrieg Terror gegen Terror

Papst Franziskus soll das militärische Vorgehen Israels im Gazastreifen bei einem Telefonat mit dem israelischen Präsidenten Isaac Herzog als Terror gegen Terror verurteilt haben. Laut einem Bericht der „Washington Post" vom Freitag sagte Franziskus in dem Gespräch, es sei „verboten, Terror mit Terror zu beantworten". Die Schuldigen des Hamas-Überfalls am 7. Oktober müssten zur Verantwortung gezogen werden, aber keine Zivilisten. Die Zeitung bezieht sich dabei auf Angaben eines israelischen Offiziellen, dem das Gespräch bekannt sei. Herzog habe darauf protestiert und die Angriffe im Gazastreifen als notwendig für den Schutz Israels verteidigt.
Herzogs Büro wollte die Papstworte gegenüber der Zeitung nicht bestätigen. Man mache keine Angaben zu „privaten Unterhaltungen", hieß es. Der Vatikan teilte mit, das Telefonat habe stattgefunden im Kontext der päpstlichen Bemühungen, die Schwere und Ausdehnung des Konflikts im Heiligen Land einzudämmen.
Pizzaballa fordert nationale Perspektive für Palästinenser
Der ranghöchste katholische Kirchenführer im Heiligen Land, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, hat zur Überwindung des Kriegs in Nahost eine „nationale Perspektive für die Palästinenser" gefordert. In einem Telefoninterview mit „VaticanNews" sagte Pizzaballa am Samstag, der erfolgreiche Austausch von Geiseln und Gefangenen zeige, dass die Lösung des Konflikts kein absoluter militärischer Sieg sein könne. 
Die Lösung könne nicht allein den Militärs überlassen werden, erklärte der aus Italien stammende Patriarch. Die Politik müsse „die Situation wieder in die Hand nehmen und Perspektiven anbieten, denn die Militärs haben keine." Insofern seien die erfolgreichen Verhandlungen über die Freilassung der Geiseln und der Gefangenen „erste Schritte, um politische Perspektiven für Gaza nach dem Krieg zu eröffnen".

Pakistanischer Bischof: Jüngste Gewaltwelle gegen Christen markiert Wende im interreligiösen Dialog

Die christenfeindlichen Ausschreitungen Mitte August in der Stadt Jaranwala markieren nach Auffassung von Erzbischof Sebastian Francis Shaw aus Lahore einen Wendepunkt im Dialog zwischen Christen und Muslimen in Pakistan: „Viele Muslime haben jetzt das Gefühl, dass Vorfälle wie in Jaranwala nicht das Bild des Landes prägen dürfen. Muslimische Gelehrte haben sich zum ersten Mal auf unsere Seite gestellt und unterstützen uns“, erklärte Shaw im Gespräch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN).
Christen wurden obdachlos
Shaw leitet die Erzdiözese Lahore in der Provinz Punjab im Osten Pakistans. In der Region war es am 16. August zu schweren Übergriffen auf Christen gekommen. Auslöser waren Gerüchte, wonach zwei Christen den Koran entehrt hätten. Bei den Ausschreitungen wurden nach Angaben der Projektpartner von „Kirche in Not“ hunderte von Wohnhäusern, über 20 Kirchen verschiedener Konfessionen und ein christlicher Friedhof zerstört.
Personen kamen bei den Ausschreitungen glücklicherweise nicht zu Schaden. Berichten zufolge hatten muslimische Nachbarn christliche Bewohner vorgewarnt, so dass sie sich auf dem Land in Sicherheit bringen konnten. Dort mussten sie einige Nächte unter freiem Himmel kampieren. Bei der Rückkehr fanden sie ihre Häuser verwüstet vor.
„Am Tag nach den Ausschreitungen hatten wir in Lahore eine Pressekonferenz mit einigen muslimischen Gelehrten“, berichtete Erzbischof Shaw, der bis vor Kurzem Kommissionsvorsitzender der Pakistanischen Bischofskonferenz für den interreligiösen Dialog war. „Ich zeigte einem der muslimischen Geistlichen Bilder von den Kindern, die auf den Feldern schlafen mussten, und fragte ihn: ,Wir Christen sind nur zwei Prozent der Bürger Pakistans, ihr seid 97 Prozent. Warum tun eure Leute uns das an?’“
Der muslimische Vertreter sei von den Vorfällen sehr berührt gewesen und habe sich bei der Pressekonferenz öffentlich für die Gewaltexzesse entschuldigt. Eine muslimische Gruppe habe für die christlichen Kinder, deren Schulsachen bei den Unruhen verbrannt wurden, Schulbücher gespendet. Das seien wichtige Zeichen, auch gegenüber extremistischen Muslimen.
Solidarität der Muslime wirkt sich auch auf Regierung aus
Nach den jüngsten Ausschreitungen seien zwar zahlreiche mutmaßliche Täter verhaftet worden, vor allem Mitglieder der dschihadistischen Partei „Tehreek-e-Labbaik Pakistan“ (TLP). Doch die pakistanischen Behörden täten sich häufig schwer, diese Extremisten zu bestrafen, da sie Unruhen in anderen Landesteilen fürchteten, sagte Shaw: „Traditionell versuchen sie, eine Versöhnung zwischen den Christen und den Angreifern zu erzwingen, und das werden sie vielleicht auch dieses Mal vorschlagen.“
Umso wichtiger sei es, dass sich jetzt muslimische Religionsvertreter mit den Christen soldarisierten und die Verfolgung religiöser Minderheiten in Pakistan anprangerten. Das sei die Frucht eines jahrelangen interreligiösen Dialogs, der anfangs auf viel Ablehnung gestoßen sei. „Nach mehreren Jahren haben viele muslimische Gesprächspartner nun ein Verständnis dafür, was wir tun und was wir gemeinsam erreichen können.“
Interreligiöser Dialog trägt Früchte
Als eine weitere Reaktion auf die jüngste Eskalation hätten islamische Geistliche eine nationale interreligiöse Konferenz in der Hauptstadt Islamabad geplant, berichtete Erzbischof Shaw: „Auf diese Weise nehmen sie auch Einfluss auf die Regierung, damit diese sich mehr für den Dialog und eine bessere Gesellschaft in Pakistan einsetzt.“
„Kirche in Not“ unterstützt den Dialog zwischen Christen und Muslimen in Pakistan. Ein Beispiel ist das „Friedenszentrum“ in Lahore, in dem zahlreiche Begegnungen und Schulungen stattfinden. In diesem Jahr hat „Kirche in Not“ unter anderem ein interreligiöses Fußballturnier unterstützt, das von den Salesianern Don Boscos in Khushpur organisiert wurde. Nach den Ausschreitungen in Jaranwala hat „Kirche in Not“ ein Hilfsprogramm gestartet, um die betroffenen Christen beim Wiederaufbau zu unterstützen und mit notwendigen Gütern zu versorgen.
Foto: Christen und Muslime in Pakistan bei einem Friedensgebet. © Kirche in Not 
 

Pakistan und Indonesien ändern Bezeichnung für Christen

In den islamisch geprägten Ländern Indonesien und Pakistan sind sprachliche Änderungen mit Blick auf die christliche Minderheit beschlossen worden. Der bisherige Name für Christen in Pakistan war das Urdu-Wort „Esai". Obwohl Esai oder Isa im Koran der arabische Name für Jesus ist, wird er meist in einem wenig respektvollen Kontext benutzt: In Pakistan ist es üblich, dass die Behörden für anrüchige Arbeiten wie die Reinigung von Kloaken ausschließlich Gläubige der Minderheitsreligionen verpflichten. So wurde „Esai" unter Muslimen zu einem Wort der Diskriminierung, zumal Christen im Land ohnehin Bürger zweiter Klasse sind.
Den Wechsel zu „Masihi" – „Volk des Messias" setzte Samuel Payara, Vorsitzender des "Forums für die Umsetzung von Minderheitsrechten", mit einer Klage vor dem Obersten Gericht durch. Aber auch wenn das Urteil vom „Rat für islamische Ideologie" und der nationalen Menschenrechtskommission begrüßt wurde, hält sich die Freude über die Reform in Grenzen. Von Amts wegen gilt sie ohnehin nur in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa.
Freude in Indonesien
In Indonesien indes ist die Freude über den von der Regierung verfügten Wechsel von „Isah Almasih" zu „Yesus Kristus" in amtlichen Dokumenten groß. Der deutschstämmige Jesuit und langjährige Rektor der Philosophischen Hochschule „Driyarkara" in Jakarta, Franz Magnis-Suseno, sieht in der Reform ein „hoch erfreuliches, weiteres Zeichen", dass der indonesische Staat die Christen als Freunde anerkennen wolllen.

Kurznachrichten 

   

Papst Franziskus kann aus gesundheitlichen Gründen nicht zum UN-Weltklimagipfel nach Dubai reisen. 

 

Papst Franziskus hat am Donnerstag die diesjährigen Ratzinger-Preisträger in Audienz empfangen: die beiden spanischen Theologen Pablo Blanco Sarto und Francesc Torralba.

 

EU. Eine öffentliche Verwaltung kann Beschäftigten laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) das sichtbare Tragen des islamischen Kopftuchs, eines Kreuzes oder einer Kippa untersagen. So ein Verbot sei dann gerechtfertigt, wenn es darum gehe, ein vollständig neutrales Verwaltungsumfeld zu schaffen.

 

Mali. Der deutsche Afrika-Missionar Hans-Joachim Lohre (66) ist wieder frei. Er wurde im November 2022 in Malis Hauptstadt Bamako entführt, als er sich auf die Sonntagsmesse vorbereitete. 

Der Missionar hat mehr als 30 Jahre in Mali gearbeitet. Zuletzt leitete der katholische Priester in Bamako das islamisch-christliche Ausbildungsinstitut und setzte sich für den interreligiösen Dialog ein.

 

Spaniens  katholische Kirche will auch jene Opfer sexuellen Missbrauchs entschädigen, deren Fälle strafrechtlich verjährt sind oder aus anderen Gründen nicht mehr geahndet werden können.

 

Belarus. Wenige Tage nach der Verhaftung von zwei katholischen Priestern - Henryk Akalatowitsch (63) und Wjatschaslau Pialinak (48) -  hat sich der Papstbotschafter in Minsk, Erzbischof Ante Jozic, mit Außenminister Sergej Alejnik getroffen. 

Deutschland. Vonseiten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) kann der Reformdialog der katholischen Kirche in Deutschland wie geplant weitergehen. Der Laiendachverband stimmte am Samstag auf seiner Vollversammlung in Berlin fast einstimmig für die Annahme der Satzung des Synodalen Ausschusses. 

  

 Slowakei. Der slowakische Nationalrat hat mit dem katholischen Geistlichen Jan Buc (51) erstmals einen Parlamentskaplan. 

Österreich

Österreichs 23 Ordensspitäler mit ihren 26.500 Beschäftigten (Stand 2020) betreuen jährlich rund 1,8 Millionen Patientinnen und Patienten und stellen damit eine bedeutende Säule des österreichischen Gesundheitswesens dar. Bundesweit steht jedes fünfte Spitalsbett in einem Ordenskrankenhaus.

 

Wien. 50 Jahre nach Beschluss der Fristenregelung haben Österreichs Bischöfe die Position der Kirche im Lebensschutz bekräftigt. In Politik, Gesellschaft und Kirche müsse man heute erneut fragen, „wie wir Frauen in einer Konfliktschwangerschaft effektiv beistehen können.“

 

Wien. Mit einem Gottesdienst am Sonntag, 26. November, feierte die Wiener Votivkirche den Abschluss der mehr als zwei Jahrzehnte umfassenden Sanierungsarbeiten. Sie  dauerten 20 Jahre und kosteten 40 Millionen Euro.

 

Salzburg. Der zehnte „Kardinal König Kunstpreis" wurde am Montag an die in Wien lebende ukrainische Künstlerin Nika Kupyrova (39) vergeben. Sie studierte Malerei und transdisziplinäre Kunst in Island, Edinburgh und Wien, wo sie 2016 an der Universität für Angewandte Kunst ihr Diplom erhielt. 

Ordensfrau Philippa Rath mit Edith-Stein-Preis geehrt

Die auch in Österreich bekannte deutsche katholische Ordensschwester Philippa Rath hat in Göttingen den diesjährigen Edith-Stein-Preis erhalten. Damit wird ihr Engagement für Frauenrechte in der katholischen Kirche und in der Gesellschaft gewürdigt, wie der Göttinger Edith-Stein-Kreis zu der Verleihung am vergangenen Wochenende mitteilte. Dies habe Rath beim Reformprojekt Synodaler Weg der katholischen Kirche in Deutschland sowie in zwei Veröffentlichungen unter Beweis gestellt.
In ihren Büchern erzähle Rath die Lebens-, Glaubens- und Berufungsgeschichten von Frauen in der katholischen Kirche. So gebe sie den Menschen eine Stimme, die in der Kirche spirituell missachtet oder übermächtigt würden.
Die 1955 in Düsseldorf geborene Politikwissenschaftlerin, Theologin und Historikerin Rath ist Benediktinerin und lebt in der Abtei Sankt Hildegard in Rüdesheim-Eibingen. Sie ist Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und war Delegierte beim deutschen Synodalen Weg.

Auch das noch...

Kirchenspitzen: Christen sind im Irak „kein Import" 

Die Kirchenoberhäupter im Irak haben die tiefe Verwurzelung des Christentums im Irak seit den Anfängen betont. Christen seien weder eine Minderheit noch ein Import, sagten sie nach Angaben des chaldäischen Patriarchates in einer Abschlusserklärung eines Treffens am Dienstag in Ankawa, der christlichen Vorortgemeinde der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan im Irak, Erbil. Das berichtet die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch. 
Die irakischen Christen seien ein wesentlicher Teil seines kulturellen, sozialen und nationalen Erbes und blickten auf eine ununterbrochene Präsenz im Land zurück. Dennoch habe der Staat keine ernsthaften Maßnahmen ergriffen, um die Rechte der Christen zu schützen und ihr enteignetes Eigentum zurückzugeben, heißt es weiter. Es bestehe die Sorge, dass dies auch weiterhin nicht geschehen werde. 
Die Kirchenführer beklagten Druck und Übergriffe, denen Christen im Irak ausgesetzt seien. „Christen sind von ihrem Wesen und ihrem Glauben her friedlich. Sie neigen nicht zu Gewalt und Rache", so die Erklärung. Sie verurteilten jüngste politische Vorgänge im Land, bei denen ein Dekret zur Rechtsstellung des chaldäischen Patriarchen aufgehoben wurde. 
Die irakischen Christen rufen sie auf, ihrer Identität treu zu bleiben. Gleichzeitig sollten sie ihre nationale Rolle wahrnehmen und sich professionell und aufrichtig in Politik und Staat einbringen, um auf einen wohlhabenden Staat für alle Bürger hinzuarbeiten. 
 

Evangelischer Superintendent feierlich aus Amt verabschiedet             

Der Superintendent der evangelischen Diözese Niederösterreich, Lars Müller-Marienburg, wurde am Samstag mit einem Gottesdienst in der Auferstehungskirche in Wiener Neustadt feierlich aus seinem Amt verabschiedet. Der 46-Jährige legte Anfang Oktober aus persönlichen Gründen sein Amt nieder. 
Er war seit 2016 Leiter der evangelischen Diözese Niederösterreich. 
„Ausbrennen kann nur jemand, der für eine Sache brennt, du hast wahrlich gebrannt für die Superintendenz und ihre Menschen", sagte Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour, die gemeinsam mit dem Superintendenten die Diözese leitet. Sie verwies damit auf die persönlichen Gründe von Müller-Marienburg für den Rückzug als Superintendent; in Interviews hatte er von einer längeren Burnout-Erkrankung gesprochen, die zu dieser Entscheidung geführt habe. Im Interview mit ORF-Niederösterreich am Samstag nannte Müller-Marienburg zudem den problematischen Umgang mit seiner Homosexualität als einen der Gründe für den Rückzug: „In der Öffentlichkeit war es überhaupt kein Problem, in der Kirche war der Übergang in eine machtvolle Position für viele Leute schwer aushaltbar. Da habe ich einiges an Zorn und Unverständnis abbekommen." 

Tochter von AfD-Politiker Gauland bekleidet neues Kirchenamt 

In Deutschland ist die evangelische Theologin Dorothea Gauland (40) ab kommendem Freitag Landespfarrerin für Interreligiösen Dialog der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Die Tochter des AfD-Politikers Alexander Gauland wird Nachfolgerin von Andreas Goetze, der dieses Amt zehn Jahre innehatte, wie die EKBO am Dienstag auf Anfrage bestätigte. 
Bislang war Dorothea Gauland Pfarrerin für Ökumene und Interreligiösen Dialog im Dekanat Mainz der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und Pfarrerin der Evangelischen Emmausgemeinde in Mainz. Von den ausländerpolitischen Positionen ihres Vaters hatte sie sich stets distanziert. So nahm sie 2016 einen Flüchtling aus Eritrea bei sich auf. 
 

Sozialethiker: Kritik an Intransparenz bei Signa-Krise 

Intransparenz, scheinbar mangelnde Kontrolle durch Behörden und mangelnde Kommunikation: Für den Direktor der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe), Markus Schlagnitweit, fehlt es bei der aktuell diskutierten Causa rund um die Signa-Gruppe des Tiroler Investors René Benko an Antworten. Am Mittwoch hatte das Immobilienunternehmen beim Handelsgericht Wien den Insolvenzantrag eingereicht. „Wo haben hier Kontrollmechanismen versagt? Zählt die öffentliche Hand zu den Geschädigten, oder ist lediglich ein kleiner Kreis von Investoren betroffen", diese Fragen gelte es laut dem Sozialethiker zu beantworten. „Die Intransparenz in der Causa nährt jedenfalls Verdachtslagen", so Schlagnitweit im Kathpress-Gespräch. 
Als dringend notwendig erachtet der ksoe-Direktor eine Aufklärung vonseiten der Justiz und Politik, um Verdachtslagen und mögliche juristische „Schlupflöcher" zu prüfen. „Die Intransparenz ist dermaßen groß, dass ich mich frage, ob es vonseiten der Behörden gar keine Kontrollen über dieses Firmenkonstrukt gegeben hat?" Hinzu kämen Gerüchte rund um Verbindungen zwischen Signa und der Politik, die ebenfalls geklärt werden müssten. 
Im Gegensatz zu Klein- und mittelständischen Unternehmen, die zahlreiche bürokratische Hürden bis zu einer erfolgreichen Unternehmens-gründung durchlaufen müssten, scheine es bei Signa kaum oder jedenfalls nur mangelhafte Prüfungen gegeben zu haben. „Entweder gibt es so viele legistische Schlupflöcher, oder Benkos Anwälte sind schlauer als die Staatsverwaltung. Es ist jedenfalls irritierend." 
Kritik übte Schlagnitweit zudem an der medialen Berichterstattung über Signa. Diese würde zwischen berechtigter Kritik, "Infotainment" und Voyeurismus schwanken. "Es wird ständig darüber berichtet, aber nicht aufgeklärt", konstatierte der ksoe-Direktor. "Was sind die gesellschaftlichen Folgen dieser Pleite? Wurden Gewinne privatisiert, und werden die Schulden jetzt vergemeinschaftet?" 

Südkorea: Dem Norden humanitär helfen

Der Erzbischof von Seoul und Apostolische Administrator von Pjöngjang, Peter Soon-taick Chung, sieht humanitäre Hilfe in Nordkorea als Möglichkeit, „um das Vertrauen wiederherzustellen und die Tür zum Dialog zu öffnen". Das erklärte der Ordensmann am Wochenende im Interview mit dem vatikanischen Pressedienst Fides – berichtete Vatican News.
Erzbischof Peter Soon-taick Chung: „Um die pastorale Arbeit mit den Gläubigen in Nordkorea wieder aufzunehmen, muss man Schritt für Schritt vorgehen, immer geleitet von Hoffnung und Gebet. Zunächst kann die südkoreanische Kirche eine Schlüsselrolle bei den humanitären Bemühungen spielen, indem sie den Menschen in Nordkorea Hilfe anbietet. Indem wir auf ihre unmittelbaren Bedürfnisse eingehen und ihnen eine helfende Hand reichen, können wir Vertrauen aufbauen und die Tür zum Dialog öffnen.“
2023 jährt sich der Waffenstillstand der beiden Koreas zum 70. Mal. Er selbst sei hoffnungsvoll für die Zukunft: „Als Apostolischer Administrator von Pjöngjang glaube ich fest an die Kraft der Hoffnung und an das Potenzial von Dialog und Versöhnung. Obwohl die Situation in Nordkorea viele Herausforderungen mit sich bringt, sollten wir nie den Glauben an die Möglichkeit verlieren, das Verständnis zu fördern und die Seelsorge für die Gläubigen in dieser Region wieder aufzubauen. Dialog und Versöhnung sind entscheidende Schritte zur Heilung der Spaltungen, die schon zu lange bestehen", so der Kirchenmann.
Auch auf Kraft des Gebets setzen
Der Erzbischof und Apostolische Administrator von Pjöngjang betont in diesem Zusammenhang auch die Rolle von Gebeten: „Das Gebet ist ein mächtiges Werkzeug. Wir sollten niemals die Kraft des Gebets unterschätzen, wenn es darum geht, die Herzen und den Verstand zu verändern. Wenn wir für die Gläubigen in Nordkorea und für den Frieden beten, säen wir den Samen der Hoffnung und der Versöhnung."
Er erinnert zudem daran, dass die Erzdiözese Seoul 2015 die Kampagne „Remember the Parishes of the North" (Erinnert euch an die Pfarreien im Norden) ins Leben gerufen hat, eine Art „spirituelle Partnerschaft", die bis heute andauere.
Soon-taick Chung hat kürzlich an einem Forum für Frieden und Versöhnung in Seoul teilgenommen und auch am „Catholic Korea Peace Forum" in Washington im letzten Jahr.  Dort habe er den Wunsch nach Frieden verspürt, „der tief in den Herzen sowohl der Vereinigten Staaten als auch Nordkoreas verwurzelt" sei,- „obwohl die internationale Geopolitik nicht immer optimistisch stimmen mag". Die Hoffnung auf Dialog und Versöhnung sei tief im katholischen Glauben verwurzelt: „Wir sind fest davon überzeugt, dass die koreanische Kirche und damit auch der Heilige Stuhl eine wichtige Rolle bei der Förderung von Dialog und Frieden spielen können".  Zum internationalen katholischen Weltjugendtag (WJT), der 2027 in Seoul stattfindet, habe  er persönlich auch junge Nordkoreaner eingeladen.
Foto: Vatican News