JA 

die neue Kirchenzeitung

30. Mai 2021

Alle auf den Weg!

In Deutschland hat die Kirche vor zwei Jahren einen „Synodalen Weg" begonnen. Er wird international sehr argwöhnisch beobachtet, auch in Rom.
Dennoch hat Papst Franziskus jetzt völlig überraschend einen weltweiten zweijährigen synodalen Weg für die Katholische Kirche ausgerufen – zur Vorbereitung auf die Bischofssynode 2023.
Mitte Oktober soll in jeder Diözese weltweit der diözesane Startschuss fallen.
In Irland haben die Bischöfe aus höchster Not heraus - das Ausmaß von sexuellem und geistlichem Missbrauch im Bereich von Kirchen und Ordenshäusern brachte die Kirche an den Rand des Ruins - im März angekündigt, binnen fünf Jahren eine Nationalsynode einzuberufen. Vorbereitend soll es einen „synodalen Weg" geben. 
Italiens katholische Bischöfe haben bei ihrer Vollversammlung in der letzten Woche den offiziellen Startschuss zu einem synodalen Weg der Kirche des Landes gegeben.

  

Zur Eröffnung hatte Papst Franziskus die insgesamt 213 teilnehmenden Bischöfe besucht und ihnen ins Gewissen geredet. Er kritisierte, die Kirche in Italien habe „vergessen", wichtige Impulse des kirchlichen Nationalkonvents 2015 in Florenz aufzugreifen und umzusetzen. Damals hatte Franziskus davor gewarnt, sich den Herausforderungen der Zeit durch ein Festhalten an überholten Vorstellungen zu entziehen. Die christliche Lehre sei kein geschlossenes System, sondern lebendig - vor allem aber entwicklungsfähig.
In Australien plant die katholische Kirche schon lange ihr erstes sogenanntes Plenarkonzil seit über 80 Jahren. Schon im März 2018 gab Papst Franziskus Grünes Licht dafür. Die Corona-Pandemie sorgte für Verzögerungen.
In Austria, wo die letzten Diözesansynoden zum Großteil bis zu 50 Jahre zurückliegen, darf man gespannt sein. 
Der Oktober kommt schneller als man glaubt. Und davor liegen bekanntlich Monate des Urlaubs und der Ferien…                 P. Udo

 

USA: Bischof fordert den „neuen Propheten Elija“ auf,  als Pfarrer zurückzutreten 

Für US-Konservative und Republikaner ist der 2008 als Spätberufener zum Priester geweihte James Altman ein „neuer Prophet Elija“, für Liberale und Demokraten das genaue Gegenteil.
Vor der US-Präsidentschaftswahl hat er im August 2020 ein Video veröffentlicht, das von 1,3 Millionen zum größten Teil  mit Begeisterung angesehen wurde: „Du kannst nicht katholisch und ein Demokrat sein“.
Demokraten  drohe das „Feuer der Hölle", weil sie Positionen verträten, die mit der Lehre der Kirche nicht übereinstimmten, so der Priester. Zugleich verurteilt er die US-Bischöfe dafür, dass sie die Schutzbestimmungen in der Pandemie verteidigen und den Menschen zum Impfen raten.
In diesem Sinn gestaltet er auch sein wöchentliches Pfarr-Bulletin.
Auf Plakaten wird er neben den Papst-kritischen Kardinälen Sarah und Burke als Held gefeiert.
Bischof: Pfarrer ist spaltend und untauglich
Am Pfingstsonntag gab James Altman in seiner Predigt bekannt, dass ihn zwei Tage zuvor Bischof William A. Callaher (70) gebeten habe, auf sein Amt als Pfarrer von St. James the Less in La Crosse zu resignieren, weil er „spaltend“ und „untauglich“ sei: „Ich bin nicht der Spalter und nicht der Untaugliche. Sie (die Bischöfe) haben einen großen Job als Spalter und Untaugliche ausgeführt – ohne irgendeine Hilfe von mir. Das ist der Grund, warum sie mich verachten, denn das ist die Wahrheit und die Wahrheit schmerzt sie.“
Altman lehnt einen Rücktritt kategorisch ab. Um ihn kirchenrechtlich gegen den Bischof zu unterstützen, spendeten Fans bereits mehr als 100.000 US-Dollars.
Am Pfingstmontag…
… veröffentlichte die Diözese eine offizielle Erklärung zur Einleitung eines kirchenrechtlichen Prozesses. Der Bischof hatte zuvor 8 Monate lang persönliche Gespräche geführt, die ergebnislos gewesen seien.
Der Dienst eines Pfarrers sei in der Kirche nicht zum Nutzen eines einzigen eingerichtet worden, sondern als pastorale und sakramentale Aufgabe. Das Heil der Seelen habe Vorrang vor dem Verbleiben eines Pfarrers, wenn diese Werte in Konflikt geraten: „Obwohl dem Pfarrer die Möglichkeit einer brüderlichen Korrektur eingeräumt worden sei, sei dies erfolglos geblieben“.
Es sei wichtig festzuhalten, dass dies kein bestrafendes sondern ein pastorales Mittel sei. Der Bischof rufe zum Gebet für den Pfarrer, seine Pfarre und die gesamte Diözese auf. Jeder Pfarrerwechsel sei schwierig, daher geschehe er in der Hoffnung, dass Gottes Werk von Gerechtigkeit, Versöhnung und Heilung im „Leib Christi“ zu einem positiven Ergebnis führe.
William A. Callaher, seit 2010 Oberhirte der 160.000 Katholiken zählenden Diözese La Crosse, ist der erste USA-Bischof aus dem Minoriten-Orden.
James Altman wurde 2008 als Spätberufener zum Priester geweiht und leitete seit vier Jahren die Pfarre St. James the Less in der Bischofsstadt La Crosse.
Zu Altmans prominenten Unterstützern zählt der konservative Bischof der 120.000 Katholiken zählenden Diözese Tyler in Texas, Joseph E. Strickland. Der Papstkritiker, der Altman attestiert,  „die Wahrheit zu sprechen".
Bischof Joseph E. Strickland…
… gehört zu den Unterzeichnern eines mehrsprachigen Aufrufs von Carlo Maria Viganò vom 7. Mai 2020 mit dem Titel „Veritas liberabit vos!“ (Die Wahrheit wird euch befreien, nach Joh 8,32 ), der auf dem Internetportal katholisch.de der Deutschen Bischofskonferenz als „Konglomerat an Verschwörungsmythen und Pseudowissenschaft“ bezeichnet wird. 
In dem Text wird beklagt, dass unter dem Vorwand der COVID-19-Pandemie Rechte und Grundfreiheiten vieler Bürger „unverhältnismäßig und ungerechtfertigt eingeschränkt“ würden; die öffentliche Gesundheit dürfe kein Alibi werden, „um die Zivilbehörden von ihrer Pflicht zu befreien, klug für das Gemeinwohl zu handeln“. 
Weiter wird behauptet, es gebe wachsenden Zweifel an der tatsächlichen Ansteckungsgefahr des Coronavirus, und die Berichterstattung über die Pandemie wird als „Alarmismus“ bezeichnet. Die ergriffenen Eindämmungsmaßnahmen begünstigten die Einmischung „fremder Mächte“ mit schwerwiegenden sozialen und politischen Folgen. Es gebe Kräfte, „die daran interessiert sind, in der Bevölkerung Panik zu erzeugen“ und eine „Isolation der Individuen“ zu fördern, „um sie besser manipulieren und kontrollieren zu können.“ Dies sei „der beunruhigende Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht“. Der Text wurde von verschiedene Medien als absurd und die geäußerten Thesen als Verschwörungstheorien bezeichnet. 
Im Oktober 2020 kritisierte er Papst Franziskus für dessen Verständnis für gleichgeschlechtliche Ehen. Seine Äußerungen seien „verwirrend und sehr gefährlich“. Er lud den Papst ein, ihn abzusetzen. 

Streit um den Kommunionempfang des US-Präsidenten 

Vom 16. bis 18. Juni findet das virtuelle Frühjahrstreffen der 280 mehrheitlich konservativen US-Bischöfe statt. Im Vorfeld sorgen zwei Schreiben für großes Aufsehen.
Das eine stammt vom Vorsitzenden der US-Bischofskonferenz, Erzbischof Jose Gomez aus Los Angeles, der den Bischöfen den Vorschlag unterbreitet, ein Lehrschreiben zum "Eucharistie-Empfang" in Auftrag zu geben.
Das andere kommt vom Erzbischof von Washington, Kardinal Wilton Gregory, und trägt die Unterschriften von 60 Bischöfen. Diese fordern den Konferenzvorsitzenden Gomez auf, das Thema Sakramentenempfang zu verschieben. Ausdrücklich beziehen sich die Verfasser auf den Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Luis Ladaria, der die US-amerikanischen Bischöfe Anfang Mai in einem Brief zu Geschlossenheit ermahnte - offenbar in der Absicht, im Juni einen Schnellschuss der Hardliner gegen Politiker zu verhindern, die in der Abtreibungsfrage eine liberale Position vertreten - allen voran US-Präsident Joe Biden.
Der Vorsitzende des Lebensschutz-Komitees der Konferenz, Erzbischof Joseph Naumann, sieht dringenden Handlungsbedarf nach der Wahl Bidens ins Weiße Haus. Dem zweiten Katholiken nach John F. Kennedy schlägt mehr Skepsis der Bischöfe entgegen als dessen weniger frommem Vorgänger vor 60 Jahren. "Ein gläubiger Katholik könne nicht für Abtreibung sein", sagt Neumann über Biden. "Es geht um Aufrichtigkeit. Er sollte nicht zur Kommunion kommen."
Bidens Ortsbischof entscheidet
Kardinal Gregory hat bereits deutlich gemacht, dass er gegen eine Politisierung der Eucharistie-Frage ist. Der erste schwarze US-Kardinal gab zu erkennen, dass er kein Problem damit hat, Biden die Kommunion zu erteilen. Als Ortsbischof des Präsidenten liegt die Entscheidung kirchenrechtlich bei ihm; er ist der Bischofskonferenz gegenüber nicht weisungsgebunden. Deren katechetisches Dokument hätte lediglich empfehlenden Charakter. 
Experten wie der Kirchenhistoriker der katholischen Notre-Dame- Universität, John McGreevy, sehen in dem Streit um den Kommunionempfang ein typisches US-Phänomen. „Ich habe das Gefühl, dass Bischöfe in anderen Ländern so etwas nicht tun würden", sagte McGreevy dem „National Catholic Reporter". In den USA ließen sich die Oberhirten „von Kulturkämpfen vereinnahmen". 
                                                                   FOTOS: YOU TUBE und BULLETIN der Pfarre St. James the Less

Papst Franziskus schickt die Weltkirche ab Oktober auf einen zweijährigen synodalen Weg  

Die für Oktober 2023 geplante Bischofssynode in Rom wird von Papst Franziskus zu einem zweijährigen synodalen Weg ausgebaut. Wie der Vatikan am 21. Mai  mitteilte, sind für die Synode zum Thema Synodalität der Kirche drei Phasen vorgesehen: eine diözesane, eine kontinentale und eine weltkirchliche. Ziel sei es, allen Gläubigen Gelegenheit zu bieten, „aufeinander und auf den Heiligen Geist zu hören", wie es Franziskus einmal formulierte.
Eine inhaltliche Vorgabe gibt es vorerst nicht; Themen sollen auf dem Weg gefunden werden. Wesentliche Elemente aller Versammlungen sollen Gespräche und Reflexionen sein, bei denen Teilnehmer vor allem aufeinander hören. Dazu kommen gemeinsame Gebete und Messfeiern. Koordiniert wird das Projekt vom Synodensekretariat in Rom unter Kardinal Mario Grech.
 Eröffnet wird die erste dezentral beginnende Bischofssynode am 9. und 10. Oktober vom Papst in Rom; eine Woche später soll in jeder Diözese weltweit der diözesane Startschuss fallen. Anhand eines Fragebogens und Leitfadens wird dort unter Leitung des Ortsbischofs bis März 2022 beraten und gebetet. Auch Ordensgemeinschaften, Kurienbehörden, katholische Vereinigungen, Gemeinschaften und katholische Fakultäten sollen für sich einen solchen synodalen Prozess unternehmen.
Zulehner: „Es kommt Bewegung in stagnierende Kirche"
Als einen „bemerkenswerten Schritt" hat der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner die Ankündigung des Papstes bezeichnet, die Weltkirche ab Oktober auf einen zweijährigen synodalen Weg zu schicken. „Der Papst hat wieder einmal überrascht", schreibt Zulehner in seinem Blog. Damit der Prozess ein Erfolg wird, sei es jedoch neben der thematischen Breite unabdingbar, dass sich Momente kirchlicher Demokratisierung kirchenrechtlich niederschlagen und etwa im Vorfeld der für 2023 angekündigten Weltbischofssynode die Synodenordnung geändert wird. Dennoch, die Richtung stimmt, so Zulehner: „Es kommt Bewegung in die stagnierende katholische Weltkirche."
In Österreich gab es zwei landesweite synodale Versammlungen seit dem Konzil: Der „Österreichische Synodale Vorgang" endete 1974 in Wien und setzte die Impulse des Zweiten Vatikanischen Konzils um. Der „Dialog für Österreich" mit Delegiertenversammlung 1998 in Salzburg war eine Antwort auf das 1995 von über 500.000 Personen unterzeichnete „Kirchenvolks-Begehren".
 

Papst ordnet Apostolische Visitation für die Erzdiözese Köln an

Papst Franziskus hat eine Apostolische Visitation, also eine offizielle Überprüfung, für die deutsche Erzdiözese Köln angeordnet. Wie die Nuntiatur in Berlin am Freitag mitteilte, wurden der Stockholmer Bischof Kardinal Anders Arborelius und der Bischof von Rotterdam, Johannes van den Hende, zu Visitatoren ernannt. Sie sollen sich in der ersten Junihälfte "vor Ort ein umfassendes Bild von der komplexen pastoralen Situation im Erzbistum Köln verschaffen". Außerdem sollen sie untersuchen, ob der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki, der Hamburger Erzbischof Stefan Heße und die Kölner Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff Fehler gemacht haben beim Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs.
Zuletzt kritisierten fast alle Stadt- und Kreisdechanten der Erzdiözese in einer Mail an Kardinal Woelki das Vorgehen der größten deutschen Diözese in der Aufarbeitung von Missbrauch.
Für weitere Schlagzeilen sorgte auch der Offene Brief mehrerer Mitglieder einer Kölner Pfarre. Sie forderten Woelki auf, eine anstehende Firmung in der Gemeinde nicht persönlich zu spenden, sondern einen Vertreter zu schicken. Wegen der Missbrauchsaufarbeitung halten die Absender den Kardinal für unglaubwürdig. Vor einem Gespräch mit Vertretern der Gemeinde Sankt Margareta am Donnerstagabend machten rund 60 Protestierende ihrem Unmut Luft, in dem sie Woelki Rote Karten entgegenstreckten.
In Österreich…
… veranlasste der Vatikan zuletzt im Sommer 2020 eine Visitation im österreichischen Stift Klosterneuburg wegen schwerer Vorwürfe von Missbrauch und Vertuschung. Im Jänner 2019 schickte Papst Franziskus den Salzburger Erzbischof Franz Lackner in die Diözese Gurk-Klagenfurt. Dort gab es massive Spannungen wegen Vorwürfen des Domkapitels zur Amtsführung des damaligen Kärntner Bischofs Alois Schwarz. Ein abschließendes Urteil steht immer noch aus.
 

Bericht: Bischof und mehrere Priester in China festgenommen

Im kommunistischen China sind laut einem Medienbericht mehrere katholische Geistliche festgenommen worden. Nach Angaben des vatikanischen Pressedienstes Asianews nahm die Polizei in der Apostolischen Präfektur Xinxiang Bischof Joseph Zhang Weizhu (63), sieben Priester und zehn Seminaristen in Gewahrsam. An der mehrtägigen Operation sollen mindestens 100 Beamte beteiligt gewesen sein. Die Präfektur Xinxiang wird dem Bericht zufolge von den chinesischen Behörden nicht anerkannt. Die Aktivitäten der zugehörigen Priester und Laien gelten demnach als „kriminell".
Der Vatikan hatte mit China 2018 ein vorläufiges Abkommen zur Ernennung von Bischöfen geschlossen und 2020 verlängert. Kritiker halten dies für einen Fehler. Laut Asianews hat sich die Lage der Katholiken im Reich der Mitte seit Unterzeichnung des Abkommens verschlechtert. Besonders der Druck auf die Mitglieder der katholischen Untergrundkirche nehme zu.

Vier Tote bei Armeeangriff auf katholische Kirche in Myanmar 

Die katholische Bischofskonferenz von Myanmar hat den Beschuss der Herz-Jesu-Kirche in der Stadt Kayanthayar, bei dem am Pfingstmontag vier Menschen starben, scharf verurteilt. Es handele sich um einen Angriff auf unschuldige Zivilisten, überwiegend Frauen und Kinder, die in der Kirche Schutz gesucht hätten, heißt es in einem von Kardinal Charles Bo, dem Erzbischof von Yangon, unterzeichneten Protestschreiben. Neben den vier Todesopfern und acht Verwundeten habe das Gotteshaus durch den Beschuss mit schweren Waffen starke Schäden erlitten, so der Präsident der Bischofskonferenz. Er blicke „mit großer Sorge und Schmerz" auf diese Entwicklung im Kriegsgebiet, betonte Bo.

Die Armee von Myanmar breche mit solchen Angriffen das Völkerrecht, fügte er hinzu. „Kirchen, Krankenhäuser und Schulen sind nach den Haager Konventionen geschützte Orte in Konflikten." 
Auf dem Kirchengelände hatten demnach am Wochenende rund 300 Menschen Zuflucht vor den Gefechten zwischen dem Militär und der Widerstandsgruppe „People's Defense Force" der Volksgruppe der Karenni gesucht. Laut der Diözese Loikaw sind derzeit Tausende Geflüchtete in katholischen Kirchen und Klöstern untergekommen. Im benachbarten Shan-Staat war am Pfingstsonntag laut Medienberichten die katholische Kirche von Pekon von der Armee beschossen worden.
Knapp die Hälfte der rund 290.000 Einwohner von Kayah im Osten Myanmars an der Grenze zu Thailand sind Christen.

 

"Die Presse": Bischof Schwarz hat in seinem Reform-Eifer auf die Mitarbeiter vergessen 

Unter dem Titel „Fremdsprache Glaube“ hat Dietmar Neuwirth in der Pfingstausgabe der „Presse“ klar zur  Situation in der Diözese St. Pölten Stellung genommen.
Zu Pfingsten sei in den Kirchen aus der Bibel zu hören, wie die Apostel zu allen in allen Sprachen sprechen. Heute gelinge es nicht einmal unter Christen, sich zu verständigen. Die Causa Bischof Alois Schwarz gebe ein Beispiel.
Widerstände seien bei jeder Neuerung in jeder Organisation ein naturgesetzliches Phänomen. „Ein Bischof wird auch dafür bezahlt (und geweiht) zu gestalten, den Auftrag der Kirche bestmöglich in der Gegenwart zu erfüllen, was bedingt, Entscheidungen zu treffen, gegebenenfalls auch unpopuläre. Das ist ja schließlich auch das Praktische an einem derartigen Kirchenamt. Das Kirchenrecht gibt den Diözesanbischöfen fast uneingeschränkte Rechte in deren örtlichem Wirkungsbereich. Eine Abwahl wie in der Politik haben sie nicht zu fürchten, eine Absetzung durch Eigentümer wie in der Wirtschaft auch nicht. Papst und Vatikan sind weit weg. Man muss sich schon Böses zuschulden kommen lassen, um versetzt und besonders Verwerfliches, um degradiert zu werden.“
Zu Alois Schwarz: „Weder ist bekannt, dass er Verwerfliches getan hätte, noch steht es zu vermuten. Er hat wohl nicht den Buchstaben des Kirchenrechts zuwider gehandelt. Aber der Herr Bischof hat in seinem anerkennenswerten Reform-Eifer auf Wesentliches vergessen: die Mitarbeiter. Sie mitzunehmen auf jeder Reise in Neues, gebietet schon der gesunde Menschenverstand. Für jemanden in einer Führungsfunktion – und ein Bischof befindet sich in dieser Funktion, so fremd das in frommen Ohren klingen mag – ist es ein Muss. Für einen Bischof erst recht, es sei denn, er fühlt sich der Tradition vor dem jüngsten Konzil verpflichtet. Es führte kein Weg vorbei an Transparenz, Einbinden in Entscheidungen und Schaffen einer angstfreien Atmosphäre. In St. Pölten ist das Gegenteil passiert.“
 

Kärnten: „Konsistorium neu" soll Wirkung über Kirche hinaus entfalten 

Das Bischöfliche Konsistorium der Diözese Gurk-Klagenfurt ist unter der Leitung von Bischof Josef Marketz zum ersten Mal zusammengetreten. Und dieser legte die Latte für das neu konstituierte Gremium hoch: „Das, was das Konsistorium diskutiert und in die Wege leitet, sollte nicht nur für die Diözese, sondern auch für die Gesellschaft in Kärnten eine Wirkung erzielen", sagte Marketz in seinem einleitenden Impulsvortrag am Freitag im Stift St. Georgen/Längsee. Es gehe um eine zukunftsorientierte Pastoral, vorrangiges Ziel des Steuerungs-, Beratungs- und Aufsichtsgremiums sei es, „wirkungsorientiert zu denken und zu arbeiten" und dabei auf kirchliche Breite zu achten. 
Bei der Entwicklung einer dafür adäquaten Strategie der Kirche in Kärnten möchte der Bischof die große Vielfalt an Talenten und Charismen berücksichtigt wissen, die zu verschiedenen Diensten in der Kirche befähigen. Dies bewirke in der Kirche „viel Bewegung und Dynamik, die auf Gott hin orientiert ist". Marketz betonte den schon bei seiner Bischofsweihe formulierten Anspruch, dass jede und jeder in der Kirche Platz finden müsse. „Es liegt nicht an uns, Menschen auszuschließen." 
Das Gurker „Konsistorium neu" wurde laut der Aussendung erweitert: Neben den bisherigen Mitgliedern - nämlich Domkapitel, Generalvikar, Ordinariatskanzler, Bischofsvikare, Caritasdirektor, Finanzkammerdirektor, Diözesanökonom, Seelsorgeamtsdirektorin, Vertreter der slowenischen Abteilung des Seelsorgeamtes, Schulamtsdirektor, Dechantenkonferenz-Vorsitzender, die Vorsitzenden der Ordenskonferenz, Leiter der Pressestelle und Bischöflicher Referent - gehören nun als neue Mitglieder auch die Präsidentin der Katholischen Aktion, die Vorsitzende der „Berufsgemeinschaft der PastoralassistentInnen und TheologInnen", der Referent für pfarrpastorale Mitarbeiter, der Leiter des Referates für Diakone und der stellvertretende Vorsitzende des Priesterrates dem Konsistorium an. Themenschwerpunkte der ersten Sitzung am Freitag waren die „Zukunft der Pfarrgemeinden" sowie „Kirche und (vor-)schulischer Bildungsauftrag". 
 

Grazer Familienverband für Bedenkzeit bei Abtreibung und Sterbehilfe 

Für eine ausreichende Bedenkzeit vor Suizidbeihilfe, jedoch auch vor dem Schwangerschaftsabbruch hat sich der Katholische Familienverband Steiermark ausgesprochen. 
Dass Ärzte per Gesetz verpflichtet sind, Patienten vor einer Schönheitsoperation umfassend zu beraten und eine mindestens zweiwöchige Bedenkfrist einzuräumen, während bei der Entscheidung über die vorzeitige Beendigung eines Lebens keine Zeit zum Nachdenken und Aufzeigen von Hilfen und Alternativen vorgesehen ist, sei „absurd", kritisierte Familienverbands-Vorsitzende Sissi Potzinger in einer Pressekonferenz in Graz. Aktueller Anlass war der Internationale „Tag des Lebens" am 1. Juni. 
Während es in Österreich bei Abtreibung bislang keine Bedenkzeit gibt, seien in vielen anderen Ländern Europas drei Tage das diesbezügliche „Minimum", verwies Potzinger auf Beispiele wie etwa Deutschland, Frankreich oder die Benelux-Staaten. Der Katholische Familienverband erachte es als essentiell, diese schon lange diskutierte flankierende Maßnahme zum Schwangerschaftsabbruch endlich umzusetzen, denn: „Wir wissen, dass sich manche Frauen dann doch anders entscheiden werden. Man sollte wenigstens ein paarmal darüber schlafen", so die Verbandsvorsitzende. 
Ergänzend dazu müsse die bestmögliche Beratung der betroffenen Mütter bzw. Paare gesichert sein, mit dem Aufzeigen von Alternativen wie etwa die Adoptionsfreigabe oder die anonyme Geburt und entsprechenden Hilfeleistungen. 
 

Schönborn: Flüchtlingsschicksal früherer Generationen nicht vergessen 

Kardinal Christoph Schönborn hat dazu aufgerufen, geflüchteten und migrierten Menschen in Not stets mit Mitgefühl zu begegnen. Auch das Gedenken an das Schicksal der eigenen Vorfahren verpflichte dazu, sagte der Wiener Erzbischof  in der Wiener Karlskirche, wo er gemeinsam mit Kardinal Dominik Duka und der katholischen tschechischen Gemeinde Wiens einen Festgottesdienst zum 300. Jahrestag der Seligsprechung des böhmischen Heiligen Johannes Nepomuk (1350-1393) feierte. Schönborn selbst stammt aus Böhmen, flüchtete jedoch mit seiner Familie von dort nach Österreich - im Herbst 1945, als er erst neun Monate alt war.
Migration, Vertreibung und Flucht
In seiner Predigt erinnerte der Kardinal an die mehrmaligen Migrationen aus dem heutigen Tschechien im Lauf des 20. Jahrhunderts. Bereits um 1900 seien an die 300.000 seiner Landsleute nach Wien gekommen. „Die Menschen haben damals ihre Heimat und alles verlassen, um bessere Arbeit und Lebensverhältnisse zu finden", sagte Schönborn. Die Bedingungen für diese Gruppe seien in der Hauptstadt der Habsburgerreichs jedoch ärmlich und von einer „neuen Not" geprägt gewesen. Dass Wien damals zum „Schmelztiegel" vieler Völker der Monarchie wurde, sei bis heute in den Telefonbuch-Namenslisten ablesbar.
Nach den Jahren der „fanatischen Ideologie des Nationalsozialismus", die auch für die damalige Tschechoslowakei „unendlich viel Not und Leid" gebracht habe, habe nach Ende des Zweiten Weltkriegs eine große Fluchtbewegung eingesetzt; es gelte an diese „ohne Bitterkeit und auch ohne Ressentiments" zu erinnern, betonte Schönborn.
Ähnlich die Situation nach dem „Prager Frühling" 1968, als sowjetische Panzer kamen und erneut Abertausende Tschechen die Heimat verlassen mussten, um nicht Verfolgung oder das "bittere Joch der Unfreiheit" auf sich nehmen zu müssen.
Neue Heimat 
„Jeder von Ihnen kann Geschichten zu dieser Geschichte erzählen", so der Kardinal in Richtung der tschechischen Gemeinde, und im Nachsatz: „Wir sind alle in der einen oder andere Weise Migranten." Dieser Umstand solle auch daran erinnern, dass auch heute weltweit Millionen Menschen alles verlassen müssten. Auch wenn man die Not der Flüchtlinge nicht lösen könne, zumindest Mitgefühl könne ihnen jeder Mensch erweisen. Weiters gelte es darauf hinzuwirken, "dass dieses 21. Jahrhundert nicht die Schrecken des 20. Jahrhunderts wiederholt". 
Auch die herausragende Bedeutung des intensiven Glaubenslebens für die Migranten strich der Wiener Erzbischof hervor. Die Tschechen hätten bei ihrer Auswanderung und Flucht zwar oftmals alles daheim zurückgelassen, ihren Glauben an Gott als ihren „kostbarsten Besitz" jedoch mitgebracht. Durch die Not der Jahre sei dieser Glaube noch gewachsen und gereift, und viele seien darum bemüht gewesen, ihn auch ihren Kindern und Enkeln weiterzugeben, denn: „Letztlich ist der Glaube unsere Heimat. Wer im Glauben ist, ist nie allein, sondern hat eine Familie", sagte Schönborn. 

Neuer Chef der Kongregation für Gottesdienste  

Neuer Leiter der vatikanischen Gottesdienstkongregation wird der bisherige Sekretär der Behörde, der englische Kurienerzbischof Arthur Roche (71). Sein Vorgänger, der afrikanische Kardinal Robert Sarah (75), wurde oft als Kritiker oder gar Gegner von Franziskus wahrgenommen; gleichwohl hatte der Papst ihn noch über den 75. Geburtstag hinaus in seinem Amt belassen.
Der Engländer Roche hingegen, von 2004 bis 2012 Bischof von Leeds und dann von Benedikt XVI. zum Sekretär der Kongregation für Gottesdienst und Sakramente ernannt, gilt als eher moderat. 

1.100 Jahre alte Kirche
wird jetzt rekonstruiert

Das archäologische Freigelände im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya (NÖ) wird in der heurigen Saison um ein Architekturmodell reicher. Mitte Mai startete der Neubau einer Kirche im frühmittelalterlichen Stil. 
Als Vorbild dient der archäologische Befund einer rund tausendeinhundert Jahre alten Kirche aus Pohansko in Mähren, die im Zeitraum von 2008 und 2012 bei einer Ausgrabung eines tschechischen Archäolog*innenteams freigelegt wurde. 
Die Fertigstellung des Kirchenbaus im MAMUZ ist für Oktober dieses Jahres geplant. 

Hilfswerk erklärt 11. Juni zum
„Tag der Wohltäter“ 

Das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not" (ACN) hat einen „Tag der Wohltäter" ins Leben gerufen. Dieser findet heuer erstmals am Freitag, 11. Juni, dem Herz-Jesu-Fest statt und soll künftig jedes Jahr an diesem kirchlichen Festtag stattfinden.
 „Kirche in Not" zählt insgesamt über 330.000 Unterstützer in 23 Ländern. „Ohne diese wertvolle Hilfe unserer zahlreichen Wohltäter könnten wir nicht in mehr als 140 Ländern der Welt helfen. Dafür gebührt allen Wohltätern ein aufrichtiges und herzliches Vergelt´s Gott", erklärte Rechberger gegenüber Kathpress.

Kurznachrichten

Papst Franziskus hat am 15. Mai  im Vatikan den US-Sonderbeauftragten für Klimaschutz, John Kerry, empfangen. Für Kerry ist der Papst eine der wichtigsten Stimmen für Klimaschutz weltweit.

 

Papst Franziskus will ein Knabenseminar neben dem Petersdom aus dem Vatikanstaat hinaus verlegen. Damit kommt er dem Urteil eines noch laufenden Strafprozesses wegen mutmaßlichen Missbrauchs in dem Seminar zuvor. 

 

Papst Franziskus hat am 27. Mai die Staatspräsidenten von Bulgarien und Nordmazedonien zu getrennten Audienzen empfangen. 

 

Papst Franziskus hat die Jesuitenzeitschrift „Civiltà Cattolica“ als „in ihrer Art einzigartig“ gewürdigt. Anlass für das Lob ist die Wiederaufnahme der spanischsprachigen Ausgabe des traditionsreichen Magazins. 

 

Vatikan. Gegen die jüngst von Papst Franziskus verfügten Gehaltskürzungen für Vatikanmitarbeiter regt sich Widerstand. In italienischen Medien kursiert ein Brief an das Kirchenoberhaupt, in dem eine Gruppe namentlich nicht benannter Angestellter ihren Unmut zum Ausdruck bringt.

 

Australien. Die katholische Bischofskonferenz hat offiziell das erste landesweite Plenarkonzil seit 80 Jahren einberufen. Erzbischof Mark Coleridge habe das erforderliche Dekret unterzeichnet, teilte die Bischofskonferenz auf ihrer Website mit.

 

China. Katholische Kirchen in Hongkong wollen trotz eines Verbots aus Peking am Jahrestag des Massakers an chinesischen Demokratieaktivisten auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking (4. Juni) Gedenkmessen für die Opfer feiern. 

 

Deutschland. Der orthodoxe Landesrabbiner von Sachsen, Zsolt Balla, wird der erste Militärrabbiner der deutschen Bundeswehr. Erstmals nach rund 100 Jahren und 76 Jahre nach der Schoah wird es damit wieder Militärrabbiner in der deutschen Armee geben.

 

Argentinien. Bischof Jose Meliton Chavez (63) ist an den Folgen einer Covid-19-Infektion gestorben, nachdem er fast einen Monat in einem Krankenhaus gelegen hatte. Dem Vernehmen nach war es bereits die zweite Corona-Infektion des Bischofs binnen acht Monaten.

 


Peru. Papst Franziskus hat den Tod der Ordensfrau Maria Agustina Rivas Lopez als Martyrium anerkannt.  Sie wurde 1990 im Alter von 70 Jahren aus Hass auf den Glauben ermordet. Für die Tat ist die marxistisch-maoistische Guerillaorganisation „Sendero Luminoso" (Leuchtender Pfad) verantwortlich.  


Nigeria. Ein katholischer Priester ist im Norden des Landes von Banditen getötet worden. Ein zweiter wurde bei dem Überfall auf das Pfarrhaus der St.-Vincent-Ferrer-Kirche in Malunfashi im Bundesstaat Katsina offenbar entführt. 

 

Deutschland. Zu Pfingsten ist ein neues Internetportal zu Leben und Werk von Papst Benedikt XVI. an den Start gegangen. Ziel sei der Aufbau eines digitalen und internationalen Wissensportals unter der Adresse www.benedictusXVI.org

 

Österreich 

 

Wien. Die AG Globale Verantwortung hat an die österreichische Bundesregierung appelliert, umgehend 200 Millionen Euro an bilateralen Mitteln bereitzustellen, um Entwicklungsländer bei der Bekämpfung der Pandemie zu unterstützen.

 

Salzburg. Der „Theologische Preis" der Salzburger Hochschulwochen wird heuer im August an den deutschen Ordensmann P. Klaus Mertes (66) verliehen. Dieser hatte 2010 als damaliger Schulleiter des Berliner Canisius-Kollegs einen Missbrauchsskandal öffentlich gemacht hatte. Dies löste in Folge eine große Debatte über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche aus.

 

Niederösterreich. Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am 27. Mai gemeinsam mit der estnischen Präsidentin Kersti Kaljulaid das Stift Göttweig besucht. Zuletzt war 1983 der damalige Bundespräsident Rudolf Kirchschläger zu einem offiziellen Besuch im Stift. 

 

Niederösterreich. Die Katholische Aktion St. Pölten zeichnet im Rahmen des diözesanen Umweltpreises 2021 drei „schöpfungsfreundliche" Projekte oder Aktionen, mit jeweils 1.000 Euro dotiert, aus. Pfarren sind ab sofort zur Teilnahme eingeladen. Der Schwerpunkt des Umweltpreises liegt heuer auf „Natur im Pfarrgarten".

„Europäischer Toleranzpreis 2021" an Publizisten Nußbaumer verliehen

Der katholische Publizist und Buchautor Prof. Heinz Nußbaumer ist mit dem „Europäischen Toleranzpreis 2021" ausgezeichnet worden. Der Preis, der den Einsatz Nußbaumers für Demokratie, Menschenrechte und Verständigung würdigt, wurde im Rahmen der  „Europäischen Toleranzgespräche Fresach" verliehen. Seit 2018 wird der Preis vom Österreichischen PEN-Club und der Stadt Villach vergeben.
In seiner Laudatio würdigte PEN-Präsident Helmuth A. Niederle den Preisträger als großen Vermittler und Journalisten, „in dem Heimatliebe, Europabewusstsein und Weltbürgertum miteinander verschmolzen sind". In einer Zeit grassierender „Mir-san-mir-Mentalität" trete Nußbaumer „unbeirrbar, aber verständnisvoll und lernbereit" mit dem Anliegen entgegen, die Unterschiedlichkeit der Weltanschauungen und Kulturen zu respektieren und im Dialog zusammenzuführen, so Niederle. Insofern sei Nußbaumer ein „Pilger zum Gedankentempel der Einsicht, in dem alle Menschen guten Willens ein Zuhause finden können".
Nußbaumers Vorbilder: Kardinal König, Hermann Gmeiner, Heinrich Harrer und Hugo Portisch
In seiner Dankesrede berief sich Nußbaumer auf vier Persönlichkeiten, die sein eigenes Leben und journalistisches Schaffen maßgeblich geprägt haben: Kardinal Franz König, der „jenen großen, alle Begrenzungen überwindenden Weltgeist geatmet" habe und der ihm in seiner "mitmenschlichen Weite und spirituellen Tiefe" zum Vorbild geworden sei. „Jeder religiöse Kreuzzug war ihm zutiefst fremd. Über alle Unterschiede hinweg prägte ihn seine Ehrfurcht vor dem 'Wunder Mensch'", so Nußbaumer. 
Als weitere prägende Persönlichkeiten, die ihm „ein Stück Weltoffenheit vorgelebt" hätten, nannte der „Furche"-Herausgeber SOS-Kinderdorf-Gründer Hermann Gmeiner, den Forschungsreisenden Heinrich Harrer sowie den unlängst verstorbenen Journalisten Hugo Portisch. Gmeiner sei ihm ein Vorbild in „Solidarität und Nächstenliebe"; Harrer habe in ihm wie in Millionen anderen Menschen „die Neugier für andere Völker und den Respekt für ihre Kultur" geweckt - und Portisch schließlich verdanke er jene drei „Prinzipien eines weltoffenen, verantwortungsbewussten Journalismus", denen er bis heute zu folgen versuche: "Aus der Geschichte lernen. Gegen Vorurteile kämpfen. Und zur Toleranz erziehen".  

Auch das noch...

Vatikanfinanzen: Ex-Kurienkardinal Pell sieht sich bestätigt - "Unseriöse Investoren"

Die jüngsten Maßnahmen zur vatikanischen Finanzreform des Papstes weisen nach Aussage des früheren Kurienkardinals George Pell „in die richtige Richtung". Als wichtigste Maßnahme bezeichnete der frühere Leiter des vatikanischen Wirtschaftssekretariates im Kathpress-Interview die Einrichtung eines Expertengremiums für Finanzinvestitionen des Heiligen Stuhls.
Leider habe erst der Skandal im vatikanischen Staatssekretariat gezeigt, wie schlecht bisher gearbeitet worden sei, so Pell, der am 8. Juni 80 Jahre alt wird. „Seit Jahrzehnten war bekannt, dass die Leute, mit denen die Investoren des Vatikan zusammenarbeiten, verdächtig sind, unseriös." Viele der externen Finanzpartner seien in Prozesse und Untersuchungen verwickelt. „Ich glaube kaum, dass das Staatssekretariat noch viel Geld übrig hat. Wohlwollend gesagt: Die waren spektakulär erfolglos", so der Kardinal.
 

Campo Santo soll umfassend renoviert werden

Mit 16 Millionen Euro unterstützt die deutsche Bundesregierung Renovierungs- und Umbaupläne am Campo Santo Teutonico neben dem Petersdom. Einen entsprechenden Bericht der „Herder-Korrespondenz" bestätigte dessen Rektor, Hans-Peter Fischer, gegenüber Kathpress.
Fehlende Mittel zu den geschätzten Gesamtkosten von 22 Millionen Euro müsse die im 15. Jahrhundert gegründete „Erzbruderschaft zur Schmerzhaften Mutter Gottes" als Eigentümerin selbst aufbringen, so Fischer. Deswegen habe man einen Förderverein „Pro Campo Santo" mit Sitz in München gegründet.
Als erste dringende Baumaßnahmen sollen die Grundmauern des Gebäudekomplexes im Schatten des Petersdoms trockengelegt werden. 
„Campo Santo Teutonico“ heißen der „deutsche Friedhof“ und die zugehörigen Gebäude in Rom.
Obwohl der Friedhof der einzige innerhalb der Mauern der Vatikanstadt ist und direkt neben dem Petersdom liegt, gehört er nicht zum vatikanischen, sondern zum italienischen Staatsgebiet

Hubert von Goisern: Jesus war und ist eine  „unglaubliche Inspiration"

„Jesus Christus war und ist eine unglaubliche Inspiration." Für den Volksmusiker und Schriftsteller Hubert von Goisern ist die Zentralgestalt des Christentums eine von „nur ganz wenigen Figuren" in der Geschichte der Menschheit, "an denen ich nichts auszusetzen habe". Wie der international populäre Künstler im neuen „Grüß Gott!"-Magazin der Diözese Linz erklärte, bewundere er an Jesus die Verbindung von Demut „mit einer - ganz salopp gesagt - provozierenden, ungeheuren, ja anstößigen Kompromisslosigkeit". Wer sich an ihm orientiert, bekomme eine gute Einschätzung dessen, was richtig und was falsch ist, sagte von Goisern in dem ausführlichen Interview des Printmediums, dessen Titelseite diesmal sein Porträt zeigt.
Regelmäßiger Besucher von Gottesdiensten sei er keiner, erzählte der Musiker weiter. Obwohl es sicher Priester gebe, die lebendige, inspirierende Predigten halten können, seien die meisten von ihm miterlebten „floskelhaft und nicht selten anmaßend" gewesen.
 

Grundsteinlegung für den Berliner Mehrreligionen-Bau „House of One" 

Für das Berliner „House of One" von Juden, Christen und Muslimen ist der Grundstein gelegt: Vertreter aus Politik und Religionsgemeinschaften vollzogen am 27. Mai auf dem Petriplatz im Zentrum der deutschen Hauptstadt den symbolischen Baustart für das seit zehn Jahren geplante Mehrreligionenhaus. Bis 2024/25 entsteht ein weltweit einzigartiger Ziegelbau in kubischen Formen mit einer Synagoge, einer Kirche und einer Moschee sowie einem gemeinsamen Raum der Begegnung.
Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble bezeichnete bei dem Festakt die Idee des Projekts als „theologisch anspruchsvoll". Die Träger träten für gegenseitigen Respekt ein, „ohne den Anspruch zu erheben, ihre Religion in Gänze zu repräsentieren und ihre eigene Identität aufzugeben". Es sei ein Ansporn für die Religionen, „ihre Verantwortung für die Welt wahrzunehmen". 

KHM-Schau: Höhere Mächte" 

Die Hinwendung zu höheren Mächten in verschiedensten Kulturen und Epochen ist das Thema der Frühjahrsausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien (KHM). Die Schau präsentiert seit dem  18. Mai Zeugnisse aus den reichen eigenen Beständen, aus den Sammlungen des Weltmuseums Wien und des Theatermuseums. Die ausgewählten, auf der KHM-Website teilweise vorab zu besichtigenden Objekte machen deutlich, in wie vielen unterschiedlichen Formen und Facetten sich das Ausstellungsthema in Kultur und Kunst niedergeschlagen hat.
KHM-Generaldirektorin Sabine Haag eröffnet „Höhere Mächte"  gemeinsam mit Altbundespräsident Heinz Fischer online, für Interessierte werden Links angeboten.
Naturgewalten, Seuchen oder politische Systeme würden auch heute noch das Gefühl vermitteln, „immer wieder Mächten ausgesetzt zu sein, die wir kaum beeinflussen können, die sich aber trotzdem auf unser Leben auswirken, es verändern und bestimmen", schlägt das KHM in der Ankündigung eine Brücke zur aktuellen Pandemie. Seit jeher hätten höhere Mächte - bzw. die menschliche Vorstellung davon - die Kulturen der Welt geprägt. Irdische Herrscher umgaben sich mit Insignien wie Kronen, Federhüten oder kostbaren Kleidungsstücken "als Ausdruck ihres gottgegebenen Machtanspruchs".
Ein Teil der Ausstellung widmet sich dem Versuch, mit überirdischen Mächten in Kontakt zu treten und zeigt u. a. ganz persönliche Leihgaben der Besucher des weltbekannten Wiener Museums. Die Verbindung zu Gottheiten sei u.a. über Kultbilder gesucht worden, die mit Votivgaben, Blumen und Gesängen geehrt wurden. Rituale, Gebete und Amulette sollten Hilfe, Schutz und Beistand bewirken. „Schaman*innen und Priester*innen standen und stehen Menschen in Gefahren als Mittler*innen und Helfer*innen zur Seite", heißt es auf der KHM-Website.