JA 

die neue Kirchenzeitung

 30. Juni 2024 

Lesungen:  Ijob 38,1-8.11; 2 Kor 5, 14-17;  Evangelium: Mk 4,35-41.

 

Ministrantendienst

Ein uralter Witz: Ein Pfarrer klagt einem anderen, dass in seinem Kirchturm viele lästige Tauben nisten. Antwort: Lass sie doch firmen, dann sind sie sicher weg.
Die traurige Wahrheit dahinter: Nach der Firmung sieht man in vielen Pfarren am Sonntag kaum noch Jugendliche in der Messe.





Doch wie schaut es nach der Erstkommunion aus. Immer mehr Kinder gehen kein zweites, drittes Mal zur Kommunion.
Treu bleiben und kommen jene, die sich für den Ministrantendienst begeistern lassen. Doch das verwehren oft Eltern, obwohl beide katholisch, ihren Kindern. Es gibt ja so viele andere Nebenbeschäftigungen.  P. Udo

1.500 Jahre alter Reliquienschrein „Jahrhundertfund" in Kärnten

Von einem „Jahrhundertfund" haben Archäologen der Universität Innsbruck gesprochen, als sie am 25. Juni  einen 1.500 Jahre alten frühchristlichen, kunstvoll bearbeiteten Reliquienschrein der Öffentlichkeit präsentierten.
Es handelt sich um die Reste einer „Pyxis" aus Elfenbein, deren Fund bei Grabungen auf dem Burgbichl in der Kärntner Gemeinde Irschen einen seltenen Glücksfall darstellt, wie Grabungsleiter Gerald Grabherr bei einem Pressegespräch darlegte. Diese Dose zur Aufbewahrung der eucharistischen Brotgestalt werde normalerweise beim Verlassen einer Kirche als „Heiligstes" mitgenommen, sei in diesem Fall aber dort zurückgeblieben und unter dem Verschlussstein in einer Reliquienkammer unter dem Altar entdeckt worden, berichtete Grabherr laut der Diözese Innsbruck.
Seit dem Fund wurde das sehr zerbrechliche Reliquiar an der Universität Innsbruck konserviert und mit neuesten wissenschaftlichen Methoden - neben der etablierten C14-Datierung auch mittels DNA-Analysen des Elfenbeins und einem 3D-Druck - untersucht.
Etwa eineinhalb Jahrtausende ruhten die aufwendig verzierten Teile einer „Dose", in der ursprünglich wohl eine Reliquie aufbewahrt wurde, in einem 27 Kilogramm schweren Marmorbehälter. Vor knapp zwei Jahren wurde dieser vom Forschungsteam der Universität Innsbruck in der frühchristlichen Kirche einer Bergsiedlung in der heutigen Gemeinde Irschen im oberen Drautal entdeckt. „Weltweit wissen wir von circa 40 derartigen Elfenbeindosen, bei Grabungen ist meines Wissens eine solche zuletzt vor inzwischen rund 100 Jahren gefunden worden - die wenigen Pyxiden, die es gibt, sind entweder in Domschätzen erhalten oder in Museen ausgestellt", sagte Grabherr, ein Fachmann für Provinzialrömische Archäologie: „So ein Glück haben nur ganz, ganz wenige Archäologen in ihrem Leben!"

Kunstvoll geschnitzter Behälter

Die Pyxis hat einen Innendurchmesser von ca. 7 Zentimetern und ist in fünf Teile zerbrochen. Die kunstfertig geschnitzten Seitenteile zeigen Szenen, die die Fachleute verschiedenen biblischen Geschehnissen zuordnen. Grabherr nannte die  Darstellung der Übergabe der Gesetze an Moses am Berg Sinai sowie einen Mann auf einem Wagen, die die Himmelfahrt Christi darstellen könnte. 

Fotos: Universität Innsbruck.

Offener Brief an den Papst mit Forderung nach Frauenweihe

Mit einem Offenen Brief sind mehrere kirchliche Reformbewegungen an Papst Franziskus herangetreten, um eine Weihe von Frauen zu Priesterinnen zu fordern. Die Frage der bislang untersagten Frauenordination innerhalb der katholischen Kirche müsse bei der laufenden Weltsynode im Vatikan diskutiert werden, urgieren die Unterzeichnenden am Donnerstag. Eine solche Debatte müsse offen für Kleriker und Laien sowie offen für Inhalte und Ergebnisse sein. Der Vorschlag werde unterbreitet in „tiefer Sorge um die Glaubwürdigkeit und die Zukunft der katholischen Kirche".
Die Zeit sei reif, hieß es in dem Brief. „Eine Weltsynode, die sich heute nicht für eine Debatte über das Thema Frauenpriestertum in unserer Kirche öffnet, hätte ihren eigenen Anspruch verfehlt." Der Brief drängt darauf, dass Diskussionen ohne Angst möglich sein müssten. „In den europäischen Ländern ist die freie Meinungsäußerung in jüngerer Zeit viel leichter geworden." Wer heute die Debatte über die Frauenweihe normativ für beendet erkläre, gehöre innerkirchlich zu einer Minderheit.
Zugleich räumen die Unterzeichnenden ein, dass die Situation in vielen Ländern vor allem außerhalb Europas anders aussehe. „Wer dort offen über das Frauenpriestertum spricht, ja es zukünftig für erstrebenswert hält, muss Sanktionen wie arbeits- und dienstrechtliche Einschränkungen fürchten."
Solche „innerkirchlichen Sanktionen von freien Meinungsäußerungen über die zukünftige Lehre der Kirche" seien inakzeptabel, betonen die Unterzeichnenden. „Die Weltsynode sollte mit einem guten Beispiel vorangehen, indem sie eine Debatte zum Frauenpriestertum offen führt. Damit würde die Kirche aktiv christliche Werte verteidigen, die in vielen Ländern unverändert von einigen Bischöfen grob missachtet werden."
Unterzeichnet wurde der Offene Brief unter anderen von Vertreterinnen und Vertretern von „Maria 2.0 Deutschland", „Wir sind Kirche", der „Pfarrer-Initiative Deutschland" und weiteren Organisationen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien. Aus Österreich haben den Brief Herbert Bartl („Priester ohne Amt"), Helmut Schüller („Pfarrerinitiative"), Harald Niederhuber („Laieninitiative") und Martha Heizer („Wir sind Kirche") unterzeichnet. 

Mitgliederschwund in großen Kirchen in Deutschland setzt sich fort

Der Mitgliederschwund in den beiden großen Kirchen in Deutschland setzt sich fort. Im vergangenen Jahr kehrten 402.694 Katholikinnen und Katholiken ihrer Kirche den Rücken. Das geht aus der am Donnerstag in Bonn vorgelegten Statistik der Deutschen Bischofskonferenz hervor. Den bisherigen Höchstwert an Austritten mit mehr als 520.000 verzeichnete die Statistik für das Jahr 2022.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatte bereits im Mai ihre Zahlen vorgelegt. Hier verzeichnete die Statistik rund 380.000 Austritte für 2023. Grund für die rückläufige Gesamtzahl der Mitglieder sind nicht nur die Kirchenaustritte. Wie in den vergangenen Jahren auch sterben mehr katholische und evangelische Christen, als durch Taufen hinzukommen.
Zum Jahresende gehörten nach vorläufigen Berechnungen der EKD 18,56 Millionen Menschen den deutschlandweit 20 Landeskirchen an; bei der katholischen Kirche waren es rund 20,3 Millionen Menschen. Der Anteil der beiden Kirchen an der Gesamtbevölkerung beträgt damit rund 24 beziehungsweise 22 Prozent, zusammengenommen also rund 46 Prozent. Im Jahr 2021 war der Gesamtanteil der beiden Kirchen erstmals unter 50 Prozent gefallen.
Wieder gestiegen ist nach der Corona-Zeit die Zahl der Gottesdienstbesucher: Im Durchschnitt besuchten 1,27 Millionen Katholikinnen und Katholiken (2022: 1,19 Mio.) am Wochenende Gottesdienste, das waren rund 6,2 Prozent aller Mitglieder. 
Dabei wurde die digitale Teilnahme nicht mitgezählt. Rückläufig ist hingegen die Zahl der katholischen Pfarren: Sie ging von 9.624 im Jahr 2022 auf 9.418 im Jahr 2023 zurück. Weiter verzeichnet die aktuelle Statistik der Deutschen Bischofskonferenz 11.702 Priester (2022: 11.987), davon 5.971 Pfarrseelsorger (2022: 6.069).

Papst beschwört Christen, im Nahen Osten zu bleiben 

Papst Franziskus hat die Christen dazu aufgefordert, sich solidarisch mit den christlichen Minderheiten im Nahen Osten und anderen Kriegsgebieten zu zeigen. "Die Gläubigen in der ganzen Welt sind dazu aufgerufen, die Christen im Heiligen Land und im gesamten Nahen Osten zu ermutigen, dass sie stärker sind als die Versuchung, ihre von Konflikten heimgesuchten Länder zu verlassen." Der Papst äußerte sich am Donnerstag in einer Ansprache an Kirchenführer und Hilfswerke, die im Nahen Osten und im ehemaligen Ostblock tätig sind.
Die zum Dachverband „Roaco" (Riunione delle Opere per l'Aiuto alle Chiese Orientali) der Ostkirchenhilfswerke gehörenden Verantwortlichen rief der Papst zu zielgerichtetem Handeln auf. Sie sollten „nicht Reden schwingen und Theorien oder geopolitische Analysen entwickeln, sondern die besten Wege finden, um die Not der Brüder und Schwestern in den östlichen Kirchen zu lindern und ihnen nahe zu sein."
Als besonders dramatisch schilderte er die Lage der östlichen Christen im Heiligen Land, in der Ukraine und in der Kaukasus-Region Karabach. 

 Foto: Vatican Media.

Kardinal: Italiens Präsident bat Vatikan, Berlusconi zu stürzen 

Einer der bekanntesten Kardinäle Italiens hat Details über das Zusammenspiel von Politik und Kirche aus der Ära Berlusconi enthüllt. In einem Interview der Tageszeitung „Corriere della Sera" (Sonntag) berichtete Kardinal Camillo Ruini, dass der damalige Staatspräsident Oscar Luigi Scalfaro ihn und Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano 1994 gebeten habe, zu einem Sturz von Silvio Berlusconi beizutragen, weil dieser eine Gefahr für Italien darstelle. 

Die Bitte habe das Staatsoberhaupt bei einem Mittagessen im Präsidentenpalast vorgetragen, an dem als dritter Gast der damalige vatikanische Außenbeauftragte Jean-Louis Tauran teilnahm. Damals hatte der Bau- und Medienunternehmer Berlusconi nach dem Niedergang der christdemokratischen Partei erstmals eine Wahl gewonnen und war Regierungschef geworden. Die „Democrazia Cristiana" war bis dahin der politische Verbündete der katholischen Kirche gewesen. Ruini zufolge lehnten die drei Geistlichen die Bitte des Präsidenten um ein solches „Manöver" gegen Berlusconi einstimmig ab. Ihre Antwort sei „eisiges Schweigen" gewesen. 

Über den am 12. Juni 2023 gestorbenen Berlusconi sagte Ruini in dem Interview rückblickend: „Er hat seine Stärken und seine Schwächen gehabt, so wie alle Politiker. Aber es ging ihm nicht um Strafvereitelung. Die Gefahren für die Republik waren andere." Den Versuch der gegen Berlusconi unterlegenen Christdemokraten, den Sieger als eine Gefahr für die Demokratie öffentlich zu attackieren, habe er von Anfang an abgelehnt, so Ruini. 

Berlusconi habe nach seiner Wahl zum Regierungschef mit der katholischen Kirche zusammengearbeitet, insbesondere bei bioethischen Fragen. Daraus seien dann auch Gesetze im Sinne der Kirche hervorgegangen. - Ruini bestimmte von 1986 bis 2008 zunächst als Sekretär und dann als Präsident der Italienischen Bischofskonferenz über 30 Jahre lang die politische Linie der katholischen Kirche in Italien. 

Kurznachrichten 

Papst Franziskus will den Vatikan komplett auf Solarenergie umstellen. Er hat den Bau einer großen sogenannten „Agri-Photovoltaik-Anlage" auf einem Vatikan-eigenen Gelände außerhalb von Rom angeordnet. 

 

Israel. Auch strengreligiöse jüdische Männer (Haredim) müssen zum Wehrdienst in die israelische Armee eingezogen werden. Zu diesem Urteil kam das oberste israelische Gericht am Dienstag einstimmig, wie israelische Medien berichteten. Es gebe für die Regierung keine rechtliche Grundlage mehr, geeignete ultraorthodoxe Religionsstudenten generell vom Wehrdienst zu befreien. 

 

USA. Die Schulen im US-Bundesstaat Oklahoma müssen künftig die Bibel und die Zehn Gebote in ihre Lehrpläne aufnehmen. Denn: Die Bibel sei „eines der grundlegendsten Dokumente, das für die Verfassung und die Geburt unseres Landes verwendet wurde". Sie sei ein „notwendiges historisches Dokument", um Kindern die Geschichte der USA und ein umfassendes Verständnis der westlichen Zivilisation sowie des nationalen Rechtssystems zu vermitteln. 

 

Ukraine. Zwei katholische Ordensleute sind nach Angaben des deutschen Osteuropahilfswerks „Renovabis" in der Ukraine freigelassen worden. Die Redemptoristen-Patres Ivan Levitskyi und Bohdan Heleta waren im Herbst vor zwei Jahren von russischen Truppen verschleppt und inhaftiert worden. 

 

In Großbritannien gaben in einer Erhebung der Organisation „Voice for Justice UK" mit 56 Prozent mehr als die Hälfte von über 1.500 befragten Christen an, Feindseligkeit und Spott erfahren zu haben, wenn sie öffentlich über ihren Glauben sprechen. 18 Prozent berichteten von Diskriminierung. 

 

Pakistan. Ein muslimischer Tourist ist in der Bergstadt Madyan im Distrikt Swat in der pakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa durch einen gewalttätigen Mob gelyncht worden. Ihm wurde vorgeworfen, den Koran während seines Aufenthalts in einem Hotel geschändet zu haben. 



Baltikum. Der deutsche Erzbischof Georg Gänswein (67) wird Vatikanbotschafter für Litauen, Lettland und Estland. Die Ernennung durch Papst Franziskus gab der Vatikan am Montag bekannt. Gänsweins Dienstsitz als Nuntius in den baltischen Staaten wird Litauens Hauptstadt Vilnius sein.
 
USA. Auch wer als Jüdin oder Jude in einer Beziehung mit einem Nichtjuden lebt, kann künftig reformjüdischer Rabbiner werden. Das Rabbinerseminar der Reformbewegung, das Hebrew Union College (HUC), hat ein langjähriges Verbot von gemischtreligiösen Partnerschaften für Rabbinats-Studierende aufgehoben. 


Österreich



Steiermark. Der von den Nationalsozialisten hingerichtete katholische Priester Max Josef Metzger (1887-1944), der von 1915 bis 1927 als Seelsorger in Graz wirkte, wird am 17. November im deutschen Freiburg seliggesprochen. 

 

Tirol. 50 der derzeit über 130 auf dem Gebiet der Diözese Innsbruck aktiven Priester stammen aus der Weltkirche. 

 

Wien. Die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) hat ihr klares Ja zum EU-Renaturierungsgesetz bekräftigt. Sie steht damit im Gegensatz zu manchen Ordensgemeinschaften. 

 

Niederösterreich. Die russisch-orthodoxe Kirchengemeinde zum hl. Hippolyt in St. Pölten wurde vor Kurzem staatlich anerkannt. Die russisch-orthodoxe Kirche in Österreich schätzt die Gesamtzahl ihrer Gläubigen laut eigenen Angaben auf etwa 50.000. 

 

Wien. Der Rektor des österreichischen Pilger-Hospizes in Jerusalem, Markus Bugnyar, und der Wiener Staatsoperndirektor Bogdan Roscic sind mit dem Israel-Freundschaftspreis der israelischen Botschaft in Österreich ausgezeichnet worden. 

Transgender-Eremit

Einige katholische Bischöfe der USA haben ihre Bischofskonferenz um Rat gebeten, nachdem ein Einsiedler der Diözese Lexington sein Transgender-Dasein öffentlich gemacht hat. Die Bischofskonferenz signalisierte, Richtlinien zum Umgang mit solchen Fällen erarbeiten zu wollen, berichtete Vatican News.
Ein 39-jähriger Ordensbruder, der als Eremit in der Diözese Lexington in Kentucky wirkt, hatte sich am Pfingstsonntag als Transgender geoutet. Er hatte ein Jahr zuvor seine Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams abgelegt.
Nach Bekanntwerden des Falls stehe das Thema jetzt bei der US-amerikanischen Bischofskonferenz auf der Tagesordnung, sagte Bischof Thomas J. Paprocki.
Eine „vorläufige Diskussion“ innerhalb der US-amerikanischen Bischofskonferenz habe ergeben, dass es für eine Transgender-Person „nicht wirklich möglich ist, zur Rolle eines Einsiedlers oder zum geweihten Leben zugelassen zu werden“, ließ er weiter durchblicken.

Auch das noch...

EGMR-Urteil: Staaten dürfen Sterbe- und Suizidbeihilfe verbieten

Die Mitgliedsstaaten des Europarates dürfen weiterhin Suizidbeihilfe verbieten, auch mithilfe des Strafrechts, und somit die Bürger, Ärzteschaft und Gesellschaft vor Sterbehilfe und deren Auswirkungen schützen: Das besagt ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), auf welches das Wiener Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) in seinem jüngsten Newsletter verweist. Bekräftigt worden sei, „dass es kein Menschenrecht auf assistierten Suizid und Tötung auf Verlangen gibt, und dass strafrechtliche Verbote vor lebensgefährdenden Handlungen schützen", begrüßte IMABE-Juristin Antonia Busch-Holewik die Entscheidung der Höchstrichter in Straßburg.
Anlass gab ein ungarischer Bürger, der mit seiner Klage gegen Ungarn die Aufhebung des dort geltenden Verbots von Suizidbeihilfe und von Tötung auf Verlangen erzwingen wollte.
 

Steuerstreit: Kirchen beklagen "Generalangriff" Israels

Der Steuerstreit zwischen den Kirchen im Heiligen Land und Israel droht erneut aufzuflammen. Israel habe einen "“oordinierten Angriff auf die christliche Präsenz im Heiligen Land" unternommen, heißt es laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA; Montag) in einem gemeinsamen Brief diverser Kirchenführer an Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Die Kampagne habe ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht.
Die Kirchenführer machen in dem Schreiben historische und gesetzliche Rechte sowie bestehende Vereinbarungen geltend. Das Vorgehen der Behörden breche den seit Jahren bestehenden Status quo. Sie verweisen auf die seit osmanischer Zeit geltende Befreiung kirchlicher Liegenschaften von der Kommunalsteuer sowie auf die sozialen Leistungen der Kirchen. Die Kirchen investierten zugunsten der Gesamtgesellschaft in Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Altenheime und Krankenhäuser und ergänzten damit die Arbeit des Staates, so die Unterzeichner.
Als besonders skandalös bezeichnen Pizzaballa und seine Amtskollegen den Zeitpunkt des Vorgehens. Die Kirchen stünden angesichts einer instabilen Wirtschaftslage, ausbleibender Pilger und der Ungewissheit seit acht Monaten in einer schwierigen Phase. Statt „Geduld, Mitgefühl, Einigkeit im Gebet und Hoffnung" würden aber Gerichtsverfahren eröffnet und Drohungen ausgesprochen.

Theologe: Hamas-Angriff weiterhin Belastung für interreligiösen Dialog

Der Terror-Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 auf Israel stellt weiterhin eine Belastung im interreligiösen Dialog dar. Das hat der Salzburger Theologe Prof. Gregor Maria Hoff aus Anlass der Jahrestagung des „Internationalen Rates der Christen und Juden" (ICCJ) betont, die am Mittwoch in Salzburg zu Ende gegangen ist. Hoff ist einer der Organisatoren der Tagung und selbst stark in den interreligiösen Dialog involviert. Bei der ICCJ-Tagung, in deren Rahmen auch der renommierte „Seelisberg Preis" vergeben wurde, waren erstmals auch Muslime vertreten. Dies sei ein wichtiges Signal gewesen und habe zu einem intensiven und alle bereichernden Austausch geführt, erklärte Hoff in einer aktuellen Folge des Religionspodcasts „Wer glaubt, wird selig". 
Es sei „ein besonderes Signal, dass gerade in diesen Zeiten nach dem 7. Oktober eine solche Dialogtagung stattfindet, an der bewusst nicht nur Juden und Christen, sondern auch Muslime miteinander an einem Tisch sitzen", führte Hoff aus. Die Belastung des Dialogs und die Irritation, die antisemitische, aber auch antiislamische Affekte im Nachgang auslösten, sei weiterhin groß. 
 

Reform: Erzdiözese Wien beriet über Entwicklungsschritte bis 2034

Die Erzdiözese Wien will sich für die kommenden zehn Jahre strukturell und inhaltlich "zukunftsfit" aufstellen. Kardinal Christoph Schönborn lud aus diesem Anlass 270 verantwortliche Personen aus den verschiedensten Beratungsgremien, Vorständen, Dienststellen, Orden und kirchlichen Gruppen der Erzdiözese zu einem „Tag der Räte". 
Inhaltliches Kernstück der Beratungen am „Tag der Räte" waren einige Thesen, die sogenannte „Kundschafterinnen" und „Kundschafter" erarbeitet hatten. Am 15. Februar waren dazu rund 50 junge haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Pfarren, kirchlichen Orten und Dienststellen in andere Organisationen und Kirchen ausgesandt worden. Sie sammelten Erfahrungen, wie die Katholische Kirche auf dem Gebiet der Erzdiözese 2034 aufgestellt sein muss, um ihrer Ausrichtung auf „Mission und Jüngerschaft" treu zu bleiben. Dazu besuchten die jungen Leute auch Betriebe wie die MA48 (Müllabfuhr), Austrian Airlines oder den Tiergarten Schönbrunn.  Die Erkenntnisse aus diesen Besuchen wurden am „Tag der Räte" diskutiert.

Festivalseelsorge bei Donauinselfest stark gefragt

Mehr als 800 Gespräche konnte die Festivalseelsorge beim Wiener Donauinselfest am vergangenen Wochenende führen. Diese positive Bilanz zum Einsatz der 40 katholischen und evangelischen Seelsorgerinnen und Seelsorger hat die Erzdiözese Wien gezogen. Der Einsatz war ein gemeinsames Projekt von Erzdiözese Wien, „Festivalseelsorge Österreich" und der kirchlichen Initiative für junge Erwachsene „Denk Dich Neu". Weitere Einsätze bei anderen Festivals in den kommenden Wochen sind geplant. 
Beim Donauinselfest waren die speziell ausgebildeten Seelsorger mit einem eigenen Zelt in der Nähe der Electronic Music Bühne vertreten und in mobilen Teams auf dem Festivalgelände unterwegs. Häufige Themen bei den Gesprächen waren laut Bericht der Erzdiözese Wien und laut Presseaussendung von "Denk Dich Neu" Lebenskrisen, Liebeskummer und Einsamkeit. Auch familiäre Konflikte, Mobbing und sexuelle Gewalterfahrungen kamen zur Sprache. 60 Prozent der Gesprächspartner waren unter 30 Jahre alt. „Der jüngste Gast war ein wenige Monate altes Baby mit seiner Mutter, der älteste Gesprächspartner 97 Jahre alt", hieß es. 
Erstmals wird die Festivalseelsorge heuer außerdem beim "Lido Sounds"-Festival in Linz dabei sein, teilte "Denk Dich Neu" mit. Dort werden vom 27. bis 30. Juni 27 Seelsorger im Einsatz sein.