JA 

die neue Kirchenzeitung

31. Juli 2022 

Ehelizenzen für Priester 

Vor der Amazonas-Synode hatten viele die Erwartung, dass der Zölibat ob des drückenden Priestermangels teilkirchlich aufgehoben wird. Die Hoffnungen wurden nicht erfüllt. Die Sakramente interessieren in der sakramentalen Kirche die Verantwortlichen nicht wirklich.
Von der Priesternot betroffene Bischöfe sehen sich nicht als Nachfolger mutiger Männer aus Galiläa, sondern als Befehlsempfänger eines römischen Machtimperiums.
Es gab in der Geschichte Bischöfe mit Eigeninitiative. Ein Beispiel aus der Großdiözese Passau, die einst ganz Nieder-und Oberösterreich umfasste:
Bereits wenige Jahre nach Martin Luthers Thesenanschlag (1517) verheirateten sich katholische Priester. Um ihren guten Ruf zu wahren, denn Pfarrersköchinnen wurden  vom Volk wie Huren behandelt.


Um 1563 bildete sich in Passau, wo damals der 38-jährige Bischof Urban von Trennbach regierte, die Praxis, dass Priester beim Dechant oder beim bischöflichen Konsistorium selbst um eine Ehelizenz ansuchten. Diese wurde  regelmäßig erteilt.
Diese Ehen wurden als rechtmäßig angesehen und bei Verlassenschaften entsprechend behandelt.
Es kam vor, dass ein Geistlicher eine Pfarrerswitwe heiratete, um die Stelle ihres verstorbenen Mannes zu erhalten.
Mönchen wurde die Lizenz an und für sich nicht erteilt, doch waren viele, so sie Pfarren zu betreuen hatten - auch damals herrschte  Priestermangel! - , verehelicht. 
Offenkundig auf Druck von oben hob 1576 eine Passauer Synode unter demselben Bischof Urban die Verehelichungslizenzen auf und untersagte Priestern, Priester zu trauen.
Verheiratete Priester waren dennoch noch viele Jahre in ihren Ämtern…                               P. Udo

Ukraine: „Wir sind auf einen plötzlichen und unerwarteten Tod vorbereitet“

Vor dem Hintergrund des eskalierenden Krieges in der Ukraine sprach das päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) mit Bischof Pavlo Honcharuk der Diözese lateinischen Ritus Charkiw-Saporischschja. Sie ist eine der größten Diözesen Europas und erstreckt sich mit mehr als 196.000 Quadratkilometern über beinahe das gesamte Territorium der Ukraine östlich des Dnepr. Ihre Fläche ist größenmäßig vergleichbar mit dem gesamten Gebiet Syriens oder von Belarus. Aktuell liegt die beinahe 1.000 km lange Kriegsfront nahezu vollständig in der Diözese, und die Städte sind unter ständigem Beschuss. Im Gespräch mit „Kirche in Not“ beschreibt der 44-jährige Bischof das derzeitige Leben in seiner Diözese. Das Gespräch führte Pater Jurij Blażejewski für „Kirche in Not“.
Wie würden Sie die Situation in Ihrer Diözese beschreiben, die zum Hauptschauplatz dieses schrecklichen Krieges geworden ist?
Unsere Kirche lebt und ist aktiv. Priester und Gläubige sind an Ort und Stelle, das Gebet geht weiter, ebenso die tägliche Liturgie in den Pfarreien. In den einen mehr als in den anderen, das hängt von dem jeweiligen Ort ab: Dort, wo die Kriegshandlungen im Gange sind, oder in den besetzten Gebieten, gibt es diese Möglichkeit nicht. Dennoch steht unsere Kirche den Menschen zur Seite, den alten Menschen und den Kindern, genauso wie sie den Soldaten hilft, die unser Heimatland verteidigen.
Vor wenigen Monaten bezeichneten Sie die Situation gegenüber „Kirche in Not“ als Schock und Schmerz. Zu Beginn des Krieges gab es vielleicht noch die Hoffnung, dass er früher enden würde. Jetzt zeigt sich, dass er weiter andauern wird. Was empfinden Sie in diesem fünften Kriegsmonat?
Der erste Schock ist vorbei, jetzt herrscht ständige Anspannung. Wir sind permanent in Alarmbereitschaft, besonders wenn es Bombenangriffe gibt und niemand weiß, wann und wo es Einschläge geben wird. Vorgestern war das keine 1.000 bis 1.200 Meter Luftlinie von hier. Letzte Nacht schlugen die Bomben irgendwo ganz in der Nähe ein. Ich weiß, dass ich das Geschoss nicht hören werde, das mich trifft. Wenn ich also eine Explosion höre, bedeutet das, dass ich noch lebe. Wir sind auf einen plötzlichen und unerwarteten Tod vorbereitet. Das heißt, dass wir oft zum Empfang der Sakramente gehen, besonders zur Beichte. Das ist eine völlig neue Erfahrung, eine andere Art zu leben. Ich stehe morgens auf und mir wird bewusst, dass ich lebe.
Zusätzlich zu diesem Schmerz bewirkt das Leid ein Gefühl der Hilflosigkeit, denn es überwältigt einen. Das Böse ist so groß und so zynisch, dass es die Großen dieser Welt von ihrem Thron stößt. Kriege lassen sich sehr leicht auslösen, aber wie kann man sie beenden? Andererseits gibt es auch große Zeichen der Gegenwart Gottes inmitten des tosenden Krieges, in den Herzen der Menschen, die an unterschiedlichen Orten als Soldaten, Sanitäter, Feuerwehrleute, Polizisten und in anderen Diensten im Einsatz sind. Wenn wir in die Gesichter dieser Menschen blicken, können wir die große, göttliche Macht der Liebe erkennen, mit der Gott sie erfüllt.
Wie stellt sich die Lage in Charkiw zurzeit dar? Kehren die Menschen zurück oder beginnen sie nun, wieder zu gehen?
Die Situation ändert sich ständig. Beispielsweise kommt ein Mann vielleicht, um nach seiner Wohnung zu sehen und geht sofort wieder weg. Grundsätzlich ist es so, dass die Menschen Charkiw wegen der ständigen Bombardierungen verlassen. Es gibt Angriffe am Vormittag, am Nachmittag und in der Nacht. Wir sind sehr nah an der Front, zwanzig Kilometer, um genau zu sein. Vor dem Krieg lebten in der Stadt Charkiw 1,7 Millionen Menschen. Im Augenblick sind es ungefähr 700.000, weniger als die Hälfte. Aber andere Städte in der Diözese, wie Slowjansk, Kramatorsk oder Bachmut sind sehr gefährliche Orte im eigentlichen Kriegsgebiet. Fast alle sind schon geflohen, es gibt nur noch wenige Menschen in diesen Städten.
Wie sieht der Alltag aus in einer Stadt, die unter ständigem Beschuss steht?
Die Situation stellt sich für jede Familie und jeden Einzelnen anders dar. Ist das Haus unbeschädigt, hat man einen Ort zum Leben, hat man Arbeit, hat man Geld. Ist das Haus zerstört, hat man keinen Ort zum Leben. Und hat man keine Arbeit, weil der Arbeitsplatz zerstört wurde, hat man kein Geld. Und wenn man dann auch noch verletzt worden ist…
Manchmal haben die Menschen nur noch das, was sie am Leibe tragen, weil alles mit dem Haus verbrannt ist. Darum brauchen manche Menschen Kleidung, manche brauchen Schuhe oder Medikamente oder Lebensmittel. Manche brauchen einfach Unterstützung und manche einen Ort, an dem sie unterkommen können. Andere wiederum benötigen jemand, der ihre Angehörigen in Sicherheit bringt. Es liegen so viele Probleme und Aufgaben vor uns.
Haben die Menschen Zugang zu dem, was sie brauchen? Gibt es Arbeit?
Die Stadt ist Schätzungen zufolge zu 15 % zerstört. Dies ist ein irreparabler Schaden. Aber die Infrastruktur der Stadt funktioniert, sie hält der Belastung stand. Die Fabriken und Unternehmen, die in der Lage dazu sind, führen den Betrieb fort, und ihre Mitarbeiter haben noch Arbeit. Einige andere sind komplett in andere ukrainische Städte verlagert worden. Auch Krankenhäuser und die städtischen Versorgungsunternehmen, die für Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Müllabfuhr, Straßenreinigung und den öffentlichen Nahverkehr zuständig sind, arbeiten immer noch. Das funktioniert alles. Wenn etwas zerstört wird, kann man nach vierundzwanzig Stunden nicht mehr sehen, dass überhaupt etwas passiert war. Die städtischen Dienste räumen alles auf und bringen es weg. Auch die Feuerwehr, Polizei und andere Dienste sind vollständig funktionstüchtig. Die Menschen bemühen sich um ein normales Leben, obgleich der Krieg in unserer Stadt so präsent ist. Schulen und Universitäten laufen im Online-Betrieb.
Und wie ist es mit der finanziellen Situation? Gibt es Probleme bei den Banken? Haben die Geschäfte geöffnet?
Nur wenige Banken haben ihre Filialen geöffnet. Es funktionieren auch nur bestimmte Geldautomaten. In den meisten Fällen bleiben diese Orte aus Sicherheitsgründen geschlossen. Aber der gesamte Finanzbereich arbeitet, Bankkarten funktionieren überall. Die Geschäfte sind teilweise geöffnet. Ich war gestern auf dem Markt – nur die Hälfte der Markthallen ist niedergebrannt. Dort, wo die Verkaufsstände und -buden noch stehen, wird verkauft. Die Menschen können aber nicht alles kaufen, denn sie haben kein Geld. Die Menschen hier sind nicht wohlhabend. Die Wohlhabenden sind schon lange weg. Diejenigen, die von Gehaltscheck zu Gehaltsscheck lebten, sind geblieben. Sie mussten jeden Cent zählen und sind jetzt in einer sehr schwierigen Lage. Schon an der Kleidung können Sie sehen, dass diese Menschen immer ein Leben in Würde geführt haben, aber der Krieg hat sie arm oder obdachlos gemacht. Viele Menschen sind auch in ihrer Psyche getroffen, einige haben mit dem Trinken angefangen.
In einigen weit von der Front entfernten Städten ignorieren die Menschen schon den Luftalarm. Wie ist das in Charkiw? Suchen die Menschen Schutz oder ignorieren sie den Alarm und gehen einfach ihrem täglichen Leben nach?
Am Anfang des Krieges haben die Menschen bei Luftangriffen stärker reagiert, sie haben in der Regel die Keller und Schutzräume nicht verlassen. Viele kamen überhaupt nicht heraus und blieben dauerhaft dort. Einige geraten bis heute in große Panik. Es gibt Straßen, in denen die Menschen kaum gespürt haben, dass Krieg herrscht, weil es dort komplett ruhig war. Und es gibt Gegenden, in denen alles zerstört ist. Ich bemerke, dass die meisten Menschen mutiger geworden sind, die müde Psyche beginnt, das Gefühl der Gefahr zu unterdrücken.
Wie ist die Sicherheitslage?
Die Menschen stehen zusammen und unterhalten sich weiter, wenn die Bombardements weit weg sind. Wenn man die Bombeneinschläge näherkommen hört, zerstreuen sie sich. Wenn aber zwei, drei Minuten lang nichts geschieht, kommen die Menschen wieder heraus. Vorgestern war ein Vater mit seinem Sohn im Auto unterwegs. Sie waren in die Stadt gekommen, um Unterlagen für die Universität einzureichen, und waren nun auf dem Heimweg. Plötzlich wurde das Auto direkt von einer Rakete getroffen. Vom Fahrzeug blieb etwas Schrott zurück, aber ihre Körper waren zerfetzt.
Sie sehen, die Menschen fahren auch während der Angriffe mit dem Auto. Manche schaffen es, manche nicht. Wir sollten jetzt aber nicht denken, dass diese Menschen verantwortungslos sind. Die Gefahr dauert jetzt schon so lange an, dass man gelernt hat, sie zu ignorieren, gleichzeitig muss man nachdenken und Entscheidungen treffen. Früher konnten die Menschen das nicht kontrollieren: sie liefen weg und fingen dann an zu denken. Aber es ist sehr anstrengend, wenn man zehnmal am Tag wegrennen muss.
Ihre Diözese ist wohl einzigartig: es fliehen Menschen aus ihr, aber es suchen auch Menschen Schutz in ihr.
Einige Bewohner Charkiws und anderer Städte entlang der Front sind in die nächstgelegenen Dörfer gezogen – zu ihren Verwandten oder in leerstehende Häuser dort. Als sie jedoch feststellten, dass es kein Ende gab, zogen einige weiter. Auch innerhalb des Landes müssen sie einen Platz zum Leben und Arbeiten finden, es gibt viele Schwierigkeiten dabei. Ins Ausland zu gehen bedeutet wiederum, dass nur die Frau und die Kinder gehen können und die Männer auf ukrainischem Territorium bleiben müssen. Das schreibt das nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine in Kraft getretene Ausreiseverbot für ukrainische Männer vor. Das ist  ein schwerer Schlag für die Familie, für die Ehepartner, und erzeugt großes Leid.
Die Menschen sind ständig in Bewegung. Manche lassen sich irgendwo nieder und finden eine Arbeit, anderen gelingt das nicht. Manchmal scheint es, dass eine Familie schließlich an einem neuen Ort angekommen ist, und plötzlich heißt es „tut uns leid, wir müssen Sie bitten, unser Haus zu verlassen“. Jedes einzelne Schicksal ist anders, aber es ist immer schwer. Manche kehren zurück, weil es, wie sie sagen, für sie einfacher ist, unter Beschuss und in Gefahr zu leben als ein Leben als Flüchtlinge zu führen.
Wer sind sie als Menschen in dieser Situation? Sie haben keine Rechte, sie können nichts planen, sie haben nichts, was ihnen gehört. Sie haben ständig das Gefühl jemandem im Weg zu sein. Das ist psychologisch sehr belastend. Wenn jemand einen Versuch wagen will, soll er mal sein Haus für einen Monat verlassen und sich selbst in ein anderes Haus einladen, dann in ein anderes, dann in ein drittes, dann in ein viertes, immer als Gast, und immer wieder umziehen.
Wie geht die Kirche in Ihrer Diözese mit den Flüchtlingen und Vertriebenen um?
Hier in Charkiw haben wir die Marianer Patres und die Caritas. Sie helfen den Vertriebenen, denn viele Menschen, die ihr Dach über dem Kopf verloren haben, kommen in die Stadt. Gestern sind hier unweit der Grenze zwanzig Häuser eines Dorfes zerstört worden. Die russischen Truppen vernichten unsere ukrainischen Dörfer ganz einfach. Die Überlebenden fliehen in die Stadt, weil sie am alten Ort nicht mehr leben können. Vertriebene aus umliegenden Dörfern kommen auch nach Charkiw, obwohl Charkiw nach wie vor jeden Tag unter Beschuss steht.
Wir arbeiten auch in anderen Städten. Wir helfen, indem wir Hilfsmittel verteilen, Sachen für Kinder, Lebensmittel, Windeln – oder wir stehen einfach für ein Gespräch zur Verfügung. Das tun wir in Poltawa, Sumy, Konotop, Dnipro sowie in Saporischschja und Pokrowsk.
Was möchten Sie den Wohltätern sagen, die es „Kirche in Not“ ermöglichen, Hilfe in die Ukraine und in Ihre Diözese zu schicken?
Ich danke Ihnen für diese Gelegenheit. Ich möchte im Namen aller, die Hilfe erhalten, und in meinem Namen herzlich für Ihre offenen Herzen und Ihre Hilfe danken. Es ist nicht wichtig, ob es viel oder wenig war, wichtig ist, dass Sie unserer Situation gegenüber nicht gleichgültig geblieben sind. Ich danke Ihnen von Herzen! Gott segne Sie!
Unterstützen Sie den Einsatz der Kirche im Krieg in der Ukraine mit Ihrer Spende – entweder online unter www.kircheinnot.at oder auf folgendes Spendenkonto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT, IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600, Verwendungszweck: Nothilfe Ukraine
Foto:  Bischof Pavlo Honcharuk (römisch-katholische Kirche) und Bischof Vasyliy Tuchapets (ukrainische griechisch-katholische Kirche) in Charkiw © KIRCHE IN NOT

Papst bittet Kanadas Indigene um Vergebung

Papst Franziskus hat mit einer ausführlichen Vergebungsbitte an Indigene seine „Bußwallfahrt" in Kanada begonnen. „Ich bitte demütig um Vergebung für das Böse, das von so vielen Christen an den indigenen Bevölkerungen begangen wurde", sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Montagvormittag (25. Juli) vor Überlebenden früherer „Residential Schools" auf dem Gelände einer der größten dieser Internatsschulen in Maskwacis/Alberta.
In seiner Ansprache vor rund 2.000 Menschen, unter ihnen Generalgouverneurin Mary Simon und Premierminister Justin Trudeau, erinnerte der Papst an das Unrecht der staatlich errichteten und von Kirchen betriebenen Internate. In diesen sollten Kinder indigener Völker an die Kultur der europäischen Einwanderer angepasst werden.
Franziskus erinnerte an das, was ihm Überlebende berichtet hatten: Wie „eure Sprachen und Kulturen verunglimpft und unterdrückt wurden; wie Kinder körperlich und verbal, psychologisch und spirituell misshandelt wurden; wie sie von klein auf von zu Hause weggeholt wurden". Daher, so der Papst, „kniet die Kirche vor Gott nieder und bittet um Vergebung für die Sünden ihrer Kinder".
Viele Christen, so der Papst weiter, hätten die Kolonisierung mit ihrer Unterdrückung unterstützt. Daher bitte er um Vergebung „insbesondere für die Art und Weise, in der viele Mitglieder der Kirche und der Ordensgemeinschaften", durch Gleichgültigkeit an „kultureller Zerstörung und erzwungener Assimilierung" mitgewirkt hätten.
Die Bitte um Vergebung, so der Papst weiter, könne nur ein erster Schritt sein. Weitere Aufarbeitung und ein gemeinsamer Einsatz für Gerechtigkeit, Würdigung und Beteiligung indigener Kultur und Menschen müssten folgen. Er selber wolle „weiterhin zum Einsatz aller Katholiken für die indigenen Völker ermutigen". Gleichzeitig bat Franziskus um Verständnis, dass er nicht alle Orte ehemaliger Residential Schools besuchen könne.
Die auf Spanisch gehaltene und mehrfach von Beifall unterbrochene Rede des Papstes wurde auf Englisch sowie per Stream in zwölf indigene Sprachen übersetzt. Während der vorausgegangen Zeremonie eines Pow-Wow trugen Überlebende und Angehörige ein meterlanges rotes Banner mit den Namen der Opfer aller Residential Schools in das Rund.
Begrüßt worden war der Papst von Chief Wilton Littlechild, der als Kind ein Schüler der örtlichen Ermineskin Residential School war. 

Franziskus feiert in Kanada Messe mit 50.000 Gläubigen

Am zweiten vollen Besuchstag seiner Reise nach Kanada hat Papst Franziskus in Edmonton mit 50.000 Gläubigen eine Messe gefeiert. In seiner Predigt rief er die Menschen auf, Erbe und Vermächtnis ihrer Vorfahren zu schätzen und fortzuführen. Gleichzeitig sollten sie selber zu Handwerkern einer besseren Zukunft werden. Anlass des Gottesdienstes war das Fest der heiligen Anna und Joachim (26. Juli), der legendären Großeltern Jesu.

Debatte um Feder-Kopfschmuck für Papst Franziskus in Kanada

Das symbolische Geschenk eines Feder-Kopfschmucks an Papst Franziskus zum Auftakt seiner „Bußreise" in Kanada ist unter Indigenen umstritten. Franziskus hatte am Montag den traditionellen Federschmuck nach seiner Entschuldigung im Namen der katholischen Kirche für die Zwangsassimilierung von rund 150.000 indigenen Kindern in katholischen Internatsschulen von Wilton Littlechild, Bürgerrechtler und Grand Chief der Indigenenvereinigung Treaty Six First Nations, erhalten. 
„Mit der Übergabe des Kopfschmucks wird ein Mann als Ehrenhäuptling geehrt und damit zu einem unserer Gemeinschaft", verteidigte der Stammesälteste der Samson Cree, John Crier, das Geschenk laut örtlichen Medienberichten (Mittwoch). Es sei eine Anerkennung der Arbeit, die Franziskus geleistet habe, so Crier, der wie auch Chief Littlechild selbst Schüler einer „Residential School" war. Littlechild hatte nach der Begegnung mit dem Papst von einem sehr wichtigen Schritt auf dem Weg der Versöhnung gesprochen. Man müsse aber weiter miteinander arbeiten und gemeinsam in Richtung Frieden und Gerechtigkeit schreiten, sagte er in einem Radio-Vatikan-Interview.
Ganz anders fiel die Reaktion der Aktivistin für die Rechte indigener Völker, Riley Yesno, auf die Übergabe des traditionellen Federschmucks aus. Es sei „frustrierend", dass dem Papst eine so hohe Ehre zuteilwerde. 
 

Nahost-Patriarch erhofft Vergebungsbitte von Muslimen an Christen

Anlässlich der Papstreise in Kanada erhofft sich der chaldäische Patriarch Kardinal Louis Raphael I. Sako von Bagdad eine ähnliche Vergebungsbitte von muslimischen Führern gegenüber der christlichen Minderheit im Nahen Osten. „Ich hoffe, dass dieses Beispiel auch muslimischen Behörden dazu dienen kann, all das Leid, das Christen zugefügt wurde, zu verstehen und um Vergebung zu bitten", sagte er der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Als Beispiel nannte er die Täter der islamistischen Terrormiliz IS, die „so viele Christen töteten und sie zwangen, zum Islam zu konvertieren".
Leider, so räumte der irakische Kardinal ein, finde man in anderen politischen Institutionen keine Kultur der Entschuldigung. „In unserer östlichen Gesellschaft, die sich auf die Autorität der Führung und des Scheichs stützt, ist die Kultur der Vergebung fast nicht vorhanden." Entschuldigungen, so Sako weiter, würden als im Widerspruch zu Würde, Schicksal und Stolz stehend betrachtet.
Einen Fehler einzugestehen und sich zu entschuldigen, sei hingegen keine Schwäche, sondern eine Stärke, die das Ansehen einer Person erhöhe. Daher hoffe man, dass muslimische Autoritäten sich auch „für die Gewalt gegen die einheimischen Christen des Landes entschuldigen und sie dadurch beruhigen können".
 

2.000 afrikanische Ordensfrauen fordern mehr Teilhabe in Kirche

Rund 2.000 Ordensfrauen aus zehn afrikanischen Ländern fordern mehr Teilhabe in der katholischen Kirche. Sie wollen zur Generalversammlung aller Bischöfe weltweit im Oktober 2023 ihre Forderungen nach stärkerer Berücksichtigung ihrer Erfahrungen in einem eigenen Dokument einbringen, berichtete das katholische Hilfswerk „missio Aachen". Das deutsche Missionswerk unterstützt das Projekt.
Koordiniert wird die Initiative von der „Vereinigung der Ordensfrauen in Ost- und Zentralafrika" (ACWECA). ACWECA-Generalsekretärin Bridgita S. Mwawasi erklärte dazu, Ordensfrauen seien oft nicht in die lokalen und regionalen Entscheidungsstrukturen eingebunden. Deshalb würden sie schnell übersehen.
Papst Franziskus hat die Weltversammlung der Bischöfe unter das Thema "Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung" gestellt. In einer zweijährigen Vorbereitungszeit sind alle Katholikinnen und Katholiken eingeladen, ihre Anliegen einzubringen. 
„Wir sind besorgt, dass der Aufruf von Papst Franziskus, die gesamte Kirchengemeinschaft in den Synodenprozess einzubeziehen, die Stimmen der Ordensfrauen zu überhören droht", erklärt die Generalsekretärin, zu deren Vereinigung rund 30.000 Ordensfrauen aus über 300 Kongregationen gehören. "Es ist zu hoffen, dass das Schlussdokument der Synode durch diese Initiative reicher sein wird, da es die Bandbreite der Kirche besser repräsentiert, indem es die Stimmen der Schwestern der Region aufnimmt", so Schwester Bridgita weiter.

Kurznachrichten

Die Ukraine feierte am vergangenen Donnerstag zum ersten Mal den arbeitsfreien „Tag der ukrainischen Staatlichkeit". Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte im vergangenen August den Jahrestag der Taufe des Kiewer Großfürsten Wladimir (Wolodymyr) am 28. Juli 988 zum nationalen Feiertag erklärt. 

 

Litauen. Der orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill I. darf wegen seiner Unterstützung für den russischen Krieg gegen die Ukraine fünf Jahre lang nicht nach Litauen einreisen. Ein Sprecher des Moskauer Patriarchats sprach daraufhin von einer „Preisgabe der Ideen der Religionsfreiheit und der europäischen Rechtstradition".

 

Libanon. Schiitenführer Hassan Nasrallah hat eine Beteiligung der Hisbollah an der vorübergehenden Festnahme des maronitischen Erzbischofs Moussa El-Hage bestritten: „Die Hisbollah hat von dem Fall des Erzbischofs aus den Medien erfahren".

 

Philippinen. Als „schrecklichen Gewaltakt" haben katholische Privatschulen auf den Philippinen den Anschlag mit drei Todesopfern auf dem Campus der Jesuiten-Universität Ateneo de Manila verurteilt. Die Attentäter hätten die Abschlussfeier in „Terror, Trauma und Tod" verwandelt.

 

Kolumbiens künftige Regierung um den sozialistischen Präsidenten Gustavo Petro hat die katholische Kirche des Landes um Unterstützung bei möglichen Friedensgesprächen mit der ELN-Guerilla und anderen bewaffneten Gruppen gebeten.

 

Honduras. Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga sieht wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine die Ernährungslage der ganzen Welt in Gefahr: „Mit diesem ungerechten Krieg nehmen sie das Brot vom Tisch".

 

Deutschland. Vier Teilnehmerinnen des Reformprojekts „Synodaler Weg" kritisieren Äußerungen der Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, zur flächendeckenden medizinischen Sicherstellung von Schwangerschaftsabbrüchen. Bei Abtreibungen handle es sich sowohl nach christlicher als auch nach rechtlicher Auffassung „nicht um ein legitimes Gut, sondern um ein in den meisten Fällen rechtswidriges Verfahren, das lediglich straffrei bleibt" und nur in Ausnahmefällen legal sei, schreiben die Theologinnen Katharina Westerhorstmann und Marianne Schlosser, die Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz und die Journalistin Dorothea Schmidt in einem Gastbeitrag für die „Welt".


USA. Der ehemalige US-Vizepräsident Mike Pence hat in einer Rede vor konservativen Studenten dazu aufgerufen, sich für ein Abtreibungsverbot in allen 50 Bundesstaaten einzusetzen. Bei einer Konferenz der „Young America's Foundation" in Washington lobte er am Dienstag die Entscheidung des Supreme Court vom vergangenen Monat.

Indiens neue Präsidentin Draupadi Murmu (64) ist am 25. Juli als erste Vertreterin einer benachteiligten indigenen Minderheit vereidigt worden. In ihrer anschließenden Ansprache bezeichnete sie ihre Vereidigung als einen Erfolg für alle Armen des Landes. Die Caritas Indien gratulierte.

 

Syrien. Bei einem Drohnenangriff während des Festes zur Weihe einer neuen orthodoxen Kirche in Suqaylabiyah in der Provinz Hama ist am Sonntag mindestens ein Mensch getötet worden. 

 

Kroatien. Mit einer großen Feier samt Glockengeläut und dem Segen von Dubrovniks Bischof Roko Glasnovic ist die neue Peljesac-Brücke über die Adria-Bucht von Mali Ston eröffnet worden. Zur Verkehrsfreigabe der größten Meeresbrücke Kroatiens, die über die Halbinsel Peljesac ab sofort den Süden Dalmatiens mit dem Rest des Landes verbindet, läuteten in der Nacht auf Mittwoch auch die Glocken aller Kirchen der Diözese Dubrovnik.

 


Österreich

 

Steiermark. Die aktuelle Rekordteuerung bedroht insbesondere auch jene Menschen, die schon vorher am Existenzminimum gelebt haben oder gerade so über die Runden gekommen sind. Das betont die neue steirische Caritasdirektorin Nora Tödtling-Musenbichler. Die Zahl der Erstkontakte bei der Caritas sei zuletzt um 30 Prozent gestiegen.

 

Oberösterreich. Der brasilianische Bischof Moacir Silva Arantes hat Stift Kremsmünster besucht und für die Unterstützung aus Oberösterreich für Hilfsprojekte in seiner Diözese Barreiras gedankt. 

 

Wien. Die Präsenz des Teresianischen Karmels (Unbeschuhte Karmeliten) in Österreich jährt sich heuer zum 400. Mal. Dieses Jubiläum unter dem Motto „400 Jahre Freundschaft mit Gott" ist Anlass für eine Ausstellung, die noch bis 15. August in der Wiener Karmelitenkirche und danach von 28. August bis 2. Oktober in der Karmeliten-Krypta Linz zu sehen ist. 

Priester nach Murenabgang vermisst

Im Tiroler Stubaital herrscht nach dem Murenabgang und der bisher erfolglosen Suche nach dem Pfarrer des Seelsorgeraumes, Augustin Kouanvih, Schock und Bestürzung. Nachdem der aus Togo stammende 60-jährige Priester in seinem Auto bereits am Freitagabend (22. Juli) verschüttet worden war und alle bisherigen Suchaktionen nach Auffinden des Wracks noch keine Spuren von ihm zutage gebracht haben, besteht kaum noch Hoffnung auf sein Überleben. Am Wochenende waren Bittgottesdienste für den Vermissten in allen Kirchen des Stubais überfüllt. Tagtäglich wird derzeit in Fulpmes für den Geistlichen Rosenkranz gebetet, zudem gibt es auch eine Online-Gebetsaktion.
Pfarrer Kounanvih hatte sich am Freitagabend gegen 21 Uhr von Feierlichkeiten in Neustift, bei denen Ehrenamtlichen aus dem Seelsorgeraum für ihr Mitwirken in den verschiedensten Bereichen der Pfarren gedankt wurde, verabschiedet. Sein vorzeitiger Aufbruch bei starkem Regen galt laut Medienberichten seiner Schwester, die auf Besuch gekommen war und auf ihn in Fulpmes wartete. 
Gegen 21.15 Uhr wurde sein Auto von einer großen Mure erfasst, die der Margarethenbach bei Fulpmes/Medraz verursacht hatte. Bei den Suchaktionen wurden außer dem komplett zerstörten Autowrack bisher nur die Bibel, Visitenkarten und Dokumente des Seelsorgers gefunden. 
Foto: Pfarrblatt des Seelsorgeraumes Stubaital.

Auch das noch...

Bischof in Tigray: Millionen leiden unter Unterernährung und Hunger

Das sofortige Ende der Blockade und Belagerung der nordäthiopischen Bürgerkriegs- und Krisenregion Tigray fordert der katholische Ortsbischof Tesfaselassie Medhin. 
Mittlerweile litten mehr als fünf Millionen Menschen an Unterernährung und Hunger, erklärte der Eparch von Adrigat laut vatikanischem Missionspressedienst „Fides"  in einer Mitteilung seiner Diözese. Mehr als zwei Millionen Vertriebene lebten meist mit zu wenig Nahrung und Wasser sowie ohne medizinische Versorgung in Binnenflüchtlingslagern. Das Vorgehen gleiche einem „stillen Völkermord".
Eintreffende humanitäre Hilfe könne aufgrund der Blockade kaum zu den Menschen durchkommen. „Die anhaltende Belagerung durch die Regierung und die Besatzungstruppen hat uns vollständig von unseren Pfarren und Gemeinden der übrigen Welt und unseren internationalen katholischen Netzwerken isoliert", so der Bischof. Jeder weitere Tag koste das Leben unschuldiger Menschen.
 

Rumänien: Einst von Habsburgern geschlossenes Kloster revitalisiert

In Rumänien wurde dieser Tage das orthodoxe Elias-Kloster feierlich wiedereröffnet. Das Kloster in Scheia war vor mehr als 230 Jahren von den Habsburgern geschlossen worden. Die feierliche Eröffnung nahmen Erzbischof Calinic (Dumitriu) von Suceava und Radauti und sein Vikarbischof Damaschin vor, wie das Informationsportal „basilica.ro" der Rumänisch-orthodoxen Kirche berichtet. Am Ende des Gottesdienstes wurde mit Elisha Preutu zudem ein neuer Abt eingesetzt. Die Klostereröffnung ist laut dem „Pro Oriente"-Informationsdienst die letzte einer ganzen Reihe von Kloster-Revitalisierungen, die in jüngster Vergangenheit stattfanden, und mit denen die Rumänisch-orthodoxe Kirche das einstige blühende monastische Leben in der Bukowina wiederbeleben möchte.
Das Kloster war 1488 vom Woiwoden Stephan dem Großen (ca. 1433-1504) gegründet worden. Nach der Machtübernahme der Habsburger in der Bukowina 1774/1775 und den Josephinischen Reformen wurde das Kloster 1785 enteignet und aufgelöst. Die Zellen der Mönche wurden abgerissen und die Kirche in eine Pfarrkirche umgewandelt. Insgesamt wurden damals 21 Klöster in der Bukowina aufgelöst. 2019 wurde mit umfassenden Restaurierungsarbeiten am Elias-Kloster begonnen, die nun abgeschlossen sind.

Supermarkt mit sozialem Mehrwert

Einkaufen mit sozialem Mehrwehrt, das ist seit 26. Juli im neueröffneten SPAR-Markt in Krems, Ringstraße 20, möglich. Dieser SPAR-Markt wird von der Caritas der Diözese St. Pölten in Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice Niederösterreich und der Firma SPAR unter dem Dach der „Perspektive Handel“ geführt. 
In diesem sozialökonomischen Betrieb erhalten ältere Arbeitssuchende und langzeitarbeitslose Menschen eine befristete Beschäftigung. Das Ziel ist die Reintegration am regulären Arbeitsmarkt. Der SPAR-Markt in Krems bietet 23 Transitarbeitsplätze. Die Beschäftigung ist auf sechs Monate befristet. 
 

Liturgiestreit: Bischofsrücktritt in syro-malabarischer Kirche

Der Streit in der syro-malabarischen Kirche im indischen Kerala um eine einheitliche Form der heiligen Messe führt offenbar zu personellen Konsequenzen. Laut örtlichen Medienberichten hat Erzbischof Antony Kariyil, Vikar des Großerzbischofs von Ernakulam-Angamaly, seinen Rücktritt eingereicht. 
Hintergrund der Personalie ist den Angaben zufolge ein jahrelanger Liturgiestreit. Traditionalisten in der syro-malabarischen Kirche wollen, dass der Priester die Messe mit dem Gesicht zum Altar feiert. Reformkräfte hingegen bestehen darauf, dass er die Messe mit dem Gesicht zur Gemeinde zelebriert. 
2021 beschloss die Synode einen Kompromiss, demzufolge der Priester bis zum Hochgebet mit dem Gesicht zur Gemeinde am Altar steht, sich dann umdreht und erst zum Ende des Gottesdienstes wieder der Gemeinde zuwendet.
Papst Franziskus hatte die Lösung gebilligt und Kardinal George Alencherry, Großerzbischof der mit Rom unierten syro-malabarischen Kirche, führte den einheitlichen Modus im November ein. Eine Gruppe von Priestern und Laien, zu der Erzbischof Kariyil gehört, lehnt den Kompromiss jedoch ab. Sie soll mehrfach gegen ihn verstoßen haben, indem der gesamte Gottesdienst mit dem Gesicht zur Gemeinde zelebriert wurde.
Nach ersten Berichten über den Rücktritt von Kariyil erklärten sich mehrere Geistliche mit ihm solidarisch und verfassten ein Protestschreiben. „Wir erklären feierlich, dass wir keine anderen Administratoren oder Vikare akzeptieren können", hieß es darin. Kardinal Alencherry wurde dagegen als „korrupt" bezeichnet. 

Irak: In Ur entsteht interreligiöses Dialogzentrum

In der irakischen Stadt Ur entsteht ein interreligiöses Dialogzentrum, das christliche, islamische, jüdische und Gotteshäuser weiterer Religionen sowie u.a. einen interreligiösen Dialogsaal umfassen wird. Die regionalen Behörden des Gouvernements Dhi Qar gaben dieser Tage offiziell den Startschuss für das Projekts, berichtet der Informationsdienst der Stiftung „Pro Oriente". Das Projekt erstreckt sich insgesamt über eine Fläche von rund 10.000 Quadratmetern. 
Ein Vertreter des Gouvernements bestätigte die Erteilung einer Lizenz zum Bau der ersten Kirche auf dem Gelände. Die Kirche, die „Ibrahim al Khalil" (Abraham, der Freund Gottes) heißen soll, soll einen nach Papst Franziskus benannten Versammlungsraum für Pilger erhalten.
Der Papst besuchte am 6. März 2021 die Ur-Ebene, wo er in Nadschaf vom schiitischen Großajatollah Ali al-Sistani (Foto) empfangen worden war. Es war das erste Mal, dass sich die höchsten Autoritäten der beiden Glaubensgemeinschaften trafen. Anschließend warb Franziskus bei den Ruinen der antiken sumerischen Stadt Ur mit zahlreichen Religionsführern des Irak für einen gemeinsamen Einsatz für Frieden.
Das im Süden des Irak gelegene Ur gilt als Heimat der biblischen Gestalt Abraham, auf die sich die drei Weltreligionen gleichermaßen als Stammvater berufen. Das interreligiöse Zentrum ist Teil eines umfassenderen Programms zur Wiederbelebung der antiken Stadt.
Der Irak hatte nach dem Besuch von Papst Franziskus einen nationalen „Tag der Toleranz und Koexistenz" eingeführt. Dieser solle jeden 6. März begangen werden und an das "historische Treffen" des Papstes mit dem schiitischen Großajatollah Ali al-Sistani erinnern.