JA 

die neue Kirchenzeitung

 5. Mai 2024 

Lesungen:  Apg 10,25-26.34-35.44-48; 1 Joh 4,7-10 ;  Evangelium: Joh 15,9-17.

Seelsorger, nicht Reformer

Papst Franziskus ist aus Sicht des Theologen Michael Meier in erster Linie ein Seelsorger, der an der bestehenden Lehre nicht rütteln möchte. Es habe „große Gesten und Aussagen" gegeben, die viele Menschen zu der Hoffnung verleitet hätten, dass jetzt Reformen kämen, so der Schweizer Religionsjournalist gegenüber dem kirchlichen Kölner Internetportal „domradio.de" zu seinem neuen Buch „Der Papst der Enttäuschungen". Aber das stimme so nicht. „Er ist ein Seelsorger, der Barmherzigkeit walten lassen und einen neuen pastoralen Zugang zu den Menschen will. Aber daraus zu schließen, dass er große Reformen vornimmt, ist falsch."

 


Der Papst zaudere und wage nicht, die Lehre anzutasten. „Er ist Seelsorger, das ist seine Domäne - und nicht die Theologie.“
Diese Analyse ist mehr als zutreffend.
Kirchenreformer, die nach der Wahl von Franziskus meinten, sich zurücklehnen zu können, weil der Papst an führender Stelle ihre Sache in die Hand nehmen wird, sind nachträglich enttäuscht.
Doch die Kardinäle haben Bergoglio nicht gewählt, weil er ihnen Reformen versprochen hat, sondern weil sie ihn für einen  guten  Seelsorger hielten.
Er selbst hat das wohl auch so gesehen.   P. Udo 

Ein Erfolg des öffentlichen Drucks auf den Sicherheitsapparat Ägyptens: Mehrael ist frei! 

Die am 21. April entführte 19-jährige Mehrael Asaad Romani ist frei.
Obwohl die Polizei die Familie zu Stillschweigen über die Details verpflichtet hat, kann so viel als gesichert gelten:
Aufgrund des massiven öffentlichen Drucks von auch ausländischen Medien und des öffentlichen Aufschreis der öffentlichen Meinung in Ägypten, wurden die Sicherheitsbehörden doch aktiv und konnten Mehrael zu ihren Eltern zurückbringen.
Besonderer Dank gilt den österreichischen Medien und Petitionen von Privatpersonen, die mit der schnellen Berichterstattung und dem Protest einen wichtigen Beitrag zur Aktivierung der Sicherheitsorgane in Ägypten geleistet haben.
Mit vorgeschobenen Lügen Entführungen rechtfertigen
Das ist auch insofern erfreulich, weil sich untergeordnete Sicherheitskräfte gerne auf eine angeblich freie Konversion zum Islam berufen, mitunter garniert mit erfundenen Berichten von einer Liebesbeziehung zu einem Muslim, der die Konversion verlangt habe. Das rasche und vorurteilsfreie Reagieren der Polizei hat diesmal gezeigt, dass man Schutzbehauptungen nicht mehr auf den Leim gehen wollte.
Den Islam in die Pflicht nehmen – ein Traum?
Nach wie vor muss jedoch an die Adresse der muslimischen Führer appelliert werden, sich nicht, auch nicht implizit, von den Lügenmärchen freiwilliger Konversionen vereinnahmen zu lassen. CiN-Generalsekretär Kuhn: „Wo Menschen konvertieren wollen, kann dies offen und ungezwungen geschehen. Dazu braucht es keine Entführungen und erfundenen „Zeugenaussagen“ von anderen Muslimen. Es wäre wirklich schön, würden auch muslimische Führer den freiwilligen Wechsel der Religion anerkennen, auch weg vom Islam. Aber das bleibt wohl ein Traum menschenrechtlicher Hoffnungen.“
Arene noch immer verschollen
Noch immer verschwunden ist aber die Medizinstudentin Arene Ibraheam Sheata aus Assiut. Hier schwindet die Hoffnung, sie aus Sklaverei und Vergewaltigung zu befreien. Kuhn: „Die schnelle Reaktion der Kairoer Polizei auf öffentlichen Druck hin, lässt aber doch noch ein wenig Hoffnung aufkeimen.“
Bild: Mehrael Asaad Romani_©CiN

„Jugend Eine Welt": In Tigray verhungern Kinder

Das Hilfswerk "Jugend Eine Welt" berichtet von dramatischen Zuständen in der nordäthiopischen Provinz Tigray. „Es gibt in Tigray ein schweres Nahrungsmittelproblem. In den ländlichen Gebieten verhungern Kinder und ältere Menschen", so Wolfgang Wedan, Nothilfekoordinator von „Jugend Eine Welt", nach seiner Rückkehr aus Äthiopien. Der Katastrophenhelfer reiste vor wenigen Tagen in die Tigray-Region, um vor Ort konkrete Hilfsmaßnahmen für die vom mittlerweile beendeten Bürgerkrieg stark traumatisierte und notleidende Bevölkerung einzuleiten.
Wedan machte sich laut Aussendung u.a. ein Bild von den acht Camps für Binnenvertriebe. Mehr als eine Million Menschen können nach UN-Angaben nicht an ihren ursprünglichen Heimatort zurückkehren. Aktuell seien sie in ehemaligen Schulen, Kasernen und Fabriken sowie in provisorischen Flüchtlings-Camps untergebracht. „Durchschnittlich finden in jedem Camp zwischen 40.000 bis 50.000 Menschen Zuflucht. Die räumlichen und hygienischen Verhältnisse sind katastrophal. Um ein wenig Privatsphäre zu haben, werden Plastikplanen aufgehängt. Die Geflüchteten müssen auf engstem Raum leben. Väter, Mütter und Kinder schlafen teilweise auf dem Boden", so Wedan: „In einem der Flüchtlingslager hat es auf dem gesamten Gelände nur zwei Toiletten gegeben. Es bilden sich lange Schlangen. Jeder kann sich ausmalen, wie die hygienischen Zustände in und rund um das Camp sind."
Laut Schätzungen starben während des zweijährigen Tigray-Konflikts von 2020 bis 2022 rund 700.000 Menschen. Vor dem Bürgerkrieg zählte die Tigray-Region sieben Millionen Einwohner. „Viele Leute, mit denen ich vor Ort gesprochen haben, reden offen von einem Genozid", berichtete Wedan. So sollen die eritreischen Streitkräfte, die gemeinsam mit der Armee von Äthiopiens Regierung gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) kämpften, in einer großen Textilfabrik in der Nähe von Adwa rund 800 Jugendliche zusammengetrieben haben. „Zuerst mussten sie die ganze Halle für die Streitkräfte ausräumen, danach wurden sie alle erschossen", gab Wedan den Inhalt eines Gesprächs mit Tesfaselassie Medhin, Bischof von Adigrat, wieder. Darüber hinaus hätten nachweislich während des Bürgerkriegs Massenvergewaltigungen und Folter stattgefunden. 

Theologen und SPÖ-Chef begrüßen Erklärung Lackners zur Maiverfassung 1934

Der Dekan der Salzburger Katholisch-theologischen Fakultät, Dietmar Winkler, und der Salzburger Kirchenhistoriker Roland Cerny-Werner haben in einer gemeinsamen Stellungnahme gegenüber Kathpress die jüngste Erklärung von Erzbischof Franz Lackner zur Maiverfassung 1934 begrüßt. Für Cerny-Werner ist die Erklärung „als ein Höhepunkt (kirchen)historisch-kritischer Auseinandersetzung anzusehen“, der zugleich in die Zukunft weise. Dabei habe sich Lackner auch nicht gescheut, den Finger „in eine durchaus noch nicht verheilte Wunde zu legen“. Dekan Winkler hielt fest: „Die Worte des Erzbischofs kann man nur unterstreichen und sie scheinen mir 90 Jahre danach mehr als aktuell, in einem Jahr, wo es in mehreren Wahlen, um wesentliche Richtungsentscheidungen geht.“
Vor 90 Jahren, am 1. Mai 1934, trat die sogenannte „Maiverfassung“ in Kraft, durch die unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß der nach ständisch-faschistischen Prinzipien gebildete „Bundesstaat Österreich“ etabliert werden sollte. Der Salzburger Erzbischof und Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz Franz Lackner hat dazu in einer am 29. April veröffentlichten Erklärung festgehalten: „Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kirche haben in den Tagen des Austrofaschismus in großer Einseitigkeit der unter dem Deckmantel vermeintlich christlicher Politik agierenden Diktatur das Wort geredet und danach gehandelt – dieses Versagen müssen wir als Glaubensgemeinschaft bekennen.“
Babler: Kirche nimmt historische Verantwortung wahr
Der Bundesparteivorsitzende der SPÖ Andreas Babler hat die Distanzierung der katholischen Kirche vom Austrofaschismus begrüßt. „Die Kirche nimmt ihre Verantwortung für ihre Rolle in der Zeit des Austrofaschismus immer stärker wahr", betonte der SPÖ-Chef am Dienstag in einer Aussendung. „Wir Sozialdemokrat*innen schätzen dieses Zeichen sehr", so Babler. 

Justiz im Kongo ermittelt gegen Kardinal Ambongo

Zu regierungskritisch: Die Generalstaatsanwaltschaft der Demokratischen Republik Kongo hat am Wochenende Ermittlungen gegen den Erzbischof von Kinshasa eingeleitet. Kardinal Fridolin Ambongo Besungu stehe wegen mehrerer Aussagen in Predigten und Medien über die Sicherheit und die Regierung des Landes im Fadenkreuz der Justiz, berichtet der Sender Radio France Internationale (RFI).
Demnach hatte Generalstaatsanwalt Firmin M'Vonde den Papst Franziskus nahestehenden Erzbischof bereits für 22. April förmlich vorgeladen; der Kardinal habe aber „die Einladung abgelehnt". Die Erzdiözese Kinshasa ihrerseits erklärte laut RFI, die Vorladung habe weder die Diözese noch den Kardinal erreicht. Nun folgt wohl eine erneute Vorladung sowie womöglich die Eröffnung eines Strafverfahrens.
Dem Geistlichen werden laut Bericht aufrührerische Äußerungen vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft lege ihm "wahrheitswidrige Gerüchte, Aufstachelung der Bevölkerung zum Aufstand und zu Angriffen auf Menschenleben" zur Last. Den zuständigen Richter warnt der Generalstaatsanwalt laut RFI: „Untätigkeit würde als Akt von Mittäterschaft gewertet" und strafrechtlich verfolgt.
Kardinal Ambongo hatte unter anderem während der Ostermesse eine schlechte Regierungsführung sowie Missmanagement der Finanz- und Sicherheitskrise durch das Kabinett von Präsident Felix Tshisekedi angeprangert. Weiter zitiert ihn RFI mit den Worten: „Die Justiz ist die erste Instanz, die die Rechte der einfachen Bürger missachtet - und wir halten hier Reden, als wären wir stark." Ferner habe er erklärt: „Die Realität ist, dass der Kongo keine Armee hat."
Vertreter Afrikas im Kardinalsrat
Der 64-jährige Kardinal Ambongo leitet die Hauptstadtdiözese Kinshasa seit 2018. Als damaliger Vize-Vorsitzender der Kongolesischen Bischofskonferenz war er einer der Väter des sogenannten Silvesterabkommens von 2016, das einen friedlichen Übergang der Macht im Land einläuten sollte. Im selben Jahr sagte er vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag über die Aktivitäten lokaler Warlords aus.
Der Ordensmann der Kapuziner ist im sogenannten Kardinalsrat, einem Beratungsgremium von Papst Franziskus, der Vertreter Afrikas. Auch dort ist er kein Ja-Sager - denn er äußerte zuletzt deutliche Kritik an der vom Papst gebilligten kirchlichen Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Auch kündigte er an, bei der Weltsynode im Oktober im Vatikan nicht inhaltlich(?) über den Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen sprechen zu wollen.
Foto: Vatican Media.

In Venedig zeigt sich Papst Franziskus wieder in Form

Mit einem Besuch bei der Biennale in Venedig hat Papst Franziskus am Sonntag sein umfangreiches Reiseprogramm dieses Jahres begonnen. Nach gesundheitlichen und kirchenpolitischen Krisen stehen für den 87-Jährigen in den kommenden Monaten etliche Projekte und Premieren an.
Nach dem Besuch in Venedig folgt Mitte Juni als zweite Weltpremiere seine Teilnahme als Gast beim G7-Treffen der führenden demokratischen Industrienationen in Apulien. Hier will sich der Papst als moralische Autorität in die weltweite Debatte um die Nutzung Künstlicher Intelligenz einbringen.
Im September beginnt die zeitlich und streckenmäßig längste Reise seines Pontifikats nach Ostasien und in den Pazifikraum. Und im Oktober werden unter seiner Führung erstmals in der Kirchengeschichte im Vatikan auch Laien (darunter Frauen) über Reformvorschläge für die gesamte katholische Kirche mit abstimmen. 
Franziskus bestens gelaunt
Die erste Premiere des Jahres - noch nie zuvor hat ein Papst die internationale Kunstausstellung Biennale in Venedig besucht - wirkte in diesem Kontext wie eine gelungene Generalprobe. In der Lagunenstadt zeigte sich Franziskus bestens gelaunt und verhältnismäßig fit.
Seine Begegnung mit Künstlern und Insassinnen in der Frauenhaftanstalt Venedigs setzte alte und neue Akzente. Anknüpfend an den Konzilspapst Paul VI. beschwor er eine neu zu entdeckende Nähe von Kirche und zeitgenössischer Kunst. Zugleich mahnte er die Kunstschaffenden, sich nicht von den Bedingungen des Marktes ihre Kreativität rauben zu lassen. 
Besuch auf Insel der Verurteilten
Zudem ist die Giudecca die Insel der Verurteilten. In dem Frauengefängnis, das der Vatikan als Ausstellungspavillon für sich entdeckte, versuchten Nonnen schon im 19. Jahrhundert, Frauen, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen waren, auf den Pfad der Tugend zurückzubringen. Die Begegnung des Papstes mit den Insassinnen war von Herzlichkeit und Emotionen geprägt. Es schien, dass ihm dieser Teil mehr am Herzen lag als die innovative Rede an die Künstler über das Miteinander von Kirche und Kunst. 
Foto: Vatican Media
 

Papst Franziskus fordert weitere Zusammenarbeit mit Anglikanern

Papst Franziskus will die Zusammenarbeit mit der anglikanischen Kirche weiter vertiefen. „Der Herr ruft jeden von uns auf, ein Baumeister der Einheit zu sein, und auch wenn wir noch nicht eins sind, darf uns unsere unvollkommene Gemeinschaft nicht daran hindern, gemeinsam zu gehen", sagte er am Donnerstag im Vatikan vor leitenden Geistlichen der anglikanischen Weltgemeinschaft um Primas Justin Welby. Diese haben in den vergangenen Tagen erstmals ihre zentrale Zusammenkunft in Rom abgehalten. 
Weiter betonte der Papst: „Es wäre ein Skandal, wenn wir aufgrund von Spaltungen unsere gemeinsame Berufung nicht realisieren würden, Christus bekannt zu machen." Franziskus rief dazu auf, keine Angst vor Diskussionen zu haben. Die katholische und die anglikanische Kirche müssten versuchen, einander zu verstehen, und auf den Heiligen Geist zu hören. "Gewiss, die göttliche Perspektive wird niemals die der Spaltung sein, niemals die der Trennung, der Unterbrechung des Dialogs, niemals", sagte der Papst.
Ausdrücklich lobte Franziskus seine Zusammenarbeit mit Primas Welby. „Wir hatten schon viele Gelegenheiten, uns zu treffen, gemeinsam zu beten und unseren Glauben an den Herrn zu bezeugen", wandte er sich an den Erzbischof von Canterbury: „Lieber Bruder Justin, ich danke Dir für diese brüderliche Zusammenarbeit um des Evangeliums willen!"
Erzbischof Welby…
… nannte die Worte des Papstes „eine wunderschöne Ansprache rund um die Natur von Einheit und Synodalität und die Rolle des Heiligen Geistes im Leben der Kirche“. Das Primas-Treffen sei damit „zu einem Moment in der Geschichte geworden, in dem wir die Enge unserer Beziehung zu Rom auf pastoraler, missionarischer und spiritueller Ebene gesehen haben“, sagte Welby. „Das zeigt die Fortschritte, die wir im vergangenen halben Jahrhundert von echter Antipathie hin zu tiefen Freundschaftsbanden weltweit erzielt haben.“

Vatikan-Pavillon bei der Biennale: Einblicke, die das Weltbild verändern

Eine Premiere besonderer Art: Mit Franziskus reist am Sonntag erstmals ein Papst zur Biennale, der großen Ausstellung zeitgenössischer Kunst, die sich alle zwei Jahre in Venedig niederlässt. Er besucht den Pavillon des Heiligen Stuhles im Frauengefängnis auf der Insel Giudecca. Die Anstalt ist nicht bloß der Rahmen der Kunst, die der Vatikan dort zeigt: Die Werke sind im Dialog mit den gefangenen Frauen entstanden.
Franziskus wollte am Sonntagmorgen die auf Giudecca inhaftierten etwa 80 Frauen persönlich begrüßen. Die Anregung zu den Inhalten des vatikanischen Kunstpavillons, also der Austausch mit den Frauen, die in Venedig Haftstrafen verbüßen, stammte letztlich vom Papst selbst, sagte uns Kardinal José Tolentino de Mendonça, Präfekt des Dikasteriums für die Kultur und die Bildung. „Als wir daran gingen, gemäß der Leitidee von Papst Franziskus den Pavillon des Heiligen Stuhls auf der Biennale von Venedig in einem Gefängnis zu errichten, war das ein Projekt, das abstrakt begann. Doch nach Monaten der Arbeit, in denen der Mensch im Mittelpunkt stand, wurde dies mit Hilfe der Kunst wirklich erreicht.“
Werk von Maurizio Cattelan
Die Ausstellung beginnt außen, an der Fassade der Kirche Santa Maddalena und dem Werk, das sie bedeckt - von Maurizio Cattelan, einem der bekanntesten lebenden Künstler Italiens. Es sind nackte, schmutzige Füße, die an Caravaggio und Mantegna erinnern, aber auch an die Kindheit Cattelans, der in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs. Im Inneren des Gefängnisses hat Claire Tabouret Fotos überarbeitet, die das Wertvollste zeigen, das die inhaftierten Frauen haben – ein Bild beispielsweise mit einem kleinen Mädchen, das seine ersten Schritte tut. In der entweihten Kapelle hat die brasilianische Künstlerin Sonia Gomes Kleidungsstücke der Insassinnen in farbenfrohen Webarbeiten montiert, und in der Cafeteria sind Werke von Corita Kent zu sehen, einer amerikanischen Künstlerin, die wegen ihrer Vergangenheit als Ordensfrau verschiedentlich als „Pop-Art-Nonne" bezeichnet wird.
„Die Künstler kamen mit leeren Händen und sammelten Lebensgeschichten“
Im Innenhof, wo die Häftlinge ihre Zeit an der frischen Luft verbringen, stehen die Worte „Wir sind bei euch in der Nacht", eine Erinnerung daran, dass die Welt da draußen die Menschen hinter den Gittern – so die Hoffnung - nicht vergisst. Ein Kurzfilm zeigt zwölf Minuten Schwarz-Weiß-Erzählung mit den Gefangenen als Protagonistinnen, ihre Gesichter ausdruckslos, tätowiert, geprägt von Resignation. Und doch – ein Werk der Beziehung. „Von den Dreharbeiten kehrten wir immer mit vielen Armbändern nach Hause zurück, die uns die gefangenen Frauen geschenkt haben, und mit vielen aufgeschriebenen Gedanken", erzählt der Regisseur Marco Perego gegenüber Radio Vatikan.

Kurznachrichten 


 

Papst Franziskus hält Brettspiele für besser als den übermäßigen Gebrauch von Online-Medien. Ein Spiel wie das Damespiel trainiere die Fähigkeit zur Logik, sagte das 87-jährige Kirchenoberhaupt am Freitag gegenüber Mitgliedern des Italienischen Damespielverbandes. 

 

Der Vatikan erwartet im Heiligen Jahr 2025 rund 900.000 Pilgerinnen und Pilger aus Deutschland. 

 

Mexiko. Bei einem Busunfall sind am Sonntag 18 Pilger auf dem Weg nach Chalma gestorben. Nach der Basilika der Jungfrau von Guadalupe in Mexiko-Stadt ist Chalma der meistbesuchte Wallfahrtsort des Landes. Jährlich reisen etwa zwei Millionen Menschen zur Verehrung des gekreuzigten schwarzen Christus. 

 

In Südafrika wurde erneut ein Priester ermordet. Bischöfe haben die Ermordung eines katholischen Priesters in der Hauptstadt Pretoria verurteilt. Der erschossene Paul Tatu, ein Mitglied des Stigmatiner-Ordens, war der frühere langjährige Pressesprecher der Bischofskonferenz. 

Frankreich. 1847 war der mittelalterliche Nordturm der frühgotischen Basilika von Saint-Denis, lange Zeit der höchste der Region, wegen Einsturzgefahr „vorübergehend" abgetragen und dann nicht erneuert worden. Im Oktober soll nach beinahe 200 Jahren der Wiederaufbau des Turms beginnen. 

Österreich

Niederösterreich. Die Diözese St. Pölten versendet seit Kurzem monatlich einen Newsletter mit Informationen über den Kirchenbeitrag, über Glaubensinhalte und religiöse Feste sowie mit Veranstaltungshinweisen. Er soll bereits 100.000 Personen erreichen. 

 

Vorarlberg. Das Bildungshaus Batschuns ist ab sofort unter neuer Trägerschaft. Es wird in eine neu gegründete kirchliche Stiftung eingebracht. „Diese überträgt die Führung des Bildungshauses an eine gemeinnützige Gesellschaft, in der sich die Caritas, die connexia, das Pastoralamt und das Vorarlberger Kinderdorf gemeinsam engagieren werden", betonte der Feldkircher Bischof Benno Elbs. Notwendig geworden war der Schritt, nachdem das Werk der Frohbotschaft sich nach 60 Jahren dazu entschlossen hatte, sich aus der Trägerschaft für das Bildungshaus zurückzuziehen und es zu übergeben. 

Wertvollstes Buch Tschechiens jetzt online zugänglich

Das wohl wertvollste Buch Tschechiens, der Codex Vyssegradensis, ist ab sofort online zu besichtigen. Der Visegrader Codex aus dem 11. Jahrhundert hat einen Versicherungswert von einer Milliarde Kronen (40 Millionen Euro), wie Radio Prag berichtet. Die etwa 100-seitige Handschrift entstand vermutlich zur Krönung des ersten böhmischen Königs Vratislav II. im Jahr 1086. Ein 3D-Scan des Pergaments, das wohl im Kloster St. Emmeram im deutschen Regensburg gefertigt wurde, ist jetzt auf Google Arts & Culture kostenlos zugänglich.
Der Band, der heute zum nationalen Kulturerbe Tschechiens zählt, wurde so genau gescannt, dass einzelne aufgemalte Krallen des böhmischen Löwen erkennbar sind oder auch feine Risse in einer Zeichnung, die den heiligen Wenzel auf dem Thron zeigt.
Scan des Visegrader Codex: (https://artsandculture.google.com/story/QgVBk1E8aYgmMA
 

Auch das noch...

Mexikanischer Bischof offenbar für einige Tage entführt

In Mexiko ist ein über 48 Stunden vermisster Bischof lebendig gefunden worden. Bei dem zwischenzeitlich Vermissten handelt es sich um den überregional bekannten Alt-Bischof von Chilpancingo-Chilapa, Salvador Rangel Mendoza. Der Geistliche könne zurzeit nicht sprechen, heißt es in mexikanischen Medien.
Der heute 78-Jährige erlangte Bekanntheit, weil er direkt mit den Drogenkartellen in seiner Region verhandelte, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Seine damals ausführlich diskutierte Initiative begründete der Bischof damit, er müsse das tun, was die Regierung zu tun versäume. Zudem beschuldigte er in der Vergangenheit öffentlich Ex-Gouverneur Ruben Figueroa Alcocer, in direkter Verbindung mit den Kartellen zu stehen.
Nach Informationen des Zeitungsportals „Reforma" gibt es Indizien dafür, dass der Bischof geschlagen und unter Drogen gesetzt worden sei. Die Zeitung veröffentlichte Bilder des Bischofs, die ihn im Krankenbett in einem Krankenhaus in Cuernavaca im Bundesstaat Morelos südlich von Mexiko-Stadt zeigen sollen. Die Mexikanische Bischofskonferenz rief die Bevölkerung auf, bei der Aufklärung des Falls mitzuhelfen.
 

Nach sechs Jahren Wartezeit hat Diözese in Afrika neuen Bischof

Gut sechs Jahre war der Bischofsstuhl einer afrikanischen Diözese nach einem Rücktritt vakant: Nun hat Papst Franziskus einen neuen Bischof ernannt. Wie das vatikanische Presseamt am Freitag mitteilte, bestellte er den bisherigen Weihbischof Simeon Okezuo Nwobi (64) zum neuen Bischof von Ahiara in Nigeria. Nwobis Vorgänger, Bischof Peter Ebere Okpaleke (61), war im Februar 2018 nach einem jahrelangen Streit zurückgetreten.
Okpaleke war im Dezember 2012 von Papst Benedikt XVI. zum Bischof von Ahiara ernannt worden. Seinen Bischofsstuhl konnte er wegen Kritik an seiner Person jedoch nie in Besitz nehmen. Einer der Hauptvorwürfe aus der Diözese lautete, Okpaleke gehöre nicht der ethnischen Gruppe der Mbaise an, die die Mehrheit stellten, sondern der Gruppe der Igbo. Er passe daher nicht in die Diözese.
Im Sommer 2017 schaltete sich Papst Franziskus in den Konflikt ein. Von den rund 70 Priestern der Diözese verlangte er binnen 30 Tagen eine schriftliche Loyalitätserklärung. Wer diese verweigere, werde vom Dienst suspendiert. Zwar sagten die meisten Priester daraufhin ihren Gehorsam zu, einige wollten wegen der Zerwürfnisse in der Diözese aber nicht mit ihrem Bischof zusammenarbeiten. Schließlich trat Okpaleke zurück. Seitdem leitete Erzbischof Lucius Iwejuru Ugorji (72) die Diözese Ahiara übergangsweise als Apostolischer Administrator. Er ist seit März 2022 zusätzlich Erzbischof von Owerri.

Tschechiens Bischöfe distanzieren sich von Verschwörungs-Event 

Die Tschechische Bischofskonferenz hat sich von einer Mitte April im Prager Erzbischöflichen Palais abgehaltenen Präsentation eines Buches mit dem Titel "Die Verschwörung" distanziert. In diesem wird über den Krankenhausaufenthalt von EX-Staatspräsident Milos Zeman (79) nach den Wahlen im Jahr 2021 berichtet. In einer Erklärung zum Ende ihrer vom 22. bis 24. April abgehaltenen Vollversammlung in Spindlermühle (Spindleruv Mlyn) nannten die Bischöfe das Geschehene ein „bedauernswertes Ereignis". "Die Bischöfe Böhmens, Mährens und Schlesiens" seien sich der „Verärgerung bewusst, die der Vorfall hervorgerufen hat". Davon zeuge "eine nicht geringe Anzahl von Reaktionen vor allem aus katholischen Kreisen", heißt es in der Erklärung.
Zu der Vermietung der Räumlichkeiten sei es "ohne Vorlage der nötigen Information gekommen", so die Bischöfe. Für die Zukunft habe man „Verfügungen für die Abhaltung öffentlicher Veranstaltungen in kirchlichen Räumen" getroffen. Bei deren Vermietung werde in Hinkunft konsequent zwischen der kirchlichen und weltlichen Dimension solcher Aktionen zu unterscheiden sein, einschließlich der Opportunität der Anwesenheit eines kirchlichen Amtsträgers".
Die Kritik trifft in erster Linie den ehemaligen Prager Erzbischof Kardinal Dominik Duka (81), der im Erzbischöflichen Palais am Hradschiner Platz nicht nur Altpräsident Milos Zeman, sondern auch dessen früheren Kanzler Vratislav Mynar und die derzeitige Vorsitzende der Kommunistischen Partei, Katerina Konecna, bei der Präsentation begrüßte. 
 

Nairobis Erzbischof: Die Kirche zu lieben, ist gerade schwierig

Philip Anyolo, Erzbischof aus der kenianischen Hauptstadt Nairobi, fordert von Gläubigen Beistand und Hingebung für die Kirche auch in schwierigen Zeiten. „Das Beste, was wir tun können, ist unsere Kirche zu lieben", sagte Anyolo am Freitagabend in seinem Amtssitz. Er äußerte sich bei einem Presseempfang, den das katholische Hilfswerk missio München organisiert hatte. Anyolo ergänzte: „Unsere katholische Kirche zu lieben, ist sehr wichtig. Es ist nicht einfach, sie zu lieben, wegen vieler Dinge, die gerade in ihr passieren. Aber es ist die Mutter Kirche. Man kann seine Mutter nicht hassen. In ihr finden wir Heil."
Konkrete Angaben zu seiner Kritik an der Kirche machte Anyolo nicht. Ende Dezember hatte er die Segnung homosexueller Paare verboten und sich so gegen die neue Linie des Vatikans gestellt. Mit dem Verbot solle sichergestellt werden, dass die „immerwährende Lehre der Kirche hinsichtlich Heirat" bewahrt bleibe, so der Erzbischof damals. 

Volleyballprofi beendet nach Titel Karriere und tritt in Abtei ein

Ludovic Duee (32), Kapitän des frischgebackenen französischen Volleyballmeisters Saint-Nazaire, beendet seine Sportler-Karriere und tritt in die Abtei von Lagrasse ein. Wie die Zeitung „La Croix" berichtet, absolvierte der Spitzensportler beim Finalsieg am Sonntag gegen Tours sein letztes Spiel und wird nun um Aufnahme in die traditionalistische katholische Gemeinschaft von Regularkanonikern im südfranzösischen Departement Aude bitten.
Duee lernte die Gemeinschaft unweit von Narbonne in der Region Okzitanien laut Bericht bei einem Aufenthalt während der Corona-Pandemie kennen. Die Ordensleute seien sehr freundlich, frisch und dynamisch gewesen und hätten Antworten auf viele seiner Fragen gehabt, wird der 1,92-Meter-Mann zitiert. Die Begegnung mit der Spiritualität der Brüder habe auch seine Beziehung zu Gott verändert.
Die traditionalistische Abtei Lagrasse in der Diözese Carcassonne feiert die Liturgie nach dem tridentinischen, also vorkonziliaren Ritus von 1962. Zugleich berichtet die Zeitung von einer Vielfalt von Aktivitäten, die das strenge Image von Traditionalisten konterkarierten. So seien die Kanoniker in der Diözese sozial aktiv, begleiteten Migranten aus dem Aufnahmezentrum für Asylbewerber im Dorf, machten Krankenbesuche oder spielten Volleyball in der Mannschaft des Ortes. Die Abtei steht auch für Besucher offen. Dutzende kämen täglich, um in der Stille zu beten oder die Klosterbuchhandlung zu nutzen.