JA 

die neue Kirchenzeitung

 7. Jänner 2024 

Lesungen:  Jes 55,1-11; Apg 10,34-38. Evangelium: Mk 1,7-11.

Kirche kann mit Bildung punkten

Aus Sicht des Theologen und Ökonomen Ulrich Hemel sollte sich die deutsche Kirche viel stärker auf Angebote konzentrieren, mit denen sie erfolgreich ist. „Beispielsweise gibt es einen großen Zulauf zu katholischen Schulen und Bildungseinrichtungen", sagte der Präsident des Bundes Katholischer Unternehmer im Interview des Portals „katholisch.de". Sie spielten aber in Überlegungen der Diözesen und in Organisationen wie dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) nur eine untergeordnete Rolle.
„Das gilt beispielsweise auch für den Religionsunterricht. Da haben wir immer noch rund 70.000 Menschen, die Tag für Tag als Religionslehrer arbeiten, die aber kaum beachtet werden im kirchlichen Geschehen." 

In Deutschland gebe es fast 1.000 katholische Schulen, sagte Hemel. „Hier haben wir eine gesellschaftliche Nachfrage nach einem Angebot, das den Begriff 'katholisch' immer noch im Namen trägt. Aber wir haben in unserer eigenen Kirche kein Bewusstsein dafür, dass wir hier ein Pfund haben, mit dem wir wuchern können."
In Österreich gibt es 350 katholische Privatschulen. Davon sind 234 Ordensschulen, von denen rund 83 Prozent von Frauenorden und 17 Prozent von Männerorden geführt werden.
Außerdem führt die Kirche in Österreich vier pädagogische Hochschulen, an denen insgesamt etwa 4560 Studierende ihre Erstausbildung absolvieren und derzeit rund 21.800 Studierende in der Fort- und Weiterbildung betreut werden.
In Österreich gibt es 7.300 katholische Religionslehrerinnen und –lehrer.                             P.Udo 

Erzbischof von Homs: Die Welt lässt das syrische Volk sterben

Jacques Mourad spricht einen dramatischen Appell, nachdem der Hilfsplan des Welternährungsprogramms für Syrien am 1. Januar unterbrochen wurde: „Die syrischen Familien essen einmal am Tag, sie haben vergessen, was Heizung ist, was warmes Wasser ist, was eine Gesellschaft ist. Und sie leben in der Dunkelheit, ohne Licht“, sagte den Vatican News der Erzbischof von Homs.
Vor sechs Monaten wurde er halbiert, seit dem 1. Januar ist er ganz abgeschafft: Der Hilfsplan des Welternährungsprogramms - der UN-Agentur, die für die Nahrungsmittelhilfe in der Welt zuständig ist - für Syrien wurde gestrichen. Mehr als fünf Millionen Menschen waren auf die Lieferung von Nahrungsmitteln und lebensnotwendigen Gütern angewiesen, und das in einem Land, das sich im kommenden März dem 13. Jahr des Krieges nähert und im Februar 2023 durch ein dramatisches Erdbeben in den an die Türkei angrenzenden Gebieten weiter geschwächt wurde. Der Grund für diese Entscheidung, so die UN-Einrichtung, seien die fehlenden Mittel, die durch die Covid-Epidemie, den Krieg in der Ukraine und nun auch den Krieg im Gazastreifen gefährdet seien und das verfügbare Budget aufzehren würden. Die Zahl der Menschen, die in ernster Ernährungsunsicherheit leben würden, werde auf über 12 Millionen geschätzt.
Schreckliche und ungerechte Entscheidung
„Das syrische Volk ist zum Sterben verurteilt, ohne etwas sagen zu können“, so die dramatische Feststellung von Jacques Mourad, seit einem Jahr Erzbischof von Homs, der drittgrößten Stadt Syriens. „Es ist eine schreckliche und ungerechte Entscheidung“, fährt der Erzbischof fort, der sich fragt, warum es so weit gekommen ist. „Für uns ist es so, als ob die Welt dem syrischen Volk sagt: 'Ihr seid zum Sterben verurteilt, ohne dass ihr eure Stimme erheben könnt'. Und weshalb? Was ist die Schuld des syrischen Volkes?“
Die Kirche kann nicht alle Bedürfnisse abdecken
Seine Worte gehen zu Herzen, wenn man an das Leid denkt, das das Volk in all den Jahren erlitten hat und noch erleiden wird, hervorgerufen durch einen Krieg, der kein Ende zu haben scheint und der weiterhin jede Hoffnung zunichte macht. Diese Entscheidung, so der Oberhirte weiter, „wurde getroffen, um das syrische Volk in völlige Verzweiflung zu stürzen, um jedes Licht auszulöschen, das dank unseres Glaubens und unserer Hoffnung noch brennen könnte. Aber in dieser Situation sind wir wirklich am Ende.“ Nichtregierungsorganisationen und die katholische Kirche haben in den letzten Jahren in Syrien tatsächlich Wunder vollbracht und die Bevölkerung in jeder Hinsicht unterstützt. Heute, angesichts der Unterbrechung der humanitären Hilfe, mit der inzwischen fast Zweidrittel der Bevölkerung versorgt wurden, fragt man sich, ob es noch Hoffnung gebe, die die Menschen vor dem Verhungern bewahren könne. Und dazu sagt der Erzbischof: „Und wir leben in völliger Dunkelheit, die Städte in Syrien sind ohne Licht...“
„Die Kirche und die Nichtregierungsorganisationen können nicht alle Bedürfnisse der syrischen Bevölkerung abdecken, ihre finanziellen Möglichkeiten sind begrenzt. Außerdem ist es aufgrund der von den USA und den Vereinten Nationen verhängten Sanktionen unmöglich, Geld nach Syrien zu bringen, wie sollen wir es also schaffen? Wie können die Menschen in Syrien leben? Schon jetzt essen viele syrische Familien nur einmal am Tag. Wir haben vergessen, was Heizen ist, weil wir weder Diesel noch Holz kaufen können, wir haben vergessen, was heißes Wasser ist, wir haben vergessen, was eine Gesellschaft ist. Und wir leben in völliger Dunkelheit, die Städte in Syrien sind ohne Licht, die reichen Viertel mit nur fünf Prozent der Bevölkerung sind sicherlich nicht repräsentativ für die Situation des syrischen Volkes.“
Syrer sind somit zum Tode verurteilt
Für Erzbischof Mourad liegt die einzige Lösung nicht nur in der katholischen Kirche, sondern auch in der Europäischen Union. Er hoffe, dass die EU eine klare Position einnehme, die von „menschlicher und aufrichtiger Sensibilität“ geprägt sei. Der Appell des Erzbischofs von Homs ist herzzerreißend:
„Warum wollt ihr, dass dieses Volk stirbt?“, lautet die grausame Frage an die Welt: „Es ist nicht möglich, dass die ganze Welt das syrische Volk im Stich lässt, was haben wir falsch gemacht, um zum Sterben verurteilt zu werden?“

Vatikan reagiert auf Widerstand gegen Erklärung zu Segnungen

Der Vatikan hat auf die vielfache Kritik gegenüber der kurz vor Weihnachten veröffentlichten neuen Grundsatzerklärung zur Segnung unverheirateter und homosexueller Paare in der katholischen Kirche reagiert. Am 3. Jänner veröffentlichte die zuständige Glaubensbehörde eine „Mitteilung zur Rezeption der Erklärung 'Fiducia supplicans' (Das flehende Vertrauen)". In der Pressemitteilung stellt der oberste vatikanische Glaubenshüter Kardinal Victor Fernandez unmissverständlich klar, dass es zwar je nach kirchlichem Kontext und örtlicher Kultur verschiedene Wege und frühere oder spätere Zeitpunkte der Anwendung geben könne. Eine „totale oder endgültige Verweigerung dieses Weges, der den Priestern vorgelegt wird", sei jedoch nicht erlaubt.
Das gelte auch für die „nicht wenigen Länder", in denen Homosexualität in unterschiedlichem Maße verurteilt, verboten und kriminalisiert wird. Dort erforderten jedoch die kulturellen und rechtlichen Schwierigkeiten Zeit und pastorale Strategien, die über das Kurzfristige hinausgingen.
Die Grundsatzerklärung zu Segnungen hatte innerkirchlich ein geteiltes Echo ausgelöst. Vor allem in Afrika und Osteuropa, aber auch in Teilen Lateinamerikas stieß es auf massive Ablehnung.
Erzbischof: Aus Rom mehr zur Segnung Homosexueller erhofft
Der ernannte Bamberger Erzbischof Herwig Gössl (56) hätte sich nach eigenem Bekunden eine eindeutigere Äußerung aus Rom zu Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare gewünscht. „Ich dachte, wenn wir solche Partnerschaften segnen, müsste sich die Lehre so weiterentwickeln, dass homosexuelle Handlungen nicht mehr als schwere Sünde gesehen werden", sagte Gössl der „Süddeutschen Zeitung" (Freitag). Nun habe der Papst die Lehre nicht geändert, Seelsorgende sollten Homosexuelle dennoch segnen können.
 

Italienischer Priester nach Äußerung gegen Papst exkommuniziert

Kein guter Start ins neue Jahr: In Italien hat ein Priester am Neujahrstag nicht nur seinen Job, sondern gleich seine Mitgliedschaft in der katholischen Kirche verloren. Nach Äußerungen gegen Papst Franziskus habe ihn sein zuständiger Bischof umgehend exkommuniziert, also aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen, berichtet die Zeitung „Corriere della Sera". 
Grund für die Maßnahme soll ein Vorfall im Silvestergottesdienst des Priesters aus dem Ort Guasticce nahe Livorno in der Toskana sein. Laut Zeitung hatte er in seiner Predigt behauptet, Papst Franziskus sei nicht das rechtmäßige katholische Kirchenoberhaupt. Vielmehr habe der Argentinier sein Amt widerrechtlich in Besitz genommen. Der eigentliche Papst sei nach wie vor Benedikt XVI.
In der Messe, die mit dem ersten Todestag des emeritierten Papstes (2005-2013) zusammenfiel, untermauerte der Geistliche seine Behauptung. Am 17. Dezember 2023, dem Geburtstag des amtierenden Papstes, sei ein Blitz in eine Statue des heiligen Petrus nahe Buenos Aires eingeschlagen. Bei dem Vorfall in der Heimat des Petrusnachfolgers und Jesuiten Franziskus seien dabei Heiligenschein und Schlüssel der Figur zerstört worden. 
Laut dem Priester war das kein Zufall: Der Heiligenschein sei verbrannt, weil Petrus kein Heiliger mehr sei, sondern „ein jesuitischer Freimaurer, der mit den Weltmächten verbunden ist, ein antipäpstlicher Usurpator". Die Schlüssel seien zerstört worden, weil sie „der gute Benedikt", also der ehemalige Papst, behalten habe.
Neben der Exkommunikation des Priesters aufgrund des "öffentlichen Aktes schismatischer Natur" ermahnte der zuständige Bischof auch die Gläubigen der Gemeinde. Sie dürften an keiner Feier oder anderen gottesdienstlichen Praktiken des betroffenen Ex-Priesters teilnehmen, sonst würden auch sie aus der katholischen Kirche ausgeschlossen werden.

Christen im Gazastreifen beklagen 27 Tote seit Kriegsbeginn

Seit Beginn des Nahost-Krieges am 7. Oktober hat die christliche Minderheit im Gazastreifen nach Angaben ihres katholischen Pfarrers Gabriel Romanelli 27 Todesopfer zu beklagen. Schätzungsweise hundert weitere Christen konnten den Gazastreifen unter anderem durch doppelte Staatsbürgerschaften verlassen, sagte der argentinische Ordensmann von der Gemeinschaft „Verbo encarnado" (Fleischgewordenes Wort) am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Die Lage im gesamten Gazastreifen beschrieb der Pfarrer von Gaza-Stadt als "grauenhaft". Nach einem vorübergehenden Rückzug der israelischen Truppen aus dem Gebiet um die katholische Pfarre hätten zuletzt auch dort die Bombardierungen wieder stark zugenommen. Die Menschen, die auf dem Pfarrgelände Zuflucht gesucht haben, benötigten die Pausen der Kriegshandlungen, um in den benachbarten Märkten nach Essen zu suchen. Romanelli, der bei einem Besuch außerhalb des Gazastreifens vom Krieg überrascht wurde, konnte trotz intensiver Bemühungen weiterhin nicht in seine Pfarre zurückkehren.
Vor Beginn des Kriegs lebten nach Angaben von Romanelli 1.017 Christen in Gaza, darunter 135 Katholiken. Damit liegt der Anteil der christlichen Todesopfer bei rund 2,6 Prozent. Einschließlich der Zahl der Abgewanderten schrumpfte die Christengemeinde um 12,5 Prozent.
Foto: Gaza, Katholiken bei der Christmette 2024.

Ordensfrau: „Stummen Schrei" der Opfer des Kinderhandels hören

Von einer schrecklichen Lebensrealität jener Kinder, die in die Fänge von Kinderhändlern geraten sind und oft in Kinderpornografie oder Zwangsprostitution landen, berichtet die Ordensfrau Sr. Maria Schlackl. Das Thema sei in Österreich ein Tabu, aber dennoch virulent, sei Österreich doch Transit- und Zielland zugleich und gelte als eine „Drehscheibe des Menschenhandels" in Europa, sagt die bei der Menschenrechts-NGO „Solwodi" tätige Salvatorianerin im Interview der Nachrichtenagentur "Kathpress" zum kirchlichen Gedenktag der Unschuldigen Kinder (28. Dezember). „Es ist wichtig, dass wir den stummen Schrei der Betroffenen hören und darauf reagieren. Menschen- und Kinderhandel ist moderne Sklaverei und gehört zu den massivsten Menschenrechtsverletzungen überhaupt", so die Ordensfrau.

Menschenhandel stellt Waffenhandel in den Schatten

Auf das Thema Kinderhandel hatte zuletzt der US-Kinofilm „Sound of Freedom" hingewiesen, der derzeit noch in einigen österreichischen Kinos zu sehen ist. 49 Millionen Menschen - darunter zwei Millionen Minderjährige - sind laut Schätzungen weltweit von Menschenhandel betroffen, wobei dieser illegale Industriezweig in den USA mit 150 Milliarden US-Dollar Jahresertrag der zweitprofitabelste nach dem Drogenhandel ist und als solcher den Waffenhandel bereits in den Schatten gestellt hat. Weltweit sind derzeit mehr Personen versklavt als zur Zeit der Hochblüte der Sklaverei Mitte des 19. Jahrhunderts, erfährt das Publikum im Abspann des Films. 

„Den Film hätte man auch in Österreich drehen können - denn auch bei uns findet Kinderhandel statt und nimmt weiter zu", mahnt Sr. Schlackl. Durch die Flüchtlingskrise seit 2015, erst recht aber seit Beginn des Ukraine-Kriegs seien auch hierzulande Tausende Kinder einfach verschwunden, wobei über deren Schicksal nicht einmal die Kriminalpolizei und Interpol Bescheid wüssten. „Man kann nur hoffen, dass manche zu ihren Eltern gefunden haben. Der Verdacht ist jedoch groß, dass die Notlage vieler Kinder von Kriminellen ausgenutzt wird", so die Ordensfrau. Minderjährige würden wie andere Opfer des Menschenhandels sexuell ausgebeutet oder in Arbeitsausbeutung, Bettelei, Begehung von Straftaten oder Zwangsheirat gezwungen.

Der von Ordensfrauen getragene Verein „Solwodi"…

…kämpft darum, Opfern beim Ausstieg aus Menschenhandel und Zwangsprostitution zu helfen, etwa durch Beratungsgespräche, Schutzwohnungen und Weitervermittlung. Die Tätigkeit gilt aufgrund des Milieus, in dem gearbeitet wird, als gefährlich. Direkt mit betroffenen Kindern hatte Schlackl bislang nicht zu tun, wohl aber mit Frauen, die schon vor Erreichen ihrer Volljährigkeit in die Zwangslage kamen. Niemand, der bei Solwodi Schutz sucht, habe sich die Tätigkeit freiwillig ausgesucht, so die Erfahrung der Salvatorianerin. „Alle haben einen Leidensweg von Lüge, Täuschung, Gewalt, Schmerz, Ohnmacht und völliger Abhängigkeit hinter sich." 

Den auf Betroffenen lastenden Druck beschreibt Sr. Schlackl als unvorstellbar groß: „Viele wollen auf der Stelle weg, da sie es nicht mehr aushalten, mit bis zu zehn Männern pro Tag schlafen zu müssen", so die Ordensfrau über Schilderungen ihrer Klientinnen. Dennoch würden es die meisten nicht schaffen, andere um Hilfe zu bitten, und sei es nur über eine Kurznachricht. „Die meisten sind verschüchtert, traumatisiert, rund um die Uhr überwacht und stehen ganz unter der Macht der Zuhälter. Somit weinen sie nur innerlich und bluten dabei aus", schildert die Aktivistin. Manche Zuhälter gingen sogar so weit, ihre Namen oder Zeichen den Opfern auf die Haut zu tätowieren - als Besitzzeichen, wie es sonst bei Kühen gebräuchlich ist. Andere in der Prostitution tätige Frauen würden von eigenen Familienmitgliedern ausgebeutet.

Bewusstseinsarbeit und Justiz gefragt

Eine Verbesserung der Situation im Sinne der Opfer sei auf vielen Ebenen zugleich vonnöten, so die Überzeugung Sr. Schlackls. Zumal der Markt für gekauften Sex immer größer und gesellschaftsfähiger werde – „teils werben Bordelle ganz offen um Maturafeiern oder Junggesellenabende" -, sei ein Bewusstseinswandel unumgänglich. „Keiner der Freier fragt sich, unter welchen Bedingungen und Zwangssituationen die Frauen in den Laufhäusern ihre Arbeit verrichten. Sexkauf ist Übergriffigkeit, nicht Liebe", so die Ordensfrau. Doch auch die Nutzer einschlägiger Porno-Plattformen, die oft Zugriffe in Millionenhöhe hätten, müssten sich unangenehme Tatsachen vor Augen halten lassen, nämlich: „Jedem Kinderporno liegt Kindesmissbrauch zugrunde." 

Auch Bewusstseinsbildung und frühzeitige Prävention seien vonnöten - Anliegen, welche Sr. Schlackl und ihre Kolleginnen bei Solwodi mit Workshops an Schulen und Pfarren über Geschlechtergerechtigkeit, Beziehungen und die Würde der Frau verfolgen. Die Ordensfrau fordert zudem höhere Achtsamkeit: Wenn sich in irgendeiner Weise mögliche Betroffene äußern, dürfe das Thema nie auf die leichte Schulter genommen werden.

Schließlich wünscht sich die mit viel Gerechtigkeitssinn ausgestattete Ordensfrau auch eine „proaktivere Polizei" und bessere Gesetze. „Zwar gibt es viele internationale Rechtsinstrumente, etwa in der EU das Kontrollorgan 'Greta' oder auf nationaler Ebene seit fast 20 Jahren die Task Force zur Bekämpfung des Menschenhandels. Dennoch frage ich mich oft: Geschieht damit wirklich schon genug?", stellt Sr. Schlackl in den Raum.

Auch Kirche für Änderungen bei geplanter Denkmalschutz-Novelle

Teile der geplanten Änderungen im Denkmalschutzgesetz stoßen auch bei der Österreichischen Bischofskonferenz auf Kritik. In ihrer Stellungnahme im Rahmen der in dieser Woche zu Ende gegangenen Begutachtungsphase zu der Novelle kritisiert die Bischofskonferenz mögliche Eingriffe in die Religionsfreiheit. Auch bei einigen der geplanten Regeln im Zusammenhang mit einer deutlich erweiterten aktiven Erhaltungspflicht für Eigentümer von Denkmälern spricht sich die Kirche für Änderungen aus.
Ihre Kritik an einem drohenden unzulässigen Eingriff in das Grundrecht auf korporative Religionsfreiheit und die geschützten inneren Angelegenheiten anerkannter Kirchen erklärt die Bischofskonferenz in ihrer von Generalsekretär Peter Schipka unterzeichneten Stellungnahme mit einem Beispiel: So gebe es den liturgischen Vorschriften entsprechend einen fixen Hauptaltar in Kirchen. Noch bestehende provisorische Altäre würden sukzessive ausgetauscht. Ein solcher Umbau auf einen fixen Altar wäre aber laut der geplanten Novelle künftig von der Zustimmung des Bundesdenkmalamts abhängig, weil eine derzeit geltende Sonderbestimmung im aktuellen Gesetzesentwurf nicht enthalten sei.
„Die Katholische Kirche leistet sehr viel, um diese Kulturdenkmäler erhalten zu können. Sie sind aber vor allem Orte, wo Christen Gottesdienste feiern, und diese Orte müssen auch immer wieder neu angepasst werden, um feiern zu können", betonte Bischofskonferenz-Generalsekretär Schipka dazu am Freitagabend in der Ö1-Sendung „Religion aktuell". Die bisherige Regelung müsse beibehalten werden. „Denkmalschutz darf das Feiern der Gottesdienste nicht verhindern", hielt Schipka fest.
Auch in einem weiteren Punkt schlägt die Bischofskonferenz Änderungen im Gesetzesentwurf vor: Dabei geht es um die geplante deutliche Erweiterung der denkmalrechtlichen Erhaltungspflicht durch Eigentümer geschützter Denkmäler. Die derzeit vorgesehene Bestimmung, die verhindern soll, dass Eigentümer ein Denkmal bewusst verfallen lassen, diene zwar grundsätzlich einem legitimen Zweck, schreibt die Bischofskonferenz in ihrer Stellungnahme - sie erfülle in der aktuell vorgeschlagenen Weise aber nicht die Kriterien der Verhältnismäßigkeit und sei daher nicht mit dem verfassungsrechtlich gewährleisteten Grundrecht auf Eigentum vereinbar.

Kurznachrichten 

   

Vatikan. Der erste Botschafter des Oman beim Heiligen Stuhl hat seinen Dienst angetreten. Der Oman ist der drittgrößte Staat der arabischen Halbinsel. Der Islam ist Staatsreligion, unter den zahlreichen Gastarbeitern aus Ostasien gibt es eine bedeutende christliche Minderheit. 

 

Ukraine. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat zu Weihnachten mit Papst Franziskus telefoniert und ihm dabei für seine Unterstützung in Friedensbemühungen für die Ukraine gedankt. 

 

Ukraine. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat zwei Vatikan-Diplomaten mit einem Verdienstorden ausgezeichnet. Das berichtet die italienische Tageszeitung „Avvenire". Geehrt worden seien Papst Franziskus' Friedensgesandter Kardinal Matteo Zuppi sowie der vatikanische Kardinal-staatssekretär Pietro Parolin. 

 

Kongo. Die Kirchen der Demokratischen Republik Kongo haben die jüngsten Wahlen als bestandene Reifeprüfung in Sachen Demokratie gelobt. Trotz chaotischer Zustände durch Verzögerungen und defekte Wahlmaschinen seien die Kongolesen ihrer Bürgerpflicht nachgekommen. Kritik übten die Religionsvertreter an der Organisation des Urnengangs.

 

Frankreich lässt ab dem 1. Jänner keine neuen Imame aus dem Ausland mehr zu. Innenminister Gerald Darmanin betonte in einem Brief an die Herkunftsländer, muslimische Geistliche, die sich bereits in Frankreich aufhalten, könnten nach dem 1. April nur mit einem neuen Status in Frankreich bleiben, wie die Zeitung „Le Figaro" berichtet. Zugleich müsse ein wachsender Anteil der in Frankreich tätigen Imame auch hier ausgebildet und von den Moscheevereinen selbst bezahlt werden, heißt es in dem Brief an Länder wie Marokko, Algerien und Tunesien.  

 

Polen. Die katholische Kirche ist bereit zu Gesprächen mit der neuen Regierung über eine Reform der Finanzierung von Religionsgemeinschaften. Der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Weihbischof Artur Mizinski, teilte am Freitag mit, die Kirche sei offen für den Dialog über eine Ersetzung des sogenannten Kirchenfonds durch andere rechtliche und steuerliche Lösungen. 

 

Armenien. Die Salzburger Armenologin Jasmine Dum-Tragut, Leiterin des „Zentrums zur Erforschung des Christlichen Ostens" (ZECO), hat am Montag die höchste staatliche Auszeichnung der Republik Armenien überreicht bekommen. Die Auszeichnung mit dem Movses Chorenatsi-Orden in Jerewan nahm der armenische Staatspräsident Wahagn Chatschaturjan persönlich vor. 

China. Der Hongkonger katholische Verleger und Demokratie-Aktivist Jimmy Lai hat sich im Prozess wegen angeblicher Verstöße gegen das chinesische Sicherheitsgesetz als „nicht schuldig" bezeichnet. Nach Verlesung der Anklagepunkte wies der 76 Jahre alte Gründer der demokratiefreundlichen Zeitung „Apple Daily" die Vorwürfe am Dienstag zurück.

 

Kolumbien hofft beim Kampf gegen Ungleichheit auf die Unterstützung von Papst Franziskus und der katholischen Kirche. „Ethnische Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit gehen Hand in Hand. Die Zerstörung begann mit dem Sklavensystem", sagte Kolumbiens Vizepräsidentin Francia Marquez der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bogota. Das aktuelle Wirtschaftssystem auf der Erde habe dieses gemeinsame Haus zerstört. 

 

In Serbien halten die Proteste nach Parlaments- und Lokalwahlen vor zwei Wochen an. Die einflussreiche serbisch-orthodoxe Kirche äußerte sich bisher nicht zu der politischen Lage; ihr gehören 85 Prozent der Serben an. Im Interview mit der Zeitung „Danas" unterstellte ein Religionsexperte dem serbisch-orthodoxen Patriarchen Porfirije eine indirekte Unterstützung für die Vucic-Regierung. Dabei erfordere die derzeitige Lage eine klare Verurteilung.

 

Jordanien. Mit 212.000 Besuchern haben 2023 so viele Menschen wie noch nie die als Taufstelle Jesu verehrte Stätte „Al-Maghtas" am jordanischen Ufer des Jordanflusses besucht. 

 

Slowenien. Am 1. Jänner ist das 46. europäische Taize-Jugendtreffen in Ljubljana zu Ende gegangen. Das nächste findet Ende 2024 in Estlands Hauptstadt Tallinn statt.


Österreich

 Oberösterreich. Am 31. Dezember ist das „Oberösterreichische Volksblatt" zum letzten Mal in gedruckter Form erschienen ist. Das „Linzer Volksblatt für Stadt und Land" war 1869 als katholisches Gegengewicht zur „Linzer Tages-Post", der Vorgängerzeitung der „Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN) erstmals erschienen. Bis 1938 wurde die Redaktion von Geistlichen geleitet. Seit 1971 war das „Volksblatt“ im Besitz der ÖVP.

 

Tirol. Das Stift Stams steht nach dem 750-Jahr-Jubiläum im Vorjahr vor einem neuerlichen markanten Ereignis: German Erd, seit 2003 amtierender 44. Abt des Zisterzienser-Stiftes im Tiroler Oberland, hat einen Wechsel an der Spitze des aktuell 21 Ordensmänner umfassenden Konvents in Aussicht gestellt: „Im Herbst wird wahrscheinlich ein neuer Abt gewählt", sagte der 75-Jährige in der „Tiroler Tageszeitung". 

Eine christliche Königin 

Die dänische Königin Margarethe II. (83) hat nach 52 Regierungsjahren ihre Abdankung zum 14. Jänner angekündigt. Dass sie als Königin auch Oberhaupt der lutherischen Volkskirche des Landes war, hatte für Margrethe II. mehr als nur symbolische Bedeutung. In einem Interview mit dem in Kopenhagen erscheinenden „Kristeligt Dagblad" outete sich die Königin 2016 als intensive Kirchgängerin und gab Einblick in ihre persönliche Spiritualität. 
„Kann man sich nicht über irgendetwas anderes im Gottesdienst freuen, gibt es immer noch das Abendmahl", sagte die Monarchin damals im Gespräch mit der Journalistin Else Marie Nygaard. „Es ist nicht nur ein Stück Brot und ein Schluck Wein." Wenn man Brot und Wein empfange, habe man das Recht zu sagen: "Ja, das ist jetzt, es geschieht", deutete sie ein klassisch lutherisches Abendmahlsverständnis an. Das Abendmahl sei sowohl ein Mysterium als auch etwas sehr Handfestes.
Die Nähe der Monarchin zur Kirche drückte sich indes auch an vielen anderen Dingen aus: Immer wieder designte die als passionierte Künstlerin geltende Monarchin Kirchentextilien. Eine ganze Reihe dänischer Kirchen besitzt heute von Margrethe entworfene Messgewänder. 
Foto: Wikipedia.

Auch das noch...

Nicaraguas Regierung setzt „grausame Jagd auf Priester" fort

In Nicaragua geht das linksautokratisch-sandinistische Regime weiter gegen die katholische Kirche vor. Wie lokale Medien berichten, wurden unmittelbar vor dem Jahreswechsel weitere fünf Geistliche verhaftet. Damit stieg die Zahl der innerhalb einer Woche festgenommenen Kirchenvertreter auf 14 an. Wie das Portal „100% Noticias" unter Berufung auf den in den USA im Exil lebenden nicaraguanischen Weihbischof Silvio Baez berichtet, stammen die nun verhafteten fünf Geistlichen alle aus der Erzdiözese der Hauptstadt Managua.
„Die sandinistische Diktatur hat in dieser Woche eine grausame Jagd auf Priester entfesselt und mehrere von ihnen inhaftiert, zusätzlich zu zwei Bischöfen, die bereits im Gefängnis waren", wird Baez zitiert, der von Papst Franziskus aufgefordert wurde, Nicaragua 2019 aus Sicherheitsgründen zu verlassen. Die Wut der kriminellen Diktatur Ortegas, die sich gegen die Kirche richte, halte weiter an, sagte Baez, der den Rest der Welt bat, die Kirche in Nicaragua nicht alleine zu lassen und sich solidarisch zu zeigen.
 

Benediktiner Grün: Hoffnung heißt, Augen für Realität zu öffnen

Für den Benediktinerpater und Bestsellerautor Anselm Grün heißt Hoffnung nicht, die Augen zu verschließen. Vielmehr müssten diese für die Realität geöffnet werden, sagte der Ordensmann der Abtei Münsterschwarzach in Bayern der Münchner „Abendzeitung". Das sei momentan natürlich alles andere als schön. Doch Hoffnung brauche einen langen Atem. Sie sei aber kein Zweckoptimismus, indem man sich sage, alles werde schon wieder gut.
„Die Erwartung, dass es nächstes Jahr wirklich besser ist, kann enttäuscht werden", räumte der 78-jährige Grün ein. Ein Weg zu hoffen, ist seinen Worten zufolge aber zu beten. Solange man bete, habe man Hoffnung. "Dann bin ich zumindest nicht ohnmächtig. Wenn ich nur mit Ohnmacht reagiere, dann helfe ich keinem. Ich lähme mich selbst und auch meine Umgebung."

Neuer Pilgerrekord auf dem Jakobsweg 

Der Zulauf auf dem Jakobsweg hat abermals zugelegt und sich der halben Pilgermillion genähert. Damit ist 2023 das neue Rekordjahr für den traditionsreichen Weg nach Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens. Folgt man der vom dortigen Pilgerbüro nun veröffentlichten Statistik, trafen in der Apostelstadt im vergangenen Jahr 446.035 Pilgerinnen und Pilger aus aller Welt ein. Der Löwenanteil entfiel mit 44 Prozent auf die Spanier selbst, unter denen wiederum die Andalusier am stärksten vertreten waren.
Bei den Ausländern lagen die US-Amerikaner an vorderster Stelle (32.063), gefolgt von Italienern (29.036) und Deutschen (24.342). In den Top Ten waren überdies Portugiesen, Franzosen, Briten, Mexikaner, Südkoreaner und Iren vertreten. Dahinter folgten die fernen Länder Australien und Kanada. Auf Platz 22 landete Österreich (2.429), auf Rang 24 die Schweiz (1.882), lediglich getrennt durch Indonesien.
 

US-Kardinal erschüttert über gewaltsamen Tod von Imam

Tief erschüttert über den tödlichen Schusswaffenangriff auf einen muslimischen Imam in der Stadt Newark im Bundesstaat New Jersey hat sich US-Kardinal Joseph Tobin geäußert. Er trauere mit den Menschen vor Ort um den Verlust eines „angesehenen Glaubens- und Gemeindeführers", erklärte der katholische Erzbischof von Newark. Auf Imam Hassan Sharif waren am Morgen des 3. Jänner vor einer Moschee mehrere Schüsse abgefeuert worden. Der muslimische Geistliche erlag wenig später in einem Spital seinen Verletzungen.
„Imam Sharif war ein angesehener Glaubens- und Gemeindeführer in unserer Stadt, der sich gegen Gewalt auf unseren Straßen und in unseren Vierteln aussprach", sagte Kardinal Tobin nach Angaben des Nachrichtenportals „Crux". "Ich schließe mich den Gebeten seiner Familie und Freunde sowie unserer Schwestern und Brüder in der muslimischen Gemeinschaft an", so der Kardinal.

Benediktinerinnen bewohnen jetzt den Alterswohnsitz von Benedikt XVI. 

Der ehemalige Alterswohnsitz von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) hat neue Mieter. Nach umfassenden Renovierungsarbeiten sind nun sechs argentinische Ordensfrauen in das Kloster "Mater Ecclesiae" in den Vatikanischen Gärten eingezogen. Das berichtet das Portal „Vatican News" am Donnerstag. Die Schwestern eines Benediktinerordens aus Papst Franziskus' Heimat Buenos Aires sollen laut Vatikan von dort aus „den Heiligen Vater in seiner täglichen Sorge um die ganze Kirche" unterstützen.
Mitte der 1990er-Jahre hatte Papst Johannes Paul II. (1978-2005) das Kloster errichten lassen. Im höher gelegenen Teil der Vatikanischen Gärten beherbergte es bis 2012 wechselnde geistliche Frauengemeinschaften. Benedikt XVI. wählte das Gebäude nach seinem Amtsverzicht im März 2013 als Ruhesitz. Bis zu seinem Tod am Silvestertag 2022 lebte er dort gemeinsam mit seinem Privatsekretär Georg Gänswein und vier Schwestern der Gemeinschaft „Memores Domini", die seinen Haushalt führten.
Am Mittwoch hatte Papst Franziskus die ehemaligen Bewohner in Audienz empfangen. Über Gesprächsinhalte des Treffens mit Erzbischof Gänswein und den vier Frauen der Gemeinschaft „Memores Domini" verlautete bislang nichts. Zum ersten Todestag von Benedikt XVI. hatte Gänswein zu Silvester eine Messe im Petersdom gefeiert. Auch die Schwestern waren dabei anwesend.
Foto. Die Benediktinerinnen beten vor der Lourdesgrotte im Vatikan. Vatican Media.