JA 

die neue Kirchenzeitung

 7. April 2024 

Lesungen:  Apg 4,32-35, 1 Joh 5,1-6;  Evangelium: Joh 20,19-31.

Wo Kirche zerrinnt

Das sogenannte Heilige Grab zieht am Karsamstag immer noch Menschen an, auch solche, die das ganze Jahr keine Kirche frequentieren.
Ich selbst setze mich jedes Jahr nach Ende der Osternachts-Vorbereitungen ins Auto, um  mir Heilige Gräber anzuschauen.
Heuer wurde ich im Nordosten des von starker Abwanderung geprägten Waldviertels nur in einer einzigen Kirche eines fünf Pfarre umfassenden Pfarrverbandes fündig. In dieser sollte die Auferstehungsfeier stattfinden. 

Vier Kirchen waren verschlossen – in zwei von ihnen feierte der Priester einen Gottesdienst am Ostersonntag, in zwei am Ostermontag. 

Ein Blick in die Statistik hat mich verstört.
Die fünf Pfarren zählen nur noch 1.324 Katholiken.
Vor 40 Jahren betreuten drei Priester noch 2.324 Katholiken.
Vor 85 Jahren gab es fünf Pfarrer und einen Kaplan für 4.346 Katholiken.
Alle fünf Pfarren besitzen wunderbare Gotteshäuser. Doch die katholische Kirche „zerrinnt“ in dieser Region rapide.
Was wird in 40 Jahren sein?   P. Udo 

Deutscher Pfarrer in London beklagt Übergriffe von Muslimen

Deutschsprachige Katholiken in London beklagen Aggressionen durch Muslime gegen ihre Gemeinde im Stadtteil Tower Hamlets vor dem Hintergrund des Gaza-Krieges. Deutsche gälten in dem stark muslimisch geprägten Viertel als Judenfreunde, sagte der Pfarrer der deutschsprachigen katholischen Gemeinde St. Bonifatius, Andreas Blum, dem kirchlichen Kölner Portal „domradio.de". Er berichtete von wiederholten Schmierereien an den Wänden seiner Kirche wie Teufelsfiguren oder die Parole „Allah is watching you".
Ordensfrauen aus Brasilien auf der Straße bespuckt
Insgesamt herrscht seinen Beobachtungen zufolge eine latent antijüdische und antichristliche Stimmung in dem Stadtteil mit einer der größten Moscheen Europas. Er wisse von Ordensfrauen aus Brasilien, die auf der Straße bespuckt wurden, und Geistlichen in Soutane, die Muslime mit Flüchen beleidigten. "Wenn man in eine inhaltliche Diskussion geht oder aber eben auch Kippa, Davidstern oder Kreuz offen zeigt, dann kann es schon passieren, dass das als Provokation verstanden wird", so Blum.
Im Dezember hatte ein extremistischer Täter einen Mitarbeiter der Gemeinde unter „Allah"-Rufen zusammengeschlagen; das Opfer musste ins Krankenhaus. Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel und Beginn des Gaza-Krieges im Oktober sei das ganze Viertel professionell mit Palästinenserflaggen geschmückt gewesen. „Man hatte den Eindruck, man bewegt sich plötzlich nicht mehr in England, sondern in Palästina und auch in einem Kampfgebiet", so der katholische Geistliche.
Politiker desinteressiert
Enttäuscht zeigte sich Blum von einem Desinteresse der Politik. „Wir haben es mit einer Bezirksregierung zu tun, die fest in muslimischer Hand ist. Das hat mit der Bevölkerungszusammensetzung zu tun. „Bangladescher und Pakistaner dominierten die Partei des Bezirksbürgermeisters sowie alle Einrichtungen im Viertel. „Dagegen ist kaum anzukommen." Die Polizei verwalte die Übergriffe lediglich, womöglich aus Angst vor Rassismusvorwürfen. „Sowohl Polizei als auch Bezirksregierung erleben wir nicht als hilfreich in dieser Auseinandersetzung."
Auch die interreligiöse Zusammenarbeit mit Muslimen lässt nach den Worten des Pfarrers zu wünschen übrig. Alle Eingaben, die Blum seit Oktober an das örtliche „Interfaith Forum" gemacht habe, seien unbeantwortet geblieben. Es habe nicht einmal eine Reaktion erhalten. Seit sechs Jahren suche er auch Kontakt zum Imam der benachbarten Moschee; aber: „Ich bin über ein Vorzimmer noch nicht hinausgekommen."
Foto: Pfarre St. Bonifatius, Osterfeier 2024

Patriarch Sako fordert Religionsfreiheit für alle Menschen im Irak

Der chaldäisch-katholische Patriarch Kardinal Louis Raphael Sako hat einmal mehr Religionsfreiheit im Irak eingemahnt. In einer am Donnerstag auf der Website des chaldäischen Patriarchats veröffentlichten Erklärung wies Sako laut dem „Pro Oriente"-Informationsdienst u.a. auf den Missstand hin, dass Christen, die von islamistischen Terrorgruppen zur Konversion zum Islam gezwungen wurden, nun offiziell als Muslime gelten, denen eine Rückkehr zum Christentum gesetzlich verwehrt ist. Ebenso sei es nicht hinnehmbar, dass Minderjährige für den Fall, dass ein Elternteil zum Islam konvertiert, ebenfalls automatisch als Muslime gelten.
Der Patriarch appellierte an die irakische Politik und Justiz, für die genannten Fälle Lösungen im Sinne der Religionsfreiheit zu suchen. Die bestehenden Gesetze müssten überarbeitet werden.

Papst gedenkt eines jungen Soldaten aus der Ukraine

Papst Franziskus hat bei der Generalaudienz eines jungen Soldaten aus der Ukraine gedacht, der im Alter von nur 23 Jahren gefallen ist. Sichtlich bewegt zeigte er einen Rosenkranz und eine Ausgabe des Neuen Testaments, die dem Getöteten gehört hatten.
„Vergessen wir auch nicht die gequälte Ukraine: so viele Tote...“, erwähnte Franziskus in seinen Grüßen nach der Katechese. Vor den rund 25.000 Pilgern auf dem Petersplatz erläuterte er, dass er in den Händen einen Rosenkranz und ein Buch des Neuen Testaments halte, die ihm  ein im Krieg gefallener Soldat hinterlassen hat. „Der Name dieses Jungen war Oleksandr - Alexander: 23 Jahre alt. Alexander las das Neue Testament und die Psalmen, und er hatte im Buch der Psalmen den Psalm 129 unterstrichen: 'Aus der Tiefe rufe ich zu dir, Herr; Herr, höre meine Stimme'. Und dieser 23-jährige Junge starb im Krieg. Er hat ein Leben hinter sich gelassen. Und dies ist sein Rosenkranz und sein Neues Testament, das er las und betete“, so der Papst spürbar ergriffen, bevor er zu einem stillen Gebet einlud:
„Ich möchte, dass wir alle in dieser Zeit schweigen und an diesen jungen Mann und so viele andere wie ihn denken, die in diesem Wahnsinn des Krieges gestorben sind. Krieg ist immer zerstörerisch. Lasst uns an sie denken und für sie beten!“
Die Besitztümer des gefallenen Soldaten hatte dem Papst die Ordensfrau Lucía Caram, eine kontemplative Dominikanerin argentinischer Herkunft, am 13. März, dem elften Jahrestag seines Pontifikatsbeginns, überreicht. Der Papst hatte sie vor der Generalaudienz an diesem Tag im Studio der Audienzhalle empfangen; dort hatte sie Franziskus den Kranz und die Bibel des in Avdika verstorbenen jungen Mannes aus Bakhmut übergeben. Sr. Lucía lebt zwar in Barcelona, doch engagiert sie sich seit Beginn des Konflikts in der Ukraine.
Orden gründete Amputierten-Fußballmannschaft in der Ukraine
Die Salesianer Don Boscos (SDB) haben im Lviv (Lemberg)  in der Ukraine eine Fußballmannschaft für Kriegsversehrte ins Leben gerufen. „Wir trainieren derzeit gut 25 Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, denen jeweils ein Bein oder Arm amputiert wurde", erklärte P. Mykhaylo Chaban in einer Aussendung der Hilfsorganisation „Jugend Eine Welt" am Donnerstag anlässlich des „Internationalen Tags des Sportes für Entwicklung und Frieden" der UNO (6. April). Das Fußballspiel diene als therapeutisches Mittel für physisch und psychisch verwundete Männer, so der Ordensmann.
Foto: Papst Franziskus zeigt den Rosenkranz und das Neue Testament des Getöteten  (VATICAN MEDIA Divisione Foto)
 

Papst Franziskus: Kein Kurswechsel seit Tod von Benedikt XVI.

In dem am Mittwoch erschienenen Interview-Buch „El Sucesor" dementiert Papst Franziskus, dass er nach dem Tod seines Vorgängers Benedikt XVI. am 31. Dezember 2022 den eigenen kirchenpolitischen Kurs geändert habe. „Ich habe danach (das Pontifikat) in gleicher Weise weitergeführt. Und dabei immer an ihn (Papst Benedikt XVI.) erinnert", sagte der Papst.
Weiter erklärte Franziskus, sein Vorgänger habe in den ersten Jahren des Zusammenlebens oft mit ihm gesprochen; Benedikt habe sich aber nie eingemischt und ihm alle Freiheiten in seinen Entscheidungen gelassen.
Nur einmal habe er ihm gesagt, dass er eine Entscheidung nicht verstehe. Daraufhin habe er sie ihm erklärt. Nie habe der Vorgänger ihm die Unterstützung entzogen, auch wenn es "vielleicht mal etwas gab, womit er nicht einverstanden war - aber das sagte er nie".
Kritik an Gänswein-Buch
Mit scharfen Worten kritisierte der Papst in dem Interview die Umstände der Veröffentlichung des Erinnerungsbuchs des ehemaligen Papst-Sekretärs, Erzbischof Georg Gänswein. Das Anfang Jänner 2023 mit dem Titel "Nichts als die Wahrheit" zunächst in Italien erschienene Buch hatte seinerzeit ein weltweites Echo ausgelöst.
Franziskus sagte nun, es sei für ihn ein großer Schmerz gewesen, dass "am Tag des Begräbnisses ein Buch erschien, das die Unwahrheit erzählte. Das ist sehr traurig". Der Erscheinungszeitpunkt zum Begräbnis sei ein "Mangel an Anstand und an Menschlichkeit" gewesen.

Katholische Kirche wächst weltweit auf 1,39 Milliarden Menschen

Die Zahl der Katholikinnen und Katholiken weltweit ist im Jahr 2022 auf 1,39 Milliarden gewachsen. Das war ein Anstieg um ein Prozent im Vergleich zu 2021, wie aus der jetzt vom Vatikan veröffentlichten neuen Jahreskirchenstatistik hervorgeht. Die Mitgliederzahl wuchs vorwiegend in Afrika: Sie stieg dort um drei Prozent auf 273 Millionen Menschen. Damit kam im Jahr 2022 etwa jeder fünfte Katholik aus Afrika. In Europa blieb die Zahl mit 286 Millionen gleich. Ein Plus um 0,9 bzw. 0,6 Prozent gab es auf den Kontinenten Amerika und Asien.
Zahl der Priester und Ordensfrauen gesunken
Im Gegensatz zur gestiegenen Katholikenzahl ist die Zahl an Priestern weiter minimal gesunken. Sie ging um 0,03 Prozent auf 407.730 zurück. Damit setzte sich der leichte Abwärtstrend seit 2012 fort. Die Gesamtzahl umfasst sowohl Diözesan- als auch Ordenspriester. Am stärksten war der Rückgang mit 1,7 Prozent in Europa, wo es absolut gesehen noch immer die meisten Priester gibt. In Afrika hingegen wuchs die Zahl der Priester um 3,2 Prozent, in Asien um 1,6 Prozent. In Nord- und Lateinamerika waren 2022 in etwa so viele Priester wie 2021 im Einsatz.
Einen weltweiten Rückgang meldeten die Priesterseminare: 2022 wurden dort 108.481 Männer zu Priestern ausgebildet. Das waren 1,3 Prozent weniger als 2021. Erneut lag Europa mit minus sechs Prozent weit hinten. In Afrika hingegen stieg die Zahl auf 34.541. Damit war Afrika der Kontinent mit den meisten Priesteranwärtern: Weltweit besuchte fast jeder dritte ein Seminar in Afrika.
Die Zahl der Ordensfrauen ging 2022 weiter zurück: um 1,6 Prozent auf 599.228. Erneut gab es Unterschiede zwischen Afrika, das 1,7 Prozent mehr Ordensangehörige verzeichnete, und Europa, wo 3,5 Prozent weniger Frauen nach Ordensgelübden lebten. Rückgänge gab es auch in Süd- und Mittelamerika (minus 2,5 Prozent), Nordamerika (minus 3,0 Prozent) und Ozeanien (minus 3,6 Prozent). In Südostasien stieg die Zahl der weiblichen Ordensleute leicht um 0,1 Prozent.
 

„Jesus Christus" nun offizieller Begriff in Indonesien

Osterfreude in Indonesien: Die Christen des mehrheitlich muslimischen Indonesien feiern an diesem Ostern nicht nur die Auferstehung von Jesus Christus, sondern auch einen historischen Schritt zur verbesserten gesellschaftlichen Akzeptanz. Der indonesische Staat verwendet nun offiziell den Namen „Jesus Christus" für die zentrale Persönlichkeit des Christentums, wie indonesische Medien am Ostersonntag berichteten. Zuvor war der aus der muslimischen Tradition entlehnte Begriff „Isa Al-Masih" (Messias) üblich.
Franz Magnis-Suseno, deutschstämmiger Jesuit und langjähriger Rektor der Hochschule Driyarkara für Philosophie in Jakarta, zeigte sich im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) hoch erfreut. Die Reform sei ein weiteres Zeichen dafür, dass die moderate muslimische Massenorganisation Nadlatul Ulama und ihr folgend der indonesische Staat „die Christen als Freunde ansieht und sie dadurch in ihrer Identität anerkennen will". Die Änderung war zu Jahresende von Staatspräsident Joko Widodo angekündigt und im Januar per Regierungserlass verfügt worden. Zu Ostern trat die Änderung jetzt in Kraft.
In den vergangenen Jahrzehnten waren Christen und Kirchen immer wieder Ziel von Diskriminierungen durch Islamisten und Angriffen muslimischer Terroristen. Unter Präsident Widodo wurde der radikale politische Islam bekämpft. Der Präsidenten- und Parlamentswahlkampf im Februar blieb weitgehend frei von Angriffen auf Minderheitsreligionen wie Christen oder die als abtrünnig geltende islamische Gemeinschaft Ahmadiyya.
Christen stellen rund 10 Prozent der 275 Millionen Einwohner Indonesiens und sind damit die größte religiöse Minderheit. Etwa zwei Drittel der Christen sind Protestanten, ein Drittel Katholiken.

Grünes Licht aus Rom: Martin Lintner darf nun doch Dekan werden 

In der „Causa Lintner" gibt es nun grünes Licht aus Rom: Mit 1. September darf Prof. Martin Lintner nun doch das Amt des Dekans der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) in Brixen/Südtirol antreten. Nach den kirchlichen Vorschriften ist dafür die Zustimmung des Heiligen Stuhls notwendig, das sogenannte „Nihil obstat". Dieses ist nun beim Diözesanbischof Ivo Muser eingelangt. Es war Lintner - der bereits seit vielen Jahren regulär an der PTH als Professor für Moraltheologie lehrt - nach seiner Wahl zum neuen Dekan im November 2022 zunächst verwehrt worden, obwohl der zuständige Bischof Ivo Muser die Wahl bereits gutgeheißen hatte. 
Im vergangenen Sommer hatte das Bildungsdikasterium Bischof Muser mitgeteilt, dass das „Nihil obstat" für Lintner nicht erteilt wird. Muser hat daraufhin das Gespräch mit der vatikanischen Behörde gesucht und in den vergangenen Monaten mit den Verantwortlichen die offenen Fragen erörtert und geklärt, heißt es in einer Presseaussendung der Diözese Bozen/Brixen.
„Im Anschluss an Ihren Besuch am 6. Februar 2024 und auf Grundlage Ihres Schreibens teilen wir Ihnen mit, dass dieses Dikasterium den genannten Kandidaten nach Abschluss des Verfahrens als Dekan des besagten Theologischen Studiums bestätigt hat", heißt es in dem Brief, der Bischof Ivo Muser dieser Tage zugestellt und vom Präfekten des Bildungsdikasteriums, Kardinal José Tolentino De Mendonca, unterschrieben worden ist. Muser zeigte sich in einer ersten Reaktion erleichtert: „Die Nachricht, die mich aus dem Bildungsdikasterium erreicht hat, ist eine gute Nachricht für unsere Diözese und für unsere Hochschule." 
Erleichterung und Freude äußerte auch Lintner: Er dankte dem Bischof für das Vertrauen und seinen Einsatz in Rom. Er sei froh, dass die Vorbehalte gegen ihn, auch in Bezug auf seine Publikationen, die offenbar in Rom für Irritationen gesorgt hatten, ausgeräumt wurden.

„Rockender" Benediktiner Notker Wolf mit 83 Jahren gestorben

„Das Leben ist und bleibt ein Risiko", dessen war sich Notker Wolf bewusst. Mit Gottvertrauen ging er Probleme an, reiste in entfernte Länder und ließ sich nie unterkriegen. „Lächeln Sie dem Leben entgegen. Und nehmen Sie es dennoch nicht zu leicht", lautete seine Empfehlung. Nun ist der langjährige Abtprimas der Benediktiner (2000-2016) mit 83 Jahren überraschend gestorben - auf der Rückreise von Italien in sein oberbayerisches Heimatkloster St. Ottilien.
Humor, Disziplin und Morgensport
Immer wieder war ihm die Frage gestellt worden: „Warum sehen Sie so froh aus?" Er sei ein Freund klarer Worte, bekannte er einmal und liebe es, die Dinge zuzuspitzen. Und manches, was einem täglich begegne, könne man auch nur mit Humor ertragen. Doch auch Disziplin gehört dazu. So verriet Wolf der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), dass er regelmäßig Morgengymnastik mache. Um fünf Uhr in der Früh strecke und dehne er sich ein paar Minuten. Nicht, weil er darauf eine „unbändige Lust" verspüre. Aber „dieses bisschen Sport hilft mir durch den ganzen Tag, ich fühle mich wohler und bin besser gelaunt".
Auftritte mit der E-Gitarre
Fit hielt ihn zudem die Musik. Gern griff er zur Querflöte und bisweilen zur E-Gitarre. Mit „Feed-Back", einer Formation ehemaliger Schüler des Ordensgymnasiums in St. Ottilien, hatte er legendäre Auftritte, einmal sogar als Vorband von Deep Purple. Berührungsängste kannte der Ordensmann nicht.
Erweckungserlebnis auf dem Dachboden
Als Sohn eines Schneiders kam Werner Wolf 1940 in Bad Grönenbach im Allgäu zur Welt. Die Familie war gut katholisch, aber nicht übermäßig fromm. Der Junge war Ministrant, aber sein Erweckungserlebnis hatte er auf dem Dachboden, wie es in Heidemarie Winters Biografie über ihn heißt. Dort fand der Oberrealschüler ein Missionsheft. Die Berichte weckten seine Sehnsucht nach Freiheit.
Dabei stand es um ihn gesundheitlich als Kleinkind nicht gut. Als er an Rachitis erkrankte, ließ der Arzt die Mutter wissen, dass sie ihren Sohn „abschreiben" könne. Mit Hilfe des Ortspfarrers schaffte es der gute Schüler dennoch ans Gymnasium der Missionsbenediktiner in St. Ottilien. Nach dem Abitur 1961 trat er in den Orden ein. Als er einen neuen Namen annahm, meinte ein Mitbrüder: „Um Gottes willen, schon der fünfte Notker." Vier Kandidaten vorher hatten die Erzabtei wieder verlassen.
Mit 37 Jahren Erzabt
Sein Studium der Philosophie absolvierte er an der Päpstlichen Hochschule Sant'Anselmo in Rom, in München schrieb sich Wolf für Theologie und Naturwissenschaften ein. Die Priesterweihe empfing er 1968. Zwei Jahre später lehrte Wolf Naturphilosophie in Sant'Anselmo, die Promotion mit einer Arbeit über das zyklische Weltmodell der Stoa folgte.
Als 1977 in St. Ottilien ein neuer Erzabt gesucht wurde, fiel die Entscheidung auf den 37-jährigen Jungspund. Dabei war es ihm wichtig, den traditionell harten Drill und die Überwachung zu überwinden, um ein angstfreies Kloster zu schaffen. Die Freiheit und die Würde des Einzelnen sollten respektiert werden.
Als Abtprimas um die Welt
Über sich selbst sagte Wolf, er treffe Entscheidungen, wenn sie anstünden. Als ihn nach 23 Jahren in Ottilien der Wechsel nach Rom an die Spitze des Benediktinerordens führte, hielt er es ebenso. Jedes Jahr reiste er 300.000 Kilometer um die Welt, um Mitbrüder zu besuchen. Selbst vor Nordkorea und China machte er nicht Halt. In beiden Ländern gelang es ihm, Krankenhäuser zu errichten. Seltsames Essen setzte man ihm bisweilen vor, auch Fleisch vom Hund und der Schlange. „Die können furchtbar zäh sein."
Zuletzt lernte er Arabisch
Mehrere Sprachen sprach Wolf fließend, zuletzt lernte er im Lockdown sogar noch Arabisch. Zu Vorträgen und Talkrunden wurde er auch in Österreich gerne eingeladen. Den von der katholischen Kirche in Deutschland eingeschlagenen „Synodalen Weg" sah er als richtig an: „Meines Erachtens müsste so ein Prozess die ganze Zeit laufen." Schon der heilige Benedikt empfehle den Mitbrüdern: "Tue nichts ohne Rat, dann brauchst Du hinterher nichts bereuen." Vor allem müsse den Jüngeren zugehört werden.
Erzabt Birnbacher: „Notker Wolf wird Kirche und Welt fehlen"
Der Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz, Erzabt Korbinian Birnbacher, hat den verstorbenen früheren Benediktiner-Abtprimas Notker Wolf gewürdigt. „Für sehr viele Menschen war er weltweit ein verlässlicher Ratgeber. Sein Wort und sein Beispiel werden Kirche und Welt fehlen", erklärte Birnbacher auf der Website der Ordensgemeinschaften Österreich. Wolf sei „eine beeindruckende, prophetische und unkonventionelle Persönlichkeit" gewesen und bis zuletzt unterwegs zu den Menschen.

Kurznachrichten 

  

Papst Franziskus wird im September in Indonesien erwartet. Das gab das indonesische Ministerium für religiöse Angelegenheiten bekannt. 

 

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. drängt weiter auf ein von allen Christinnen und Christen begangenes Osterfest.  Die orthodoxen Christinnen und Christen feiern heuer am 5. Mai Ostern. Im kommenden Jahr fällt das Osterfest der Ost- und Westkirche auf das gleiche Datum, den 20. April. 

 

Großbritannien. Die vollständige Bibel ist im vergangenen Jahr in mindestens 16 weitere Sprachen erstmals übersetzt worden. Nach Angaben des Weltbunds der Bibelgesellschaften (UBS) liegt der vollständige Text des Alten und Neuen Testaments damit in 743 Sprachen vor. 

 

USA. Washingtons Erzbischof Kardinal Wilton Gregory hat Joe Biden wegen dessen politischen Positionen zum Schwangerschaftsabbruch mit einem „Cafeteria-Katholiken" verglichen. Der US-Präsident sei „aufrichtig" in seinem Glauben, ignoriere aber einige der Lehren, wie es auch „eine Reihe anderer Katholiken" tun, sagte Gregory laut Bericht des Portals "National Catholic Reporter". 

 

Palästina. Die einzige katholische Pfarre im Gazastreifen hat bislang 31 verstorbene Christen als Folge des aktuellen Kriegs verzeichnet. Derzeit leben etwa 550 katholische und orthodoxe Christen auf dem Gelände der Pfarre. Die meisten Toten waren als Folge der Bombardierung der orthodoxen Porphyrios-Kirche zu beklagen gewesen, danach sind die verbliebenen Gläubigen in die katholische Pfarrei geflüchtet. Zwei Katholikinnen wurden auf dem Pfarrgelände von israelischen Scharfschützen erschossen. 

USA. Das Oberste Gericht von Florida hat bestätigt, dass in diesem Bundesstatt Schwangerschaftsabbrüche nur in den ersten sechs Wochen vorgenommen werden dürfen, mit Ausnahmen bei Vergewaltigung, Inzest und Gefahr für das Leben der Mutter.
Abstand!

Peru. Erzbischof Jose Antonio Eguren Anselmi (67) hat nach Vertuschungsvorwürfen seinen Rücktritt eingereicht. Er leitete die Erzdiözese Piura im Norden des Landes seit 2006. Er steht der Gemeinschaft „Sodalitium Christianae Vitae" nahe. Dessen Gründer, Luis Fernando Figari (76), sowie weitere Führungspersönlichkeiten der Bewegung sollen sexuelle Übergriffe gegen Minderjährige und Erwachsene begangen haben. 

 

Deutschland. Der Theologe Gerhard Lohfink ist mit 89 Jahren gestorben. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt. Einer seiner bekanntesten Titel war „Wie hat Jesus Gemeinde gewollt" (1982). Sein jüngerer Bruder ist der Bibelwissenschaftler und Jesuit Norbert Lohfink. 



Österreich

Salzburg. Erstmals beschäftigt sich eine hochkarätig besetzte Tagung mit dem Thema „Benediktiner als Kardinäle". Das Symposium findet vom 10. bis 12. April in der Salzburger Erzabtei Sankt Peter statt und wird vom Historiker Prof. Andreas Sohn von der Universität Sorbonne Paris Nord organisiert. 

 

Steiermark. Die traditionsreichen „Seggauer Gespräche" beschäftigten sich heuer mit dem Verhältnis von staatlicher zu kirchlicher Gerichtsbarkeit. 50 Expertinnen und Experten tauschten sich zu dem Thema aus. Die neunte Auflage der Gesprächsreihe verzeichnete heuer einen Teilnehmerrekord. 

Höchster Kirchturm der Welt soll 2026 fertig sein

Der Bau des 172 Meter hohen zentralen Turms der Basilika Sagrada Familia in Barcelona soll bis zum Antoni-Gaudi-Gedenkjahr 2026 abgeschlossen sein. Das hat die für die Arbeiten an der weltbekannten Kirche verantwortliche Sagrada-Familia-Stiftung mitgeteilt. Nach Fertigstellung wird der Hauptturm, der Jesus Christus gewidmet sein soll, der höchste Kirchturm der Welt sein. 2026 jährt sich der Todestag des katalanischen Architekten Gaudi zum 100. Mal.
Die Sagrada Familia gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Spaniens. Der katalanische Architekt Gaudi hatte 1883 die Leitung der im Jahr davor eröffneten Baustelle übernommen. Nach mehr als 40 Jahren Arbeit daran verunglückte er 1926 in unmittelbarer Nähe seiner Kirche. Damals waren erst rund ein Viertel der Pläne des Architekten umgesetzt. Seit rund zwei Jahrzehnten läuft für Gaudi ein Seligsprechungsverfahren.

Auch das noch...

Vatikan-Medien jetzt in 53 Sprachen auf Sendung

Die offiziellen Vatikanmedien berichten ab sofort in 53 Sprachen. Das vornehmlich in Südindien gesprochene Kannada ergänzt seit Dienstag das Angebot von Radio Vatikan und dem Internetportal "Vatican News", wie die Medien selbst mitteilten. Die Initiative gehe auf eine Zusammenarbeit zwischen dem Dikasterium für Kommunikation und der Erzdiözese Bangalore im indischen Bundesstaat Karnataka zurück, hieß es weiter.
Ein deutschsprachiges Programm gibt es seit mehr als 86 Jahren. Den Sendebetrieb nahm Radio Vatikan im Februar 1931 auf - mit einer lateinischen Ansprache von Papst Pius XI.
 

Ex-Bischof heiratet Erotik-Schriftstellerin nun auch kirchlich

Xavier Novell Goma (54), früher Bischof von Solsona in Katalonien, hat seine große Liebe geheiratet. Papst Franziskus gab seinen Segen dafür, dass der freigestellte Geistliche die Erotik-Schriftstellerin Silvia Caballol (41) zum Traualtar führte, wie die spanische Zeitung „La Vanguardia" berichtet. Novell war 2021 als Bischof zurückgetreten, kurz darauf heiratete das Paar bereits standesamtlich und hat seitdem zwei Zwillingsmädchen bekommen. Zudem hat Caballol drei Kinder aus erster Ehe.
Die Braut dankte auf ihrem Instagram-Account „der Barmherzigkeit des Heiligen Vaters", der die Regularisierung der Beziehung kirchenrechtlich ermöglicht habe. „Es war ein langer Weg, aber wir konnten unsere kanonische Situation regeln: heiraten, wie wir wollten, und wieder die Kommunion empfangen", erklärte die Frischvermählte.
Novell ist Unterstützer einer katalanischen Unabhängigkeit. Er ist ein Schüler von Kardinal Luis Ladaria, der bis 2023 Leiter der vatikanischen Glaubenskongregation war. Als Bischof (2010-2021) setzte er sich für die in Spanien strafbare und hoch umstrittene Konversionstherapie für Homosexuelle ein. Seit seinem Ausscheiden aus dem kirchlichen Dienst arbeitet der studierte Agrarökonom in einer Firma, die mit Schweinesamen handelt und künstliche Befruchtungen an Nutztieren vornimmt.

Spanischer Priester nach Unfall mit Osterfeuer gestorben

Nach einem Unfall beim Entzünden des Osterfeuers ist in Spanien ein katholischer Priester gestorben. Javi Sanchez erlag am Donnerstag seinen Verletzungen, die er sich bei dem Brandunfall in der Osternacht zugezogen hatte, wie die zuständige Erzdiözese Saragossa mitteilte.
Laut spanischen Medienberichten hatte der Ornat des Priesters beim Entzünden des Osterfeuers in der Osternacht Feuer gefangen. Der Unfall habe sich zu Beginn der Messfeier in einem Kloster in der Stadt ereignet. Der 60-jährige Sanchez sei mit schweren Verbrennungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden, wo er am Montag starb. Die Beerdigung am Freitag wird nach Angaben der Erzdiözese vom Erzbischof Carlos Manuel Escribano Subias geleitet.
Die Anteilnahme am Tod des Priesters in Spanien ist groß. Der 60-Jährige sei in seiner Heimatgemeinde äußerst beliebt gewesen. Fotos zeigen den in den Medien auch als „Rocker"-Priester bezeichneten Sanchez unter anderem singend, mit lockerer Kleidung und Gitarre.
 

Bericht: Tödliche Ostern in Südafrika

Südafrikas Behörden ziehen nach dem Osterwochenende eine blutige Bilanz: Mindestens vier Menschen sollen landesweit bei Gottesdiensten ermordet worden sein, wie örtliche Medien berichteten. Die Polizei fahndet nach den Tätern.
Im Bezirk Vosloorus, südlich von Johannesburg, hatten vier Bewaffnete am Ostersonntag einen Gottesdienst überfallen. Sie verlangten Mobiltelefone und Wertgegenstände, wie das Portal „Times Live" berichtete. Dabei sei eine Frau tödlich verletzt worden. Wenige Stunden zuvor hätten Unbekannte einen 62-jährigen Gottesdienstbesucher im Norden von Johannesburg erschossen.
Zu Zwischenfällen war es auch in der Karwoche gekommen, wie nun bekannt wurde. In der Provinz Limpopo habe ein Mann eine Messe gestürmt und seine eigene Frau (45) durch mehrere Schüsse getötet. Die Polizei vermute „häusliche Gewalt", hieß es. Im Kapstädter Township Blue Downs wurde am Karfreitag ein 24-Jähriger laut Zeitungsberichten durch zwei Schüsse in den Rücken getötet; er befand sich auf dem Heimweg von einer Kirche.


„Bischof-Oster"-Lachen steckt an: Über eine Million Klicks 

Der österliche Witz des katholischen Passauer Bischofs Stefan Oster hat am Mittwoch eine Rekordmarke geknackt. Seit Ostersonntag gab es über eine Million Aufrufe auf der Youtube-Seite der Diözese und über 400 begeisterte Kommentare. Der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte der Bischof auf Anfrage, er freue sich über den Erfolg, sei aber nicht allzu erstaunt. Schon in den vergangenen Jahren seien die Videos seiner Osterwitze über hundertausend Mal geklickt worden.
Oster hatte im diesjährigen Ostergottesdienst im Passauer Stephansdom erneut für große Heiterkeit gesorgt. Grund war ein von ihm vorgetragener Witz am Ende der Feierlichkeiten in der Tradition des Osterlachens „Risus Paschalis", den er aus dem Werk „Das neue kleine Buch vom Osterlachen" vorlas. Im Mitschnitt auf dem Youtube-Kanal der Diözese ist nicht nur das Lachen der Gottesdienstbesucher zu hören, sondern auch zu sehen, wie der Bischof selbst und sein Altardienst immer wieder von Lachanfällen gebeutelt werden.
Bevor Oster zu lesen begann, sagte er entschuldigend: „Wenn der Witz vielleicht ein bisschen anstößig ist - ich finde ihn echt witzig -, dann bitte ich, mir zu verzeihen." Die vorgetragene Anekdote erzählt von einer Frau aus der Stadt, die in den 1920er-Jahren im Bayerischen Wald Urlaub machen möchte. Weil dort der Tourismus gerade erst seinen Anfang nahm und noch nicht überall fließend Wasser üblich war, erkundigte sie sich vorsorglich in einem Schreiben an die Landgemeinde, ob dort auch ein „WC" zur Verfügung stünde.
Da Bürgermeister und Gemeinderat mit der eigenartigen Abkürzung nichts anzufangen wussten, fragten sie den Dorfgeistlichen. Der vermutete, dass es sich um das Waldkapellchen handeln dürfte, das die „neumodischen Städter" mittlerweile nicht mehr mit „K", sondern mit „C" schrieben.
In einem Antwortschreiben wurde die Dame dann unter anderem damit beruhigt, dass es in dem Ort seit über 300 Jahren ein WC gebe - mitten im idyllischen Wald gelegen und bequem in einer Viertelstunde zu Fuß zu erreichen. Es habe etwa 30 Sitzplätze, sei tagsüber ständig geöffnet. Meist werde das WC von den Menschen alleine aufgesucht, an Fest und Feiertagen auch von mehreren - dann unter sachkundiger Anleitung des „Herrn Pfarrer". Den ganzen Witz mit weiteren erheiternden Erläuterungen gibt es unter https://www.youtube.com/watch?si=C5QnXFcfMz9vrwP4&v=q7YhX7fELgE&feature=youtu.be zum Nachschauen und Nachhören.