JA 

die neue Kirchenzeitung

8. Januar 2023 

Lesungen:  Jes 42,5a.1-4,6-7; Apg 10,34-38. Evangelium: Mt 3,13-17.

Joseph Ratzinger, danke!

Nicht nur Kardinal Franz König – er weihte 1996 das Pfarrzentrum und 2002 die neue Orgel – stand in der schweren Zeit der Krenn-Ära hinter der Pfarre Paudorf.
Auch Kardinal Joseph Ratzinger, der Chef der Glaubenskongregation.
In der besagten schweren Zeit hat ein hochrangiger bayerischer Geistlicher regelmäßig mit der Gattin des Pfarrgemeinderatsobmanns telefoniert.
Er sagte, man wisse in Rom genau über Paudorf und die Diözese St. Pölten Bescheid, und ermutigte fortwährend.
Ende September 2004 klingelte bei der Frau wieder einmal das Telefon und sie machte sich – wie immer – Notizen.
„Aus Freising. Liebe Familie …! Krenn ist abgesetzt. 
Es ist noch nicht in den Medien bekannt. Ihr seid die Ersten, die es erfahren.
Vergelt´s Gott für Euren wunderbaren Einsatz für P. Udo. Gottes Segen für Euch weiterhin!
Mein Freund Ratzinger rief mich soeben an!
Die Gerechtigkeit hat gesiegt, sowie die Hilfe vieler Gläubiger!“


Am 19. April 2005 wurde Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt: Benedikt XVI.
Im Gedenken daran pflanzte die Pfarre auf dem Kirchenplatz eine Fichte.
Vor einem Jahr ließen sich drei Burschen, die nach der Papstwahl auf den Namen Benedikt getauft wurden vor der Benedikt-Fichte fotografieren und sandten das Bild mit guten Wünschen für Weihnachten und das neue Jahr 2022 nach Rom. Umgehend folgte ein kleines  Dankesschreiben.
Vor 30 Jahren wurde die neue Paudorfer Pfarrkirche dem Hl. Bischof Altmann von Passau geweiht.
Joseph Ratzinger ist der einzige in Altmanns Diözese Geborene, der Papst wurde.
Beiden sei Dank!    
Am vierten Adventsonntag weihte Bischof Klaus Küng in Paudorf drei Glocken. 
Ihr Totengeläute erklang erstmals am 31. Dezember – für Papst Benedikt XVI. 
Ein Zufall?  Wohl nicht!              P. Udo 

UN und Staatschefs bekunden Trauer über Tod von Benedikt XVI.

In aller Welt haben politische Vertreter den am Samstag im Alter von 95 Jahren verstorbenen Benedikt XVI. gewürdigt. „Ich spreche den Katholiken und allen, die von seinem Gebetsleben und seinem hartnäckigen Einsatz für Gewaltlosigkeit und Frieden inspiriert wurden, mein tiefstes Beileid aus", bekundete UN-Generalsekretär Antonio Guterres seine Trauer über den Tod des emeritierten Papstes. Dieser sei ein „demütiger Mann des Gebets und des Studiums" gewesen.

Benedikt XVI. sei prinzipientreu in seinem Glauben, unermüdlich in seinem Streben nach Frieden und entschlossen in seiner Verteidigung der Menschenrechte gewesen. „Seine eindringlichen Aufrufe zur Solidarität mit den Menschen am Rande der Gesellschaft und seine dringenden Appelle, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich zu schließen, sind aktueller denn je", betonte der UN-Chef.

Auch EU-Kommissonspräsidentin Ursula von der Leyen äußerte sich betrübt über den Tod von Benedikt XVI. Der frühere Papst habe „durch seinen Rücktritt ein starkes Zeichen gesetzt", schrieb von der Leyen auf Twitter. "Er sah sich selbst zuerst als Diener Gottes und seiner Kirche. Als seine physische Kraft nachließ, diente er weiter mit der Kraft seiner Gebete", so Von der Leyen. 

Auch die deutsche Staatsspitze würdigte den verstorbenen früheren Papst. „Sein Glaube, sein Intellekt, seine Weisheit und seine menschliche Bescheidenheit haben mich immer tief beeindruckt", schrieb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Bundeskanzler Olaf Scholz twitterte, die Welt verliere „eine prägende Figur der katholischen Kirche, eine streitbare Persönlichkeit und einen klugen Theologen".

Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni bezeichnete Benedikt als „Gigant des Glaubens und der Vernunft": „Benedikt war ein Christ, ein Pastor, ein Theologe: Ein großer Mann, den die Geschichte nicht vergessen wird".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete Benedikt XVI. als Verfechter für eine geschwisterliche Welt. 

Russlands Präsident Wladimir Putin würdigte den verstorbenen Benedikt XVI. als „Verteidiger traditioneller christlicher Werte". 

Der britische Premierminister Rishi Sunak zeigte sich „betrübt" über den Tod des emeritierten Papstes. 

„Papst Benedikt XVI. ist in das Haus unseres Vaters gegangen", sagte Polens Präsident Andrzej Duda zum Tod des ehemaligen Papstes. Die Welt habe „einen der größten Theologen des 20. und 21. Jahrhunderts" verloren, der auch ein enger Mitarbeiter des heiligen Johannes Paul II. gewesen sei. Leben, Werk und pastorales Wirken Benedikts seien „ein Wegweiser auf den vielen verschlungenen und trügerischen Wegen der modernen Zeit", so Duda.

Asiatische Staatsmänner trauern

Indiens Premierminister Narendra Modi zeigte sich „traurig über den Tod von Papst Emeritus Benedikt XVI., der sein ganzes Leben der Kirche und den Lehren des Herrn Christus gewidmet hat". Benedikt werde wegen seines reichen Dienstes für die Gesellschaft in Erinnerung bleiben, schrieb der Regierungschef des mehrheitlich hinduistischen Indiens.

Sri Lankas Präsident Ranil Wickremesinghe äußerte im Namen seines Volkes und insbesondere der Katholiken des mehrheitlich buddhistischen Landes sein „herzliches Beileid". Der frühere Papst „hinterlässt einen Fußabdruck des ökumenischen Dialogs", schrieb Wickremesinghe auf Twitter.

Auch Shebaz Sharif, Premierminister des mehrheitlich muslimischen Pakistans, zeigte sich „zutiefst traurig". „Er wird von Millionen auf der ganzen Welt betrauert werden, auch in Pakistan", twitterte Sharif. "Möge seine Seele in ewigem Frieden ruhen."

 „Lehramt der Nächstenliebe war sehr wertvoll für unser Hilfswerk“

Die weltweite päpstliche Stiftung „Kirche in Not“ (international: Aid to the Church in Need, ACN) nahm mit tiefer Trauer und großer Dankbarkeit Abschied von Papst emeritus Benedikt XVI. Er sei ein großer Freund und Förderer des Hilfswerks gewesen, erklärt der Präsident von „Kirche in Not“ (ACN), Mauro Kardinal Piacenza: „Das Lehramt von Papst Benedikt, der seine erste Enzyklika ,Deus caritas est’ der Nächstenliebe gewidmet hat, ist sehr wertvoll für ,Kirche in Not’ gewesen.“ Damit habe er die Mission des Hilfswerks gestärkt, das sich „aufgrund seines Gründungscharismas ganz und gar mit der Nächstenliebe beschäftigt, um der leidenden Kirche zu helfen.“

Der emeritierte Papst hat die Arbeit des internationalen katholischen Hilfswerks viele Jahre lang maßgeblich begleitet. Kardinal Piacenza erinnert daran, dass es Benedikt XVI. gewesen sei, der im Jahr 2011 „Kirche in Not“ in den Rang einer päpstlichen Stiftung erhoben und einen umfassenden Modernisierungsprozess des Hilfswerks einleitet hatte. 

Foto: Besuch von Papst Benedikt XVI. auf der Fazenda da Esperança in Guaratingueta während seiner Brasilienreise 2007 © Kirche in Not

Kein Papst vor ihm habe so viele Synagogen besucht 

Führende Vertreter des Judentums haben den verstorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. und seinen Beitrag zum christlich-jüdischen Dialog gewürdigt. „Er war eine historische Persönlichkeit und ein großer Theologe, der sich und seinem Amt stets treu geblieben ist und auch mit umstrittenen Positionen, etwa zum jüdisch-christlichen Dialog, die religiöse und interreligiöse Debatte fruchtbar angeregt hat", hieß es in einer Erklärung der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland. Benedikt XVI. habe stets die Nähe zur jüdischen Gemeinschaft gesucht.

Der Jüdische Weltkongress würdigte den Verstorbenen als herausragende Figur der katholischen Kirche. Benedikt XVI. habe zu einer theologischen Untermauerung und einem verbesserten Verständnis der katholisch-jüdischen Beziehungen beigetragen, erklärte Präsident Ronald S. Lauder. Kein Papst vor ihm habe so viele Synagogen besucht; zudem habe er auf seinen Reisen stets lokale Vertreter des Judentums getroffen. 

Orthodoxe Kirchenoberhäupter kondolieren zum Tod von Benedikt XVI.

Das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I., hat den verstorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. als großen Theologen und Brückenbauer gewürdigt. Benedikt habe ein erfülltes Leben geführt, "das sowohl von Schwierigkeiten als auch von unzähligen Segnungen geprägt war", betonte Bartholomaios I. in einem vom Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel veröffentlichten Kondolenzschreiben an Papst Franziskus. Benedikts „denkwürdige" Beiträge für Kirche, Wissenschaft und als "Brückenbauer" würden "unbestreitbar Spuren in der Geschichte hinterlassen", so Bartholomaios.

Den früheren Papst zählt der Ökumenische Patriarch zu den „größten Theologen des 20. Jahrhunderts". Ausdrücklich verwies Bartholomaios auf die Dialogbemühungen Benedikts, insbesondere mit der orthodoxen Kirche. 

Benedikt XVI. und Patriarch Bartholomaios, der als ökumenisch sehr aufgeschlossen gilt, sorgten in der Amtszeit des nun verstorbenen Papstes ab 2005  für eine Wiederaufnahme der Einigungsgespräche zwischen katholischer und orthodoxer Kirche, die jahrzehntelang brach gelegen waren. 2006 besuchte Benedikt XVI. den Patriarchen auch an dessen Amtssitz (Phanar) in Istanbul, 

Ihre Trauer zum Tod des emeritierten Papstes brachten u.a. auch der russisch-orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill, der rumänisch-orthodoxe Patriarch Daniel (Ciobotea), der  serbisch-orthodoxe Patriarch Porfirije und der georgische Patriarch Ilia II. zum Ausdruck.

Papst Franziskus würdigt Benedikt XVI. für Hingabe und Feingefühl

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist am 5. Jänner im Vatikan zur letzten Ruhe geleitet worden. Papst Franziskus würdigte bei der rund zweistündigen Totenmesse auf dem Petersplatz die Weisheit und das Feingefühl seines Vorgängers. In seiner Predigt ging Franziskus besonders auf Benedikts Gottvertrauen ein, auf seine Hingabe im Gebet und Liebe zum Evangelium. Er erinnerte zudem an die Mühen des Papsttums, die schwierige Aufgaben, denen sich „ein Hirte" stellen müsse – „zwischen Kreuzungspunkten und Widersprüchen".
Gottvertrauen…
… bringe die Sanftmut hervor, „die fähig ist zu verstehen, anzunehmen, zu hoffen und alles zu wagen" - auch über das Unverständnis, das dies hervorrufen könne, hinaus. Es lasse den Hirten verstehen, was zu tun ist, und passe sein Herz und seine Entscheidungen den Zeiten Gottes an.
In seiner Predigt zitierte der Papst vielfach aus den Lesungstexten des Gottesdienstes und bezog deren Aussagen eher indirekt auf seinen Vorgänger. In mehreren Passagen zitierte Franziskus auch Benedikt XVI., u.a. aus dessen Enzyklika „Deus caritas est" und der Predigt, die Benedikt XVI. zu seiner Amtseinführung 2005 gehalten hatte.
Franziskus hob zudem „die ermüdende Last" hervor,…
… die auf den Schultern desjenigen liege, der für andere eintritt. Auch sprach er von der „Zermürbung der Salbung" eines kirchlichen Hirten, „vor allem dort, wo das Gute zu kämpfen hat und die Brüder und Schwestern in ihrer Würde bedroht werden".
Schließlich erwähnte Franziskus die Rolle der Katholiken, die einem Papst anvertraut seien. Sie begleiteten sein Leben und vertrauten es anschließend Gott an. Er rief die Gläubigen dazu auf, Benedikt mit Dankbarkeit und Hoffnung noch einmal jene Liebe zu erweisen, die nicht vergehe. „Wir wollen dies mit derselben Salbung und Weisheit, mit demselben Feingefühl und derselben Hingabe tun, die er uns im Laufe der Jahre zu schenken wusste", so Franziskus. „Benedikt, du treuer Freund des Bräutigams, möge deine Freude vollkommen sein, wenn du seine Stimme endgültig und für immer hörst!"
Laut Angaben des Vatikans nahmen 50.000 Menschen auf dem Petersplatz an der Trauerfeier teil.
Knapp 200.000 Menschen hatten zuvor dem aufgebahrten verstorbenen Benedikt XVI. die letzte Ehre erwiesen.
Papst Franziskus …
…stand der Trauerfeier vor, zelebrierte aber nicht selbst - wie in jüngster Zeit wegen seiner gesundheitlichen Schwierigkeiten infolge eines Knieleidens öfters geschehen. Die Zelebration am Altar übernahm der Dekan des Kardinalskollegiums, Kardinal Giovanni Battista Re. In den auf die Predigt von Franziskus folgenden Fürbitten wurde zunächst auf Deutsch gebetet „für den emeritierten Papst Benedikt, der im Herrn entschlafen ist...", dann folgten in unterschiedlichen Sprachen Fürbitten für den amtierenden Papst und weitere Anliegen.
Das Requiem endete mit einem letzten Gruß von Papst Franziskus am Sarg seines Vorgängers. Stehend segnete er den Sarg von Benedikt XVI. mit einem Kreuzzeichen, legte dann die Hand darauf und verharrte eine Weile mit gesenktem Kopf.
Viele hochrangige Vertreter aus Kirche, Religionen und Politik…
… nahmen an der Messe teil, darunter auch Italiens Staatschef Sergio Mattarella und Premierministerin Giorgia Meloni sowie die gesamte deutsche Bundesspitze um Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz sowie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. 
Zur Feier nach Rom kamen auch Belgiens König Philippe, Spaniens Ex-Königin Sofia und mit Katalin Novak, Andrzej Duda sowie Marcelo Rebelo de Sousa die Staatsoberhäupter von Ungarn, Polen und Portugal. Das offizielle Österreich wurde durch Altbundespräsident Heinz Fischer vertreten.
Unter den rund 130 Kardinälen bei der Totenmesse war auch der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn. Aus der katholischen Kirche in Österreich feierten u.a. auch der Bischofskonferenz-Vorsitzende und Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl, der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics und der Salzburger Alterzbischof Alois Kothgasser den Gottesdienst auf dem Petersplatz mit. 
Aus der Welt-Ökumene waren u.a. Metropolit Emmanuel (Chalkedon) und Metropolit Polykarp (Italien) für das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, Metropolit Antonij (Sevrjuk) als Außenamtsleiter des russisch-orthodoxen Moskauer Patriarchats und der bayerische Landesbischof und langjährige EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm als Vorsitzender des Zentralausschusses des Weltkirchenrats (ÖRK) präsent. 

Gänswein berichtet von letzten Stunden mit Benedikt XVI.

Neue Einzelheiten über die letzten Tage im Leben von Benedikt XVI. hat dessen langjähriger Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, berichtet. Und zwar in einem Interview, das er am Mittwoch der deutschsprachigen Abteilung von „Vatican News/Radio Vatikan" gab.
In der letzten Nacht, vom 30. auf den 31. Dezember, sei zunächst nur eine Pflegekraft präsent gewesen. Diese habe die letzten Worte, die Benedikt XVI. verständlich aussprechen konnte, gehört, und zwar auf Italienisch: „Signore ti amo", auf Deutsch: „Herr, ich liebe dich". Dies sei etwa um drei Uhr morgens gewesen. Bald danach habe Benedikt XVI. „innerhalb von drei Stunden einen freien Fall erlitten". Die Agonie habe dann weniger als eine Stunde gedauert.

Letztes Bild von Benedikt XVI. mit Madonna von Mariazell 

Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn hat  am Neujahrstag in der Basilika Mariazell einen Trauergottesdienst im Gedenken an den emeritierten Papst Benedikt XVI. gefeiert.
Der am Samstag im Alter von 95 Jahren verstorbene Benedikt XVI. war mit dem Marienwallfahrtsort in der Steiermark und der Mariazeller Gnadenmutter unter anderem durch seinen Besuch während der Papstreise nach Österreich im Jahr 2007 innig verbunden.
Eine Replik der Mariazeller Gnadenstatue stand auch in den vergangenen Jahren im Empfangszimmer Benedikts XVI. an seinem Alterswohnsitz in den Vatikanischen Gärten und war auf offiziellen Besucherfotos immer wieder zu sehen. Sie ist auch auf dem letzten offiziellen Foto vor seinem Tod neben ihm zu sehen.
Mit 40.000 Gläubigen feierte Benedikt XVI. am 8. September 2007 einen großen Festgottesdienst vor der Mariazeller Basilika. Das Marienheiligtum hatte es Joseph Ratzinger seit seinem ersten Besuch dort im Jahr 2004 besonders angetan. Damals begleitete er - noch in der Funktion des Präfekten der Glaubenskongregation - eine Wallfahrt der europäischen Notare. Augenzeugen berichten, dass diese erste Mariazell-Wallfahrt "etwas im Innersten des Papstes berührt" haben dürfte und ihn auch das Gnadenbild so beeindruckte, dass er fortan vor einer Nachbildung der Statue in der vatikanischen Hauskapelle betete.
Als Benedikt XVI. schließlich während seines Österreich-Besuchs 2007 nach Mariazell zurückkehrte, verharrte er abermals in stillem Gebet vor der Gnadenstatue der Magna Mater Austriae. 2009 wurde Benedikt XVI. bei einer Zeremonie im Vatikan auch die Mariazeller Ehrenbürgerschaft verliehen.
Benedikt XVI. und Österreich: Fast eine kleine „Liebesgeschichte"
Die Verbindungen, die Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. und Österreich unterhalten hatten, waren so vielfältig und innig, dass sie trotz einiger Irritationen fast an eine Art „Liebesgeschichte" erinnern. So war es Benedikt XVI. selbst, der in einem Brief an die Österreicherinnen und Österreicher vor seinem großen Besuch im September 2007 formulierte: „Ich liebe dieses Land, das mir seit meiner Kindheit nahe ist - seit den sonntäglichen Wanderungen, die wir zu Beginn der 30er-Jahre über die Salzach-Brücke mit unserer Mutter nach Ostermiething, nach Sankt Radegund und an andere Orte auf der österreichischen Seite der Salzach gemacht haben."
Persönliche Freundschaften und Irritationen 
Auch Urlaube und daraus erwachsene persönliche Freundschaften verbanden Joseph Ratzinger mit Österreich. So etwa eine Freundschaft zum früheren Rektor des Salzburger Bildungshauses St. Virgil, Hans Walter Vavrovsky, oder zum früheren Gurker Bischof Egon Kapellari, der Ratzinger mehrfach nach Kärnten einlud. 
Und schließlich war da die von großer Wertschätzung getragene Verbundenheit mit Kardinal Christoph Schönborn, der so wie Joseph Ratzinger eine Professur für dogmatische Theologie innehatte. Spätestens aus der Zeit, wo der in Fribourg lehrende Schönborn als Redaktionssekretär für den Weltkatechismus eng mit dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation zusammenarbeitete, bestand zwischen beiden ein vertrauensvoller, freundschaftlicher Kontakt. 
Freilich ungetrübt war das Verhältnis des Theologen, Glaubenspräfekten und Pontifex zu Österreich nicht. Die theologische und dann kirchenpolitische Konfliktgeschichte Ratzingers mit seiner deutschen Heimat färbte auf die Kirche in Österreich ab. So gab und gibt es auch hierzulande unter Theologen und im kirchlichen Aktivsegment ein deklariertes Pro- und Contra-Lager zum verstorbenen Papst. Nirgendwo sonst wie in Deutschland bzw. im gesamten deutschsprachigen Raum wurde jedes seiner Worte so genau unter die Lupe genommen. Und nicht selten fühlte sich Benedikt XVI. gerade deswegen so unverstanden. 
Mit Kardinal Schönborn und Bischof Kapellari, der langjährigen Doppelspitze in der heimischen Bischofskonferenz, und anderen Bischöfen gaben die "Ratzinger-Versteher" im österreichischen Episkopat lange Zeit den Ton an. Zu ernsthaften Irritationen zwischen den österreichischen Bischöfen und Papst Benedikt kam es aber 2009 im Zuge der erfolgten und dann wieder rückgängig gemachten Ernennung von Gerhard Maria Wagner zum Linzer Weihbischof. 
Gesprächsbedarf gab es auch im Zusammenhang mit dem „Aufruf zum Ungehorsam" durch die österreichische „Pfarrerinitiative", den Papst Benedikt zur Überraschung vieler im Rahmen der Chrisammesse am Gründonnerstag 2012 thematisierte. Es ist allen Beteiligten im Vatikan und in Österreich hoch anzurechnen, dass man im Gespräch blieb. Die einzig sichtbare „Sanktion" bestand darin, dass Helmut Schüller, dem Frontmann der „Pfarrerinitiative", der Ehrentitel „Monsignore" (zu Deutsch „Kaplan Seiner Heiligkeit") vom Vatikan wieder entzogen wurde. So weit, so österreichisch. 
Wer versucht, sich möglichst unvoreingenommen ein Bild vom jetzt heimgegangenen emeritierten Papst zu machen, wird eine facettenreiche und inspirierende Person entdecken. Und wer sich mit ihm näher auseinandersetzen will, der sei an ein Wort Benedikts XVI. im Vorwort zum ersten Band seiner theologischen Jesus von Nazareth-Trilogie erinnert, wo dieser schreibt: „Es steht daher jedermann frei, mir zu widersprechen. Ich bitte die Leserinnen und Leser nur um jenen Vorschuss an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt." 
 

Zulehner: Benedikt war ein „Papst im Widerspruch" 

Auf bleibende Verdienste wie auch auf Widersprüche in der Amtszeit von Benedikt XVI. hat der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner im Nachruf auf den verstorbenen emeritierten Papst hingewiesen. Das „Trauma" der Revolution von 1968 habe aus dem glühenden Konzilstheologen Joseph Ratzinger einen Kardinal und Papst gemacht, der gegenüber den aus der Kirchenreform hervorgehenden Entwicklungen sowie der modernen Welt eher kritisch und pessimistisch eingestellt gewesen sei, befand Zulehner in einer Stellungnahme gegenüber Kathpress. Auch im Kontakt zu anderen Konfessionen und Religionen gebe es „Widersprüchlichkeit", wiewohl Benedikt XVI. aber mit seinem „mutigen" Rücktritt 2013 Neuland betreten und in die Geschichte eingegangen sei.
„Benedikt bremste - wie schon Johannes Paul II. - wo er konnte, den Schwung des Konzils ab.
Papst Franziskus konnte sich daher vornehmen, den Konzilsreformen neuen Schwung zu verleihen", sagte Zulehner. Auffällig sei dabei, dass Ratzinger zuvor beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) theologischer Berater vom Kölner Kardinal Frings gewesen war und die von ihm verfassten Reden Frings dazu beigetragen hätten, „dass das Konzil nicht das Erste Vatikanum zu Ende führte, sondern mit Blick auf die Welt von heute einen neuen Weg einschlug". Schon zuvor seien Ratzingers „Einführung in das Christentum" oder seine visionäre „Schrift über die christliche Brüderlichkeit" von Theologiestudierenden weltweit - auch von Zulehner selbst - mit Begeisterung gelesen worden.
Dass Ratzinger bei der Papstwahl 2005 zum Zug kam, gehe wohl auf seine Konklaverede gegen den Relativismus und somit gegen eine Auffassung der „Unmöglichkeit, eine Wahrheit verlässlich zu erkennen" zurück, vermutete Zulehner. Benedikt XVI. habe danach u.a. die Exkommunikation der dem Konzil kritisch gegenüberstehenden Piusbruderschaft zurückgenommen und sich auch in der Ökumene "nicht nur Freunde gemacht": Bei den Juden mit der Wiedereinführung der alten Karfreitagsbitte, bei den Protestanten durch Verweigerung deren Ehrentitels „Kirche" oder bei den Muslimen durch die Regensburger Rede 2006. Insgesamt zeugten derartige Schritte von einer eher ängstlichen Grundhaltung und einer mitunter fehlenden Menschenkenntnis Ratzingers, so Zulehner.
Bleibende theologische Leistungen 
Auch an die Zuschreibung als "Panzerkardinal" für Ratzinger in dessen Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation erinnerte Zulehner. Seine einstige Offenheit habe der Verstorbene zunehmend einer „linientreuen Kirchenpolitik" geopfert, sichtbar etwa in der Frage des Priestermangels: Noch 1970 habe er mit Karl Rahner und Karl Lehmann ein Memorandum zur Öffnung des Zölibats unterzeichnet und selbst 2000 noch in einer „visionären" Rundfunkansprache die Zukunft der Kirche als Freiwilligkeitsgemeinschaft gesehen, die auf Entscheidung und Initiative der einzelnen Glieder beruhe, dabei „gewiss neue Formen des Amtes" kenne und neben weiterhin „unentbehrlichen" hauptamtlichen Priestern auch in anderen Berufen „bewährte Christen" weihen werde. Solche "reformerische Positionen" habe Benedikt als Papst nicht mehr vertreten. 
Dennoch verbuchte der Wiener Theologe auch „bleibende Leistungen" des "Theologen auf dem Papstthron" - wie etwa, dass Benedikt XVI. schon als Präfekt der Glaubenskongregation einen „strengen Umgang mit dem Missbrauch" vorgesehen habe. Weiters würden von ihm „berührende theologische und spirituelle Texte bleiben". Hier nannte Zulehner beispielhaft den Vortrag beim Weltjugendtag in Köln 2005 über Eucharistie, seine Bemerkung bei der Ankunft in Bayern 2006, die Menschen seien im Lärm der Welt „gotttaub" geworden und könnten „die leise Musik Gottes" nicht mehr hören, oder auch seine drei großen Enzykliken zu den göttlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung: In diesen habe sich Benedikt XVI. dem genähert, „den er wie Karl Rahner das unauslotbare Geheimnis nannte, dem er sich mit Herz und Verstand annäherte und übereignete, und in dessen leise Musik er nunmehr bleibend eingetaucht ist". 

Kurznachrichten

  

Weltweit wurden im vergangenen Jahr 2022 insgesamt 18 katholische Missionarinnen und Missionare getötet. 

 

Hl. Land.  Unbekannte haben auf dem evangelischen  Friedhof auf dem Jerusalemer Zionsberg mindestens 30 Gräber geschändet. 

 

Israel. Der Status quo am Tempelberg soll nach Worten des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu von Dienstagnachmittag "strikt und unverändert" beibehalten werden. Netanjahu reagierte damit auf scharfe Kritik aus dem In- und Ausland am Besuch seines Ministers für nationale Sicherheit, dem Rechtsextremen Itamar Ben-Gvir, an der umstrittenen heiligen Stätte in der Jerusalemer Altstadt. 

 

In Burkina Faso haben Bewaffnete einen Priester getötet. Laut Mitteilung der Diözese Dedougou vom Dienstag wurde der Geistliche am Montag im Dorf Soro umgebracht. Es liegt im Westen des Landes, wo sich derzeit terroristische Gruppen ausbreiten. Details wurden nicht bekannt. 

 

Spanien.  Der Jakobsweg hat 2022 erneut alle Rekorde gebrochen. Im vergangenen Jahr nahmen 438.323 Pilgerinnen und Pilger die begehrte "Compostela"-Urkunde in Santiago de Compostela in Empfang. Das waren rund 90.000 Ankömmlinge mehr als im bisherigen Rekordjahr 2019 (347.578). 

 

Indien. Wiederholte gewalttätige Angriffe auf Christen und kirchliche Einrichtungen gibt es im zentralindischen Bundesstaat Chhattisgarh. Wie das Portal „Matters India" berichtet, wurde am Montag eine katholische Pfarre im Bezirk Narayanpur von einem Mob verwüstet. 

Libanon. Der maronitische Patriarch Kardinal Bechara Rai hat am 2. Jänner eine Delegation der Hisbollah an seinem Amtssitz in Bkerke nördlich von Beirut empfangen, die ihm traditionell Neujahrsgrüße übermittelte. Bei dem Treffen ist es unter anderem um die Präsidentschaftswahlen gegangen. 



Österreich


Tirol. Diözesanbischof Hermann Glettler ist am 6. Jänner  zu einer Pastoralreise nach Indien aufgebrochen.  Ziel der Reise ist die Festigung einer weltkirchlichen Verbundenheit mit der Kirche auf dem Subkontinent, die in der Diözese Innsbruck nicht zuletzt auch durch das Doktoratsstudium zahlreicher Priester im Collegium Canisianum in Innsbruck schon lange Tradition hat. 

 

Wien.  Aus Sicht der Caritas sind die derzeitigen Regeln für den Zugang von Asylwerbern zum Arbeitsmarkt in Österreich nicht ausreichend. Die Hilfsorganisation pocht darauf, Menschen, die in Österreich um Asyl ansuchen, schneller in den Arbeitsmarkt zu integrieren. 

 

Oberösterreich. Die Diözese Linz hat mit Jahresbeginn einen weiteren Schritt in der Umsetzung ihrer Pfarrstrukturreform gesetzt. Nach eineinhalbjähriger Vorbereitungszeit erfolgte mit 1. Jänner die kirchenrechtliche Gründung der fünf neuen Pfarren Urfahr, Braunau, Ennstal, Schärding und Eferdinger Land. 

 

Wien. Am 15. Jänner 2023 findet um 9.30 Uhr ein Friedensgottesdienst mit Kaplan Franz Sieder und Pfarrer Dr. Johannes Gönner in der Krypta der Kirche St. Canisius statt. Er wird von Pax Christi Wien und der Wiener Friedensbewegung organisiert. 

Armenischer Bischof neuer ÖRKÖ-Vorsitzender

Mit 1. Jänner 2023 ist der neue Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) im Amt. Als Vorsitzender fungiert der armenisch-apostolische Bischof Tiran Petrosyan (41). Seine Stellvertreter sind die evangelische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler und der Linzer katholische Bischof Manfred Scheuer.
Der neue Vorsitzende Tiran Petrosyan ist als Bischof für die Armenisch-apostolische Kirche in Mitteleuropa (Österreich, Ungarn, Tschechische Republik, Slowakei) und Skandinavien zuständig. In Österreich zählt die Armenisch-apostolische Kirche rund 7.000 Mitglieder.
Tiran Petrosyan wurde 1981 in der armenischen Hauptstadt Jerewan geboren. Er hat an der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät studiert und promovierte 2009 im Fachbereich Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie über das Thema "Die liturgischen Reformen von Katholikos Simeon I. Erewantsi (1763-1780): Liturgisches Jahr und Kalendarium der Armenischen Kirche". Als Patriarchaldelegat wirkt Petrosyan bereits seit 2013 in Wien. Im Mai 2019 wurde er in Etschmiadzin (Armenien) von Katholikos Karekin II. zum Bischof geweiht.
Dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) gehören 17 Kirchen an.

Auch das noch...

Neues US-Repräsentantenhaus christlicher als Gesamtbevölkerung

Im neuen US-Repräsentantenhaus stellen Christen aller Konfessionen mit 88 Prozent die klare Mehrheit unter den 435 Abgeordneten. Damit ist der am Dienstag zusammengetretene 118. Kongress christlicher als die Gesamtbevölkerung, in der sich laut Erhebungen nur noch rund 64 Prozent zum Christentum bekennen. Fast drei von zehn Erwachsenen bezeichnen sich demnach als religiös ungebunden.
Ähnlich verhält sich die Situation in Bezug auf die größte Einzelgruppe und die Glaubensgemeinschaften, die Katholiken. Dem neuen Repräsentantenhaus gehören mit 148 katholischen Abgeordneten zwar zehn weniger an als in der Sitzungsperiode zuvor. Mit 28 Prozent sind sie gegenüber rund 21 Prozent Katholiken in der US-Bevölkerung aber dennoch überrepräsentiert.
Die größte protestantische Gruppe stellen Baptisten, die im Repräsentantenhaus 13 Prozent der Abgeordneten umfassen. Methodisten und Angehörige der Episkopal-Kirche haben im Vergleich zum letzten Kongress je vier Mitglieder weniger, Presbyterianer haben eine Stimme verloren. Die Zahl der Mitglieder der Kirche Christi der Heiligen der letzten Tage (Mormonen) ist mit neun Vertretern gleich geblieben.
Jüdische Vertreter sind im Repräsentantenhaus mit sechs Prozent vertreten. Drei muslimische Abgeordnete, zwei Hindus und zwei Buddhisten repräsentieren im neuen Unterhaus ziemlich exakt ihren jeweiligen Anteil (ein Prozent) an der US-Bevölkerung.
Diejenigen, die nur vage Angaben über ihre religiöse Ansichten machen, stellen 107 Abgeordnete. Elf mehr als in der zu Ende gegangenen Sitzungsperiode.
Demokraten sind „katholischer“
Auffällige Unterschiede zeigen sich zwischen Republikanern und Demokraten. Während sich fast alle Republikaner als Christen bezeichnen, gehören unter den Demokraten nur drei Viertel der Abgeordneten einer christlichen Kirche an. 
Fast 70 Prozent der Republikaner sind Protestanten, während dies nur auf 44 Prozent der Demokraten zutrifft. Umgekehrt sind die Demokraten „katholischer": Etwa 31 Prozent im Vergleich zu nur einem Viertel der Republikaner.

Religion und Wissenschaft sollen Zuständigkeitsgrenzen anerkennen

Nobelpreisträger Anton Zeilinger ist bekennender Katholik und kennt „einige Kollegen, auch Nobelpreisträger, die gläubig sind", wie er im Interview der Kooperationsredaktion österreichischer Kirchenzeitungen (aktuelle Ausgaben) sagte. 
Die Tätigkeit als Naturwissenschaftler sei freilich „völlig unabhängig von der Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht". Einen Widerspruch zwischen Religion und Naturwissenschaften gibt es nach den Worten des Quantenphysikers nur, wenn beide ihre jeweiligen Zuständigkeitsgrenzen überschreiten. 
„Es gibt Dinge, die sich außerhalb der wissenschaftlichen Beweisbarkeit befinden", erklärte Zeilinger. „Zum Beispiel, was am Beginn des Universums war. Wer hat die Naturgesetze festgelegt?" 
Albert Einstein habe dazu gemeint, das wäre eine Rolle Gottes. Zum vermeintlichen Widerspruch zwischen einem Schöpfergott als Urgrund des Seins oder dem Zufall sagte Zeilinger: „Vielleicht hat er die Welt so geschaffen, dass es den Zufall gibt." Der Physiker verwies auf Kollegen, die der Meinung seien, dass der einzelne zufällige Prozess ein elementarer Schöpfungsakt ist. "Auch diese Position kann man haben. Ich sage, das muss nicht so sein." 
Man habe die Freiheit, das mit oder ohne eine Rolle Gottes zu sehen. „Das ist dann letztlich eine persönliche Sache." Mit jungen Wissenschaftlern diskutiere er gelegentlich über Gott, „aber unabhängig von unserer Forschungstätigkeit", erzählte der Nobelpreisträger.
Auf die Frage, was er als Katholik in der Kirche verändern würde, antwortete Zeilinger: „Die Kirche sollte wieder stärker die Verkündigung der Frohbotschaft zu den Nicht-Christen übernehmen." Missionieren sei zwar heute sehr unpopulär, aber die Kirche habe diese Aufgabe und „es wäre gut, wenn man das macht - auch in unserer Gesellschaft". Ein weiterer, deklariert „banaler" Veränderungswunsch des Forschers betreffe „das unsägliche Thema der Kirchensteuer". Diese sorge für „ein schlechtes Bild nach außen". Er habe schon in Ländern gelebt, wo es keinen Kirchenbeitrag gibt „und wo die Kirche auch lebt". 
Als „großes Manko" des österreichischen Schulsystems erachtet der Spitzenforscher, „dass wir nicht von der Volksschule an identifizieren, wer hochbegabt ist". 

Erzabt Birnbacher: Benedikt XVI. wird noch lange die Kirche prägen

Mit sehr persönlichen Worten hat Erzabt Korbinian Birnbacher den verstorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. gewürdigt und zugleich betont, „dass sein brillantes theologisches Werk und sein schlichtes und menschliches Glaubenszeugnis noch lange die katholische Kirche prägen werden". Birnbacher stammt aus Bayern, er ist Erzabt von St. Peter in Salzburg und Vorsitzender der Österreichischen Ordenskonferenz. 
In einer Stellungnahme vom Samstag hielt Birnbacher wörtlich fest: „Papst Benedikt kommt aus meiner Heimat. Ich durfte ihm schon sehr früh begegnen. Er war damals noch nicht Bischof, sondern der bescheidene, feine und zurückhaltende jüngere Bruder des damals sicher populäreren Regensburger Domkapellmeisters Georg Ratzinger. Später, als Erzbischof von München und Freising, hat er mich dann im Studienseminar St. Michael in Traunstein gefirmt."
Kardinal Ratzinger habe sich auch sehr gefreut, als er erfuhr, dass Birnbacher 1987 Benediktiner in der Erzabtei St. Peter in Salzburg wurde. „Er begleitete stets treu meinen persönlichen Lebensweg", so der Erzabt und er fügte hinzu: „Ich war immer tief beeindruckt, dass er sich noch Jahrzehnte später an kleinste Details aus privaten Gesprächen erinnerte."
 Als Birnbacher von 1994 bis 1997 an der Benediktiner-Ordenshochschule S. Anselmo in Rom dissertierte und im Deutschen Priesterkolleg im Vatikan wohnte, „haben wir in der Kirche S. Maria del Campo Santo Teutonico fast wöchentlich miteinander Eucharistie gefeiert und beim anschließenden Frühstück die Neuigkeiten aus der bayerisch-salzburgischen Heimat ausgetauscht".
Wenige Tage vor dem Rücktritt Benedikts als Papst wurde Birnbacher zum Erzabt von St. Peter gewählt. „Das freute ihn sehr und er lud mich von da an noch einige Male ins Kloster Mater Ecclesiae zu einem Besuch ein."
Papst Benedikt XVI. sei immer ein echter Freund der Benediktiner gewesen und „war der noble und charmante Liebhaber unserer Rupertiwinkler Heimat, der auch stets treu zu diesem speziellen Menschenschlag stand". Benedikt habe für ihn, Birnbacher, „die große Tradition katholischer Denkkultur in der Weite eines brennenden augustinischen Herzens und einer nüchternen benediktinischen Lebensordnung" verkörpert. 
Foto (Erzabtei St. Peter): Besuch von Erzabt Korbinian Birnbacher mit drei Mitbrüdern bei Benedikt XVI im Jahr 2018.