JA 

die neue Kirchenzeitung

9. Jänner 2022 

Fake News zu Silvester

Heutzutage sprießen Fake News nur so aus dem Boden. 
Eine der unglaublichsten stammt nicht von Leugnern der Corona-Gefahr, sondern von Leugnern der Atomkraft-Gefahr.
In der Silvesternacht wurde ein Entwurf der EU-Kommission bekannt, dass Energiegewinnung aus Atomanlagen als klimafreundlich eingestuft werden soll.
Einzelne EU-Staaten planen, die Nutzung der Atomkraft auszubauen bzw. wieder neu einzusteigen.
Doch: Es gibt keine „grüne" Atomkraft.
Wie Tschernobyl und Fukushima zeigen, sind „Supergaus“ mit schrecklichen Folgen jederzeit möglich.
Aber auch ohne solche bürden Atomkraftwerke kommenden Generationen schwerste Lasten auf. 


 Abgesehen davon, dass der Rückbau von Atomkraftwerken Milliarden Euro verschlingt: Die Frage der Endlager ist nicht geklärt!
Niemand wäre je zum Mond geflogen ohne Garantie einer Rückkehr. 
Die Atomkraft hat man ohne Blick auf das Ende gestartet, nur mit Siegeseuphorie. Wie Hitler einst den Ostfeldzug. 
Der radioaktive Abfall eines Kernkraftwerks strahlt auch nach Jahrzehnten noch stark und ist erst nach einigen Tausend bis einigen Hunderttausend Jahren ausreichend abgebaut.
Warum sollen zukünftige Europäer noch Jahrhunderte lang für Schutzmaßnahmen aufkommen müssen, welche die heutigen verursachen?
Niemand in Wien und Stockholm könnte sich wohl vorstellen, dass Österreich und Schweden 400 Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg in ihren Budgets noch Kosten für dessen Schadensbewältigung einplanen müssten... 
                                                                                                                   P. Udo

Libanon: Muslimische Gemeinde organsiert Trauerfeier  für katholische Ordensfrau

Für die an Weihnachten gestorbene katholische Ordensfrau Schwester Barbara hat eine muslimische Gemeinde im Libanon eine Trauerfeier organisiert. In ihrem langen Leben habe die Ordensschwester, die mehr als 90 Jahre wurde, stets „Gutes gesät, wo immer sie war", so die schiitischen Muslime der libanesischen Stadt Hermel im Beqa'a-Tal laut der Agentur Fides, wie Vatican News berichtete.
Die Gemeinde hatte die gesamte Bevölkerung zu einer Trauerfeier am Sonntagabend in der Kondolenzhalle einer Moschee geladen.
 „Alle Hermeler vermissen Sie…
… als Vorbild an Frömmigkeit, Nächstenliebe und Reinheit", hieß es auf einem Transparent, das an der Zufahrt zum Moscheeviertel gehisst wurde, um den Dank für Schwester Barbara auszudrücken.
Bei der Trauerfeier - so berichteten Augenzeugen, „konnten die Mitschwestern von Schwester Barbara Beileidsbekundungen von hochrangigen Mitgliedern der örtlichen Gemeinschaft entgegennehmen. Auch der Bürgermeister der 40.000 Einwohner-Stadt bedankte sich für die Anwesenheit der Schwestern in der Region und erinnerte daran, dass ihre diskrete Arbeit sein ganzes Leben begleitet hat, seit er ein Kind war.
Für Schwester Barbara sprachen die Muslime, die zu der Zeremonie gekommen waren, die Al-Fātiḥa, die Anrufung des „barmherzigen und gnädigen" Gottes, die erste Sure des Korans. Allen Anwesenden wurde der traditionelle ungesüßte Kaffee angeboten, wie es bei Beileidsbekundungen in den libanesischen christlichen und muslimischen Gemeinschaften üblich ist.
Die aus Ägypten stammende Schwester Barbara Kassab…
… hat laut Fides ihr ganzes Leben damit verbracht, Gutes für ihre christlichen und muslimischen Brüder und Schwestern in einem Land zu tun, das von zahlreichen internen Konflikten verwundet und zuweilen zerrissen wurde. „Große Trauer auf Erden und große Freude im Himmel über das Ableben von Schwester Barbara", hieß es in der Traueranzeige, mit der die Christen in der Region ihr Ableben bekannt gaben. Es wurde daran erinnert, dass Schwester Barbara „ihr Leben der Arbeit in der Kirche, den sozialen Werken im Dienste der Gemeinschaft und insbesondere der Armen der Region gewidmet hat".  „Ihre Seele", so die Botschaft weiter, „wird das Weihnachtsgeschenk für das Kind von Bethlehem sein. Geh in Frieden, tugendhafte Mutter und Schwester, und möge deine Seele eine Hilfe für uns, unsere Familien, unsere Gesellschaft und unsere gesamte Region sein".
Der Orden von Schwester Barbara
Bevor sie eine Gemeinschaft in Hermel eröffneten, hatte sich die von Schwester Magdeleine Hutin nach dem Vorbild des seligen Charles de Foucauld gegründete Kongregation der Kleinen Schwestern Jesu, in dem hauptsächlich von Christen bewohnten Dorf Ras Baalbek niedergelassen.
In den Jahren des Libanonkonflikts war dieses Haus für die Jungen und Mädchen der Gegend ein Zufluchtsort im Zeichen des Friedens und des harmonischen Zusammenlebens. Auf dem an das kleine Kloster Hermel angrenzenden Land bauten die Schwestern Olivenbäume, Weinreben, Hülsenfrüchte und Obstbäume an.
Als 2017 dschihadistische Milizionäre aus dem verwüsteten Syrien in das Beqa'a-Tal eindrangen, hatte der Bürgermeister die kleinen Schwestern sofort zu sich geholt und sie unter seinen persönlichen Schutz gestellt. Ihre muslimischen Nachbarn hielten Wache vor dem Kloster und warteten auf ihre Rückkehr. Und als sie zurückkehrten, baten sie sie, nicht wieder zu gehen. Auf diese Weise erfüllten sie weiterhin ihre missionarische und kontemplative Berufung und bezeugen durch ihr tägliches Handeln die Zeichen der Gegenwart Jesu und seiner Liebe unter den Muslimen.
Foto: Youssef S Rouphael, fides.org.
 

Erneute Schikane gegen Mutter-Teresa-Orden in Indien
Regierung hebt jedoch das Spendenverbot wieder auf

Auf Druck der indischen Regierung hat der Orden „Missionarinnen der Nächstenliebe" ein Kinderheim im Bundesstaat Uttar Pradesh geschlossen. Zuvor hatte das Verteidigungsministerium behauptet, die vor über 50 Jahren von der Heiligen Mutter Teresa in Kanpur gegründete Einrichtung sei auf einem Armeegrundstück errichtet worden, dessen Pachtvertrag bereits 2019 ausgelaufen sei, berichtete der asiatische Pressedienst Ucanews.
„Es ist bedauerlich, dass eine Einrichtung, die den Verlassenen und Stimmlosen in der Gesellschaft diente, geschlossen wird, anstatt die Pacht zu verlängern", so ein Sprecher des Indischen Katholischen Forums. Unverständnis äußerte das Forum zudem über die Forderung des Verteidigungsministeriums nach einer Zahlung des Ordens von umgerechnet knapp 221.000 Euro für die „unbefugte Nutzung des Grundstücks".
Mutter Teresas Orden darf sich jedoch auch freuen: Die Regierung in Neu Delhi hat ein am 27. Dezember verhängtes Spendenverbot für die „Missionaries of Charity" (Missionarinnen der Nächstenliebe) aufgehoben. Damit darf der Frauenorden wieder Geld von Gebern aus dem Ausland annehmen, wie der asiatische Pressedienst „Ucanews" am 8. Jänner berichtete. Sunita Kumar, Sprecherin des Ordens, äußerte sich erleichtert. Damit habe der Orden nicht gerechnet.

Moskauer Patriarchat brüskiert Patriarchat von Alexandrien und errichtet neue Diözesen in Afrika

Die Heilige Synode des Moskauer Patriarchats hat  eine Resolution zur Schaffung von zwei Diözesen und einem Exarchat in Afrika verabschiedet. Zusätzlich wurden „102 Kleriker des Patriarchats von Alexandrien aus acht afrikanischen Ländern" in die eigene russisch-orthodoxe Zuständigkeit aufgenommen. Moskau geht damit auf offenen Konfrontationskurs zum Patriarchat von Alexandrien, dessen Jurisdiktionsbereich sich auf ganz Afrika erstreckt, weil sich Patriarch Theodoros von Alexandrien im innerorthodoxen Kirchenkonflikt um die Ukraine auf die Seite Konstantinopels gestellt und die Orthodoxe Kirche der Ukraine offiziell anerkannt hat.
Patriarch Theodoros zeigte sich tief betroffen…
… über die Entscheidung Moskaus. In einer auf der Website des Patriarchats veröffentlichten offiziellen Erklärung wurde betont, dass die Synode des Patriarchats bei ihrer nächsten Sitzung darüber beraten wird, wie man auf die Entscheidung Moskaus reagieren werde. Das Infoportal „OrthodoxTimes" zitierte den Patriarchen im Blick auf das Moskauer Patriarchat mit den Worten „Möge Gott ihnen vergeben".
Das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat von Alexandria vertritt auf dem afrikanischen Kontinent die byzantinische Tradition. Der Sitz des Patriarchats ist im ägyptischen Alexandrien. Ägypten ist auch das Kernland des griechisch geprägten Patriarchats, das auf das frühe Christentum zurückgeht. Der Großteil der Diözesen und Kirchenmitglieder ist heute aber in Subsahara-Afrika zu finden. 
Das Patriarchat von Alexandrien hat in ganz Afrika rund 35 Erzdiözesen und Diözesen. Zur Zahl der Gläubigen werden keine konkreten Angaben gemacht. Schätzungen belaufen sich auf einige Millionen. Allein für Kenia, das historisch betrachtet bedeutendste Land der orthodoxen Mission in Subsahara-Afrika wird die Zahl der orthodoxen Gläubigen auf eine Million geschätzt. 
Der höhere Klerus ist in ganz Afrika noch weitgehend griechisch geprägt. Es gibt aber auch bereits einheimische Bischöfe. Die Gemeindepriester sind fast ausschließlich Afrikaner. 
Foto: Patriarch Theodoros von Alexandrien , Website des orthodoxen Patriarchats Alexandrien.
 

ZdK-Präsidentin vermisst klare Haltung des Vatikans in der Causa Müller
und wirft ihm Kommunikationsverweigerung punkto Reformen vor

Äußerungen von Kardinal Gerhard Ludwig Müller zur Corona-Pandemie werfen aus Sicht der Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, Fragen über das Verhalten des Vatikans auf. „Es geht um die Frage des Tempos, aber vor allem um die inhaltliche Klarheit", sagte sie der „Jüdischen Allgemeinen".
Wenn Papst Franziskus selbst deutlich mache, „wie sehr ihm an Solidarität und Verantwortung an dieser Stelle in der Pandemie liegt, dann hinterlässt es natürlich Fragen, warum Kardinal Müller sich so äußern kann und der Papst ihn nicht selbst in die Schranken weist." Reden wie der des Kardinals müsse Einhalt geboten werden.
Müller hatte Ende des Jahres Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie kritisiert. Dabei habe er zum Teil Formulierungen mit Anklängen an Verschwörungsideologien benutzt, kritisierten unter anderem mehrere Antisemitismus-Beauftragte, Rabbiner und der Zentralrat der Juden in Deutschland. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, widersprach diesen Ansichten.
Gerade für Frauen hat sich in Kirche kaum etwas bewegt
Irme Stetter-Karp wirft dem Vatikan mit Blick auf innerkirchliche Reformen auch Kommunikationsverweigerung vor. „Die großen Erwartungen sind ja nicht durch Träume entstanden, sondern gründen auch auf einem langen Reformstau", sagte sie der „Südwest Presse". Gerade für Frauen habe sich in der Kirche kaum etwas bewegt, betonte die Präsidentin des höchsten repräsentativen Gremiums des deutschen Laien-Katholizismus.
Dabei seien Forderungen nach Teilhabe auf Augenhöhe schon Anfang der 1970er Jahre bei der Würzburger Synode formuliert worden. „Rom hat darauf nie reagiert. Das ist Kommunikationsverweigerung", sagte Stetter-Karp. Laut der Zeitung kritisierte sie zudem die Weigerung von Bischöfen, „gelebte Praxis" wie etwa eine Predigt-Erlaubnis für Frauen auch offiziell festzuschreiben. Das sei „unhaltbar, unzureichend und ein Zeichen mangelnder Konfliktkultur", so Stetter-Karp.
 

Papst plädiert für vereinfachte Adoptions-Verfahren 

In seiner aktuellen Katechesereihe über Josef, den Ziehvater Jesu, sprach Papst Franziskus diesmal auch über die Bedeutung von Adoptiv- und Pflegeeltern. „Eine solche Entscheidung gehört zu den höchsten Formen der Liebe sowie von Vater- und Mutterschaft", so der Papst. „Wie viele Kinder weltweit warten auf jemanden, der sich um sie kümmert." Für viele Paare, die aus biologischen Gründen keine Kinder bekommen könnten, sei eine Adoption ein guter Weg.
Zugleich plädierte Franziskus für vereinfachte Adoptionsregeln. Damit könnte „der Traum so vieler Kinder, die eine Familie brauchen", ebenso erfüllt werden, wie der „vieler Paare, die Liebe verschenken möchten". Die entsprechenden Stellen müssten bei ihren Vermittlungen zwar genau hinschauen, könnten den Weg zu einer Adoption aber dennoch vereinfachen.
Gleichzeitig ermunterte der Papst junge Ehepaare, sich für Kinder zu entscheiden. Bedauerlicherweise gebe es heute viele Paare, die gar keine Kinder wollten, stattdessen aber „zwei Hunde, zwei Katzen haben, die den Platz von Kindern einnehmen". Eine solche „Verleugnung der Vater- und Mutterschaft" mache „die Zivilisation älter und unmenschlicher, weil der Reichtum von Vaterschaft und der Mutterschaft verloren geht", so der Papst.
 

Italienischer Bischof untersagt Mitwirkung von Tauf- und Firmpaten

In einer sizilianischen Diözese werden bis auf weiteres keine Paten mehr bei der Feier einer Taufe und Firmung zugelassen. Ein entsprechendes Dekret des Bischofs veröffentlichte die Diözese Mazara del Vallo auf ihrer Internetseite. Das Patenamt habe „seine ursprüngliche Bedeutung verloren", schreibt Bischof Domenico Mogavero in dem Erlass.
Die allermeisten Paten beschränkten „sich auf eine rein formale Präsenz in der Liturgie, der keine Begleitung des Getauften und Gefirmten" bei dessen weiterem Lebensweg folge, so der Bischof. Täuflinge und Firmlinge sollen daher nur von ihren Eltern oder einer Person, welche die Sakramentenkatechese begleitet hat, zum Sakrament geführt werden. Das Verbot gilt zunächst bis Ende 2024. Dann soll es überdacht werden.
Die Diözese Mazara del Vallo ist nicht die erste in Italien, die aus diesen Gründen die Mitwirkung von Patinnen und Paten bei Tauf- und Firmfeiern unterbindet.
 

Schwere Vorwürfe gegen Ex-Papst und gegen Kardinal Marx 

Im Missbrauchsskandal der Kirche sind neue Details über das Handeln des früheren Papstes Benedikt XVI. während seiner Zeit als Münchner Erzbischof (1977-1982) und des heute in der bayerischen Landeshauptstadt amtierenden Erzbischofs Kardinals Reinhard Marx ans Licht gekommen. Nach Recherchen der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit" wird insbesondere Joseph Ratzinger durch das dem Blatt vorliegende Dekret eines Münchner Kirchengerichts unter Leitung  des Kirchenrichters Lorenz Wolf aus dem Jahr 2016 belastet.
Im Zentrum der Vorwürfe steht der Umgang mit einem Priester aus der Diözese Essen, der nach sexuellen Vergehen an Minderjährigen 1980 in die Erzdiözese München geschickt wurde. Ratzinger, damals Münchner Erzbischof, habe von der Sachlage gewusst und der Aufnahme von Peter H., der in Bayern eine Therapie machen sollte, zugestimmt. Mehrere Bischöfe, so der Vorwurf, darunter auch Ratzinger, hätten „bewusst auf eine Sanktionierung der Straftat verzichtet". Die Bischöfe und ihre Generalvikare in München und Essen seien der „Verantwortung gegenüber den ihrer Hirtensorge anvertrauten Kindern und Jugendlichen nicht gerecht geworden", heißt es laut der Wochenzeitung in dem Dekret.
Auf Nachfrage der „Zeit" wies der Privatsekretär von Benedikt XVI., Erzbischof Georg Gänswein, diese Behauptungen im Namen des emeritierten Papstes zurück. "Die Behauptung, er hätte Kenntnis von der Vorgeschichte (Vorwürfe sexueller Übergriffe) zum Zeitpunkt der Entscheidung über die Aufnahme des Priesters H. gehabt, ist falsch. Er hatte von dessen Vorgeschichte keine Kenntnis", schrieb Gänswein Ende 2021 an die Wochenzeitung. Joseph Ratzinger habe auch nicht bewusst auf die Sanktionierung von H. verzichtet.
Schlagzeilen schon 2010
Der Fall sorgte bereits mehrfach für internationale Schlagzeilen, unter anderem als 2010 die "New York Times" ausführlich berichtete. Peter H. wurde nämlich kurze Zeit nach seinem Wechsel in die Erzdiözese München erneut in der Seelsorge eingesetzt - und erneut übergriffig. Insgesamt 29 Betroffene sind in München und Essen mittlerweile aktenkundig. Selbst als H. 1986 vom Amtsgericht Ebersberg zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, hielt das die Verantwortlichen nicht davon ab, ihn wieder in einer Pfarrgemeinde einzusetzen. Diese Periode fällt in die Amtszeit (1982 bis 2008) von Kardinal Friedrich Wetter als Erzbischof von München.
2010 übernahm der 1980 als Generalvikar der Erzdiözese München amtierende Gerhard Gruber die alleinige Verantwortung dafür, dass H. schon unter Erzbischof Ratzinger wieder als Seelsorger arbeiten durfte. Er entlastete damit den seit 2005 amtierenden Papst Benedikt.
Auch Marx im Blickfeld
Die beiden Kirchenrechtsprofessoren Norbert Lüdecke (Bonn) und Bernhard Anuth (Tübingen) werfen in einem Interview in der aktuellen „Zeit" auch dem seit Februar 2008 als Münchner Erzbischof amtierenden Kardinal Marx Pflichtverletzungen im Umgang mit dem Missbrauchstäter H. vor. Marx habe 2008 zwar eine psychiatrische Begutachtung des inzwischen vorbestraften Pfarrers beauftragt und ihn versetzt, aber keine interne Voruntersuchung angeordnet und den Fall auch nicht an den Vatikan gemeldet. 
2010 wurde Peter E. aus der Seelsorge abgezogen. Heute lebt er unter Auflagen in der Diözese Essen. Diese würden auch kontinuierlich kontrolliert, heißt es dort. Außerdem laufe ein kirchenrechtliches Verfahren gegen den Geistlichen, das kurz vor dem Abschluss stehe, so die dortige Pressestelle.
 

Theologe: Päpstliche Ausgrenzung der „Alten Messe" spaltet Kirche

Mehr Schaden als Nutzen erkennt der Innsbrucker Liturgiewissenschaftler Prof. Reinhard Meßner im Umgang der Katholischen Kirchenleitung mit der sogenannten „Alten Messe". Der strenge Umgang mit diesem außerordentlichen Messritus, wie er bis zur Liturgiereform in Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) üblich war, trage nicht zur Einigkeit der Kirche bei, sondern spalte sie, so die Einschätzung Meßners in der „Tiroler Tageszeitung".
Die Attraktivität dieser Messform bei den Gläubigen rühre wohl auch daher, so Meßner, dass Gläubige dort ein in besonderer Form „identitätsstiftendes Ritual" erleben. Die „Durchschnittsmesse" hingegen habe "in den vergangenen 50 Jahren als sonntägliche, zentrale Zeremonie an Kraft verloren".
Im ordentlichen Messritus bestehe die Gefahr, dass Inhalte und Botschaften über dem gemeinsamen religiösen Erleben stünden, so Meßner weiter. „Das nicht Alltägliche ist verloren gegangen", konstatierte der an der Universität Innsbruck lehrende Theologe. "Die überwältigende Erfahrung Gottes auch."
Hintergrund der Wortmeldung des Theologen ist die Klarstellung, die der Vatikan kurz vor Weihnachten zum Gebrauch der "Alten Messe" und zum entsprechenden Erlass „Traditionis custodes" von Papst Franziskus veröffentlicht hat. In dem vom Präfekten der Gottesdienstkongregation, Kurienerzbischof Arthur Roche, gezeichneten Schreiben („Responsa ad dubia", dt.: Antworten auf Zweifel) bestätigte dieser, dass Franziskus die „ordentliche Form" der Messe als „einzige Ausdrucksweise" des Römischen Messritus festgelegt habe. Die 2007 von Benedikt XVI. in größerem Umfang erlaubte außerordentliche Form von 1962 darf demnach nur noch unter besonderen Voraussetzungen gefeiert werden. 
In den erläuternden Noten wird erneut festgehalten, dass Diözesanbischöfe unter gewissen Umständen die Feier der Alten Messe gestatten dürfen. „Jedoch nicht in den Pfarrkirchen, und ohne neue Personalpfarreien zu errichten", heißt es ergänzend. Damit solle zum Ausdruck gebracht werden, dass es sich um ein „beschränktes Zugeständnis" für bestimmte Gruppen handle, das nicht zum Alltag des Pfarrgemeinde-Lebens gehört. 
In der Diözese Innsbruck gebe es aktuell einen Priester, der seitens des Diözesanbischofs Hermann Glettler die entsprechende Erlaubnis habe, Gottesdienste im außerordentlichen Ritus zu feiern. 

Kurznachrichten

Papst Franziskus hat den slowenischen Priester und Künstler Marko Ivan Rupnik (67) in Privataudienz empfangen. Zum Inhalt der Begegnung der beiden Jesuiten machte der Vatikan keine Angaben. Rupnik ist Schöpfer mehrerer neuer Mosaiken in offiziellen Räumlichkeiten des Vatikan. 

 

Russland. Patriarch Kyrill I. hat sich besorgt angesichts der Unruhen in Kasachstan gezeigt. Etwa 70 Prozent der mehr als 18 Millionen Einwohner Kasachstans sind Muslime. Der Großteil der gut vier Millionen Christen gehört der orthodoxen Kirche an, die dem Moskauer Patriarchat untersteht. 

 

China. Der katholische Priester Franco Mella (73) hat am 7. Jänner mit einem Sit-in vor dem Gefängnis Lai Chi Kok gegen die seit fast einem Jahr andauernde Untersuchungshaft für rund 30 Mitglieder der Demokratiebewegung in Hongkong protestiert. Die Aktion des gebürtigen Italieners war einer der seit Erlass des Sicherheitsgesetzes sehr selten gewordenen Proteste in Hongkong. 

 

Nicaragua. Der im Exil lebende nicaraguanische Bischof Silvio Baez hat schwere Vorwürfe gegen die sandinistische Regierung von Präsident Daniel Ortega erhoben. Zuvor hatten Familienangehörige von 40 im Gefängnis Nuevo Chipote inhaftierten Oppositionellen über dramatische Gesundheitszustände der Gefangenen berichtet. 

 

El Salvador. Die Justiz  wird den Fall der vor 32 Jahren auf dem Gelände der Zentralamerikanischen Universität in San Salvador ermordeten Jesuiten wieder aufnehmen.  Die Entscheidung aus dem Jahr 2020 verletze fundamentale Rechte der Opfer, deren Familien und der Gesellschaft, heißt es in der Begründung für die Wiederaufnahme des Falles. 

 

Haiti. Mindestens ein Mensch ist getötet und mehrere sind verletzt worden, als Bewaffnete in der Stadt Gonaives Premierminister Ariel Henry und seine Begleiter nach einem Kirchgang angegriffen haben. 


Im Iran sind nach Angaben der Organisation „Christian Solidarity Worldwide" (CSW) mehrere wegen angeblicher Gefährdung der Staatssicherheit verurteilte Christen vorerst aus dem Gefängnis entlassen worden. Unter den freigelassenen neun Konvertiten befindet sich demnach auch der freikirchliche Pastor Matthias (Abdulreza Ali) Haghnejad. 

 

Slowakei. Nach einem Vorfall bei einem Neujahrsgottesdienst hat Erzbischof Jan Babjak Übergriffe gegen katholische Geistliche im Land angeprangert. Schon vor einigen Monaten seien eine Kirche und ein Kloster in der Hauptstadt Bratislava besprüht und ein bewaffneter Überfall auf die Kirche in Dubravka unternommen worden. 

 

Spanien. Der Jakobsweg hat seine „Wiederauferstehung" gefeiert. Die 178.900 Pilger, die im Heiligen Jakobusjahr 2021 im spanischen Santiago de Compostela ihre Urkunde erhielten, waren mehr als dreimal so viele wie im ersten Corona-Jahr 2020 (54.143). 

 

Deutschland. Die Berliner Regierung hat Frank Schwabe zum neuen Beauftragten für die weltweite Religions- und Weltanschauungsfreiheit ernannt. Der 51-jährige evangelische Christ und SPD-Politiker gehört seit 2015 dem Bundestag an. 

Österreich

Wien. Caritas-Präsident Michael Landau hat die Einrichtung eines eigenen Pflege-Staatssekretariats angeregt. 

Neues Buch ehrt den „Engel von Auschwitz" Maria Stromberger

An die bemerkenswerte Lebensgeschichte von Maria Stromberger (1898-1957), einer Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus, erinnert das neue Buch „Ein Engel in der Hölle von Auschwitz" des Vorarlberger Historikers Harald Walser. Wie der auch politisch engagierte Autor im „Vorarlberger Kirchenblatt" (11. November) darlegte, habe ihn die im "Ländle" wirkende Krankenschwester "fast ein Historikerleben lang begleitet". Trotz ihrer "Einzigartigkeit in der Geschichte des österreichischen Widerstands" sei die gebürtige Kärntnerin fast unbekannt geblieben.
Dabei hat die damals 44-jährige Stromberger eine Entscheidung getroffen, die auch heute noch Bewunderung abringt: Als ihr in einem Wehrmachtslazarett verwundete Soldaten von den Verbrechen der Wehrmacht im Osten berichteten, meldete sie sich freiwillig zum Dienst in jenem KZ, das zum Sinnbild des NS-Rassenwahns und seiner mörderischen Vernichtungsmaschinerie wurde. Am 1. Oktober 1942 trat sie ihren Dienst als Oberschwester im SS-Krankenrevier an. Ihre Motivation erklärte sie in einem Brief an ihre Schwester: „Ich will sehen, wie es wirklich ist, vielleicht kann ich auch etwas Gutes tun."
Und das tat sie so, dass sie nach dem Krieg von Edward Pys, einem polnischen Überlebenden, als „Engel von Auschwitz" bezeichnet wurde: Stromberger besorgte für Häftlinge Medikamente und Nahrungsmittel, wurde für Botendienste angeworben und schmuggelte Informationen und Fotos aus dem Lager und wichtige Utensilien, darunter auch Waffen und Munition, ins Lager hinein. Mehrmals wurde die Krankenschwester denunziert, das wahre Ausmaß ihrer Widerstandstätigkeit blieb aber unentdeckt.
Nach Kriegsende dann der Schock: Gemeinsam mit ehemaligen Nazi-Größen wurde Stromberger in einem Anhaltelager bei Feldkirch interniert. Sie habe Häftlinge in Auschwitz mit Phenolspritzen getötet, so die Anklage der französischen Besatzer. „Wissen Sie, ich bin mitten unter Nazis, SS, Gestapo!! Ich als ihr größter Feind", schrieb sie 1946 an ihren Freund Edward Pys.
In Österreich habe sich niemand für die zu Unrecht beschuldigte Krankenschwester interessiert, doch in Polen erregte ihr Schicksal Aufsehen, wie Walser in seinem Buch darlegt. Nach einem „Rettet Schwester Maria!" betitelten Krakauer Zeitungsartikel intervenierte der ehemalige Häftling und spätere polnische Ministerpräsident Jozef Cyrankiewicz bei den Besatzungsbehörden und erreichte ihre Freilassung.
Im Mai 1957 starb Stromberger, noch gezeichnet von den Erlebnissen in Auschwitz, in Bregenz an einem Herzinfarkt. Dort erinnern ein nach ihr benannter Weg und eine Gedenktafel an ihren Mut und ihre Menschlichkeit. Auch im Frauenkloster Wernberg würdigt seit 2016 eine Gedenktafel die gebürtige Metnitztalerin.
Harald Walser: Ein Engel in der Hölle von Auschwitz; Falter Verlag, Wien 2021, 256 S. 24,90,- €
Foto: Harald Walser.

Auch das noch...

Theologin Käßmann verteidigt die Kirchensteuer: „Gerechte Sache"

Die evangelische Theologin und frühere Bischöfin Margot Käßmann verteidigt das Kirchensteuersystem in Deutschland. „Kirchensteuer ist eine gerechte Sache. Wer viel verdient, zahlt viel, wer nichts verdient, zahlt nichts", schreibt die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der „Bild am Sonntag". Sie sei traurig, wenn Menschen wegen der Kirchensteuer austreten.
„In einer guten Gemeinschaft sind die Stärkeren auch in Geldfragen solidarisch mit den Schwächeren", so die Theologin. Alle Mitglieder könnten die vielfältigen kirchlichen Angebote nutzen. „Die erfolgreiche Geschäftsfrau kann ebenso den Gottesdienst besuchen wie der mittellose alte Mann."
Der allergrößte Teil der Kirchensteuereinnahmen fließe in Gehälter. „Die Mitarbeiter in der Familienbildungsstätte, der Schwangerschaftskonfliktberatung, bei der Telefonseelsorge sind für alle da, ganz unabhängig vom Einkommen und vom Glauben", so Käßmann. 
In den USA gebe es immense Unterschiede je nach Finanzkraft der Gemeinde. „In Deutschland finanzieren reiche Gemeinden ärmere auf dem Land oder in Ostdeutschland mit", schildert sie.
Käßmanns Meinung nach ist es zudem „praktisch und gut", dass die Finanzämter für den Einzug eine Aufwandsentschädigung erhalten. „Gleichzeitig wird das Steuergeheimnis gewahrt und die Kirchen müssen keine teuren Strukturen aufbauen, um Mitgliedsbeiträge zu erhalten".
 

Münzen aus Trevi-Brunnen gehen weiter an die römische Caritas

Die Geldmünzen, die Touristen traditionell in den römischen Trevi-Brunnen werfen, sollen weiterhin der Caritas Roms zugutekommen. Dies sieht eine Vereinbarung zwischen der Stadt und der Diözese vor. Unter der früheren Bürgermeisterin Virgina Raggi (Fünf Sterne) hatte es Versuche gegeben, das Geld - zuletzt zwischen ein und eineinhalb Millionen Euro pro Jahr - der Stadtkasse zukommen zu lassen.
Den Brauch, dass Rom-Besucher am Trevibrunnen über ihre Schulter eine Münze ins Becken werfen, gibt es schon lange. Dies soll eine Rückkehr in die Ewige Stadt sicherstellen, heißt es. Die Tradition, das Geld der örtlichen Caritas zugute kommen zu lassen, gibt es erst seit 2001. Der damalige sozialdemokratische Bürgermeister Francesco Rutelli hatte es so entschieden.

Griechenland: Orthodoxer Metropolit und Impfgegner stirbt an Covid-19-Folgen

Der orthodoxe Metropolit Kosmas von Ätolien-Akarnanien in ist im Alter von 76 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Das berichteten griechische Medien. Metropolit Kosmas war ein ausgesprochener Gegner der Covid-19-Impfung und anderer Schutzmaßnahmen der Regierung in Athen.
Kosmas war am 1. Dezember mit Covid-19 in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Seine spätere Verlegung auf eine Intensivstation in Athen hatte bei seinen Kritikern zu Protesten geführt. Bereits Mitte Dezember war seine ebenfalls ungeimpfte Schwester im Alter von 75 Jahren gestorben.
In Predigten hatte Metropolit Kosmas Menschen, die sich weigerten, eine überfüllte Kirche zu besuchen, als „ungläubig" kritisiert. „Gott lässt nicht zu, dass ihr infiziert werdet. Gott infiziert nicht!", zitierte das Portal „Ekathimerini" aus einer Predigt von 2020.
Wegen seiner Haltung wurde der Metropolit im vergangenen Jahr vom Heiligen Synod der orthodoxen Kirche Griechenlands vorgeladen. Dort sollte er sich wegen „Ungehorsams und Missachtung des einstimmigen Beschlusses" der Kirche Griechenlands zu den Gesundheitsmaßnahmen gegen das Coronavirus erklären.
 

Wertvolles Gebetbuch in holländischer TV-Sendung entdeckt 

Traum eines jeden Trödelfans: Ein Gebetbuch, das am 5. Jänner in der niederländischen Fernsehsendung „Zwischen Kunst und Kitsch" angeboten wurde, entpuppt sich als weit kostbarer als von der Besitzerin gedacht. Es handelt sich um ein sogenanntes Stundenbuch von 1488, das rund 100.000 Euro wert ist, wie das „Nederlandsdagblad" berichtet. Laut Sebastiaan Hesselink, Experte für alte Bücher, Manuskripte und Drucke, stammt es von einem "Meister der schwarzen Augen" („Zwarte-ogen-meesters"), eine Bezeichnung für eine Reihe spätmittelalterlicher Buchmaler der Westniederlande.
Der Schwiegervater der Besitzerin hatte das reich mit Miniaturmalereien verzierte Stundenbuch demnach bei einer Auktion erworben. Es wurde im Kloster verwendet und enthält die jeweils zur Tagesstunde geltenden Gebete. Das in der Sendung präsentierte Exemplar stammt aus der 1470 erbauten Sankt-Gomaruskirche in Enkhuizen. 

Tschechisch-deutscher Brückenbauer Pfarrer Anton Otte gestorben

Der katholische Geistliche Anton Otte, der sich als gebürtiger Sudetendeutscher jahrzehntelang für die tschechisch-deutsche Versöhnung eingesetzt hat, ist tot. Wie Radio Prag und die deutschsprachige Katholische Pfarre Prag auf ihren Online-Portalen berichten, starb der Priester bereits am 29. Dezember nach kurzer Krankheit im 83. Lebensjahr im oberfränkischen Scheßlitz.
Otte wurde am 15. August 1939 in Vidnava (Weidenau) in Ostmähren geboren. Da die fast rein deutsche Stadt nach dem Münchner Abkommen von 1938 dem Deutschen Reich zugefallen war, waren die wenigen vor Ort ansässigen Tschechen ins spätere Protektorat Böhmen und Mähren vertrieben worden. Besondere Umstände wie dieser sollten sein Leben prägen.
Nach der Wiederherstellung der Tschechoslowakei…
… wurde Ottes Vater 1946 von einem Volksgericht zum Tod verurteilt und hingerichtet. Anders als die meisten Sudetendeutschen durfte der Rest der zweisprachigen Familie jedoch im Land verbleiben. Zunächst mit dem Tragen des „N" als Deutscher gebrandmarkt, erlebte Otte auch mit, wie nach der Machtergreifung der Kommunisten ein gewisses Vereinsleben und deutsche Gottesdienste wieder erlaubt wurden.
An einer Hochschule zugelassen wurde der bekennende Christ nicht, konnte aber 1960 legal nach Deutschland ausreisen. Nach dem Theologiestudium in Königstein im Taunus, in Wien sowie Bamberg und der Priesterweihe 1967 wirkte er als Pfarrer, Religionslehrer und Gefängnisseelsorger in Franken.
Als Mitglied der Ackermann-Gemeinde der versöhnlich eingestellten katholischen Heimatvertriebenen bemühte sich Otte um eine offene Diskussion des an den Vertriebenen begangenen Unrechts. Er übte aber auch Kritik an allfälligen revanchistischen Untertönen in der Landsmannschaft. Sein engster Partner in diesen Bemühungen war dabei der im Exil lebende Abt des Benediktinerstifts Brevnov, Anastaz Opasek (1913-1999).
Aufbau der deutschsprachigen Pfarre Prag
Nach der Samtenen Revolution von 1989 schickte die Ackermann-Gemeinde Otte zum Aufbau ihrer Zweigstelle nach Prag. Otte vernetzte die Heimatvertriebenen gegen erhebliche Widerstände von deutscher, aber auch tschechischer Seite mit wichtigen Persönlichkeiten in Kirche, Politik und Gesellschaft. Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz baute der Priester in der tschechischen Hauptstadt die Seelsorgestelle für deutschsprachige Katholiken, die heutige Deutschsprachige Katholische Pfarre in Prag, auf.
Einen Höhepunkt seines Wirkens stellte die Ernennung zum Ehrendomherrn und von 2011 bis 2014 zum Propst des Königlichen Kollegiatskapitels auf dem Vysehrad dar. Dabei erbte Otte den Goldenen Stern des Domherrn Bohumil Stasek (1886-1948), der nach dem Krieg lauthals verkündet hatte, das christliche Gebot der Nächstenliebe beziehe sich nicht auf die Sudetendeutschen. Dass ausgerechnet er, der erste Sudetendeutsche im Rang eines Domherrn, diesen Stern tragen dürfe, bezeichnete Otte als „Versöhnung übers Grab hinaus".
Foto: kathprag.cz.