JA 

die neue Kirchenzeitung

9. Mai 2021

Panta rhei, Pfarrer adieu?

„Panta rhei“ (altgriechisch πάντα ῥεῖ ‚alles fließt‘) soll Heraklit vor 2.500 Jahren gesagt haben. Auch in der Kirche ist derzeit Einiges im Fluss, in Veränderung. Etwa das alte Rollenbild des Pfarrers. Heißt es bald „Adieu?“
Ich bin einst Pfarrer geworden, weil mich mein alter fasziniert hat  - in der Religionsstunde und in der (damals noch lateinischen) Messe.
Im Mittelalter war der Pfarrer gleichzeitig Großbauer.
Wer eine Pfarre gründen wollte, musste zur  wirtschaftlicher Absicherung ein Ganzlehen (ca. 15 Hektar) stiften.
Kaiser Joseph II. hat zahlreiche neue – oft kleine – Pfarren gegründet, deren Geistliche dann aus dem Religionsfonds  (Fonds aufgelöster Klöster) finanziert wurden.
So mancher dieser Pfarrer von Kleinpfarren ist im 19. Jahrhundert nebenbei einem wissenschaftlichen Hobby nachgegangen und hat Ruhm erlangt: als Botaniker, Archäologe, Historiker etc.
Dem Höhlenpfarrer P. Lambert Karner (+1909) widmet Göttweig heuer eine Sonderausstellung. Er hatte 400 „Erdställe“ erforscht. Er hat einst die berühmte „Situla von Kuffern“ geborgen – ein bronzenes Gefäß der Kelten aus dem 5. Jahrhundert vor Chr. mit Szenen eines Trinkgelages, Boxkampfes und Wagenrennens. Heute Prunkstück im Wiener NHM.

  

 Der Göttweiger P. Aemilian Janitsch hat 60 Bücher geschrieben - darunter die ersten über den Verlauf der Napoleonischen Kriege. Von seiner Pfarre im Weinviertel aus war er - ohne Erlaubnis des Abtes! -  100 Kilometer weit ins mährische Austerlitz geeilt, um authentisch über die Schlacht berichten  zu können… 

Sein Bischof schickte ihn 1833 mit 76 Jahren in Pension, da er u.a. „die Schule nicht mehr so recht besorgen“ konnte.
Nun, im Religionsunterricht sehen Kinder ihren Pfarrer bei uns praktisch ohnehin schon längst nicht mehr; und wo bald sonst?
In Deutschland  werden seit Jahren Strukturreformen durchgeführt  und Riesenpfarren organisiert. 
Derzeit auch in Oberösterreich, wo es bald nur noch 40 Pfarren geben wird.
Der Pfarrer des Linzer „Zukunftswegs“ wird im Durchschnitt für 37.000 Menschen, darunter 25.000 Katholiken, zuständig sein. 
Die Pfarrangehörigen werden mit ihm genauso eng kommunizieren können wie Gemeindebürger mit den Bezirkshauptleuten. Er gleicht mehr einem Verwaltungsbeamten als einem Vorgänger im Pfarrer-Amt.
Heraklits Satz lautet übrigens vollständig so: 
„Alles bewegt sich fort und nichts bleibt.“
Der alte Grieche war ein Philosoph. Hoffentlich kein Prophet.           P. Udo 

Doyenne der katholischen Erwachsenenbildung in Österreich
ist entsetzt über die Vorkommnisse in der Diözese St. Pölten

Bestürzt bis entsetzt über die Vorkommnisse in der Diözese St. Pölten zeigt sich Dr. Erika Schuster, die Doyenne der katholischen Erwachsenenbildung in Österreich, in einem am 19. April geschriebenen  Brief an Bischof Alois Schwarz.
Die studierte Kremser Germanistin ist in ganz Österreich für ihre Verdienste um die katholische Erwachsenenbildung bekannt.
Von 1970 bis 1990 leitete sie das Bildungswerk der Kremser Pfarren St. Veit, St. Paul und St. Severin. Fast 30 Jahre, von 1976 bis 2003, gehörte sie dem Vorstand des Katholischen Bildungswerkes der Diözese St. Pölten an.
Bekannt wurde sie auch als Leiterin des Literarischen Forums und Herausgeberin der Zeitschrift „Zeit im Buch“.
2001 war sie Mitinitiatorin der „Frau Ava Gesellschaft für Literatur“, die im 2 Jahres-Rhythmus den „Frau Ava Literaturpreis“ an Schriftstellerinnen vergibt. Bis vor kurzem war sie auch Vorsitzende der Jury.
Die langjährige Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Erwachsenenbildung (BAKEB) in Österreich war ab 2002 zwei Perioden lang Präsidentin der Europäischen Föderation für katholische Erwachsenenbildung (FEECA).
Das St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt und die Diözese St. Pölten dankten ihr 2017 für 28 Jahre „Literatur am Vormittag“.
2012 wurde Dr. Schuster von Kardinal Christoph Schönborn zur „Dame des päpstlichen Silvesterordens“ ernannt. Dabei handelt es sich um die höchste Ehrung, die Laien in der katholischen Kirche vom Papst erhalten können.

Sehr geehrter Herr Bischof!

Sie haben am 19. März 2021 aufgrund des von Ihnen diagnostizierten medialen Drucks einen Brief an ausgewählte Personengruppen in der Diözese St. Pölten geschrieben, um über von Ihnen getroffene Maßnahmen für eine Neuorganisation der Pastoralen Dienste zu informieren.
Als ehrenamtliche Mitarbeiterin der Pfarre Krems-St. Veit mit einer jahrzehntelangen Geschichte des freien ehrenamtlichen Engagements in den Pfarren Krems-St. Veit, Krems-St. Paul, in der Diözese St. Pölten, in der katholischen Erwachsenenbildung auf österreichischer und auf europäischer Ebene und aufgrund meiner 15-jährigen hauptberuflichen Tätigkeit in der Kirche fühle ich mich aufgerufen und herausgefordert, Stellung zu beziehen, beziehungsweise einiges zu hinterfragen.
Vorerst bedanke ich mich für Ihre Nachricht.
 
Ich war bis März weitgehend ahnungslos und bin jetzt bestürzt bis entsetzt über die Vorkommnisse. Sie, Herr Bischof, nützen eine Zeit des gesellschaftlichen Ausnahmezustands, die Zeit einer beispiellosen Pandemie, die Zeit großer existentieller Verunsicherung vieler Menschen, um weitgehend unbeobachtet an den meisten Verantwortungsträgern in der Diözese und an den Gläubigen vorbei einen folgenschweren Organisationsentwicklungsprozess einzuleiten. Ist das die Solidarität zu den Menschen, von der schon der Einleitungssatz des Vorworts der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ spricht?
Ihr Wunsch, „in der Diözese zu einer gemeinsamen Organisation und flacheren Hierarchien zu kommen“, bedarf grundsätzlich keines Nachweises einer Berechtigung und klingt auch sehr ambitioniert, doch schon der Ansatz und die Methode der Umsetzung widerlegen die Zielsetzung. Statt einen Prozess des breiten Dialogs mit den Menschen  dieser Diözese auf Augenhöhe zu führen, wollen Sie der alleinige Regisseur einer von Ihnen vorgegebenen Veränderung sein. Sie potenzieren  durch Geheimabsprachen, Umgehung der rechtmäßig eingesetzten Funktionsträger, Zentralisation der Seelsorge, Dienstfreistellung widersprechender und nicht gefügiger Personen die hierarchische Position und demonstrieren  Macht im Stil des klerikalen Absolutismus vergangener Jahrhunderte.
Durch Demütigung und Ausschaltung Andersdenkender gewinnt man nicht Vertrauen für Veränderungen, sondern schürt Misstrauen und Zwietracht. Der Zweck, das Ziel, heiligt nicht die gewählten Mittel.     
Gerade in der Diözese St. Pölten lebt zumindest in einigen Personen und an einigen Orten noch die
Erinnerung an einen beispielhaften synodalen Prozess.
Vor knapp 50 Jahren, wenige Jahre nach dem II. Vaticanum, gelangen in dieser Diözese eine Reihe von wichtigen Weichenstellungen im Sinne von „Gaudium et spes“. Die Diözesansynode 1972 der Diözese St. Pölten bewährte sich im umfassenden Dialog in allen Pfarren und kirchlichen Einrichtungen, löste allerorten Gesprächsprozesse aus, erfasste mit ihrer Dynamik unterschiedliche Altersgruppen und Gesellschaftsschichten und mündete schließlich in Beschlüssen, die neben einer lebendigen Aufbruchsstimmung und dem tatkräftigen Einsatz vieler Menschen nachhaltige Veränderungsprozesse in den Strukturen und Inhalten und vor allem neues kirchliches Bewusstsein zur Folge hatten.
Ich bin dankbar für diese Erfahrungen, die ich damals als Synodalin machen durfte, und ich führe auch die Resilienz der Menschen dieser Diözese in den schwierigen Zeiten Ihrer beiden Vorgängerbischöfe auf dieses synodale Bewusstsein zurück.
Wenn Sie tatsächlich „die Gläubigen und deren gelebten Glauben“ als das Wichtigste in unserer Diözese ansehen, warum nehmen Sie dann die Gläubigen nicht ernst, indem Sie diese in den Zukunftsprozess, der Ihnen vorschwebt, einbinden?
Eine „gemeinsame Organisation“ und „flachere Hierarchie“ entsteht nicht durch die Befragung von 50 Personen durch eine Beratungsfirma, die keine Referenzen in kirchlicher Organisationsentwicklung vorweisen kann.
Können Sie denn wirklich auf die vorhandenen Kompetenzen erfahrener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verzichten, indem Sie unumstößliche Vorgaben machen? Ist das die „gesunde Betriebskultur“, die Sie ermöglichen wollen? Sie brauchen Weggefährten, auch wenn Sie den Weg schon zu kennen glauben.
Wenn es Ihnen wichtig ist, kirchliche Strukturen, „die aus der Beziehung der einzelnen Menschen zu Gott ihren Anfang haben“, zu ermöglichen,  dann frage ich: Auf welche Weise erfahren Sie von den unterschiedlichen Gottesbeziehungen, wenn Sie nur wenige von Ihnen Auserwählte in den Prozess einbinden? Wo findet ein ergebnisoffener Dialog in Augenhöhe statt? Gibt es dort Spruch und Widerspruch?
Nach welchen Kriterien kommen Sie zu den geplanten „pastoralen Wirkungsfeldern“, Ressorts, die „serviceorientiert und nah an den Menschen wirken sollen“? Ist das nicht ein Widerspruch? Sie wollen doch zu deren Gunsten die Pastoralen Dienste abschaffen. Wie soll ich das verstehen? Serviceorientierung anstelle von Seelsorge? Nur eine Umetikettierung?
Beim wiederholt genauen Betrachten Ihres Schreibens wächst in mir zusehends die Erkenntnis, dass der Kern Ihres Wunsches  nach Organisationsentwicklung eigentlich die Frage nach Ihrer eigenen Leitungs- und Führungsrolle als Bischof ist. Ist nicht die vorrangigste Aufgabe des Bischofs, Einheit im Sinne Christi zu stiften? Umso wichtiger ist dafür ein breit aufgestellter Dialogprozess.
Bei allem Respekt vor Ihnen und Ihrem Bischofsamt, ohne Mitsprache und Mitwirkung möglichst vieler Menschen an den Entwicklungsprozessen leisten Sie einer weiter um sich greifenden Marginalisierung der Kirche in der Gesellschaft von heute Vorschub.
Es ist noch nicht zu spät, den begonnenen Prozess zu stoppen, Wege der Versöhnung einzuschlagen, die begonnene Spaltung rückgängig zu machen und den entlassenen Direktor der Pastoralen Dienste, Mag. Johann Wimmer, und den Geistlichen Leiter, KR Mag. Gerhard Reitzinger, zu rehabilitieren.
Ich bitte Sie darum.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Erika Schuster

 

Kardinal Schönborn sprach mit Bischof Schwarz

Die beiden Sprecher der Bischöfe von Wien und St. Pölten, Kardinal Christoph Schönborn und Alois Schwarz, haben bestätigt, dass es im Zuge der Kritik an der geplanten Umstrukturierung in den Zentralstellen der Diözese St. Pölten zu einem Gespräch zwischen den beiden gekommen ist.
Schönborn-Sprecher Michael Prüller nannte keine Details über das Bischofsgespräch, teilte dem ORF aber mit, es sei für den Kardinal sicher darum gegangen, die Sichtweise des St. Pöltner Bischofs kennenzulernen sowie die „Intentionen, die er mit seinen Reformvorschlägen in St. Pölten verbindet".
Die Sprecherin von Bischof Schwarz, Katharina Brandner, teilte dem ORF zum Gespräch schriftlich mit: „Bischof Alois Schwarz ist in umfangreichen Gesprächen mit Haupt- und Ehrenamtlichen und hat in aller Offenheit dazu beigetragen, dass sich Kardinal Christoph Schönborn ein umfassendes und detailliertes Bild über die geplanten Änderungen machen konnte. Bischof Alois Schwarz liegt viel am Dialog und am persönlichen Gespräch."
Der Präsident der Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten, Armin Haiderer, bestätigte in „Religion aktuell", dass Bischof Schwarz in den vergangenen Wochen verstärkt das Gespräch suche - auch mit ihm selbst -, um die hochgegangenen Wogen rund um die Diözesanverwaltungsreform zu glätten. Ob diese Gespräche auch etwas bewirken in Hinblick auf eine größere Partizipation von z.B. Ehrenamtlichen oder Laien, bleibe abzuwarten.
Bischof Alois Schwarz erklärte in einem bereits vor Wochen angekündigten großen Interview für die St. Pöltner Kirchenzeitung  „Kirche bunt" (9. Mai) erneut den Grundgedanken der diözesanen Strukturreform. „Wie sind wir als Kirche für die Menschen da und wie müssen wir die Diözesanverwaltung organisieren, dass unsere Dienste hilfreich in der Pastoral sind", sagte der Bischof. Es gebe in verschiedenen Bereichen ein Nebeneinander – „in der Infrastruktur, in der generellen Verwaltung, in unserer täglichen Arbeit", so Schwarz: „Wir haben Verantwortung für die Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen und stehen werden. Um in Zukunft wirksam zu bleiben, müssen wir offen schauen, wie gestärkt miteinander gearbeitet werden kann." Die gesamte Verwaltung müsse zukunftsweisend gestaltet werden.
Das Gespräch mit Kardinal Schönborn kam im Interview nicht zur Sprache.
In der jüngsten Ausgabe von „Kirche bunt“ kommen auch Kritiker zu Wort.
KA-Präsident Haiderer: „Wir führen sehr gute Gespräche und kommunizieren mehr als je zuvor mit dem Bischof. Das ist aber auch bitter notwendig.“
Die KA hatte sich besorgt gezeigt, dass die ehrenamtlichen Mitglieder in Entscheidungsprozesse nicht oder nur mehr ungenügend eingebunden werden.
Anna Rosenberger, Vorsitzende der neu errichteten Frauenkommission und der Katholischen Frauenbewegung der Diözese St. Pölten zeigt sich von der Notwendigkeit eines Strukturprozesses überzeugt, doch es gäbe verschiedene Ansätze: „Die einen wollen ihn möglichst schnell und ohne viel Beteiligung miteinzubeziehen hinter sich bringen und die anderen bleiben in dieser Zeit besorgt, verletzt, enttäuscht, verängstigt, ratlos, unwissend…“. Ihrer Meinung nach „sollte es in der Kirche anders sein“. Das Miteinander soll die Kirche anziehend und einladend machen.
Die Leitung des Schulamtes der Diözese St. Pölten ist bereits ausgeschrieben, Interessenten können sich bis 24. Mai melden. 
Die Übergabe erfolgt mit 1. September, bis dahin bleibt HR Mag. Josef Kirchner im Dienst. Am 30. April gab es ein Gespräch mit Bischof Alois Schwarz und Bischofsvikar Patrick Schöder. Es habe „in einer wirklich ruhigen, wertschätzenden und offenen Weise“ stattgefunden, sagt Kirchner.

Linzer Pfarrstrukturreform jetzt fix:
40 „Pfarren" mit vielen Pfarrgemeinden

Der Linzer Bischof Manfred Scheuer hat am Festtag des oberösterreichischen Landespatrons, des heiligen Florian (4. Mai), die erforderlichen Gesetzestexte zur Umsetzung der Pfarrstrukturreform im Rahmen des „Zukunftswegs“ seiner Diözese unterzeichnet. Mit der Veröffentlichung im Linzer Diözesanblatt sind sie nun rechtsgültig.
Die schrittweise Umsetzung der Reform beginnt  im Herbst 2021 mit „Pionierpfarren" und soll in fünf bis sechs Jahren abgeschlossen sein.
In Hinkunft nur noch 40 „Pfarrer“
Das Umsetzungskonzept sieht 40 „Pfarren" vor, die aus mehreren Pfarrteilgemeinden (kurz „Pfarrgemeinden", derzeit sind es 486) bestehen, die wiederum um die traditionellen lokalen Rechtsträger „Pfarrkirche" und „Pfarrpfründe" gebildet werden. Sie werden zwar eine weitgehende, auch finanzielle Selbstständigkeit bewahren können, „aber immer mit dem Blick auf das Heil der Menschen, die zum größeren Ganzen wie Pfarre, Diözese oder auch Weltkirche gehören", wie die Diözese erklärte.
Innovative Projekte und Initiativen und pastorale Konzepte sollen ein fixer Bestand des gemeinsamen Pfarrlebens sein.
Geleitet werden die Pfarren von einem Pfarrer zusammen mit zwei Vorständen für pastorale und wirtschaftliche Angelegenheiten. Wesentlich bleibt dabei eine gute Zusammenarbeit mit weiteren Priestern, Ständigen Diakonen sowie haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden vor Ort. „Erreichbarkeit, Seelsorge, Glaubenszeugnis und sozialer Einsatz sollen durch eine bessere Koordination und Aufgabenbeschreibung langfristig sichergestellt werden", hieß es in der Aussendung zum Ziel der Diözesanreform.
Mehrjähriger partizipativer Prozess
Scheuer hat am 1. Februar 2021 die diözesanen Mitarbeiter und die Medien darüber informiert, dass er sich für eine Umsetzung des Zukunftsweges entschieden hat. Ein Jahr davor, am 25. Jänner 2020, hatte im Bildungshaus Schloss Puchberg das vierte Diözesanforum im Rahmen des Zukunftsweges stattgefunden. Im Zentrum der Diskussionen stand damals nach einem mehrjährigen partizipativen Prozess das neue Strukturmodell und somit eine Reform der Territorialpastoral. 94,5 Prozent der Delegierten empfahlen damals dem Bischof eine Umsetzung des Modells auf Basis des Handbuchs. 
„Kirchliche Strukturen sollen gute Rahmenbedingungen schaffen, damit Kirche als offene und positive Kraft in unserer Gesellschaft erlebbar ist", hielt Bischof Scheuer in seinem "Bischofswort zur Ordnung der Pfarren" fest, das im Diözesanblatt den Gesetzestexten vorangestellt ist. Entscheidend für eine lebendige Kirche sei freilich „das Zeugnis von Menschen, die sich zu Gott bekennen und aus dem Evangelium leben". Diese Menschen seien letztlich das Gesicht, die Hände und Worte der Kirche.  
Vor der endgültigen Entscheidung von Bischof Scheuer hatten der Linzer Generalvikar Severin Lederhilger und Ordinariatskanzler Christoph Lauermann daran gearbeitet, das Strukturmodell kirchenrechtsgemäß zu formulieren - in Rücksprache mit internationalen Experten, wie die Diözese anmerkte.
Dietmar Neuwirth hält dem in der "Presse"(7.Mai) entgegen, dass Manfred Scheuers Reformgesetz dem Kirchenrecht widersprechen könnte. Titel seines Beitrags: "Der nächste Problem-Bischof, diesmal für Rom".

 

Konflikt um Kirchenhistoriker der Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI.

Um den Ordensmann und Kirchenhistoriker P. Alkuin Schachenmayr (51)  und seine Tätigkeit als Vizerektor (bis 2019) der Phil-Theol. Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz sowie als Stiftsarchivar ist ein Konflikt entbrannt. Laut einem Offenen Brief der Arbeitsgemeinschaft der Kirchenhistoriker und Kirchenhistorikerinnen Österreichs wurde Schachenmayr wegen seines Einsatzes zur Einführung einer professionellen Plagiatsprüfung bei Abschlussarbeiten der Hochschule sowie seiner Kritik an einer „selektiven Archivierung" des Nachlasses eines Stiftsbruders mit „einschneidenden Disziplinierungen" seitens des Stiftes Heiligenkreuz belegt, wichtiger Ämter an der Hochschule und im Stift enthoben und "explizit aus dem Kloster gedrängt". Seit September 2020 lebt Schachenmayr in der Erzabtei St. Peter in Salzburg.
Die Arbeitsgemeinschaft der Kirchenhistoriker lobt in ihrem Schreiben ausdrücklich das Bemühen der Hochschule Heiligenkreuz, „die akademische Qualität der Hochschule über die Lehre hinaus verstärkt auch in eigenständiger Forschung zu verankern". P. Schachenmayr habe dieses Bemühen im Bereich der Kirchengeschichtsforschung durch seine Kompetenz repräsentiert und in seiner Forschung stets die „konstitutive Balance" zwischen „angemessener kirchlicher Loyalität und nötiger historischer Kritik" gewahrt.
Konflikt um Plagiatsprüfung und Nachlass-Archivierung
Um so mehr habe das Vorgehen der Stiftsleitung „in der Kollegenschaft für Befremden, ja Bestürzung" gesorgt, dass Schachenmayr wichtiger Ämter enthoben und von der Schriftleitung der „Analecta Cisterciensia" entbunden wurde, schreiben die Kirchenhistoriker in dem an Abt Maximilian Heim adressierten und einigen Medien sowie Kirchen- und Ordensvertretern vorliegenden Brief. „Und das nicht etwa wegen Verstößen gegen fachliche Normen und Regeln, sondern gerade weil er sie hochgehalten hat: nachdem er sich als Vizerektor durch Einführung notwendiger und mittlerweile zum Standard gewordener Plagiatsprüfung bemüht hatte, die Qualität der Abschlussarbeiten der Hochschule zu sichern."
Ein weiterer Konfliktpunkt dürfte laut dem Brief der Umgang des Stiftes mit dem schriftlichen Nachlass des 2020 verstorbenen Paters Norbert Stigler darstellen. Demnach habe P. Schachenmayr als zuständiger Stiftsarchivar „offen gegen die kirchlichen Normen widersprechende 'selektive' Archivierung des umfangreichen, für die künftige Auswertung potenziell ergiebigen Nachlasses eines Mitbruders opponiert". Eine u. a. vom „Standard" Ende April berichtete, vom Stift verfügte teilweise Vernichtung des handschriftlichen Nachlasses laufe nicht nur einer „professionellen Archivpolitik" zuwider, sondern auch der gebotenen Transparenz.
„Fehlgeleitete Maßregelungen des Fachkollegen“
Man protestiere daher „gegen die fehlgeleiteten Maßregelungen des Fachkollegen" und sehe sich darin auch mit der vatikanischen Bildungskongregation einig, „die mit seiner Wiedereinsetzung in die Professur einen der Eingriffe bereits für ungültig erklärt hat". Zudem appellieren die Kirchenhistoriker in dem namentlich von den Vorsitzenden, Prof. Dietmar Winkler (Salzburg) und Prof. Rupert Klieber (Wien), unterzeichneten Brief „an die Involvierten, Schritte zur Ehrenrettung des Kollegen zu setzen - schon allein, um den Schaden zu begrenzen, der Stiftsleitung und Hochschule in akademisch-theologischen Kreisen zu diskreditieren droht."
Übertritt nahegelegt
Auf Kathpress-Anfrage erklärte das Stift Heiligenkreuz dazu, dass es schon seit längerem „menschliche Konflikte, Belastungen des Gemeinschaftslebens und Untergrabung des Vertrauens durch Pater Alkuin gegenüber dem Abt und einer Reihe von Mitgliedern der Gemeinschaft" gegeben habe. Diese seien zwar nicht Grund der „Entpflichtungen" gewesen, „wohl aber haben sie die Entscheidung beschleunigt", Schachenmayr von Aufgaben zu entbinden „und ihm einen Aufenthaltsort außerhalb des Hauses zu empfehlen bzw. einen Übertritt nahezulegen", wie Stiftssprecher P. Johannes Paul Chavanne erklärte. „Abt Maximilian und die Stiftsleitung haben sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht, stehen aber voll dazu."
Zu den erhobenen Vorwürfen…
… erklärte Chavanne, dass „die Zettel, Papiere und Tagebücher wie auch der gesamte Schriftverkehr von Pater Norbert" sich nach wie vor "in mehreren Kisten in unserem Archiv" befinden und „unter archivrechtlichen Bedingungen allen zur Verfügung" stehen.
Im Blick auf den Einsatz von Schachenmayr für eine Plagiatsprüfung schreibt Chavanne, dass es konkret um Differenzen bezüglich eines von Schachenmayr erhobenen Plagiats-Vorwurfs gegenüber der Dissertation von Bischof Stephen Robson von Dunkeld/Schottland ging.
Man habe unterschiedliche Auffassungen vertreten, „vor allem, nachdem eine unabhängige Kommission die wissenschaftlichen Standards der Dissertation überprüft hatte, Pater Alkuin aber seine Vorwürfe gegen die Arbeit von Bischof Robson aufrechterhielt."
„Hand gegenüber P. Alkuin bleibt ausgestreckt"
Weiters stellte Chavanne in der Stellungnahme klar, dass Schachenmayr „weiterhin Institutsvorstand am Institut für Kirchengeschichte und Kirchenrecht der Hochschule Heiligenkreuz" sei. (Anm: im Vorlesungsverzeichnis für das laufende Sommersemester an der Hochschule Heiligenkreuz ist zum Institutsvorstand am Institut für Kirchengeschichte und Kirchenrecht noch ein „vakant" vermerkt)
Seitens der Stiftsleitung und seitens Abt Maximilian Heim bleibe jedenfalls „die Hand gegenüber Pater Alkuin immer ausgestreckt", heißt es in der Stellungnahme abschließend. Der Abt habe mehrfach das Gespräch gesucht - dieses Gesprächsangebot bleibe aufrecht.

Prof. P. DDr. Alkuin Schachenmayr OCist

Geboren 1969 in Böblingen, Baden-Württemberg; aufgewachsen in den USA.
1991 Baccalaureus artium summa cum laude in Swarthmore College (USA).
1996 Promotion zum Dr. phil. in Theaterwissenschaft, Stanford University (USA)
1998 Einkleidung im Stift Heiligenkreuz (Ordensname: Alkuin)
2003 Sponsion zum Mag. theol. an der Universität Wien.
2004 Priesterweihe.
2005 Promotion zum Dr. theol. in Kirchengeschichte an der Universität Wien.
Lehraufträge an der Stanford University, der University of California in San Diego und an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI.
2007 Vorstand des Europainstitutes für cisterciensische Geschichte, Spiritualität, Kunst und Liturgie (EUCist).
2007-2019 Vizerektor der Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz.
2008-2020 Herausgeber der Analecta Cisterciensia.
2009-2020 Stiftsarchivar von Heiligenkreuz.
2010 Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung (Sponsion zum Mag. phil. in Archivwissenschaft und Historischen Hilfswissenschaften).
2011-2016 Stiftsbibliothekar von Heiligenkreuz.
2016 Habilitation für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.
2016 Mitglied der Bayerischen Benediktinerakademie.

Zentralafrika: Der unermüdliche Einsatz eines Kardinals für den Frieden

Kardinal Dieudonné Nzapalainga (54), Mitglied des Spiritaner-Ordens und seit 2012 Erzbischof von Bangui in der Zentralafrikanischen Republik, ist eine herausragende Gestalt der Kirche Afrikas.
Im Interview mit „Vatican News“ erzählte er von seinem beständigen Einsatz für Frieden in jenem zerrissenen Land, in dem Papst Franziskus 2015 das Heilige Jahr der Barmherzigkeit eröffnete.

Noch heute ist der Besuch des Kirchenoberhauptes aus Rom im bettelarmen und von Konflikten gezeichneten Zentralafrika ein Bezugspunkt für alle Menschen dort, weil er Perspektiven für den Frieden aufzeigte, erklärt der mit 53 Jahren nach wie vor jüngste Kardinal der Weltkirche. „Die Menschen erinnern sich an ihn, weil er der Mann des Friedens ist, der Mann, der es wagte, zu den Muslimen zu gehen, der es wagte, seine Schuhe auszuziehen, um zu gehen und zu beten. Was für ein Zeichen von Respekt das für die Muslime gewesen ist!“, so Nzapalainga. Er würdigte besonders die überraschende Geste von Franziskus, der am 29. November 2015 in der Hauptstadt Bangui die Heilige Pforte der Kathedrale öffnete und damit das Außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit für die Weltkirche einläutete. Für Katholiken sei es „unerhört“, dass ein Heiliges Jahr nicht in Rom beginne, erklärte der Kardinal. „Und wir finden uns darin wieder, wir denken zurück, und für uns ist die Visite des Papstes ein Geschenk Gottes.“
Dessen ungeachtet bleibt Zentralafrika in einer außerordentlich herausfordernden Lage. Armut, politische Instabilität, Feindseligkeit zwischen Bevölkerungsgruppen prägen den Alltag der Menschen. Der Kardinal, übrigens der erste in der Geschichte seines Landes, steht zusammen mit anderen Religionsführern aus der protestantischen Kirche und dem Islam ganz vorne, um für Frieden zu werben und ihn auch selbst vorzuleben.
„Mit den Prüfungen sind wir einander näher gekommen“
„Als wir zusammenkamen, gab es zwar schon Ökumene, aber sie war noch theoretisch. Es gab auch den interreligiösen Dialog schon früher, aber auch dieser war noch theoretisch. Doch mit den Prüfungen sind wir einander näher gekommen, denn da wurde das alles zu echten Erfahrungen“, erklärt der Kardinal im Interview mit „Vatican News“.
Und ganz konkret beschreibt er, wie die Religionsführer es anstellten, zunächst einmal unter sich Frieden zu schaffen: „Wir drei diskutierten, überlegten und machten Vorschläge. Und wenn einer sprach, dann sprach er für uns alle.“
Die Erfahrung des ökumenischen und interreligiösen Dialogs in Zentralafrika sei nach und nach einzigartig geworden. Nzapalainga verwies auf die interreligiöse Plattform, zu der sich Muslime, Protestanten und Katholiken zusammengefunden hätten. „Wir reiben uns aneinander, wir diskutieren, wir debattieren, wir machen Vorschläge, um eine andere Art und Weise zu testen, die Dinge zu tun.“ Das sei manchmal nicht einfach, die Protestanten zum Beispiel bräuchten immer Zeit, weil sie die Anliegen erst mit ihren Gläubigen ausdiskutieren wollen, während die Katholiken „hierarchisch“ vorgingen.
Die Methode: Reden, zuhören, eine gemeinsame Erzählung finden
Die gemeinsame Strategie der Religionsführer Zentralafrikas gegen den Krieg zwischen Menschen und Religionen klingt einfach und ist unendlich schwer: zuhören. Kardinal Nzapalainga erzählt:
„Als wir im Hinterland ankamen, als unser Land in der Krise war, waren die Gemeinden gespalten, denn es herrschte Chaos, es gab keine behördliche Autorität mehr. Rebellen und Kriegsherren hatten sie abgelöst, sie hatten das Recht auf Leben und Tod. Und wir sind in diesem Chaos angekommen.
Was haben wir als Methode gemacht? Das Erste war, sich zu beruhigen, das Vertrauen wiederherzustellen, zuzuhören, einen Dialog zu führen.
Der Protestant ging zu den Protestanten, der Muslim zu den Muslimen, der Katholik zu den Katholiken. Und wir stellten einfache Fragen: ,Was ist passiert? Wie ist es gelaufen? Wie siehst du die Zukunft in diesem Dorf, in dieser Stadt? In einer Zeit, in der die Spannung den anderen wie einen Teufel erscheinen ließ, erlaubten wir unserer Gemeinschaft, sich hinzusetzen, miteinander zu reden, zuzuhören und vor allem eine gemeinsame Erzählung zu finden.“
Er habe schon oft gesehen, wie Gruppen langsam „durch das Zuhören befreit wurden“, erklärt der Kardinal. Einer mache sich bei diesen Gesprächen immer Notizen für die jeweilige Seite – die katholische Erzählung, die protestantische Erzählung, die muslimische Erzählung. „Aber diese Erzählung muss dann von der großen Gruppe bestätigt werden. Und wenn sie zum Ende kommen, haben sie bereits vieles bereinigt, und sie haben eine einzige, gemeinsame Erzählung.“ Die Aufgabe der Religionsführer in diesem Prozess sei es, den Zusammenhalt zu fördern und Fragen zu stellen.
Herkunft aus einer konfessionsübergreifenden Familie
Kardinal Nzapalainga hat soeben ein Buch vorgelegt, in dem er seinen Werdegang, aber auch seinen Einsatz für den Frieden in Zentralafrika darlegt („Je suis venu vous apporter la paix”, Ich bin gekommen, um euch den Frieden zu bringen). Er erzählt darin auch über seine Herkunft aus einer konfessionsübergreifenden Familie. Das betende und gastfreundliche Zusammenleben in der Familie habe ihn stark geprägt, fasst der Kardinal in unserem Interview zusammen. „Wie oft hat Papa, ein Katholik, zu Hause katholische Christen empfangen, und Mama hat sie willkommen geheißen und war dabei. Es gab keine Feindseligkeit, man konnte wirklich den Respekt, die gegenseitige Wertschätzung, das Willkommensein spüren.“ Er habe als Kind selbst beschlossen, bei den Katholiken zur Messe zu gehen. Der Priester seiner Gemeinde, ein niederländischer Spiritaner-Pater namens Leon, sei ihm später ein Vorbild und ein Wegweiser in den priesterlichen Dienst geworden.
Wie Armut eine Gnade sein kann
Die Familie des Kardinals war arm, wie viele in Zentralafrika. Nzapalainga sieht darin eine besondere Gnade. 
Der Reichtum des Armen, erklärt der Kardinal, ist Gott. „Wenn wir den Dingen auf den Grund gehen, sind wir letztlich alle arm.“ 
Es gebe ja nicht bloß materielle, sondern alle möglichen Arten von Armut, so der Kardinal, der als junger Priester zehn schwierige Jahre am Stadtrand von Marseille zubrachte. „Wir müssen von unserem Sockel herunterkommen und erkennen, dass wir endlich sind, dass wir begrenzt sind und dass wir alle unsere Bereiche der Armut haben. Nur Gott kann sie füllen, und er tut es auf vielen Wegen, über Vermittlungen, über Männer, Frauen, Ereignisse, damit wir sehen können, dass er existiert.“ Gott komme, „um die Armen reich zu machen“, sagte der Kardinal.
In diesem Sinn hätten seine Landsleute auch seine Erhebung in den Kardinalstand 2016 aufgefasst. Er selbst sei bei der Bekanntgabe der Ernennung auf dem Land unterwegs gewesen, die Menschen hätten eine unfassbare Freude gehabt, sie hätten gesungen und auf den Straßen getanzt, einander umarmt. 
„Irgendwie haben sich die Leute damit identifiziert und gesagt: der Herr hat sich zu den Armen heruntergebeugt. Dieses Volk, das nach etwas anderem strebt, ist jetzt anerkannt, erhöht, es hat jetzt einen Platz unter den anderen – so habe ich das interpretiert. Und ich denke, der Herr wollte sagen, dass wir nicht verurteilt sind, sondern dass auch wir von Gott geliebt sind.“
Foto. Erzdiözese Bangui

Der Druck auf Kardinal Rainer Woelki wird immer größer
Jetzt wird die „Kirchensteuer“ hinterfragt

Der Druck auf Kardinal Rainer Woelki  wird immer größer, der erste Bundestagsabgeordnete fordert Konsequenzen, berichtete die Zeitung BILD.
CSU-Innenexperte Michael Kuffer (49) zu BILD: „Die staatlichen Privilegien der Kirche müssen mit einer besonderen Verantwortung einhergehen. Kirchensteuer und Kindeswohlgefährdung passen nicht zusammen!“
In der Debatte um den Umgang mit Missbrauchsfällen nimmt die Kritik an Kardinal Rainer Maria Woelki und der gesamten Leitung der Erzdiözese Köln auch innerkirchlich wieder zu. Ranghohe Geistliche, Gemeindepfarrer und katholische Laien verweisen dabei vor allem auf den Fall eines Priesters, den Woelki 2017 trotz des Vorwurfs sexueller Übergriffe zum stellvertretenden Düsseldorfer Stadtdechanten ernannt hat.
Der Kölner Katholikenausschuss zeigte sich „fassungslos" über die Beförderung. Laut BILD legt er Kardinal Woelki den Rücktritt nahe.
Geistlicher hatte sexuellen Kontakt zu einem damals 17 Jahre alten Prostituierten
Wenn Priester befördert würden, die als Missbrauchstäter bekannt seien, werfe das berechtigte Anfragen auf an den Umgang mit Verantwortung in der Diözesanleitung und auch an Woelki persönlich, sagte der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken laut deutscher Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) in der aktuellen Folge seines Podcasts „Spitzen aus Kirche und Politik".
Der Düsseldorfer Geistliche war 2017 befördert worden, obwohl er vor 20 Jahren sexuellen Kontakt zu einem damals 17 Jahre alten Prostituierten hatte. Der Kölner Generalvikar Markus Hofmann verteidigte dies zuletzt als Gewähren einer neuen Chance. Denn den einmaligen Vorfall im Jahr 2001 habe der Priester gestanden und bereut. Zudem habe es sich damals weder nach kirchlichem noch nach weltlichem Recht um eine Straftat gehandelt. Auf weitere Vorwürfe gegen den Geistlichen angesprochen, die bei der Beförderung bekannt gewesen seien, sagte Hofmann, dass es sich dabei lediglich um anonyme und von dem Priester abgestrittene Vorhaltungen und Gerüchte gehandelt habe.
„Wer sich an Jugendlichen vergeht, darf nicht mehr als Priester eingesetzt werden“
Der Kölner Stadtdechant Robert Kleine bezeichnete es danach auf Twitter und Facebook als gravierenden Fehler, „das Fehlverhalten von Geistlichen danach zu bewerten, ob es strafrechtlich oder kirchenrechtlich justiziabel war oder ist".
Nach Ansicht des Bonner Stadtdechanten Picken dürfen Menschen, die sich sexuell an Kindern und Jugendlichen vergangen haben, nicht mehr als Priester eingesetzt werden. „Dass das nicht sofort eingesehen und entsprechend reagiert wird, erklärt die gegenwärtige Empörung und die Vertiefung der Krise", so Picken. Die Erzdiözese müsse auf diese Vorwürfe reagieren und „schnell eine Haltung" entwickeln.
 

Polens Bischöfe überarbeiten Vorgaben für Medienauftritte

Polens katholische Bischofskonferenz will ihre Regeln für Äußerungen von Geistlichen gegenüber Medien überarbeiten. „Die in den Medien präsentierten Meinungen der Priester stimmen nicht immer mit dem kirchlichen Lehramt überein", sagte ihr Sprecher Pater Leszek Gesiak der polnischen Nachrichtenagentur KAI. Daher habe der Ständige Rat der Bischofskonferenz beschlossen, Experten damit zu beauftragen, eine Aktualisierung der 17 Jahre alten Bestimmungen vorzubereiten.
Das bisherige Regelwerk der Bischofskonferenz verpflichtet Priester und Ordensleute bei Auftritten in Radio und Fernsehen zur „Treue zur Lehre des Evangeliums".
Die Bischöfe erhielten von Zeit zu Zeit Hinweise auf Aussagen von Geistlichen, die Zweifel daran aufkommen ließen, dass sie der Lehre der Kirche entsprächen, so Gesiak.
„Maulkorb“ für langjährigen Chefredakteur
Wegen umstrittener Aussagen in der Öffentlichkeit wurden gegen einzelne Geistliche Sanktionen verhängt.
Die polnische Provinz der Marianer-Kongregation etwa untersagte dem früheren Chefredakteur der Wochenzeitung „Tygodnik Powszechny" (1999-2011) und Generaloberen des Ordens (1993-1999), Pater Adam Boniecki (86), sämtliche Äußerungen in den Medien. Boniecki habe sich im Widerspruch zur kirchlichen Morallehre zu Suizid und sexuellen Minderheiten geäußert und damit unter Gläubigen „völlige Verwirrung und Empörung" ausgelöst, hieß es. Nur in der Wochenzeitung „Tygodnik Powszechny" darf er noch eine Kolumne schreiben.
Ab 1979 wirkte Boniecki an der polnischen Ausgabe der vatikanischen Zeitung L’Osservatore Romano mit, deren Herausgeber er gleichzeitig bis 1991 blieb.

Kurznachrichten

Papst Franziskus hat einen lebensnahen Journalismus gefordert. Ausdrücklich lobte er die Arbeit von Reportern. Journalismus erfordere die Fähigkeit, „dorthin zu gehen, wo sonst niemand hingeht". 

 

EU. Nach fast zweijähriger Unterbrechung bekommt die EU-Kommission erneut einen Sondergesandten für Religionsfreiheit. Der ehemalige EU-Kommissar Christos Stylianides (62) wird die Agenden übernehmen, die von 2016 bis 2019 der Slowake Jan Figel innehatte.

 

Südsudan. Christian Carlassare (43), der bei einem Attentat schwer verletzte ernannte Bischof von Rumbek, will sein Amt trotz aller Widrigkeiten antreten. 

 

USA. Die Bischöfe begrüßen die Entscheidung von US-Präsident Joe Biden, die jährliche Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen von 15.000 auf 62.500 zu erhöhen.

 

Namibia. Die erst vor zwei Monaten eingesetzte Generalsekretärin der Bischofskonferenz ist an Corona gestorben. Schwester Helena Amwaandangi (64) gehörte der Kongregation der Hiltruper Missionsschwestern an.

 

In Kolumbien ist inzwischen der dritte katholische Bischof an den Folgen einer Covid-Infektion gestorben: Bischof Jose Daniel Falla Robles (64) aus der Diözese Soacha. Von 2012 bis 2016 war er Generalsekretär der Bischofskonferenz.

 

Sri Lanka. Die Generalstaatsanwaltschaft  hat 800 Anklagen gegen den ehemaligen Minister Hemasiri Fernando und den ehemaligen Inspektor Pujith Jayasundara erhoben. Ihnen wird vorgeworfen, für die Oster-Angriffe auf Kirchen von 2019 verantwortlich zu sein.

 

Deutschland. Caritas, Diakonie und das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) fordern Deutschland und die Europäische Union auf, Aufnahmeprogramme für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge auszuweiten. 

 

Italien. Kardinal Camillo Ruini (90), langjähriger Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz, hat sich besorgt angesichts der geplanten Segnungsfeiern für homosexuelle Paare in Deutschland geäußert. Er hoffe nicht, dass dies zu einem Schisma führe, aber die Gefahr bestehe durchaus.

 

Deutschland. Die Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) lobt den Beschluss des Deutschen Ärztetages zur Suizidassistenz: „Wir begrüßen die Klarstellung, dass die Mitwirkung an einem Suizid keine ärztliche Aufgabe ist."



Schweiz. Alters- und Pflegeheime im Kanton Graubünden sollen gesetzlich verpflichtet werden, die Durchführung von Sterbehilfe durch externe Organisationen in ihren Räumlichkeiten zuzulassen. Das sieht ein geplanter Gesetzesartikel der kantonalen Regierung vor.

Indien. Philipose Mar Chrysostom, Bischof der protestantisch-anglikanisch orientierten Mar-Thoma-Kirche in Indien, ist im Alter von 104 Jahren im südindischen Kerala gestorben. Medien bezeichneten ihn als ältesten Bischof der Welt. 

 

Slowakei. Die griechisch-katholischen Bischöfe wollen neue Religionslehrbücher speziell für ihren Ritus und einen eigenen Katechismus herausgeben.

 

Japan. Die katholischen Bischöfe rufen die Regierung in Tokio dazu auf, Pläne für den Bau einer neuen US-Militärbasis auf der Insel Okinawa zu stoppen. Die militärische Einrichtung soll nach Angaben des Portals „Vatican News auf einem Areal errichtet werden, wo vor 76 Jahren zahlreiche Opfer der Schlacht um Okinawa im Zweiten Weltkrieg bestattet wurden.

Österreich

Österreich. Die Bischofskonferenz kritisiert den Gesetzesentwurf zum neuen Staatsschutzgesetz für die mehrfach im Zusammenhang mit Terrorismus genannte Wortfolge „religiös motiviert". Es werde dadurch der Eindruck erweckt, „von religiösen Menschen gehe eine ähnlich große Gefahr für die Gesellschaft aus wie von Terroristen".

 

Niederösterreich. Der Heiligenkreuzer Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck wird doch nicht Administrator von Stift Klosterneuburg. Ursprünglich hätte er sein Amt mit 2. Mai antreten sollen. Nun teilte das Stift aber mit, dass dies aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist. 

 

Wien. Das bundesweite Jungschar- und Ministranten-Lager „Kaleidio" 2019 erhält den Österreichischen Jugendpreis 2020 in der Kategorie „Nationale Jugendarbeit" mit Schwerpunkt „Klima-Kampagne #timeforchange". 

 

Steiermark. Da wegen Corona die Gastronomie noch bis 19. Mai geschlossen ist, startet Mariazell am Pfingstsamstag (22. Mai) die diesjährige Wallfahrtssaison. 


Salzburg. Die Erzdiözese unterstützt gemeinsam mit der Caritas und dem Land  Flüchtlinge in Griechenland und Bosnien-Herzegowina  mit insgesamt 159.000 Euro.

 

Niederösterreich. Das Stift Herzogenburg startet am 5. Juni wieder seine traditionellen monatlichen Kindersamstage. 

Augustiner-Chorherren in St. Florian begehen 950-Jahr-Jubiläum

Das oberösterreichische Augustiner-Chorherrenstift St. Florian feiert heuer sein 950-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass ist seit 1. Mai die Sonderausstellung "IMMER. NOCH. DA." zu sehen, die die Geschichte des Stifts bzw. der Chorherren beleuchtet.
Das südöstlich von Linz gelegene Augustiner-Chorherrenstift Sankt Florian zählt zu den größten und bekanntesten Barockklöstern Oberösterreichs. Der Überlieferung nach wurde der erste bekannte Christ auf dem heutigen Gebiet Österreichs, der heilige Märtyrer Florian, nach seinem Tod im Jahr 304 auf dem heutigen Stiftsgelände bestattet. Die heute bestehende prachtvolle Klosteranlage - zu ihr gehört die Stiftsbasilika - entstand zwischen 1686 und 1750 unter den Baumeistern Carlo Antonio Carlone, Jakob Prandtauer und Johann Gotthard Hayberger.
Um 800 errichtet, Chorherrenregel durch Bischof Altmann
Während der Ursprung des Stiftes nicht durch Quellen belegt ist, gehen erste schriftliche Zeugnisse einer Klosteranlage auf die Karolinger-Zeit um 800 zurück. 1071 belegte schließlich der Passauer Bischof Altmann die Priestergemeinschaft des Ortes mit der Chorherrenregel. Im 13. Jahrhundert wurde eine neue Kirche erbaut, 1289 starb die im Ruf der Heiligkeit stehende Inklusin Wilbirg. Ein weiteres markantes Ereignis war die Errichtung einer Klosterschule im 14. Jahrhundert, die bis 1807 bestand, als dem Stift bis 1848 die Leitung des Linzer Gymnasiums übertragen wurde.
Eine Unterbrechung im Klosterbetrieb gab es 1941, als die Gestapo das Stift beschlagnahmte und ab 1942 zum Sitz der NS-Reichsrundfunkgesellschaft ausbaute. Die ausgewiesenen Chorherren, die im Kloster Pulgarn bei Steyregg ihre Gemeinschaftsleben aufrechterhalten konnten, kehrten nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder ins Stift zurück. 33 Pfarren gehören heute zum Stift und werden von den 29 Chorherren betreut.
Anton Bruckner war von 1848 bis 1855 Stiftsorganist
Musik hat in St. Florian hohen Stellenwert, verbunden vor allem mit dem Namen des Komponisten Anton Bruckner (1824-1896): Der „Musikant Gottes" war 1848 bis 1855 Stiftsorganist und wurde nach seinem Tod unter der „Brucknerorgel" in der Kirche bestattet.
Das Stift ist Heimstätte u.a. eines großen Stiftsarchivs, einer Bibliothek mit u.a. 150.000 Bänden, 952 Inkunabeln, 800 Handschriften und einer Globensammlung, eines Stiftsmuseums mit Barock- und Gotikgalerie, sowie eines bedeutenden Musikarchivs mit 5.000 Signaturen, zu denen Österreichs älteste musikalische Neumenhandschrift aus dem 9. Jahrhundert sowie zahlreiche Kompositionen Anton Bruckners und des Stiftskomponisten Franz Kropfreiters (1936 - 2003) gehören. In einem Teil der als doppelter Vierkanthof errichteten barocken Stiftsmeierei befindet sich zudem seit 1984 das oberösterreichische Feuerwehrmuseum. (Infos: www.stift-st-florian.at)

Auch das noch...

Pakistanische Christen protestieren nach Vergewaltigungsversuch

In Karachi haben Christen gewaltsam gegen den mutmaßlichen Versuch der Vergewaltigung an einem zehn Jahre alten katholischen Mädchen durch einen Muslim protestiert. Das zehn Jahre alte Mädchen habe ihrem Angreifer entkommen können und um Hilfe gerufen, berichtete der asiatische Nachrichtendienst Ucanews (Mittwoch). Innerhalb weniger Minuten sei es in dem fast nur von Christen bewohnten Viertel Essa Nagri zu wütenden Protesten Hunderter Christen gekommen. Die wütende Menge habe den mutmaßlichen Täter verprügelt.
In Essa Nagri - übersetzt etwa „Jesusstadt" - leben nach Informationen von Ucanews mehr als 1.000 christliche Familien weitgehend friedlich neben etwa 25 muslimischen Familien.
Die Familie des mutmaßlichen Täters sei seit über 30 Jahren in Essa Nagri zu Hause. Die Hafenstadt Karachi ist die Hauptstadt der Provinz Sindh im mehrheitlich islamischen Pakistan.
Kashif Anthony von der Kommission für Frieden und Gerechtigkeit der Erzdiözese Karachi kündigte gegenüber Ucanews juristische Unterstützung der Familie des Mädchens an. Anthony betonte jedoch auch, die Kommission werde die Katholiken in Essa Nagri ermahnen, dass sie zwar ein Recht auf Proteste und Demonstrationen, nicht aber auf Gewalt und Selbstjustiz hätten.
In Karachi ist es in jüngerer Vergangenheit immer wieder zu gewaltsamen und sexuellen Übergriffen muslimischer Männer auf junge christliche Mädchen gekommen. Für Schlagzeilen sorgen vor allem die Entführungen junger Christinnen, die von den Männern zum Übertritt zum Islam und zur Hochzeit gezwungen werden.

Stephansdom wird Symbol der Hilfe für Corona-Geschädigte

Der Wiener Stephansdom wird zum österreichischen Kristallisationsort und Hoffnungssymbol für eine erfolgreiche Bewältigung der Corona-Krise und der Hilfe für besonders von der Pandemie Geschädigte: Am Montag haben Initiator Gery Keszler und Vertreter der Hilfsorganisationen Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz, Samariterbund und Volkshilfe die Initiative „Austria for Life" vorgestellt - eine „Spenden- und Awareness Kampagne" in Zusammenarbeit mit der bereits angelaufenen ORF-Aktion „Österreich hilft Österreich".
Medien-Großevent soll eine 90-minütige TV-Show am Stephansplatz sein, die ORF 2 und Krone.tv am 28. Mai ab 22.30 Uhr live übertragen und vom Geläut der Pummerin abgeschlossen wird, wie Keszler in einer Online-Pressekonferenz in Wien ankündigte.
 

Corona trifft Kirche finanziell „mit voller Wucht"

Die Corona-Pandemie trifft die Kirche hart nicht nur im Blick auf entfallene oder nur unter Auflagen zu feiernde Gottesdienste, sondern auch im Blick auf finanzielle Einbußen - wobei diese Folgen „in voller Wucht erst in den nächsten Jahren zu spüren" sein werden. Das hat der Wiener Kirchen- und Religionsrechtler, Prof. Andreas Kowatsch, im Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress betont. Heute müsse man daher bereits „klug planen, welche Schwerpunkte wirklich wichtig sind". Schließlich werde „vieles, was heute möglich ist, bald nicht mehr so möglich sein". Die Kirche tue daher gut daran, zu überlegen, wie sie ihren Auftrag „auch mit weniger finanziellen Ressourcen kraftvoll erfüllen kann", so Kowatsch. 

Ute-Bock-Preis für Kärntner Ordensfrau: „Dem Christsein Gesicht geben"

Die Kärntner Ordensfrau Maria-Andreas Weißbacher ist am 5. Mai - gemeinsam mit zwei Wiener Schülern - mit dem diesjährigen Ute-Bock-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet worden. „Danke, dass Sie dem Christsein ein konkretes, aktuelles Gesicht geben", sagte Pfarrer Helmut Schüller als Vertreter der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch in seiner Laudatio für die Wernberger Schwester, die sich seit Jahren für Flüchtlinge und gegen Fremdenhass einsetzt. Die Geehrte selbst wandte sich in ihren Dankesworten gegen eine Politik, „die Menschenrechte nur in Österreich verteidigt".
Helmut Schüller schilderte die Verdienste der 1939 in Tirol geborenen und 20-jährig in den Orden der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut im Kloster Wernberg eingetretenen Weißbacher. 
Die jetzt pensionierte Religionslehrerin in Villach sei durch eine Begegnung mit dem brasilianischen Erzbischof Dom Helder Camara entwicklungspolitisch sensibilisiert worden und habe in Kärnten einen Beirat zu diesem Thema initiiert - der unter Landeshauptmann Jörg Haider wieder stillgelegt wurde. Die Ordensfrau habe auch den Weltladen Villach mitbegründet und sich für den interreligiösen Dialog stark gemacht.
Schüller würdigte die Sensibilität Weißbachers für die Lebenssituation in den Armutsregionen der Erde und für daraus Geflohene; sie habe für menschenwürdige Unterkünfte gesorgt, Deutschkurse und Frauengruppen organisiert - und sich öffentlich gegen die Politik Haiders gestellt. Das mache die Ordensfrau zum Vorbild aller, die sich aus christlicher Gesinnung für andere einsetzen. 

Die Missionsschwester nahm den Ute-Bock-Preis stellvertretend für viele Frauen und Männer entgegen, die in Kärnten zu Gerechtigkeit und Frieden beitragen und sich gegen Ausgrenzung und Verhetzung wehren. 
Sie selbst habe von ihren Eltern ein „Allergen gegen Unrecht" mitbekommen, das durch ihre Schüler wachgehalten worden sei. Umso mehr freue sie sich, dass die mit ihr Geehrten zwei Wiener Schüler - Tierra Rigby und Theo Haas - sind, die sich gegen die Abschiebung ihrer Mitschülerinnen einsetzten. 
Weißbacher erinnerte an die von Papst Franziskus formulierte Vision einer „universalen Geschwisterlichkeit": „Die lassen wir uns von keinem Politiker nehmen!"