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die neue Kirchenzeitung

 31. Mai 2026 

 
Lesungen:  Ex 34,4b.5-6.8-9; 2 Kor 13,11-13;   Evangelium: Joh 3,16-18.

Papst Leo XIV.:

Epochale Wegscheide

Am Pfingstmontag hat Papst Leo XIV. sein erstes Lehrschreiben vorgestellt: „Magnifica humanitas“. Es ist eine Sozialenzyklika, eine Verteidigung der Menschlichkeit. Sein Namensvetter Leo XIII., der „Arbeitpapst“, hatte 1891 die erste Sozialenzyklika der katholischen Kirche geschrieben.
Der Papst sieht den Umgang mit KI als Zukunftsfrage der Menschheit. Die Künstliche Intelligenz müsse 
„entwaffnet und lebensfreundlich gemacht werden".
Die Menschheit stehe im digitalen Zeitalter an einer epochalen Wegscheide.  

Aus Sicht des Papstes droht aktuell „die Gefahr, dass die Welt unmenschlich und ungerechter wird". Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik hätten die Welt rasch und tiefgreifend verändert.
Die FAZ kommentiert: „Den Vorwurf, die katholische Kirche habe zu spät auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz reagiert, kann Leo XIV. niemand machen. Zumindest einen Erfolg kann Leo XIV. schon jetzt niemand mehr nehmen: Dieses Mal ist kein Karl Marx schneller gewesen als der Papst. Leo XIV. hat nicht abgewartet, in welche Richtung sich der Einsatz Künstlicher Intelligenz in den kommenden Jahren weiterentwickelt. Seine erste Enzyklika lässt sich daher auch als Ergebnis einer Lernkurve beschreiben: Niemand sollte der katholischen Kirche vorwerfen können, sie habe auf einen epochalen sozialen und gesellschaftlichen Umbruch auf höchster Ebene zu spät reagiertP. Udo 

Verteidigung der Menschlichkeit: Leo XIV präsentiert persönlich sein erstes Lehrschreiben

Außergewöhnliche Präsentatoren, ein internationales Publikum und ein Papst, der seinem Schreiben persönlich Nachdruck verleiht: Die Vorstellung von Leos XIV. erster Enzyklika „Magnifica humanitas" am Pfingstmontag im Vatikan fand in einem ungewöhnlichen Rahmen statt. Vor Kurienmitarbeitern und ausländischen Diplomaten sprachen nicht nur Kurienkardinäle über das Lehrschreiben, das dem Umgang mit Künstlicher Intelligenz gewidmet ist.
In die Synodenaula hatte der Vatikan auch zwei Theologinnen geladen - und einen KI-Pionier. Christopher Olah ist Mitgründer des kalifornischen KI-Unternehmens Anthropic und hat auf dem Markt, den der Papst in seiner Enzyklika kritisiert, Milliarden verdient.
Wenige global agierende Unternehmen kontrollierten Kernelemente dieser Technologie - so die Kritik von Leo XIV. - verbunden mit der Warnung vor einem „neuen Kolonialismus". Olah selbst gab sich bei der Präsentation, die mit einer Videoschau begann, selbstkritisch.
Jedes KI-Labor sei Anreizen ausgesetzt, die im Widerspruch zum ethisch Gebotenen stehen, so der 33-jährige Tech-Pionier. Darum brauche es Außenstehende, die Kritik üben und vor Risiken warnen.
KI-Entwickler für Mitwirkung der Kirche
Der gebürtige Kanadier sprach der Kirche dabei eine wichtige Rolle zu, um den Blick auf die Herausforderungen zu lenken, die mit dem Fortschritt von Technologie einhergehen. Ihre Stimme werde etwa gebraucht, wenn es um drohende Arbeitsplatzverluste durch KI gehe.
Die ethischen Fragen nach der Entwicklung der Menschheit und der geistigen Entwicklung von Kindern könne ebenfalls kein KI-Labor beantworten. "Wir brauchen informierte Kritiker, die den Labors sagen, wenn wir versagen. Wir brauchen moralische Stimmen, die sich von Anreizen nicht beugen lassen."
In seinem mehr als 100 Seiten langen Lehrschreiben "Über den Schutz des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz" hält Papst Leo XIV. diese Kritik nicht zurück. Er warnt vor einer Entmenschlichung durch verfehlte Nutzung digitaler Technologien und fordert eine breitere gesellschaftliche Kontrolle von KI.
Papst mit klaren Forderungen
Seinen Denkanstößen, Analysen und Appellen in der Enzyklika verlieh der Papst am Ende der rund anderthalbstündigen Präsentation persönlich nochmals Nachdruck. Seine Vorgänger ließen ihre Lehrschreiben in Pressekonferenzen von Kardinälen vorstellen. Diesmal waren Journalisten nur Augen- und Ohrenzeugen, Fragen waren nicht erlaubt.
In seiner gut zehnminütigen Rede betonte Leo XIV. die Notwendigkeit, die Technologie in den Dienst des Gemeinwohls zu stellen. "Fürchten wir uns nicht vor Künstlicher Intelligenz, sondern halten wir die Frage nach dem Menschen stets im Blick", so Leo XIV. "Wir dürfen mit unseren mächtigsten technischen Instrumenten nicht leichtsinnig umgehen."
Er mahnte zur Wachsamkeit. Wenn Technologie den kritischen Sinn schwäche, sei der Frieden selbst in Gefahr. Der Papst forderte eine "Entwaffnung" Künstlicher Intelligenz und verglich diese Forderung mit dem kirchlichen Einsatz für nukleare Abrüstung. Jede große technische Macht, die das Leben der Menschen beeinflussen kann, müsse von einem angemessenen moralischen Urteilsvermögen und öffentlicher Kontrolle begleitet werden.
Abrüstung und Aufbau
Neben Abrüstung gehe es auch um Aufbau: Jeder müsse seinen Teil für ein gerechteres Zusammenleben beitragen und niemand dürfe zurückgelassen werden, so Leos XIV. Appell. "Der Mensch trägt in sich eine Freiheit, eine Innerlichkeit und eine Berufung zur Liebe und Anbetung, die keine Maschine ersetzen oder blockieren kann." Nur mit einer solchen ganzheitlichen Sichtweise könne Künstliche Intelligenz auf das Gemeinwohl ausgerichtet werden.
Am Ende ging er auch auf das Gesprächsangebot von KI-Entwickler Olah ein: Die Kirche wolle an künftigen Debatten über Künstliche Intelligenz teilnehmen. "Wir besitzen keine technischen Antworten und wollen auch nicht diejenigen verdrängen, die über das Fachwissen verfügen. Aber wir bringen eine Weisheit über den Menschen mit, die unsere heutige Zeit dringend braucht", so der Papst.
Papst zitiert auch Tolkien, Frankl, Arendt und Platon
In seiner Enzyklika „Magnifica humanitas" kann Papst Leo nicht nur reichlich aus den Quellen der Katholischen Soziallehre schöpfen, unter den insgesamt 224 Fußnoten des Dokuments gibt es auch vier Überraschungen. So findet der „Herr der Ringe" von John Ronald Reuel (J.R.R.) Tolkien genauso Eingang in die Sozialenzyklika des Kirchenoberhaupts wie Gedanken von Viktor Frankl, Hannah Arendt und Platon, die allesamt nicht das katholische Lehramt vertreten.
Beide ehrwürdigen Herren treten ausschließlich in Weiß auf. Doch ist die Gewandfarbe offenbar nicht das einzige, was Papst Leo XIV. und Gandalf ,den Zauberer aus dem „Herrn der Ringe", verbindet. Denn das im 213. Absatz der Enzyklika wörtlich übernommene Zitat aus dem dritten Band der Reihe, „Die Rückkehr des Königs", stammt - wenn auch im Lehrschreiben nicht namentlich erwähnt - von Gandalf: "Doch unsere Sache ist es nicht, die Welt durch alle Zeiten zu steuern, sondern in den Jahren, auf die wir beschränkt sind, zu tun, was wir können, um das Übel auf den uns bekannten Feldern auszujäten, damit jene, die nach uns kommen, einen guten Boden vorfinden.
Papst Leo sieht in dieser Äußerung aus dem Buch die Verantwortung der Kirche im Bezug auf den Umgang mit KI gut beschrieben. "Die Zivilisation der Liebe entsteht nicht aus einer einzigen, spektakulären Geste, sondern aus der Summe kleiner und beharrlicher Taten der Treue, die als Bollwerk gegen die Entmenschlichung dienen", heißt es im Lehrschreiben: "Deshalb lohnt es sich, innezuhalten und einige Aspekte zu betrachten, wie wir, ein jeder in seinem eigenen Bereich, an ihrem Aufbau mitwirken können."
Arendt, Frankl, Platon
Auf Arendt verweist Leo XIV. in jenen Passagen des Lehrschreibens, in denen er vor den Gefahren der Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz warnt. In Absatz 134 zitiert er aus Arendts 1951 erschienenem Werk über „Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft". Die idealen Untertanen totalitärer Herrschaft seien „Menschen, für die die Unterscheidung zwischen Fakten und Fiktion (d. h. der Wirklichkeit der Erfahrung) und die Unterscheidung zwischen wahr und falsch (d. h. den Maßstäben des Denkens) nicht mehr existiert".
Dass es bei allem unmenschlichen Verhalten, von Menschen verursachten Tragödien und trotz aller menschlichen Begrenztheit immer auch Raum gibt für Mitgefühl und die aufrichtige Sorge um die Bedürfnisse andere, untermauert der Papst mit einem Frankl-Zitat aus dessen Schrift „Grundkonzepte der Logotherapie". „Viktor Frankl sagte zu Recht, dass wir in Momenten des Grauens 'den Menschen kennengelernt [haben], wie er wirklich ist. Der Mensch ist schließlich jenes Wesen, das die Gaskammern von Auschwitz erfunden hat; aber er ist auch jenes Wesen, das diese Gaskammern mit erhobenem Haupt betreten hat, mit dem Vaterunser oder dem Sch'ma Jisrael auf den Lippen'", schreibt Leo in Absatz 121. Der Wiener jüdische Arzt und Psychotherapeut erlebte und überlebte das Grauen der NS-Konzentrationslager.
Auf den antiken Philosophen Platon greift Papst Leo bei seiner Forderung nach einem Bildungsbündnis für das digitale Zeitalter zurück. „Wie Platon schrieb, werden die tiefgründigsten und wichtigsten Dinge erst nach viel Zeit und Mühe erlernt, indem man sich mit anderen austauscht und Konzepte und Erfahrungen wie Feuersteine aneinander 'reibt', bis der Funke des Verständnisses in uns entflammt."

Weltkirchenrat dankt Papst: KI-Dynamik braucht Regeln

Der weltweite Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) dankt Papst Leo XIV. für seine Sozial-Enzyklika über den Schutz des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (KI). 
Die technologische Entwicklung habe eine solche Dynamik erreicht, dass die Regeln, die einen verantwortungsvollen Umgang damit gewährleisten, "nicht Schritt gehalten haben", erklärte der Vorsitzende (Moderator) des Zentralausschusses des Weltkirchenrats und frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, am Dienstag am Sitz des ÖRK in Genf. Dies mache eine globale öffentliche Diskussion über diese „dringend benötigten" Regeln umso wichtiger. Papst Leo gebe dafür mit seiner Enzyklika „Magnifica humanitas" (Großartige Menschheit) einen starken Impuls.
Die Kirchen könnten mit ihrem reichen Schatz an Reflexion zum Wesen des Menschen beim Thema KI und Digitalisierung etwas Wichtiges beitragen, so Bedford-Strohm weiter. Eines der Ziele sei, wirksame Mechanismen zum Schutz der Freiheit und der Menschenwürde vor Datenkonzernen zu etablieren, "deren Monopolmacht mittlerweile praktisch unkontrollierbar ist".

Lob von der EU-Kommission

Die EU-Kommission hat das Papst-Lehrschreiben zu Künstlicher Intelligenz gelobt. „Wir können der Vision des Heiligen Vaters Papst Leo XIV. und der Notwendigkeit eines soliden Rechtsrahmens für KI nur zustimmen", so ein Sprecher der Kommission auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Was der Papst beschreibe, mache Europa bereits. „Wir schützen Minderjährige online und verbieten KI-Systeme, die die Schwächsten ausbeuten", hieß es in Brüssel.

Zulehner würdigt „grandiose" erste Papst-Enzyklika

Der Wiener Theologe Paul Zulehner hat die neue Sozialenzyklika von Papst Leo XIV. zum Thema KI als „grandios" gewürdigt. Wie Vorgänger Franziskus mit der Enzyklika „Laudato si" werde Leo mit dem Lehrschreiben „Magnifica humanitas" (Großartige Menschheit) in die Geschichte eingehen, kommentierte Zulehner in seinem Blog: „Leo zieht alle sozialethischen Register, um dem Segen eine Chance zu geben: also der Wahrheit, der Gerechtigkeit, dem Frieden und über allem der unantastbaren Würde aller."
Wie viele andere kirchliche Lehrschreiben habe die Enzyklika auch „eine marianische Coda", verweist Zulehner auf den Schluss der Enzyklika. Dort legt der Papst Glaube, Liebe, Hoffnung und Gebet als die vier Punkte eines Programms für ein christliches Leben dar. Dabei geht er auch auf das Magnificat, den in der Bibel überlieferten Lobgesang Mariens ein - und zwar als „Preisgesang gegen den Hochmut der Mächtigen und Lob der Demut", wie Zulehner schreibt. 

Batlogg: „Magnifica humanitas" ist „Roadmap" für Leos Pontifikat

Eine klare Positionierung von Papst Leo XIV. sieht der Jesuit Andreas Batlogg in dessen am Montag erschienener ersten Enzyklika. "Magnifica humanitas", so der Titel, sei "hochpolitisch" und "ein sehr starker Text, ein großer Wurf, eine ernstzunehmende Pflichtlektüre". Er werde wohl "in den Staatskanzleien dieser Welt aufmerksam gelesen werden müssen", schrieb der in Wien lebende Theologe in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung „Die Furche" (online am 26. Mai). Auch wenn es sich nicht um einen schnell zu lesenden Text handle, habe Leo damit "die Roadmap seines Pontifikats vorgelegt", befand Batlogg. Die lange erwartete Enzyklika zeige: "Mit diesem Papst ist zu rechnen." 
Besonders verwies der Jesuit auf die Papst-Aussagen zu internationalen Organisationen sowie zu den Vereinten Nationen, die „unverzichtbare Instrumente zur Förderung einer Zivilisation der Liebe" seien; auf seine Forderung zur Überwindung der Theorie des gerechten Krieges; seine Klage über militärische Arsenale und den Ausstieg aus dem Atomwaffenverbotsvertrag, sowie auch seine Warnung vor der Versuchung einer kollektiven Identität auf Basis allzu vereinfachender Feind-Freund-Schemata. Leo stehe damit „mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität", und Politiker müssten angesichts seiner Worte "die Ohren spitzen", so Batlogg.
Foto: Vatican Media.

Libanon: Kirche überrascht Muslime mit christlicher Nächstenliebe

Der Krieg im Libanon hat nach Beobachtung eines maronitischen Erzbischofs nicht nur neue Spannungen und Leid verursacht, sondern an manchen Orten auch unerwartete Begegnungen ermöglicht: Christen und schiitische Muslime seien sich inmitten von Flucht, Angst und Vertreibung nähergekommen. Viele Muslime seien von der Hilfsbereitschaft der Kirche positiv überrascht und berührt. Darauf hat Erzbischof Hanna Rahmé von der maronitischen Erzdiözese Baalbek-Deir El-Ahmar im Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not" (ACN) hingewiesen.
„Die Gewalt, die sich anfangs gegen die Schiiten gerichtet hat, greift inzwischen auch auf Christen über", erklärte der Erzbischof. Noch immer würden Dörfer angegriffen und Menschen seien gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Zugleich habe die Krise jedoch Erfahrungen ermöglicht, die viele überrascht hätten.
Zum Hintergrund: Die Angriffe gegen Stellungen der schiitischen Hisbollah im Südlibanon ziehen immer mehr auch die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft. Betroffen sind Muslime und Christen, da es in der Region einige christlich geprägte Dörfer gibt. Durch die Rolle der schiitischen Hisbollah im Konflikt begegnen sich die Bevölkerungsgruppen teilweise mit Misstrauen. 
Wie Rahmé berichtete, seien viele Christen überrascht gewesen, als schiitische Muslime sie um Hilfe baten. Dennoch habe die Kirche Hilfesuchende unabhängig von ihrer Herkunft oder Religionszugehörigkeit in Pfarrzentren und Privathäusern aufgenommen. 
Nach Einschätzung des Erzbischofs habe der Krieg vielen Menschen die besondere Rolle der Kirche neu vor Augen geführt. „Der Krieg hat vielen Menschen bewusst gemacht, dass es das Charisma der Kirche ist, zu Frieden und Zusammenleben aufzurufen, auch wenn andere Stimmen Gewalt propagieren." 
Foto: Maronitische Mönche in Baalbek bereiten Mahlzeiten für Flüchtlinge zu. © KIRCHE IN NOT

Menschenrechtler kritisieren Ägypten für Umgang mit Christen

Schwere Vorwürfe gegen staatliche Stellen in Ägypten haben Vertreter mehrerer in Wien ansässiger Menschenrechtsorganisationen bei einer Pressekonferenz erhoben. Anlass war der Fall der 17-jährigen koptischen Christin Silvana Atef Fanous, die nach Angaben der Veranstalter entführt, mutmaßlich vergewaltigt und zur Konversion gezwungen worden sein soll. In einer gemeinsamen Aussendung am Freitag äußerten Repräsentanten der Europäischen Koptischen Menschenrechtsorganisation (EUCHOR), der Internationalen Gesellschaft Orientalischer Christen (IGOC) sowie von ADF International ihre Besorgnis über die systematische Diskriminierung christlicher Minderheiten und mahnten vor einem Versagen rechtsstaatlicher Institutionen.
Nach Darstellung der Organisationen soll die geistig behinderte Minderjährige nach ihrer Entführung nicht geschützt, sondern von Polizeibeamten an den mutmaßlichen Täter übergeben worden sein. Familienangehörige seien bei dem Versuch, Anzeige zu erstatten, festgenommen und misshandelt worden. Die Organisationen erklärten, die geistig behinderte Minderjährige sei entführt, mutmaßlich vergewaltigt und zur Konversion gezwungen worden. EUCHOR-Präsident Medhat Klada sagte, in Ägypten werde „das Gesetz entsprechend religiöser Selektion angewendet".
Der Menschenrechtsexperte Martin Lessenthin verwies auf eine hohe Zahl ähnlicher Fälle. „Jährlich wissen wir von rund 5.000 Entführungsfällen in Verbindung mit Eheschließung und Konversion", sagte er. Der Fall Silvana stehe exemplarisch für ein strukturelles Muster aus Entführungen, Zwangskonversionen und mangelnder Strafverfolgung.
„Initiative Christlicher Orient" (ICO) hat die Lage im Libanon beschrieben. Im Süden des Landes setze die israelische Armee ihre Politik der verbrannten Erde fort, die Ortschaften würden dem Erdboden gleichgemacht, um eine Rückkehr der Bewohner unmöglich zu machen, berichtete Maier in der Ö1-Sendung "Religion aktuell" (Mittwochabend). Die Zahl der Vertriebenen sei riesig.
Laut ICO wurden im Libanon bereits rund 1,5 Millionen Menschen vertrieben. Die aus dem Süden stammenden Menschen suchten in anderen Landesteilen Schutz und Zuflucht. Über die Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Schwestern in Ajeltoun hilft die ICO nach wie vor mit, zumindest einige der Vertriebenen in dieser schwierigen Phase zu unterstützen. Die Menschen würden mit Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln oder auch Medikamenten versorgt, so Maier. Weitere Spenden seien dringend notwendig.

Seligsprechungen: Spanische Bürgerkriegs-Märtyrer und Patriarch

Papst Leo XIV. hat am Freitag die Veröffentlichung von sechs Dekreten des Dikasteriums für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse genehmigt. Damit machte das Kirchenoberhaupt den Weg frei für die Seligsprechung der 80 Märtyrer von Santander, die zur Zeit des Spanischen Bürgerkriegs ihr Leben ließen. Zudem wurde ein für die Seligsprechung erforderliches Wunder des libanesischen Patriarchen Elias Hoyek anerkannt, berichtet Vatican News.
Als „ehrwürdige Diener Gottes“ – die Vorstufe zur Seligsprechung – wurden der Salesianermissionar Costantino Vendrame, der kamerunische Karmelit Jean-Thierry vom Kinde Jesu, die spanische Ordensfrau María Ana Alberdi Echezarreta und der sardische Kapuziner-Laienbruder Nazareno von Pula bestätigt.
Die 80 Märtyrer von Santander
Francisco González de Córdoba und seine 79 Gefährten erlitten während des Spanischen Bürgerkriegs und der damit einhergehenden Religionsverfolgung in den 1930er-Jahren den Tod. Die Grausamkeit der Verfolger war immens: Einige der Opfer wurden mit gefesselten Händen und Füßen und an den Körper gebundenen Steinen im Meer ertränkt. Andere starben unter elenden Bedingungen auf dem berüchtigten Gefangenschiff „Alfonso Pérez“, wurden nach ihrer Erschießung verbrannt oder erlagen den Entbehrungen in provisorischen Internierungslagern. Unter den 80 Märtyrern befanden sich 67 Priester, drei Karmelitenbrüder, drei Seminaristen und sieben Laien. Sie alle waren ihrer Herde in der Zeit des Krieges treu geblieben.
Stellvertretend für sie steht die Geschichte von Francisco González de Córdoba. Als Pfarrer von Santa María del Puerto in Santoña weigerte er sich trotz der akuten Lebensgefahr und des Verbots, die Sakramente zu spenden, zu fliehen. Nach seiner Gefangennahme wurde er auf ein schwimmendes Gefängnisschiff verbracht. Im Laderaum hörte er bis zuletzt täglich die Beichte der Mitgefangenen und betete mit ihnen den Rosenkranz. Als die Milizen ihn schließlich zur Hinrichtung aufriefen, bat der 48-jährige Priester darum, als Letzter sterben zu dürfen – um seinen Leidensgenossen bis zum Schluss die Absolution und den Sterbesegen erteilen zu können.
Elias Hoyek: „Vater des Großlibanon“
Das anerkannte Wunder, das den Weg für die Seligsprechung des libanesischen maronitischen Patriarchen Elias Hoyek ebnet, ereignete sich im Jahr 1965. Es betrifft die wissenschaftlich nicht erklärbare Heilung des Armeeoffiziers Nayef Abou Assi. Der drusische Muslim litt an einer chronischen, beidseitigen Spondylolyse (einem schmerzhaften Wirbeldefekt) und erwachte eines Tages nach einem Traum, in dem ihm der Patriarch erschienen war, völlig beschwerdefrei.
Hoyek, geboren am 4. Dezember 1843 in Helta, wurde nach seinem Theologiestudium in Rom im Jahr 1870 zum Priester geweiht. Zurück im Libanon gründete er mit Mutter Rosalie Nasr die Kongregation der Maronitischen Schwestern der Heiligen Familie. 1899 wurde er zum maronitischen Patriarchen von Antiochien gewählt und leitete die Kirche über drei Jahrzehnte. Während des Ersten Weltkriegs öffnete er die Klöster für alle Kriegsopfer – völlig unabhängig von deren Religionszugehörigkeit. Eine von den osmanischen Behörden verhängte Deportation konnte er nur durch das diplomatische Eingreifen des Vatikans und Österreich-Ungarns abwenden. 1920 trug er maßgeblich zur Gründung des Staates Großlibanon bei. Er verstarb 1931 in Bkerké im Ruf tiefster Frömmigkeit und Nächstenliebe.
Junge Zeugen des Glaubens und „der Heilige der Süßigkeiten“
Unter den neu als ehrwürdig anerkannten Katholiken sticht der kamerunische Unbeschuhte Karmelit Jean-Thierry vom Kinde Jesu (Jean-Thierry Ebogo) heraus. Er verstarb 2005 im Alter von nur 23 Jahren im italienischen Legnano an einem aggressiven Knochentumor. Trotz der Amputation eines Beines ertrug er sein Leiden mit tiefer Marienverehrung und bat seine Mitbrüder, nicht für seine Heilung, sondern für neue geistliche Berufungen zu beten. Seine letzten Worte waren: „So viel Licht, so viel Licht … Wie schön Jesus ist!“
Sanftmut im Zeichen des Konzils prägte das Leben von Mutter María Ana Alberdi Echezarreta (1912–1998). Die spanische Franziskanerin von der Empfängnis leitete ihre Gemeinschaft ab 1953 als Äbtissin und führte sie mit großer Weisheit durch die unruhigen Reformjahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.
Der italienische Salesianer-Priester Costantino Vendrame (1893–1957) wirkte jahrzehntelang als Missionar in Indien (Assam und Tamil Nadu). Er lebte als „Ärmster unter den Armen“, bewährte sich durch seine spirituelle Stärke in britischer Kriegsgefangenschaft und bekehrte durch seinen unermüdlichen Einsatz Tausende zum christlichen Glauben.
In Sardinien bis heute unvergessen ist der Kapuziner-Laienbruder Nazareno von Pula (bürgerlich Giovanni Zucca, 1911–1992). Der einstige Kriegsgefangene traf nach dem Zweiten Weltkrieg den heiligen Pater Pio, der ihn ermutigte, seine Berufung in seiner sardischen Heimat zu leben. Als Bettelmönch, Koch und Gärtner war er für seine tiefe Demut bekannt. Weil er stets Orangen- und Zitronenbonbons an die Menschen verteilte und sie bat, dabei ein Ave Maria zu beten, liebt ihn der Volksmund bis heute als „Heiligen der Süßigkeiten“.
Foto: Das Denkmal für die Märtyrer von Santander und der maronitische Patriarch Elias Hoyek. Außerdem: Konstantin Vendrame, Salesianermissionar in Indien (Vatican News)

Diözese Feldkirch beendet Umstellungsphase für Firmung ab 17

Die Diözese Feldkirch hat ihre zehnjährige Umstellungsphase für eine Firmung mit 17 Jahren beendet. Ab dem kommenden Jahr wird das Firmsakrament in allen Vorarlberger Pfarren den Jugendlichen erst mit Erreichen dieses Alters gespendet, geht aus einem Bericht des ORF Vorarlberg hervor. Bischof Benno Elbs begründete den Schritt zur Anhebung des Firmalters damit, dass man mit 17, 18 Jahren vieles bewusster macht als mit 12 Jahren.
Nachdem die Firmung in manchen Vorarlberger Pfarren bereits mit zwölf, 13 oder 14 Jahren möglich war, beschloss die zuständige Diözese Feldkirch nach längerer Debatte eine schrittweise Anhebung des Firmalters. Von den insgesamt 126 Pfarren in Vorarlberg haben laut Auskunft der Diözese bereits 87 diese Änderung mitgemacht und das Firmalter auf 17 Jahre oder älter angehoben. 
Foto: 14jährige Firmlinge der Pfarre Paudorf-Göttweig 2026.

Kurznachrichten

 

Papst Leo XIV. wünscht sich eine Kirche, in der sich alle willkommen fühlen. Am Pfingstsonntag auf dem Petersplatz erinnerte er dabei an seinen Vorgänger Franziskus (2013-2025), dessen Amtszeit von der Vision einer offenen Kirche für alle geprägt war. In dieser Kontinuität forderte Leo XIV. den Aufbau einer Kirche, in der sich alle zu Hause fühlen. 

 

Papst Leo XVI. besucht von 6. bis 12. Juni Spanien. Stationen der vierten Auslandsreise des seit einem Jahr amtierenden Kirchenoberhaupts sind Madrid, Barcelona und die Kanarischen Inseln. Zu den Höhepunkten im Programm zählt die Weihe des höchsten Kirchturms der Welt, des zentralen Jesus-Christus-Turms der Basilika Sagrada Familia in Barcelona genau am 100. Todestag des Architekten Antoni Gaudi (1852-1926). 

 

Italien. Vergrabener Müll, vergiftetes Land, zerstörte Familien: Papst Leo XIV. hat die Umweltverbrechen der Mafia in Süditalien angeprangert und die lange Tatenlosigkeit des Staates. Am 23. Mai besuchte Leo XIV. die Stadt Acerra im „Land der Feuer". Über Jahrzehnte vergrub und verbrannte das organisierte Verbrechen in der Region Millionen von Tonnen gefährlicher Abfälle - vergiftete damit Luft und Boden. Bis heute leiden Bewohner und Umwelt unter den Folgen. 

 

Palästina. Mit dem Grab des Propheten Samuel hat Israel erstmals eine islamische heilige Stätte in den besetzten palästinensischen Gebieten enteignet: 11 Hektar Land in Nabi Samuel nahe Jerusalem. 

 

Philippinen. Kardinal Pablo Virgilio David hat eine unabhängige Kommission mit fünf Mitgliedern einberufen, um die Tötungen während des sogenannten "Kriegs gegen die Drogen" unter dem früheren Präsidenten Rodrigo Duterte zu dokumentieren. 

 

Ukraine.  Bei den massiven russischen Luftangriffen auf die Ukraine am Pfingstwochenende ist auch das Dominikanerkloster in Kiew beschädigt worden. 

 

Rumänien. Zur traditionellen Pfingstwallfahrt im siebenbürgischen Csíksomlyó  haben sich am 23. Mai rund 300.000 Pilgerinnen und Pilger versammelt. Der Vorsitzende der Ungarischen Bischofskonferenz, Bischof János Székely, hielt die Festpredigt. 

 

Tschechien. Rund 2.000 Tschechen wie Deutsche haben am Wochenende mit einem Friedensmarsch an die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus Brno (Brünn) unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert. 

 

In Serbien ist nach mehr als 60 Jahren das Grundstück eines historischen orthodoxen Klosters wieder im Besitz der Kirche. Das Kloster Vojlovica liegt seit 1965 innerhalb eines Raffineriekomplexes des Ölkonzern NIS und wurde von diesem nun offiziell an die Kirche zurückgegeben. 


Tschechien. Der russisch-orthodoxe Metropolit Hilarion (Alfejew) ist nach seiner Verhaftung wegen des Verdachts auf Drogenbesitz wieder auf freiem Fuß. 

Österreich

Österreich. An die 300.000 Besucherinnen und Besucher haben nach Schätzungen auch heuer wieder an der „Lange Nacht der Kirchen" teilgenommen. Unter dem Motto „MUTeinander" öffneten am Freitagabend rund 600 Kirchen und kirchliche Einrichtungen verschiedener Konfessionen bis in die späten Nachtstunden ihre Türen und Tore. 

 

Niederösterreich. Am 22. Mai ist im Stift Göttweig das 30. „Europa-Forum Wachau" mit zahlreichen Aufrufen zu größerer europäischer Einheit zu Ende gegangen. Am letzten Tag hatten Bundeskanzler Christian Stocker, NÖ-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner oder auch der ehemalige NATO-Generalsekretär und dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen das Wort ergriffen. 

 

Steiermark. Drei Jahre vor seinem 900-Jahr-Jubiläum will sich das Stift Rein personell und organisatorisch neu aufstellen. Eine ordensinterne Visitation durch den Generalabt der Zisterzienser, Mauro-Giuseppe Lepori, soll dabei helfen, Lösungen für die wachsenden Herausforderungen des ältesten durchgehend bestehenden Zisterzienserklosters der Welt zu finden. 

 

Niederrösterreich. Das Benediktinerstift Göttweig hat den Verein „Forum Wald & Gesundheit-Initiative für naturbasierte Lebensräume in Österreich" gegründet. Am 12. Mai 2026 konstituierte sich der Vorstand des Vereins mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen Medizin, Gesundheit, Green Care, Forstwirtschaft, Tourismus und Regionalentwicklung. 

 

Steiermark. Mit einer Rekordzahl an Einreichungen ist die sechste Ausgabe der Religionsolympiade „Theolympia" in Graz abgeschlossen worden. Heuer wurden 499 Beiträge in den Kategorien Essay und Fotografie eingereicht. Der Wettbewerb richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Schulstufen 9 bis 13 im katholischen Religions-unterricht in Österreich und Südtirol. Das heurige Generalthema lautete „Dankbarkeit - Tugend oder Taktik?". 

 

Salzburg. Nach den bekannt gewordenen Vorwürfen sexueller Belästigung gegen einen Religionslehrer an einer Salzburger Volksschule hat sich das Schulamt der Erzdiözese Salzburg betroffen gezeigt und die Unterstützung zur Aufklärung des Falls betont. Der betroffene Lehrer ist inzwischen suspendiert worden, während Staatsanwaltschaft und Bildungsdirektion Ermittlungen führen. 

 

Tirol. Am Rande des Pennälertags des Mittelschüler-Kartell-Verbands (MKV) in Innsbruck sind laut Österreichischem Cartellverband zwei Couleurstudenten verbal attackiert, beraubt und anschließend auch körperlich angegriffen worden. Beide mussten im Krankenhaus behandelt werden. Der Cartellverband berichtete von Zeugenaussagen, wonach die Täter „Antifa" gerufen haben sollen. 

Der Angriff sei unprovoziert erfolgt und reihe sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle gegen Couleurstudenten und katholische Verbindungen ein. 

Passionsspiele St. Margarethen

„Mirjam"

Die Passionsspiele im burgenländischen St. Margarethen stellen bei ihrem 100-Jahr-Jubiläum 2026 erstmals eine Frau in den Mittelpunkt der Passionsgeschichte. Mit dem Stück „Mirjam - stark wie der Tod ist die Liebe" werde die Leidens- und Auferstehungsgeschichte Jesu Christi aus der Perspektive der Maria Magdalena erzählt, teilten die Veranstalter mit. Die Premiere der Neuinszenierung im Römersteinbruch war am 23. Mai, gespielt wird bis 12. Juli.
Spielleiter und Autor Pfarrer Richard Geier:  „Ich freue mich, dass wir 2026, im 100. Jahr der Passionsspiele eine Neuinszenierung bieten können, die erstmals eine Frau in den Mittelpunkt rückt, die sehr wichtig im Leben Jesu war: Maria Magdalena", betonte Geier.
Geier sprach zudem von einer „weiblichen Perspektive auf die Passion", die „in der männerdominierten Kirche bisher vernachlässigt wurde".
Alle fünf Jahre beteiligen sich rund 400 ehrenamtliche Laiendarsteller und Helfer an den Aufführungen. (Infos: www.passio.at)


Auch das noch...

 Vatikan kann ab sofort komplett auf Solarstrom setzen 

Als erster Staat der Welt kann der Vatikan demnächst mehr Solarstrom produzieren, als er selbst verbraucht. Ein völkerrechtlicher Vertrag mit Italien, der dies ermöglicht, ist am Donnerstag in Kraft getreten. 
Gemäß dem Vertrag kann der Vatikan nun auf einem rund 420 Hektar großen Gelände nördlich von Rom eine riesige Fotovoltaik-Anlage errichten, die etwa zehnmal größer ist als der Vatikanstaat. 
Das Gelände bei Ponte Galeria ist gemäß den Lateranverträgen von 1929 exterritorial und gehört dem Vatikan. Über Jahrzehnte nutzte der Papst-Staat es vor allem zum Betrieb von großen Kurz- und Mittelwelle-Sendemasten für Radio Vatikan. Dieser Verbreitungsweg für vatikanische Medien hat jedoch seit längerem an Bedeutung verloren. Die Idee zur Umnutzung für eine Fotovoltaik-Farm geht auf Papst Franziskus (2013-2025) zurück. 
 

Ungarn: Staatssekretär für Kultusangelegenheiten ernannt 

In der neuen ungarischen Regierung werden künftig der katholische Kulturhistoriker und Philosoph György Heidl und der Jurist István Czeti für Kirchenfragen zuständig sein. 
Ministerpräsident und Tisza-Parteichef Peter Magyar hat den 58-jährigen Heidl, der seit Langem eine zu enge Verflechtung von Kirche und Staat in Ungarn kritisiert, als auch für Kultusangelegenheiten verantwortlichen Staatssekretär für gesellschaftliche Beziehungen nominiert; Czeti, er unterrichtete bisher Römisches Recht an der Budapester ELTE-Universität, soll als stellvertretender Staatssekretär die Zuständigkeit für Kirchen und Religionsgemeinschaften übernehmen, wie ungarische Medien berichten. 
Das gesamte Staatssekretariat ist dem Ministerium für Gesellschaftliche Beziehungen und Kultur von Minister Zoltán Tarr (54) unterstellt, das u.a. auch die Bereiche Nationalpolitik, Zivilgesellschaft und Nationalitäten-Angelegenheiten umfasst. Der neue Kulturminister Tarr, früher Hochschulseelsorger und Pfarrer der reformierten Kirche in Ungarn, ist seit Mitte 2024 stellvertretender Vorsitzender der Tisza-Partei. In einer Stellungnahme erklärte er, die Regierung wolle „die Kultur, die Kirchen oder die Zivilgesellschaft nicht steuern, sondern lediglich den Rahmen für ihr freies Funktionieren sichern". 
Der neu ernannte Staatssekretär Heidl ist Autor und Herausgeber zahlreicher renommierter Fachzeitschriften und hat mehrere hundert Publikationen im Bereich Ästhetik und Philosophiegeschichte veröffentlicht. Seit 2018 ist er Universitätsprofessor, zwischen 2019 und 2023 auch Dekan der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften an der Universität Pécs. 
Heidl kritisierte in der Zeit der Orban-Regierung immer wieder die „Allianz zwischen der aktuellen politischen Macht und kirchlichen Führungspersonen". Dass Kirchen in großem Umfang Bildungs-, Sozial- und Gesundheitseinrichtungen betreiben, birgt aus seiner Sicht die Gefahr, dass deren Finanzierung eine Abhängigkeit der Kirchen vom Staat verfestigt. Die Kirchen, so Heidl, müssten daher ein grundlegendes Interesse daran haben, sich aus der „Fessel der Staatsmacht" zu befreien, um ihre ursprüngliche Sendung erfüllen zu können. 
 


Peru: Kardinäle knien vor Opfern des „Sodalicio" 

Mit einem außergewöhnlichen Bußakt hat die katholische Kirche in Peru am Samstag indigene Bauernfamilien um Vergebung für jahrelanges Leid im Umfeld der aufgelösten Bewegung „Sodalitium Christianae Vitae" („Sodalicio") gebeten. Bei einer Messe in Catacaos im Norden des Landes knieten mehrere Bischöfe, darunter die Kardinäle Carlos Castillo und Pedro Barreto, gemeinsam mit dem vatikanischen Sondergesandten Jordi Bertomeu vor Mitgliedern der betroffenen Gemeinde San Juan Bautista nieder. 
Die Feier galt als symbolischer Akt der Wiedergutmachung gegenüber Kleinbauern des Tallán-Volkes. Diese werfen Unternehmen mit Verbindungen zum Sodalicio vor, sie über Jahre enteignet, verfolgt und eingeschüchtert zu haben. Während des Konflikts wurden laut Kirchenangaben auch zwei Gemeindemitglieder getötet. Zudem sei es zur Kriminalisierung von Gemeindeführern gekommen. 
„Wir kommen nicht nur, um euch im Namen der Kirche um Vergebung zu bitten, sondern auch, um uns zu verpflichten, die Kirche zu erneuern", sagte der Erzbischof von Lima, Kardinal Castillo, in seiner Predigt. Unrecht könne nicht allein juristisch aufgearbeitet werden. "Wer zerstört, wer tötet, wer enteignet, was ihm nicht gehört, hat die Pflicht zu unendlicher Wiedergutmachung", erklärte er. 
Vatikan-Gesandter Bertomeu räumte schwere Versäumnisse der Kirche ein. „Wir sind zu spät gekommen. Wir hätten schon vor 20 Jahren kommen können", sagte er vor den versammelten Familien. Zugleich bat er die Betroffenen, die Kirche auf ihrem Erneuerungsweg zu begleiten. Papst Leo XIV. unterstütze einen Kurs, der stärker auf Gerechtigkeit, Nähe zu den Opfern und konkrete Wiedergutmachung setze, sagte er. 
Das „Sodalicio" war 2025 von Papst Franziskus aufgelöst worden. Die einst einflussreiche katholische Laiengemeinschaft war nach schweren Missbrauchs- und Korruptionsvorwürfen in die Kritik geraten. Ihr Gründer Luis Fernando Figari wurde bereits 2024 aus der Bewegung ausgeschlossen. 
 

Kärnten: Umstrukturierung des Bildungshauses Sodalitas 

Im Rahmen des Kirchenentwicklungsprozesses der Diözese Gurk hat die Arbeitsgruppe „Strategieprozess Bildungshaus Sodalitas" eine Neuordnung des zweisprachigen katholischen Bildungshauses erarbeitet, die mit 1. Juli in Kraft tritt. Die slowenischsprachige Priestervereinigung Sodalitas, bisher Rechtsträger des Bildungshauses, überträgt die Führung des Bildungshauses an die Diözese; ebenso wird die Liegenschaft in Tainach/Tinje an die Diözese Gurk übertragen. 
Josef Kopeinig (85, seit 58 Jahren Rektor der zweisprachigen Bildungseinrichtung,) tritt mit 30. Juni in den Ruhestand. An der Spitze des Bildungshauses als Direktorin folgen Mija Janesch, bisherige pädagogische Leiterin des Bildungshauses, sowie Pfarrer Josef Valesko, Vorsitzender der Priestervereinigung Sodalitas, als Rektor nach. Als theologischer Referent des Bildungshauses fungiert künftig der bischöfliche Referent Anton Rosenzopf-Jank. 

Bürgermeister Ludwig lädt Papst nach Wien ein

Bürgermeister Michael Ludwig hat Papst Leo XIV. nach Wien eingeladen. Bei der Begegnung zwischen beiden im Rahmen der Generalaudienz am Mittwoch am Petersplatz in Rom hat der Wiener Bürgermeister dem Papst über das gute Miteinander der Religionen und den Wiener Religionsrat in der Bundeshauptstadt berichtet und die Bedeutung des interreligiösen Dialogs für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Frieden thematisiert. In dem Zusammenhang hat Ludwig auch die persönliche Einladung an den Papst zu einem Wien-Besuch ausgesprochen. 
Weitere Themen des Gesprächs waren laut Mitteilung der Stadt Wien die geopolitische Lage in Europa, die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit sowie ethische Fragen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung.  
Im Gespräch mit Leo XIV. hob Ludwig zudem die Rolle Wiens als „Drehscheibe für internationale Diplomatie" hervor. Gerade in Zeiten globaler Krisen brauche es "Orte der Verständigung, des friedlichen Dialogs und der konstruktiven Zusammenarbeit".
Der Bürgermeister besuchte die Generalaudienz in Begleitung des Präsidenten der Wirtschaftskammer Wien, Walter Ruck. Später folgte ein Besuch in der Lateranbasilika, der Bischofskirche des Papstes in Rom. Am Donnerstag trafen Ludwig und Ruck Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri zu einem Arbeitsgespräch.
 Foto: Vatican Media.