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die neue Kirchenzeitung
28. Juni 2026
Lesungen: Jer 20,10-13; Röm 5,12-15; Evangelium: Mt 10,26-33.
Männer für Männer
Am 17. Juni hat der Vatikan den deutschen Bischöfen mitgeteilt, dass Laien in der Messe weiterhin nicht predigen dürfen. Dies sei einem Priester oder Diakon vorbehalten. Der Papst hat das wenige Tage später bestätigt und – höchst problematisch - dogmatisch begründet.
Im Klartext: Frauen sind ausgeschlossen, selbst wenn sie als Theologieprofessorinnen fachlich weit kompetenter sind als normale Priester oder Diakone.
Verheiratete Männer sind zum Diakonat zugelassen, wenn sie sich mindestens schon fünf Jahre lang in Ehe und Familie bewährt haben und gemeinsam mit ihrer Familie ein christliches Lebenszeugnis ablegen können.
Wichtig ist allein die Weihe, von der Frauen bislang immer noch ausgeschlossen sind.
Ob fremdsprachige Priester von ihren Gläubigen verstanden werden, ist völlig uninteressant.
Eine alte Frau hat sich vor Zeiten beklagt, dass sie ihren asiatischen Pfarrer nicht verstehe. Würde sie nicht vor der Sonntagsmesse daheim in der Kirchenzeitung das Evangelium lesen, würde sie selbst das nicht verstehen…
Biblische Kompetenz, verständliche Sprache? Alles unwichtig. Hauptsache ein Mann spricht, behaupten die Männer im Vatikan. Die Frauen dort sind nur Aufputz, um vor der Welt gut dazustehen. P. Udo
Vatikan gibt keine Erlaubnis zur Laienpredigt in der Messe
Katholiken ohne Weihe dürfen weiterhin nicht im Rahmen einer Heiligen Messe predigen. Einen entsprechenden Bescheid der zuständigen Vatikanbehörde haben die deutschen Ortsbischöfe bei ihrer Versammlung am Dienstag in Berlin zur Kenntnis genommen und beraten.
Der Bescheid des zuständigen Kurienkardinals Arthur Roche vom Dikasterium für die Gottesdienste und die Sakramentenordnung datiert vom 17. Juni. Anlass war eine Anfrage, die der DBK-Vorsitzende Heiner Wilmer am 30. März gestellt hatte.
Darin hatte Wilmer eine Sondergenehmigung, ein sogenanntes Indult, beantragt. Es hätte auch nicht geweihten Männern und Frauen mit der entsprechenden theologischen Vorbildung die Predigt in der Messe erlaubt. Die Forderung, ein solches Indult zu beantragen, war einer der zahlreichen Beschlüsse des „Synodalen Wegs" der katholischen Kirche in Deutschland.
In seiner Antwort, die von der Deutsche Bischofskonferenz am Dienstag veröffentlicht wurde, erinnert Kurienkardinal Roche daran, dass gemäß dem katholischen Kirchenrecht „die Homilie als integraler Bestandteil der Liturgie einem Priester oder Diakon vorbehalten ist".
Katholische Laienverbände in Deutschland haben auf den Bescheid aus Rom mit Enttäuschung reagiert. Die Reformbewegung „Wir sind Kirche" nannte die Absage des Vatikans eine „völlig realitätsferne Prinzipienentscheidung".
Papst Leo XIV. hat das grundlegende dogmatische Argument gegen die Laienpredigt in der katholischen Messe wiederholt. Bei der Generalaudienz am Mittwoch im Vatikan sagte er vor mehreren tausend Pilgern aus aller Welt unter Verweis auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965): „Wenn wir an der Eucharistiefeier teilnehmen, sind wir eingeladen, das Wort Gottes zu hören und uns am Tisch des Herrn zu nähren, wo er selbst sich dem Vater darbringt."
Und weiter: „Diese beiden Teile der Messe, die Liturgie des Wortes und die Liturgie der Eucharistie, sind so eng miteinander verbunden, dass sie einen einzigen Kultakt ausmachen."
Kirche in Venezuela startet Hilfsnetz nach Erdbeben
Nach den schweren Erdbeben in Venezuela hat auch die katholische Kirche im Land Hilfsmaßnahmen eingeleitet und ihre nationalen und internationalen Solidaritätsnetzwerke aktiviert. Die beiden Erdstöße der Stärke 7,2 und 7,5 erschütterten am Mittwochabend innerhalb weniger Sekunden weite Teile des Landes. Besonders betroffen von der schlimmsten Erdbebenkatastrophe des Landes seit Jahrzehnten sind die Hauptstadt Caracas, der Bundesstaat Carabobo sowie die Küstenregion La Guaira, die von den Behörden zur Katastrophenzone erklärt wurde. Die genaue Zahl der Toten und Verletzten war am Donnerstag unklar. Einer Modellrechnung der US-Erdbebenwarte USGS zufolge könnten Tausende Menschen ums Leben gekommen sein.
Während Rettungskräfte weiter nach Überlebenden suchen und das Ausmaß der Zerstörungen erfassen, hat die Kirche nach Angaben der Erzdiözese Caracas und der Venezolanischen Bischofskonferenz ihre humanitäre und seelsorgliche Unterstützung hochgefahren. Pfarrgemeinden und kirchliche Einrichtungen dienen als erste Anlaufstellen für Betroffene der Erdbeben. Geplant ist laut kirchlichen Informationen die Nutzung bestehender kirchlicher Netzwerke zur Unterstützung der Opfer, insbesondere in den besonders betroffenen Regionen sowie in der Hauptstadt Caracas.
Pfarren, kirchliche Einrichtungen und Ordensgemeinschaften bereiten Unterkünfte, Hilfsgüterverteilungen und seelsorgliche Begleitung für Menschen vor, die ihre Häuser verloren haben oder nicht in ihre Wohnungen zurückkehren können. Auch Caritas Venezuela beteiligt sich an den Hilfsmaßnahmen. Parallel dazu werden in den betroffenen Gemeinden seelsorgliche Hilfen angeboten, darunter Gebet und Begleitung der Angehörigen von Todesopfern, Verletzten und Vermissten im Rahmen der lokalen kirchlichen Strukturen.
Hilfswerke bitten um Spenden
In Österreich baten unter anderem Caritas, Don Bosco Mission Austria, Jugend Eine Welt und das Hilfswerk jesuitenweltweit um Spenden für Nothilfemaßnahmen. "Die Menschen in den betroffenen Regionen haben innerhalb weniger Minuten Angehörige, ihr Zuhause und ihre Existenzgrundlage verloren. Viele wissen nicht, wo sie die kommende Nacht verbringen werden", erklärte Andreas Knapp, Generalsekretär für Internationale Programme der Caritas Österreich: "Jetzt braucht es schnelle internationale Solidarität, damit lebensrettende Hilfe rasch bei den betroffenen Familien ankommt."
„Kirche in Not“ sagt schnelle Hilfe zu
Nach den schweren Erdbeben in Venezuela ruft das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) zum Gebet für die betroffenen Menschen auf und kündigt schnelle Unterstützung für die Kirche vor Ort an. Besonders betroffen sind nach Angaben der lokalen Partner von „Kirche in Not“ auch zahlreiche kirchliche Einrichtungen. Viele von ihnen haben trotz erheblicher Schäden ihre Türen geöffnet, um Familien aufzunehmen, die nicht in ihre Häuser zurückkehren können.
Der Erzbischof der venezolanischen Hauptstadt Caracas, Raúl Biord Castillo, verschaffte sich unmittelbar nach den Beben einen Überblick über die Lage. „Ich bin gerade von einem Besuch mehrerer Pfarreien zurückgekehrt. Viele von ihnen weisen schwere strukturelle Schäden auf“, berichtete er gegenüber „Kirche in Not“. Besonders betroffen seien die Kathedrale von Caracas sowie zahlreiche weitere Pfarreien. Aufgrund von Strom- und Internetausfällen sei das volle Ausmaß der Schäden jedoch noch nicht absehbar.
Auch die Diözese La Guaira, der bedeutendsten Hafenstadt Venezuelas, wurde schwer getroffen. Bischof Pablo Modesto González Pérez erklärte gegenüber „Kirche in Not“, dass das Priesterseminar der Diözese, das seit Jahren von „Kirche in Not“ unterstützt wird, erhebliche Schäden erlitten habe: „Im Seminar sind viele Mauern eingestürzt.“ Die Seminaristen mussten evakuiert werden. Sie warten auf einem Parkplatz, während die Statik ihres Wohngebäudes geprüft wird. Mehrere Kirchen in der Region seien ebenfalls beschädigt worden.
Foto: Die Kirche des Priesterseminars in La Guaira nach dem Erdbeben. © KIRCHE IN NOT
Kardinal Pizzaballa und Patriarch Theophilos besuchen Gaza
Hochrangige Geistliche aus Jerusalem sind am Montag in Gaza eingetroffen. Der katholische Jerusalemer Patriarch Kardinal Pierbattista Pizzaballa und der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., wollten „das Gebet Jerusalems zu den verwundeten Gläubigen in Gaza und zu allen Leidenden" bringen, wie das Lateinische Patriarchat von Jerusalem mitteilte. Die Bevölkerung habe weiter mit schwerem humanitärem Leid, Angst, Verlust und Unsicherheit zu kämpfen.
Der Besuch drücke eine pastorale Verantwortung der Kirchen von Jerusalem gegenüber den Ortskirchen in Gaza aus. Vor Ort wollten Theophilos und Pizzaballa den Angaben zufolge durch Gebet, persönliche Begegnungen und seelsorgerische Präsenz „inmitten des tiefen Leids geistige Kraft, Trost und Hoffnung spenden".
„Der Besuch unterstreicht die seelsorgerische Verantwortung der Kirchen Jerusalems gegenüber den Ortskirchen und der gesamten Bevölkerung Gazas, wo Familien weiterhin schweres humanitäres Leid, Angst, Verlust und Ungewissheit ertragen müssen“, so das Statement. Die beiden Kirchenführer werden begleitet vom Großhospitalier des Malteserordens, dem Deutschen Josef D. Blotz, sowie Vertretern von „Malteser International“.
Klinik eingeweiht(dick gedruckt)
Einer der ersten Termine in Gaza war am Montag die Einweihung einer Klinik des Malteserordens in Gaza-Stadt durch den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, an der auch Theophilos III. teilnahm. Die gemeinsam mit dem Lateinischen Patriarchat betriebene Einrichtung soll mit rund 30 Mitarbeitenden täglich bis zu 100 Menschen medizinisch versorgen. Angesichts der katastrophalen Lage im Gesundheitswesen des Gazastreifens, in dem ein Großteil der medizinischen Infrastruktur zerstört wurde, soll die Klinik dringend benötigte Hilfe leisten. Finanziert wird das Projekt unter anderem vom Auswärtigen Amt, UNICEF sowie kirchlichen und humanitären Partnern.
Foto: Lateinisches Patriarchat von Jerusalem.
Malteserorden: Mehr humanitäre Krisen bei weniger Hilfsgeldern
Der Souveräne Malteserorden sieht seine internationale Hilfsarbeit durch Kürzungen staatlicher Entwicklungshilfeprogramme erschwert. Gleichzeitig nehme die Zahl humanitärer Krisen weltweit zu, erklärte der österreichische Großprior Fra' Gottfried Kühnelt-Leddihn bei einem Empfang des Ordens für das Diplomatische Corps in Wien am Montag laut einer Aussendung am Mittwoch. Das Großpriorat Österreich beteilige sich an internationalen Einsätzen von Malteser International, wobei die Unterstützung der Ukraine einen Schwerpunkt bilde, hieß es. Anlass für den Empfang war das Patrozinium des Ordenspatrons Johannes des Täufers. Nach Angaben des Ordens ist dieser derzeit in mehr als 120 Ländern tätig.
Bei der Veranstaltung verwiesen Vertreter des Malteserordens zudem auf die Bekämpfung des Menschenhandels als wachsendes internationales Problem. Nach Angaben des Ordens sind weltweit rund 50 Millionen Menschen betroffen. Besondere Aufmerksamkeit gelte neuen Formen der Ausbeutung im Internet, bei denen Minderjährige zur Herstellung pornografischer Inhalte gezwungen würden.
Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden wurde im 11. Jahrhundert in Jerusalem gegründet und zählt zu den ältesten bestehenden religiösen Laienorden der katholischen Kirche. Er ist ein anerkanntes Völkerrechtssubjekt mit Sitz in Rom und diplomatischen Beziehungen zu 114 Staaten und hat ständigen Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen.
Heute engagiert sich der Orden mit rund 13.500 Mitgliedern, 100.000 Freiwilligen und über 50.000 hauptamtlichen Kräften in mehr als 120 Ländern.
Neupriester: 428 in den USA, 196 in Polen, 30 in Deutschland und 19 in Österreich
In den USA sind laut einer aktuellen landesweiten Erhebung des Center for Applied Research in the Apostolate (CARA) in Kooperation mit der US-Bischofskonferenz 428 Kandidaten für die Priesterweihe 2026 registriert, 23 mehr als im Vorjahr.
Die CARA-Studie liefert zudem ein detailliertes statistisches Profil der diesjährigen Weihekandidaten. 62 Prozent sind weiß, 17 Prozent hispanischer Herkunft, 11 Prozent asiatischer oder pazifischer Abstammung und fünf Prozent afroamerikanisch. Rund ein Drittel stammt aus dem Ausland, darunter besonders häufig aus Vietnam, Mexiko und Kolumbien; die meisten davon kamen im jungen Erwachsenenalter in die USA.
In den USA leben ca. 77 Millionen Katholiken.
In Polen ist die Zahl der Priesterweihen 2026 erstmals seit dem Jahr 2000 wieder unter die Marke von 200 gefallen. Nach aktuellen kirchlichen Prognosen werden in diesem Jahr 196 neue Priester geweiht, darunter 130 Diözesan- und 66 Ordenspriester, meldet die polnische Nachrichtenagentur KAI.
Besonders unter Papst Johannes Paul II. (1978-2005) rund um das Ende des Kommunismus hatte die katholische Kirche in Polen einen starken Zulauf an Seminaristen erlebt - der absolute Höchststand an Weihen in der Geschichte des Landes betrug 900 im Jahr 1995.
In Polen leben ca. 33 Millionen Katholiken.
In Deutschland werden heuer 30 Männer zu Priestern geweiht.
In Deutschland leben ca. 19 Millionen Katholiken.
In Österreich werden heuer 19 Männer zu Priestern geweiht.
In Österreich leben ca. 4,5 Millionen Katholiken.
Bericht: 388 Mio. Christen von Verfolgung betroffen
Weltweit waren Anfang 2026 rund 388 Millionen Christinnen und Christen von Verfolgung und Diskriminierung betroffen. Das geht aus dem soeben veröffentlichten Monitoringbericht 01/2026 zur Verfolgung religiöser Minderheiten hervor, der vom Bundeskanzleramt bzw. der zugeordneten Stabstelle „Internationaler Schutz verfolgter religiöser Minderheiten" verantwortet wird. Näher ausgeführt wird im Bericht die Lage in ausgewählten Staaten in Asien bzw. im Nahen Osten. Der Bericht solle zur Sensibilisierung, zur fachlichen Einordnung und zur weiteren Befassung mit dem internationalen Schutz verfolgter religiöser Minderheiten beitragen, so Daniel Soudek, Leiter der Stabstelle.
So bleibt laut Bericht etwa die Lage religiöser Minderheiten in Syrien, Irak und Iran weiterhin sehr angespannt. In Syrien gebe es zwar keine flächendeckende staatliche Verfolgung, doch lokale Konflikte, extremistische Gewalt und strukturelle Diskriminierung schränkten besonders Christen und andere Minderheiten in ihrer Religionsfreiheit ein. Im Irak bedrohten vor allem Milizen, terroristische Restgruppen, rechtliche Einschränkungen und mangelnder staatlicher Schutz religiöse Minderheiten, „was Unsicherheit und Abwanderung verstärkt", wie es heißt.
Im Iran würden insbesondere Konvertiten durch das „theokratisch-autoritäre Regime" systematisch verfolgt. Religionswechsel würden kriminalisiert, Betroffene überwacht und hart bestraft. Politische Krisen und militärische Konflikte verschärften die Repression zusätzlich und begrenzen die Religionsfreiheit massiv.
Gebetsstätte für verfolgte Christen in Norwegen eröffnet
In der norwegischen Hauptstadt Oslo ist eine neue Gebetsstätte für verfolgte Christen eröffnet worden. Die Einrichtung in der katholischen Johanneskirche wurde vergangenes Wochenende von Oslo-Bischof Fredrik Hansen unter das Patronat „Mariens, Mutter der verfolgten Christen" gestellt. Sie ist laut einem Bericht der US-Plattform „National Catholic Register" die achte Gebetsstätte dieser Art weltweit und die zweite in Skandinavien.
Papst ruft am Grab des heiligen Augustinus zu Mut und Nächstenliebe auf
Leo XIV. hat am 20. Juni das Grab des heiligen Augustinus im norditalienischen Pavia besucht. Der Papst, seit rund 50 Jahren Mitglied des Augustinerordens, erinnerte die Menschen vor der Basilika der Universitätsstadt an die Botschaft der Nächstenliebe von Augustinus wie auch von Jesus Christus: "Mögen wir alle wahrhaftig dieses Zeichen der Liebe und Nächstenliebe in der Welt leben. Mögen wir lernen, Vergebung, Versöhnung und Frieden zu leben", so der Papst in einem Gruß an die Menschenmenge.
In seiner Predigt beim anschließenden Wortgottesdienst in der Basilika San Pietro Ciel d'Oro ermutigte er die Kirche von Pavia, sich Herausforderungen zu stellen, ohne sich von Schwierigkeiten der Glaubensweitergabe in einem säkularisierten Umfeld entmutigen zu lassen. Um nicht „in eine negative und pessimistische Haltung zu verfallen, die unfähig ist, neues Leben hervorzubringen", gelte es, stets mit Christus verbunden zu bleiben und sich nicht mit Nebensächlichkeiten zu verzetteln.
Anschließend betete er vor den sterblichen Überresten des Kirchenvaters Augustinus, die seit rund 1.300 Jahren in der kleinen Basilika aufbewahrt werden. Der heutige Papst, 1955 in Chicago als Robert Francis Prevost geboren, war von 2001 bis 2013 Prior des weltweiten Augustinerordens.
Foto: Vatican Media.
Castel Gandolfo soll Denkfabrik werden
Touristen kennen Castel Gandolfo vor allem als Urlaubsort von Päpsten. Doch wenn es nach Leo XIV. geht, wird das beschauliche Bergstädtchen außerhalb von Rom auch zu einem „Thinktank“, einer Denkfabrik, berichtet Vatican News.
Bei einer Audienz im Vatikan stellte sich der Papst hinter das Projekt, im sogenannten „Borgo Laudato si‘“ von Castel Gandolfo regelmäßig Vordenkerinnen und Vordenker aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammenzubringen: Unternehmen, internationalen Organisationen, Wissenschaft, Kunst, Zivilgesellschaft und natürlich Kirche.
Papst: Es gibt genug Nahrung für alle, doch man „nährt" lieber Kriege
Papst Leo XIV. hat den Teufelskreis zwischen Kriegen, Ernährungskrisen und Migration verurteilt. Vielen Menschen sei nicht bewusst, dass Hunger häufig Ursache für Konflikte sei, die wiederum mehr Hunger verursachten, was in vielen Teilen der Welt zu immer größeren Schwierigkeiten führe, sagte er am Montag in Rom. Dabei hätte die Nahrungsmittelindustrie heute genug Kapazitäten, um alle Menschen zu ernähren.
„Doch allzu oft fließen die Mittel in die Schürung von Kriegen und Konflikten; die Folge ist, dass der Hunger in einigen Teilen der Welt sogar noch zunimmt", beklagte der Papst bei einem Besuch am Sitz des UN-Welternährungsprogramms WFP. Auch die weltweite Migrationskrise sei oft Folge von Konflikten und extremen Hungersnöten, „die Menschen dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen - nicht aus freiem Willen, sondern weil sie es müssen, um zu überleben", gab er zu bedenken.
800 Priester des Neokatechumenats nach Italien-Mission beim Papst
Mit einer besonderen Begrüßung hat Papst Leo XIV. am Mittwoch rund 800 Priester des Neokatechumenalen Weges empfangen, die nach einer viertägigen Evangelisierungsmission in italienischen Pfarren an der Generalaudienz auf dem Petersplatz teilnahmen. Die Priester stammten überwiegend aus den 37 diözesanen Missionsseminaren „Redemptoris Mater" in Nord-, Mittel- und Südamerika und waren gemeinsam mit ihren Ausbildern und Katechisten zu einem internationalen Treffen in Italien versammelt.
Vorausgegangen war ein mehrtägiges Treffen in Porto San Giorgio an der Adriaküste. Von dort aus wurden die Priester jeweils zu zweit für vier Tage in Pfarreien in ganz Italien ausgesandt, um das Evangelium zu verkünden. Nach Angaben der Organisatoren erfolgte die Mission bewusst "ohne Geld, ohne Tasche und ohne Mobiltelefon" in Anlehnung an die Aussendung der Jünger im Lukasevangelium. Ziel sei es gewesen, auf die Vorsehung Gottes und die Gastfreundschaft der Menschen zu vertrauen. Viele Priester berichteten nach ihrer Rückkehr von unerwarteten Begegnungen und einer großen Offenheit in den besuchten Gemeinden.
Kurznachrichten
Leo XIV. hat die Kardinäle zur Mitarbeit bei der Leitung der Kirche ermuntert. Er äußerte sich an diesem Freitag zum Auftakt einer großen Kardinalversammlung im Vatikan, eines sogenannten außerordentlichen Konsistoriums.
USA. Eine Mehrheit der US-Amerikaner wünscht eine Darstellung der biblischen Zehn Gebote in öffentlichen Schulen. Unter Befragten, die den regierenden Republikanern unter Präsident Donald Trump nahestehen, befürworteten das 77 Prozent; bei Demokraten waren es 38 Prozent, wie das Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center in Washington mitteilte. Im Bevölkerungsschnitt lag die Zustimmung bei 57 Prozent.
Großbritannien. Dem katholischen Bischof von Northampton in England, David James Oakley, wird die Vergewaltigung einer Minderjährigen vorgeworfen. Laut britischen Medienberichten haben die zuständigen Behörden in der Grafschaft Staffordshire nach Ermittlungen Anklage gegen den 70-Jährigen erhoben.
Im Sudan ist der katholische Priester Youhanna Al-Amin getötet worden. Der Pfarrer betreute seit mehr als 30 Jahren die Gemeinde in Kauda in den Nuba-Bergen und war trotz der eskalierenden Gewalt in der Region bei den Gläubigen geblieben. Nach Angaben des Hilfswerks Kirche in Not wurde Al-Amin am 19. Juni gemeinsam mit zwei weiteren Personen ermordet. Lokalen Quellen zufolge könnte die Tat ein Vergeltungsakt gewesen sein, nachdem der Geistliche den Diebstahl von Medikamenten angezeigt hatte, die für die Bevölkerung bestimmt waren.
Ukraine. Nachdem das Kiewer Höhlenkloster (Lawra) bei einer Welle schwerer russischer Luftangriffe auf die Ukraine getroffen wurde, sollen die Schäden möglichst rasch behoben werden. Laut einem Bericht werden die Schäden auf 40 Millionen Euro geschätzt.
Kenia. Nach dem Angriff auf eine zivilgesellschaftliche Versammlung in der anglikanischen All Saints Cathedral in Nairobi haben die katholischen Bischöfe Kenias vor einer Eskalation politisch motivierter Gewalt gewarnt und gefordert, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Bosnien-Herzegowina. Mit liturgischen Feiern, einem Friedensmarsch und einer Festprozession mit einer Marienstatue ist am Donnerstag unter der Teilnahme Zehntausender Pilger aus aller Welt in Medjugorje der 45. Jahrestag der ersten Marienerscheinungen begangen worden.
Deutschland. Ein erster Untersuchungsbericht erhärtet einige der Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Essener Bischof und Kardinal Franz Hengsbach (1910-1991).
Deutschland. Wenn Fußballer nach einem Spiel gemeinsam beten, ist das aus Sicht von Außenminister Johann Wadephul (CDU) auch ein wichtiges Zeichen für eine freie Gesellschaft. Diese erkenne man nicht daran, dass der Glaube unsichtbar werde, sondern daran, dass er sichtbar gelebt werden könne.
Österreich
Österreich. Insgesamt 49.026 Stimmen konnten für das Volksbegehren „Karfreitag-Feiertag für Alle" gesammelt werden, wie das Innenministerium bekanntgegeben hat.
In Wien wurde am Donnerstag das erste Mutter-Kind-Haus Österreichs für haftentlassene Frauen eröffnet. Dabei handelt es sich um das Mutter-Kind-Haus Justitia Collegialität der St. Elisabeth-Stiftung der Erzdiözese Wien. Die feierliche Eröffnung nahmen Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ), der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl und die St.-Elisabeth-Stiftung-Geschäftsführerin Nicole Meissner gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Justiz, Sozialarbeit und Zivilgesellschaft vor.
Steiermark. 40 Prozent der Priester in der Diözese Graz-Seckau sind keine Österreicher. Je neun Prozent stammen aus Polen und Afrika, je sieben Prozent aus Rumänien und Indien, zwei Prozent aus Asien.
Tirol. Der Generalvikar der Diözese Innsbruck, Roland Buemberger, hat Bischof Hermann Glettler ersucht, seine Ämter und Funktionen in der Diözese vorübergehend ruhen lassen zu dürfen und der Bischof hat diesem Ansuchen entsprochen. Mit dieser Vorgangsweise wolle man kirchlicherseits einen weiteren Schritt zur Klärung der Situation setzen, die durch eine Meldung an die diözesane Ombudsstelle ausgelöst worden war. Dabei gehe es um Vorwürfe, die Buemberger betreffen und zeitlich vor seiner Tätigkeit als Generalvikar und Regens liegen. Sie stehen in keinem Zusammenhang mit seiner aktuellen Amtsführung, wurde betont.
Niederösterreich. Nachdem erst vor wenigen Tagen der evangelische Superintendent Michael Simmer (44) angekündigt hat, sein Amt mit September „aus persönlichen, privaten" Gründen vorzeitig aufzugeben, hat nun auch die Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour (68) angekündigt, ihr ehrenamtliches Leitungsamt nach 15 Jahren zurückzulegen.
Neuer „Missio"-Nationaldirektor
Johannes Laichner, Priester der Diözese Innsbruck, wird neuer „Missio"-Nationaldirektor. Das gab der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Peter Schipka, bekannt.
Er folgt auf den Zisterzienserpater Karl Wallner, der seit 2016 an der Spitze der Päpstlichen Missionswerke in Österreich stand.
Johannes Laichner wurde 1982 in Tirol geboren, er maturierte am Stiftsgymnasium Stams und studierte anschließend an der Universität Innsbruck Katholische Fachtheologie sowie Klassische Archäologie. Nach ersten pastoralen Erfahrungen in mehreren Tiroler Pfarren wurde er 2007 zum Diakon geweiht und absolvierte einen Studienaufenthalt am Collegio Teutonico in Rom.
Seine wissenschaftliche Laufbahn führte ihn zu zwei Promotionen: 2008 in Katholischer Theologie mit Schwerpunkt Sakramententheologie und 2011 in Klassischer Archäologie mit Fokus auf frühchristlicher Archäologie. Am 29. Juni 2008 wurde er im Innsbrucker Jakobsdom zum Priester geweiht.
Foto: Vatican News.
Auch das noch...
Europas evangelische Kirchen und Vatikan setzen Dialog aus
Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und der Vatikan haben ihre Lehrgespräche vorübergehend ausgesetzt. Die Gespräche waren 2018 von der in Basel tagenden Vollversammlung der GEKE beschlossen worden, um auf der Ebene der Leuenberger Konkordie den Dialog mit der katholischen Kirche zu führen.
Mit der Konkordie, einem protestantischen Ökumene-Dokument, hatten 1973 die seit der Reformation getrennten lutherischen und reformierten sowie die aus ihnen hervorgegangenen unierten Kirchen ihre Differenzen überwunden und Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft erklärt. Dabei wurden die unterschiedlichen Lehrmeinungen der Kirchen nicht verworfen. Sie gelten nun allerdings nicht mehr als „kirchentrennend". Später schlossen sich auch die Methodisten der Leuenberger Konkordie an.
Wie die GEKE und der Vatikan in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten, bedeute die Pause „nicht das Ende des Dialogs." Sie solle dazu dienen, die bisherigen Erfahrungen auszuwerten und die Voraussetzungen für eine mögliche Fortsetzung des Dialogs zu klären.
Die Präsidentin der GEKE, die Schweizer Theologin Rita Famos, nannte den Dialog in einem Gespräch mit der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA schwierig. „Denn Rom fragt uns: Wer seid ihr denn? Ihr seid weder lutherisch, noch reformiert, noch methodistisch", so Famos. Die katholische Kirche spricht traditionell eigentlich immer nur mit einem Gegenüber.
Ex-EU-Kommissar Fischler: Europa braucht starke christliche Stimme
Damit Europa auch künftig der lebenswerteste Kontinent bleibt, ist ein starker Beitrag der Kirchen bzw. der Christinnen und Christen unerlässlich. Davon hat sich der frühere EU-Kommissar und österreichische Landwirtschaftsminister Franz Fischler überzeugt gezeigt. Er hielt am Dienstagabend in Linz auf Einladung der Linzer „Pro Oriente"-Sektion und der Raiffeisenlandesbank OÖ einen Vortrag, in dem er die Bedeutung der christlichen Werte als Grundlage für Europa betonte und zugleich die christliche Botschaft als „prophetisches Korrektiv" gegen vermeintliche Heilsversprechungen bezeichnete. Im Anschluss an den Vortrag diskutierte Fischler mit dem Linzer Bischof Manfred Scheuer und Sigrid Burkowski, Vorstandsmitglied der Raiffeisenlandesbank, zum Thema.
Im Mittelpunkt des Vortrags von Fischler standen die großen Herausforderungen, vor denen Europa gegenwärtig steht: Klimawandel, Künstliche Intelligenz, Robotik, Biotechnologie und der demografische Wandel. Die Gleichzeitigkeit dieser Entwicklungen sei historisch neu und erfordere neue Formen politischer Steuerung und gesellschaftlicher Verantwortung, so Fischler.
Höchste kirchliche Auszeichung Sloweniens für Kärntner „Nedelja"
Die wöchentlich erscheinende Kirchenzeitung der slowenischen Minderheit in Kärnten „Nedelja" ist anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens mit der slowenischen Auszeichnung des Heiligen Kyrill und Method (Odlicje sv. Cirila in Metoda) gewürdigt worden. Die Redaktion um Chefredakteur Vincenc Gotthardt nahm die höchste Ehrung der katholischen Kirche in Slowenien am Dienstag in Ljubljana gemeinsam mit dem Kärntner Bischof Josef Marketz und Herausgeber Janko Kristof aus den Händen von Andrej Saje, dem Vorsitzenden der Slowenischen Bischofskonferenz, entgegen. Chefredakteur Gotthardt dankte bei der Feier für die Ehrung und nannte den Glauben und die slowenische Sprache als Wurzeln der Nedelja.
In ihrer offiziellen Begründung würdigen die slowenischen Bischöfe die Nedelja als „unverzichtbaren Begleiter der Kärntner Slowenen"; über ein Jahrhundert hinweg habe sie deren „Glaube, Sprache und kulturelle Identität" getragen. Besonders hervorgehoben wird die Rolle der Zeitung als Bindeglied. In einem mehrheitlich deutschsprachigen Umfeld sei die Nedelja für viele Kärntner Slowenen „der einzige regelmäßige wöchentliche Zugang zur slowenischen Schriftsprache" geblieben.
Die Zeitung wurde 1926 durch sechs Priester der slowenischen Priestervereinigung "Sodalitas" im Gailtal gegründet, nur sechs Jahre nach der Kärntner Volksabstimmung und inmitten einer Phase schwieriger politischer Bedingungen für die slowenische Volksgruppe. Während der NS-Zeit war die Zeitung verboten, nach 1945 erschien sie aber erneut als slowenische Kirchenzeitung der Diözese Gurk. Heute erreicht sie rund 2.600 Abonnentinnen und Abonnenten und gilt damit als wichtiges Medium für die Kärntner Slowenen mit hoher Reichweite innerhalb der Volksgruppe.
Noch bis Herbst Arbeiten am Riesentor des Wiener Stephansdoms
Seit bald 800 Jahren führt das Riesentor Gläubige, Pilger und Touristen in den Wiener Stephansdom. Nach der letzten Restaurierung vor rund 30 Jahren bedarf der bedeutende romanische Eingangsbereich jetzt bis in den Herbst hinein erneut umfassender Pflegearbeiten - eine Notwendigkeit bei Bauwerken, die über Jahrzehnte hinweg Wind und Wetter ausgesetzt sind, wie Dombaumeister Wolfgang Zehetner im Interview der Nachrichtenagentur Kathpress erklärte. Besonders der am Riesentor verwendete Kalksandstein sei pflegebedürftig.
Sechseinhalb Millionen Stephansdom-Besucher im Jahr passieren das Portal, „das bei mittelalterlichen Kirchen immer eine besonders wichtige Funktion hat", so Zehetner. „Wenn man so will, ist im Inneren der Himmel, das Paradies, und außen ist die böse Welt." Wie bei vielen Kirchen fänden sich an Portalen und Wandmalereien darum Darstellungen des Jüngsten Gerichts. „Und die Botschaft ist natürlich: Wer beim Jüngsten Gericht besteht, der kommt ins Paradies, und die anderen bleiben draußen."
Seligsprechung in Vietnam vor 70.000 Gläubigen
Zur Seligsprechung des Geistlichen Francis Xavier Truong Buu Diep (1897-1946) rechnet die Kirche mit mehr als 70.000 Teilnehmern.
Der Priester, der für seine Arbeit in armen, ländlichen Gebieten bekannt war, wird am 2. Juli im Wallfahrtsort Tac Say seliggesprochen, wo er auch begraben ist. Papst Leo schickt dazu den philippinischen Kurienkardinal Luis Antonio Tagle. Die Veranstalter wollen ein fünf Hektar großes Gelände nutzen und Großbildschirme aufstellen.
Diep wirkte im Mekong-Delta sowie in einem Landesteil, der heute zu Kambodscha gehört. Während des sogenannten Indochina-Kriegs blieb er trotz der Gefahr bei den ihm anvertrauten Gläubigen und wurde von japanischen Soldaten getötet. Seine Verehrung reicht weit über die katholische Gemeinschaft Vietnams hinaus. Dementsprechend betont der zuständige Generalvikar Peter Vu Van Hai, dass die Feiern zur Seligsprechung „offen für alle“ sein werden.
Immer bessere Beziehungen Vietnams zum Vatikan
Die katholische Kirche in Vietnam wirkt in einem politisch restriktiven Umfeld. Obwohl rund sieben Millionen Katholiken ihren Glauben offen praktizieren und die Kirche über ein dichtes Netz von Diözesen, Pfarren und Bildungseinrichtungen verfügt, unterliegen religiöse Gemeinschaften einer staatlichen Kontrolle durch die kommunistische Führung. Zugleich haben sich die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Vietnam in den vergangenen Jahren spürbar verbessert. Seit 2023 verfügt der Vatikan über einen ständigen Vertreter im Land, wenngleich noch keine vollen diplomatischen Beziehungen bestehen.
Foto. Vatican News.