JA 

die neue Kirchenzeitung

19. September 2021 

 

Freuden- und Alarmglocken 

Die katholische Kirche stellt immer wieder anderen christlichen Konfessionen Gotteshäuser zur Verfügung, ja verschenkt sie sogar – so vor zehn  Jahren die Wiener Pfarrkirche Neulerchenfeld an die serbisch-orthodoxe Kirche. 
Dieser Tage sorgt eine andere Schenkung für Aufsehen: Mit der Minoritenkirche ging eine der ältesten und bedeutendsten Kirchen Wiens an dem Papst nicht untergeordnete Christen – an die Piusbruderschaft. 
Schenker war nicht der Erzbischof, sondern eine alte hier beheimatete Laienorganisation. Die Erzdiözese wusste davon nichts und war nicht eingebunden. Die Bruderschaft jubelt. Völlig zurecht.

 

Im Fall von Lerchenfeld freute es Kardinal Schönborn zu wissen, dass das Gotteshaus an eine Schwesterkirche übergeben wurde, mit der die Katholiken fast alle Glaubensüberzeugungen teilen. 

Entscheidend sei, sagte er, dass das Evangelium verkündet und die Eucharistie gefeiert werde. Ähnliches gilt jetzt wohl auch für die Piusbrüder. 
Und doch dürfte diese  Übergabe auch Kummer auslösen. Mitten in Europa schenkten italienische Katholiken ihr monumentales Gotteshaus einer Gemeinschaft, die dem jetzigen italienischstämmigen Papst und seinem Kurs ablehnend, ja feindselig gegenüber steht. Im Herzen der Diözese eines großen Franziskus-Freundes. Ein unübersehbares Menetekel.
Wenn jetzt weltweit keine Alarmglocken läuten, ist den einfach gestrickten  und wenig vernetzten „Reformfreunden“ nicht mehr zu helfen. 
Ihrem Franziskus-Enthusiasmus könnte bald  Frustration folgen.          P. Udo 

Taliban zeigen das wahre Gesicht
12.000 konvertierten Christen droht die Ermordung 

Wie die noch amtierende Botschafterin Bakhtari von Afghanistan in der ZIB2 vom Dienstag sagte: Das sind Terroristen. Genau das stellen die Taliban-Führer der sogenannten „Regierung“ des Landes täglich unter Beweis.
Das zeigt auch ein Vorfall vom Mittwoch. Fahima Rahmati ist Ärztin und leitet in der Provinz Kandhar eine Wohltätigkeitsstiftung, die armen Familien hilft. Sie berichtet in einem Videoclip, dass ihr Haus von den Taliban gestürmt und sie zusammen mit ihren Familienmitgliedern und einem Nachbarn schwer geschlagen worden sei.
Neben der generellen Sorge um Grundrechte für Frauen steigt auch die Sorge um die christliche Minderheit. In den internationalen Medien war nach dem Fall der Hauptstadt Kabul Mitte August noch vereinzelt zu lesen, dass die wenigen Christen im Land aufgefordert wurden, vorerst zu Hause zu bleiben und sich ruhig zu verhalten, um nicht ins tödliche Visier radikaler Islamisten zu geraten. Seitdem ist es um die bedrängte christliche Minderheit Pakistans still geworden.
Christenverfolgung: Die Politik schweigt
„Die Taliban haben zwar eine Generalamnestie ausgerufen. Erste Schreckensmeldungen lassen aber befürchten, dass die neuen Machthaber Afghanistans die kleine christliche Minderheit gnadenlos aufspüren und verfolgen wollen. Schockierend ist, dass weder von nationaler und europäischer Politik noch von der internationalen etwas zum Schutz der Christen zu hören ist“, kritisiert Elmar Kuhn, Generalsekretär der ökumenischen Menschenrechts-Organisation Christen in Not.
12.000 konvertierten Christen droht die Ermordung durch Familienangehörige
Die wenigen Christen Afghanistans…
… leben in völliger Isolation, werden laufend überwacht, bedroht und verfolgt. Ihre Zahl wird auf rund 10.000 bis 12.000 geschätzt bei einer muslimischen Mehrheitsbevölkerung von mehr als 35 Millionen. „Da die meisten Christen aus dem Islam konvertiert sind, gelten sie in der muslimischen Bevölkerung als Verräter und müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Oft werden sie sogar von Angehörigen ermordet, um so die Ehre der betroffenen Familie wieder herzustellen,“ ergänzt Kuhn und warnt gleichzeitig davor, zum Christentum konvertierte Afghanen in ihre Heimat abzuschieben. Dies käme einem sicheren Todesurteil gleich.
Foto: Fahima Rahmati (Copyright ChristeninNot)

Minoritenkirche: Eine der bedeutendsten Gotteshäuser Wiens untersteht jetzt nicht mehr Kardinal Schönborn

Die Wiener Minoritenkirche, eine der bedeutendsten Kirchen der Bundeshauptstadt ist jetzt im Eigentum der „Priesterbruderschaft St. Pius“ (FSSPX). Am 29. Juni hat sie das Gotteshaus von der bisherigen Eigentümerin, der „Italienischen Kongregation Maria Schnee“, geschenkt bekommen.
„Die Erzdiözese Wien war in diese Transaktion nicht eingebunden und wurde darüber auch nicht vorab informiert", sagte deren Pressesprecher Michael Prüller.
Eine der ersten gotischen Kirchen Ostösterreichs
Die Minoriten  wurden 1224 von Herzog Leopold VI:. nach Österreich gerufen und gründeten das Wiener Minoritenkloster. Nach dem Stadtbrand von 1275 wurde von König Ottokar Premysl  der Grundstein für die neue Kirche des Minoritenklosters gelegt. Sie war eine der ersten gotischen  Kirchen im ostösterreichischen Raum. Nach Ottokars Tod in der Schlacht auf dem Marchfeld  wurde er hier dreißig Wochen aufgebahrt.
Italienische Nationalkirche
1782 siedelte Joseph II. die Minoriten in die ehemalige Kirche der Weißspanier, die Alserkirche, ab. Die Minoritenkirche wurde im folgenden Jahr auf Betreiben des Monarchen Eigentum der Italienischen Kongregation Maria Schnee und somit zur italienischen Nationalkirche in Wien.
Die Italienische Kongregation ist eine katholische Laienkongregation und wurde 1625 als eine marianische Kongregation der Italiener in Wien gegründet.
„Nach der nunmehr erfolgten Übergabe der Minoritenkirche an die mit der katholischen Kirche im Konflikt stehende Piusbruderschaft kann dieser Stiftungszweck wohl nicht mehr erfüllt werden", führte der Sprecher der Erzdiözese weiter aus.
Piusbruderschaft erkennt Kardinal Schönborn nicht als Vorgesetzten an
In Wien leben derzeit rund 13.500 Menschen, die in Italien geboren wurden - fast doppelt so viele wie zur Zeit Kaiser Josefs II. „Ihre Seelsorge ist ungefährdet: Die Erzdiözese hat die reguläre Seelsorge der sehr lebendigen italienischen, katholischen Gemeinde schon vor einigen Monaten in die Pfarrkirche in der Alservorstadt verlegt und garantiert damit eine ruhige und gedeihliche Weiterführung ihrer Tätigkeit", hielt der Sprecher von Kardinal Schönborn fest und sagte: „Über das weitere Geschehen in der Minoritenkirche hat die Erzdiözese keinen Einfluss und keine Aufsicht, da die Piusbruderschaft den regulären Bischof nicht als Vorgesetzten anerkennt."
Die Piusbruderschaft…
… schildert auf ihrer Website, wie es zur Übernahme der Kirche im Zentrum Wiens gekommen ist. Demnach habe man im November 2020 von der Präfektin der Congregazione Italiana das überraschende Angebot bekommen, die Kirche zu übernehmen. Bei der Generalversammlung der italienischen Kongregation am 20. Mai wurde schließlich die Schenkung an die Piusbruderschaft beschlossen und bereits am 25. Mai notariell unterzeichnet.
„Unsere Gebete wurden nicht nur erhört, sondern übererfüllt“
Auf der Website der Piusbruderschaft wird über den ersten Festgottesdienst mit 1.000 Gläubigen berichtet: „Sechs Jahre hatte die Wiener Gemeinde der Piusbruderschaft dafür gebetet, eine Kirche in repräsentativer Lage erwerben zu können. Nun wurden die Gebete nicht nur erhört, sondern übererfüllt. Mit der Entscheidung der Italienischen Kongregation, ihre altehrwürdige Kirche in das Eigentum der Piusbruderschaft übergehen zu lassen, ist die Gemeinschaft in den Besitz einer der bedeutendsten Kirchen Wiens gekommen – nahe dem Wiener Ballhausplatz und damit nur wenige Meter vom politischen Zentrum Österreichs entfernt.
Am 12. September, dem Fest Mariä Namen, feierten die Patres der Piusbruderschaft mit ihren Gläubigen nun die erste öffentliche Heilige Messe in der Minoritenkirche. Pater Waldemar Schulz, der mehr als 20 Jahre lang als Prior in Wien gewirkt hat, zelebrierte. In seiner Predigt erwähnte er die langjährigen Bemühungen des Priorats St. Klemens Maria Hofbauer und des Distrikts Österreich um eine eigene Kirche. Nun war es soweit. Und im Anschluss an die Messe fand eine atemberaubende Prozession statt. Rund 1.000 Gläubige – mehr als je zuvor – folgten der Prozession über den Wiener Ballhausplatz, Kohlmarkt und Graben vorbei am weltbekannten Stephansdom und zurück über die Wollzeile zur Minoritenkirche. Bei schönstem Wetter und vor großem Publikum legten die Gläubigen ein großartiges Zeugnis für den Glauben ab, beteten den Rosenkranz und sangen unter Begleitung der Kapelle „Die Kaiserjäger“-Lieder zu Ehren der Gottesmutter. Das scheint auf die Umstehenden einen tiefen Eindruck gemacht zu haben. Beim Anblick der Prozession wurden viele still, manche schlossen sich der Prozession sogar an. Am Ende erneuerten in der Minoritenkirche über 1.000 Menschen die Weihe Österreichs an die Gottesmutter.“
Fotos: Piusbruderschaft Österreich.

Salzburger Nachrichten: Die Finanz lässt bei Ermittlungen gegen Bischof Schwarz nicht locker

Die Finanzstrafbehörde gibt sich mit der Einstellung der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Bischof Alois Schwarz wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung nicht zufrieden. Macht die Anklagebehörde nicht selbst weiter, muss erstmals ein Richtersenat den Fall prüfen, berichteten die „Salzburger Nachrichten“ am 17. September.

Und weiter: „Die Finanzbehörden in Kärnten wollen erreichen, dass der nach Niederösterreich versetzte Bischof Alois Schwarz doch noch wegen Steuerhinterziehung in seiner Amtszeit in Kärnten angeklagt wird und sich vor Gericht verantworten muss. Die Finanzstrafbehörde brachte deshalb einen Fortführungsantrag bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ein, wie die Anklagebehörde am Donnerstag auf SN-Anfrage bestätigte. Von der Finanz war keine Auskunft zu erhalten.

Dieses Strafverfahren war im August nach monatelanger Prüfung durch die Oberstaatsanwaltschaft und das Justizministerium eingestellt worden. Es geht um 150.000 Euro. Das Bistum Gurk der katholischen Kirche Kärnten hatte 2019 Selbstanzeige erstattet. Nach dem Abgang des langjährigen Oberhirten Schwarz nach St. Pölten hatten sich der interimistische Administrator Engelbert Guggenberger und das Klagenfurter Domkapitel zu dem spektakulären Schritt entschlossen. Sie waren zum Schluss gekommen, dass 2013 beim Verkauf von drei Wohnungen am Wörthersee in Pörtschach um 1,5 Millionen Euro eben zu wenig Körperschaftssteuer bezahlt wurde. Käuferin war damals eine Stiftung der Industriellenfamilie Glock. In zeitlicher Nähe spendete eine andere Stiftung der Waffenproduzenten dem Bundesdenkmalamt 600.000 Euro für die Renovierung des Stiftes Gurk. Die WKStA hatte letztlich Bedenken, die Steuerhinterziehung beweisen zu können, wie die Behörde Ende August gegenüber den SN als Begründung für die Einstellung des Verfahrens erklärte. Die Finanzstrafbehörde, die in dem Fall Privatbeteiligte ist, kam auf Basis des Akteninhalts offensichtlich zur gegenteiligen Ansicht.

Ein Fortführungsantrag ist bei strafrechtlichen Ermittlungen möglich, wenn das Opfer einer Straftat - bei Steuerhinterziehung eben die Finanz - mit der Einstellung der Ermittlungen gegen den oder die Beschuldigten nicht einverstanden ist.“

Mariazell: Weniger Wallfahrtsgruppen, aber mehr Individualpilger

Eine durchwachsene Bilanz der zu Ende gehenden zweiten Pilger- und Wallfahrtssaison unter Coronavorzeichen hat der Mariazeller Superior P. Michael Staberl gezogen. „Es waren wesentlich weniger Pfarrgruppen, wesentlich weniger Priester, aber mehr Individualpilger in Mariazell", so P. Staberl auf Kathpress-Anfrage. Auch der Gottesdienstbesuch im August und September war an Wochentagen sehr hoch", berichtete der Superior, der betonte: „Der Bezug der Menschen zu Mariazell war während der Pandemie spürbar und die Freude vieler Menschen bei der Wallfahrt ist auch merkbar."
Verschiedene große Wallfahrten - wie jene der Burgenlandkroaten, des Bauernbunds, des Seniorenbunds, der Landjugend oder der Polizei - wurden wieder aufgenommen und hätten über „sehr gute Corona-Konzepte" verfügt, so Staberl. Andere - insbesondere internationale - Wallfahrergruppen würden aber noch abwarten: „Die ungarischen, tschechischen, slowakischen, polnischen und kroatischen Pilgergruppen fehlen noch weitgehend. Die große Ungarnwallfahrt Anfang Oktober wurde beispielsweise wieder abgesagt", so der Benediktinerpater.
In den letzten Tagen…
… sind Scharen von Pilgern nach Mariazell gekommen:
10. September: 800 Teilnehmer der Burgenländischen Polizeiwallfahrt.
12. September: 1.100 Gläubige am Fest Mariä Namen.
14. September: 1.500 Mitglieder des Österreichischen Seniorenbundes.
 

Schulbrüder „erleichtert" über Urteil im Raubüberfall-Prozess

Erleichtert über das Urteil gegen einen Mann, der Ende 2018 einen brutalen Raubüberfall auf die von den Schulbrüdern betriebene Kirche Maria Immaculata in Wien-Strebersdorf verübt hat, haben sich Vertreter der betroffenen Ordensgemeinschaft geäußert. Auch wenn das Verfahren noch nicht ganz abgeschlossen ist - das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da der Verurteilte um Bedenkzeit bat - sei man „froh, dass es vorbei ist", erklärte Bruder Peter Wiehart, Leiter des Sektors Austria der Schulbrüder, am 14. September auf Anfrage von Kathpress.
Am Tag zuvor war in der Causa der beschuldigte 49-jährige Kroate im Wiener Landesgericht für Strafsachen wegen schweren Raubes, Freiheitsentziehung und schwerer Nötigung von einem Schöffensenat zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Verurteilte sei „im Wesentlichen tatsachengeständig" gewesen, teilte ein Sprecher des Gerichts mit. Dies hätten die Schöffen mildernd angesehen. Erschwerend kam hingegen hinzu, dass der Mann bereits vor zwei Jahrzehnten in Deutschland wegen einer Geiselnahme mit schwerem Raub und Körperverletzung sieben Jahre Haft ausgefasst hatte.
Brutaler Überfall
Bei dem Überfall auf die zur De-La-Salle-Schule gehörenden Gebäude waren fünf Geistliche brutal durch Tritte und Schläge mit einer Eisenstange zu Boden gebracht und in einem angrenzenden Büroraum weiter misshandelt worden. Alle Opfer wurden gefesselt und geknebelt und fünf Schulbrüder schwer verletzt, wobei sich einer von ihnen sogar über Monate in Lebensgefahr befand. Wie Bruder Wiehart erklärte, gebe es bei den Opfern keine bleibenden Schäden. Nach dem Überfall wurden verstärkte Sicherheitsvorkehrungen in der Kirche - darunter eine Glaswand im Eingangsbereich - eingerichtet.
Hass auf die katholische Kirche
Der Täter hatte bei seinem Überfall eine Waffe, Bargeld, ein iPad, eine Kamera und Festplatten erbeutet. Er wurde erst nach langen Ermittlungen, die auch die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY", beschäftigte, infolge einer DNA-Spur in Kroatien von Fahndern festgenommen und Anfang Juni an die österreichische Justiz ausgeliefert. Bei seiner Einvernahme gab er an, aus „Hass auf die katholische Kirche" gehandelt zu haben. Er habe einen angeblichen Missbrauchsfall bei den Schulbrüdern aufdecken wollen, der vor einigen Jahren für Schlagzeilen gesorgt habe. Einen persönlichen Bezug zu den Wiener Schulbrüdern habe er nicht. 
Die Kongregation der Schulbrüder wurde 1680 vom hl. Johannes Baptist de La Salle gegründet und ist seit 1857 in Österreich aktiv. 

100.000 jubelten dem Papst bei Festmesse in Budapest zu
Corona-bedingt nur 110.000 bei Feiern in der Slowakei

Die 34. Auslandsreise des 84-Jährigen Papstes führte Franziskus für sieben Stunden nach Ungarn und für drei Tage in die Slowakei.
Zu Beginn seines Besuches in Budapest ist Papst Franziskus am Sonntagmorgen, 12. September, mit Ministerpräsident Viktor Orban (Calvinist) und Staatspräsident Janos Ader (Katholik) zusammengetroffen. Themen des Gesprächs im Museum der Schönen Künste seien die Rolle der Kirche im Land, Engagement für Umweltschutz sowie Verteidigung und Förderung der Familie gewesen, teilte der Vatikan anschließend mit. Das zwischen Orban und Franziskus umstrittene Thema Migration wurde demnach ausgeklammert.
Ungarns Regierung…
… hat sich beim Gespräch mit Papst Franziskus nach Aussage des stellvertretenden Ministerpräsidenten Zsolt Semjen über Attacken aus Brüssel beschwert: „Wir mussten darauf hinweisen, dass wir wegen unserer Maßnahmen zum Schutz der Familie - ich denke hier an LGBTQ-Themen - von Brüssel aus angegriffen werden".
Der Papst habe daraufhin gesagt, „dass die Familie aus Vater, Mutter und Kind besteht, Punkt", sagte der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Volkspartei KDNP weiter. Auch sei das Kirchenoberhaupt weiter „sehr erfreut darüber, dass die Zahl der Abtreibungen zurückgegangen und die Zahl der Eheschließungen gestiegen ist", so der Politiker.
Orban veröffentlichte zu der Begegnung mit dem obersten Repräsentanten der katholischen Kirche nur einen einzigen Satz. „Ich habe Papst Franziskus gebeten, das christliche Ungarn nicht untergehen zu lassen", schrieb er auf Facebook und schenkte dem Papst das Faksimile eines Briefes von König Bela IV., der Papst Innozenz IV. vor einer Tartaren-Invasion warnte.
Die katholischen Bischöfe Ungarns…
… hat der Papst eindringlich zu Öffnung und Dialog aufgerufen. Bei einem Treffen am Sonntagmorgen in Budapest sagte er, angesichts kultureller, ethnischer, politischer und religiöser Unterschiede gebe es zwei Haltungen: „Entweder verschließen wir uns in einer starren Verteidigung unserer sogenannten Identität, oder wir öffnen uns auf die Begegnung mit dem Anderen und kultivieren gemeinsam den Traum einer geschwisterlichen Gesellschaft."
Abschlussmesse zum Eucharistischen Weltkongress
Mit rund 100.000 Teilnehmern hat Papst Franziskus Sonntagmittag die Abschlussmesse zum Eucharistischen Weltkongress auf dem Budapester Heldenplatz gefeiert. Der Papst warnte die Gläubigen in seiner Predigt vor Triumphalismus und falschen Gottesvorstellungen. An der Abschlussmesse des 52. Eucharistischen Weltkongresses in Budapest nahmen gut 100.000 Menschen teil, darunter Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban und Staatspräsident Janos Ader, aber auch das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, sowie Vertreter anderer Konfessionen. Aus Österreich nahmen u.a. der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics, der St. Pöltner Weihbischof Anton Leichtfried und der Salzburger Weihbischof Hansjörg Hofer teil; weiters auch Caritas-Präsident Michael Landau.
Drei Tage in der Slowakei
In der Slowakei, wo sich der Papst seit Sonntagnachmittag aufhielt, war die Atmosphäre weniger spannungsgeladen. Die sozialliberale Präsidentin Zuzana Caputova lobte ihren Gast in den höchsten Tönen, bezeichnete ihn als „eine der aktuell größten moralischen und spirituellen Persönlichkeiten der Menschheit".
Als Wermutstropfen erwies sich allerdings das geringe Zuschauerinteresse bei den großen öffentlichen slowakischen Papst-Events. Wie im Vorfeld befürchtet ließen sich viele Menschen wegen der von der Regierung vorgegebenen strengen Corona-Schutzregeln von einer Teilnahme abhalten. Ursprünglich hatte man allein in Sastin mit rund 350.000 Teilnehmern gerechnet, am Ende kam ein Bruchteil dessen. Viele Plätze auf dem Feld vor dem Nationalheiligtum blieben am Mittwoch trotz des gesetzlichen Feiertags frei.
Für die Gottesdienste und öffentlichen Auftritte von Papst Franziskus während seines bis Mittwoch dauernden Besuchs in der Slowakei hatten sich insgesamt mehr als 100.000 Menschen angemeldet.
Papst ruft zu Kreativität auf
Der Papst hat die Katholische Kirche in der Slowakei aufgerufen, Freiheit zu geben, kreativ zu sein und sich dem Dialog zu stellen. Statt übertriebener Sorge um sich selbst oder um das Ansehen in der Gesellschaft sei die Frage wichtiger, was die Menschen von der Kirche erwarten, so Franziskus bei einer Rede vor Bischöfen, Priestern und Ordensleuten am Montag in der Martins-Kathedrale von Bratislava.
Wenn die Kirche „keinen Raum für das Abenteuer der Freiheit lässt, auch nicht im geistlichen Leben", warnte der Papst, laufe sie "Gefahr, zu einem starren und abgeschlossenen Ort zu werden"
Solidarität und Geschwisterlichkeit
Das Konjunkturpaket der EU und der damit erhoffte wirtschaftliche Aufschwung genügen laut Papst Franziskus nicht allein, damit ein Land nach der Pandemie wieder auf die Füße kommt. Ebenso wichtig seien Solidarität und Geschwisterlichkeit, sagte der Papst Montagfrüh am Beginn seines ersten vollen Besuchstag  (13. September) in der Slowakei im Garten des Präsidentenpalastes in Bratislava vor 250  Vertretern aus Politik, Diplomatie und Zivilgesellschaft.
Allerdings gibt es bislang kaum prominente Kommentare zu den Aussagen von Franziskus. Zu den wenigen gehört der von Frantisek Miklosko, zu kommunistischen Zeiten einer der wichtigsten kirchlichen Dissidenten des Landes und später Parlamentspräsident in Bratislava. Sein Wort hat noch immer Gewicht.
Nach der Prüfung der Verfolgung wartet jetzt die Prüfung der Freiheit
Miklosko schreibt lobend in der konservativen Zeitung „Postoj": „Ich wage zu behaupten, dass wir Slowaken noch nie eine Rede gehört haben, die jener des Heiligen Vaters im Präsidentengarten ähnelte." Der Papst habe „uns gezeigt, wie man Tradition begreift und sich gleichzeitig öffnet". Miklosko zitierte Franziskus mit den Worten: „Sie haben die Verfolgung überlebt, Sie haben die Prüfung bestanden. Jetzt wartet die Prüfung der Freiheit."
Am 13. September…
… hat sich der Papst auch in einer Sozialstation in Bratislava über die Arbeit von Mutter-Teresa-Schwestern informiert und  das Bethlehem-Zentrum in einem Hochhausviertel im Stadtteil Petrzalka am rechten Donauufer besucht.
Bei einer Begegnung mit der jüdischen Gemeinde und einem Überlebenden des Holocausts am Montagabend hat Papst Franziskus dem Antisemitismus erneut eine scharfe Absage erteilt.
14. September
Franziskus blieb auch am Dienstagvormittag in Presov bei einem großen Gottesdienst mit 40.000 Menschen unbeirrt bei seinem Plädoyer für mehr „Geschwisterlichkeit" in allen gesellschaftlichen Fragen.
Mit seinem Besuch in einer der größten Roma-Siedlungen Europas am Stadtrand des ostslowakischen Kosice hat Papst Franziskus danach einen eigenen Akzent gesetzt. Auf einem Platz zwischen den Plattenbauten rief der Papst den Menschen der Siedlung zu: „Niemand halte euch oder jemand anderen von der Kirche fern."
Papst Franziskus hat junge Menschen zu „Liebe und Heldenmut" aufgefordert. Beides gehöre zusammen, um das Leben großartig zu machen, sagte er am Dienstagabend bei einem Treffen mit rund 20.000 Menschen im Lokomotiva-Stadion der ostslowakischen Metropole Kosice.
15. September
Zum Abschluss seiner Slowakei-Reise hat Papst Franziskus die Gläubigen des Landes für ihre Frömmigkeit gelobt, sie aber gleichzeitig aufgefordert, sich nicht mit Ritualen oder alten Traditionen zu begnügen. Auch die Slowakei brauche Gläubige als Propheten, die nach dem Vorbild Jesu „Zeichen des Widerspruchs" sind, ohne der Welt gegenüber feindlich gesinnt zu sein, sagte der Papst am Mittwoch bei einer Messe mit rund 50.000 Gläubigen im Wallfahrtsort Sastin.
Franziskus: Kein Ehesakrament für Homosexuelle
Forderungen nach der Öffnung des Ehesakraments für Homosexuelle hat Papst Franziskus eine Absage erteilt. Seine Haltung in dieser Frage sei „ganz klar", sagte er am Mittwoch auf dem Rückflug von Bratislava nach Rom vor mitreisenden Journalisten. Die Ehe sei ein Sakrament. „Und die Kirche kann die Sakramente nicht ändern", so der Papst.
Dennoch hätten homosexuelle Paare Anspruch auf die pastorale Fürsorge der Katholischen Kirche. Keinesfalls dürften Betroffene diskriminiert werden. Franziskus verwies zudem auf zivilrechtliche Möglichkeiten, die gleichgeschlechtlichen Paaren in vielen Ländern offenstünden, um ihr Zusammenleben abzusichern.
„Die Kommunion ist keine Auszeichnung für perfekte Menschen"
In der „Fliegenden Pressekonferenz" wandte sich der Papst auch gegen Überlegungen, Katholiken mit einer liberalen Haltung zur Abtreibungsfrage die Kommunion zu verweigern. „Die Kommunion ist keine Auszeichnung für perfekte Menschen", sagte Franziskus. Vielmehr handle es sich um ein „Geschenk".
In den Vereinigten Staaten hatten in den vergangenen Monaten Pläne der US-Bischöfe für ein Lehrschreiben zur "Eucharistie-Würdigkeit" zu einer Kontroverse geführt. Er kenne die Details zwar nicht genau, räumte der Papst ein. Er halte aber nichts davon, aus der Kommunion ein Politikum zu machen. Schließlich gehe es um eine seelsorgliche Angelegenheit, die vom jeweils zuständigen Priester geklärt werden müsse.
Eindeutig äußerte sich der Papst zum Thema Abtreibung an sich. "Abtreibung ist Mord", sagte er - und bestätigte damit frühere Aussagen von ihm. Es sei niemals richtig, einen Menschen umzubringen, um ein Problem zu lösen, betonte der 84-Jährige.
Fotos: Twitter Antonio Sparado
 

Franziskus warnt Laien-Organisationen vor Überheblichkeit

Der Papst hat katholische Gemeinschaften und Bewegungen davor gewarnt, in „Parallelwelten" abzugleiten. Auch sei die Tatsache, dass es sich um oft junge, dynamische Initiativen handelt, kein Grund, sich gegen Änderungen zu sträuben. „Auch neue Dinge werden schnell alt!", so der Papst am 16. September bei einem Treffen mit internationalen Vertretern geistlicher Gemeinschaften, Verbände und anderer Organisationen im Vatikan.
Anlass des Treffens ist eine Konferenz des zuständigen Laien-Dikasteriums zu neuen Regelungen für derartige Organisationen. Diese hatte der Papst Anfang Juni erlassen. Das Dekret betrifft vor allem Fragen der Leitung und internen Struktur. Die vergangenen Jahrzehnte, so Franziskus, hätten gezeigt, dass genauere Regeln notwendig seien.
„Fälle von Missbrauch verschiedenster Art"
Als Beispiel nannte der Papst „Fälle von Missbrauch verschiedenster Art". Diese wurzelten stets in einem Missbrauch von Macht. Nicht selten habe der Vatikan  eingreifen und schwierige Reformen anordnen müssen. Er denke dabei nicht nur an jene „besonders hässlichen Fälle, die für Aufsehen sorgen", sondern auch an jene „Krankheiten, die aus einer Schwächung des Gründungscharismas" entstehen.
Dabei erwähnte der Papst, die vatikanische Ordenskongregation untersuche derzeit jene Vereinigungen, die in den vergangenen Jahrzehnten entstanden sind. Viele von diesen seien mit großen Neuerungen und Elan gestartet, hätten sich als etwas Besonderes gefühlt – „sie schienen die Erlöser zu sein". Etliche dieser Bewegungen seien aber oft mit bösen Verfehlungen schlimm geendet. Allein in Argentinien hätten drei solcher Gruppen aufgelöst werden müssen.

Papst nimmt Rücktritt des Hamburger Erzbischofs Heße nicht an

Trotz Pflichtverletzungen im Umgang mit Fällen von sexualisierter Gewalt nimmt Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße (55) nicht an. Eine entsprechende Erklärung der Apostolischen Nuntiatur in Berlin veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz am Mittwoch in Bonn. Heße, ehemaliger Personalchef und Generalvikar in der Erzdiözese Köln, hatte nach der Vorstellung des Kölner Missbrauchsgutachtens am 18. März seine Amtsgeschäfte ruhen lassen und dem Papst seinen Rücktritt angeboten; darüber hat der Vatikan nun entschieden. Damit bleibt Heße, der seit 2015 Erzbischof von Hamburg ist, trotz Kritik an ihm weiter im Amt.
Zwar habe es Verfahrensfehler von Heße im Umgang mit Missbrauchsfällen gegeben, heißt es in der Erklärung der Nuntiatur. Doch seien diese nicht mit der Absicht begangen worden, Missbrauchsfälle zu vertuschen. „Das Grundproblem bestand, im größeren Kontext der Verwaltung der Erzdiözese, im Mangel an Aufmerksamkeit und Sensibilität den von Missbrauch Betroffenen gegenüber."
Die Entscheidung des Papstes…
… ist auf Zustimmung und Ablehnung gestoßen. Lobend äußerte sich die Deutsche Bischofskonferenz. Kritik kam vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), der Initiative „Wir sind Kirche" und der Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch".
Die Initiative „Wir sind Kirche" wertete das Votum als "höchst problematisch". Es sei zu fragen, wofür kirchliche Führungskräfte überhaupt noch zur Verantwortung gezogen werden. 
Der Sprecher der Betroffeneninitiative „Eckiger Tisch", Matthias Katsch, sprach auf Twitter von „organisierter Verantwortungslosigkeit". Er rief zum Austritt aus der Kirche aus: „Anders merken die nichts."

Kurznachrichten

  

Papst Franziskus hat Unverständnis über eine weit verbreitete Corona-Impfskepsis geäußert. Selbst im Kardinalskollegium gebe es „einige Verweigerer". Im Vatikan seien - bis auf ganz wenige Ausnahmen - alle Personen geimpft.

 

In Mexiko sind bereits 280 Vertreter der katholischen Kirche an den Folgen einer Covid-19-Infektion gestorben: 6 Bischöfe, 251 Geistliche, 13 Diakone sowie zehn Ordensschwestern.

 

Kuba. Der US-amerikanische Kardinal Sean Patrick O'Malley hat sich bei einem Treffen mit Kubas Präsident Miguel Diaz-Canel für die Freilassung der im Umfeld der Sozialproteste im Juli verhafteten gewaltfreien Demonstranten eingesetzt. 

 

Philippinen. Drei Erzbischöfe haben sich kritisch in den beginnenden Wahlkampf eingeschaltet. In einem gemeinsamen Hirtenbrief riefen sie die Gläubigen ihrer Bistümer zum gewaltfreien Widerstand gegen die „mörderische und korrupte öffentliche Ordnung" auf. 

 

Türkei. Der italienische Priester Massimiliano Palinuro (47) ist von Papst Franziskus zum neuen Apostolischen Vikar in Istanbul ernannt worden. Er ist Nachfolger des kurz vor Weihnachten an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung verstorbenen Mexikaners Ruben Tierrablanca Gonzalez (1952-2020).

 

Belarus. Die Caritas Oberösterreich hat dieser Tage in Kooperation mit der dortigen Caritas ein neues Integratives Bildungs- und Therapiezentrum (IBTZ) im Kinderdorf Gomel in Belarus eröffnet. Es ermöglicht erstmals 60 Kindern und Erwachsenen mit Beeinträchtigung einen Zugang zu Bildung und Beschäftigung.

  

Jordaniens Regierung hat den Bauarbeiten rund um die als Taufstelle Jesu verehrte Stätte „Al-Maghtas" am Jordanfluss zugestimmt. Damit soll dem wachsenden Besucherstrom an der heiligen Stätte begegnet werden.

 

   



Libanon. Der politisch gespaltene Libanon braucht nach Worten des maronitischen Patriarchen Kardinal Bechara Rai eine „neue Erziehung". Es müsse klare Bekenntnisse geben, zu „Liebe, Treue zur Heimat sowie zu einer Brüderlichkeit in der Menschheit und der Bürgerschaft".

 

Schweiz. Ohne Grünen Pass dürfen derzeit maximal 50 Gläubige an Gottesdiensten in Kirchen teilnehmen. 


Österreich  

 

Österreich. Ab 15. September ist in Kirchen die FFP2-Maske wieder Pflicht. Bei kirchlichen Zusammenkünften aller Art von mehr als 25 Personen ist ein 3-G-Nachweis zu erbringen.

 

Wien. Caritas-Präsident Michael Landau hat eine Reparatur der „Sozialhilfe neu“ gefordert. Die Abschaffung der Mindestsicherung habe sich als schwerer Fehler erwiesen.

 

Oberösterreich. Auf dem Grund der Pfarre Linz-St. Antonius wird auf deren Anregung ein Holzhaus mit 27 leistbaren Wohnungen errichtet, fünf davon für Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Die Fertigstellung ist für Anfang 2024 geplant.

 

Burgenland. Im generalsanierten „Diözesanhaus Neu" am Eisenstädter Domplatz hat ein Großteil der kirchlichen Dienststellen ihren Betrieb aufgenommen. 

 

Wien. Die überkonfessionelle christliche Initiative „40 Days for Life" organisiert vom 22. September bis zum 31. Oktober in zahlreichen Ländern Rund-um-die-Uhr Gebete vor Abtreibungskliniken - heuer erstmals auch in Wien am Fleischmarkt. 

Polens früherer Primas Kardinal Wyszynski seliggesprochen

Bei einer landesweit viel beachteten Festmesse in Warschau ist am 12. September der in Polen als „Primas des Jahrtausends" verehrte Kardinal Stefan Wyszynski (1901-1981) seliggesprochen worden. 

An dem Gottesdienst nahmen mehrere Tausend Menschen teil, darunter etwa 100 Bischöfe aus dem In- und Ausland sowie Staatspräsident Andrzej Duda und die Spitzen von Regierung und Parlament. 

Wyszynski leitete von 1948 bis 1981 die Polnische Bischofskonferenz und genoss auch als Gegenspieler des kommunistischen Regimes in Warschau hohes Ansehen. Zudem war er ein Förderer des jungen Krakauer Erzbischofs Kardinal Karol Wojtyla (1920-2005), der 1978 zum Papst gewählt wurde und als Johannes Paul II. entscheidend zum Sturz des Kommunismus beitrug. Auch Wyszynski wird von seinen Landsleuten hoch angerechnet, dass er die geistige Freiheit gegen die politischen Machthaber in Polen verteidigte. Die Kommunisten steckten ihn von 1953 bis 1956 ohne Prozess ins Gefängnis. 

Annemarie Fenzl, Leiterin des Wiener Kardinal-König-Archivs, hat in diesem Zusammenhang an einige zentrale Begegnungen zwischen Kardinal Franz König (1905-2004) und dem polnischen Kirchenmann erinnert. Bei einem Vortrag im  Polnischen Kulturinstitut in Wien 1992 hatte König beispielsweise betont, dass er Kardinal Wyszynski als einen „großen Mann seines Vaterlandes und der Kirche" schätze und verehre. Er verneige sich in Ehrfurcht vor seinem Namen und seinem Werk, so König damals.

Theologe sieht Chancen und Gefahren

Auf Chancen aber auch Gefahren, die mit der Seligsprechung von Kardinal Stefan Wyszynski (1901-1981)  verbunden sind, hat der in Wien lehrende Theologe Piotr Kubasiak aufmerksam gemacht. Die Seligsprechung sei riskant, denn sie könnte die Gräben zwischen konservativen und progressiven kirchlichen Kräften in Polen vertiefen, Sehnsucht nach starken Führungsfiguren wecken oder die Kirchenleitung dazu verleiten, Seelsorgekonzepte der Vergangenheit unkritisch zu kopieren. Es bestehe auch in Gefahr, dass die Seligsprechung keine Früchte bringt: „Die Älteren freuen sich darüber, die Jüngeren zeigen dagegen wenig Interesse daran." 
Foto: Polnische Bischofskonferenz

Auch das noch...

Papst warnt vor schädlichem religiösen „Klimawandel" bei den Religionen

Papst Franziskus hat vor einem weltweiten "schädlichen Klimawandel" bei den Religionen gewarnt. „Es ist, als ob die Temperatur der Religiosität ansteigen würde", sagte der Papst in einer Videobotschaft zum Auftakt des G20 Interfaith Forum in Bologna. Dabei verwies er auf die rund 5.000 Todesopfer bei Anschlägen auf religiöse Gebetsstätten in den vergangenen vier Jahrzehnten.
Zu den schädlichen Veränderungen, die die Gesundheit der Erde beeinträchtigen, kämen weitere, „die den Himmel bedrohen", so der Papst. Allzu leicht verbreiteten sich nach wie vor Hasspredigten, werde religiös verbrämter Terrorismus finanziert. Religiöse Führungspersönlichkeiten, so Franziskus weiter, müssten das Böse anprangern, „gerade wenn es von denen begangen wird, die behaupten, demselben Glauben anzuhängen wie wir".
Um religiösem Fundamentalismus und gewaltbereitem Extremismus zu begegnen, muss nach Aussage des Papstes in allen Kulturen „das religiöse Analphabetentum" bekämpft werden. 
 

Papst schreibt Vorwort zu einem Buch mit Texten Benedikts XVI.

Papst Franziskus hat wieder einmal ein Vorwort verfasst. Dieses Mal zu einem Buch mit Texten von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. zum Thema Europa. Die Tageszeitung „Corriere della Sera" veröffentlichte das Vorwort zu dem italienischen Band „La vera Europa, identita e missione" (Das wahre Europa. Identität und Mission). Der Beitrag von Franziskus trägt den Titel „Es ist nicht Europa, wenn das Leben nicht heilig ist."
„Mit der ihm eigenen Klarheit, Unmittelbarkeit und mit Tiefgang umreißt der emeritierte Papst hier in großartiger Weise die 'Idee Europas', die zweifellos die Gründerväter inspiriert hat und die Grundlage seiner Größe ist", so Franziskus. Dabei erinnert er daran, dass sein Vorgänger oft auf das Christentum und den Humanismus Europas verwiesen habe, in deren Mitte die Gestalt Jesu Christi stehe. Er sei „Grundlage des wahren Humanismus, einer neuen Menschlichkeit"
Wie sein Vorgänger kritisiert auch Papst Franziskus: „Jenseits vieler Worte und lautstarker Proklamationen verschwindet heute in Europa immer mehr der Gedanke der Achtung vor jedem menschlichen Leben." 
Dies beginne mit dem Verlust des Bewusstseins der Heiligkeit des Lebens. Benedikt XVI. habe sich nicht gescheut, „mit großem Mut und Weitblick die vielen Erscheinungsformen dieser dramatischen Abkehr vom Schöpfungsgedanken anzuprangern".

Früherer Bischof von Hildesheim schützte Missbrauchstäter

Nach Veröffentlichung eines Missbrauchsgutachtens für die deutsche Diözese Hildesheim bleibt weiterhin offen, ob sich der frühere Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988) selbst an Kindern vergangen hat. Es könne nicht festgestellt werden, „ob Bischof Janssen sexuellen Missbrauch oder sexuelle Grenzüberschreitungen gegenüber Minderjährigen begangen hat", heißt es in dem am Dienstag in Hildesheim vorgelegten Bericht. Die Gutachter um die ehemalige niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz stellten allerdings „eklatante Missstände" im Umgang mit Missbrauch während Janssens Amtszeit zwischen 1957 und 1982 fest.
Demnach gab es von kirchlicher Seite Zuwendung und Schutz für die Täter, während die Betroffenen keinerlei Hilfen erhielten und mit ihrem Leid allein gelassen wurden. Die Untersuchung spricht von „massivem Unrecht" gegenüber Kindern. Insbesondere in katholischen Kinderheimen wie dem Bernwardshof in Hildesheim habe es physische, psychische und sexualisierte Gewalt gegeben.
Janssen ist der erste deutsche Bischof, dem sexualisierte Gewalt gegenüber Minderjährigen angelastet wird. 
Laut den Gutachtern ging es Janssen immer vor allem darum, den Ruf der Kirche und die Täter zu schützen. Bevorzugte Maßnahme sei die Versetzung eines beschuldigten Priesters in eine andere Gemeinde oder in eine andere Diözese gewesen. Auch Schutz vor staatlicher Strafverfolgung sei gewährt worden. In einem Fall sei ein Geistlicher mit Hilfe der Bischofskonferenz in Südamerika untergebracht worden. 
 

Neue katholische Mittelschule im Stift Göttweig

Im Stift Göttweig wurde in der vergangenen Woche die neue katholische „Junior High School" eröffnet. Die zweisprachig (Deutsch/Englisch) ausgerichtete Schule stellt laut eigener Beschreibung das christliche Menschenbild und die Würde des Einzelnen in den Mittelpunkt. 
Hinter der Schule steht der Trägerverein „ISK Internationale Schule Krems", hinter dem wiederum u.a. die Diözese St. Pölten, die IMC Fachhochschule Krems, die Firma Brantner, einzelne Persönlichkeiten und nun auch das Stift Göttweig stehen. Unterstützt wird die Schule auch vom Land Niederösterreich.
Eine Volksschule, die auf diesem Konzept aufbaut, gibt es bereits in Krems. Doch als Neue Mittelschule sei diese Form „etwas Neues", so Bianca Brantner, die pädagogische Geschäftsführerin der Schule. Sie beschrieb die Schule als „katholisch und weltoffen". 14 Schülerinnen und Schüler sind in der ersten Klasse dabei, die Räumlichkeiten befinden sich im Jugendhaus Stift Göttweig. 

Bootsflüchtling, der Bischof wurde

Im Zeichen des Gebetes um Frieden in der Welt und um ein Ende der Corona-Pandemie ist am Dienstagabend, 14. September, in Wien das Medjugorje-Friedensgebet gestanden. 
„Wo das Gebet einen starken Strang bildet, da ist Friede möglich", sagte Dompfarrer Toni Faber, der die mit Masken verhüllten Gläubigen im Stephansdom begrüßte. Das Friedensgebet möge ein Beitrag zur Überwindung der Corona-Krise sein, so Fabers Wunsch für die Gebetsveranstaltung, die zum bisher 14. Mal stattfand. 
Das über fünfstündige Programm umfasste Glaubenszeugnisse, Gebete und Lieder sowie Beispiele, wie aus der Kraft des Glaubens heraus starke soziale Initiativen entstehen können. Höhepunkt war ein Gottesdienst mit Kardinal Christoph Schönborn.
Prominenter Teilnehmer war der 44-jährige Weihbischof von Tirana, Arjad Dodaj. 
Sein Lebenslauf  ist außergewöhnlich: In einer atheistischen Familie aufgewachsen, floh er als 16-Jähriger kurz nach Ende des Kommunismus mit einem Schlauchboot illegal nach Italien, wo er sich als Schweißer und Gärntner durchschlug. Zugleich lernte er eine durch Medjugorje entstandene Gemeinschaft und damit auch den christlichen Glauben kennen, ließ sich taufen und wollte Priester werden. Nach seiner Weihe durch Papst Johannes Paul II. war er Kaplan der albanischen Gemeinde in Rom, dann Missionspriester in seiner Heimat. Papst Franziskus ernannte Dodaj im April 2020 zum Weihbischof der Erzdiözese Tirana-Durres.