JA 

die neue Kirchenzeitung

17. Oktober 2021 

 

Unbehagen und Leid 

Die mit Spannung erwartete Weltsynode wurde eröffnet. Der Papst will, dass alle daran teilnehmen.
Er spricht vom „Unbehagen und Leid vieler pastoraler Mitarbeiter“.
In den Pfarren soll am 17. Oktober begonnen werden.

 

Die Einladung dazu kam kurzfristig. Am vergangenen Sonntag konnten daher die Pfarrer noch nicht davon sprechen.
Viele Gläubige hoffen auf grundsätzliche Reformen. 
Gelingen diese, kommt es zu einer Aufbruchsstimmung. 
Wenn nicht, drohen Frustration für Jahrzehnte und eine Abwärtsspirale.
Bringen wir uns jetzt ein und bestürmen wir mit unseren Gebeten den Heiligen Geist.                                                                                P. Udo

Papst eröffnet Weltsynode: Alle sollen teilnehmen 

Papst Franziskus hat am 9./10. Oktober-Wochenende mit Reflexion, Gebet und Messe

einen weltweiten synodalen Prozess eröffnet. Um die Kirche insgesamt synodaler zu machen, soll über die für Herbst 2023 in Rom geplante Bischofssynode zunächst auf diözesaner, dann auf kontinentaler Ebene beraten werden. Thema der Beratungen ist „Eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Partizipation, Mission". 

Am 16./17. Oktober soll weltweit jeder Bischof in seiner Diözese den lokalen Auftakt machen. 

Nach einer gut halbjährigen Phase auf Ebene der Ortskirchen folgt 2022/2023 ein Prozess auf Kontinentalebene, der dann in eine Versammlung der Bischofssynode selbst im Oktober 2023 in Rom mündet.

Franziskus: „Unbehagen und Leid vieler pastoraler Mitarbeiter“

Zur beginnenden Weltsynode der Katholischen Kirche hat Papst Franziskus die Kirche zu Einheit, Mut und Engagement aufgerufen. Wenn nicht wirklich alle daran teilnähmen, drohe „die Rede von Gemeinschaft nur fromme Absicht" zu bleiben, sagte er bei der Eröffnungsfeier am Samstagvormittag im Vatikan. Zwar gebe es Fortschritte im Bereich Partizipation; aber „wir können nicht umhin, das Unbehagen und Leid vieler pastoraler Mitarbeiter, der partizipativen Organe in den Diözesen und Pfarren und der Frauen" zu registrieren, so Franziskus.

„Eine Synode ist kein Parlament, keine Meinungsumfrage“

 „Ich sage noch einmal", so Franziskus in seiner Ansprache, „eine Synode ist kein Parlament, keine Meinungsumfrage". Wichtigster Akteur sei der Heilige Geist; „ohne ihn gibt es keine Synode", so der Papst.

Es gehe darum, sich dorthin führen zu lassen, „wohin Gott will und nicht wohin uns unsere Ideen und unsere persönlichen Vorlieben bringen würden", warnte Franziskus. Der Prozess solle „nicht eine andere Kirche" ergeben, sondern eine Kirche, "die verschieden ist", die sich unterscheidet, so der Papst unter Berufung auf den französischen Konzilstheologen Yves Congar (1904-1995).

„Die Zeit ernst nehmen, in der wir leben“

Gleichzeitig warnte Franziskus davor, den synodalen Prozess bloß formal, rein intellektuell oder starr anzugehen. Als bloß formal durchgeführtes Unternehmen bringe eine Synode keine echten Ergebnisse. Als rein akademische Studiengruppe hingegen drohe sie „den üblichen sterilen ideologischen und parteilichen Fraktionen zu verfallen" und sich vom realen Leben der Menschen zu lösen. Wer hingegen meine, alles müsse bleiben, wie „es immer schon gemacht wurde", nehme die Zeit nicht ernst, "in der wir leben".

Aufeinander und auf Gott hören

Werde Synodalität ernst genommen, indem Menschen sorgsam aufeinander und auf Gottes Stimme hörten, bietet sich laut Aussage des Papstes die Chance, dass die Kirche dauerhaft synodal wird. Synodalität bestehe dann nicht nur aus einzelnen Veranstaltungen. In Ruhe aufeinander zu hören, biete zudem die Chance innezuhalten, sich von pastoralen Ängsten zu befreien. Im Ergebnis könne die Kirche, Geistliche wie Laien, dann wieder näher bei den Menschen leben.

Kardinal Hollerich: „Auf die Stimme der Gläubigen hören"

Zum Auftakt des synodalen Prozesses sprachen in der vatikanischen Synodenaula unter anderen auch der Leiter des Synodensekretariats, Kardinal Mario Grech, und der ernannte Moderator der Bischofssynoden-Vollversammlung im Herbst 2023, der Luxemburger Erzbischof Kardinal Jean-Claude Hollerich. 

Eine synodale Kirche sei eine Kirche der Begegnung, betonte Hollerich; es gehe darum, gemeinsam unterwegs zu sein, auf einer Reise, bei der die Bischöfe auf die Stimmen der Gläubigen hören müssten. Die Beteiligten dürften den Synodenprozess nicht für ihre Zwecke manipulieren, mahnte der Kardinal, es gehe wesentlich auch darum, die Ohren zu öffnen und zuzuhören. Die Route der Reise wiederum wähle der Heilige Geist, der „manchmal, wie zu Pfingsten, sich offenbart und unsere Herzen mit Freude und Klarheit erfüllt". 

Mit Blick auf die Weltkirche und den synodalen Prozess sprach Hollerich wörtlich von einem Puzzle mit vielen kleinen Teilen in unterschiedlichsten Farben, „die von all meinen Brüdern und Schwestern stammen". Nacheinander müsse man nun die richtigen Teile in einer bestimmten Reihenfolge auswählen – „unter Beteiligung aller", wie der Kardinal betonte.

Frauen und junge Menschen einbeziehen

Bei der Versammlung berichteten weiterhin Katholiken aus mehreren Kontinenten von Erfahrungen und Erwartungen. Die junge Südafrikanerin Dominique Yon verlieh in ihrem Zeugnis ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Kirche Frauen und junge Menschen stärker einbeziehe. Angesichts der vielen Spaltungen in aller Welt setze sie darauf, dass der synodale Prozess dazu beitragen wird, die Gläubigen zu vereinen, „jeder mit seiner eigenen Rolle" und „unabhängig von Alter, Religion, Hautfarbe oder Geschlecht".

Laut Aussage eines australischen Bischofs stehen Kirche wie Gesellschaft vor unsicheren Zeiten. Ohne wirklich synodalen Umgangsstil drohe die Kirche noch bedeutungsloser zu werden. Eine junge Mutter wünschte sich, dass die Kirche die Fähigkeiten ihrer beiden Töchter anerkennen und wirklich nutzen möge.

Als Vertreter Europas schlug Frere Alois aus Taize…

… der nun beginnenden Weltsynode eine „große ökumenische Versammlung" quasi als Unterbrechung vor. Trotz theologischer Differenzen könne ein ökumenisches Aufeinander-Hören und Voneinander-Lernen helfen, Gottes Geist noch besser zu vernehmen.

Beratungen in Sprachgruppen

Im Anschluss begaben sich die rund 260 internationalen Teilnehmer an der Eröffnungsveranstaltung in zweistündige Gruppengespräche. Dort sollte vor allem die angestrebte synodale Methode des Aufeinander-Hörens eingeübt und praktiziert werden. Die Kleingruppen waren nach Sprachen gegliedert: Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch; Deutsch ist nicht dabei.

Zu den deutschsprachigen Teilnehmern beim Start-Wochenende in Rom…

… gehörten neben Kardinal Schönborn und Fere Alois der Theologe Christoph Theobald (Paris), die Theologin und Ordensfrau Birgit Weiler (Peru), der Theologe Markus Welte (Salzburg), Kurienkardinal Kurt Koch, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der Referent des Luxemburger Kardinals Hollerich, Pit Rasque, Lukas Schibowski, Mitarbeiter des Synodensekretariats in Rom, sowie die in Erfurt lehrende niederländische Kirchenrechtlerin Myriam Wijlens.

Italiens Bischöfe zur Weltsynode: Kirche liegt in Geburtswehen

Italiens Bischöfe rufen die Gläubigen des Landes auf, sich aktiv am synodalen Weg zu beteiligen, den Papst Franziskus ausgerufen hat. Die Kirche befinde sich „in einem epochalen Wandel"; "wir liegen in den Geburtswehen", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Botschaft an Seelsorger und Ordensleute. Es sei an der Zeit, die Seelsorge neu zu denken und der Kirche eine Form zu geben, die mehr dem Evangelium entspreche.

Forum MÜNDIGE CHRISTEN lädt zu einer Online-Umfrage zum Reformkurs der Kirche ein

„Es darf nicht sein, dass der Papst der Kirche einen neuen Aufbruch verordnet, und die, die jahrzehntelang auf ein solches Zeichen von Rom gewartet haben, sich jetzt in Zurückhaltung üben. Jetzt geht es darum, sich aktiv einzubringen.“ Das Forum MÜNDIGE CHRISTEN lädt daher zu einer Online-Umfrage zum Reformkurs der Kirche ein. 

„Wir müssen bei der Weltsynode unmissverständlich aufzeigen, wo uns der Schuh in der Kirche drückt. Die heißen Eisen müssen angesprochen werden. Die Kirche wird ihre Glaubwürdigkeit erst dann zurückgewinnen, wenn sie sich diesen Themen wirklich stellt“, sind Gabriel Stabentheiner und Gerda Schaffelhofer, die Sprecher des Forums MÜNDIGE CHRISTEN, überzeugt.
 „Die Online-Umfrage dient dazu, diese Themen klar zu benennen. Wem an der Kirche etwas liegt, wer möchte, dass auch künftige Generationen in der Kirche Orientierung und Heimat finden, ist jetzt gefordert, sich aktiv einzubringen. Aber auch all jene, die sich inzwischen von der Kirche enttäuscht abgewendet haben, die ausgetreten oder in die innere Emigration geflüchtet sind, sind gebeten, ihre Kritik einzubringen.“

Der Appell des Forums, das jeden ersten Freitag im Monat um 18.00 Uhr zum Gebet für die Weltsynode in die Heiligengeistkirche in Klagenfurt einlädt, lautet:
Bitte helfen Sie mit und beteiligen Sie sich an dieser Online-Umfrage und motivieren Sie auch andere der Kirche Fern- und Nahestehende dazu, denn beide Perspektiven sind wichtig.

Zur Umfrage gelangen Sie über die Homepage www.muendige-christen.at

Österreichs Bischöfe rufen zur Teilnahme auf

Österreichs Bischöfe haben in einer gemeinsamen Erklärung dazu aufgerufen, sich am weltkirchlichen synodalen Prozess zu beteiligen. „Lassen wir uns weder lähmen noch hetzen, sondern machen wir uns gemeinsam auf den Weg", schreiben die Bischöfe in einem am Montag veröffentlichten „Einladenden Wort". Das Ziel sei eine Kirche, „die innerhalb einer verunsicherten, vielfach verwundeten Zeit und Gesellschaft besser als bisher Gemeinschaft aufbauen kann, Teilhabe ermöglicht und ihre Sendung im Sinne der Frohbotschaft Jesu mit neuer Freude lebt".

Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner lädt zur Beteiligung an einer Fragebogenaktion ein. Jeder Getaufte habe  „Spürsinn für den Weg der Nachfolge Jesu". Über die Webseite www.eds.at/synodale-kirche ist ein Fragebogen zu den drei großen Themenbereichen Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung abrufbar.

Der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz hat in einem Schreiben an alle Katholikinnen und Katholiken seiner Diözese zur regen Beteiligung am synodalen Prozess aufgerufen: "Begeben wir uns in eine Haltung der Verletzbarkeit und eröffnen wir eine erneuerte Wertschätzung füreinander. Bemühen wir uns darum, zu heilen und heil zu werden in einer neuen Art des Gesprächs miteinander", so der Bischof wörtlich. 

Bischof Schwarz ruft alle Gläubigen auf, am kommenden Sonntag in den Gottesdiensten besonders für das Gelingen des Prozesses zu beten: "Wo immer Sie an diesem Sonntag Eucharistie feiern, beten Sie bitte mit der gesamten Weltkirche für die Erneuerung der Kirche." 

Informationen zum synodalen Prozess in der Diözese St. Pölten sind unter:  www.aufsendung.at abrufbar. 

In der Diözese Gurk startete am 16. Oktober die Gesprächsinitiative „Zukunft. Gemeinsam. Hören" in 13 Pfarren aus dem gesamten Diözesangebiet. „Solche moderierten Gespräche sollen in den kommenden Monaten in allen Kärntner Pfarren, kirchlichen Einrichtungen und religiösen Gemeinschaften der Diözese Gurk möglichst oft stattfinden", betonte der Diözesanverantwortliche für den synodalen Prozess in Kärnten, Dompropst Engelbert Guggenberger.

Den Kern der Gesprächsrunden mit spirituellem Impuls bilden demnach drei Fragen: "Wie gelingt es uns, Gemeinschaft in Unterschiedlichkeit zu leben und Menschen Beheimatung zu bieten?"; "Wie können wir als Kirche leben, damit sich alle beteiligen können?" und "Wie können wir die Hoffnungsbotschaft Christi heute leben, so dass sie als Licht für unsere Welt wahrgenommen wird?" Es gehe darum, Themen zu sammeln, die die Menschen heute beschäftigen und darüber nachzudenken, wie eine zukunftsfähige Kirche aussehen könne, so Guggenberger. 

Nichte von Johannes Paul I.: Für uns ist er schon lange heilig

Johannes Paul I. - mit bürgerlichem Namen Albino Luciani - ging als 33-Tage Papst in die Geschichte ein. Seit 13. Oktober ist der Weg für seine Seligsprechung frei. Die Nichte des Papstes, Pia Luciani, berichtet im Interview mit Radio Vatikan, ihr Onkel sei für sie wie ein Vater gewesen und ihr schon zu Lebzeiten wie ein Heiliger vorgekommen.
Pia Luciani ist die Älteste der zwölf Kinder von Edoardo Luciani- dem Bruder des künftigen neuen Seligen. Die Nachricht, dass Papst Franziskus ein Wunder auf Fürsprache von Papst Johannes Paul I. anerkannte, das zur Heilung von einer Krankheit führte, freut die Nichte - überrascht sie jedoch nicht:
 „Wir kannten ja unseren Onkel…
… und für uns war er schon zu Lebzeiten ein Heiliger. Dass er jetzt selig gesprochen wird, erfüllt uns mit großer Zufriedenheit", so Pia Luciani im Gespräch mit Radio Vatikan. Ihr Onkel sei für sie wie ein zweiter Vater gewesen, und es komme nicht von ungefähr, dass er als Papst des Lächelns bekanntgeworden sei: „Wir kannten ja unseren Onkel und für uns war er schon zu Lebzeiten ein Heiliger. Dass er jetzt selig gesprochen wird, erfüllt uns mit großer Zufriedenheit“ (dies steht schon 2/3 Zeilen weiter oben)
„Er hat immer gelächelt, auch wenn ihn Gedanken plagten, und er ermutigte uns, wenn wir Probleme hatten. Er hörte uns zu, gab uns Ratschläge und empfahl uns, geduldig zu sein und die Dinge mit Gottvertrauen anzugehen. Es war immer sehr schön, mit ihm zu reden, wir vertrauten uns ihm gerne an. Ich traf ihn daher auch sehr oft, wo immer er auch gerade war. Er riet uns zu Geduld und dazu, uns immer gut zu verhalten - nicht nur vor Gott, sondern auch um anderen ein Beispiel zu sein."
Ein Patriarch mit löchrigen Socken
Und auch er selbst ging immer mit gutem Beispiel voran, etwa wenn es um die Fürsorge von Armen ging, berichtet die Nichte des Papstes und plaudert aus dem Nähkästchen. Da war zum Beispiel die Sache mit seinen löchrigen Socken. Damals war Albino Luciani noch Patriarch von Venedig:
„Er war ein Mensch, der nicht nur dem Herrn treu war, sondern auch allen anderen mit viel Liebe und Solidarität begegnete. Einmal, als ich ihn in Venedig besuchte, sagte mir eine Ordensfrau, ich solle ihn überreden, dass sie ihm neue Socken kaufen dürfe - , seine sind alle total löchrig` erklärte sie. Ich sagte: ,Ja, warum sagen Sie ihm das nicht selbst?` Ihre Antwort war: , Ich hab's ja versucht. Aber er hat mir gesagt: ,Schwester, nehmen Sie Nadel und Faden und flicken Sie noch einmal irgendwie. Das gesparte Geld nutzen wir, um einen Armen glücklich zu machen. Wenn die Socken wirklich nicht mehr zu retten sind, schauen wir, was wir machen.'
Immer bescheiden
„Er mahnte uns immer, demütig zu sein, weil jeder von uns seine Grenzen und schlechten Seiten hat“
Er mahnte uns immer, demütig zu sein, weil jeder von uns seine Grenzen und schlechten Seiten hat. (steht schon zuvor) Natürlich sollte man daran arbeiten, aber es brauche auch immer Respekt allen andren gegenüber, und man sollte sich nicht überlegen fühlen. Auch er selbst nahm sich immer zurück, obwohl er viele Talente hatte und sehr gebildet war. Einmal habe ich ihn zu einem Empfang begleitet, und da hieß es: , Wo ist denn nur der Patriarch von Venedig? Normalerweise ist er immer pünktlich.´ Und mein Onkel war schon lange da, er stand jedoch am Rande des Saals in einer Ecke. Sie hatten gedacht, er würde mit großem Tamtam im Wagen vorfahren - und stattdessen betete er in einer Ecke den Rosenkranz und wartete, dass die Veranstaltung begann."
„Komm doch noch mit zu meinem Bruder“
Albino Luciani hatte vor seiner kurzen Zeit als Papst auch am Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965 teilgenommen. Eine Erfahrung, die ihn laut seiner Nichte Pia Luciani stark prägte und ihm sehr gefiel, weil er gern unter Leuten und ein guter Zuhörer war:
„Für ihn war das Konzil eine wunderbare Erfahrung. Er fühlte sich wirklich richtig wohl inmitten all der Leute, auch weil er sehr neugierig war und sich gern weiterbildete. Wenn da also jemand bereit war, zu erzählen, von seinen Erfahrungen zu berichten, dann sagte mein Onkel gern mal: ,Bevor Du nach Hause gehst, komm doch noch mit zu meinem Bruder, den würde ich Dir gerne vorstellen` oder , Komm doch mal mit in mein Bistum, ich möchte Dir gern die Gegend und die Gemeinde zeigen, und dass Du das Bistum kennen lernst`."
Das Erbe des 33-Tage Papstes
Am 26. August 1978 wurde Albino Luciani als Nachfolger von Papst Paul VI. zum Papst gewählt. Er gab sich den Namen Johannes Paul I.; doch zur allgemeinen Bestürzung starb er schon im Monat darauf, am 28. September 1978 im Vatikan. Sein Nachfolger wurde Papst Johannes Paul II., der 2014 von Papst Franziskus heiliggesprochen wurde.
Für Papst-Nichte Pia Luciani hat ihr Onkel trotz seines kurzen Wirkens als Papst doch ein bedeutendes Erbe hinterlassen: „Er würde der Kirche heute sagen, dass man immer sein Bestes geben muss, und den Rest übernimmt dann der Herr.“
Albino Luciani
… wurde am 17. Oktober 1912 in der norditalienischen Provinz Belluno als Sohn eines sozialistischen Arbeiters geboren. Er wurde 1935 zum Priester geweiht und 1958, unmittelbar nach der Wahl von Papst Johannes XXIII., der ihn aus seiner Zeit als Patriarch von Venedig kannte, zum Bischof von Vittorio Veneto ernannt. Er nahm am gesamten Zweiten Vatikanischen Konzil teil und setzte dessen Richtlinien mit Begeisterung um. Zugleich verbrachte er viel Zeit im Beichtstuhl und war ein volksnaher Seelsorger.
Paul VI. ernannte den volksnahen, stets bescheidenen Bischof Ende 1969 zum Patriarchen von Venedig und im März 1973 zum Kardinal. Nach seinem Tod sollte Luciani auch sein Nachfolger werden, jedoch nur für kurze Zeit.
Erst vor einigen Wochen wurde – wie JA berichtete - sein Geburtshaus im Dorf Canale d'Agordo wieder für Pilger geöffnet.
Zu den Fotos: Edoardo Luciani mit seinem Bruder Albino, Papst Johannes Paul I., in Rom sowie  mit seiner Gattin Antonietta am 14. Juli 1979 beim KANA-Fest in Maria Roggendorf, wo er zu 800 Jugendlichen über seine Familie sprach. 

Rekordtief bei Zahl der Eintritte in Priesterseminare in Polen

In Polen haben in diesem Jahr so wenig Männer eine Ausbildung zum katholischen Priester begonnen wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt 356 Priesteranwärter traten 2021 in die Seminare der Diözesen und Orden ein, wie die Rektorenkonferenz der Priesterseminare am Dienstag der polnischen katholischen Nachrichtenagentur KAI mitteilte. Das ist ein Minus von 19,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in dem es 441 Eintritte gab.
242 Kandidaten traten den Angaben zufolge dieses Jahr in die Seminare der Diözesen ein (2020: 289); 114 nahmen ihre Ausbildung bei den Männerorden auf (2020: 152). Die Zahlen sinken seit Jahren stetig. 2005 wurden noch allein in die Seminare der Diözesen 1.145 Kandidaten aufgenommen. Trotz des Rückgangs entscheiden sich in Polen weiterhin mehr Katholiken für den Priesterberuf als in anderen europäischen Ländern.
 

Religionsführer wollen Armenien und Aserbaidschan versöhnen

Unter Vermittlung der russisch-orthodoxen Kirche haben am 12. Oktober in Moskau die religiösen Führer Armeniens und Aserbaidschans über eine Lösung des Konflikts um die Region Berg-Karabach beraten. Der orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill I. würdigte den Dialog zwischen dem armenisch-apostolischen Katholikos Karekin II. und dem aserbaidschanischen Großmufti Scheich-ul-Islam Allahshukur Paschazade als „Vorbild für alle". „Wir sind aufgerufen, gemeinsam eine eindeutige Antwort auf Versuche zu geben, Religion mit Krieg zu verbinden", sagte er laut russischen Medien bei den Gesprächen in seinem Moskauer Amtssitz, dem Danilowkloster.
Das mehrheitlich von christlichen Armeniern bewohnte Berg-Karabach liegt auf aserbaidschanischem Staatsgebiet. Die Region wird aber de facto nicht vom islamisch geprägten Aserbaidschan kontrolliert, sondern von Armenien. Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan war Ende September 2020 wieder aufgeflammt. Bei den Kämpfen erzielte Aserbaidschan militärische Erfolge. Am 9. November wurde unter der Ägide Russlands ein Waffenstillstand ausgehandelt. Rund 6.000 Menschen starben, 100.000 mussten fliehen oder wurden vertrieben. Nur wenige konnten bisher zurückkehren. Die politische Zukunft der Region ist nach wie vor ungewiss.
 

Missbrauchsopfer fordert Rücktritt aller französischen Bischöfe 

Francois Devaux, Gründer der französischen Opfervereinigung „La parole liberee", fordert tiefreichende Veränderungen in der Kirche. Angesichts der jüngsten französischen Missbrauchsstudie müsse es finanzielle Entschädigungen geben, sagte Devaux laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) der deutschen Zeitung „Welt".
„Wir haben es mit einem Massenverbrechen zu tun, das nicht wiedergutzumachen ist. Entschädigung ist ein erster Schritt, weitere müssen folgen." Zuvor hatte sich der Betroffene bereits für den Rücktritt aller französischen Bischöfe ausgesprochen.
Männerkult und Mangel an weiblicher Vertretung
Devaux sagte weiter, es brauche „eine Art Revolution". Die Kirche habe keine andere Wahl, als sich zu reformieren: Sie müsse „fast alles umwerfen, worauf sie aufbaut". Dies betreffe den Zölibat, aber auch den „Männerkult", einen Mangel an weiblicher Vertretung sowie „die Abschottung von der Außenwelt, die Führungsstrukturen, das kanonische Recht".
Diese Probleme könnten Bischöfe und der Papst nicht allein „unter sich regeln", mahnte Devaux: "Der systematische Missbrauch ist ein weltweites Problem, weshalb die gesamte katholische Glaubensgemeinschaft gefragt ist." Es brauche ein „Gegengewicht" innerhalb der Institution.
Zugleich sieht der Opfervertreter den Papst gefragt: Franziskus müsse „aufräumen", so Devaux. Seine Worte seien "leer, wertlos, bedeutungslos, solange der Papst nicht ein radikales Umdenken einleitet und für null Toleranz sorgt".
Bischöfe haben alle Bodenhaftung verloren
Über die französischen Bischöfe sagte Devaux, sie hätten "alle Bodenhaftung verloren". Vielen mangele es an Sensibilität: „Manchmal frage ich mich, ob ein Leben ohne Frauen nicht dazu führt, dass sie eine Art Empfindungslosigkeit entwickeln."
Schockiert habe ihn das Verhalten des Vorsitzenden der französischen Bischofskonferenz, Eric de Moulins-Beaufort, der den Bericht vor der öffentlichen Vorstellung gekannt habe. „Alles, was ihm einfiel, war, den Missbrauch innerhalb der Kirche zu relativieren und mit anderen Institutionen zu vergleichen."
216.000 minderjährige Opfer sexueller Übergriffe
Devaux hatte in der vergangenen Woche selbst als Redner an dem Medientermin teilgenommen, bei dem die Ergebnisse der Unabhängigen Untersuchungskommission zu sexuellem Missbrauch in der Kirche (Ciase), die die französischen Bischöfe im November 2018 in Auftrag gegeben hatten, präsentiert wurden. Der Untersuchungskommission dankte Devaux dabei für ihre „enorme Arbeit", während er die Bischofskonferenz mit eindringlichen Worten in die Pflicht nahm. In direkter Ansprache sagte er an die Adresse der Kirchenleitung: „Meine Herren, Sie sind eine Schande für die Menschlichkeit."
Laut der Ciase-Untersuchung gab es seit 1950 geschätzt 216.000 minderjährige Opfer sexueller Übergriffe durch Priester und Ordensleute in Frankreich. Nimmt man Laien und Kirchenmitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen, Schulen, Pfarren und Katechese hinzu, so kommt die Kommission sogar auf geschätzte 330.000 Opfer.
Disput über Beichtgeheimnis
Zu den Forderungen der Untersuchungskommission gehört unter anderem, das priesterliche Beichtgeheimnis in diesem Zusammenhang auf den Prüfstand zu stellen. Das Beichtgeheimnis war am 12. Oktober auch Thema eines Gesprächs des Bischofskonferenz-Vorsitzenden de Moulins-Beaufort mit dem französischen Innenminister Gerald Darmanin. 
Darmanin hatte auf ein Gespräch gedrängt, nachdem de Moulins-Beaufort in der vergangenen Woche in einem Interview auf die Frage, ob das Beichtgeheimnis Vorrang vor französischen Gesetzen habe, sagte, dass das Beichtgeheimnis für alle Priester verpflichtend und damit „stärker als die Gesetze der Republik" sei. In Frankreich steht die Nichtverfolgung und Nichtanzeige von Straftaten unter Strafe. 
Die Bischofskonferenz erklärte, das Treffen mit dem Innenminister sei auch „eine Gelegenheit, daran zu erinnern, dass das allen Priestern vom Kirchenrecht auferlegte Beichtgeheimnis nicht gegen das französische Strafrecht verstößt". Dies gehe auch aus einem Rundschreiben des Justizministeriums zum Berufsgeheimnis religiöser Amtsträger vom August 2004 hervor.
 

Ehemaliger Obdachloser entwarf Vatikan-Weihnachtsbriefmarken

Die bei Philatelisten heißbegehrten Vatikan-Weihnachtsbriefmarken haben heuer eine besondere Geschichte: Sie wurden von einem Künstler entworfen, der bis vor einem Jahr noch Obdachloser war. Adam Piekarski (42) habe seit sechs Jahren in Rom auf der Straße gelebt und geschlafen, bevor sein künstlerisches Talent entdeckt worden sei, berichtete das katholische US-Portal cruxnow.com . Auch die auf den Marken dargestellte Heilige Familie sowie die drei Heiligen Könige trügen  die Gesichtszüge von Obdachlosen. 

Kardinal König Kunstpreis 2021 

Der „Kardinal König Kunstpreis" wird dieses Jahr an die in Wien lebende Künstlerin Michele Pagel vergeben. Das gab die Geschäftsführung des Salzburger Kardinal König Kunstfonds  bekannt. Die in Werdau, Deutschland, geborene studierte Bildhauerin sei für ihre politischen und oft humorvollen Keramik- und Mixed-Media-Werke bekannt, die konsumkritische, feministische und antifaschistische Themen berühren. „Pagels Skulpturen, für die sie Alltagsgegenstände leicht abstrahiert in Keramik kopiert und verfremdet, bestechen durch die zeitlose Formensprache und ihren scharfzüngigen Witz", so die Verantwortlichen des Kunstfonds. 

Der Festakt zur Preisverleihung des bereits neunten Kardinal König Kunstpreises sowie die Eröffnung der begleitenden Ausstellung mit den Werken aller zwanzig nominierten Künstlerinnen und Künstler finden am Samstag, 27. November 2021, um 18 Uhr in St. Virgil in Salzburg statt. Der Preis ist mit 11.000 Euro dotiert. 

„Und Gott lächelt" 

„Es gibt keine theologischen Gründe, Frauen vom Weihesakrament auszuschließen." Das hat der emeritierte Abt des Stifts Altenburg und ehemalige Vorsitzende der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs, Christian Haidinger, im Interview mit der Kooperationsredaktion der österreichischen Kirchenzeitungen gesagt. 

Anlass für das Gespräch war das Erscheinen von Haidingers neuem Buch „Und Gott lächelt - Glücklich werden durch Dankbarkeit " im Tyrolia-Verlag. In diesem lässt der 77-jährige emeritierte Abt von Stift Altenburg die unterschiedlichen Lebensstationen und Freundschaften Revue passieren. Hinter den Ereignissen, die ihn geprägt haben, habe er immer wieder das „lächelnde Gesicht Gottes" entdecken können, auch wenn einem beileibe nicht immer zum Lachen sei: „Gott lächelt - auch hinter Wolken und trübem Himmel!", zeigte sich Haidinger überzeugt. 

Erzbischof von Vilnius neuer CCEE-Präsident 

Europa.(?) Gintaras Linas Grusas (60) leitet künftig den Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE). Die Delegierten der in Rom tagenden CCEE-Vollversammlung wählten den Erzbischof von Vilnius und Vorsitzenden der Litauischen Bischofskonferenz am Samstag zu ihrem neuen Präsidenten. Der in den USA geborene Geistliche folgt auf den italienischen Kardinal Angelo Bagnasco (78), der seit 2016 im Amt war. Die Amtszeit dauert fünf Jahre. 

Der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen mit Sitz in Sankt Gallen/Schweiz (lat. Consilium Conferentiarum Episcoporum Europae) will die Zusammenarbeit der katholischen Bischöfe auf dem Kontinent fördern. Dem 1971 gegründeten Gremium gehören derzeit 39 Mitglieder an. Gemeinsam repräsentieren sie die katholische Kirche in 45 europäischen Ländern. 

Kurznachrichten

Papst Franziskus hat am Sonntag die Ordensfrau Gloria Cecilia Narvaez im Vatikan empfangen. Die Kolumbianerin war am Tag zuvor nach mehr als viereinhalb Jahren aus ihrer Geiselhaft in Mali befreit worden.

 

Weltweit hungern laut Bericht der Welthungerhilfe  etwa 811 Millionen Menschen; 41 Millionen leben am Rande einer Hungersnot. Besonders dramatisch ist demnach die Lage in Somalia, Jemen, Afghanistan, Madagaskar und dem Südsudan.

 

Der Vatikan hat für die Anwälte in Selig- und Heiligsprechungsverfahren erstmals klare gesetzliche Regelungen erlassen. So dürfen etwa Kardinäle, Bischöfe und Mitarbeiter der Heiligsprechungskongregation künftig nicht mehr als sogenannte Postulatoren tätig werden. 

 

Palästina. Die Stadt Bethlehem kritisiert den Ausschluss palästinensischer Fremdenführer und Hotels vom Pilotprojekt, mit dem Israel nach knapp 19-monatiger Abriegelung erste Touristengruppen ins Land bringt. Man sei erstaunt, dass die Instruktionen des israelischen Tourismusministeriums keine Übernachtungen in Bethlehem zulassen.

 

Jerusalem. Ein israelisches Gericht hat am 8. Oktober  das Urteil einer Vorinstanz aufgehoben, wonach Juden auf dem Jerusalemer Tempelberg beten dürfen, so lange das Gebet still verläuft und nicht gegen Polizeiverordnungen verstößt. 

 

Belgien. Missbrauchsopfer der katholischen Kirche können nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) nicht direkt gegen den Vatikan klagen. Die Richter in Straßburg verwiesen in ihrer am 5. Oktober veröffentlichten Entscheidung auf die völkerrechtlichen Prinzipien zur Immunität von Staaten, die auch für den Heiligen Stuhl gelten. 

 

Kuba. Dutzende Angehörige von inhaftierten Regierungskritikern haben die katholische Kirche in einem Offenen Brief um Vermittlung gebeten. 

 

Italien. Angesichts eines eskalierenden Bandenkriegs in Neapel hat der Erzbischof der süditalienischen Stadt eine Alarmbotschaft veröffentlicht. „Sie töten Neapel!", schrieb Domenico Battaglia auf der Diözesanwebsite. Die „Blutspur", die in den vergangenen Tagen durch mehrere Straßen und Viertel gezogen worden sei, könne niemanden gleichgültig lassen. 

 

 

 USA. Präsident Joe Biden hat den früheren Senator Joseph Donnelly (66) als neuen Botschafter der Vereinigten Staaten beim Heiligen Stuhl nominiert. Der Rechtswissenschafter ist Katholik irischer Abstammung. 

In Chile sind in der Stadt Arauco im Süden des Landes erneut zwei Kirchen abgebrannt. Wie das Portal „BioBio" berichtet, handelt es sich bei den zerstörten Gotteshäusern um eine katholische und eine evangelikale Kirche. 

 

Deutschland. Andrea Anderlik, aktuell Geschäftsführerin der „Caritas für Betreuung und Pflege" in Oberösterreich, wird mit April 2022 die Position der Direktorin des Caritasverbandes für die Diözese Passau übernehmen. 

 


Österreich  

Burgenland. Die Diözese Eisenstadt möchte bald klimaneutral sein und hat bereits „wesentliche Maßnahmen" gesetzt, um dieses angepeilte Ziel zu erreichen. Als Erstes wurden heuer bereits alle Gebäude des Bischofshofes sowie der Dompfarrhof und das neue Diözesanhaus an die Biomassenah(?)wärme angeschlossen. 

 

Wien. Vertreter von Religionsgemeinschaften, junge Theologen und Aktivisten haben am 3. Oktober im Protestcam Lobau eine multireligiöse Feier abgehalten. Diese fand auf jenem Areal statt, auf dem die Anschlussstelle der Stadtstraße Hirschstetten gebaut werden soll.

 

Niederösterreich. Die Tagesstätten der Emmausgemeinschaft in St. Pölten begehen dieser Tage ihr 20-jähriges Bestehen. 

 

Oberösterreich. In der Diözese Linz ist am vergangenen Wochenende der nächste Schritt der Strukturreform erfolgt. Die beiden Dekanate Linz-Nord und Braunau sind als erste „Pionierpfarren" gestartet. 

 

Kärnten. Sakrale Glasfenster in Kärnten, Slowenien und Friaul stehen im Mittelpunkt einer neuen Broschüre der Diözese Gurk. Es ist die bereits 18. Ausgabe der Broschürenreihe der Pressestelle der Diözese zum "Christentum im Alpen-Adria-Raum". 

 

Steiermark. Das Stiftsmuseum Admont wurde erneut mit dem Österreichischen Museumsgütesiegel ausgezeichnet. 

„Wir Trottln lassen die katholische Kirche verhungern." 

In einem ausführlichen Interview mit der "Hamburger Zeit“ hat Sepp Forcher auch zu Volkskultur und Christentum Stellung genommen.
Der Volkskultur fehle heute „ein ganz wichtiges Element, das Christentum. Die Kirche war früher ein Träger der Tradition, sie ist es heute noch. Aber das Publikum wird immer schmäler. "Wir Trottln lassen die katholische Kirche verhungern.“
Er gehe zwar nicht oft in die Kirche: „Aber wir beten schon, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht, wie es halt jeder Mensch tut.“ 

Ab 1986 moderierte Forcher 34 Jahre lang die ORF-Sendung „Klingendes Österreich"; die 200. Sendung im vergangenen Jahr war seine letzte. Seine Frau Helli erlitt vor drei Jahren einen Schlaganfall, seit ein paar Monaten kann sie das Bett nicht mehr verlassen.
Geboren wurde Forcher 1930 in Rom, er wuchs erst in Südtirol auf, bis seine Eltern 1940 optierten und nach Salzburg zogen. Seinen ersten Job hatte Forcher beim Kraftwerksbau von Kaprun. Er wurde Hüttenwirt und später Stadtwirt in Salzburg.                                                           Foto: ORF

Auch das noch...

Bischöfe fordern schnellen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen

Mehr als 70 katholische Bischöfe und Ordensleute aus den G20-Staaten fordern von ihren Heimatländern ein rasches Ende der Nutzung fossiler Brennstoffe.
Der Klimawandel treffe insbesondere die Menschen in armen und klimatisch gefährdeten Gesellschaften, „die am wenigsten zu diesem Problem beigetragen haben", heißt es in dem am Montag u.a. vom deutschen kirchlichen Hilfswerk Misereor veröffentlichten Appell an die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer vor dem Gipfel der G20-Finanzminister in London. "Wir sehen immer schwerere und häufigere Dürren und Überschwemmungen, den Verlust von Ernten und die Zerstörung von Land. Wir können und dürfen angesichts dieses Leids und dieser Ungerechtigkeit nicht schweigen."
Die Welt müsse die fossilen Brennstoffe im Boden lassen, wenn die Menschheit die globale Erwärmung bis Ende 2030 auf unter 1,5 Grad begrenzen wolle, mahnen die Unterzeichnenden.
 

Thomas Brezina las im Stephansdom vor 500 Schülern aus der Bibel

Zu einer ganz besonderen Lesung mit dem Kinderbuch-Bestsellerautor Thomas Brezina und Dompfarrer Toni Faber haben sich am 7. Oktober rund 500 Schülerinnen und Schüler aus acht Volks- und Mittelschulen der Schulstiftung der Erzdiözese im Wiener Stephansdom zusammengefunden. Wie die Schulstiftung am Montag mitteilte, las der österreichische Kinderbuchautor dabei aus seinem Werk „Die Bibel in Reimen". 

Bildungszentrum Kenyongasse groß umgebaut

Eines der größten Bildungszentren Wiens präsentiert sich seit Beginn dieses Schuljahres um ein deutliches Stück größer und moderner: Der Bildungscampus „Mater Salvatoris" in der Kenyongasse (7. Gemeindebezirk), in dem in den vergangenen zwei Jahren 19 zusätzliche Klassenzimmer, ein Turnsaal und ein Restaurant für das Lehrpersonal sowie eine Dachterrasse neu- bzw. umgebaut worden sind. Rund 2.000 Schülerinnen und Schüler sowie über 250 Lehrkräfte profitieren davon, heißt es  vonseiten der Schwestern vom Göttlichen Erlöser, die Trägerinnen des Zentrums sind. Die Bauten wurden dieser Tage bei einem Festakt mit Gottesdienst gesegnet und offiziell ihrer Bestimmung übergeben.  
Mit dem in zwei Jahren umgesetzten Neubau um insgesamt 17 Millionen Euro sei eine ansprechende Lösung für eine zuvor schwierig gewordene Raumsituation gefunden worden, erklärte Martin Pfeiffer, Geschäftsführer des Bildungszentrums Kenyongasse. 
 

Rios Christusstatue feiert Jubiläum

Sie ist zwar nur die viertgrößte Christusstatue der Welt, aber bei weitem die berühmteste: Vor genau 90 Jahren, am 12. Oktober 1931, wurde der „Cristo Redentor", die „Erlöserstatue", auf dem Corcovado-Berg hoch über Rio de Janeiro gesegnet und eröffnet. Wohl über drei Millionen Besucher pilgern jährlich auf den 710 Meter hohen Berg, um den Ausblick auf Rio unter den ausgebreiteten Armen der Statue zu genießen.
Bereits im Jahr 1922 wurde mit dem Bau nach Plänen des brasilianischen Bauingenieurs Heitor da Silva Costa begonnen. Dreißig Meter ist die 1.145 Tonnen schwere Art-Daco-Statue hoch und steht auf einem acht Meter hohen Podest.

 

Wiener Weihbischof Krätzl feiert seinen 90. Geburtstag 

Der Wiener emeritierte Weihbischof Helmut Krätzl feiert am Samstag, 23. Oktober, seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass findet am selben Tag um 18 Uhr im Stephansdom ein Dankgottesdienst statt, dem Kardinal Christoph Schönborn vorstehen wird.
Im Vorfeld seines Geburtstags hat Krätzl im Kathpress-Interview einmal mehr für den mutigen Weg von Papst Franziskus geworben. Franziskus stehe für einen neuen Aufbruch in der Kirche, das werde nicht zuletzt durch den von ihm angestoßenen Synodalen Prozess deutlich. Freilich würden nicht alle Mitarbeiter des Papstes - sei es in der Kurie oder weltweit in den Diözesen - diesen Weg mittragen. Er hoffe aber sehr, so Krätzl, dass sich der Papst durchsetzen werde. So sei etwa mehr Synodalität für die Weltkirche dringend notwendig.
An die heutigen Jugendlichen appellierte der 90-jährige Bischof, sich mit Engagement in die Kirche einzubringen. "Die Jugendlichen sollen sich fragen 'Wer bin ich', 'Was habe ich für Fähigkeit', 'Wo werde ich benötigt?'." Die Kirche brauche dringend die Begabungen der jungen Leute.
Helmut Krätzl… 
… wurde am 23. Oktober 1931 in Wien als Jüngster von vier Geschwistern geboren. Die Matura legte er 1949 am Wasa-Gymnasium ab und studierte infolge bis 1954 an der Universität Wien Theologie. Schon als Kind sei er von der Liturgie fasziniert gewesen, so Krätzl. Sehr früh sei in ihm der Wunsch erwacht, Priester zu werden. 1954 wurde er schließlich zum Priester geweiht. 
Nach zwei Jahren als Kaplan in Baden wurde Krätzl 1956 dem neuen Wiener Erzbischof Franz König als Zeremoniär zugeteilt. Seither war er mit Unterbrechungen in verschiedenen Funktionen immer an der Seite von Kardinal König. 1959 erwarb Krätzl in Wien sein erstes Doktorat in Theologie. (1964 erfolgte das Zweite im Fach Kirchenrecht.) 
1960 war Krätzl gemeinsam mit Kardinal König in Kroatien auf der Fahrt zum Begräbnis von Kardinal Stepinac in einen schweren Autounfall verwickelt. Die Genesung dauerte rund ein Jahr. Danach wurde er von König zum Spezialstudium für Kirchenrecht nach Rom geschickt. In diese Zeit fiel der Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils. Krätzl war bei der ersten Session 1962 als Stenograf mit dabei. 
Es folgten von 1964 bis 1969 Jahre als Pfarrer in Laa an der Thaya. An der Wiener Diözesansynode von 1969 bis 1971 war Krätzl zuerst als Pfarrer, später als Kanzleidirektor, maßgeblich beteiligt. Unter anderem wurden auch dort die Grundsätze des Konzils über das Verhältnis zum Judentum in sehr deutlicher Weise für die Erzdiözese Wien angewandt. 
1977 wurde Krätzl (gemeinsam mit Florian Kuntner) über Vorschlag von Kardinal König von Papst Paul VI. zum Weihbischof für Wien ernannt. Von 1981 bis 1985 war er zudem Generalvikar. Nach dem Rücktritt von Kardinal König aus Altersgründen im Jahr 1985 wurde er vom Wiener Domkapitel zum Diözesanadministrator gewählt. Diese Funktion erlosch 1986 mit der Weihe von Hans Hermann Groer zum neuen Wiener Erzbischof. 
Krätzl blieb daraufhin weiter Weihbischof - zuerst unter Kardinal Groer, dann unter seinem Nachfolger Kardinal Christoph Schönborn. Zu seinem 75. Geburtstag reichte Krätzl 2006 dem Kirchenrecht entsprechend seinen Rücktritt ein. Erst zwei Jahre später, am 6. März 2008, nahm Papst Benedikt XVI. diesen an.