JA 

die neue Kirchenzeitung

 7. Juni 2026 

 
Lesungen:  Hos 6,3-6; Röm 4,18-25;;   Evangelium: Mt 9,9-13.

 

Staatlicher Jubel, kirchliche Sorge 

Österreich hat sich im Ringen um einen nicht ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat für die Periode 2027/28 gegen Deutschland durchgesetzt. Österreich jubelt, der „große Bruder“ ist bitter enttäuscht. 
Die Wahl erfolgte exakt auf den Tag genau 65 Jahre nach dem Zusammentreffen von John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow in Wien. Der US-Präsident und der sowjetische Parteichef hatten die Hauptstadt des neutralen Landes als idealen Treffpunkt auserwählt. 

 


Österreichs Kirche hat derzeit weniger Grund zum Jubeln. Alte Stifte geben Rätsel auf. 
In St. Peter wurde der 58-jährige Erzabt und in Altenburg der 55-jährige Abt ohne ersichtlichen Grund nicht mehr wiedergewählt. Beide erhielten kurz darauf wichtige Posten übertragen. Ersterer vom Abtpräses in Rom, letzterer vom Wiener Erzbischof in Wiener Neustadt. 
Im Zisterzienserorden gibt es nach der Päpstlichen Visitation im Stift Heiligenkreuz nun eine Visitation des Stiftes Rein durch den Generaloberen…   P. Udo 

Papst ernennt erstmals Kommunikationschefin für den Vatikan

Der Vatikan bekommt erstmals eine Kommunikationschefin. Papst Leo XIV. ernannte am Dienstag die 39-jährige Mexikanerin Maria Montserrat Alvarado zur Präfektin des Dikasteriums für die Kommunikation. Am 1. November folgt die bisherige Präsidentin von „EWTN News" auf Paolo Ruffini (69), der das Amt seit 2018 innehatte.
Alvarado wurde in Mexiko-Stadt geboren und ist seit rund zwei Jahrzehnten US-Staatsbürgerin. Von 2009 bis 2023 hatte die studierte Politologin Führungspositionen beim in Washington ansässigen „Becket Fund for Religious Liberty" inne, wo sie sich für Religionsfreiheit und die Förderung der Menschenwürde einsetzte.
Bei EWTN (Eternal Word Television Network) moderierte Alvarado zunächst ein Nachrichtenmagazin, seit 2023 leitete sie den Nachrichtenbereich von EWTN, das sich selbst als weltgrößten religiösen Sender bezeichnet. Finanziert wird das Netzwerk vor allem durch Spenden. Zur EWTN-Gruppe gehören außer zahlreichen Fernseh- und Radiosendern auch die mehrsprachige Nachrichtenagentur CNA und die Zeitung „National Catholic Register".
Papst Franziskus schätzte EWTN nicht
Zwischen Vertretern des 1981 von der Klarissin „Mutter Angelica" Rizzo (1923-2016) gegründeten konservativen Medienkonsortiums und Papst Franziskus (2013-2025) hatte es wiederholt Konflikte gegeben. EWTN ließ oft Kritiker des damaligen Papstes zu Wort kommen. Im Jahr 2021 warf Papst Franziskus bei einem Treffen mit Jesuiten in der Slowakei einem „großen katholischen Sender" - gemeint war offenbar EWTN - vor, üble Nachrede über ihn zu verbreiten.
Alvarado soll die Vatikan-Medien aus der Dauerkrise führen
„Die Vatikan-Kommunikation ist in der Krise", bemerkte kürzlich ein Mitarbeiter. Das ist keine neue Erkenntnis, denn die dafür zuständige Behörde ist eine große und teure Dauerbaustelle. Die beiden letzten Leiter bekamen sie nicht in den Griff, nun soll es erstmals eine Frau richten. Sie hat, wie der Papst, die US-Staatsbürgerschaft.
Alvarado soll das vatikanische Kommunikationssystem reformieren. Ihre beiden Vorgänger taten sich schwer. Der italienische Priester Dario Viganò (2015-2018) strauchelte über die pannenreiche Veröffentlichung eines Briefs des emeritierten Papstes Benedikt XVI. (2005-2013). Sein Nachfolger Paolo Ruffini, der im Oktober in den Ruhestand geht, geriet in die Kritik, weil er weiter Kunstwerke des wegen Missbrauchs beschuldigten Priesters Marko Rupnik in Vatikanmedien veröffentlichte.
Zu Alvarados künftigem Arbeitsbereich gehören, neben der Pressestelle, die traditionsreiche Tageszeitung "Osservatore Romano", die seit Jahren mit sinkenden Auflagen kämpft, Radio Vatikan und das Internetportal Vatican News mit seinen 57 Sprachgruppen. Die Abteilung verwaltet zudem Foto-, Audio-, und Videodienste, eine Druckerei, ein Fernsehzentrum und den vatikaneigenen Verlag „Libreria Editrice Vaticana".
Rund 500 Menschen arbeiten für die Behörde, in der Papst Franziskus 2015 die gesamte Vatikan-Kommunikation zentralisierte. Etwa 40 Millionen Euro jährlich kostet ihr Betrieb.
Foto: Vatican Media.

Papst Leo: „Gott sucht Friedensstifter!“ 

Auch in Zeiten des Krieges wird Papst Leo zufolge Frieden möglich, wenn Menschen auf den Schrei jener hören, die keinen Frieden haben: den Schrei schuldloser Kinder, verzweifelter Eltern, misshandelter Gefangener und Flüchtlinge. „Sie alle haben nur ein einziges Wort auf den Lippen: Frieden!“, erklärte der Papst bei einem Rosenkranzgebet für den Frieden in den Vatikanischen Gärten am Samstagabend, 30. Mai. 

Leo XIV. leitete erneut ein großes Friedensgebet, das diesmal zugleich den Abschluss des Marienmonats Mai markierte. Die Andacht fand vor der Nachbildung der Lourdesgrotte in den Vatikanischen Gärten statt, gebetet wurde der freudenreiche Rosenkranz. 2000 Menschen waren gekommen, um mitzubeten, andere sahen über die Großbildschirme auf dem Petersplatz zu, bei denen auch Gebetsmomente aus 16 in Live-Schalte teilnehmenden Wallfahrtsorten eingeblendet wurden. Die Vatikanmedien übertrugen das Friedensgebet aus dem Vatikan in acht Sprachen live. Insgesamt 100.000 Menschen nahmen nach Angaben des Dikasteriums für die Evangelisierung letztlich dank der Übertragung in über 200 Wallfahrtsorten weltweit teil. 

Vor zwölf Jahren hatte Leos Vorgänger Papst Franziskus in den Vatikanischen Gärten zu einem Friedensgebet für das Heilige Land mit besonderem Zuschnitt eingeladen. Am 8. Juni 2014, wenige Tage nach einer Heiligland-Reise von Franziskus, kamen der damalige israelische Staatspräsident Schimon Peres und der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas zu diesem Friedensgebet von Juden, Christen und Muslimen in den Vatikan. Auch der ökumenische Patriarch Bartholomaios I. war dabei. Am Ende pflanzten die Teilnehmer einen Olivenbaum als Friedenssymbol in den Vatikanischen Gärten. 
Foto: Vatican Media.

 

Donald Trump kritisiert erneut Papst Leo XIV. 

Erneutes Fernduell zwischen US-Präsident Donald Trump und Leo XIV.: Wenige Stunden nach dem globalen Friedensgebet unter Leitung des Papstes, das außer im Vatikan auch an 16 anderen Orten - darunter in der US-Hauptstadt Washington DC - begangen wurde, kritisierte Trump den Papst. Dabei ging er außerdem auf den Besuch des Bürgermeisters von Chicago, Brandon Johnson, im Vatikan ein. Auf seiner Plattform „Truth Social" schrieb Trump: „Jemand sollte dem Papst erklären, dass der Bürgermeister von Chicago ein Nichtsnutz ist, und dass der Iran keine Atomwaffen haben darf!" 

Wie schon bei seiner scharfen Papst-Kritik am 12. April ging Trump nicht unmittelbar auf Leos Worte ein. Stattdessen fügte er reale Fotos von der Begegnung des Papstes mit Chicagos Bürgermeister Johnson vom Freitag ein. Eines davon zeigt den Papst und Vertreter mehrerer Religionsgemeinschaften aus Chicago bei einem interkonfessionellen Gebet im Vatikan. Unter ihnen ist auch der Bürgermeister selbst, dessen Eltern Pastoren in einer Pfingstkirche waren. 

Eines der Bilder hatte der zum linken Flügel der Demokratischen Partei zählende afroamerikanische Politiker zuvor auf der Plattform X mit den Worten kommentiert: „Es war eine Ehre, gestern mit einem wunderbaren Menschen, Seiner Heiligkeit Papst Leo XIV., Zeit zu verbringen." 

 

Orthodoxer Patriarch Theophilos III. bittet Trump um Hilfe 

Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., hat US-Präsident Donald Trump um Schutz der Christen in Nahost gebeten. „Christliche Gemeinschaften im Nahen Osten sehen sich in den letzten Jahren mit einer schwierigen Realität aus Instabilität, wachsenden Bedrohungen und zunehmendem Druck konfrontiert", sagte er laut Mitteilung des Patriarchats bei einem Besuch im Weißen Haus in Washington am Donnerstagabend. 

„Wir sehen, wie alte Gemeinschaften um etwas ganz Grundlegendes bitten: weiterhin in Sicherheit leben zu können, ihren Glauben zu bewahren und die Religionsfreiheit zu wahren", so das Kirchenoberhaupt weiter. Die Wahrung der Religionsfreiheit und der freie Zugang zu den heiligen Stätten seien nicht nur eine religiöse Angelegenheit, sondern eine Voraussetzung für Stabilität, Koexistenz und Frieden in der gesamten Region. 

Der Patriarch bat Trump als „engen Freund und als jemanden, der sich der Bedeutung des Schutzes christlicher Gemeinschaften und der heiligen Stätten bewusst ist", entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Nahostchristen zu ergreifen. 

Höchste Auszeichnung für Trump 

Theophilos III. zeichnete den US-Präsidenten bei der Gelegenheit mit dem Großkreuz des griechisch-orthodoxen Ordens der Kreuzträger vom Heiligen Grab aus. Es ist die höchste Auszeichnung des Orthodoxen Patriarchats von Jerusalem. 

Grünwidl stellt sein „Programm" für die Erzdiözese Wien vor

Sein künftiges „Programm" für die Erzdiözese Wien hat Erzbischof Josef Grünwidl skizziert. Er stehe für eine Kirche mit vertieften Wurzeln im Glauben und in der Gottesbeziehung. Und er stehe für eine Kirche, „die sich einbringt und gut vernetzt ist, ganz besonders mit den spirituell Suchenden, die Raum gibt für Dialog und Begegnung, die ein waches Auge hat für die Fragen der Zeit und für die soziale Wirklichkeit, für Armut, Einsamkeit und Ängste". Grünwidl äußerte sich im Rahmen des Sommerempfangs, zu dem er am Dienstagabend erstmals als Erzbischof Medienschaffende, Menschen aus Kunst und Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und aus der Kirche in das Wiener Erzbischöfliche Palais geladen hatte.
Er sei überzeugt, dass Religion und Glaube immer wichtiger werden, so der Erzbischof. Religion sei die Rückbindung des Menschen an Gott. Diese An- und Rückbindung sei in Zeiten des Umbruchs wichtiger denn je, „sie kann Orientierung und Resilienz schenken, sie bietet Gemeinschaft und ein Obdach für die Seele, ein Sicherheitsnetz im Auf und Ab des Lebens und sie eröffnet eine Hoffnungsperspektive, die über den Tod hinausweist".
Gottesfrage zentral
Als eigentliches „heißes Eisen" der Kirche identifizierte der Erzbischof die Gottesfrage: „Die Gottesfrage treibt uns um, nicht die 'Gotteskrise', denn Gott ist nicht in der Krise. Wir in der Kirche erleben gerade eine kritische Zeit und stehen vor der Frage: Wie können wir besser, überzeugender und verständlicher den Gott der Bibel vermitteln, dass das Leben reicher und existenziell geborgener wird, wenn man sich auf den christlichen Glauben einlässt?"
Er werde seiner Aufgabe als Bischof bzw. werde die Kirche ihrer Aufgabe nur dann gerecht, „wenn wir unsere Glaubenswurzeln stärken und vertiefen und damit bei uns selber anfangen". Rund 1.000 Kirchen und 600 Pfarrgemeinden gebe es zur Zeit in der Erzdiözese Wien. „Wenn viele Getaufte im Glauben wachsen und ihre Beziehung zu Gott vertiefen, wird es auch künftig genügend vitale Gemeinden, Oasen des Glaubens und spirituelle Tankstellen sowie Orte der tätigen Nächstenliebe geben", so Grünwidl.
Kirche sei freilich kein Selbstzweck, „sie ist für die Menschen da und nimmt Anteil an ihren Fragen, Freuden und Sorgen, Hoffnungen und Ängsten", betonte der Erzbischof.
Zuhörer und Brückenbauer
Der Erzbischof schloss seine Rede mit einem Blick auf seine Erzdiözese: Er versuche gut zuzuhören und mit möglichst vielen Menschen im Gespräch zu sein. Er wolle auch ein Brückenbauer sein, „einer, der verbindet, der mithilft, dass Vorurteile sich auflösen, der Begegnung stiftet, in der Ökumene, im interreligiösen Dialog und in unserer Gesellschaft". Er sehe in der Erzdiözese nicht nur Probleme und Herausforderungen, sondern auch Hoffnungszeichen und sei überzeugt: „Die Kirche ist besser als ihr Ruf."
Generationenwechsel beim Personal
Es gebe Aufbrüche, die unter Kardinal Christoph Schönborn entstanden seien „und die wir fortführen", so Grünwidl. Zudem ändere sich aber auch manches. In diesem Jahrzehnt werde fast die Hälfte der Angestellten der Erzdiözese ihr Pensionsalter erreichen, „sodass auch viele Schlüsselstellen neu zu besetzen sind". 

Mosambik: Dschihadisten wollen Kalifat im Norden des Landes errichten

Die Dschihadisten, die in der nördlichen Provinz Cabo Delgado in Mosambik einen Aufstand führen, versuchen nach Einschätzung des Bischofs von Pemba, António Juliasse, ein Kalifat nach dem Vorbild des Islamischen Staates zu errichten. In einer an das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ gesendeten Nachricht bestätigte der Bischof: „Die Anzeichen sind alle da: Sie sprechen offen von einem Kalifat. Wenn sie auf Menschen treffen, wenn sie sie entführen, sagen sie genau das: dass sie für ein Kalifat arbeiten.“
Die dschihadistischen Anschläge in der Provinz Cabo Delgado, in der die Diözese Pemba liegt, begannen 2017. Zunächst griffen die Milizen vor allem Militär- und Regierungsgebäude an. In den vergangenen Jahren nahmen sie in der mehrheitlich muslimischen Region Mosambiks jedoch zunehmend eine antichristliche Haltung ein. Mehr als 300 Katholiken wurden ermordet, viele durch Enthauptung. Mindestens 117 Kirchengebäude wurden zerstört, darunter Kapellen und historische Kirchen wie jene in Meza am 30. April 2026. Angreifer setzten dort die Kirche, das Pfarrbüro sowie weitere Gebäude des kirchlichen Geländes in Brand, darunter auch einen Kindergarten. Es gab zwar keine Toten, aber Medienberichten zufolge wurden mindestens 22 Menschen gefangen genommen.
Antichristliche Rhetorik und Hassrede
Dieses Ausmaß an Gewalt und die antichristliche Rhetorik wirkten sich zunehmend auf die Bevölkerung aus, erklärte Bischof António Juliasse gegenüber „Kirche in Not“. „Was mich beunruhigt, ist die Hassrede, die mit der Gewalt einhergeht. Lange Zeit war die Religion einer der Aspekte, die das Zusammenleben erleichterten. Jetzt aber wird sie zu einem Hindernis, sie beginnt zu spalten. Früher nahmen Christen in den Dörfern von Cabo Delgado an muslimischen Beerdigungen teil und umgekehrt. Jetzt wird dies in Frage gestellt – und das liegt nicht an den Christen!“ Das sei ein Umstand, der die Regierung und die gesamte Gesellschaft beunruhigen sollte, „bevor es zu spät ist“, schloss er.
Die seit neun Jahren andauernde Rebellion im Norden Mosambiks hat das Land, das ohnehin zu den ärmsten der Welt zählt, schwer getroffen. Seit Oktober 2017 forderten die Kämpfe mehr als 6300 Todesopfer; mehr als eine Million Menschen wurden vertrieben.
Foto: Flüchtlingsfamilie aus Mosambik mit Hilfsgütern. © KIRCHE IN NOT
 

Sudan: Helfer warnen vor größter humanitärer Katastrophe weltweit

Kirchliche Hilfsorganisationen haben zu mehr internationaler Not- und Hungerhilfe für die Opfer des Krieges im nordostafrikanischen Sudan aufgerufen. Mit 20 Millionen hungernden Menschen und mehr als 150.000 im Krieg getöteten Menschen sei der Sudankonflikt die größte humanitäre Krise weltweit, erklärten Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas international am Montag.

Bischof Wilmer verteidigt Wechsel von Hildesheim nach Münster

Der scheidende Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer hat seinen Wechsel nach Münster verteidigt. Zwar habe ihn das Domkapitel von Münster gewählt und gefragt. Aber dahinter stehe letztlich auch der Papst, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Montag bei einer Pressekonferenz in Hildesheim. „Das ist schon ein heiliger Ernst, dem ich mich nicht entziehen kann."
Zwar hätte er die Berufung ablehnen können, so der 64-Jährige weiter. „Aber ich hätte dann auch innerlich aufhören müssen als Bischof von Hildesheim." Als Bischof bitte er immer wieder Priester, Seelsorger und andere Mitarbeiter, neue Aufgaben zu übernehmen. Wer das anderen Menschen abverlange, müsse dazu auch selbst bereit sein. "Ich will morgens auch noch vernünftig in den Spiegel gucken können."
Wilmer bekräftigt umstrittenen Satz über Machtmissbrauch
Bei der Pressekonferenz in Hildesheim bekräftigte Wilmer seine Aussage, wonach der Missbrauch von Macht in der DNA der Kirche stecke. „Ich habe dafür viel Haue bekommen - auch international", sagte der Bischof am Montag: „Ich stehe aber zu der Aussage."
Machtmissbrauch sei kein ausschließlich kirchliches Problem, erklärte Wilmer. „Missbrauch von Macht gibt es nicht nur in der Kirche, sondern in allen Systemen." Überall dort, wo Menschen in Gruppen, Verbänden oder Organisationen zusammenwirkten, bestehe die Gefahr, dass Macht missbraucht werde.
Zur Begründung verwies der Bischof auch auf die Bibel. „Wenn Sie das Neue Testament aufschlagen, da streiten sich schon die Jünger darum, wer vorne sitzt." Machtmissbrauch und Seilschaften seien deshalb eine "uralte Geschichte".
 

Kardinal Müller erneuert Kritik an Piusbruderschaft

Ex-Glaubenspräfekt Kardinal Gerhard Ludwig Müller sieht keinen Spielraum für eine volle Wiedereingliederung der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. in die katholische Kirche sofern diese nicht auch die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zur Gänze anerkennt. 
„Die ganze Hermeneutik des katholischen Glaubens würde gesprengt, wenn man außerhalb des Lehramtes der Bischöfe in der Gemeinschaft mit dem Papst noch eine andere menschliche Instanz anerkennen müsste, die nach subjektivem Empfinden und Gutdünken sich autorisiert fühlt, die Einheit des jeweils letzten Konzils mit dem vorangehenden Lehramt festzustellen", sagte Müller in einem vom Portal „kath.net" am 26. Mai veröffentlichten Interview. Erneut hielt der Kardinal fest, dass eine Bischofsweihe ohne ausdrückliche Erlaubnis des Papstes nicht zu rechtfertigen sei.
Die Piusbruderschaft sei keine Ortskirche, die einen Sonderstatus beanspruchen könnte, sondern „nur ein lockerer Zusammenschluss von Priestern und Gläubigen, die sich als Bollwerk gegen die vermeintlichen Irrtümer verstehen, die ihrer Meinung nach von Rom gefördert oder geduldet würden", so Müller, und weiter: „Woher sie ihre Kontrollfunktion gegenüber dem Papst ableitet und beansprucht, erschließt sich der theologischen Vernunft des katholischen Glaubens nur schwer." Aus Sicht des Kardinals ist klar: „Man kann nicht gut katholisch sein, wenn man verbindliche Aussagen des kirchlichen Lehramtes seinem subjektiven Maßstab unterwirft."

Sr. Moises: 6 Jahrzehnte Arbeit für Kolumbiens Menschen 

Die entwicklungspolitische Organisation "Sei So Frei" trauert um Sr. Margaretha Moises. Die aus Bad Hofgastein stammende Franziskaner Missionsschwester, die über Jahrzehnte in Südamerika wirkte, ist am vergangenen Freitag, 29. Mai, mit 94 Jahren in Kolumbien verstorben, teilte „Sei So Frei" am Wochenende mit. 
Sr. Moises habe ihr Leben ganz in den Dienst der Armen in Kolumbien gestellt und dort über Jahrzehnte im Bereich der Bildungs- und Friedensarbeit gewirkt, teilte Wolfgang Heindl seitens „Sei So Frei" Salzburg mit: „Wir sind überzeugt, dass sie im Geiste Erzbischof Romeros, dessen gleichnamigen Preis sie 1982 für ihre herausragenden Verdienste erhalten hat, im Volk von Kolumbien weiterleben wird." Man werde das Werk von Sr. Moises daher auch weiterhin unterstützen. 
Margaretha Moises wurde am 14. März 1932 als viertes Kind einer Bauernfamilie in Bad Hofgastein geboren. Nach Schulbesuchen in Bad Hofgastein und Salzburg trat sie 1950 in den Orden der Franziskaner Missionsschwestern ein. Nach zweijähriger Vorbereitung reiste sie 1953 in die Mission nach Kolumbien. Dort studierte sie u.a. in Cartagena de Indias (Lehramt, Abschluss 1956) und an der Universität Javeriana in Bogotá (Erziehungswissenschaften und Theologie, Abschluss 1970). 
Anschließend engagierte sich Sr. Moises besonders in der Jugendarbeit in abgelegenen ländlichen Gebieten Amazoniens und der Anden. Seit 1980 übernahm sie zudem Lehraufträge an der Universität Javeriana in den Fächern Religionswissenschaften und Pastoraltheologie. 1980 gründete sie die Organisation CEDAL (Zentrum für Bildung & Kommunikation) mit Sitz in Bogotá. 
1998 wurde sie in Salzburg mit dem „Romero Preis" der Katholischen Männerbewegung ausgezeichnet. Außerdem war sie Trägerin des Großen Verdienstzeichens des Landes Salzburg und des Rupert-und-Virgil-Ordens für verdiente Ehrenamtliche (2012). 

Kurznachrichten

Papst Leo XIV. hat vor den negativen Folgen einer überzogenen Nutzung digitaler Technologie durch Jugendliche gewarnt. Bei einer Audienz für Teilnehmer eines Treffens über Bildung, psychische Gesundheit und digitale Technologien sagte er am Samstag im Vatikan, viele Jugendliche hätten die innere Orientierung verloren. Dies sei „eine der größten Formen der Armut unserer Zeit".

 

Papst Leo XIV. hat die Mitglieder der Charismatischen Erneuerungsbewegung in der katholischen Kirche aufgefordert, ihre Erfahrung des Heiligen Geistes in den Dienst der Kirche zu stellen. Bei seiner ersten Begegnung mit der Bewegung am Samstag im Vatikan würdigte er die geistliche Lebendigkeit der Charismatiker und ermahnte sie, nicht der Versuchung zu Selbstdarstellung oder Machtstreben nachzugeben. 

 

Papst Leo XIV. hat sein Paypal-Guthaben zurückerhalten. Der Schatzmeister des US-Bundesstaates Illinois, Michael Frerichs, brachte dem Kirchenoberhaupt die 8,65 US-Dollar nach Rom. 

 

Vatikan. Die Sozialenzyklika „Magnifica Humanitas" von Papst Leo XIV. wird vorerst nicht auf Latein erscheinen. Vatikanische Quellen rechnen mit der offiziellen Übersetzung erst "nach der Sommerpause". Dem Vernehmen nach arbeiten mehrere Latinisten im Vatikan unter Hochdruck an der Fassung.

 

Jerusalem. Nach umfassenden Restaurierungsarbeiten ist die Paternosterkirche auf dem Jerusalemer Ölberg wiedereröffnet worden. 

 

In Nigeria hat ein Gericht die vier Männer zum Tode verurteilt, die des Anschlags auf eine katholische Kirche mit über 40 Toten und mehr als 100 Verletzten für schuldig befunden wurden. 

 

Schweiz. Die katholischen Bischöfe haben zum Auftakt ihrer dieswöchigen Vollversammlung die Bewohner eines staatlichen Asylquartiers im Kanton Schwyz besucht. 

 

Deutschland. Der Kölner Dom kostet ab 1. Juli 12 Euro Eintritt für Touristen. Domrendant Clemens van de Ven: Das Unesco-Weltkulturerbe koste pro Tag 44.000 Euro.

Moldau. Metropolit Petru (Paduraru), das 79-jährige Oberhaupt der Rumänisch-orthodoxen Kirche in der Republik Moldau, hat am 27. Mai seinen Rücktritt eingereicht. Am Tag danach berichteten Medien von Videoaufnahmen, die den Geistlichen in eindeutigen sexuellen Posen mit einem zweiten Mann zeigen sollen. Einige Medien berichten auch von einer angeblichen Erpressungsaktion gegen den Metropoliten. 

Österreich


Salzburg. Die gesamte Redaktion des Rupertusblattes verlässt die Wochenzeitung, wie die „Salzburger Nachrichten" (SN) am Mittwoch berichteten. Die Kirchenzeitung der Erzdiözese Salzburg zählt 6.600 Abonnenten.

 

Steiermark. Philipp Helm, Abt des Zisterzienserstiftes Rein, sieht der kommenden Visitation durch Zisterzienser-Generalabt Mauro-Giuseppe Lepori zuversichtlich entgegen. 

 

Wien. Eine Jury des dreitägigen theatralen Dokumentationsformats „Das Glaubenstribunal" von Festivalintendant Milo Rau hat in einem „Urteil" am Sonntag theokratischen Herrschaftsformen in Form eines Gottesstaates eine endgültige Absage gegeben. Nach dem insgesamt dritten verhandelten Fall "Bad Religion. In den Kerkern des Allmächtigen und seiner Theokratien", bei dem iranische Frauen der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit" Zeugnis über ihre Inhaftierung, Folter und Verfolgung unter dem "Mullah-Regime" gaben, hätte diese Entscheidung wohl nicht anders ausgehen können.

 

Niederösterreich. Franz Xaver Brandmayr (70), derzeit Dompropst von Wiener Neustadt, wird neuer Rektor des Österreichischen Pilger-Hospizes in Jerusalem. Als Propst in Wiener Neustadt folgt ihm mit 1. September der frühere Abt von Stift Altenburg, P. Thomas Renner (55) nach. 

 

Vorarlberg. Nach der Sanierung sind im Kloster Mehrerau in Vorarlberg fünf neue Gästezimmer zu den bestehenden zwölf hinzugekommen.

Neun NS-Opfer werden in Krakau seliggesprochen

Neun in deutschen Konzentrationslagern ermordete polnische Ordensleute der Salesianer wurden am Samstag (6. Juni) in Krakau seliggesprochen. 
Die Salesianer waren in verschiedenen polnischen Regionen als Seelsorger und Erzieher tätig. Sie wurden Kirchenangaben zufolge im Zweiten Weltkrieg von den deutschen Besatzern aus „Hass auf den Glauben" verhaftet und getötet. Pater Jan Swierc und sieben seiner Gefährten starben zwischen Juni 1941 und September 1942 in Auschwitz, Pater Franciszek Miska im Mai 1942 im KZ Dachau.
Die deutschen Besatzer verfolgten in Polen im Zweiten Weltkrieg gezielt den katholischen Klerus. Nach Angaben der Polnischen Bischofskonferenz kamen insgesamt etwa 2.800 polnische Geistliche durch die Nationalsozialisten ums Leben, darunter sechs Bischöfe. 

Auch das noch...

Kopten nehmen theologischen Dialog mit Katholiken wieder auf 

Die koptisch-orthodoxe Kirche hat den theologischen Dialog mit der römisch-katholischen Kirche wieder aufgenommen. Grund dafür sind Zusicherungen von Papst Leo XIV. zur Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, berichtet die Internetseite „Catholic Culture". Die Synode der koptisch-orthodoxen Kirche teilte am 22. Mai mit, dass die Entscheidung aufgrund von Zusagen gefallen sei, die während eines Telefonats zwischen Papst Tawadros II. und Papst Leo XIV. am 15. Mai ausgesprochen wurden. 
Die koptisch-orthodoxe Kirche hatte den Dialog im März 2024 ausgesetzt, nachdem die vatikanische Erklärung „Fiducia supplicans" veröffentlicht worden war. Das Dokument, das unter bestimmten Umständen Segnungen auch für homosexuelle Paare ermöglicht, war bei den Kopten auf deutliche Ablehnung gestoßen.

Bischof kritisiert Ordensführung in rumänischem Immobilien-Streit 

Im Immobilien-Streit zwischen dem katholischen Orden der Prämonstratenser und der Behörde der westrumänischen Stadt Oradea hat der Vorsitzende der Rumänischen Katholischen Bischofskonferenz, Laszlo Böcskei, jetzt zu einer friedlichen Lösung aufgerufen. Kritik übte er dabei an der Ordensführung: Der Abt der Prämonstratenser, der zugleich einziges Mitglied seiner Gemeinschaft ist, habe einen Dialog „kategorisch abgelehnt", was letzte Woche zu der aufsehenerregenden Zwangsräumung geführt habe. 
In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) erläuterte Böcskei als Bischof von Oradea Mare die Hintergründe des Streits. Der Gebäudekomplex aus Schule, Kloster und Kirche sei bereits vor den kommunistischen Verstaatlichungen in Besitz des rumänischen Staats übergegangen. Rückgewinnungsversuche der Prämonstratenser blieben demnach erfolglos. Die Entscheidung der Stadtregierung, das denkmalgeschützte Gebäude im Rahmen eines EU-geförderten Projekts zu renovieren, habe den Streit wieder aufflammen lassen. 

 

Tschechien: Kirche und Missbrauchsbetroffene kooperieren 

Die Tschechische katholische Bischofskonferenz und eine Betroffeneninitiative arbeiten künftig im Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche zusammen. Der Prager Erzbischof Stanislav Pribyl und Jiri Kylar, Vorsitzender des Vereins „Jemand wird dir glauben", unterzeichneten am Dienstag in Prag öffentlich ein entsprechendes Memorandum. Bewusst fand die Unterzeichnung unter freiem Himmel bei der Statue der „Jungfrau Maria im Exil" am Strahov-Kloster statt. Man wolle damit Offenheit gegenüber Menschen ausdrücken, denen der Zugang zu kirchlichen Räumen aufgrund ihrer schmerzhaften Erfahrungen schwerfällt, hieß es. 
Der Verein „Jemand wird dir glauben" (Nekdo Ti uveri) vereint Betroffene sexuellen Missbrauchs sowie Fachleute. 
 

EGMR verurteilt Türkei wegen Vorgehen gegen orthodoxe Geistliche 

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die Türkei verurteilt und zwei Geistliche des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel rehabilitiert, die laut EGMR in ihren Grundrechten verletzt worden sind. 
 Konkret geht es um zwei griechisch-orthodoxe Geistliche, die schon vor ca. 15 Jahren in Vorständen von Minderheitenstiftungen (Vakifs) in Konstantinopel tätig waren, durch einen Beschluss der türkischen Generaldirektion für Stiftungen aber aus ihren Ämtern entfernt wurden, wie das Nachrichtenportal „OrthodoxTimes" berichtete. Die türkischen Behörden argumentierten, dass sie als Geistliche nicht gleichzeitig administrative Positionen in Stiftungen bekleiden dürften. Der folgende Rechtsstreit zog sich über rund 15 Jahre. 
Das Gericht kam zu dem Schluss, dass die türkischen Behörden keine ausreichende und hinreichend klare Rechtsgrundlage für den Ausschluss der Betroffenen aus den Leitungsgremien von Stiftungen in Minderheitenbesitz dargelegt hatten. Der Ausschluss der beiden Geistlichen von der Verwaltung griechisch-orthodoxer Gemeindestiftungen stelle zudem einen ungerechtfertigten Eingriff in ihre Rechte gemäß der Europäischen Menschenrechtskonvention dar. 
Darüber hinaus ordnete der Gerichtshof an, dass die Türkei jedem Antragsteller eine Entschädigung in Höhe von 2.000 Euro zahlen und die während des Verfahrens entstandenen Rechtskosten und Auslagen übernehmen muss. 

Basketballbegeisterte US-Ordensfrauen werden zum Internet-Hit

In der Nacht zum Donnerstag startete die Endrunde der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA: Wenn die San Antonio Spurs um 2.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit im ersten von bis zu sieben Spielen gegen die New York Knicks antreten, fiebern sicher auch die „Spurs Nuns" wieder mit. Die katholischen Ordensschwestern gingen bei vergangenen Spielen mit ihrer Unterstützung des texanischen Teams viral.
In einem Kurzvideo in den Sozialen Medien ist zu sehen, wie einige der Nonnen mit Basketballtrikots über dem Ordensgewand die Spieler, die sie bei weitem überragen, beim Einlauf per Handschlag begrüßen. Andere Videos zeigen, wie sie das Team anfeuern oder wie sie Spurs-Spieler Luke Kornet vor einem der Halbfinalspiele gegen den noch amtierenden Meister Oklahoma City Thunder segnen.
Besondere Beziehung zum Basketball
Aber nicht nur in den Sozialen Medien ist das aufgefallen; auch in Nachrichtensendungen sind die Schwestern zum Thema geworden. Auf der Internetseite ihres Ordens beschreiben die Don-Bosco-Schwestern ihre besondere Beziehung zu den San Antonio Spurs, die weit über den Basketball hinausgehe: Die Schwestern hätten sich dazu verpflichtet, junge Menschen zu begleiten, Beziehungen aufzubauen und „Freude auf eine Weise zu teilen, die die Herzen der Jugendlichen anspricht".
So sei Sport für sie mehr als Unterhaltung, denn „Sport schafft eine gemeinsame Basis mit der Jugend, öffnet Türen für Gespräche und bietet eine natürliche Möglichkeit, Teamwork, Disziplin und Tugend zu fördern". Deshalb bedeute ihnen die Unterstützung der Spurs viel, so die Ordensfrauen.