JA 

die neue Kirchenzeitung

 21. Juni 2026 

 
Lesungen:  Jer 20,10-13; Röm 5,12-15;   Evangelium: Mt 10,26-33.

Pfarrer – (un-)ersetzbar?

Im Bistum Speyer wird es künftig nur noch neun Pfarreien statt bisher 70 geben. Am Wochenende segnete die Diözesanversammlung in Neustadt einstimmig (!) die Grundpfeiler der neuen Seelsorgestrukturen ab, berichtet Vatican News.
Im Bistum Speyer leben 1,6 Millionen Menschen, von denen 450.000 katholisch sind.
Die neuen Pfarreien werden von einem Vorstand aus drei Personen geleitet: einem leitenden Pfarrer, einer Pfarreireferentin oder einem -referenten sowie einer Pfarramtsleitung. Für den leitenden Pfarrer und den Referenten gilt, dass sie maximal für zwei Mal sechs Jahre ernannt werden können. Danach müssen sie wechseln.

Ein Pfarrer für 170.000 Menschen, darunter 50.000 Katholiken. Für die einfachen Gläubigen ist der Pfarrer dann so weit weg wie in vielen Diözesen der Bischof. 

Und egal wie der Pfarrer wirkt, in spätestens 12 Jahren muss er weichen.
Die deutsche Kirche will immer mehr zur beziehungslosen Verwaltungseinheit werden. Niemand steht – wie sonst nur in Diktaturen - dagegen auf. Verwunderlich? Nein, typisch für das System.
In Speyer gab es 2021 bis 2025 zwei Priesterweihen, heuer eine.
Man setzt auf säkulare Strukturänderungen, nicht auf kirchliche Reformen.  
In Frankreich empfingen heuer über 20.000 Jugendliche und Erwachsene zu Ostern in der katholischen Kirche das Taufsakrament.
Den Pfarrgemeinden dort kommt beim Weg zur Erwachsenentaufe eine zentrale Bedeutung zu. Entgegen der häufigen Annahme eines Bedeutungsverlusts der Pfarren sind diese in Frankreich oft der erste Ort kirchlicher Begegnung. P. Udo 

Libanon: Wie eine christliche Gemeinde von 120 auf nur noch 12 Gläubige geschrumpft ist

Innerhalb weniger Monate ist die christliche Gemeinde im südlibanesischen Dorf Al-Kfour im Distrikt Nabatäa nahezu verschwunden: Von rund 120 Gläubigen leben heute nur noch knapp ein Dutzend dauerhaft vor Ort. Für den maronitischen Pfarrer Youssef Semaan ist diese Entwicklung mehr als eine Folge der anhaltenden Kämpfe. Sie stellt für ihn auch die Frage, ob das, was über Jahrzehnte an Vertrauen und Zusammenhalt gewachsen ist, den Krieg überstehen kann. Aktuell hat er daran große Zweifel, wie er im Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) erklärte.
Einsatz für Versöhnung – jetzt ist das Miteinander zerstört
„Vor vielen Jahren beschloss ich, nach Al-Kfour zurückzukehren, um Zeugnis davon zu geben, dass Vergebung möglich ist. Doch der aktuelle Krieg zerstört nach und nach das Vertrauen. Das Zusammenleben wird immer schwieriger“, erklärte Semaan. Mit Al-Kfour verbindet ihn eine besondere und schmerzliche Familiengeschichte: Sein Vater Khalil, ebenfalls maronitischer Priester – in der maronitischen Kirche können verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden –, wurde am 2. Dezember 1987 während des libanesischen Bürgerkriegs auf dem Weg zur Feier der heiligen Messe entführt und starb Jahre später in Gefangenschaft.
Trotz dieses Schicksals entschied sich Youssef Semaan, selbst Priester zu werden – und dort als Seelsorger zu wirken, wo sein Vater entführt wurde. Für ihn war das ein bewusstes Zeichen: Gewalt sollte nicht das letzte Wort behalten. Nun erlebt er erneut, wie der Krieg Menschen aus ihrer Heimat drängt – und das gewachsene Miteinander zerstört.
Seit Beginn der jüngsten Eskalation Anfang März seien viele Familien nach Beirut oder Sidon geflohen. Manche hätten keine Möglichkeit gehabt zu bleiben, andere hätten ihre Existenz zurücklassen müssen. „Einige hatten nicht die Mittel, um wegzugehen. Andere besitzen Vieh und konnten sich nicht damit abfinden, es zurückzulassen“, berichtete der Priester.
Der Südlibanon ist seit Beginn der Militäroffensive in Reaktion auf den islamistischen Terrorangriff in Israel erneut zur Kampfzone geworden. Ziel sind Hisbollah-Stellungen in der Region. Aber immer mehr geraten auch zivile Ziele ins Fadenkreuz. Betroffen sind auch die Christen, von denen es verhältnismäßig viele im Südlibanon gibt. 
„Hoffnung allein reicht nicht“
Auch Semaan selbst musste sein Dorf aus Sicherheitsgründen verlassen. In den vergangenen Monaten konnte er zweimal zurückkehren; mit den verbliebenen Familien hält er täglich über Nachrichten Kontakt.
Die Lage hat sich zuletzt weiter verschärft: In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni wurden nach Angaben des Priesters drei Häuser zerstört, die Gemeindemitgliedern gehörten. Auch sein eigenes Haus sei beschädigt worden. „Jede Woche ist gefährlicher als die vorherige. Die Situation ist unerträglich geworden“, sagte Semaan. Viele Familien stünden inzwischen vor einer Entscheidung, die weit über die aktuelle Krise hinausreiche: bleiben und ihr Leben riskieren – oder ihre Heimat verlassen, ohne zu wissen, ob eine Rückkehr jemals möglich sein wird.
Foto: Der maronitische Priester Youssef Semaan feiert Gottesdienst in seinem fast verlassenen Heimatort Al-Kfour. © KIRCHE IN NOT

Beschuss im Libanon: Hilfskonvoi mit Nuntius muss Route ändern

Ein Konvoi aus 45 Lastwagen und Fahrzeugen, beladen mit Lebensmittelhilfen, Medikamenten und Treibstoff für drei christliche Dörfer im Südlibanon, hat aufgrund von Schusswechseln zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah seine Route ändern müssen. Betroffen davon war auch der Apostolische Nuntius im Libanon, Erzbischof Paolo Borgia, der den Konvoi begleitete. „Wir befinden uns in einer Kriegssituation, aber wir werden den Menschen weiterhin helfen", bekräftigte der Nuntius am Sonntag gegenüber Radio Vatikan. Der Vorfall hat sich demnach bereits am Donnerstag ereignet. Der humanitäre Konvoi war vom Nuntius gemeinsam mit der Caritas und anderen katholischen Organisationen organisiert worden.

Religionsfreiheit in 14 Teilnehmerländern der Fußball-WM bedroht

In 14 der insgesamt 48 Teilnehmerländer der aktuellen Fußball-WM 2026 ist die Religions- oder Weltanschauungsfreiheit eingeschränkt. Darauf hat das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not" aufmerksam gemacht. In drei Staaten - Iran, Saudi-Arabien und in der Demokratischen Republik Kongo - sei religiöse Verfolgung dokumentiert. In elf weiteren Ländern, darunter auch in den Heimatländern der österreichischen WM-Gruppengegner Algerien und Jordanien, gibt es laut dem jüngsten Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025" schwere Formen der Diskriminierung.
Als besonders gravierend stuft das Hilfswerk die Situation im Iran und in Saudi-Arabien ein. Gesetzliche und gesellschaftliche Vorgaben würden dort die Religionsfreiheit erheblich einschränken. Konvertiten und Angehörigen religiöser Minderheiten drohten bei Verstößen Haftstrafen und teilweise sogar die Todesstrafe. Auch in der Demokratischen Republik Kongo bleibe die Lage, verschärft durch die Gewalt im Osten des Landes, angespannt.
Unter den weiteren Teilnehmerländern mit Einschränkungen der Religionsfreiheit listet der Bericht unter anderem Marokko, Tunesien, Katar, Ägypten, die Türkei sowie Usbekistan und den Irak. 
In der Zusammensetzung des irakischen Fußball-Nationalteams, das am Dienstag gegen Norwegen in das WM-Turnier startete, sieht „Kirche in Not" derweil ein „Zeichen der Hoffnung". Die Mannschaft sei ein Beispiel dafür, wie Menschen unterschiedlicher religiöser und ethnischer Herkunft gemeinsam auftreten können. Unter den Spielern befänden sich auch Christen, obwohl deren Bevölkerungsanteil im Irak unter einem Prozent liegt.
Foto: Fußballmannschaft an der katholischen Universität Erbil im Irak (Archivbild). © KIRCHE IN NOT

WM-Spiel Deutschland gegen Curacao endete mit gemeinsamem Gebet

Am Sonntag jubelte das deutsche Nationalteam nach seinem 7:1-Sieg gegen Curacao, doch der Abend endete mit einem gemeinsamen Lobpreis beider Mannschaften. Am Mittelkreis des NRG-Stadions in Houston versammelten sich nach dem Match mehrere Spieler beider Mannschaften, um gemeinsam zu beten. Die DFB-Profis Felix Nmecha (25) und Jonathan Tah (30) bildeten mit fünf Spielern Curacaos einen Mittelkreis, legten die Arme umeinander und senkten die Köpfe. „Wir sind im Spiel Gegner. Nach dem Spiel sind wir alle Christen und Brüder. Wir haben einfach ein kleines Gebet zusammen gemacht, weil wir alle sehr dankbar sind", erklärte Nmecha später im Interview mit der ARD.

Papst bei Trauermesse für Kardinal Ruini: Weiser und mutiger Hirte

Papst Leo XIV. hat den verstorbenen Kardinal Camillo Ruini als "weisen und fürsorglichen Hirten der Herde Christi" gewürdigt. „Er verstand es, das Volk Gottes und seine Mitbrüder im Bischofsamt in wichtigen und heiklen Momenten zu führen und begegnete vielfältigen Herausforderungen mit Leidenschaft, Urteilsvermögen und Mut", sagte der Papst am Donnerstag im Petersdom über den früheren langjährigen Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz.
„Wir verdanken ihm Erkenntnisse und Initiativen, die den Weg der kirchlichen und zivilen Gemeinschaften tiefgreifend geprägt haben", so Leo XIV. bei der Trauermesse für Ruini. Der Kardinal, über Jahrzehnte eine der prägendsten Persönlichkeiten der Kirche Italiens, war am Dienstag im Alter von 95 Jahren gestorben.
Dialogbereite Präsenz auf vielen Ebenen
Ruini habe sich für den Beitrag der katholischen Welt in den verschiedenen Bereichen des religiösen, zivilen und politischen Lebens in Italien engagiert, etwa mit dem "Kulturprojekt", betonte Leo XIV. Eigens hob er die Diözesansynode und ihre Umsetzung in Rom, Ruinis dialogorientierte Präsenz auf verschiedenen Ebenen des kirchlichen Lebens sowie der säkularen Welt und Gesellschaft hervor.
Nach dem Niedergang der Christdemokraten Mitte der 1990er Jahre stützte Ruini Ministerpräsident Silvio Berlusconi (1936-2023). 2010 machte Papst Benedikt XVI. den als Generalvikar der Diözese Rom emeritierten Kardinal 2010 zum Leiter der Untersuchungskommission für die Vorgänge im Marienwallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina. Nahezu bis zuletzt meldete sich Ruini zu aktuellen Vorgängen zu Wort.
Foto. Vatican Media.

Hilfswerk „Korbgemeinschaft": Dramatische Zustände in Syrien

Unvorstellbare Armut, steigende Kriminalität, eine für die meisten Menschen unerschwingliche medizinische Versorgung, politische Instabilität und immer weniger Hilfe aus dem Westen. So fasst der in Wien tätige und aus Syrien stammende Priester Hanna Ghoneim die aktuelle Lage für fast alle Menschen in seiner Heimat zusammen. Ghoneim leitet das Wiener Hilfswerk „Korbgemeinschaft", das in Syrien tätig ist. „Was in Syrien derzeit geschieht, ist auf jeden Fall menschenunwürdig", so das Fazit des Geistlichen, der zugleich um Spenden bittet.
In einem Kathpress vorliegenden aktuellen Bericht schildert er die Zustände vor Ort. Mittlerweile gebe es zwar mancherorts fast ständig Strom, „leider jedoch nicht überall und außerdem ist der Strom sehr teuer geworden". Das Monatsgehalt der meisten Menschen könne die Kosten nicht abdecken. "Die Energiepreise sind kürzlich wieder abrupt um 30 Prozent gestiegen. Damit sind fast alle Waren aufgrund gestiegener Transportkosten empfindlich teurer geworden", berichtet Ghoneim. Selbst Brot sei teurer geworden.
Das durchschnittliche Monatsgehalt liege derzeit umgerechnet bei 100 Euro. Das sei höher als früher. Eine Familie brauche jedoch mindestens 1.000 Euro, um halbwegs menschenwürdig leben zu können. Und es gebe viel zu wenige Jobs. Die Arbeitslosigkeit sei enorm. Die Einkommen seien zudem sehr ungerecht verteilt. Ghoneim: "Einige bekommen in fremden Devisen sogar vierstellige Summen, andere werden in lokaler Währung sehr schlecht bezahlt."
Es gebe immer noch kein Parlament, das Gesetze erlässt. Man merke, „dass in der Politik und Wirtschaft Chaos herrscht und dass die jetzige Regierung viele Schwierigkeiten zu bewältigen hat". Das Niveau des Unterrichts an staatlichen Schulen sei merklich zurückgegangen. Das Bildungsniveau an Privatschulen sei noch gut, allerdings seien die Schulkosten extrem gestiegen und eine enorme Belastung für die Familien. Nachsatz: „Viele Familien fragen hier ratlos um Hilfe."
Auch die medizinische Versorgung sei alles andere als zufriedenstellend, so der Geistliche: „In Spitälern fehlt es oft an Materialien für Behandlungen und Operationen. In manchen Fällen muss der Patient diese selbst besorgen und beistellen, denn sonst kann die Behandlung nicht durchgeführt werden." Schon allein die Kosten für Diagnosen seien für viele unerschwinglich geworden. Es gebe zwar auch private Krankenhäuser, "aber die sind sehr kostspielig". Krebskranke müssten mit astronomischen Summen rechnen. Die Folgen für die Familien seien verheerend.
Soziale Einrichtungen wie Altenheime, Waisenhäuser oder Behindertenschulen und -heime seien ständig von der Schließung bedroht, da es immer schwieriger werde, das Personal, die Pflege und die Aufrechterhaltung des Betriebes zu finanzieren.
Zugleich werde die Hilfe von Hilfswerken aus dem Westen immer geringer. Und Investoren blieben auch aus, „da es weder eine gesunde Infrastruktur, noch Sicherheit gibt". Die politische Lage sei instabil und die Kriminalität nehme zu.
Die Sicherheitslage auf dem Land sei noch prekärer als in den Städten. "Große Angst hat man vor Motorradfahrern, die den Passanten Sachen im Vorbeifahren aus den Händen reißen", so Ghoneim: „Niemand kann etwas dagegen tun, da solche Räuber meistens bewaffnet sind. Den Schutz durch eine funktionierende Polizei gibt es kaum."
Trotz dieses erschreckenden Befunds wolle er die Hoffnung und den Glauben an eine bessere Zukunft nicht aufgeben. „Es ist vielleicht gerade jetzt die Zeit, die Kultur der Nächstenliebe mit aller Kraft zu fördern und zu verbreiten. Es beginnt alles klein. Mit viel Ausdauer, Glaube, Hoffnung und Beharrlichkeit können wir viel zur Heilung der Gesellschaft beitragen", schreibt Ghoneim.
„Korbgemeinschaft - Hilfe für Syrien"
Die Hilfe der „Korbgemeinschaft" kommt der christlichen Minderheit, aber auch vielen Muslimen zugute. Partner der "Korbgemeinschaft" vor Ort sind kirchliche Einrichtungen wie auch einzelne Priester, die von der Gemeinschaft bei ihrer seelsorglichen und sozialen Hilfe unterstützt werden. Beispielsweise wird Binnenflüchtlingen bei der Begleichung von Mieten und Energiekosten geholfen, Bekleidung für Bedürftige organisiert oder ärztliche Versorgung vermittelt. Unter anderem hat die „Korbgemeinschaft" nahe bei Damaskus eine Großbäckerei errichtet, in der für bedürftige Menschen günstiges und zugleich hochwertiges Brot hergestellt wird. Zudem wurden einige Sozialmärkte eröffnet, in denen die Menschen Grundnahrungsmittel zu stark verbilligten Preisen kaufen können.
Spendenkonto: Korbgemeinschaft, IBAN: AT94 2011 1828 5755 6000.

Hohe Auszeichnung für Arzt und Theologen Prof. Huber

Der Wiener Arzt und Theologe Prof. Johannes Huber (80) ist am Freitagabend für sein „mutiges wissenschaftliches Engagement" mit dem Thomas-Morus-Preis ausgezeichnet worden. Die Verleihung fand im Rahmen eines Festaktes im Kaisersaal des Stiftes Heiligenkreuz statt. Der Preis wird vom Alten Orden von St. Georg an Personen vergeben, „die im öffentlichen Leben kompromisslos ihr Bekenntnis zur christlichen Werteordnung bezeugt haben und ihrem christlichen Gewissen gefolgt sind", wie es hieß. Huber selbst hielt in seiner Dankesrede einmal mehr ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, dass Glaube und Wissenschaft einander nicht ausschließen, sondern bedingen.
Huber sprach von einer „gewaltigen transzendentalen Verarmung der Gegenwart". Die Erhebung des Konsums zum Maß aller Dinge gleiche einer säkularen Investitur, einem „Eintrittsschein in die Neue Zeit". Man breche alle Brücken zu anderen Seinsweisen ab und sei an Fragen der Transzendenz nicht mehr interessiert. Würde man diese Verarmung als Christen akzeptieren, so Huber, „wäre das fatal".
Huber verwies in diesem Zusammenhang etwa auf den deutschen Philosophen Jürgen Habermas, der in einem seiner letzten Interviews vor seinem Tod vor einem „Wellness-Christentum" gewarnt hatte, das die große Erzählung von Tod und Auferstehung „hinausettiketiere". Der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk betone in gleicher Weise, dass es ein großer Fehler wäre, „wenn die christliche Urbotschaft des Exilcharakters unseres Lebens allein in Charity umgemünzt würde".
Abgesehen von immer wieder versuchten Sticheleien, etwa durch die Infragestellung von Kreuzen in öffentlichen Gebäuden oder einseitig geführten Diskussionen über den Religionsunterricht, stehe im Hintergrund dieser gesellschaftlichen Debatten eine andere Auseinandersetzung, so Huber. Es gehe um die „Intellektuelle Redlichkeit der Jenseitigkeit". An dieser „Front" stellt sich für den Mediziner und Theologen die große Auseinandersetzung der Gegenwart dar, „denn man wehrt sich, zu dieser Grundfrage auch die Wissenschaft zuzulassen". Nachsatz: "Das war ein Grundanliegen Kardinal Franz Königs. Es war auch das Thema des letzten Gespräches, das ich vor seinem Tod mit ihm hatte."
Es sei ein Alleinstellungsmerkmal des christlichen Glaubens, den Kontakt mit der Wissenschaft bzw. mit der Vernunft zu suchen, führte der Mediziner und Theologe weiter aus.
Als der Mensch erstmals das Transzendente verspürte
Huber kam auch auf seine eigene wissenschaftliche Profession zu sprechen: „Wir Gynäkologen sind so etwas wie Archäobiologen der Evolution und wir glauben, nachzeichnen zu können, wie erstmals unser Gehirn das Transzendente verspürte." Es müsse vor ca. 1, 7 Millionen Jahren gewesen sein, als eine Veränderung in den mitochondrialen Kaliumkanälen zu einer explosionsähnlichen Vergrößerung des Großhirns führte „und unsere Ahnen die ausgestreckte Hand des Schöpfers zugestreckt bekamen". Die Sensibilität für Transzendentes „wurde zur Mitgift unserer Gehirnentwicklung".
Huber zitierte u.a. auch den Psychotherapeuten Otto Kernberg, der dies so zusammengefasst habe: „Aufgrund dieser Evolution hat der Mensch Gott entdeckt - und nicht erfunden". Und der Hirnforscher Wolf Singer habe kürzlich gemeint: "Ich lebe mit der Gewissheit, dass das, was sich uns erschließt, nur ein kleiner Teil von etwas Größerem, nicht Erfassbarem sein kann."
Huber verwies in seiner Rede auch noch auf zahlreihe weitere Wissenschaftler - Roger Penrose, Federico Faggin, Anton Zeilinger, Albert Einstein oder Walter  Thierring -, für die die Vergänglichkeit nicht das letzte Wort hat und eine Seinsweise jenseits des irdischen phänomenalen Raums wohl außer Zweifel steht.
Mediziner und Sekretär Kardinal Königs
Johannes Huber wurde am 31. Mai 1946 in Bruck an der Leitha geboren, studierte in Wien Theologie und Medizin und war von 1973 bis 1983 Sekretär von Kardinal Franz König (1905-2004). 1985 habilitierte er an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Von 1992 bis 2011 war er Leiter der klinischen Abteilung für gynäkologische Endokrinologie im Wiener AKH. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten gehören die Frauen- und Altersforschung. Bis 2007 leitete er die Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt.
Immer wieder sorgte Huber mit seinen Büchern für Aufsehen. 2008 verfasste er etwa zusammen mit dem Physiker Walter Thirring das Buch „Baupläne der Schöpfung - Hat die Welt einen Baumeister?". Und auch in seinen Büchern „Es existiert - Die Wissenschaft entdeckt das Unsichtbare" (2016), "Der holistische Mensch - Wir sind mehr als die Summe unserer Organe" (2017) und „Woher wir kommen. Wer wir sind. Wohin wir gehen: Die Erforschung der Ewigkeit" (2018) plädierte er dafür, dass Naturwissenschaften und Theologie keine Gegensätze sind. 

Hilfswerk: Christliche Einrichtung in Pakistan von Islamisten bedroht

Von einem zunehmenden Klima der Angst in Pakistan, verursacht von islamistischen Gruppen, die den aktuellen Nahostkonflikt instrumentalisieren, berichtet das Hilfswerk „Christen in Not" (CiN) in seiner aktuellen Ausgabe des Magazins „CIN". Immer wieder werde versucht, die Christen für einen Krieg verantwortlich zu machen, den sie selbst verurteilen. Im schlimmsten Fall diene dies dazu, Gewalt zu legitimieren, so CiN. Zuletzt auch gegen ein vom österreichischen Hilfswerk unterstütztes Ausbildungsprojekt für Frauen.
Das Magazin „CIN" berichtet über die pakistanische Ordensfrau Sr. Zakia Jamal, die in Lahore für ihre soziale Arbeit und Bildungsprojekte bekannt ist. U.a. betreibt sie eine Berufsschule, in der mittellose christliche und muslimische Frauen das Handwerk einer Schneiderin erlernen könne. Ziel des Projekts ist es, den Teilnehmerinnen eine neue Perspektive zu eröffnen und Frauen verschiedener Religionen in einem sicheren Umfeld zusammenzubringen, um gegenseitigen interreligiösen Respekt zu fördern. Die Schule wird von CiN unterstützt.
Mittlerweile sei die Ausbildungsstätte mehrmals Ziel von Anfeindungen und Angriffen geworden. Bei einem Einbruch seien vor Kurzem die Eingangstür beschädigt und Nähmaschinen gestohlen worden, die für die Nähausbildung der Frauen vorgesehen waren. Schon davor waren Unbekannte während eines laufenden Kurses in die Schule eingedrungen und hatten Sr. Jamal vorgeworfen, die muslimischen Frauen zur Konversion zum Christentum bewegen zu wollen. Die Eindringlinge forderten die sofortige Schließung der Schule.
Jamal gehört dem Orden Sisters of Charity of Jesus and Mary (Schwestern der Nächstenliebe von Jesus und Maria) an. Sie berichtete, dass sie und ihre Mitschwestern angepöbelt, beleidigt und sogar bespuckt werden. „Aus Sicherheitsgründen muss ich oft auf das Tragen der Ordenstracht in der Öffentlichkeit verzichten. Jeden Morgen überlege ich aufs Neue, ob und wo ich sie an diesem Tag tragen kann", so die Ordensfrau.
Trotzdem wolle sie sich in ihrem Engagement nicht entmutigen lassen. „In einer von islamischem Extremismus geprägten Gesellschaft sind alle Frauen Opfer von Gewalt und Diskriminierung. Frauen, die Minderheiten angehören, müssen auf allen Ebenen Ungerechtigkeit erfahren", so die Ordensfrau: "Als Ordensschwester, ist es vor allem das Mitgefühl Christi, das mich bewegt." Das Nähzentrum sei ein Ort, „an dem wir zusammenkommen, um unsere Erfahrungen und Visionen zu teilen und uns gegenseitig zu stärken und zu ermutigen," so die CiN-Projektpartnerin.

Kurznachrichten

 Papst Leo XIV. hat die durch Kriege verursachte Instabilität angeprangert, die Christen im Nahen Osten dazu zwingt, ihre Heimat zu verlassen. 

 

Papst Leo XIV. drängt zu mehr Einsatz für eine sichere Kirche gerade für die Schwächsten. „Die Begegnung mit Christus prägt uns positiv und führt uns zu einem Leben voller Liebe und Freiheit", sagte er am Mittwoch im Vatikan. „Missbrauch hingegen bewirkt genau das Gegenteil: Er hinterlässt traumatische Wunden, die die spirituelle und menschliche Entwicklung eines Menschen behindern und untergraben."

 

Die EU hat den russisch-orthodoxen Metropoliten der Halbinsel Krim, Tichon (Schewkunow), auf ihre Sanktionsliste gesetzt, da er „eine aktive Rolle bei der Verbreitung russischer Propaganda und Desinformation zur Rechtfertigung des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine" spiele. 

 

Frankreich. Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, ist von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet worden. Bei der Übergabe der höchsten Auszeichnung des französischen Staates im Élysée-Palast am Dienstag würdigte Macron den Kardinal laut Zeitung "La Croix" als "unermüdlichen Apostel des interreligiösen Dialogs, der Gerechtigkeit und des Friedens", der regelmäßig auch Gewalt gegen Christen im Nahen Osten anprangert.

 

In Ungarn werden heuer für die Diözesen voraussichtlich zehn Männer zu römisch-katholischen Priester geweiht. Im Vorjahr lag die Zahl bei zwölf; eine Übersicht zu Priesterweihen im Bereich der Ordensgemeinschaften gibt es nicht. 

 

Kuba. Die katholische Kirche in Panama und in Puerto Rico hat Lieferungen von insgesamt mehreren Hunderttausend Hostien nach Kuba organisiert, um Engpässe bei der Feier der Eucharistie in Kuba zu überbrücken. Hintergrund der Engpässe ist eine sich verschärfende Versorgungskrise in Kuba, die weite Teile des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens betrifft. 

 

Deutschland. Der Anteil von potenziellen AfD-Wählerinnen und -wählern ist laut einer Umfrage unter Katholiken und Angehörigen evangelischer Landeskirchen geringer als unter der Gesamtbevölkerung in Deutschland. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatten die AfD mehrfach als für Christen nicht wählbar bezeichnet.

 

Deutschland. Der Sozialethiker Manfred Spieker hat Papst Leo XIV. Inkonsistenz in dessen Überlegungen zur Lehre vom gerechten Krieg vorgeworfen. Was die Sozialenzyklika „Magnifica humanitas" dazu sage, „entbehrt jeder Konsistenz und zwingt zu mehreren Einwänden", schrieb der ehemalige Osnabrücker Professor am Dienstag auf dem Portal „communio.de".

 

Bosnien-Herzegowina. Der Wallfahrtsort Medjugorje und die sich darauf berufenden religiösen Gruppen in aller Welt bereiten sich derzeit auf die Feiern zum 45. Jahrestag des Beginns der Marienerscheinungen im Jahr 1981 vor, die bis heute täglich andauern sollen, wenn man den Berichten Glauben schenkt. 


  

Großbritannien. Die anglikanische Church of England hat sich offiziell für ihre Rolle bei Zwangsadoptionen entschuldigt. Tausende unverheiratete Mütter in Mutter-Kind-Heimen wurden über Jahrzehnte unter Druck gesetzt, ihre Kinder zur Adoption freizugeben. Die Schwangerschaft sollte so vor der Gesellschaft verborgen werden. 

Ebenfalls veröffentlicht wurde eine Untersuchung zur Praxis der Zwangsadoptionen in den Jahren Zwischen 1949 und 1976 wurden in England und Wales rund 185.000 Kinder unverheirateter Mütter zur Adoption freigegeben. An wie vielen die Kirche beteiligt war, lasse sich nicht sagen. Im untersuchten Zeitraum sei die Kirche allerdings an "möglicherweise mehr als 200" Heimen beteiligt gewesen. 


Österreich



Niederösterreich. Der Klosterneuburger Propst Anton Höslinger ist der neue Vorsitzende der Niederösterreichischen Äbtekonferenz. Er folgt in dieser Funktion auf Georg Wilfinger, emeritierter Abt des Stiftes Melk, der das Amt 18 Jahre innehatte. Sein Stellvertreter ist Petrus Stockinger, Propst des Stiftes Herzogenburg.

 

Niederösterreich. Erst 22 Monate im Amt, hat der Superintendent der evangelischen Diözese Niederösterreich, Michael Simmer (44), „aus persönlichen, privaten Gründen" seinen Rücktritt angekündigt. 

 

Tirol. Über 800 Menschen sind der Einladung zum Franziskus-Mahl „Pasta per tutti" im Innsbrucker Dom am 14. Juni gefolgt. Zur offenen Tischgemeinschaft, die Begegnung über soziale, kulturelle und religiöse Grenzen hinweg möglich machen sollte, luden im Rahmen des Franziskus-Jahres die Diözese Innsbruck und das Italienische Kulturinstitut Dante Alighieri Innsbruck. 

 

Vorarlberg.  Im Kulturhaus Dornbirn steht Ende Juni ein Musical über Kinderrechte, Generationendialog, digitale Lebenswelten, soziale Gerechtigkeit und gesellschaftliche Verantwortung auf dem Programm. Veranstaltet wird die Produktion „Special Delivery" von den Kinder- und Jugendbotschafterinnen und Jugendbotschaftern der Caritas Auslandshilfe und „groovaloos!" in Kooperation mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft Vorarlberg.

 

Tirol. Am 12. Juni wurde in der Jesuitenkirche in Innsbruck bereits zum 230. Mal das Herz-Jesu-Gelöbnis erneuert. Mit dabei waren Bischof Hermann Glettler, Landeshauptmann Anton Mattle und Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann. Das Gelöbnis geht auf das Jahr 1796 zurück, als die Tiroler Landstände das Land dem „Heiligsten Herzen Jesu" weihten und in Kriegsgefahr das Versprechen gaben, künftig den Herz-Jesu-Freitag feierlich zu begehen, Jesus und seiner Botschaft treu zu bleiben und Herz zu zeigen, besonders für die, die es im Leben schwer haben. 

 

Wien. Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Wiener Dominikanerkirche hat der Wiener Dominikanerkonvent am Sonntag den spirituellen Höhepunkt seines 800-Jahr-Jubiläums begangen. 

Seit 1226 sind die Dominikaner in Wien nachweisbar präsent. Das Wiener Kloster ist damit der weltweit am drittlängsten durchgehend von Dominikanern bewohnte Konvent des Predigerordens, nach Krakau und Dubrovnik. 

Wie der US-Vize zur katholischen Kirche fand

US-Vizepräsident James David Vance legt in einem in dieser Woche im Verlag HarperCollins erschienenen Buch „Communion - Finding My Way Back to Faith" seinen Weg zum katholischen Glauben dar. Neben seiner Kindheit und Jahrzehnten in einem evangelikalen und später atheistisch-liberalen Umfeld beschreibt der 41-Jährige darin die Faszination, die später der katholische Glaube auf ihn ausübte - und bis heute ausübt. 
Über die katholische Kirche schreibt er: „Zu den Dingen, die ich an meiner Kirche bewundere, gehört die Tatsache, dass grundlegende Fragen der Lehre sich nur sehr selten ändern, und das auch nur nach einem langen, mühsamen Prozess, der viele kirchliche Instanzen involviert. Deshalb fühlt sich Katholizismus stabiler an, was eine Reihe junger Konvertiten anzieht, mit denen ich gesprochen habe, und die im Chaos des modernen Lebens einen tiefen Sinn suchen." 
Als entscheidende Stationen auf dem Weg zum Glauben nennt Vance unter anderem Gespräche mit zwei intellektuellen Dominikanerpatres in Washington, die Geburt des ersten Sohnes und ein Erlebnis in einer weitgehend leeren Kathedrale in Burgund. Dort habe er die ganze, lange und spannungsreiche Geschichte der katholischen Kirche gespürt. Er schreibt über seine Erkenntnis in diesem Moment: „Und doch, die Kirche, dieses Gebäude und die Gemeinschaft der Gläubigen, hat all das überdauert." Bald danach bat er um die Taufe.

Auch das noch...

Frankreich: „Boom von Erwachsenentaufen“

Die katholische Kirche in Frankreich erlebt nach Einschätzung des Grazer Pastoraltheologen Bernd Hillebrand eine neue Dynamik durch die stark steigende Zahl von Erwachsenentaufen. „Viele Verantwortliche erleben erstmals seit Jahren wieder, dass Menschen aktiv nach dem Glauben fragen", sagte Hillebrand im Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress nach einer Studienreise deutschsprachiger Kirchenvertreter in die Diözesen Paris, Créteil und Saint-Denis. Vor allem im Großraum Paris sei eine spürbare Aufbruchsstimmung wahrzunehmen, berichtete der Experte.
Im Mittelpunkt des Besuchs standen Gespräche mit Verantwortlichen und Taufbewerbern über den deutlichen Anstieg der sogenannten Katechumenen und Neugetauften. Laut offiziellen Kirchenstatistiken empfingen heuer in Frankreich über 20.000 Jugendliche und Erwachsene zu Ostern in der katholischen Kirche das Taufsakrament. Besonders stark ist das Phänomen in der Erzdiözese Paris ausgeprägt.
Hillebrand räumte ein, dass er die Entwicklung zunächst skeptisch gesehen habe. „Die Säkularisierung ist weiterhin Realität", sagte er. Umso deutlicher habe sich vor Ort gezeigt, dass insbesondere in Paris eine neue Aufbruchsstimmung zu bemerken sei. Erst die persönlichen Begegnungen hätten ein realistisches Bild ermöglicht. 
Besonders eindrücklich sei für ihn die Motivation vieler junger Erwachsener gewesen. "Viele berichteten von einer persönlichen Erfahrung, die sie nicht mehr losgelassen hat", sagte Hillebrand. Diese Erfahrungen hätten bei vielen den Wunsch geweckt, den Glauben zu vertiefen und schließlich die Taufe zu empfangen. Soziale Medien und geistliche Gemeinschaften hätten dabei zwar eine Rolle gespielt, selten seien sie dabei aber entscheidend gewesen. Die meisten suchten zuerst den Kontakt zu einer konkreten Person", berichtete der Theologe.
Nach Beobachtung Hillebrands kommt den Pfarrgemeinden beim Weg zur Erwachsenentaufe eine zentrale Bedeutung zu. Entgegen der häufigen Annahme eines Bedeutungsverlusts der Pfarren seien diese in Frankreich oft der erste Ort kirchlicher Begegnung. Nicht nur die Taufkandidaten selbst, sondern auch die Pfarren würden durch das Katechumenat - die Taufvorbereitung - sichtbar verändert. In Frankreich sei von einer „katechumenalen Transformation der Kirche" die Rede.
 

EU-Asylreform: Caritas sieht Chancen, Ordensmann übt scharfe Kritik

Die Reform des europäischen Asylsystems stößt bei Hilfsorganisationen und kirchlichen Vertretern auf geteiltes Echo: Die EU-Asyl- und Migrationsreform (GEAS) habe „das Potenzial, mehr Ordnung im europäischen Asylsystem zu bringen", sagte Caritas-Generalsekretärin Anna Parr gegenüber Kathpress, befürchtet aber zugleich „mehr Komplexität, neue Unsicherheiten und zusätzliche Hürden für Menschen auf der Suche nach Schutz". GEAS dürfe „keinesfalls zulasten von Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten" gehen, so Parr. Deutlich schärfer der Steyler Missionar Emanuel Huemer, der die Reform als Legitimierung europäischer Abschottungspolitik kritisierte. „Christlich ginge anders", so der Ordensmann; im Fokus müssten die unveräußerlichen Rechte und die Würde jedes Menschen stehen.
Hintergrund ist die seit Freitag geltende Reform des Gemeinsamen EU-Asylsystems (GEAS), mit der die Asylregeln vereinheitlicht und verschärft wurden. 
 

Australien: 42 Sprachen, volle Kirchen

Ohne Einwanderer sähe es in der australischen katholischen Kirche laut Experten schlecht aus: Der emeritierte Erzbischof von Brisbane, Mark Coleridge, betonte laut einem am Freitag im Kölner Portal „domradio.de" veröffentlichten Beitrag: „Wenn man die Vietnamesen, die Inder und die Filipinos weglassen würde, würden wir nicht gerade gut dastehen." Die australischen Bischöfe hatten 2025 in einem Hirtenwort den "unermesslichen Beitrag" der Migranten gewürdigt.
Aus einem vom Nationalen Zentrum für Pastoralforschung erstellten sozialen Profil der australischen Kirche gehe hervor, dass katholische Einwanderer aus Asien den Rückgang der Mitgliederzahlen unter den im Land geborenen Australiern teilweise ausgleichen. Gerade in den Großstädten entstünden so zunehmend multikulturelle Gemeinden, die von jüngeren und enger mit der Kirche verbundenen Mitgliedern geprägt werden. 
Obwohl Katholiken die größte einzelne Religionsgruppe in Australien bleiben, sank ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung laut einer Volkszählung aus dem Jahr 2021 innerhalb von fünf Jahren von 22,6 auf 20 Prozent. Schon 2021 wurden von den rund fünf Millionen Katholiken im Land 21 Prozent im Ausland geboren. So stammt inzwischen fast jeder fünfte Katholik aus einem nicht englischsprachigen Land. Filipinos bilden mit 4,3 Prozent aller australischen Katholiken die größte Einzelgruppe. Daneben gibt es viele katholische Zuwanderer aus Indien, Vietnam, dem Irak, dem Libanon und Sri Lanka.
Auch die Zahl der Gottesdienstbesucher spiegelt diesen Trend: Während ihre Zahl insgesamt rückläufig ist und 2021 bei nur noch 8,2 Prozent der katholischen Bevölkerung lag, verzeichneten die östlichen Diözesen einen großen Anstieg: Wegen zunehmender Zuwanderung aus Indien verzeichnete die syro-malabarische Eparchie laut Umfrage einen Anstieg um 90 Prozent: von 4.390 Messbesuchern im Jahr 2016 auf 8.352 im Jahr 2021. Die Gottesdienst-Besuchsquote kletterte im gleichen Zeitraum von 52,6 auf 81 Prozent. In Australien wird die Messe mittlerweile in mindestens 42 verschiedenen Sprachen und in ganz unterschiedlicher Form gefeiert.
 

Orgelweihe im Prager Veitsdom schließt Jahrhundertprojekt ab

Generationen von Kirchenmusikern, Gläubigen und Priestern haben darauf gewartet: Im Prag ist die neue Orgel des Veitsdoms auf dem Hradschin feierlich gesegnet worden. Erzbischof Stanislav Pribyl bezeichnete das Instrument beim abendlichen Festgottesdienst am Montag als neue Stimme der Kathedrale, "die nicht mit Worten sprechen wird und dennoch zum Herzen der Menschen sprechen kann". Gesegnet wurde die Orgel mit 121 Registern, 5.755 Pfeifen und zwei Spieltischen vom emeritierten Erzbischof Jan Graubner. 
Im Gottesdienst waren Werke von Antonin Dvorak, Georg Friedrich Händel, Camille Saint-Saens und Joseph Haydn zu hören. Die Feier gilt auch als symbolischer Abschluss des fast sieben Jahrhunderte währenden Baus der bedeutendsten Kirche Tschechiens auf der Prager Burg.
Die speziell für die außergewöhnliche Akustik des Veitsdoms konzipierte Orgel entstand in der Werkstatt des renommierten Orgelbauers Gerhard Grenzing in El Papiol bei Barcelona. Grenzing bezeichnete das Projekt als einen Höhepunkt seines beruflichen Lebens und sprach von einem „wahren Kunstwerk, das der Musik, der Liturgie und der Architektur der Kathedrale dient,
Mehr als 12.000 Spenderinnen und Spender beteiligten sich und finanzierten so den Löwenanteil der Kosten des Millionenprojekts. 

St. Gilgen: Ausstellung würdigt David Steindl-Rast zum 100. Geburtstag

Mit einer feierlichen Vernissage ist im Mozarthaus St. Gilgen die Ausstellung „DAVID100" eröffnet worden. Die Schau würdigt das Leben und Wirken des Benediktiners und Friedensbotschafters David Steindl-Rast, der am 12. Juli seinen 100. Geburtstag feiert und seit 2010 im Europakloster Gut Aich lebt, berichtet die Österreichische Ordenskonferenz auf ihrer Homepage. Die Ausstellung ist bis 20. September jeweils von Donnerstag bis Sonntag geöffnet.
Mehr als 100 Gäste nahmen an der Eröffnung teil, darunter auch Bruder David selbst. Prior Thomas Hessler würdigte in seiner Ansprache die „Gott-Verwobenheit" des Jubilars sowie dessen von Dankbarkeit geprägte Lebenshaltung. Diese schenke ihm bis heute eine ansteckende Freude und Offenheit. Die Ausstellung wurde vom Kuratorenteam Studio Trias gestaltet und versteht sich als Einladung, zentrale Themen im Denken Steindl-Rasts kennenzulernen. Ergänzt wird die Schau durch rund 50 Werke internationaler Künstlerinnen und Künstler sowie Beiträge von Kindern und Jugendlichen aus St. Gilgen.
Zu den besonderen Elementen zählen ein sechs Meter langer Teppich mit dem „Hohelied der Liebe" aus dem ersten Korintherbrief, ein "Friedens-Park" mit 100 weißen Gebetsfahnen, ein „Consciousness-Pavillon" sowie ein Bewusstseinspfad zum Thema Frieden. Als innovativer Bestandteil wurde zudem der von der Universität Salzburg entwickelte KI-Chatbot „Bruder David Bot" vorgestellt, der virtuelle Gespräche mit dem Benediktiner ermöglicht.
Wanderer zwischen den Welten
Bruder David Steindl-Rast wurde am 12. Juli 1926 in Wien als Franz Kuno Steindl geboren und wuchs in Edlach an der Rax (Bezirk Neunkirchen) auf. Die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs und die Begegnung mit der Ordensregel des heiligen Benedikt führten den jungen Psychologiestudenten zu der Entscheidung, Mönch zu werden. Nach seiner Promotion an der Universität Wien emigrierte er 1953 in die USA und trat in das Benediktinerkloster Mount Saviour Monastery ein, wo er den Ordensnamen David erhielt.
Internationale Bekanntheit erlangte Steindl-Rast vor allem durch seine Vorträge und Schriften über Spiritualität, Dankbarkeit und Achtsamkeit. Seit den 1960er-Jahren engagierte er sich intensiv im Dialog zwischen Christentum und Buddhismus und wurde zu einem der bekanntesten Vertreter interreligiöser Begegnung. Gemeinsam mit dem Zen-Priester Vanja Palmers gründete er 1989 das „Haus der Stille" in Dienten am Hochkönig. Für sein Engagement im Dialog der Religionen erhielt er unter anderem den Martin-Buber-Preis.
Viele Jahre lebte Bruder David zeitweise als Eremit in den USA und war weltweit als spiritueller Lehrer und Vortragsreisender tätig. Seit 2010 gehört er der Gemeinschaft des Europaklosters Gut Aich an. Seine Bücher und Vorträge über Dankbarkeit als Lebenshaltung fanden international große Beachtung. 2023 wurde er mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. Er zählt zu den bekanntesten österreichischen Ordensleuten der Gegenwart.